Zul-aer /lnzeiger
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Ar. 45 — 1932
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Fulda, Dienstag, 23. Februar
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9. Jahrgang
Der Umbau der Banken.
Zusammenschluß der Danatbank mit der Dresdner Bank.
Die neue Mammuibank.
Der große Tag der deutschen Banken.
Dem Wunsche höherer Stellen folgend, haben die leitenden Köpfe der deutschen Banken und ihre Helfer bis zum kleinsten Bankangestellten hinab in den letzten Wochen die Arbeit geleistet, die notwendig war, um am 22. Februar ihre Bilanzen vorzulegen. In den Grotz- banken hat man in den letzten Tagen ost bis in die NaA hinein zusammengesesscn, um das umfangreiche Zahlen- wcrk, das über die Ereignisse des Krisenjahres 1931 Aufschluß gibt, zu ordnen und der Öffentlichkeit den Bericht für das vergangene Jahr vorzulegen. Durch den Bericht wird die deutsche Öffentlichkeit und die Welt erfahren, wie schwer die Banken unter der Krise, die den deutschen Wirtschaftskörper im Jahre 1931 getroffen hat, gelitten haben. Umfangreiche Sanierungen und Zusammenschlüsse stehen bevor. Eine neue Mammutbank, die unter starkem Negierungseinsluß stehen wird, ist durch den Zusammenschluß der D a n a t b a n k mit der Dresdner Bank gegründet ivorden. Die Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft wird zwar kapitalmäßig nicht an dieses neue Unternehmen heranreichen, aber sie wird Deutschlands größtes, rein privatwirtschaftlich geleitetes Bankunternehmen bleiben.
Der 22. Februar ist gleichzeitig der Tag, an dem die Neichsregierung der Öffentlichkeit bekanntgegeben hat, wie sie zusammen mit den Großbanken die schweren Schläge überwinden wird, die das Krisenjahr 1931 allen deutschen Großbanken versetzt hat.
Bekanntlich hat die Reichsregierung im Juli letzten Jahres, als die Zahlungsschwierigkeiten bei den deutschen Banken eintraten, eine Reichsgarantie sm die gesamten Einlagen der Darmstädter Bank übernommen. Es war damals nicht nur die Darmstädter und Nationalbank in Schwierigkeiten, auch bei den anderen Großbanken stellte es sich heraus, daß sie durch die Abzüge von Auslandskrediten in eine schwierige Lage geraten waren. Bon diesen Tagen ab datiert das Bemühen der Reichsregierung, eine neue Grundlage für die Banken zu schaffen.
Reichsfinanzminister Dr. Dietrich schilderte vor Vertretern der Presse die Arbeit der Neichsregierung aus diesem Gebiete und legte die Gründe dar, warum sich die Neichsbank dafür entschieden hat, die D a r m st ä d t e r Bank in der Dresdener, an der sich die Reichsregie- wng bekanntlich im Juli 1931 stark beteiligt hat, aufgehen W lassen. Die Neichsregierung hatte den Wunsch, unter "llcn Umständen von der Garantie für die Einleger der Danatbank herunterzukommen, das war
der Hauptgrund für die Verschmelzung.
Tazu sind noch, wie der Reichsfinanzminister andeutete, personelle Schwierigkeiten gekommen. Die Wieder- Wetlung einer gesunden Lage bei den Banken, mit Hilfe ?ks Reiches, war natürlich nur möglich, nachdem das Reich über die Lage der einzelnen Banken genau unterrichtet und nachdem auch durch das Stillhalteabkom- Men eine neue Gefährdung durch Abzüge von Auslands- geldern ausgeschlossen war. Um nun zu verhindern, daß me Großbanken zu verschiedenen Terminen ihre Bilanzen mrausbrachlcn, was dazu geführt hätte, daß vielleicht die Minden von der einen Bank zu der anderen gelaufen waren, hat die Reichsregierung es durchgesetzt, daß alle " n k c n gleichzeitig zum 2 2. Februar mit wn Bilanzen herausgckommcn sind. Die Hilfsstcllung
Neichsregierung bei der Wicdcrgesundung der Banken licht natürlich
nicht ohne schwere Opfer der Neichsregierung
, In der .Hauptsache werden die Gelder dadurch zur ^ersugung gestellt, daß die Reichsbank durch Aktien- er nah ine bei der G 0 l d d i s k 0 n t b a n k dieser «ank die Mittel gibt, ihrerseits Aktien der verschiedenen droßbanken zu übernehmen.
Die Großbanken legen ihr Aktienkapital zusammen,
; ^ tritt die Größe der Verluste nach außen in Er- emung. Die D e u I s ch e B a n k legt im Verhältnis von -Mammen, b. h. für 10 000 Mark alte Aktien werden Mark neue Aktien gegeben.
in..^^i den anderen Banken ist das Verhältnis dn», . ~^cr Besitzer von Aktien dieser Banken hat also Prozent seines Vermögens verloren.
ne»« Schaffung von neuem Kapital werden die Banken fürs- - 11 ausgeben. Ta natürlich zurzeit wenig Käufer der Aktien vorhanden sind, werden diese Aktien in twn der Golddiskontbank ausgenommen. tieuVw»^ c ut schen Bank ist es gelungen, für ihre ciiniA «,lcn schon Geldgeber zu finden. Das ist also die sa»!»^ ®roübanf, die sich ohne Hilfe des Reiches mit ?'c putzte Bank wird künftig die Dresdner Bank sein
Aktienkapital von 220 Millionen Mark.
§*/«” Ihr ist das Reich am stärksten beteiligt. Mit der SaiJ«®. der Dresdner Bank und der Übernahme der
tn die Dresdner Bank erlischt die Garantie bctfliÄ ^""cgcr der Danatbank, denn der Finanzminister teUin“ den Standpunkt, daß die Einlagen durch die Be- SOliiriA?0 des Reiches an der Dresdner Bank mit 150 Hnat gesichert sind. Der Reichs- M,. ' -minister erklärte, es entspräche nicht seinem inneren ftwnv 21 "aß hie Zusammenballung her Banken noch - J^erbejUg bisher, aber es habe sich kein anderer
Weg smoen tagen, und man will den Gefahren dieser Großbankbildung dadurch begegnen, daß man
die Filialen der Banken im Lande selbständiger als bisher ausgestalte.
Die vom Reich unterstützten Banken werden von ihren Gewinnen künftig zunächst 1 5 Prozent a n die R e i ch s k a s s e abführen müssen. Von dem Rest dürfen Dividenden verteilt werden, aber nicht über 8 Prozent.
Verschmelzung Dresdner Bank—Danat.
Die Haupwerwaltungsgebäude der beiden Berliner Großbanken, die jetzt zu einem einzigen Institut zusammengelegt werden: (links) Dresdner Bank und (rechts) Darmstädter und Nationalbank.
Die Abschreibungen, die bei der Bankensanierung vorgenommen werden mutzten, waren, wie der Reichs- siuanzminister erklärte, gewaltig.
Es wurde alles abgeschrieben, was tatsächlich verloren ist, und bei allen noch in die Bilanz eingesetzten Werten wurden starke Abschreibungen vorgenommen. Der Reichsfinanzminister glaubt, daß durch diese Sanierung nach menschlichem Ermessen
künftigen Gefahren vorgebeugt ist.
Er glaubt auch gewisse Anzeichen einer Besserung in den letzten Monaten zu haben und er
Heute Reichstagsbeginn.
Zugeständnisse der Reichsregierung.
Senkung der Biersteucr. — Um den Rcichswehrerlatz.
Vor dem Beginn der Vollsitzung des Reichstages sind am Montag einzelne Fraktionen zusammengetreten, um zum Arbeitspensum des Reichstages und zur parlamentarischen Lage Stellung zu nehmen. In parlamentarisch- politischen Kreisen wird natürlich eifrig die Frage erörtert, welche Aussichten das Kabinett Brüning gegenüber den zahlreich cingebrachten Mißtrauensvoten hat. Das Schicksal der Regierung Brüning dürfte unter Umstände» von nur wenigen Stimmen abhängig sein.
Um den Wünschen der Parteien cntgegenzukommen, soll sich das Kabinett Brüning zu einigen Zugeständnissen bereit erklärt haben. So wird davon gesprochen, daß ctma zum 1. April eine Senkung der Biersteuer cintreten soll. Weiter besteht die Absicht, dem Erlaß des Rcichswehrministcriums, nach dem auch Nationalsozialisten der Eintritt in die Reichswehr gestattet war, eine besondere Auslegung zu geben. In welcher Form diese Auslegung vor sich gehen soll, und ob sic vom Reichskanzler oder vom Neichswehrministcr gegeben werden wird, steht noch nicht fest.
Diese Erklärung wird, wie man versichert, natürlich nicht den Sinn des Erlasses in sein Gegenteil verkehren, sondern sie wird die Mißverständnisse wegznräumcn haben, die sich an diesen Erlaß geknüpft haben. Es werde sich darum handeln, noch einmal einwandfrei klarzustellen, daß für die Einstellungen in die Reichswehr lediglich die Persönlichkeit des einzelnen und seine Eign ung für den Wweberns maßgebend sei, nicht seine Parteizugehörigkeit als solche.
Mit der Abstimmung über die Mißtrauensvoten im Reichstage ist für Ende dieser Woche zu rechnen. Reichskanzler Dr. Brüning wird selbst in die Debatte der nächsten Tage eingreifen.
Goebbels spricht im Reichstag für die NSDAP.
München, 23. Febr. (Eigene Funkmeldung).
Zum Zusammentritt des Reichstages schreibt die Natio- naisozialstische Partcikorrespondenz, die kssationalsozialisten würden am Dienstag oder Mittwoch durch Dr. Goebbels als ersten Redner den „Standpunkt des deutschen Volkes" in einer Umfassenden Rede begründen. Die Rechtsopposition, insbesondere die NSDAP., werde die Reichstags- ützunaen dazu benutzen, um ibrg F,or.der ung nach R n <h tiff des Kabinetts Brüning zum Aus» druck zu bringen,
steht diese Besserungszeichen in der Entwicklung bei der Akzept - und Garantiebank. Diese Bank wurde bekanntlich im Juli vorigen Jahres sehr schnell geschaffen, um den damals bedrohten Banken und Sparkassen zu helfen. Im Laufe der letzten Wochen sind an diese Bank sehr viele Abhebungen wieder zurückgeflossen, vor allem haben die
Sparkassen große Rückzahlungen vorgenommen, woraus man schließen kann, daß im Lande das Vertrauen zu den Banken wieder zurückgekehrt ist.
Zum Schluß betonte der Finanzminister, daß diese Wiedergesundung der Banken die Grundlage abgeben soll für die
Wiederbelebung des gesamten Wirtschaftslebens.
Von der Wirkung dieser Sanierungsarbeit wird es abhängen, ob die Wirtschaft über den nächsten Sommer hinwegkommen kann, aber Voraussetzung für das Gelingen, so betonte Dr. Dietrich, ist die Rückkehr des Vertrauens. Bezüglich der betroffenen Aktionäre der Banken erklärte Dr. Dietrich, daß diese nicht nur in dem Kreise der großen Leute zu suchen wären.
Eine Unmenge Aktien befindet sich in den Händen mittlerer und kleinerer Existenzen.
Der Verlust, den die Aktionäre der Großbanken erleiden, schwer. Wenn das Reich auch bei der Dresoncr und Danatbank sich aus den Standpunkt gestellt hat, daß den Aktionären ein bescheidener Teil ihres Vermögens belassen werden muß, so deswegen, weil sie an dem Verhängnis, das über das gesamte Volk und unsere Wirtschaft mit der Katastrophe im vorigen Sommer hereingebrochen ist, nicht schuldig sind und weil die Krise der Großbanken nicht auf ihre falsche Führung, sondern auf die
Nervosität des Auslandes, teilweise auch des Inlandes, zurückzuführen ist. Es darf auch nicht übersehen werden, daß die Aktionäre vielfach den Kundenkreis der Banken dar st eilen, aus dem allein zur Wiederbelebung der Banken deren Gewinn und damit deren Reserven gewonnen werden können.
Auch Reichsbankpräsident Dr. Luther machte einige Ausführungen vor der Presse und gab vor allem Auskunft darüber,
wie die Mittel geschaffen werden sollen, um den Banken bei der Wiedergesundung zu helfen. Zu einem großen Teil werden diese Mittel aus den Gewinnen der R e i ch s b a n k genommen, denn die Reichsbank habe natürlich durch die Entwicklung der Geldver- Hältnisse im letzten Jahr und durch die starke Inanspruchnahme der Reichsbank größere Gewinne gemacht als im Vorjahre. (Fortsetzung auf Seite 2.)
Um die Kandidatur der Rechten.
Gegenüber den Pressenachrichten, daß Adof Hitler von den Nationalsozialisten als Prästdentschaftskandidai aufgestellt werde und daß Deutschnationale und der Stahlhelm den Bundessührer des Stahlhelms, Oberstleutnant a. D. D ü st e r b e r g , aufstellen wollen, wird von nationalsozialistscher Seite erklärt, daß die NSDAP, noch keine Entscheidung getroffen habe And daß sie sich ihre Stellungnahme noch vorbehalte.
Hitler Präsidentschaftskandidat?
Berlin, 23. Febr. In der gestrigen General-Mitgliederversammlung des Gaues Berlin der NSDAP, soll Reichstagsabgeordneter Dr. Goebbels erklärt haben, daß Adolf Hitler als Kandidat der Nationalsozialisten aufgestellt werde. Entgegen anders lautenden Meldungen ist die Aufstellung Hitlers noch keine vollzogene Tatsache.
Alle, Schneefall und Wölfe in Griechenland.
Ein Segelschiff gekentert.
In ganz Griechenland ist eine überaus starke Kälte mit Schneefall eingetreten. In Athen, aber auch in Thessalien, Mazedonien und in verschiedenen anderen Gegenden ist der Schnee zwei Meter bock gefallen. Die Verbindungswege sind zum Teil unterbrochen.
Ganze Rudel hungriger Wölfe
greifen die Herden an; viele Ziegen und Schafe sind getötet worden. Auch einsame Wanderer befinden sich in ständiger Gefahr. Auf dem Ägäischen Meere toben starke Stürme. Vor dem Piräus kenterte beim Wenden ein Segelschiff, wobei f ü n f i n d e r K a i ü t e s ch I a f c n d c Arbeiter ertranken. Der schwerverletzte Kapuan konnte durch drei Matrosen gerettet werden.
Kleine Zeiiung für eilige Leser
* Durch den Zusammenschluß der Danatbank und der Dresdner Bank wurde eine neue Mammutbank geschassen.
* 6127000 Arbeitslose waren am IX Februar bei den Arbeitsämtern eingetragen.
* Bei Schanabai unternahmt u die Japaner neue schwere Angttffc, die aus verzwciscllcn Widerstand der LLinclen stießen.