Lite Manen memi
Deutschlands militärische Deklassierung — Nachdenkliches
Kopsschütteln — Unfriedlichcr Wettstreit.
ES ist alles „in bester Ordnung'! Schneider-Creuzol, boda, Hotchkiß und wie andere große Rüstungsbetriebe noch beißen mögen, haben plötzlich wieder recht gut zu tun. ^k Japaner „tätigen“ dort Massenbestellungen von Kriegsmaterial und angeblich sollen sich auch die im Weltkriege so sehr beliebten Gasgranaten bei diesen Lieferungen finden. Im übrigen „tätigen* auch die Chinesen bei Skoda . . .! In Genf aber plätschern währenddessen munter die Reden auf der Abrüstungskonferenz dahin. Und es dürfte jetzt, da die geheimen, aber wirklichen Herren der Konferenz — die französischen Delegierten — „regie- rutlassrifenbalber* nach Paris abgereist sind, fast als Störung des leider gar nicht vorhandenen, theoretisch aber an die Tür pochenden Friedens in Genf empfunden wor- den sein, daß der deutsche Delegierte nun mit den Ab- rüstnngsvorschläqen Deutschlands den Schlüssel für die Tür vorwies, durch die der Weltfriede nun wirklich eintreten könnte. Unser Vertreter setzte sich dabei auch noch ganz absichtlich in den vollsten Gegensatz zur Erklärung Tardieus, man sei nach Genf nicht zu einer Friedens konferenz gekommen. Freilich ist es ja ganz unmöglich, daß ein Weltfrieden zustande kommt, ein wirklicher, der sich nicht durch den Gott Mars „sichern' lassen muß, — solange die einseitige militärische Deklassierung Deutschlands be sieben bleibt. Solange wir allein am Ende des Weges sieben, dessen Anfang zu betreten die andern zwar ver- svrockcn, bisher aber noch nicht in Angriff genommen haben. Die deutschen Abrüstungsvorschläge sind nur die Konsequenz jenes Versprechens, das in der Einleitung zum Abschnitt V des Versailler Vertrages niedcrgelcgt ist, jenes Artikels, der unsere Entwaffnung verfügte und diese mit dem Versprechen allgemeiner Abrüstung sozusagen „moralisch' untermauern "wollte. Manches aus den deutschen Vorschlägen stimmt mit dem überein, was schon andere Mäcbre in Genf verlangten, anderes findet sich sogar in dem Konventtonsentwurf der Vorbereitenden Abrüstungs- komnlission, vieles geht über jene Programme hinaus als Wegweiser bis zu jenem Punkte der Abrüstung hin, aus dem wir selbst stehen und wo wir das Papier hochheben mit dem Artikel 8 des Völkerbundstatuts darauf: „Die Mit- glieder des Bundes bekennen sich zu dem Grundsatz, daß die Aufrechterhaltung des Friedens es nötig macht die nationalen Rüstungen auf das Mindestmaß herab zu setzen, das mit der nationalen Sicherheit und mit der Durchführung der durch ein gemeinsames Handeln auferlegten Verpflichtungen zu verein- raren ist.' Sollen diese Verpflichtungen — Versailler Vertrag, Artikel V —, soll jener Grundsatz nur — ein Stiici Papier bleiben, an dem sich wieder einmal ein Krieg entzünden kann?
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Zum mindesten also: die Angrif fswaffer nieder! Ja, wer ist „Angreifer'? Diese uralte Streitfragt gilt ja auch in jenem andern Krieg, dessen vernichtend« Flammen immer höher lodern, immer mehr Opfer forderm im W i r t s ch a f t s k r i e g. An ein furchtbar ernstes Wor: sei erinnert, daß vor kurzem der Reichsbankpräsident Dr Luther gesagt hat: Wenn er so durch die Straßen Berlins fahre nach einer Beratung mit der Reichsregierung oder nach einer Verhandlung in der Reichsbank, dann wunder« er sich immer wieder, daß die Leute so ruhig einhergehens Vom Standpunkt des Wissenden und genau Unterrichteten aus mag dieses nachdenkliche Kopfschütteln zu verstehen sein. Aber diese schnell aufeinanderfolgenden Großkampftage des jetzigen Weltwirtschaftskrie- g e s stumpfen ab und — vieles wissen wir andern ja nicht Kaum daß wir aufmerken, wenn einmal ein ganz besonders „dicker Brocken' einschlägt. Und so etwas war die Feststellung, daß unsere Ausfuhr im Januar um fast ein Viertel zusammengeschrumpft ist, der Ausfuhrüberschuß gar aus die Hälfte gegenüber dem Vormonat zurückging und nur noch ein Viertel dessen beträgt, was unser Außenhandel im Oktober vorigen Jahres erreichen konnte. Das heißt aber wieder, daß die Tevisenlage der Reichsbank einer sehr ernsten Zukunft entgegensehen mutz. In unserer Zahlungsbilanz gegenüber dem Ausland war dieser Überschuß der einzige Aktivposten. Wir wollen unsere Schulden bezahlen, können es aber nur mittels Warenausfuhr tun. Und gegen diese führt das Ausland mit immer höher steigenden Zöllen, Einfuhrverboten oder -kontingen- tierungen einen Tag um Tag heftiger werdenden Angriffskrieg. Wehren wir uns dagegen, dann sucht man draußen nach noch schärferen Waffen. Und wennunsereAus- fuhr nicht wieder steigt, dann können wir eben auch unsere Schulden nicht bezahlen. Dann müssen auch wir uns mit härteren Stößen verteidigen und werden nicht mehr still auf dem Wege — zu- 'ammenbrecheu
Tas ist freilich nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus der Riefenmasse von Gründen, die den Reichsbankpräsidenten, seinem Wort zufolge, sich so sehr verwundern lassen. Um so stärker muß darum jedes einsichtigen Teutschen Kopf- schünely werden, wenn man bei uns „auf der Straße' innenpolitisch recht „unruhig' ist. Wenn es bei uns bis zur Präsidentenwahl einen sehr unfrieb- lèchen Wettstreit geben wird. Wenn am 23. d. M. im • -^-ag ein wilder Kampf anheben wird um Bleiben' ocer Verschwinden des Kabinetts Brüning, obwohl man von allen Seiten her auf Deutschland losschießt und selbst V i t a u e n aus dem Hinterhalt auf den mühsam sich durch ^as Gestrüpp hindurchwindenden Teutschen herfällt. Zu allem hält man in Genf hochwohlweise Reden oder will uns höchstens den Papierhelm juristischer oder schieds- gerichtlicher Gutachten aufs wehrlose Haupt stülpen. Im Ä^melland ist unter den litauischen Fersenstötzen sofort
• "wen den verschiedenen deutschen Parteien ein Waffen- n-Lnand abgeschlossen worden, kam es im Landtag zu einer k chlossenen Abwehrfront gegen den überfall von Litauen her. Darüber muß man sich als Teutscher — leider — fast â"m Atan darf sogar den Kopf schütteln, nicht etwa über die Memelländer, sondern über — uns selbst Weil wir es, anscheinend immer noch nicht wissen, gegen wen wir unsere Waffen heben müssen. Dr. Vr.
DrS deutschen Abrüstungsvorschläge. Paul-Boncour: Unannehmbar! — England für weitere Verhandlungen.
Ter Führer der französischen Abordnung, Paul-Von- cour, erklärte der Presse, daß die deutschen Vorschläge der Form nach zwar durchaus gemäßigt seien, inhaltlich jedoch für Frankreich völlig unannehmbar wären, insbesondere da Die deutsche Regierung den von England und den Vereinigten Staaten grundsätzlich bereits angenommenen Abkommenseniwurf des Völkerbundes als Verhandlungs, grunoiage ablehne.
Dagegen wird von feiten der englischen Abordnung yervorgehoben, daß die deutschen Vorschläge durch-
«US die Tur Tuj roct.t treuer Gan vi uh « V« "IC" lihren und daß einige Punkte xder deutschen Vorschläge annehmbar seien, während andere Punkte, wie die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht, Abschaffung der Festungen und einige Flottenvorschläge nicht durchführbar wären.
Der Eindruck in England.
Der deutsche Abrüstungsvorschlag wird in der Londoner Presse größtenteils in Stichworten wiedergegeben. England, so heißt es, werde besonders getroffen von dein deutschen Vorschlag, alle Befestigungen abzuschaffen, die die internationalen Wasserweg e beherrschen. Dies würde z. B. bedeuten, daß Gibraltar entfestigt werden solle. Der deutsche Vorschlag sei wohl in erster Linie im Hinblick auf die Belte gemacht worden; offenbar hätte die deutsche Abordnung an die Rückwirkung auf Gibraltar gar nicht gedacht.
In den Kreisen der englischen Diplomatie ist man darüber erstaunt, daß die deutscher« Vorschläge keine Forderung nach entmilitarisierten Grenzzone 11 auch in anderen Ländern als Deutschland enthalten, obivohl mehrfach durch führende Blätter die Berechtigung und die Möglichkeit eines derartigen Plans in nicht inistzuverstchender Weise zum Ausdruck "gebracht worden waren.
Immer langsam voran!
Die weiteren Verhandlungen der Abrüstungskonferenz.
Das Präsidium der Abrüstungskonferenz hat beschlossen, am Sonnabend und Montag keine Vollsitzungen abhalten zu lassen. Das Präsidium wird bann eine Tabelle veröffentlichen, in der die Abrüstungsvorschläge der einzelnen Regierungen einander gegenübergestellt werden, so daß bamit eine Übersicht über die grundsätzlichen politischen Gegensätze, besonders zwischen den Großmächten, in den Hauptfragen der Abrüstung rnöglich sein wird. Man nimmt an, daß die Konferenz um den 20. März herum auf einige Wochcir vertagt werden wird.
Das japanische Auswärtige Am: hat die Nachricht erhalten, daß der Völkerbundausschuß zur Prüfung des japanisch-chinesischen Konflikts am 4. März in Schanghai eintreffen wird.
Keine Auflösung des Hessischen Landtages.
Darmstadt. Im Hessischen Landtag wurden deutschnationale und kommunistische Anträge auf Auslösung des Landtages beraten. Die Nationalsozialisten, Sozialdemokraten, das Zentrum und der Cbristlichsoziale Volksdienst, ließen Er- klärungen abgeben, wonach sie zurzeit nicht für eine Auf- I ö s u n g des Landtages zu haben sind. In der Abstiminung wurden "die Auflösungsanträge dann gegen die Stimmen der Komniunisten, der Deutschnationalen und des Landbundes ab- aelehnt.
Die Affäre Buttler.
Darmstadt, 19. Febr. Wie wir bereits mitgeteilt haben, ist die zu dem Anschlag auf den Abgeordneten Buttler benutzte Waffe gestern in der Modau in der Nähe der Eber- stadter Brücke gefunden worden. Die Waffe, ein 6,35 mm Trommelreoolver, lag etwa 4 m von der Brücke entfernt im Wasser. Die Fundstelle liegt genau in der Richtung, in der der Abgeordnete Buttler von einem Arbeitersamariter aufgehoben wurde. Der Augenzeuge Bademeister Diether wurde gestern in Eberstadt noch einmal vernommen, ebenso mehrere der NSDÄP. angehörende Personen. Auch die Zeugin Schrimpf wurde noch einmal verhört. Wie wir hören, hat die Röntgenaufnahme der noch im Körper des Verletzten befindlichen Kugel ergeben, daß sie mit der in der Pistole, einer französischen Pistole, befindlichen italienischen Munition übereinstimmt. Der Frankfurter Eerichts- chemiker Dr. Popp soll festgestellt haben, daß der Schug aus allernächster Nähe abgegeben wurde, daß sogar wahrschein-
Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten
Merkblatt für den 21. Februar.
1677: Der Philosoph Baruch Spineza im Haag gest. — 1779: Der Rechtslehrer Karl v. Savigny in Frankfurt am Main geb. — 1862: Der Dichter Justinus Kerner in Weinsberg gest. — 1866: Der Mediziner August v. Wassermann in Bamberg geb. — 1916: Schlacht bei Verdun.
Merkblatt für den 22. Februar.
1732: George Washington, der Begründer der Unabhängigkeit Nordamerikas, in Westmoreland geb. — 1788: Der Philosoph Arthur Schopenhauer in Danzig geb. — 1840: Der Sozialist August Bebel in Köln a. RH. geb. — 1857: Der Physiker Heinrich Hertz in Hamburg geb.
Kriegergrabmal.
Mutter, sag nichts, wie alles noch geendet! Es war nicht umsonst: wir sind vollendet.
Wie wird das Wetter?
Nach dem außerordentlich scharfen Frost am Ende der Vorwoche trat in ganz West-, Nord- und Mitteldeutschland sowie in Schlesien eine merkliche Milderung ein. In den schlesischen Bergen und in Süddeutschland kam es zu verbreiteten Schneefällen. Die Temperaturen lagen im allgemeinen zwischen 5 und 10 Grad Kälte. . Au der Ostseite des englischen Hochdruckgebiets rückte em Gebiet stärkerer Bewölkung südwärts und es ist zu erwarten, daß auch bei uns mit fallendem Luftdruck Bewölkung aufkommt. Ueber Nordskandinavien ist aber kalte Polarluft im Vordringen, die späterhin auch Deutschland erreichen wird, doch dürfte der Kälteeinbruch bei uns nicht zur vollen Auswirkung kommen. — Vorhersage bis Sams- tag abend: Nach kalter Nacht vielfach neblig und Aufkommen von Bewölkung, Tagestemperaturen nicht so hoch wie bisher, vorübergehend auf West drehende Winde. — Witterungsaussichten für Sonntag: Bewölkung wechselnd, höch- ?e"s Steinzeit Niederschlagsschauer, nach Milderung wieder kalter bei Nord- und Ostwinden.
"Fulda, den 20. Februar 1932.
Am Wochenende.
D" ®’tfet strengt sich noch ein bisschen an, sozusagen vor Toychluß, aber er wird nicht mehr so ernst genommen
>vi Panuar. Mit dem 24. Februar soll es nach der alten Bauernregel eine Wendung geben. „Mattheis onchts Eis — hat er keins, dann macht er eins". — Wir wissen, dass das Licht im Wachsen ist, der Frühling lässt sich
dungsstuck aufgesetzt worden war. Der verletzte Buttler der heute in der Klinck wieder vernommen worden ist, bestreitet, selbst der Taler gewesen zu sein oder von dem Schuss etwas gehört zu haben.
Was man noch Wissen muß.
Zusammenschluß Commerzbank Barmer Bankverein beschlossen.
Berlin. Der angekündigte Zusammenschluß der Commerz- und Privatbank A.-G mit dem Barmer Bankverein vormals Hinsberg, Fischer u. Comp. kann als beschlossen angesehen werden.
Grundsätzlich Freiheitsstrafen für Vergehe«« gegen das Schußwaffeilgesetz.
Hamburg. Bürgermeister Dr. Petersen hat in seiner Eigenschaft als Leiter der Landesjustizverwaltung eine Verfügung an den Generalstaatsanwalt erlassen, daß mit aller Strenge des Gesetzes gegen diejenigen vorgegangen werden müsse, die wegen Vergehens gegen die Schußwaffenbestimmun- gen unter Anklage gestellt werden. Er ersucht anzuordnen, daß von den Vertretern der Staatsanwaltschaft grundsätzlich bei derartigen Vergehen eine Freiheitsstrafe beantragt werde:
Wieder Schiffahrt auf der Elbe.
Hamburg. Die Schiffahrt auf der hamburgischen Oberelbe ist in vollem Umfange wieder ausgenommen worden, nachdem der Eisstand infolge des milden Wetters der letzten Tage erheblich zurückgegangen ist.
Direktor Ehlert zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.
Wetzlar. In dem Bürgermeisterprozeß wurde nach sieben- stündiger Verhandlung der Direktor der städtischen Betriebs- iverfe, Diplom-Ingenieur Leo Ehlert, wegen fortgesetzter Untreue zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Ehlert hatte vor einigen Jahren für den Bau eines Jugendhauses des Bürgermeisters von Wetzlar, Kühn, städtische Materialien und Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt. Die Kosten hierfür wurden dann der Stadt zu? Last gelegt.
Letzte Nachrichten.
Die japanische Offensive im Gange.
Newyork, 20. Febr. (Eigene Funkmeldung).
Wie Associated Press aus Schanghai meldet, gab das japanische Hauptquartier um 11 Uhr (Schanghai-Zeit: etwa 4 Uhr M.E.Z.) bekannt, dass die auf Kiangwan vorstossenden Truppen die Gebäude des Sportsklubs, die am Rande der Ortschaft liegen, genommen haben. Die japanischen Truppen sollen auf harten W i d e r st a n d gestossen sein.
Schanghai, 20. Febr. 10.42 Uhr vorin. (Reuter). Die Vorbereitungen zur Offensive sind beendet. Die japanischen Stosstruppen gehen nunmehr aus der langen Straße zwischen Tschapei und Hongkew in westlicher Richtung auf das zwei Meilen nördlich von Hongkew gelegene Kiangwan zum Angriff vor. Ihr Ziel istdieBesetzungderWu- s u n g - E i se n b a h n l i n i e, um auf diese Weise ihre Flanken zu decken. Man nimmt an, daß sie nach Besetzung der Bahnlinie zum Schlage gegen Tschapei ausholen werden. Gegenwärtig bombardieren japanische Flugzeuge die Ortschaft Kiangwan, die von Teilen der 87. und 88. Division der Armee Tschiangkaischeks verteidigt werden. Diesem Flugzeugangriff kommt insofern besondere Bedeutung zu, als die Japaner bisher nur immer die 19. chinesische Armee, nicht aber die Truppen Tschiangkaischeks angegriffen haben.
Schwerer Artilleriekampf um Tschapei.
Schanghai, 20. Febr. Der durch Fliegerangriffe awf S^ll Tschangkaischek-Truppen eingeleitete japanische Angriff wurde mit heftigem Artilleriefeuer fortgesetzt, das die Chinesen, die ihre Stellungen zäh halten, alsbald erwiderten. Z. Zt. ist der Artilleriekampf in vollem Gange. Tschapei wird fluchtartig von der einheimischen Bevölkerung geräumt. Viele Tausende haben sich auf Dschunken geflüchtet, da alle Wege stromaufwärts mitten durch den Kriegsschauplatz führen.
nicht verscheuchen. Einige frühe Voten, wie Maikäfer und Schmetterlinge habe«« sich trotz der frostigen Rächte hervorgewagt, — hoffen wir also das Beste. —
Immerhin will es scheinen, als ob alles Hoffen auf bessere Zeiten in diesem mißvergnügten Winter völlig eingefroren sei, — auch bei uns in Fulda. Es murrt etwas durch die Welt und ist nicht zum Schweigen zu bringen. Nicht mehr zaghaft und leise fragt überall fast jedermann: „Wie lebt sich's denn dieser Zeit? Geht's etwa gut nach all den krampfhaften Anstrengungen? Lohnt sich der ganze Aufwand noch — oder wäre es besser wenn---da stimmt etwas nicht!" Aber eine Stimme ist doch, eine feste, die antwortet: „Setzt euch in Uebereinstimmung mit euch selbst, schafft in euch Wissen vom Wohlverhalten vor dem eigenen Urteil — und ihr habt die gute Zeit." — Und die nach uns kommen? Die 50 000 Abiturienten? Die 500 000 Novizen in Handwerk und Gewerbe? Werden sie uns nicht die Hölle heiß machen? Denn, wem unter vielen ist es gegeben, jemals wieder zu guten Zeiten zu gelangen? Werden sie jemals die bösen Zeiten überwinden, werden sie uns nicht dafür zur Rechenschaft ziehen? Wem mag nicht bisweilen bange werden, wenn er hinschaut und her: Da die Welt — und da seine Prüfungsarbeit „Ueber die seelische Not des Arbeitslosen" mit Note „Eins" absolviert. Wie es sich nun in der Praxis seelisch bewähren wird, ist die bumpfe, lastende Frage der Zukunft. Ueberall auf der Erde ist Notzeit. Neid und Zwietracht schießen ins Krautz Die Angst um das tägliche Brot «nacht aus Menschenbrüdern — erbitterte Feinde. In dieser Atmosphäre sind die Herze«: jedem Trugbilde leichter zugänglich. — Es murrt, es flucht, es gärt heute nicht nur in den „Tiefen" des Volkes. Dieser Groll macht selbst vor den Gräbern nur, scheinbar Halt.
Am kommenden Sonntag Neininiszere gedenke«: wir unserer Brüder, die das schwerste und größte Opfer gebracht haben, dieser Gedächtnissonntag soll uns nicht zu einem Tag hoffnungsloser Trauer werden, dieser Tag mahnt zur Selbstbesinnung, unsere Vater, Söhne und Srüber sind zur Deutschland in den Tod gegangen mit der Ostergewißheit im Herzen. Dieser Tag soll uns aufrichten. Gewiß, wo Menschen miteinander reden, da ist von Not, Armut, von sterbender Kultur und sinkender Moral die Rede und das Vertrauen in die Zukunft fehlt. Da liegt das Bild wahrhaftig nahe von der eisigen Winternacht unb dem wachsenden Vorsrühlingstag. Noch immer hat das Licht den Sieg über die Nacht davongetragen. , . ,
Man sollte in diesen trüben Zeiten eigentlich Volksgenossen auch an den kleinen Freuden des N^^s teilnehmen lassen. Wie haben beispielsweise heute abonnierte Rundfunkhörer, das ist gewiß eine stattua)