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Zul-aer Anzeiger

Zâ / Statt L

Nr. 33 Dienstag, 9. Februar 1932

Hin Zu Goti!

Fastcnhirtcnbricf des Kardinals von Faulhaber.

Der Fastenhirtenbrief des Münchener Kardinals Dr. von Faulhaber wendet sich gegen die Los-von-Gott- Bewegung und fordert auf zu einer Gottwärtsbewegung im Sinne des Apostolischen Glaubensbekenntnisses. Der Kardinal betont im Hirtenbrief, welche unersetzlichen Lebenswerte der Gottesglaube auch für das Volksleben aufweise, und führt u. a. aus:

„Wehe dem Volke, dessen Bürger den Gottesglauben verloren. Wo man dem einen wahren Gott den Abschied gab, wird über kurz oder lang eine Vielheit von falschen Göttern auf den Thron erhoben und sogar Rassen ver­göttert werden. Wo die Völker ihre Götter nach dem Ebenbilde der Menschen machen, statt sich selber nach dem Bilde Gottes zu gestalten, wird in abgöttischem Personen­kult ein Pantheon von falschen Göttern sich auftun.

Ohne Gott verlieren die Autoritäten der Erde ihre Autorität, die öffentliche Ordnung ihre beste Stütze, Ge­rechtigkeit und Friede ihre stärksten Tragpfeiler, Reue und Vertrauen ihren besten Unterbau, Karitas und Wohl­fahrtspflege den Zustrom göttlicher Werke. Ohne Gott hat der Eid als Anrufung Gottes seinen Sinn verloren.

Die Menschen brauchen Gott,

um nicht zu Unmenschen zu entarten. Die Völker brauchen Gott, um nicht ins Barbarentum zurückzusinken. Statt der „Los-von-Gott-Bewegung" möchte eine Hin - zu - Gott-Bewegung die Menschen erfassen.

Nah und IksN

0 Flammentod zweier Kinder in einem Lastkraftwagen. Ein furchtbarer Unglücksfall ereignete sich auf einem Lager­platz in Wandsbek. Ein sechsjähriger und ein achtjähriger Knabe spielten zwischen alten Autos. Sie erkletterten schließlich das Führerhäuschen eines Lastautos und haben wahrscheinlich mit brennenden Streichhölzern das Wagen­innere abgeleuchtet. Er erfolgte plötzlich eine Explosion, worauf der Wagen im Nu in Flammen stand. Vorüber­gehende riefen die Feuerwehr herbei, die den Brand bekämpfte, ohne zu ahnen, daß sich die Kinder in dem Wagen befanden. Erst bei den Aufräumungsarbeiten entdeckte man unter den Trümmern die vollkommen ver­kohlten Leichen der beiden Kinder. Soweit bisher feststeht, dürfte es sich um eine Benzingaserplosion handeln.

0 Raubüberfall auf die Kasse der Danziger Straßen­bahn. Zwei bewaffnete und maskierte Räuber drangen in den Kassenraum der Danziger Straßenbahn ein und ver­langten von zwei Angestellten die Aushändigung der Kassengelder. Als die Angestellten Widerstand zu leisten versuchten, gaben die Räuber mehrere Schüsse aus sie ab. Die beiden Angestellten erhielten schwere Brustschüsse; auch ein Nachtwächter, der die Räuber verfolgte, wurde schwer verletzt. Wie groß die Summe ist, die den Räubern in die Hände gefallen ist, steht noch nicht fest. In der Kasse be­fanden sich insgesamt etwa 6000 Gulden.

0 Tschechische Aufregung wegen eines deutschen Frei­ballons. Am Sonntag nachmittag überflog ein Frei­ballon, der die Aufschrift „Lauchhammer" trug, in

Vergeßt nicht bei Schnee und Glatteis die Vögel täglich zu füttern! Füttert keine Kartoffeln, kein frisches Brot! ^^

Zumpe in Amerika.

Sin lustiger Roman von Fritz Körner.

2ß) (Nachdruck verboten.)

2er Chef ist Oberst Venn, der etwa so was ähnliches ’st wie ein Polizeirat in Deutschland.

Also führt man Anton in Benns Zimmer.

Oberst Benn macht ein grimmiges Gesicht, aber Anton sieht doch, daß die Miene gespielt ist, im Grunde ist Achtung und Wohlwollen in den Augen.

»Also, das ist der Boy, der es mit sieben von uns aufnahm!"

„Jawohl, Herr Oberst!"

Oberst Benn mustert Anton. der aber sieht ihn lächelnd an »Warum lachen Sie?"

»Oh, Amerika ist ein so interessantes nettes Land. New Sork ist reizend!"

Lachen'^^ $^rt", verbeißt wie die anderen Beamten ein

9r uns, ehrt uns! Aber warum müssen Sie tätliche örlste auf unsere Beamten unternehmen?"

. .. einfach, Sir!" spricht Anton. „Weil ich das Pech 9^n 'n die Arme zu laufen! Der eine, was der

V 5""' d" war bestimmt ein Flegel, der für den Außendienst uügeeignet ist."

„Was wollen Sie damit sagen, Sir?"

"3 eW' 6irI 3$ bin den ersten Tag in Neuyork, °™ drüben. Überall Limonade, Fleischbrühe ohne ^ ntl$ts taugt, Bier, das ein Suff ist . . .

' Ä ^r Gott ein Essen, das wie Blei im Magen M^'.Da brauchen Sie für Ihre Gesundheit glatt einen r um Nicht einen Magenkatarrh zu bekommen. Ich ^ ^ 'd" mir bestellt, habe ihn bekommen und plötzlich will SnteMabe?“ ' ^“ ^ ^" bezahlten Whisky ge-

»Ia, das verlangen die Gesetze!"

„So! Wir haben bei uns in Deutschland auch Gesetze, taktvoll dem Fremden gegenüber, vereftlt!" e.ner aneckt, dem wird nicht gleich da- Land nr, Ar Oberst überlegt und sagt dann: „Sie behaupten Q treÄ der Polizeibeamte unfreundlich gegenüber- mein'-?°«°^'zu berücksichtigen, daß eine Dame an meiner Seite saß. Die wollte er übrigens auch verhaften! könn (" - "" wenig mehr Gentleman hätte er schon sein

geringer HoyëHeMM "Präg. Tw-MIuM ^'Ballon? verursachte bei den Prager Militärbehörden erhebliche Aufregung. Da die Nummer des Ballons nicht festgestellt werden konnte, stieg ein Militärflieger aus, der den Ballon verfolgte, bis er landete. Die Besatzung bestand aus dem Reichsdeutschen, Kapitän Bertram und zwei Damen. Die drei Ballonfahrer wurden zur Gendarmerie gebracht, auf Verwendung des Prager Aero-Klubs aber wieder frei­gelassen. Der Ballon „Lauchhammer" ist Eigentum des Chemnitzer Vereins für Luftfahrt.

G Eine Hochzeitsgesellschaft verunglückt. Bei Jglau in der Tschechoslowakei ereignete sich ein schweres Verkehrs­unglück. Ein Autobus fuhr aus bisher noch ungeklärter Ursache in den Straßengraben, überschlug sich und begrub die Insassen, eine Hochzeitsgesellschaft, unter sich. 28 Per­sonen wurden verletzt, darunter.sechs schwer. Braut und Bräutigam blieben unverletzt. Der Führer des Wagens, der angetrunken gewesen sein soll, wurde verhaftet.

O „M. 2" durch Vollschlagen gesunken. Nach Berichten der Taucher ist die Katastrophe des englischen U-Bootes „M. 2" anscheinend darauf zurückzuführen, daß die Tür der vor dem Kommandoturm aus dem Verdeck angebrach­ten Flugzeugkammer beim Auftauchen des U-Bootes zu früh geöffnet wurde, so daß Wasser hineinströmte. Die Taucher haben die Leichen von zwei Offizieren im Kom­mandoturm gefunden.

O Explosion in einem Schwefelbergwerk. In einem Schwefelbergwerk in Mittelsizilien ereignete sich nach dem Abschuß einer Sprengmine eine Schlagwetterexplosion, durch die fünf Bergleute getötet und elf schwer verletzt wurden. Infolge der Arbeitseinschränkung am Sonntag befanden sich glücklicherweise nur 20 Bergleute im Schacht.

O Jerusalem im Schnee. Über »erusalem tobte ein außerordentlich hestiger Schneesturm. Der Verkehr wurde eingestellt. In dieser Jahreszeit ist seit langen Jahren in Jerusalem sein Schnee mehr gefallen; man spricht deshalb allgemein von einem seltenen Naturereignis.

Kommunisten überfallen einen Zugendbund.

In der Zeitschrift des Jugendbundes für entschiedenes Christentum, „Jugendhilfe", berichtet unter der Ueber- schrift „Kommunisten überfallen einen Jugendbund", die Ortsgruppe Berlin N.W.:

„21 Jungmannen saßen am Wend, wie immer am Frei­tag, auch diesmal um die Bibel und besprachen das Tages­thema vom verlorenen Sohn. Hin und her kam noch je­mand nach. Da klopfte es wieder. Unser Heinz öffnet die Tür und sah einen verwegenen und wild aussehenden jungen Mann dastehen. Nichts Gutes ahnend, wollte er die Tür schnell schließen. Da klemmte der andere den Fuß dazwischen, und auf den Ruf: „Los!" stürmten zehn jugend­liche Kommunisten im Gegensatz zu dem von der Regierung verordneten „Weihnachtsfrieden" hinein in den Raum, einen Tisch aus dem Vorraum vor sich zum Schutz haltend. Was sich jetzt abspielte, war das Werk vielleicht von kaum zwei Minuten: Die Stühle gegen uns schlagend und andere Stühle und Tische umstürzend, versuchten sie, das Mobiliar zu zerstören. Wir ließen es aber nicht zu, drangen vor und wehrten die vordersten Kommunisten, die uns mit den Stühlen angriffen, ab. Br. W. lief zum Fenster und rief laut um Hilfe. Da türmten denn auch diese armen Men­schen und zerschlugen noch von draußen eine Scheibe. Eine Dame auf der Straße hatte den Hilferuf gehört und war zum nächsten Polizeirevier gelaufen. Es erschienen auch bald fünf Schupobeamte. Im Lokal und auf dem Polizei­revier wurden wir vernommen. Schwerverletzt war nie­mand. Einer unserer jungen Leute, unser Ehrenmitglied W., und ich waren mit den Stuhlbeinen ins Gesicht, auf den Arm und die Hände getroffen worden.

Dieser Ueberfall zeigt erneut wieder die Absicht des Kommunismus, das Christentum nach russischem Muster mit Stumpf und Stiel auszuroten. Jedem noch christlich denkenden Menschen sollten doch darüber die Augen geöff­net werden.

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Sie unterhalten sich noch eine ganze Weile, dann wird Anton dem Schnellrichter vorgeführt.

Der Schnellrichter ist ein alter, korrekter Herr.

Er nimmt Antons Personalien auf und verknackt dann Anton zu vier Monaten Gefängnis.

„Nehmen Sie die Strafe an?"

„Nein, nein!" sagt Anton. „Ich werde mich bei dem deutschen Konsulat beschweren."

„Das können Sie schriftlich tun. Ich kann Ihnen aber sagen, Mr. Bayer, nützen wird es Ihnen nichts."

Anton wird abgeführt.

*

Anton schaut sich in seiner Zelle um.

Er ist guter Laune, denn man hat ihm eine sehr an­ständige Zelle eingeräumt.

Auch das Essen, das man bringt ist anständig und die Beamten sind höflich.

Der Gefängniswärter, ein Polizist, hat brandrotes Haar und fidele Augen. Er ist ein Irländer, namens Brettys.

Er fängt mit Anton einen Schwatz an.

„Also Sie haben die sieben ausgeknockt?"

»Yes!"

„War eine prächtige Leistung!"

„So! Und dafür sperren Sie mich ein! Weniger erfreulich!"

„Geht nicht anders, Mr. Bayer! Die Gesetze verlangen's Wissen Sie, Mr. Bayer, wir stimmen mit der trocknen Polizeibeamtengesellschaft nicht überein!"

„Kann ich mir denken! Sie machen auch den Eindruck, dcar friend, als ob Sie gern einen Whisky genehmigten!"

Der Brandrote lacht und nickt.

„Wär ja sonst nicht ausguijalten!*

„Haben Sie irgendwelche Wünsche?"

„Habe ich! Zunächst bestellen Sie mir Zeitungen, ich möchte jeden Tag drei Zeitungen haben!"

„Geht zu machen!"

„Und dann möchte ich etwas Limonade haben! Aber was Kräftiges, was Klares!"

Der Wärter schüttelt den Kopf.

„Geht nicht, Sir! Kann mir meine Stellung kosten) Müssen mal vier Monate trocken leben!"

Anton lacht laut los.

„Glauben Sie wirklich, lieber Freund, daß ich mich hier vier Monate langweile?"

„Wollen Sic ausbrechen?"

„Das weiß ich noch nicht! Das wird sich finden! Eins Woche bin ich zunächst ganz ruhig, da könnten Sie .etrost

Börse und Handel.

Frankfurter Getreidebörse vom 8. Februar. Tendenz: ruhig. An der Getreidebörse herrschte zum Wochenbeginn sehr ruhige Stimmung. Die Preise neigten verschiedentlich leicht zur Schwäche. Das Angebot von Weizen blieb knapp, während es bei Roggen etwas mehr in Erscheinung trat. Da aber das Mehlgeschäft nur schleppenden Absatz zu ver­zeichnen hatte, hielten die Mühlen im Einkauf zurück. Gerste, Hafer und Futtermittel lagen vernachlässigt und meist etwas schwächer. Weizen 245—246, Roggen 225— 223.50, Sommergerste für Brauzwecke 180—185, 'Hafer 150 bis 155, Weizenmehl südd. Spez. 0 mit Austauschweizen 36.90—37.90, do. Sondermahlung 35.15—36.15, Weizen­mehl Niederrhein. Spez. 0 mit Austauschweizen 36.90— 37.65, do. Sondermahlung 35.15—35.90, Roggenmehl 31— 32, Weizenkleie 8.60, Roggenkleie 9, Heu 5, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt oder gebündelt 4—4.25, Treber 12—12.25. Kartoffeln: Industrie hieß Gegend per 50 kg bei Waggonbezug 2.65—2.70 RM.

Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 8. Februar. Der Auftrieb des Hauptmarktes bestand aus 1365 Rindern (gegen 1367 am letzten Hauptmarkt), darunter 320 Ochsen, 130 Bullen, 465 Kühen, 392 Färsen, ferner aus 546 (546) Kälbern, 129 (105) Schafen und 4988 (5039) Schweinen. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in RM.: Ochsen: a1) 3(4-33, c2) 26—29, bl) 22-25. Bullen: a) 27-30, b) 21—26. Kühe: a) 25—27, b) 20—24, c) 15—19. Fär­sen: a) 31—34, b) 27—30, c) 22—26. Kälber: a) —, b) 35 bis 39, c) 30—34, d) 25—29. Schafe: al) 28—30, b) 22— 27. Schweine: a) —, b) 41—43, c) 41—44, d) 40—43, e) 37—41, f) —, g) 28—35. Im Preisverhältnis zum letz­ten Hauptmarkt lagen Rinder, Schafe und Schweine 1—2 Mark höher; Kälber blieben unverändert. Marktverlauf: Rinder ruhig, ausverkäust. Schweine mittelmäßig, später abflauend, ausverkauft. Kälber mittelmäßig. Schafe rege, geräumt. Fleischgroßmarkt. Ochsen- und Rindfleisch 1. 48 bis 56, Ochsen- und Rindfleisch 2. 42—48. Bullenfleisch 45—47, Kuhfleisch 2. 30—35, Kuhfleisch 3. 20—25, Kalb­fleisch 1. 58—68, Kalbfleisch 2. 45—55, Hammelfleisch 60 bis 64. Schweinefleisch 50—56 RM. für 1 Zentner frisches Fleisch. Geschäftsgang: schleppend.

Amtliche Berliner Notierungen vom 8. Februar.

♦ Devisenbörse. Dollar 4,20—4,21; engL Pfund 14,46 bis 14,50; holl. Gulden 169,58-169,92; Tanz. 81,97—82,13; franz. Franc 16,57—16,61; schweiz. 82,10—82,26; Belg. 58,66—58,78; Italien 21,95—21,99; schwed. Krone 81,52—81,68; dän. 79,87 bis 80,03; norweg. 78,87—79,03; tfchcch. 12,46—12,48; österr. Schilling 49,95—50,05; Argentinien 1,043—1,047; Spanien 32,22 bis 32,28.

♦ Produktenbörse. Bei weiter winzigem Angebot und fast Völligem Mangel an Nachfrage gaben die Kurse allgemein etwas nach. Roggen durch DGH.-Verkäufe mehr in den Preisen gedrückt. Roggenmehl willig, Weizenmehl still. Hafer kaum stetig.

Getreide und Qlsaaten per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Kilogramm in Reichsmark.

Weiz., mârk. pommersch.

Rogg., mark.

Braugerste Sommergst. Futtergerste Wintergerste Hafer, märk. pommersch. westpreutz. Weizenmehl per 100 kg fr Berl br. inkl. Sack 2!

Roggenmehl per 100 kg fr Berl br. inkl. Sack 2'

8. 2. 6. 2.

242-244 242-244

194-196 196-193

160-168 160-168

153-157 153-157

138-146 138-146

1,0-33,0 29,0-33,0

7,2-29,3 27,2-29,4

8. 2. 6. 2. Weizkl. f. Bln. 9,5-9,9 9,5-9,9 Roggkl. f. Bln. 9,5-9,9 9,5-9,9 Leinsaat — — Raps — — Erbsen, Vikt. 21,0-27,5 21,0-27,5 kl. Speiseerbs. 21,0-23,2 21,0-23,5 Futtererbsen 15,0-17,0 15,0-17,0 Peluschken 16,0-18,0 16,0-18,0 Ackerbohnen 14,0-16,0 14,0-16,0 Wicken 16,0-19,0 16,0-19,0 Lupine, blaue 10,0-12,0 10,0-12,0 Lupine, gelbe 14,5-16,0 14,5-16,0 Seradella 23,0-29,0 23,0-29,0 Leinkuchen 11,2 11,2 Erdnußkuchen 12,4 12,4 Trockenschtzb 7,3-7,4 7,2-7,3 Soyaschrot 10,5-11,5 10,5-10,6 Torsml 30/70 — —

♦ Berliner Kartoffelpreisnotierung (je Zentner waggonsrei märkischer Station): Weiße Kartoffeln 1,50—1,60, rote Kar­toffeln 1,70—1,90, Odenwälder blaue 1,80—2, andere gelb- fleischige (außer Nieren, 2,10 bis 2,30 Mark. Fabrikkartoffeln 8,25—8,50 Pfg. pro Stärkeprozcnt.

den Schlüssel stecken lassen, ich trabe nicht aus!" „Angenehm zu wissen, Sir!"

♦

Anton las die Zeitungen in aller Gemütsruhe.

Den ersten Tag hatte er hinter sich.

Geschlafen hatte er gut, der Kopf brummte ihm auch nicht mehr.

Das Frühstück hatte geschmeckt.

Von Gefängniskost keine Spur. Die beste Hotelküche hätte es nicht schöner liefern können.

Das kam daher: Anton war der fidelste Gefangene im Polizeigefängnis und der populärste dazu.

Seine physische Leistung hatte Respekt eingeflößt und feine lustige, fröhliche Art gefiel den Amerikanern.

Anton lernte am ersten Tage das ganze Polizei­gefängnis kennen und zahllose Beamte aus dem Präsidium kamen und besuchten Anton. In netter Weise unterhielt man sich und bedauerte Antons Mißgeschick. Zwei der Poli­zisten, die Anton ausgeknockt hatte, kamen auch und ver­sicherten ihm, daß sie alle Hochachtung vor ihm hätten.

Auch die Presse hatte sich seiner bemächtigt.

Reporter kamen und interviewten ihn. Lustige Aus­einandersetzungen gab es, die man wörtlich in die Spalten der Zeitungen übernahm, und über die ganz Neuyork schmunzelte.

Ohne daß es Anton wollte, war er in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Jeder Junge von Neuyork kannte ihn, der „sieben Bobbys niederboxte".

Eine Unmasse Briefe, Pakete mit èpenden von den ver­schiedensten Seiten erhielt Anton.

Der deutsche Konsul kam und besuchte ihn.

Unter den Briefen waren siebzehn Heiratsanträge.

Anton las sie und verleibte sie dem Papierkorb ein. Die Liebesgaben verteilte Anton an die Polizisten und Ge­fängniswärter, die gute Tage hatten.

Anton wurde zum Mittelpunkt des großen Polizei­gefängnisfes.

Er genoß viele Freiheiten.

Er hatte sein Wort gegeben, daß er die ersten acht Tage nichts unternehmen würde, und daran glaubten die Beamten blind.

Als Anton den 7. Tag in Haft war, wurde er dem Direktor des Polizeigefängnisses vargeführt.

Dieser war sehr freundlich zu ihm und sagte: „Mr. Bayer, die Beamten der Neuyoker Polizei haben Respekt vor Ihrem Boxen erhalten. Es ist der Antrag gestellt worden. Ihnen zu erlauben, für den Rest Ihrer Strafe eine Position als Trainer im Boxen bei der Polizei anzunehmen!"

(Fortsetzung folgt.),