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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zul-a- und Haunetal -Zul-aer Kreisblatt

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Fulda, Donnerstag, 4. Februar

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9. Jahrgang

Japanischer Großangriff

Ostaffatische Märchen.

Die chinesische Küste des Stillen Ozeans bildet schon in ruhigen Zeiten den Herd von Gerüchten, Märchen und abenteuerlichen Erzählungen. Wladiwostok z. B. war ja im Weltkriege berühmt dafür. Die bunt zusammen­gewürfelte Bevölkerung der zahlreichen Hafenstädte spinnt gern ihr Garn", wie es bei Seeleuten so der Brauch ist. Erklärlich, daß in Zeiten kriegerischer Hochspannung der zwischen den beiden Mächten ein­geklemmte Küstensaum zum Hexenkessel phantastischer Mel­dungen und übertriebener Kriegserzählungen wird. Nimmt man es hier in Privatkreiscn schon nicht genau mit der Wahrheit, so noch viel weniger bei den politisch interessierten Stellen, und die häufig völlig ent­gegengesetzten Darstellungen der kriegerischen Vorgänge durch China, Japan oder Rußland, sind ein manchmal geradezu erheiterndes Beispiel dafür. Solche Berichte schieben dann die Veranlassung zu den Zusammenstößen einmal den Japanern und einmal den Chinesen in die Schuhe. Vor dem Völkerbund dienen sie dann in Auswahl besonders Japan dazu, sich zu entschuldigen und darzulegen, daß es sich hier gar nicht um einenKrieg" handelt. Auch die Behandlung dieses, man sollte meinen eindeutigen, Begriffs zeigt, daß es gar nicht so leicht scheint, hier dieWahrheit" zu finden. Ein neues Vokabularium hat sich herausgebildet, und man spricht von: Exekutionen, Sanktionen, Strafexpeditionen, Pazifizierungen, Schutz der Vertrüge, internationale Polizei, Maßnahmen zur Sicherung des Friedens und ähnlichem, nur nicht von K r i e g". Denn gegen einen solchen müßte der V ö l k e r - bund einschreiten, und das sucht dieser auf alle Fälle aus leicht begreiflichen Gründen zu vermeiden. Seine völlige Ohnmacht als Erhalter und Stifter des Friedens würde sich sofort erweisen. Das schöne alte WortUlti­matum" will man auch, nicht mehr kennen, denn von der letzten in Tokio überreichten Note wird jetzt voll ameri­kanischer zuständiger Stelle erklärt, daß sie beileibe kein Ultimatum darstelle, sondernein Angebot guter Dienste"!

So erscheinen die jetzigen Vorgänge im Fernen Osten durch unbewußte und bewußte Entstellung noch viel ferner und verschleierter und selbst bei den angegebenen Tages­zeiten muß man die notige Vorsicht walten lassen. In Schanghai geht nämlich die Sonne früher auf als bei uns, und zwar um etwa 7% Stunden. Wenn es in Schanghai 12 Uhr nachts ,st dann zahlen wir 5 Uhr nachmittags, und wenn es 1 Uhr nachts ist, dann haben mir 6 Uhr nachmittags. Wir können also geradezu in die Zu­kunft rechnen. Denn die Ereignisse der Nacht des dritten Tages eines Monats werden in Deutschland schon am zweiten Tage bekannt. Man müßte also eigentlich schreiben: Morgen früh ist in Schanghai dies oder jenes geschehen. Kurz und gut, was in Schanghai zwischen Mitternacht und 7 Uhr früh geschieht, ist morgen, und alles, was am Nachmittag passiert, ist für uns Vormittag. Daraus ergeben sich Widersprüche in manchen Berichten' Man muß also stets den Unterschied in der Uhrzeit int Auge behalten.

Man sieht also, bei der Betrachtung der Vorgänge in China drängt sich mit Macht auf allen Gebieten die alte Prlatusfrage aus: Was ist Wahrheit?

Sie deutschen Schritte in Tokio und Aankirg.

Die deutsche R e g i e r u » g hat ihren Botschafter ,n ~? t1 o und ihre Gesandtschaft in Nanking tele­graphisch beauftragt, der japanischen bzw. der chinesischen Regierung tu freundschaftlicher Form zu erklären, daß sie angesichts Der letzten Entwicklung in Oftafieu im Interesse der Wiederherstellung friedlicher Zustände sich gegenüber Regierungen dem Vorschläge der anderen Mächte ^ "^ kriegerischen Maßregeln und Kriegs- ,'^nngen eingestellt werden, insbesondere die "' Schanghai alsbald ihr Ende finden 8 j. ^n beteiligten Regierungen sofort Vcr- ^r^...^ Geiste des Kellogg Paktes und der vom 10. Dezember 1931 bc-

DstÄchichmederMmittlungSvvrM

Die Eins,-!^""""^""a '" ^apau.

'" gewissen "'" ^^r angelsächsischen Mächte, der sich >^ die zn Dem cm Deutschland angeschlossen hat ch Ines i s ch c t r ^"'^" Schritt in der j a p a n i s ch - arobe Enttäuschuna ^'"h" hab hat in Tokio Manisch«.» AdiniE Ttc Vertreter des ^Regierung ^ Generalstabcs haben Ochste über die Cri chtii die Annahme dcr Vor- L.° n e den javaiiitw,-» U -r einer neutralen

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DonÄng^st^h^ T TH^ ^ SuBenmtnipeilum# in " " »-den engliMMelikanischen.

Vermittlungsvorschlag anzunehmen. Die chinesische Rs- ^gierung hoffe auf baldige Einstellung der Feindseligkeiten und auf einen Entschluß der Mächte, um das Ansehen des Völkerbundes, des Kellogg-Paktes und des Neumnächte- abkommens durch eine endgültige Maßnahme aufrechtzu­erhalten.

*

Der Kampf geht weiier.

Die Schlacht am Wusungfort.

die

Em japanischer Großangriff erfolgte auf Wusungforts am Uangtse unmittelbar nördlich von Schanghai. Die Forts lagen unter schwerstem Feuer der Schiffsartillerie und wurden außerdem ständig mit Fliegerbomben schwerer Kaliber bekämpft.

Die Japaner haben nach der Niederkämpfung der Forts mit starken Landungsabteilungen die Wusungforts und die Pulschangforts eingenommen. Die chinesische Be­satzung wurde vollkommen aufgerieben, die meisten Ver­teidiger getötet. Die meisten Kriegsschiffe der Mächte, die vor Anker lagen, dampften stromaufwärts, um sich aus dem Feuerbereich der Schiffs- und Landgeschütze zu bringen.

Die Kämpfe in Schanghai nahmen unter Verwen­dung von schwerer Artillerie ihren Fortgang. Flugzeuge bewarfen die chinesischen Stellungen in Tschape'i und an der Nordbahnstation mit Bomben, während schwere Geschütze vom Hongkiubezirk aus die chinesischen Gräben unter Feuer nahmen. An mehreren Stellen sind erneut Brände entstanden. Mehrere Granaten und Schrapnells richteten in der internationalen Nieder­lassung Schaden an. Drei Ausländer wurden verletzt.

*

Eharbin von Zapanernbeseki.

Die japanische,* Truppen, die in Charbin cinge- tüdt sind, haben dort sofort sämtliche Regierungsgebäude und die Funkstation besetzt. Die Lage in der Stadt ist ge­spannt, doch ist cs zu keinerlei ernsten Zusammenstößen ge­kommen.

Wer wird Reichspräsident?

Um Hindenburgs Wiederwahl. Die Nationalsozialisten zur Prä- sidentschaftsfrage. Hitler lehnte Fricks Einbürgerungsvorschlag ab.

Sir md wider bett Sohm-AnssW.

Die Einzeichnungen für die Neuwahl Hindenburgs, 341 denen der Sahm-Ausschuß ausgefordert hat, haben am Mittwoch begonnen und werden bis zum 6. Februar dauern. Nach Mitteilung des Hindenburg-Ausschusses sind von etwa 130 deutschen Zeitungen die Eintragungslistcn für den Wahlvorschlag des Reichspräsidenten von Hinden­burg aufgelegt worden.

Der Aufruf des Sahm-Ausschusses wird auch vom bayerischen Ausschuß für die Wiederwahl Hindenburgs, der schon vor einigen Tagen gebildet worden ist, begrüßt. Die Reichsleitung des Christlichsozialen Volksdicnstes hat an den Reichspräsidenten ein Telegramm gerichtet,sich den, Ruf des deutschen Volkes nicht zu versagen". Für Sachsen hat der Dresdener Oberbürgermeister Dr. Külz einen Aufruf zur Wiederwahl Hindenburgs erlassen.

Der Reichsinnenministcr an die Landes- r c g i e r u n g c n.

Der Reichsminister deS Innern hat sich telegraphisch an die Landesregierungen gewandt und diesen mitgctcilt, daß mit der A u s s ch r c i b u n g der R c i ch s p r ä si­tz e >> t c u iv a h l in nächster Zeit bestimmt zu rechnen sei.

Wahlvorschläge bedürfen der Bescheinigung der Ge­meindebehörde, daß die Unterzeichner stimmberechtigt sind. Diese Bescheinigungen aus den Unterschriftslisten können schon jetzt ausgestellt werden. Der Reichsinnenministcr hat die Landesregierungen gebeten, die Gemeinden anzu- weisen, Ersuchen um Ausstellung derartiger Bescheinigun­gen mit tunlichster Beschleunigung zu entsprechen.

*

Der Hindenburg Ausschuß teilt mit: Die formell er­forderliche Zahl von 20 000 Einzeichnungen ist bereits am ersten Tage überschritten worden. Tie Listen werden noch etwa zehn Tage ausliegen.

Oie Haltung der NSDAP.

Die Nationalsozialistische Korrespondenz schreibt unter Der ÜberschriftVerlorenes Spiel", daß unter den Unter» Zeichnern des Sahm Aufrufes nicht ein Name sei, der eine Gefolgschaft mobil zu machen vermöchte. Es fehlten die Führer des Wirtschafts- und Geisteslebens, der berufs- ständischen Organisationen, der Frontsoldatenverbände und vor allein die Träger der deutschen Freiheitsbewe­gung. Das erwachte Deutschland folge der Parole Hitlers in der Hoffnung, daß Gencralfeldmarschall von Hind an - burg bis dahin dem Spiel mit seinem Namen durch seine unmißverständliche Willenskundgebung an den Sahm- Ausschuß ebenso entschieden ein Ende mache, wie er den Brüning-Plan einer parlamentarischen Lösung der Reich s- praftbenfenfraßr abgetan habe.

Japan gegen den Völkerbund.

Die japanischen Botschafter in London und Brüssel haben beim Generalsekretär des Völkerbundes gegen die Einleitung des Verfahrens nach Artikel 15 des Völker- bundvcrtrages Verwahrung eingelegt.

Tie Anwendung der Bestimmungen des Artikels 15 würde in der gesamten Öffentlichkeit Japans einen höchst unerwünschten Eindruck hervorrufen und eine friedliche Regelung des Streitfalles aufs höchste erschweren.

Der Generalsekretär des Völkerbundes hat dem Prä­sidenten des Völkerbundrates von dem Schritt der japa­nischen Botschafter Mitteilung gemacht. Man will zu­nächst das Eintreffen des Berichtes des konsularischen Untersuchungsausschusses in Schanghai und das Ergebnis der Vorstellungen der europäischen Großmächte in Tokio und Nanking abwarten, ehe die Verhandlungen im Völker­bundrat wieder ausgenommen werden.

Der Völkerbunduntersuchungsausschutz reist nach China.

In Le Havre haben sich viele Mitglieder des Böllerbunduntersuchungsausschusses für den Fernen Osten «in Bord des DampfersParis" nach Newyork eingeschifst A. a. find Gouverneur a. D. Dr. Schnee, General Claudel- Frankreich und Aldovrandi -Italien an Bord gegangen.

Ein japanischer Zerstörer von Chinesen versenkt

Das chinesische Hauptquartier gibt bekannt, daß bei den Kämpfen um die Wusungforts ein japanischer Zer­störer durch chinesisches Artillericfeuer versenkt worden sei

Landung amerikanischer Soldaten in Schanghai.

Schanghai, 4. Febr. (Reuter). Das Flaggschiff der asia­tischen Flotte der Vereinigten Staaten, der 10 OOO Tonnen- KreuzerHouston", hat hier heute früh eine Abteilung non 300 Soldaten gelandet.

Vor der Absendung der japanischen Antwort.

Tokio, 4. Febr. Die japanische Antwort auf die Frie- Leusvorschläge Großbritannien?, Italiens und der Ver­einigten Staaten ist fertiggestellt und wird wahrscheinlich nach Beendigung der für heute vormittag anberaumten Kabinettssitzung abgesandt werden. Es verlautet, daß sie die ersten vier Punkte unter gewissen Bedingungen an­nimmt, den 5. Punkt aber als unannehmbar bezeichnet.

Ein thüringischer Staatsakt vom Juli 1930.

Die thüringische Staatsrcgierung hat der Rcichs- rcgicrung Material übergeben, das der Reichskanzler dem Reichsinnenministcr zur staatsrechtlichen Prüfung zu­geleitet hat und aus dem hcrvorgcht, daß nach Aussage eines Oberrcgicrungsrates und eines Ministerialrates gegenüber dem thüringischen Staatsmènistcr Dr. Kästner der damalige Minister Dr. Frick etwa im Juli 1930 eine Anstellu»gsurkunde hat auSstcllcn lassen, wonach dem Frontkämpfer des Weltkrieges

Adolf Hitler die damals freie Stelle des Gendarmcriekommissârs in Hildburghausen übertragen wurde.

Hitler habe dabei aus Dienstantritt und Besoldung verzichtet. Der Oberregierungsrat und der Ministerial­rat, die diese Angaben dienstlich gemacht haben, erklärten, daß sie sich durch ein ihnen von dem damaligen Minister Frick auferlegtes Schweigegebot bedrückt gefühlt hätten.

Hitlers Erklärung.

Durch die nationalsozialistsche Pressestelle läßt Adolf Hitler bekannt geben, daß er den ihm seinerzeit von Mini­ster Frick gemachten, im Weimarer Material erwähnten Einbürgerungsvorschlag abgelehnt habe.

Das Echo in der Berliner Morgenpressc.

Die Berliner Morgenblätter erörtern fast alle die von dem früheren thüringischen Innenminister Frick im Juli 1930 eingeleitete Aktion, Hitler durch Ernennung zum Gen- darmeriekommissar die deutsche Staatsangehörigkeit zu ver­schaffen. DieGermania" spricht von einerstaatsreän- lichen Kommödie" und derVorwärts" von einertollen Schiebung". DasBerliner Tagblatt" siehr in den Plä­nen Fricks einplumpes Manöver". DieVossisäe Zeitung" schreibt, daß politisch jetzt erneut die bodenlose Unzuverläs­sigkeit der Nationalsozialisten ins Helle Licht trete. Die Deutsche Allgemeine Zeitung", die bedauert, daß Pitler nicht bereits 1919 eingebürgert worden sei, ist der Auffas­sung, daß Hitler sich eine stärkere Propaganda als die Vor­führung seiner abgelehnten Anstellung im Augenblick nicht wünschen könne. DerLokalanzeiger" veröffentlicht die Bekanntgabe Hitlers ohne Kommentar.

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Kleine Zeitung für eilige Leser

In Genf fanden private Aussprachen und Besuche zwischen den Vertretern der Mächte auf der Abrüstungskonferenz statt.

* Die Stadl Santiago de Kuba ist durch ein Erdbeben fast vollständig zerstört worden Viele hundert Personen fanden den Tod.

* Einen erfolgreichen Großangriff mit schwerer Artillerie «Md Flugzeugen machten die Japaner auf die Forts bei SmanaßaL