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Die erbärmliche Lüge.

„Weg mit den Kanonen! Weg mit den Gewehren!" —1 Der Mann, der dies vor fünf Jahren im beabsichtigt ge­steigerten Pathos auf der Völkerbundtagung in Genf aus­rief, sitzt jetzt als wohlgelobter französischer Außenminister außer Dienst auf seinem Landgut. Und Briands patheti­sches Wort ist zu einem Rus Frankreichs an die Welt geworden: „Hände weg von unseren Kanonen! Hände weg von unseren Ge­wehr e n!" Und die allerjüngsten Vorkonunnisse in der Weltgeschichte dienen ja nur dazu, diese Forderung zu unterstützen —, und es gibt sogar Menschen, die die Ver­mutung zum Ausdruck bringen, daß jene Vorkommnisse geradezu dienen sollen als Beweis dafür, wie wenig „zeit­gemäß" heute eine Abrüstung fei. Auch heute gelte als letztes Mittel der Politik, als „ultima ratio" doch nur die Kanone, das Gewehr, zweckmäßiger allerdings noch das Bombenflugzeug und U-Boot, der Tank und das Giftgas.

Rechtzeitig genug gingen im Fernen Osten vor Schanghai diese Kanonen los, um die Blicke der Welt von der an sich schon nicht übermäßig interessierenden A b - rüstungskonferenz abzulenken. Dieser Krieg, der cs aber nicht sein soll, kam der französischen Regierung mehr als gelegen; denn Amerika, das seit zwölf Jahren das Ziel der Wcltabrüstung nie aus den Augen verloren bat, und namentlich England, das seit einigen Jahren aus finanziellen Gründen schwerwiegender Art nach Ab­rüstung drängte, haben jetzt ihre Aufmerksamkeit so gut wie ganz auf die Vorgänge im Fernen Osten gerichtet; außerdem beginnt die englische Wunde, Indien von neuem 3 iT bluten. Schon vor einem halben Jahr, als die Staatslenker und Diplomaten Englands, Frank­reichs, Deutschlands, Amerikas auf der Londoner Kon­ferenz zusammensaßen und das Hoover-Feicrjahr zu ver­wirklichen sich abmühten, knallte die Pariser Regierung eine Rote auf den Tisch des Genfer Völkerbund- sekretariats, die selbst das zahme Ergebnis siebenjähriger Verhandlungen der Vorbereitenden Abrüstungskommission des Völkerbundes ganz unzweideutig und brutal ab- lehnte: Hände weg von unseren Kanonen! Hände weg von unseren Gewehren! Man bars daher heute nicht die Augen davor verschließen, daß die A b r ü st u n g s - konferenz schon an sich keinerlei große Hoffnungen auf Erfolg mit auf ihren Arbeitsweg nimmt und daß selbst diese geringen Hoffnungen noch weiter heruntergedrückt werden durch die Vorgänge im Fernen Osten und durch die „An­ziehungskraft*, die sie gerade jetzt auf die englische und die amerikanische Regierung ausübcn müssen: Frank­reich findet also in Genf eine für sich denk- bargünstigeallgemein-politischeLage vor. über Abrüstung zu reden, in Genf auch nur einigermaßen entsprechende Beschlüsse zu fassen würde in einem fast

grotesken Gegensatz stehen zu dem Donnern der Kanonen im Fernen Osten, zu dem dort hoch emporlodernden Feuer, dessen blutroter, drohender Widerschein über den ganzen Erdball hinweggeleuchtet. Es ratet und tatet sich schlecht in Genf, wenn vor Schanghai an die hundert Kriegsschiffe aller möglichen Mächte mit geladenen Kanonen und Torpedorohren — nebeneinanderliegen!

Wenn man also zu dem praktischen Erfolg der Ab­rüstungskonferenz von vornherein keine übermäßigen Erwartungen hegte und diese jetzt noch viel geringer ge­worden sind, so ändert dies nichts an der Tatsache, daß das allgemeine Abrüstungsproblem als solches bestehen bleibt und bleiben muß. Oder vielmehr — es ist kein Problem, keine Frage mehr! Die völkerrechtliche Verpflichtung zu einer wirklichen Ab­rüstung ist schon längst nicht mehr bestritten, ebensowenig wie die moralische Verpflichtung des Völkerbundes, wider­strebenden Tendenzen zum Trotz den Völkern die Ab­rüstung zu bringen. Es ist in Genf oft genug gesagt worden, die Völker würden es einfach nicht ertragen, wenn dem Völkerbund die Erfüllung dieser Hauptausgabe nicht gelingen sollte, durch die Abrüstung und mit ihr der Welt den wirklichen Frieden zu bringen. Ter Versailler Vertrag, der den Mittelmächten die Abrüstung aufzwang, tut es ja gerade mit der Begründung, daß dies der erste Schritt zum „Frieden durch allgemeine Abrüstung" fein sollte. Wenn wir Deutsche verlangen, daß nun endlich weitere Schritte getan werden in Richtung auf jenes Ziel, dann fordern wir ja nur, daß auch die Gegenseite einmal die Vertragstreue zeigt, die man an uns bis zum letzten Buchstaben des Diktats oft genug mit sehr unfriedlichen Drohungen und Taten erpreßte. Da dürfte kein Entschuldigungsgrund, kein „Unmöglich" gelten!

Der Erzbischof von Dork, William Templer, einer der bedeutendsten Geistlichen der englischen Kirche, erklärte in einer Predigt während des Sonntagsgottes­dienstes, die Kriegsschuldklausel des Versailler Vertrages könnte nicht mehr aufrechterhalten werden. Tie Schuld am Kriege treffe nicht eine einzelne Macht, sondern diejenigen, die den Zündstoff zusammengetragen haben. Lord Lansbury, der parlamentarische Führer der Englischen Arbeiterpartei, hat vor kurzem schärfstens ge­fordert, daß endlich „die erbärmliche Lüge von der deutschen Schuld am Kriege ein für allemal ausgelöscht werden müsse, weil nicht eher Friede in die Welt zurück­kehren werde". Denn diese erbärmliche Lüge gab und gibt ja den äußeren Grund dafür ab, uns die Wehrhoheit zu rauben, uns die Gleichberechtigung bei der Sorge um die Sicherheit unseres Volkes nach wie vor zu versagen. Solange dies so bleibt, wie es ist, wird in Wirklichkeit gar nichts daran geändert, daß die Millionen sich mehr oder weniger schwer gewappnet gegenüberstehen, auch wenn man in Genf ein paar Kanonen oder ein paar Gewehre streicht. Entscheidend ist nur, ob in Genf eine Abrüstung der Geister, eine wirkliche Gleichberechti­gung der Völker wenn nicht durchgeführt, so doch mindestens eingeleitet wird.

Ms die Reform der Sezioloersichermig dringt. Deutschlands unbestreitbarer Anspruch

Leistungs- und Verwaltungsabbau? Was Deutschland in Gens fordern mutz.

^ie Grundzuge des Gesetzentwurfes für die R e - .... Reichsminister a. D. Dr Curtius erklärte zur Er-

7 o r m der S o z l a l v e r s i ch e r u n g sind fertiggestellt offnung der Abrüstungskonferenz u a * Deutswland be­worben und werden von Minister Stegerwald unter- «ruße es, daß das amerikanische Volk einmütia

zeichnet werden. Sie gehen dann an alle beteiligten ler rn dem Willen, keiteftaebenbe Vlbrü^

Stellen, wie Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Kassen, Reichs- un^ Vertraue barmt? „.;------l'ung durchzusetzen, und Länderbehörden sowie Parteien hinaus und werden

im Laufe dieser und auch noch im Laufe der nächsten Woche Gegenstand eingehender gemeinsamer Beratun­gen sein. Tie drei wichtigsten aufgeworfenen Fragen sind: Müssen nicht angesichts der allgemeinen Senkung der Preise und Löhne auch die L e i st u n g e n der Persiche- runoen herabgesetzt werden? Kann man sich noch einen so großen Apparat für die Verwaltung der Ver- tcksiedenen Versicherungszweige leisten, wie er in einer glücklicheren Zeit aufgebaut worden ist? Muß man nicht die stellen, die in erster Linie die Lasten der Versicherung tragen, mehr als bisher an den Verwaltungsausgaben be-

grollt MMN der ReMMmdes

Die Schicksalsfrage für das deutsche Volk.

Stärkung dcS Binnenmarktes.

An einer Kundgebung des Retchslandbundes in Berlin nahmen mehrere hundert Vertreter der Land- bünde aller deutschen Länder und preußischen Provinzen teil Nach Begrüßungsansprachen ergriff der geschäfts- führende Präsident des Reichslandbundes, Graf von K a l ck r c li i h , das Wort. Er führte u. a. aus: Der Ver- lauf des Jahres 1931 hat erneut bestätigt, daß die Regie­rung Brüning nicht den Willen und die Kraft hat, sich von den Anhängigkeiten und schädlichen Einflüssen frei zu machen, unter denen schon im Jahre 1030 ihre Aktivität gelitten bat. Zu großzügigen vorbeugenden Maßnahmen hât man sich nicht entschließen können, -tte Bekämpfung der Agrarnot und der Arbeitslosigkeit ist nur durch bc- wußle Abkehr von der bisherigen verfehlten Ausfuhrpolitik und durch ebenso bewußte

Stärkung des Binnenmarktes

mit allen Mitteln möglich. .

Die Fragestellung, die Arbettsrmmstcr Stegerwald in den Vordergrund seiner Erwägungen stellt, die A r b e i t s- losen über diesen Winter hinwegzubringen, t|i keine Auf­gabe besonderer Schwierigkeit, so lange in Deutschland ausreichend Nahrungsmittel vorhanden sind, wie es in diesem Winter noch der Fall ist.

Die entscheidende Frage, die das Schicksal dem deut­schen Volke heute auferlegt, ist nicht: Wie retten wir die Wesensbcstandtcile des demokratischen Staates?, sondern: Wie retten wir die politische Freiheit des deutschen Volkes? Wie sichern wir seinen Lebensraum? Wie schaffen wir Brot und Arbeit? Nur die deutsche Erde kann noch Brot und Arbeit dem Volke sichern.

Aber die Erzeugungskraft des-deutschen Ackers ist am Erliegen, wenn nicht in letzter Minute

die vernichtete Rentabilität der Landwirtschaft wiederhergestellt wird. Der Erzeugungskostenersparnis von höchstens 5 Prozent durch die Notverordnung steht ein Einnahmcverlust von etwa 30 Prozent im Vergleich zum Jahre 1928/29 gegenüber.

Es war der entscheidende Fehler, den Reichsernäh- rungsminister Schiele gemacht hat, als er in die Regie­rung Brüning eintrat, daß er glaubte, als reiner Fach - m i nister, ohne entscheidende Einflußnahme auf die G e s a m 1 p o l i 1 i k der Regierung, die Lebensmöglich­keiten der deutschen Landwirtschaft erkämpfen zu können. Der Landbund hat es für seine Pflicht gehalten, im Rahmen der nationalen Front feine Kampfkraft ein­zusetzen für die Erreichung einer Regierung, die die

Kmdenbmg auf der Grünen Woche.

Die Werbeveranstaltung für die Landwirtschaft.

Reichspräsident von Hindenburg stattete der Grünen Woche einen längeren Besuch ab. Zur Begrüßung des Reichspräsidenten hatten sich u. a. eingesunden Reichs­minister Dr. Schiele, Staatsminister Dr. Steiger, der Leiter der „Grünen Woche" Berlin, Hans-Jürgen von Hake, der Präsident des Reichsjagdbundes, Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg sowie eine Reihe Vertreter land­wirtschaftlicher Körperschaften.

Bei der eingehenden Besichtigung der Jagdaus- stellung übernahmen die Herren Landforstmeister Borg-

Drei Lstpreußinnen in ihrer Heimattracht begrüßen den Reichspräsidenten aus der Grünen Woche. greve und Germlein die fachkundige Führung. Be­sonders anerkennend sprach sich der Reichspräsident über die Bedeutung der „Grünen Woche" als Werbever- anstältungfürdiedeutscheLandwirt schaft aus.

Tie „Grüne Woche" hat bisher einen außer- " * ö ent l i ch starken Besuch aufzuiveisen. Auf- lallend stark ist namentlich der Besuch des Landpublikums.

—- vertraue daran? h«k ^ ^viujuing ourmzuzetzen, alsbaldige toirtt^ einem Vertrag über eine läge der ß 71 Abrüstung aus der Grund- Siegel beidrücken richtig u n g das amerikanische sprüche an "ein Land habe größere An- Man habe geglaubt den^ Deutschland, können. Sie bestreiten zu blockiere bk '^ ^uli 1931 Die Widerstände ^ b'treb Politische Vorbedingungen, in Genf groß fein'Abrüstung würden Abkommensènlwn?^ ihren Ausdruck in dem liche Abrüstung völlig gefunden, der für eine ehr- Regierung mh ârEl^ '^ den die deutsche juristische Anspr S abgelehnt habe. Der

1 Spruch und die moralischen Forderungen

deutschen Kraftquellen klar erkennt und den Willen besitzt, sie in schwerster Schicksalsstunde auszuschöpfen und die letzten Reserven einzusetzen i m K a m p s f ii r F r e i h e i t und Leben des deutschen Volkes.

*

Gegen die Agrarpolitik der Reichsregierung.

Eine Entschließung des Bundesvorstandes des Rcichslandbundcs.

Der Bundesvorstand des Reichslandbundes faßte eine Entschließung, in der u. a. darauf hingewiesen wird, daß sich die Landwirtschaftsrichtzahl von 110,0 im März 1930 auf 91,8 am 27. Januar 1932 gesenkt habe. Im Jahre 1931 zeige eine Gegenüberstellung der landwirtschaftlichen Richtzahl und der Richtzahl für industrielle Fertigwaren

eine Preisspanne von 35,9 Prozent.

Diese Feststellungen bewiesen, daß die Reichsregierung den Auftrag des R e i ch s p r ä s i d e n 1 e n in seiner Botschaft vom 18. März 1930 bezüglich der beschleunigten Wieder­herstellung der dauerhaften Lebensfähigkeit der deutschen Landwirtschaft nicht ausgeführt habe. Auch die jüngsten Vorgänge auf dem engeren agrarpolitischen Gebiet ließen erkennen, daß die Reichsregierung nach wie vor die L a n d - 8 n d Forstwirtschaft und die ihr verwandten Be­triebsarten opfere. Das kürzlich zugunsten gewisser Aus­fuhrindustrien abgeschlossene R u s f e n g e s ch ä f 1 halle die heimischen Agrarpreise unter der durch die deutschen Erzeugungskosten bedingten Höhe. Die Reichsregierung trage die volle Verantwortung für den

Zusammenbruch der deutschen bäuerlichen Vcrcdelungswirtfchaft.

Die Vorschriften über die Sicherung des Bezuges Kunstdünger zur Frühjahrsbestellung bürdeten ganze Risiko der Vajksernährung dem Landvolk auf. durch den weiteren Zusammenbruch der Agrarpreise vorgerufene gegenwärtige Stand der Düngemittelversov gung lasse im kommenden Herbst einen

von das Der her-

Ertragsausfatt zwischen 2,5 und 5 Millionen Tonnen Getrcidewcrt

befürchten. Das gesamte Wirtschafts- und Volksleben Deutschlands könne nur auf der Grundlage einer erfolg­reichen deutschen Agrarpolitik wieder aufgebaut werden. Der Reichspräsident wird am Schluß der Entschlie­ßung gefragt, ob er weiterhin dulden wolle, daß sein Auf­trag von der derzeitigen Reichsregierung in so offen­kundiger Weise mißachtet werde.

Deutschlands seien unbestreitbar. Der Abkommensent­wurf enthalte einen Artikel 53, der die entwaffneten Staaten von neuem auf die Entwaffnungsbestimmungen der Friedensdiktate festlegen wolle. Das sei ein Verfahren, das mit den Gedanken von „fair play" und Gleichberechtigung völlig unvereinbar sei. Wenn die Ab­rüstungskonferenz das Ausnahmerecht gegen Deutschland und andere schon abgerüstete Staaten nicht in gleiches Recht für alle umwandcle, werde sie niemals zu einem glücklichen Ende geführt werden können. Wer die Lage Deutschlands inmitten einer bis an die Zähne bewaff­neten Welt kenne, wer wisse, daß die deutsche Sicherheit durch die rings um die Grenzen angehäuften ungeheuren. Rüstungen aufs schwerste bedroht sei, daß DentschlMd gegenüber Flugangriffen völlig wehrlos sei, der werde- nicht erwarten können, daß irgendeine deutsche Regierung die Hand dazu bieten würde, diesen Zustand durch die Allgemeine Abrüstungskonferenz zu sanktionieren ober zu verlängern. An der Tatsache der voll­zogenen deutschen Abrüstung sei trotz der fortgesetzten Hinweise interessierter Kreise auf angebliche deutsche Geheimrüstungen keinerlei Zweifel möalich.

Noch weLier harte ENihehrLMgSN^ \

Der Reichsarbeitsminister über das Entscheidungsjahr.

R e i ch s a r b e i t s m i n i st e r Dr. S t e g e r lv a l d gab einen Überblick über die wirtschaftlichen und politischen Aussichten des Entscheidungsjahres 1932, das für alle noch harte Entbehrungen bringen werde. Die Wirtschaft habe sich in allem zu stark übernommen, und gleichzeitig sei der Staat mit so viel Ausgaben an sozialen Leistungen, Reparationen usw. belastet worden, wie seine 21 Millionen Arbeiter an Gehältern und Löhnen in Deutschland verdient haben. Kein Mensch, keine Familie und kein Volk könne aber dauernd mehr ausgeben als eingenommen werde. Der seit Jahren laufende Schrum­pfungsprozeß werde 1932 noch weitergehen, da Die Welt sich noch nicht zu einem energischen Vorgehen gegen die Wirtschaftskrisis habe zusammenfinden können. Wenn die verantwortlichen Leiter der Wellpolitik nicht bald eine Grundlage des Weltvertrauens herstellten, dann werde die

Talsohle der Krisis noch lange nicht erreicht sein und eine weitere allgemeine Verarmung der Welt herbeigeführt, die dann in das Zeitalter der Tausch­wirtschaft zurücksinken würde. Deutschland sei für diesen Entscheidungskampf vielleicht besser gerüstet als andere Länder, deren Schwierigkeiten jedoch ebenso zu einer all­gemeinen Lösung drängten.

Ausgehend von der Notwendigkeit einer Sicherung der Währung behandelte Dr. Stegerwald weiter die Schwierigkeiten des Finanzwesens.

Von neue» Gehaltskürzungen

könne feine Rede sein. Auch an dem Gerücht von einer Entwert,ing der Reichsmark auf 80 Pfennig sei kein wahres Wort, da die Regierung dem Volk eine zweite In­flation nicht anmuten werde.

Der Minister wandte sich sehr scharf gegen die Ver­fehlungen der letzten Zeit in der Privatwirtschaft (Favag, Nordwolle, Schultheiß-Patzenhofer usw.), bekannte sich aber durchaus zu dem Gedanken der Privatwirtschaft, die allerdings auch allein das Risiko ihrer Erzcugungskosten tragen und sich von ungesetzlichen Preisbindungen befreien müsse. Hierbei sollten

die mittleren selbständigen Betriebe gefördert lvcrden, und nicht allein Groß- oder Mammut- betriebe. Es werde auch an Stelle des Großbankcnsilial- systeins der mittlere Bankier treten müssen, der die Kreditgewährung viel leichter und verantwortungs­bewußter übersehen könne. Gleichzeitig werde auch ein stärkerer

Ausgleich zwischen Stadt und Land und eine baldige Verwaltungsreform angestrebt lvcrden müssen. Ein großzügiges Arbeitsbeschasfungsprogranun scheitere vorläufig noch an mehreren Gründen, die in dem Fehlen von Steuerqucllcn, der Unmöglichkeit weiterer Auslandskredite und einer inneren Anleihe begründest seien