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Nr. 24
Freitag, 29. Januar
1932
Der Aufschub der Setnebsrälewahlen.
Aussichtslose Störungsversuche.
Amtlich Wird mitgeteilt: Durch Verordnung der Reichsregierung vom 14. Dezember 1931 ist die Amts- dauer Derjenigen Betriebsvertreter, deren Antt durch Ablauf der Wahlzeit im Kalenderjahr 1932 enden würde, um ein Jahr verlängert worden, um die Kosten und wirtschaftlichen Störungen durch allgemeine Neuwahlen in den nächsten Monaten zu vermeiden. Nach Mitteilungen kommunistischer Zeitungen scheint es, als ob die rote Gewerkschaftsopposition versuchen wolle, durch Niederlegung der Ämter ihrer Anhänger in möglichst vielen Betrieben trotzdem Neuwahlen zu erzwingen. Ein solcher Versuch hat keine Aussicht aus Erfolg. Abgesehen davon, daß es zweifelhaft erscheint, ob Maßnahmen rechtswirksam sind, die nur zu dem Zwecke erfolgen, eine mit Gesetzeskraft verordnete Regelung der Amtsdaucr zu beseitigen, ist es selbstverständlich, daß der Reichsarbeilsminister den für nötig gehaltenen Aufschub her Betriebsrat-wahlen durch geeignete Mittel, im Bedarfsfälle durch eine ergänzende Nechtsverordnung, sicherstcllen wird. Die Amtsniederlegung einzelner Betriebsratsmitglieder könnte nur zum Verlust ihres Ein- fluffes auf die Handhabung der Betriebsratsgeschäfte unb zum Wegfall ihres Kündigungsschutzes führen.
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Erfolglose Tauchversuche.
Die Hoffnung, die Mannschaft des untergegangeneu englischen Unterseebootes „M. 2" noch retten zu können, ist nunmehr so gut wie aufgegeben worden. Wie die englische Admiralität mitteilt, hatten die Minensuchboote zwei weitere Gegenstände auf dem Meeresgrunde festgestellt. Es wurden darauf
mehrere Taucher hinuntergelaflen;
infolge der hohen Flut gelang es jedoch keinem der Taucher, den Meeresgrund zu erreichen. Nach diesen mißlungenen Versuchen ging das Minensuchboot „Ted- worth", das mit den modernsten Tiesseetaucheinrichtungen versehen ist, mit mehreren Tauchern an Bord von Portsmouth in See. um die Tauchversuche fomuietien.
-MmM öttlottn.
Nach den letzten Nachforschungen scheint festzustehen, daß sich an Bord des untergegangenen Unterseebootes sieben Offiziere, einschließlich zweier Fliegeroffiziere, und 53 Mann befanden.
„M. 2" durch Explosion untergegangen?
Von dem Kapitän des Motorschoners „Krone von Dänemark" ist ein Bericht eingegangen, der es möglich erscheinen läßt, daß „M. 2" infolge einer Explosion untergegangen ist. Ter Kapitän will am Dienstag nachmittag 16 Meilen südöstlich von Lyme Regis plötzlich drei Sekunden lang einen Hellen Schein gesehen haben. Zehn Minuten später habe er zwei Erplosionen gehört. Das Wetter sei zu dieser Zeit außerordentlich neblig gewesen. Ein Bericht von anderer Seite über die Explosionen liegt bisher nicht vor.
Thüringen legt Revision ein.
Weimar. Das thüringische Kabinett nahm einen Vortrag über den Stand des Rechtstreits des ehemaligen Altenburger Herzogs gegen das Land Thüringen entgegen und beschloß, gegen das Urteil des Obèrlandesgrrichts Jena Revision beim Reichsgericht einzulegen.
Die Kassiber im Gkèarek-proZeß.
Man wünscht die Vernehmung des Rechtsanwalts Dr. Alsberg.
Im Sklarek-Prozeß ging es noch einmal um ein Schriftstück, das seinerzeit bei Max S k l a r e k anläßlich der Durchsuchung seiner Zelle gefunden wurde und das der Staatsanwalt als „Kassiber" bezeichnet, während die Sklareks und ihr Verteidiger es „eine Information" nannten.
Der Rechtsanwalt Prof. Dr. Alsberg, aus dessen Büro das Schriststück gekommen sein sollte, yal nunmehr an daS Gericht ein Schreiben gerichtet, in dem er die Sache zu erklären sucht. Nach der Verlesung des Schreibens sagte der Oberstaatsanwalt, daß er die Bezeichnung „Kassiber" trotzdem aufrechterhalten müsse. WilliSklarek und einer der Verteidiger baten darauf um LadungdesProfessorsAlsberg, damit er als Zeuge seine Angaben bestätige. Im weiteren Verlaufe dieser Verhandlung kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen verschiedenen Verteidigern und dem Gericht.
Die Staatsanwaltschaft behauptet, daß Versuche unternommen worden sein, die Revision durch Obermagistratsrat Brandes zu verhindern und daß auch B r o l a t auf Brandes eingewirkt habe. Der Vorsitzende erklärt, daß Brolat einen großen Teil der Rechnung für Anzüge erst bezahlt habe, nachdem die Sklareks verhaftet worden waren. Das gehöre in das Verfahren, weil in der Frage der Vereidigung Brokats als Zeuge Begünstigung eine erhebliche Rolle spiele.
Die Staatsanwaltschaft steht weiterhin auf dem Standpunkt, daß sich auch Stadtrat Gaebel und der Stadt- verordnete R o s e n t h a l für die Sklareks cinaesetzt haben.
Ein RcliungSapparat, mit dem die U-Bool-Mannschaslen ausgerüstet sind, der es ermöglichen soll, aus der Tiefe des Meeres lebend an die Oberfläche zu tommen.
Foch ein Ssrisiöigsrpladvyer im Äalmâ -Prozeß.
Vor der Entgegnung der Staatsanwälte.
Im Calmette-Prozeß nahm der Vertreter des Pro- fessors Dr. Klotz, Dr. C u w i e, das Wort zu feinem Plädoyer Er ging die einzelnen Krankheitsfälle durch und bestritt, daß Dr. Klotz bereits am 12. April etwas hätte unternehmen sönnen. Daß Professor Klotz in einem bestimmten Falle alles getan habe, was er hätte tun müssen, gehe daraus hervor, daß er, als er nach reichlicher Überlegung stutzig geworden sei, sich sofort in die Leichenhalle des Krankenhauses begeben habe, um sich noch einmal den Sektionsbefund anzusehen. Ihm könne nicht der geringste Vorwurf gemacht werden. Dr. Cuwie beantragte daher Freisprechung.
Die Verhandlung wurde auf Freitag mittag vertagt Es sollen dann die Staatsanwälte das Wort zur Entgegnung erbalten.
Der Zwemiarkstüllsâlsch« Galaban gesteht alles.
Der „große Unbekannte" ermittelt, aber schuldlos.
Der in Berlin wegen großzügiger Fälschung von Zweimarkstilcken festgeuommLne Dr. S a l a b a n hatte bet
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Das Wrack von „M. 2* gefunden^
Im Verlaufe der Sucharbeiten nach dem vermißten U-Boot „M. 2" hat ein Seeslugzeug etwa acht Meilen nordwestlich des Leuchtturms Portland Bill einen Ll- fleden entdeckt, und späterhin hakten die Suchlcinen der Minensuchboote dort an einem Hindernis fest, von dem man mit ziemlicher Sicherheit jetzt glaubt, daß es das Wrack von „M. 2" ist.
Als das Suchfahrzeug „Sabre" seine Anker fallen ließ, kam weiteres Öl an die Oberfläche. Es wurden sofort Taucher in die Tiefe hinabgelassen, die glaubten, Klopfzeichen gehört zu haben. Sie haben den Meeresgrund noch nicht erreicht, so daß noch keine völlige Sicherheit besteht, ob das Unterseeboot tatsächlich gefunden worden ist.
Von Portland sind Fahrzeuge mit den modernsten Tauch- und Hebeeinrichtungen an die vermutliche Unfallstelle entsandt worden, so daß die Bergungsarbeiten sofort beginnen, sobald das Wrack endgültig festgestellt ist.
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Die englische Admiralität gibt „M 2“ verloren.
London, 29. Jan. (Reuter.) Die Admiralität erklärt, es bestehe jetzt keine Hoffnung mehr, die in dem gesunkenen Unterseeboot M 2 eingeschlossene Mannschaft lebend zu bergen.
den ersten Vernehmungen behauptet, daß er einen Helfer gehabt habe, einen Mann, besten Namen er nicht kenne. Dieser Mann ist aus schwierigen Umwegen jetzt ermittelt worden, aber es hat sich herausgestellt, daß er mit den Geldfälschungen nichts zu tun hatte
Tclaban hat darauf ein volles Geständnis abgelegt und zugegeben, daß er falsches Geld nicht erst in der Lichter- felder Villa hergcstellt habe, sondern auch früher schon in seiner Berliner Wohnung. Tas Metall hat er unter falschen! Namen bei einer chemischen Fabrik bezogen; auf gleiche Art hatte er sich die Prägepresse besorgt.
Vermischte Nachrichten
Im ostobcrschlcsischen Bergbau: 5 Prozent Lohnsenkung.
Kattowitz. Nach nochmaligen Verständigungsverhanslungen fällte der Sonderschlichter für den ostoberschleüschen Bergbau einen Schiedsspruch, Der eine allgemeine Lohnsenkung um 5 Prozent Vorsicht. Außerdem wird der bisher 5 Prozent betragende Lohnunterschicd zwischen dem südlichen Kohlenrevier und dem Zentralrevier auf 6 Prozent erhöht.
Eine französische „Reichsbahn"?
Paris. Der Arbeitsausschuß der Kammer nahm mit einer Stimme Mehrheit einen sozialistischen Antrag an, Der Die Em- ^gnung sämtlicher französischer privaten Eifenbahngesellschaften und Die Schaffung einer einzigen staatlichen Gesellschaft Vorsicht. Tas gesamte Material und Besitztum sollen auf Dem Entcignungswege vom Staat ungetanst werden.
Zumpe in Amerika.
Ein lustiger Roman von Fritz Körner.
17) (Nachdruck verboten.)
Maier lachte und sagte lustig: „Was für ein Gesicht macht sie denn, wenn Sie als meine . . . Braut mit ihr sprechen?"
„Ein sehr drolliges! Wie ein kleines Dummchen schaut sie aus! Ich glaube, sie ist ein ganz guter Kerl und ist es nicht wert, daß man mit ihr spielt."
Maier senkte schuldbewußt das Haupt.
*
„Mr. Zumpe muß das Bett hüten!"
Die Nachricht lief durchs Schiff.
Die Damenwelt bedauerte es lebhaft, nicht ahnend, daß es sich der brave Maier so angenehm wie nur möglich mar^..unb Flasche Sekt nach der anderen trank.
Sülzer ließ ihn auf Bomberlings Wunsch gewähren.
Morgen war man ja sowieso in Neuyork, ließ die unvermeidlichen Empfänge über sich ergehen, und dann ging's ins Trainingsquartier, wo sich Maier der strengen Disziplin und dem geregelten Training fügen mußte.
Uschi sah, wie die blonde Edith mit Tränen in den Augen an der Reeling stand.
wie ging zu dem jungen Mädchen und sagte herzlich: «Aber warum sind Sie so traurig?"
traurig "^ ^^ ^ S™116“ unb sagte: „Ich bin gar nicht
- »Heute abend werden wir noch Neuyork sehen. Das ist ^re Heimat! Sie freuen sich gewiß!"
frcuc mich! Ja, ich freue mich sehr sogar!" suchen Miß Myhers^ ^™1 lm Training-quartier be- Edith starrte Uschi an.
‘ ' \H • • Ja • • • wenn Sie es gestatten?"
M i! für S” â r,d> ""* I* f™™1 Ek
Sw sagte das ohne Spott, beinahe herzlich. sagte fröhlickv ^™ V ^°"' dann blickte sie auf und 196 mählich. „Ich . . . komme . . . dann einmal!"
„Wir werden uns alle freuen!"
nd)MtenhÄ Ede in Neuyork mit einer Herz, ohnegleichen empfangen.
ihn beK E^ C5 die Deutschen von Neuyork, bie J Wonders willkommen hießen.
Hunderttausende jubelten ihm zu, als er an Land stieg.
Der brave Maier kam sich in dem Augenblick vor, als sei er wirklich der richtige Zumpe. So ungeheuer stolz und glücklich war er, wie noch nie in seinem Leben.
Seine Brust weitete sich, und der Ehrgeiz, es seinem Lehrmeister einmal gleichzutun, ergriff ihn.
Über zwei Monate hatte er Zeit. Er wollte sie zum Training benutzen und wollte sich die notwendige Härte abzwingen.
Seine Fahrt durch die Straßen von Neuyork glich einem Triumphzug. Die Deutschen Neuyorks säumten die Straßen ein und man empfing ihn, als halte ein Lindbergh seinen Einzug.
Der liebenswürdige Bürgermeister Walker begrüßte ihn äußerst herzlich, und es fand ihm zu Ehren ein Bankett statt.
Uschi staunte ebenso wie Bomberling über die Wandlung, die der Brauereischreiber Maier durchgemacht hatte. Er benahm sich so korrekt, sprach auf die Worte Walkers hin so nette und liebenswürdige Worte des Dankes, daß alle- begeistert klatschte.
Bomberling war ganz zufrieden.
Ja, er würzte seine Worte mit Humor. Er mühte sich eben in allem ein würdiger Sinton Zumpe zu sein.
Zwei Tage gingen noch mit Empfängen und Banketts hin, bis sie endlich mit dem Auto nach dem Trainings- quartier, das sich in der Nähe von Albertstown befand und das man „Uschi-Eamp" taufte, gelangten.
Jetzt besann sich Bomberling feiner Manager- und Trainerpflichten.
Streng wurde das Leben geregelt, genau der Tag eingeteilt, und Maier mußte heran, trainieren, trainieren!
Zunächst hatte ihni Bomberling leichte Partner herausgesucht.
Zwei Detektive wachten Tag und Nacht über das Wohl und Wehe des falschen Zumpe.
Wie aber ging's Anton Zumpe selber?
4.
Der „Indus" erreichte den Hafen von Neuyork nad 21 Tagen.
Die Seereise war unbeschreiblich schön gewesen und bedeutete für Anton ein Ausspannen, ein Losgelöstsein von allem Hetzen, von all dem Treiben der Zeit, das wie ein erfrischendes Bad war.
Sie waren nur sehr langsam vorwärtsgekommen, aber an Bord mar Langeweile nicht aufgekommen.
Menschen und Schiff schienen zu einer Einheit zusammenzuschmelzen, und als die Freiheitsstatue von Neuyork auftauchte, als man das Land sah, sagte Anton fast
traurig: „Schade, lieber Droysen, daß wir nicht gemeinsam wieder heimfahren können!"
Droysen sah ihn dankbar mit leuchtenden Augen an und fragte mit belegter Stimme: „So . . . haben Sie meinen „Indus" auch lievgewonnen?"
„Wahrhaftig, Kapitän, und ich versteh's, zu sehr versteh ich's, daß Ihnen Ihr schönes Schiff ans Herz gewachsen ist, daß Ihnen überhaupt nur der Segler ein Schiss ist! Schade, daß er ausstirbt, daß unser Tempozeitalter die Segelschifffahrt auslöscht! Ja, ja, wir leiden an Tempo!"
Der Abschied von den Matrosen war über alle Maßen herzlich.
Anton mußte allen versprechen, ihnen zu schreiben, wenn er Weltmeister ist. Sie gaben ihm ihre Ädresten und Anton versprach's.
An Land wollte man sich noch treffen, um gemeinsam einen gemütlichen Abend zu verleben.
♦
Anton und Marianne hatten Amerikas Boden nach Erledigung aller Formalitäten betreten. Gemeinsam bummelten sie nach der Eity und wollten die Wolkenkratzer einmal aus nächster Nähe anschauen.
Marianne sprach ebenso gut Englisch wie Anton.
Sie ließen sich vom Strom treiben, liefen die Straßen entlang, erreichten den Broadway und nahmen die Eindrücke, die sich ihnen boten, willig auf.
Aber schon nach einer halben Stunde waren sie sich darüber klar, daß sie scheinbar keine Sensationen zu erwarten halten. Neuyorks Sehenswürdigkeit waren die Wolkenkratzer und der riesenhafte Verkehr, der den von Berlin natürlich weit übertraf, aber sonst hatte das ganze Groß- stadttreiben, das Großstadtbild Ähnlichkeit mit jeder anderen kontinentalen Großstadt.
Sie suchten ein Speisehaus auf.
Am laufenden Band zogen die Speisen vorbei und sie konnten sich auswählen, was sie mochten.
Aber cs war alles, so gut es auch aussah, recht nüchtern zubereitet und schmeckte ihnen nicht sonderlich.
„Marianne," sagte Anton, als sie das Speisehaus verlaffen hatten, „ich taufe Sie jetzt um!"
„Welchen Namen bitte?"
„Mary! Das ist dasselbe, ist nur kürzer und paßt in das Land."
Sie schüttelte den Kopf und sagte lachend: „Da mache ich nicht mit, ich hör's grab' von Ihnen so gerne, das Marianne. Nur nicht jo bequem werden, lieber Freund."
(Fortsetzung folgt.)