Zulüaer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zul-a- un- Haunetal »Zul-aer Kreisblatt
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Nr. 24 - 1932
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9. Jahrgang
Fulva, Freitag, 29. Januar
Die auflodernde Kriegsfackel in China.
Blutige Kämpfe in Schanghai. — Die Japaner haben die Chinesenstadt Schapei bombardiert und in Brand gesetzt. — China will Widerstand leisten. — Besorgnis in England und Amerika. — Amerikanische Kriegsschiffe nach Schanghai unterwegs.
Japanische Truppen in Schanghai.
Japanische Truppen haben die Chincsenstadt von Schanghai, Chapci, besetzt. Britischen Meldungen aus Schanghai zufolge nahmen japanische Kriegsschiffe das chinesische Fort Nusung unter Feuer, nachdem angeblich die Chinesen vorher die Feindseligkeiten eröffnet hatten.
Washington ersucht Tokio um Aufklärung.
Die amerikanische Regierung hat die Regierung in Tokio ersucht, ihre weiteren politischen Pläne in der Mandschurei und in Schanghai bekanntzugcbcn.
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Schwere Kämpfe in Schapei.
(Eigene Funkmeldungen.)
Schanghai, 29. Jan. Um 1.30 Uhr früh hatten die Japaner den größten Teil von Schapei besetzt. Die Chinesen leisten hartnäckigen Wider st and und weichen nach der internationalen Konzession zurück. Etwa 50 Chinesen sind gefangen genommen worden. Schirpei wurde auf Befehl des japanischen Oberbefehlshabers mit Fliegerbomben belegt. Die Bevölkerung hat sich in den Wohnungen verbarrikadiert.
In der Morgendämmerung wurde das Bombardement auf Schapei wieder ausgenommen. Japaner besetzten um 6.15 Uhr früh die militärischen Hauptpunkte in Schapei.
Amtlich wirdm itgeteilt, daß bei den Kämpfen in Schapei die japanischen Verluste sich auf 8 Tote und 29 Verwundete belaufen.
Die Chinesenstadt in Flammen.
Schanghai, 29. Jan. Kurz nach 4 Uhr morgens brach in der Chinesenstadt Schapei Feuer aus. Die Flammen griffen schnell um sich. Von den Dächern der internationalen Niederlassung aus konnte man deutlich beobachten, wie in der 5 Kilometer entfernten Chinesenstadt ein Haus nach dem andern inFlammen ausging, während die Luft von dem Knattern der Erwehr- und Maschinengewehr- schusse und dem dumpfen Krachen der fallenden Bomben und dem Surren der Flugzeugmotoren ersüllt war.
Die Bombenangriffe der japanischen Flugzeuge auf Schapei konnten gegen 7 Uljr früh mitteleuropäischer Zeit von dem Dache eines Wolkenkratzers des Fremdenviertels aus deutlich beobachtet werden. Das Bombardement dauert bereits 6 Stunden. In Schapei selbst wütet ein ungeheurer Brand.
China will Widerstand leisten.
Nanking, 29. Jan. (Reuter.) China will jetzt gegen das japanische Vorgehen Widerstand leisten. Die Reserven der 19. kantonesischen Armee, die gegenwärtig im Gebiete von Nanking stehen, und die 3. Division der Nationalgarde sind mobil gemacht und verladen worden, um nach Schanghai abzugehen.
Die Entsendung japanischer Truppen nach Charbin und die Sowjetunion.
Tokio, 28. Jan. (Reuter.) Der japanische Botschafter in Moskau hat Weisung erhalten, der Sowjetregierung die Gründe für die Entsendung japanischer Truppen auf Charbin ausein- anderzusètzen. Weiterhin soll er beruhigende Zusicherungen über die Eisenbahnlinie geben, in deren Besitz sich China und Rußland teilen.
Sowjetbehörde gegen japanische Truppentransporte.
Tokio, 29. Jan. (Reuter.) Die Sowjetbehörden haben aus Weisung aus Moskau hin kategorisch abgelehnt, die Erlaubnis zur Beförderung von japanischen Truppen auf der chinesischem Ostbahn zu geben.
Gefahr für die Ausländer in Schanghai.
Schanghai, 29. Jan. Eine der von japanischen Fliegern ab- gcworfenen Bomben fiel in eine Straße der ausländischen Konzesstonszone. Sie richtete beträchtlichen Schaden an verletzt wurde jedoch niemand. — Die Zahl der in Schapei verletzten Chinesen wird auf 2000 geschätzt.
Japanische Kricgsschisse nach Schanghai unterwegs.
Tokio, 29. Jan. (Reuter.) Ein Geschwader, bestehend aus ^Kreuzern, 2 Flugzeugmutterschiffen und 4 Zerstörern, hat den Gesetz! erhalten, zur Abfahrt nach Schanghai sich bereit zu hal- P ■ Ein Kreuzer und 4 Zerstörer sind heute früh bereit von «^lebo nach Schanghai in See gegangen. An Bord der Schiffe
befinden sich Landungskommandos. — 12 japanische Zerstörer haben heute früh die Mündung des Jangtse passiert.
Chinesische Truppen besetzen die Westviertel von Schanghai.
Schanghai, 29. Jan. (Reuter.) Chinesische Truppen sind in die Westviertel der Stadt die an die internationale Konzession grenzen, eingedrungen. Zur Unterstützung der regulären ausländischen Truppen bei der Bewachung der Grenze der Konzession sind Freiwillige herangezogen worden. Die Japaner treffen Vorbereitungen zum Angriff aus den Nordbahnhof von Schanghai.
Vier amerikanische Zerstörer unterwegs nach Schanghai.
'Washington, 28. Jan. (Reuter.) Vier amerikanische Zerstörer in Manila haben Befehl erhalten, sofort nach Schanghai in See zu gehen. Die Weisung ist veranlaßt durch das Ersuchen des Befehlshabers der amerikanischen Flußwachtschiffe aus dem dangtse. Die Zerstörer können im Notfall Schanghai in 35 Stunden erreichen. Konteradmiral Taylor in Manila hat streng vertrauliche Instruktionen erhalten.
China appelliert an den Völkerbund.
Genf, 29. Jan. Der Vertreter Chinas im Völkerbundsrat, Botschafter Dr. Den, hat heute vormittag den Antrag gestellt, datz sich der BAkerbundsrat auf Grund des Artikels 15 mit dem chinesisch-japanischen Konflikt besassen soll. Dem Vertreter unseres Nachrichtenbüros erklärte der Botschafter, daß das bisherige Verfahren des Bölkerbundsrates auf Grund des Artikels zu keinem Erfolg geführt habe.
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Nachdem der Völkerbund in der Mandschurei-Frage bisher glänzend versagt hat, ist ihm nun nochmals Gelegenheit gegeben, seine Fähigkeit — oder Unfähigkeit — als „Hüter des Friedens" unter Beweis zu stellen.
Vor wichtigen Entscheidungen.
Die Vorbereitung zur Präsidentenwahl.
Die Vorbereitungen zur Reichspräsidentenwahl lind durch die Gründung von Aktionsausschüssen in Bayern und in Berlin allmählich in Fluß gekommen. Oberbürgermeister Dr. Sahm wird in allernächster Zeit Aufforderungen an einen größeren Kreis im öffentlichen Leben stehender Persönlichkeiten richten, sich an dem für die Vorbereitung der Hindenburgkandidatur bestimmten Ausschuß zu beteiligen. Die Konstituierung dieses Aus- schusses soll zu Beginn der nächsten Woche erfolgen. Parteiführer oder andere Persönlichkeiten, die in der Politik eine führende Rolle spielen, sollen dem Ausschuß nicht angehören Die Führung der Deutschnattonalen und der Nationalsozialisten hat noch keinen endgültigen Beschluß über die Wahl und die Kandidatur des Reichs- Präsidenten gefaßt. In politischen Kreisen rechnet man übrigens damit, daß es durchaus möglich ist, daß her Termin für den ersten Gang der Reichspräsidentenwahl bereits in den Februar hineingelegt werden wird.
Löbe bei Brüning.
Ziemliche Beachtung in politisch - parlamentarischen Kreisen hat der Besuch gefunden, den Reichst« gspräsident Löbe dem Reichskanzler am Donnerstag abgestattet hat. Der Besuch soll angeblich rein persönlicher Natur gewesen sein, doch wird in einer anderen Lesart behauptet, das Reichölagspräsidcni Löbe dem Reichskanzler Vortrag über seine Pläne zur Arbeitsbeschaffung für Erwerbslose gehalten hat. Schon vor einiger Zeit Hai Löbe in einer Versammlung in Breslau daraus hin. gewiesen, das Erwägungen darüber im Gange seien, im Frühjahr dieses Jahres Arbeitsmöglichkeiten für eine Millionen Arbeitsloser zu schaffen, die an etwa 150 Stellen des Reiches eingesetzt werden sollten. Man gebt wohl nicht fehl in her' Annahme, daß Löbe auf diese Pläne in seiner Aussprache mit dem Reichskanzler zurück- gekommen ist.
Pläne zur Arbeitsbeschaffung.
Im Zusammenhang mit den Arbeitsbeschaffungs- Plänen die das Reichskabinett beschäftigt haben, ist auch die Frage einer A u s d e h n n n g d e s s r e i w i l l i g e n Arbeitsdienstes erörtert worden. Das Reichs- arbeilslnsnisterium hatte schon, bevor diese Erörterung einseyw, die Absicht, dem Reichskabinett eine Erweiterung des Arbeitsdienstes dahingehend vorzuschlagen, daß der ^eiS der jugendlichen Arbeitsdienstfähigen erweitert und ein besonderes Projekt, die E r.s ch l i e ß « n g d e s E m s- [ sl ,,xp e s, in Angriff genommen werden soll. Diese Pläne
Amerikanisch-englischer Boykott gegen Japan?
Wie verlautet, erwägen die maßgebenden Stellen in Waihington einen gemeinsamen amerikanisch-englischen Wirtichaftsboykott gegen Japan als ersten Schritt um ^apan bei seinem Vorgehen in China Halt zu gebieten. Wie es heißt, will Stimson weiter Japan warnen und erklären, daß das Vorgehen Japans in Schanghai eine ernstliche Bedrohung des Weltfriedens darstelle.
Die englische Presse zur neuen Spannung im Fernen Osten.
London, 29. Jan. Die Morgenblätter nehmen zur Frage einer gemeinsamen amerikanisch-englischen Aktion im Fernostkonflikt Stellung — „Times" äußert, wenn auch sehr zurückhaltend, daß gemeinsame Richtlinien natürlich von größter Wichtigkeit seien. Immerhin könnten aber die britische und die amerikanische Auffassung über die Lage in China stark voneinander abweichen. Wenn man auch zugeben müsse, daß Japan ernstlich provoziert worden sei, so würde die japanische Regierung doch gut daran tun, den Eindruck zu verwischen, daß der japanische Eeneralstab die Anordnung der politischen Stellen nicht durchführt, sondern seinerseits ihnen sogar den Kurs vorzuschreiben versuche. — „Daily Telegraph" ist der Ansicht, daß das japanische Vorgehen in Schanghai nicht mit dem in der Mandschurei zu vergleichen sei und bedenkliche Folgen zeitigen könne. Die in Washington herrschende Sorge werde von der englischen Regierung geteilt,' jedoch dürfte letztere der Ansicht sein, daß im gegenwärtigen Augenblick der Gedanke an einen Druck auf Japan abgelehnt werden müsse. — „Daily Expreß" erklärt das energische Vorgehen Japans für berechtigt, und „Daily Mai l" betont, daß das englische Volk entschlossen sei, an keiner Aktion teilzunehmen, die sich gegen seinen alten Bundesgenossen Japan richte. — Tas Arbeiterblatt „Daily Herald" und der liberale „News Ehronicle" begnügen sich mit unwilligen Aeußerungen über den „japanischen Militarismus".
sollen fetzt auf eine erheblich breitere Grundlage gestellt werden.
In Frage kommt zunächst eine Erweiterung des Per» soncnkreises für den freiwilligen Arbeitsdienst durch Einbeziehung der Jugendlichen, die noch keine Anwartschaft auf Arbeitslosenunterstützung erworben haben, oder die nicht versichcrungspflichtig oder überhaupt nicht Arbeitnehmer sind (Abiturienten, Studenten!). Auch die Heranziehung der Woblfahrtserwerbslosen wäre bis zu einem gewissen Grade möglich. Zweitens könnte die Dauer der Unterstützung der im Arbeitsdienst Beschäftigten verlängert werden. Und drittens könnte die Materialbeschaffung durch Darlehen des Reiches erleichtert werden.
Es ist einstweilen nicht beabsichtigt, den Gedanken der Freiwilligkeit des Arbeitsdienstes zugunsten einer Arbeitsdienstpflicht auszugeben
Erst Abrüstung, dann Schuldenfrage.
In maßgebenden Kreisen der englischen Abordnung erwartet man, daß in der zweiten Woche der Abrüstungskonferenz in Genf eine Zusammenkunft zwischen Macdonald, Laval und Brüning ftattfiuben wird, in der die weitere Behandlung der Tributfragc erörtert werden soll.
Englischcrseits nimmt man an, daß die amerikanische Regierung auf der Abrüstungskonferenz zunächst betonen wird, daß für sic eine Erörterung der internationalen Schuldenfrage ohne positive Lösung der Abrüstungsfrage nicht möglich erscheine.
Rücktritt Gir Eric Drummonds endgültig.
Das Gcncralsekrctariat des Völkerbundes teilt amtlich mit, daß der Völkerbundrat in einer neuen Gchcim- sitzung das Rücktrittsgesuch des Generalsekretärs erörtert hat. Sir Eric Drummond hat erklärt, daß er nicht in der Lage fei, sein Rücktrittsgesuch zurückzuziehc«. Die Mit- glicdcr des Völkerbundes haben einstimmig dem General- fefretär ihr Bedauern über die nunmehr feststehende Ent- schciduna ausacsvrockcn.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
» Reichspräsident von Hindenburg hat dem preußischen Ministerpriisidenten Braun zur Vollendung sc-nes kü Lcbcns- jahres in einem Handschreiben feine Glückwünsche ausgesprochen.
* Der in Berlin verhaftete Münzensälscher Dr. Salabau hat nunmehr ein volles Geständnis abgelegt.
» Die Japaner haben die Chiuesenstadt von Schanghai, Scharpei, mit Bomben belegt. — China hat einen neuen Appell an den VLUerbund gerichtet.