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Nr. 22 — 1932
Fulda, Mittwoch, 27. Januar
9. Jahrgang
Zwischen den Konferenzen
Sie Konferenz ist tot -
es lebe die Konferenz!
Die Lausanner Konferenz ist tot, und schon rüstet man bereits zu einer anderen. Das altbekannte Spiel wird nun wieder beginnen: Vorbesprechungen, diplomatische Verhandlungen vor und hinter, aber besonders hinter den Kulissen, Rätselraten über Zeit und Ort usw., usw. Wie es bisher den Anschein hat, stehen die Zeichen, unter eenen die neue geplante Zusammenkunft vor sich gehen soll, nicht gerade günstig für Deutschland. Diese Vorbesprechungen, die jetzt bereits zwischen England und Frankreich eingesetzt haben, sind verdächtig. Wir haben so etwas schon allzuoft erlebt und sind mißtrauisch geworden. Sieht es doch fast so aus, als ob zwischen Englano und Frankreich ein neuer „P l a n" ausgearbeitet werden soll, der dann als vollendete Tatsache aus der Konferenz Deutschland unterbreitet werden und zu dem es dann entweder I a oder Rein sagen soll. Wie die Sache jetzt steht, wird es wahrscheinlich Nein sagen müssen, wenn die Reichsregierung aus ihrem mehrfach erklärten Standpunkt festbleibt. Wenn es anfänglich schien, als ob England Deutschland bei seinen Forderungen sekundieren wollte, so neigt es jetzt immer mehr der französischen Auffassung, die für Deutschland unannehmbar ist, zu. Über die Einzelheiten der englisch-französischen Aussprache, die bereits in Paris stattgefunden hat, sind Einzelheiten zwar noch nicht bekannt, aber was darüber von unterrichteter französischer Seite verlautet, ist nicht gerade vertrauenerweckend Auf englischer Seite, so heißt es, bestehe man darauf, daß die Tributkonferenz im Mai oder Juni zusammentreten müsse, und daß wenigstens eine Lösung auf eine Reihe von Jahren nötig sei. Ferner hielten es die Engländer für nötig, ein aus die Gesamtheit der deutschen Zahlungen ausgedehntes Moratorium zu bewilligen. Aus französischer Seite seien dagegen weder Laval noch Flandin gewillt, aus eine Lösung eiiizngehen, die praktisch die Tribittzahlungen ohne Rücksicht auf die Haltung Amerikas in der Schuldenfrage beseitige. Frankreich könne in seinen Zugeständnissen über eine einjährige Verlängerung des Hooper-Feierjahces sowie den darin enthaltenen Beschränkungen und Vorbehalten nicht hinausgehen. Schließlich stehe die französische Politik auf dem Standpunkt, daß eine im Mai oder Juni zusammen- tretenbe Tributkonscrenz keine über ein ober zwei Jahre hinausreichcndcn Beschlüsse fassen dürfe.
Man sicht, von einer endgültigen Lösung der Tributfrage ist auf keiner Seite mehr die Rede, sondern nur von befristeter Lösung und M o r a t o r t u m. Mit beiden ist aber Deutschland und Europa nicht gebient, ^ebeë ycoratortum würde ein neues Zahlungsversprechen Deutschlands zur yolge haben müssen, das dieses auf keinen ^all geben kann, will und darf, und keine lediglich befristete Regelung kann Deutschland und der Welt kleben,.was pe vor allem zu ihrer Genesung brauchen: Sicherheit zur die Zukunft, die als Grundlage dienen kann für geiunbe wirtschaftliche Kalkulation und V e r t r a u e n Wenn bisher in der Erscheinungen Flucht das einigermaßen Festststehende die „Konferenzen" waren, so ist auch diese Säule, wie das Schicksal von Lausanne zeigt, ins Wanken gekommen, und geblieben ist nur noch als einzig Unerschütterliches: das Gerede um die Konferenz!
Kampf irr China und in Genf.
Washington gegen die japanischen
Ai a ß n a h m e n.
. Tic a m c r i k a n i f dj c Regierung wendet sich in scharfer Weise gegen die japanischen Militärmatznahmcn tu der internationalen Ansiedlung Schanghai. In hohen Rcgicrungskreiscn verlautet, daß die Washingtoner Regierung weitere japanische Truppenlandungen in Schanghai als „ernste Unruhe" ansehen würde. Solche japanischen Maßnahmen wären nur gerechtfertigt, wem! japanisches Leben und Eigentum in Schanghai ge- sahrdct sein würde; das treffe jedoch nicht zu.
Die Mandschurei in der Genfer Ratstagung.
In der Nachmittagssitznng des Völkerbundrates in ( ) s, in der der japanisch-chinesische Streitfall behandelt wurde, kam cs zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen den Vertretern beider Länder: Der chinesische Gesandte
" Dorlas eine scharfe Erklärung, in der u. a. festgeftellt
Japan habe das dem Völkerbund gegebene Versprechen, seine Truppen so schnell wie möglich zurück- zuzichen, nicht gehalten.
Die stundenlange Aussprache im Völkerbundrat über fett Konflikt konnte nicht abgeschlossen werden.
In den geheimen Verhandlungen des Völkerbnnd- rales ist, wie verlautet, dem chinesischen Regierungs- verircler mitgetetlt worden, daß im Völkerbundrat feiner» Mehrheit für das Ergreifen anderer Mittel, insbe- londere von Sanktionsmaßnahmen (Artikel 15 und IG) üegcii Japan vorhanden sei.
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Der Völkerbundrat hat die Nücktrittscrkläruiig bed ^eneralfcfrctârs Sir Eric Drummond nicht angenommen. Sämtliche Ratsmitglicücr haben Drummond ersucht sein Gesuch zurüSzunchmen.
Railosigkeii im Kai.
Völliges Versagen des Völkerbundes im Fernoststreit.
Der Völkerbundrat setzte vertraulich in Ab- Wesenheit des japanischen und chinesischen Vertreters die Verhandlungen über den japanisch-chinesischen Streit fort. In Ratskreisen herrscht hinsichtlich der weiteren^Behandlung des Streites völligeRatlosig- keit. In englischen und französischen Regierungskreisen will man das Sanktionsverfahren nach Artikel 15 des Völkerbundvertrages unter keinen Umständen gegen Japan in Kraft treten lassen. Man will jetzt daher den scharfen Vorstößen des chinesischen Vertreters im Rat mH dem Hinweis auf die durch den Untersuchungsausschuß eingeleitete Prüfung der Lage in der Mandschurei begegnen. Da der Ausschuß jedoch erst im April in der Mandschurei seine Arbeiten beginnen wird, kann der Rat sich erst auf der Maitagung mit dem Ergebnis der Untersuchung befassen. Hierdurch würde Japan Zeit gewinnen, und der Rat ist vorläufig aus seiner außerordentlich peinlichen Lage befreit, Entscheidungen z u t r e f f e n.
Wie Frankreich sich die Adrüstung vorfiellt.
Die französische Offensive in der Sicherheitsfrage.
Schon in den ersten vertraulichen Fühlungnahmen in Genf zwischen den einzelnen Abordnungen über den Arbeitsplan der Abrüstungskonferenz haben sich große Cegenfäbe politischen Charakters gezeigt. In französischen Kreisen will man den politischen Ausschuß der Konferenz beauftragen, alle bisherigen Vorschläge zur Sicherheitsfrage zu prüfen und möglichst aus der Grundlage des gescheiterten Genfer Protokolls von 1924 ein neues allgemeines Sicherheitsprogramm auszuarbeiten, dessen Aufnahme französil'cher-
Vom Osten zum Westen
ilnruhtn in Lharbin.
Plünderungen vor der japanischen Besetzung.
In dem chinesischen Stadtteil von Charbin brachen schwere Unruhen aus. Große Demonstrationszüge forderten die Kriegserklärung an Japan. Das Militär war gegen die Menge machtlos. Der Oberbefehlshaber der chinesischen Bertcidigungstruppcn ist zurückgctrctcn.
Einer japanischen Meldung zufolge sollen die in Charbin befindlichen chinesischen Truppen große Teile der Stadt regelrecht ansgeplündert haben.
Die japanische Telegraphenagentur meldet, daß die Armee des Generals S i s j a unter Führung des Generals G ii i die Randgebiete der Stadt Charbin erreicht hat. Die Besetzung der Stadt wird jeden Augenblick erwartet. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Chinesischen Ost- bahn, der Charbin bereits verlassen hat, soll durch den Führer der Truppen Sisjas, General Gui, erletzt werden.
Beunruhigung in Moskau.
In Moskau hat die Nachricht über die Vorgänge um Charbin starke Beunruhigung verursacht. Es wird erklärt, daß das Vorgehen Japans als ein weiterer Verstoß gegen die russischen Interessen, insbesondere auch hinsichtlich der chinesischen Ostbahn, zu betrachten sei.
Japanische Kriegsschiffe nach Schanghai unterwegs.
Nach halbamtlichen Mitteilungen hat das japanische Marineministerium zwölf lveitere Zerstörer und ein größeres Kriegsschiff nach Schanghai in Marsch gesetzt.
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Generalstreik in Spanien mißlungen.
Der für Montag in ganz Spanien geplant gewesene Generalstreik ist infolge der Vorbeugungsmaßnahmen der Regierung nicht zum Ausbruch gekommen. Lediglich in Sevilla ist es den Kommunisten gelungen, die Arbeiterschaft auf ihre Seite zu ziehen. Sevilla" macht den Eindruck einer toten Stadl. Aus den Straßen sieht man nur Polizei und starke Militärabteilungen aller Waffengattungen. Die Überwachung der Stadt durch Flugzeuge wird ebenfalls fortgesetzt.
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Militär besetzt das Dartmoor-Gefängnis.
Man befürchtet einen Angriff von außen.
Eine Jnfantrrieabteilung von 200 Mann wurde von Plymouth noch Dartmoor gebracht, wo sie sofort daS Gefängnis, in welchem dieser Tage eine Revolte stattfand, umzingelten. Die Zufahrtstraßen zum Gefängnis wurden verbarrikadiert. Die Soldaten befinden sich in voller fcld- marschmäßtsicr Ausrüstung mit Stahlhelm, Maschinengewehren und großen Munitionsvorräten. Der Eingang zum Gefängnis wurde mit zwei schweren Maschinengewehren besetzt. Sämtliche Fahrzeuge, die die Straßen passieren, werden kontrolliert.
Die Entsendung der Truppen erfolgt, weil man befürchtet. daß von außen ein AnartS auf das GekânaniS
seits als Voraussetzung jeder Herabsetzung der Rüstungen erklärt werden wird. Man rechnet für Ende März mit einer einmonatigen Unterbrechung de: Konferenz. Diese französischen Pläne werden aus oeutscher, englischer und italienischer Seite abgelehnt.
Geradezu lächerlich wirkt das Geschrei Frankreichs nach Garantien seiner „Sicherheit" durch den Völkerbund, wenn man sieht, wie es wirklich nichts unterläßt, selbst für seine Sicherheit durch Ausrüstung zu sorgen. Die Beschlüsse des Finanzausschusses der Französischen Kammer geben eine lehrreiche Illustration. In der letzten Sitzung des Ausschusses gab der Luftfahrtminister zunächst einen längeren Bericht, in dem er hervorhob,
daß die französische Luftflotte beim Vergleich mit den Luftflotten anderer Staaten günstig dastehe. Wo sie auf gewissen Gebieten noch rückständig fein sollte, lasse sich dieser Rückstand rasch und leicht wieder einholen. Nach längerer Aussprache bewilligte der Ausschuß den für die Luftflotte vorgesehenen Gesamtkredit von 1,9 Milliarden Franc.
Inzwischen sorgt Frankreich unentwegt dafür, daß die Hetzgerüchte über deutsche Rüstungen nicht verstummen, um seine „Sicherheit" gefährdet, und seine Ausrüstungen als berechtigt erscheinen zu lassen. So bat sich jetzt der holländische Gesandte in London genötigt gesehen, gegen Gerüchte Stellung zu nehmen, die in Frankreich und Belgien in Umlauf sind, über
die Herstellung von erheblichen Mengen schwerer Artillerie und Munition in den Niederlanden und deren Ausfuhr nach Deutschland. Der Gesandte erklärt, daß diese Nachrichten jeder Begründung entbehren.
Die Rüstungsindustrie in Holland sei nur klein, und es seien keine Fabriken vorbanden, in denen schwere Geschütze hergestellt werden könnten. Auch sei kein Park von Flugzeuggeschwadern vorhanden, wie es in den Veröffentlichungen gelautet habe. Die Fabrik, die angeblich die Geschütze ausgeführt habe, beschäftige sich nur mit der Herstellung gewisser Zubehörteile.
Eigentlich sollten solche französische Märchen zu durchsichtig sein, als daß man sie noch einer ernsthaften Erwiderung würdigte.
gemacht werden könnte. Es wurde nämlich eine große Anzahl früherer Sträflinge in der Umgebung von Dartmoore beobachtet; ferner wurden Autos feftgefteflt, die mit größter Geschwindigkeit auf den umliegenden Straßen vorübersuhren und Lichtsignale nach dem Gefängnis hinübergaben.
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Der Bürgerkrieg in San Salvador. Dersagenhafte General als Putschführer.
Der Bürgerkrieg in San Salvador gewinnt immer größere Ausdehnung. Zuverlässige Meldungen schätzen die bisherigen Opfer des Putsches auf 600. In der Nähe, der Hauptstadt wurden 26 Beamte von den
General éaitBino, der Führer der Revolutionäre, der vor fünf Jahren eine Revolution in Nikaraaua organisierte.
Kommunisten standrechtlich erschossen und ihre Köpfe von den Rebellen auf Tclcgraphcnstangcn entlang der Eisen- bahnstrcckc ausgestellt.
Es hat eine Massenflucht der Zivilbevölkerung ein- gesetzt. Die Bürger der Hauptstadt wurden bewaffnet, da man einen Überfall von hcranrückenden Banden befürchtet, die unter der Führung des nikaraguanischen Generals S a n d i n o stehen. Dieser ist ein bekannter ^reucharler, der schon verschiedentlich Anführer von Putschen war. er ist schon mehrfach totgesagt worden, taucht aber immer wieder bei Unruhen auf und ist schon fast zu einer lügenhaften Gestalt geworden.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Die Beseitigung her Todesstrafe ist sehr unwahrscheinlich geworden, da im StrafrechtsauSschutz des Reichstages leine Mehrheit mehr dafür vorhanden ist.
* Die Deutsche RrichSdahngesrllschast gibt einen vorläufigen Überblick über die Eiunahmcucnrwicklung im Jahre 1931.. Die einen starken Abfall zeigt.