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zulöaer Mzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg» Zul-a- unS Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 21 1932

Fulda, Dienstag, 26. Januar

9. Jahrgang

As »djen von denGehmriistsiM".

10 Millioneo Mann

gegen 115000 Mann.

Der Neichswehrminister über Deutschlands Abrüstung.

Reichswehrminister Groener gewährte dem Berliner Vertreter der Pariser ZeitungVolants" eine lange Unterredung über die Frage der A b r ü st u n g und über die deutsche Innenpolitik. Groener betonte erneut, daß Deutschland die Abrüstungsbestim- mungen des Versailler Vertrages erfüllt habe. Deutsch­land habe dasselbe Recht aus Sicherheit wie jeder andere Staat. Groener verwies sodann darauf, daß die nächsten Nachbarn Deutschlands in der Lage seien,

sofort 10 Millionen Mann zu mobilisieren.

Deutschland könne diesen 10 Millionen nur 1 00 000 Ma nn für das Landheer und 15000 Mann für die Marine im Kriegsfall entgegenstellen, da der jüngste Soldat des Weltkrieges bereits 30 Jahre alt sei und seither keine militärische Ausbildung mehr erhalten habe. Mar­schall Foch habe im Januar 1927 bestätigt, daß die

Abrüstung Deutschlands tatsächlich durchgeführt ist.

Zu den französischen Behauptungen über deutsche Ge­heimrüstungen sagte Groener: In der französischen Abrüstungsdenkschrift sei ausdrücklich festgestellt, daß ein Vergleich zwischen den Heereshaushallen der Staaten un­möglich sei. Man habe festgestellt, daß 214 000 französische Rekruten ebensoviel kosteten, wie 5100 englische Rekruten, da letztere als Berufssoldaten eine bedeutend höhere Be­soldung erhielten. Das gleiche gelte für Deutschland. Da in Deutschland nur einige Privatfirmen ausschließlich für die Reichswehr Kriegsmaterial Herstellen dürften und ein Handel mit Kriegsmaterial verboten sei, sei cs ver­ständlich, daß

Deutschland für jedes Stück Heeresmaterial sehr viel mehr bezahle

Die 66. Genfer Ratstagung eröffnet.

Rücktritt des Generalsekretärs Drummond.

Die deutsche Abordnung für die Völkerbund- ratstagung ist in Genf eingetroffen. Die deutsche Re­gierung wird bei der Eröffnung der Ratssitzung durch den Osloer Gesandten, Frciherrn von Weizsäcker, ver­treten. Es ist jedoch zu erwarten, daß Staatssekretär von B ü l 0 w in den nächsten Tagen in Gens eintreffen und die Führung der deutschen Abordnung übernehmen wird.

Man rechnet in deutschen Kreisen, daß Generalsekretär Drummond dem Völkerbundrat sein Ausscheiden entweder jum Abschluß der Abrüstungskonferenz oder für Ende des Jahres bekanntgeben wird. Der Generalsekretär soll die Absicht haben, gleich zu Beginn der Tagung in einer ge­heimen Sitzung die Ratsmächte über sein bevorstehendes Ausscheiden persönlich zu unterrichten. Den Vorsitz in der Ratstagung führt der französische Vertreter P a u l - B 0 n c 0 n r.

*

Ouvertüre mit Krach und Zusammenstößen.

Die Tagung des Völkerbundrates wurde unter dem Vorsitz Paul-Boncours mit einer geheimen Sitzung eröffnet. Sie begann mit einem Vorstoß des chinesischen Vertreters Mn, der verlangte, daß im Hinblick auf die Besetzung Schanghais durch japanische Truppen der Völkerbundrat unverzüglich das Verfahreix Kber den japanisch-chinesischen Streitfall von neuem eröffne. Der javanische Vertreter erklärte.

Um die Tnbuttonferenz.

Englisch-französische Konferenz in Paris.

Jin Pariser Außenministerium fand eine fran­zösisch-englische Besprechung statt, die fast zwei Stunden dauerte; sie galt in erster Linie dem Versuch, eine gemeinsameHaltung in der Tribut- und Schulden- frage vorzubereiteu. Obwohl eine amtliche Verlaut­barung nicht ansgegcben wurde, glaubt man in unter­richteten Kreisen zu wissen, daß eine b c d c u t e n d e A n - n ü h e r u n g in den wesentlichsten Punkten erzielt worden nähr u 11 g in den wesentlichsten Punkten erzielt wor­den sei.

Diese Tributverhandlungen wurden in diplomatischen Kreisen Londons durchaus pessimistisch beurteilt, da die Unterredung zwischen Laval und dem englischen Bot­schafter in Paris anscheinend negativ verlaufen ist. Die englische Regierung hat in Paris erneut zum Ausdruck gebracht, daß sie die T r i b u t k 0 n f e r e tt z für w ü n - scheu s w e r t hält, deren Ziel eine möglichst endgültige Regelung der Tributfrage sein müsse.

*

Französische Absichten auf das Saargebiel

Die französischen Parteien beschäftigen sich mehr denn ic mit der Frage der Sanktionen, die Frankreich aegenüber Deutschland ergreifen müsse, um die Durch-

als Frankreich mit seiner mächtigen Kriegsindustrie. Trotz­dem sei der deutsche Heereshaushalt seit 1928 ständig herabgesetzt worden, während der französische sich seitdem dauernd erhöht habe. Unter diesen Umständen könne wohl kaum ein vernünftiger Mensch noch von Gc- Heimrüstungen sprechen. In Deutschland gebe cs

keinerlei militärische Jugendverbände, während man in anderen Ländern in großen Organisa­tionen im Einvernehmen mit dem Kriegsministerium die Jtigend auf den Militärdienst vorbereitet. Der Stahl­helm und die Leute Hitlers seien keine militärischen Ver­bände und verfügten über keinerlei Waffen.

In seiner Eigenschaft als Innenminister habe er die Pflicht, die Elemente zu bekämpfen, die die Atmosphäre zwischen Deutschland und dem Ausland vergiften, indem sieEnthüllungen" über angebliche Vertragsver­letzungen machten.Bisher," so unterstrich Groener,hat sich noch nie ein französischer Pazifist bei mir ein­gefunden, um mir Enthüllungen über die französischen Rüstungen zu unterbreiten. Dagegen sind es

die angeblich deutschen Pazifisten, die die engsten Beziehungen zum französischen General­stab und den nationalistischen Verbänden auf der anderen Rheinseite unterhalten."

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Frankreich baut Mesenbombenflugzeuge.

Das neue französische Luftflotten bau» programm sieht den Bau von vier Bombengeschwadern vor, die an Tragfähigkeit und Ausrüstung alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Das erste Bomben­flugzeug ist bereits fertiggestellt worden. Der Apparat ist mit vier Motoren ausgerüstet und hat neun Maschinen­gewehre und elf Bombenwerfer an Bord. Seine Trag­fähigkeit an Bomben beträgt 1000 Kilogramm bei einem Aktionsradius von 2000 Kilometern.

noch nicht tn der Lage zu sein, zu den einzelnen Punkten der chinesischen Beschwerde Stellung nehmen zu können.

Der polnische Außenminister Zaleski be­antragte sodann, die aus Antrag der deutschen Regierung auf der Tagesordnung stehende Agrarbeschwerde der deutschen Minderheit in Polen aus die Mai­tagung des Rates zu verschieben. Der deutsche Vertreter von Wcizsaecker widersetzte sich dem mit allem Nach­druck. Es wurde beschlossen, daß der Berichterstatter für die Minderheitenfrage, der japanische Botschafter Sato, mit den beiden beteiligten Abordnungen persönlich Füh­lung über die Beschwerde aufnehmen solle.

Anschließend trat der Völkerbundrat zu einer öffent­lichen Sitzung zusammen. Sie begann mit einer großen Kundgebung für Briand. Sämtliche vierzehn Ratsmächte brachten ihr Bedauern über sein Fernbleiben zum Ausdruck.

Der Völkerbundrat beschloß sodann, der Ab­rüstungskonferenz eine Zusammenstellung des gegenwärtigen Standes der zivilen Luftfahrt der einzelnen Länder sowie der bestehenden internationalen Abkommen über die zivile Luftfahrt zu übermitteln. Dann beschloß der Völkerbundrat, den bereits vor längerer Zeit ein­gesetzten Ausschuß für die Angleichung des Völkerband­paktes an den Kellogg-Pakt von neuem zusammen- treten zu lassen.

In einer streng geheimen Sitzung hat der Völkerbund- rat von dem Schreiben des Generalsekretärs des Völker­bundes, Sir Eric Drummond, Kenntnis genommen, in dem Drummond seinen Rücktritt zu Ende dieses Jahres erklärt. DaS Schreiben ist sodann Gegenstand eingehender Beratungen des Völkerbundrates gewesen.

führung des Young Plans zu erzwingen. Nachdem bet Matin", wahrscheinlich auf amtliche Anregung hin, auf das Druckmittel, das Frankreich im Saargcbict in der Hand habe, hingewiesen hat, werden nunmehr auch in anderen Kreisen ähnliche Stimmen laut.

Der ehemalige Minister Bonnesous hielt eine Wahl­rede, in der er erklärte, 1935 solle im Saargebiet die Volks­abstimmung stattfindcn. Die Abstimmung müsse jedoch verschoben werden, bis Deutschland sich seiner Repara- tionsverpflichtungen entledigt und auch die rückständigen Summen bezahlt habe.

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Französische Gaboiageversuche.

Der Aufsichtsrat der Bank von Frankreich tritt am Donnerstag zusammen, um endgültige Beschlüsse über die Frage der Verlängerung des französischen Anteils an dem lU0 Millionen Dollar Kre^ für die Reichsbank zu fassen. In der Pariser Presse unterstreicht man ganz besonders die Bedeutung und die Auswirkungen, die dieser Beschluß nicht nur auf den Kredit selbst, sondern auch auf das Ber­liner Stillhalteabkommen haben wird. Einige Blätter spielen mit der Drohung, daß die Bank von Frankreich ihren Kreditanteil nicht verlängern werde, wodurch das Stillhalteabkommen hinfällig werden würde.

Das Stillhalteabkommen

So sehr in Deutschland die parteipolitischen Gegen­sätze aufeinanderplatzen, darüber sind sich alle einig: Unsere privaten Schulden müssen wir bezahlen. Und in den Räumen der Reichsbank hat man sich seit anderthalb Monaten in ausgiebigen Verhandlungen zwischen Gläu­bigern und Schuldnern auseinandergesetzt, wie und ob man sich aus einVergleichsversahren zur Abwendung des Konkurses" einigen kann.

Für den Schuldner ist im allgemeinen eine solche Zwangslage nicht gerade sehr angenehm! Aber es be­deutet für ihn doch eine beträchtliche Erleichterung bei den Verhandlungen über die Einzelheiten desVergleichsver­fahrens", wenn ihm von den Gläubigern bescheinigt wird, daß er nicht allein durch eigene Schuld zur Insolvenz- erklärung gezwungen worden sei. Was schon im Juli 1931 auf der Londoner Konferenz gesagt worden war, wird unter stärkster Unterstreichung jetzt auch von dem Berliner Stillhalteausschutz wieder ausgenommen:Die neuerliche matzlose Kapitalabziehung aus Deutschland hat zu einer akuten Kreditkrise geführt; diese Abziehungen sind durch Mangel an Vertrauen verursacht worden, der weder durch die wirtschaftliche noch durch die finanzielle Lage des Landes gerechtfertigt wird."

Man darf auf eins aufmerksam machen: Bei einem Vergleichsverfahren wird der Gläubiger allzu leicht und allzuoft die Aktiven möglichst hoch bewerten. Um so drastischer wirkt es, wenn sich die Gläubiger selbst genötigt sehen, dieseAktiven" nur sehr gering zu bewerten. Und erklären:Es ist für die Gläubiger wesentlich, das deutsche Kreditsystem nicht durch sofortige Rückzahlungen weiter zu schwächen, sondern zunächst den Wiederaufbaukräften Zeit zu lassen, sich in einer Stärkung auszuwirken". Man muß gestehen, daß dies Worte sind, die man nicht ungern, z. D. auch bei den Verhandlungen über diepolitischen" Schulden Deutschlands, hören würde!

- überhaupt hat man so allerhand Wünsche, die mit denjenigen übereinstimmen, die der Bericht des Stillhalteausschusses zum Ausdruck bringt! In den Be- ratungszimmern der Reichsbank, wo sich die maßgebenden Finanrleute aller der Staaten versammelt hatten, die und Gelde geliehen haben, hat man ganz bewußt eine Lösung, eine Vereinbarung in demVergleichsverfahren" gesucht und gefunden, die davon ausgcht, daß Deutschland seine politischen Schulden nicht zahlen kann. Und so empfiehlt denn der Berliner Bericht des Stillhalteausschusses, doch einmal den Bericht der Baseler Noung-Plan-Sachvcrstän- digen recht genau zu studieren, um so mehr, als man in Berlin den Baseler Feststellungen durchaus zustimine In dem Bericht wird von demDr u ck v 0 n a u tz e n" her ge­sprochen, der Deutschland nach den furchtbaren wirtschaft­lichen Verlusten der Kriegszeit, den Tributzahlungen, der Inflation usw. gezwungen habe, sich vom Ausland lang- und kurzfristige Kredite hercinzunehmen. Und man darf in diesem Zusammenhang weil man uns das Gegenteil zu schwerstem Vorwurf gemacht hat einen Say aus dieser Erklärung der Sachverständigen des Berliner Aus­schusses zitieren, worin gesagt wird, daßdie kurzfristigen Schulden Beträge darstellen, die für wirtschaftliche Zwecke verwandt wurden, und zwar in ihrer Gesamtheit zweck­mäßig verwandt worden sind". Das klingt ein bißchen anders als der Vorwurs, Deutschland habefür anderer Leute Geld" gut gelebt und überflüssige Schulden gemacht.

Man möchte überhaupt nur wiederholen, was der Ausschuß nach seinen eingehenden Berliner Beratungen zu sagen sich für verpflichtet fühlt. Er habeeinen tiefen Eindruck gewonnen von den überaus großen Anstrengun­gen und Opfern, die die deutsche Regierung und das deutsche Volk auf sich nehmen, um ihre Stellung inmitten nie dagewesener Schwierigkeiten zu behaupten". Aber cs ist keine Zeit zu verlieren", wie die beiden Baseler Komitees cs im August und Dezember ver­gangenen Jahres bereits warnend gesagt haben.

>as sind bloß die allerwichtigsten Feststellungen dieses Berliner Ausschusses, der sein Urteil nur wirtschaftlicb- finanziell, aber nicht politisch gefällt hat.Die deutsche Besteuerung hat nunmehr eine Höhe erreicht, die, wie in dem Baseler Bericht feftgeftent wurde, nicht mehr über­schritten werden kann. Wir sind der gleichen M c i n u n g." Es erübrigt sich wobl, diese Feststellung eines internationalen Sachverständigenausschustcs, d:r keineswegs von besonderer Liebe für Deutschland erfüllt ist, sondern der uns als ein harter Gläubiger gegenüber­steht, auch nur durch ein einziges Wort von unserer, der Schuldner Seite her in der Wirkung abzuschwächen.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* In Genf wurde die 66. Tagung deS Völkerbundes er­öffnet.

* Neichswehrminister Groener wendet sich in einer franzö­sischen Zeitung gegen die französischen Rüftungsmarchen.^

* Der Generalsekretär deS Völkerbundes. Sir Erik Drun^ mond, bat den Rücktritt von seinem Posten zum Ende deS JahrcS erklärt. _

* In Schanghai fanden bei der Explosion zweier chinesischer MunttionSkühne 40 Personen den Tod.

» Wegen des Zugzufammeuftotzes bei Moskau wurden bfc angeklagten Eisenbahnbeamten zu Eeiangmsstrafen von 1X ins 10 Jahren verurteilt.

* Im Rhonddatal 'n Südwales wurden bei einer Berg- werksèxploston 10 Bergleute getötet.

* Der Gauleiter der hessischen NSDAP. erklärte, daß die Nationalsozialisten eine Beteiligung an der Regierungsbildung in Hessen ablehnen.