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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 18 1932

Fulüa, Freitag, 22. Januar aresaaggiaBMa^^

9. Jahrgang

Die aufgeflogene Konferenz.

Vor der Flut.

Die Folgen Der Konfereiizvcrschleppung.

H ö ch st e Eile ist bei der Regelung der Tribulsrage geboten, da Gefahr im Verzug! So lautete der Mahn- und Warnruf der Baseler Sachverständigen. Eng­land erläßt darauf die Einladung zur Lausanner Konferenz, die am 25. Januar staltfinden sollte. Alle Vorbereitungen werden dazu getroffen, aber Frankreich hüllt sich in- Stillschweigen darüber, ob es Die Einladung annehmen wird. Jetzt endlich im letzten Augenblick scheint es England erklärt zu haben, daß es an Der Konferenz nicht teilnebmen würde, und dieses schickt sich an, in amtlichen Äußerungen die Zurückziehung seiner Einladung vorzuderciien, um sich nicht einer Abweisung seines Antrags durch Frankreich auszusetzen. Trotz aller amerikanischen, eng­lischen und italienischen Warnungen und Mahnungen bat also Frankreich seinen abweisenden Standpunkt in der Re­parationsfrage durchgesetzt, ein Zeichen dafür, daß Frank­reich noch immer im europäischen Konzert die erste Geige spielt, der cs allerdings nur Mißtöne zu entlocken tm= staube ist.

Die Gründe, die für eineVerschiebung" der Konferenz angeführt werden, sind fadenscheinig. Zu­nächst soll der französische Ministerpräsident aus innen­politischen Gründen verhindert fein, nach Lausanne zu kommen, und weiterhin will man die amerikanischen Wah­len abwarten, die im Spätherbst stattfinden werden. Erst nach den Neuwahlen in Frankreich, Der Präsidenten- und der preußischen Landlagswahl in Deutschland und der Präsidentenwahl in USA. soll sich also nach Frankreichs Willen erst die Neparalionskonserenz versammeln. Hoffl Frankreich bis dahin auf einen Umschwung in der amerika­nischen Meinung und ein Entgegenkommen von Dieser Seite in der Schnldenfrage? Wohl kaum! Der Haupt­grund dürfte sein, daß Deutschland noch nicht mürbe genug gemacht worden ist, um sich den Machtgelüsten g^orcitlie zu fügen, daß erst noch,,dw.F l u t v an N o t und Elend höher steigen soll, auf der Frankreich oben zu schwimmen hofft, um die Ertrinkenden sich gefügig zu machen.

In Berlin ist amtlich noch nicht bekannt, datz Die Lau- sanncr'Konferenz am 25. Januar nicht stattfindet. Deutsch­land bleibt unter allen Umständen bei seiner bekannten und ivohlbcgründeten These, daß die E n d r e g c l u n g s o b a l d w i e m i^g l i ti) herbeigeführt werden müsse, um v c r h e e r c n d c Folgen, die sich aus einer weiteren Verzögerung ergeben würden, zu verhindern. Die Ver­antwortung für ein Verschleppen der Frage bzw. für die Folgen, die hieraus entstehen, wird bei denjenigen Slaats- männern liegen, die dazu beitragen, daß das Tribut- problem nicht so schnell wie möglich geregelt wird.

Eine riesige Katastrophe unvermeidlich!"

Was die Wellmeinung sagt.

Eine Reihe führender amerikanischer Blätter bringt einen Leitartikel des bekannten amerikanischen Publizisten Lippmann, in dem es u. a. heißt:

Eine Verlängerung des Zahlungsaufschubs, d. h. die weitere Verschleppung der endgültigen Lösung der Tribut- frage, bedeute höchste Gefahr; sofortige Konferenz, frernb. schung der Zollmauern und der Rüstungen sowie gemein­same Stabilisierungsmatznahmen für die Währung werden gefordert.

Die LondonerTimes" wenden sich ebenfalls gegen jede weitere unnötige Verzögerung der Tributverhand­lungen. Schnellstens müsse eine Konferenz kommen, auf der mau Deutschland sagen lassen solle, was es zu sagen habe. Die Wahlen in Frankreich und Preußen seien kein Grund für eine Verschiebung der Reparations- konfcrcuz.

News Chronicle" schreibt, eine riesige Katastrophe sei unvermeidlich, wenn der Weg zu einer endgültigen Lösung nicht sofort gefunden werde. Die englischen Bank- kreise befürchteten ernstlich, datz noch vor dein Herbst das ChaoS über Deutschland hcrcinbrcchc, wenn die Konferenz noch länger hinausgezögert werde.

Kein neues Zahlungsversprechen.

Warum keine Verlängerung deS Hoover Moratoriums?

Die Reichsregierung hat bekanntlich die eng­lische Anregung, einer einjährigen Verl ä n g c r u n g des Hoover-Moratori u m s bis Ende Juni 1933 znznstimmcn, in ablehnendem Sinne beantwortet. Die deutsche Regierung konnte sich mit dem englischen Vor­schlag dcsl>alb! nicht einverstanden erklären, weil eine deutsche Zustimmung zur Verlängerung des Hoover-Mora- loriums nichts anderes bedeutet hätte als die A b g a b c e i u e s II c u e n Z a h 1 u n g s v e r s p r c ch c n s.

Angesichts der verheerenden Finanzlage sei Deutsch­land aber nicht in der Lage, die auf Grund des Londoner Abkommens vorgesehenen Zahlungen am 1. Juli 1933 aufzunehmen,

Von englischer Seite würbe behauptet, daß Deutsch­land der englischen Regierung einen neuen Tributplan übermittelt habe, der die Möglichkeit der Ausgabe von neuen Reichsbähuobligationcn vorsehe. Wie von zustän­diger Seite mitgeteilt wird, entspricht die Meldung in keiner Weise den Tatsachen. Ein Eingehen aus einen solchen Vorschlag würde ja der Tatsache widersprechen, daß das zahl n II gsunsähigc Deutschland keine weitere n B c l a st u n g e n übernehmen kann. Es handelt sich hier um einen Vorschlag, der seinerzeit in Basel von nichk- deutscher Seite gemacht worden ist.

Frankreich droht.

Der deutsche Widerstand soll gebrochen werden.

Die Vertagung der Lausanner Konferenz wird in der französischen Presse mit ziemlich gemischten Ge­fühlen ausgenommen. Man bedauert es insbesondere, daß es nichl gelungen ist, mit Der englischen Regierung zu einer Verständigung zu gelangen und schiebt Die Schuld dafür Deutschland und zum Teil auch Amerika in die Schuhe. Immerhin rechnet man hier auf eine An­gleichung der beiden Thesen gelegentlich des Pariser Be­suchs des englischen Außenministers, der voraussichtlich am kommenden Freitag statlfinden wird.

Ein Teil Der Pariser Presse fordert die französische Regierung auf, Deutschland nunmehr zu zeigen, datz Frankreich nicht gewillt fei, sich das Recht auf Die Repa­rationen streitig machen zu lassen und diejenigen Maß­nahmen zu ergreifen, die geeignet seien, den deutschen Widerstand zu brechen.

*

Amerikas Absage.

Später vielleichi Einzelverhandlungen.

Wie erst jetzt bekannt wird, hat Staatssekretär S t i m s o n schon im Dezember dem französischen Bot­schafter Elaudcl ein MemoranVuinzurSchulden- frage überreicht, in dem der Standpunkt der Vereinig­ten Staaten in folgenden Sätzen kurz zusammengefaßl ist: Zwischen Den Kriegsschulden und Den Reparationen be­steht kein Zusammenhang. Europa selb st muß Die Initiative in Der Reparationsfrage ergreifen. Die Schuldenabkommen mit Amerika können nur durch Einzelabmachun gen und nur im Falle

Hände Mg von der Reichsbahn!

!*» ^^T^^a. < g tu <y X i unzulängliche Erneuerung und Unterhaltung

Sie Reichsbahn kann keine Tribut­

steuer mehr zahlen.

Endbefreiung, keine Kompromißlösung.

Der Langnamverein und 32 andere Unterzeichner, dar­unter fast sämtliche rheinisch-westfälischen Industrie- und Handelskammern, führende Verbände der Stein- und Braunkohle, der eisenschaffenden und -verarbeitenden In­dustrie, des Holzgewerbes, der Tertilindustrie uno der Banken sowie gemischt-fachliche regionale Verbände, haben an den Reichskanzler und den Reichsverkchrsminlster eine Eingabe gerichtet, die sich gegen die Andeutungen wendet, Die der Baseler Sonderausschuß hinsichtlich einer etwaigen

Fortdauer der Tributbclastung

Der Reichsbahn gemacht hat. Demgegenüber muffe mit aller Eindringlichkeit festgestellt werden, daß der durch­schnittliche Betricbsüberschuß nur infolge stark übersetzter unerträglicher Tarife erzielt worden sei, denen sich die Wirtschaft nicht habe entziehen können, da die Eisenbahnen das bei weitem wichtigste Beförderungsmittel seien. Die Wirtschaft in all ihren Teilen habe durch" Fracht­sätze, die den Selbstkostenaufwand jedes einzelnen Unter­nehmens auf das nachteiligste beeinflußt hätten, die der Reichsbahn auferlegte Tribut st euer aufbringen müssen. In welchem Maße

die Tarife durch diese politischen Lasten überteuert worden seien, zeige besonders die Tatsache, daß die Tribut­steuer in den vergangenen Jahren bis zu 16 Prozent aller Betriebseinnahmen und bis zu mehr als 28 Prozent aller Güterverkehrseinnahmen der Reichsbahn ausgemacht habe.

Es sei also völlig verfehlt, aus den Betriebsergeb- Sissen vergangener Jahre irgendwelche Schlüsse auf die ,pätere Entwicklung des Reichsbahnunternehmens ziehen zu wollen, zumal doch bisher die Sachausgaben fast stets so weit gekürzt worden seien, daß nur eine solche

Gegen den deutschen Vutterzoll.

Die Randers-Bcwcgung, der etwa 200 000 dänische Bauern angehören, verlangt die sofortige Kündigung deS Handelsvertrages mit Deutschland und Verlegung des dänischen Einkaufs nach den Ländern, in welchen Dänemark keinen Wareucinfuhrbeschrünluugcn begegnet.

Der dänische Außenminister M u n ch erklärte hierzu in der Presse, die deutsche Butterzollerhöhung habe in Däne­mark das größte Bedauern hervorgernsen In Dänemark herrsche volles Verständnis für die große Bedeutung der Handelsverbindung mit Deutschland. Man habe ebenfalls volles Verständnis dafür, daß die Zustände in Deutschland einen verminderten Verbrauch und eine verminderte Ein­fuhr mit sich brächten. Aber Dänemark sei nicht nur ein Verkäufer an Deutschland, sondern ein weit größerer Kunde und einer der größten Kunden Deutschlands. Hindert man uns zu verkaufen, so sind wir auch nicht imstande, einen normalen Kauf aus Deutschland ausrechtzucrhaltcn.

Die baltischen Staaten sind besorgt.

Die Verdoppelung des deutschen Butterzolls hat in den baltischen Staaten außerordentliches Aufsehen hervor­gerufen. Man befürchtet einen katastrophalen Rückgang der starken Bütterausfuhr der baltischen Länder nach Deutschland.

dringender Notwendigkeit revidiert wer­den, und auch das nicht vor Ablauf des Hoover-Mora­toriums. Indirekt wird ferner in dem Memorandum aus­gesprochen, daß Amerika die Bildung einer europäischen Front gegen Amerika in der Schuldenfrage mit Miß­fallen aufnehmen würde.

*

Für sofortige Endregelung.

Die Forderungen des Baseler Gutachtens.

In einem Briefe erklärt der englische Wirtschafts­sachverständige und Mitverfasser des Baseler Berichts, Sir Walter Layton, daß infolge unvollständiger Wiedergabe seiner Rede vor dem Achtziger-Klub ein falscher Eindruck über seine Stellung zur Tributfrage entstanden sei. Nach seiner Auffassung sei es wohl falsch, wenn man behaupte, daß Deutschland niemals mehr einen Teil seiner politischen Schulden bezahlen könne. Aber er habe weiterhin gesagt, daß es trotz dieser Über­legung viel besser für alle Beteiligten sein werde-, wenn die politischen Schulden gestrichen würden. "' s diesem Grunde habe er gefordert:

Sireichung der Kriegsschulden, was besser als das Risiko neuer Störungen sei, eine end­gültige Regelung, die sobald wie möglich erzielt werden müsse, Fortsetzung gewisser Zahlungen für be­stimmte Sonderverpflichtungen, wodurch der Weg zu einer allgemeinen Einigung geebnet werde. Diese Summen müßten so gering sein, daß sie die Zah lungsbilanz und den normalen Verlauf des Handels nicht stören

In Übereinstimmung mit feinen Baseler Kollegen sei er unter allen Umständen dafür gewesen, daß eine end­gültige Festsetzung der deutschen Verpflichtungen im Interesse der Wicdererholung der Welt dringend not­wendig sei und datz deshalb eine Konferenz siattsindcn müsse.

der Anlagen

habe statlfinden können, wie es mit den Aufgaben der Gesellschaft als Treuhänderin des Reichseisenbahnver- mögens nicht mehr vereinbar gewesen sei. Hätte die Reichsbahn unbeschwert von politischen Aufgaben bei ihrer Tarifgestaltung den wirtschaftlichen Notwendig­keiten Rechnung tragen können so hätten sich ohne tveiteres bedeutend ungünstigere Betriebs- zahlcn ergeben Im übrigen sei die Betriebszahl, die im Jahre 1924 der Tributregelung für Die Reichsbahn zugrunde gelegt worden sei, bisher in keinem späteren Jahre erreicht worden. Das frühere

Monopol der Eisenbahnen fei durchbrochen.

Tiefgreifende Strukturwandlungen in Güter­erzeugung und -verkehr hätten bereits aus das Ver­kehrsvolumen der Eisenbahn ungünstig eingewirkt

Die Eingabe schließt dann:Sie, sehr geehrter Herr Reichskanzler, haben sich noch vor kurzem erneut zu dem Gedanken bekannt, daß Deutschland nicht in der Lage sei, in Zukunft Tribute zu zahlen.

Das must selbstverständlich auch für die Tribntlastcn der Reichsbahn gelten. Auch hierfür darf in den Repara- tionsverhandlungcn keine Kompromißlösung zugclasscn werden, wenn nicht die vor allem notwendige Wiedergesundung der deutschen Wirtschaft überhaupt in Frage gestellt werden soll.

*

Tic Eisenbahnet gegen Die Tribute.

Berlin. Der Bundesvorstand des Zeittralgcwerkjchafls- bundes Deutscher Reichsbahnbcamien und Anwärter e. V. hat nach einem Vortrag über den Baseler Bericht zur Tribuifrage Stellung genommen. Der Bundesvorstand ist der Ansicht, daß die notwendige Befreiung des Deutschen Reiches von icder Reparationsbelastung sich auch aus die Deutsche Reichsbahn erstrecken muß. Das wertvollste Gut des deutschen Volkes, seine Eisenbahnen, müssen frei von politischen Lasten wieder in den uneingeschränkten Besitz Dc3 Reiches zurüügcsührt werden.

Blutige Zusammenstöße in Indien.

Ein weiterer Nationalistcnführcr verhaftet.

Der indische Rationalistensührer Scn G u p t a, einer der fanatischsten Anhänger Gandhis, wurde an Bord des italienischen DampfersGanges" verhaftet. Gupta kehrte in Begleitung seiner Frau, einer Engländerin, aus Eng­land zurück, wo er sich im Zusammenhang mit der eng!int» indischen Konferenz ausgehalten hatte. .

In Daeca wurde ein englischer Polizeien uzwt : e' fallen. Er erhielt einen Stich in den Kopf und bueo be­wußtlos liegen. In Gorakhpur feuerte die Polizei zwei Salven in Die demonstrierende Menge. e:c Zahi c.r Verluste ist unbekannt.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Eine große Anzahl führender WirtschaftSverbânde erklärt in einer Eingabe an den Reichskanzler, tum die Reichsbahn nicht mehr in der Lage wäre, weiter die Trrbutstcucr zu tragen.

* Generaloberst Freiherr von Lynrker, der ehemalige Ches deS Militärkabinelts der alten Armee, ist gestorben.

* Tic Evangelische Zentralbank in Vertin hat ihre Schalter schließen müssen.