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Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten

Merkblatt für den 20. Januar.

1859: Die Schriftstellerin Elisabeth (Bettina) d. Arnim in Berlin gest. — 1875: Der französische Maler Jean Franccis Milet in Barbizon gest. — 1929: Der Augenarzt Paul Silex in Berlin gest.

Ob du wachest oder ruhest, denke stets, daß du dir selbst nicht lebest; was du lässest oder tuest, nie vergiß, daß du ein Beispiel gebest. Rückert.

Wetterbericht.

Unsere Witterung stand bisher unter dem (Einfluß autzer- gewöhnlich feuchter und milder Luftmassen, die am Südrande der im hohen "Norden vorüberziehenden Sturmwirbel auf den Kon­tinent gelangten. Da daS^üdosteuroMifche Hochdruckgebiet sich zunächst noch west- und nordwestwärts entwickeln dürfte, wird zu mindesten vorübergehend sein Einslus; auf unser Wetter sich verstärken, zumal feuchte ozeanische Lust nicht mehr in dem Maße wie seither auf das Festland vordringen kann. — Vorher­sage bis Dienstag abend : abgesehen von Rebelvildung wolkig bis aufheiternd, höchstens noch ganz vereinzelt unerheblicher Regen, für die Jahreszeit noch zu mild, schwache Lustbewegung. — 'Witterungsaussichten für Mittwoch: Nachts weitere Abküh­lung, stellenweise Frühnebel, sonst wolkig und ausheiternd und im Wesentlichen trocken.

„Grsnzknsg".

Die Sache mit den abgewanderten 88 Ar.

Es ist eine außerordentlich schöne Sache, und sie könnte ganz gut in dem „Lalcnbuch", in welchem die Ge­schichten von den Schildbürgern verzeichnet sind, zu finden sein. Zwischen zwei Nachbarorten, die zu zwei ver­schiedenen deutschen Ländern gehören, liegt ein Graben, der in hervorragendem Maße an dem von Zeit zu Zeit zwischen den beiden Ländern ausbrechenden „Grenzkriege" beteiligt ist. Hin und wieder müssen die Grenzen „be­reinigt" werden, und dann kommen gewichtige Kom­missionen, um die Angelegenheit in Ordnung zu bringen. Nun geschah es bei der letzten Revision zu aller Entsetzen, daß der Graben ausrückte — zum Teil wenigstens: einige Quadratmeter hatten sich selbständig gemacht und waren in das Nachbarland hinübergewechselt, während ein paar andere Quadratmeter Graben ungefragt für das andere Land, zu dem sie rechtmäßig nicht gehörten, optiert hatten. Aber wozu hätten wir denn die amtlichen Kommissionen, wenn so was Revolutionäres ohne weiteres hätte geduldet werden sollen? Also setzte man sofort mehrere wichtige Protokolle über die eigenmächtige Handlungsweise des Grabens auf und setzte die zuständigen Behörden von dem geschehenen Unglück in Kenntnis. Darauf erschienen in Begleitung von Oberlandjägermeistern sehr gelehrte Landmesser mit sehr komplizierten Apparaten, um den Graben zur Raison und sein Bett in Ordnung zu bringen.

Soweit wäre alles gut und sachlich verlaufen, wenn da nicht noch ein paar schwierige „Staatsakte" vor- zunehmen gewesen wären. Die Landmesser hatten mit ehrfurchtgebiötenden Zirkeln festgestellt, daß das eine Land Anspruch auf 50,77 Ar des auf Abwege geratenen Grabens habe, während andererseits das andere Land 34,11 Ar zurückfordern könne. Man steht, es handelt sich nur um ein paar Schollen Erde, aber es ist immerhin eine Sache von solcher Bedeutung, daß unbedingt sich auch die beider­seitigen Parlamente damit zu befassen haben. Man kann die Grundbücher der beiden in Frage kommenden Länder nicht wieder richtigstellen, bevor nicht die Landtage der Länder ein Machtwort gesprochen und die zusammen 84,88 Ar des Grabens wieder richtig verteilt haben. In dem einen Lande ist der Antrag auf Ratifikation des „Staatsvertrages" mit dem Nachbarlande dem Landtag bereits vorgelcgi worden, aber besagtes Nachbarland scheint selbst noch im Rückstände zu sein. Natürlich weiß man auch noch gar nicht, wie sich die verschiedenen Parteien der verschiedenen Landtage zu der Sache mit dem Graben stellen, und ob sie der Einverleibung in das eine oder das andere Land zustimmen werden. Und es ist außerdem zu befürchten, daß der Graben plötzlich von neuem auf Wanderschaft geht, so daß die betreffenden Staatsverträge ins Versanden geraten konnten. Man sieht, es steht viel auf dem Spiele für die beiden Länder, und die alten Schildbürger hätten ihre Helle Freude an dem bewußten Graben gehabt und hätten jahrzehntelang davon leben können! '

* Fulda, den 19. Januar 1932.

Schaden verhüten!

Jede Jahreszeit hat ihre besonderen Arten von ' Unfällen, der Sommer beispielsweise diejenigen, die durch das Baden und den Wassersport bedingt werden, der A Winter die Folgen des Glatteises, des Frostes, des S Schneetreibens und die Einbrüche auf nicht genügend fest ! zugefrorenen Gewässern, aber darüber hinaus senkt sich & die Waage doch allgemein sehr zuungunsten des Winters.

Namentlich die ländlichen Berufsgenossenschaften ' wissen darüber Bescheid, wie stark um diese Zeit die An- 0 Meldungen von Verpflegungs- und Schadenersatz- ; ansprüchen zunehmen. Ein Gebiet, wo trotz aller War- l nungen immer noch sehr viel Unfälle, zum Teil dauernde ß Schädigungen lind Verstümmelungen vorkommen, ist das y Dreschen. Sowohl der altgewohnte Göpel wie die moderne : Dreschmaschine mit Motorenantrieb sind daran beteiligt. Namentlich die Jugend vergißt, wenn ihr die Arbeit erst gewohnt geworden ist, leicht die gebotene Vorsicht. Die Anbringung der vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen ivird versäumt, die Mahnung, in der Nähe von Treib- wcllen und Zahnrädern sowie ähnlichen „zufassenden" Maschinenteilen nur fest geschlossene, enganliegende Kleider zu tragen, überhört, und schon ist das Unglück geschehen. Noch schlimmere Folgen zeitigt der Übermut: Einer will zeigen, was er für ein „Kerl" ist, und macht darum das Bravourstück vor, den laufenden Treibriemen ab- oder aufzuziehen, bis er plötzlich eine Sekunde sich versieht oder vergreift, und schon ist die Katastrophe da und das Anfkreischen der sämtlichen Zuschauer hält sie nicht mehr auf, sondern der „forsche Kerl" ist zeitlebens ein Krüppel, wenn er mit dem Leben davonkommt.

Aber nicht nur die moderne Technik der fort­geschrittenen Maschinen fordert um diese Zeit jährlich ihre Opfer, sondern unsere vertrautesten Geräte haben ihre Mintertüüen. Die Jugend macht sich das Vergnügen und unscht in der Scheune von den Heu- und Strohbergen her­unter, aber unversehens steht da eine Heugabel mit den Zinken nach oben angelehnt und die Spitzen dringen entem der unglücklichen Mitspieler in den Leib. In Zahlen unsgedrückt ungeheuer groß ist die Unsallrcihc, welche um „lcfe Jahreszeit die Holzaxt, nächst dem Hammer das älteste Werkzeug, welches der Mensch benutzt, immer wieder verursacht, und zlvar bei dem im Umgang mit ihr nnsgewachsencn Holzfällern und Waldarbeitern, bei denen cs immer wieder vorlommt, daß sich jemand ins '

eigene Bein hackt. Daran ist nicht immer ungeschickte Führung der Hand schuld, sondern an einem faulen oder gefrorenen Klotz gleitet die Schneide anders ab, als es zu berechnen gewesen wäre.

Manche Seelenkundige sind der Meinung, daß die Häufung der winterlichen Unfälle aber auch daher rühre, daß in dieser Zeit der trüben Tage und langen Nächte unsere Abwehrsinne weniger wach und scharf sind als in den Monaten, in denen die Sonne hoch steht. Das ist eine umstrittene Frage, aber sicher ist das eine, daß wir uns gegenwärtig mehr noch als sonst bei unseren Verrichtungen mit Vorsicht wappnen und lins immer der alten Wahrheit eingedenk bleiben, daß Schaden verhüten leichter ist als Schaden leiden. Sch.

Superintendent i. N. Ruhl 77 Jahre alt.

Herr Superintendent i. R. Ruh l, der 34 Jahre lang segens­reich in der hiesigen evangelischen Gemeinde wirkte und trotz seines hohen Alters immer noch gern bereit ist, seine Herren Amtsbrüdsr helfend zu unterstützen, kann am morgigen Tage bei bester geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit seinen 77. Geburtstag feiern. Möge es dem greisen Seelenhirten ver­gönnt sein, sich noch manches Jahr der wohlverdienten Ruhe zu erfreuen.

General Beck zum ArtiLerieführer IV in Dresden ernannt.

Generalmajor Beck, vom 1. 2. 1929 bis 30. 9. 1931 Kom­mandeur des 5. Artillerie-Regiments und Standortältester in Fuld a ist zum A r t i l l e r i e f ü h r e r IV in Dresden er­nannt worden.

Aeichsbahn-Perfonen-Nachrichten.

Ernannt: Zum Reichsbahnassistent Hilfsbetriebsassistent Rausch in Lauterbach Nord; zum Weichenwärter Flanaus in Renzendorf. Versetzt wurden außerplanmäßiger Reichs­bahnassistent Reese von Büdingen nach Schmalnau und Brauers von Burghaun nach Eiterfeld. In den Ruhe- stand getreten sind Rangiermeister Joh. Müller 2 in Hünfeld und Oberbahnwärter Karl Müller 2 in Lauterbach. Am 1. Februar tritt in den Ruhestand Reichsbahn-Obersekretär Müller in Hünfeld.

Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband, Ortsgruppe Fulda,

bittet uns, auf die heute, Dienstag, abend im D.H.V.-Heim stattsindende Jahreshauptversammlung aufmerksam zu machen. Gauvorsteher Auerbach (Frankfurt a. M.) wird anwesend sein und einen für alle Mitglieder wichtigen Vortrag halten.

Vrandverforgung für den Monat Januar.

Arbeitslose (Alu und Kru), Wohlfahrtserwerbslose und Stadtarme erhalten die Kohlenbezugscheine für den Monat Januar am Mittwoch, den 20. Januar 1932. Die Ausgabe er­folgt im Rathaus Zimmer 13 (Städtisches Wohlfahrtsamt) und zwar für die Straßen mit den Anfangsbuchstaben A—G von 8— 10 Uhr, H—N von 11—12.30 Uhr und O—Z von 15—17 Uhr. Die vorgenannten Zeiten müssen unbedingt eingehalten werden. Die Meldekarte ist vorzulegen. Auf die gelben Stammkarten werden im Januar 3 Zentner Brikett, auf die roten und weißen Stammkarten je 1 Zentner von dem aus der Stammkarte näher bezeichneten Kohlenhändler ausgegeben. Ledige, die bei ihren Eltern wohnen, erhalten keine Brandversorgung. Gleichzeitig werden die Kohlenhändler darauf aufmerksam gemacht, daß so­wohl die Stammkarten als auch die Reichsbezugscheine für ver­billigte Kohlen für Januar in der Zeit vom 25. 1. bis späte­stens 5. 2. 1932 an das städtische Wohlfahrtsamt zuriickgereicht fein müssen.

Konkurs Frentzel u. Witzel in Fulda.

In dem Konkursverfahren der Firma Frentzel u. Witzel, Baugeschäft in Fulda, Alleininhaber: Ludwig Witzel, fand am Montag im Amtsgericht Fulda der allgemeine Prüfungstermin statt. Die meisten der angemeldeten bevorrechtigten und nicht bevorrechtigten Forderungen wursten anerkannst verschiedene wurden ganz oder teilweise bestritten. Aus den Ausführungen des Konkursverwalters ging hervor. daß Verhandlungen über den freihändigen Verkauf des Wrhnhau.es des Eemeinfchuld- ners in Eichenzell schweben. Auch soll versucht werden, das vor­handene Baumaterial bestmöglichst zu verwerten. Vcraus- sichtlich werden nur die bevorrechtigten Lohnforderungen zahl­reicher Arbeiter mit einer Quote bedacht werden können.

Konkurs Schipper in Schmalnau.

In dem Konkursverfahren des Kaufmanns Wilhelm Schip­per in Schmalnau fand im Amtsgericht Weyhers der allgemeine Prüfungstermin statt. Von den angemeldeten Forderungen wurden' einige ganz oder teilweise bestritten. Geltend gemachte Eigen tumsvorbchalte wurden bestritten. Auch sind viele Forde­rungen bis ;ur Vorlage der Wechsel vorläufig bestritten. Aus den weiteren Ausführungen des Konkursverwalters war zu ent­nehmen, daß das Warenlager inzwischen vollständig für 1300 Mark verkauft ist. Die Außenstände gehen sehr schleppend ein. Der Verkauf des Hausgrundstückes befindet sich in der Schwebe. Nach dem jetzigen Stand ist mit einer Quote von höchstens 10 bis 15 % zu rechnen.

Kundgebung der Eisenbahner.

Von der Ortsgruppe Fulda des Einheitsoerbandes der Eisen­bahner Deutschlands wird uns geschrieben:

Der Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands. Orts­gruppe Fulda, hatte zum Sonntag nachmittag die Eisenbahner zu einer Kundgebung im Evangl. Gemeindehause aufgerufen. Die Kundgebung war gut besucht und nahm Stellung zu den Auswirkungen der Notverordnung und der Reparationsfrage. Der Redner, Rb.-Sekretär Ullrich aus Erfurt, schilderte Aus­gang und Entwicklung der Wirtschaftskrise. Wir leben in einer Zeit der vollendeten Durchrationalisierung der Produktions- stütten, der gewaltigen Vorräte von Rohstoffen agrarischer und industrieller Natur, und trotzdem müssen mehr als'so Millionen Hände in allen Ländern der Welt feiern. Vollendeter Unsinn sei es, die republikanisch-demokratische Staatsform, die Deutsch­land hat, verantwortlich für diese ungeheure Wirtschaftskrise zu machen. Die Ursache sei vielmehr in der kapitalistischen Wirt- schastsordnung und Führung zu suchen. Deutschland ist durch die Krise am stärksten betroffen. Die Reichsregierung mußte, weil parlamentarisch keine Möglichkeit bestand, mit Notverord­nungen das Schicksal des Deutschen Volkes zu meistern ver­suchen. Diese Notverordnungen sind in ihrer Auswirkung hart, besonders bart aber für die breiten Schichten der Arbeitnehmer, Arbeiter, Angestellten und Beamten in den mittleren und un­teren Gruppen. Lohn- und Echaltssenkung ist vielfach in einer Weise erfolgt, daß die verbliebenen Lohneinkommen kaum noch zur Fristung des nackten Daseins reichen. Kaufkraftschwund und weitere Verschlechterung der Wirtschaftslage ist die Folge. Belebung des inneren Marktes muß eintreten. Dazu ist Plan- ; wirtschaft erforderlich. Von den Auswirkungen der Notver- 1 ordnung sind die Eisenbahner mit am Härtesten betroffen. Da­her lehnt der Einheitsverband der Eisenbahner die Rotverord- nung vom 8. Dezember 1931 ab. Gerechter Ausgleich wäre möglich gewesen. Die Reichsbahner sind außerdem bereits sehr stark durch die Heranziehung der Reichsbahn zu Reparations- zwecken belastet worden. Hier muß Wandel eintreten. Fallen die Reparationen, dann ist die Verpfändung der Reichsbahn zu Reparationsnvccken binsällig geworden. Die Verwaltungsform, die die Reichsbahn gegenwärtig hat, kann in Wegfall kommen und die Reichsbahn wieder im vollen Umfange dem Reiche ein- qegliedcrt werden. Der Einheitsverband hat daher sämtliche Eisenbahnerorganisationen zur Bildung einer Einheitsfront aufgerufen, die bereits praliische Gestalt angenommen hat. Es gilt den Kampf zu führen gegen die Kräfte und Elemente, die sich einer 91 üdiiiBruno der Reichsbahn auf das Reich aus Eigen- ~ inL-repe mit allen Mitteln entgegenstemmen.

Der Leiter der Kundgebung gab noch bekannt, daß der Allge- meine Teutsche Beamtenbund eine Terrorabwehistelle eingerich­tet hat. Es gilt, den republikanischen Beamten in den Reichs-, Länder- und Gemeindeverwaltungen den notwendigen Schutz ungebeten zu lassen.

Tann (Rhönj, 18. Jan. (Vortragsabend der W i n t e r n o t h i l s e.) Im Kensirmandenmal hielt Herr Pfarrer V ä u m l e r den dritten Vertrag im Rahmen rer Winterhilfe über ras Thema „Canbhi". Auch dieser Vertrag war wieder gut besucht. Der Redner sprach über die Herkunck der Wilder unc das indische Kastenwesen, stellte den Unterschied zwifchen, Mohammedanismus und Hinduismus heraus, schilderte den Einfluß Cer Europäer und gab ein Bild von Cer englischen Herrschaft und ihren Ver- und Nachteilen. Der Ruf Ler 3nCer nach. Freiheit und Selbstverwaltung wurde immer größer, be­sonders nach Lem Krieg, als Lie Engländer die im Krieg ge­gebenen Versprechen nicht einlösten. Auiftände brachen aus; aber Gandhi, der wußte, daß mit Gewalt nichts zu schaffen war. stellte Lie Bewegung auf eine ganz andere Grundlage; er Ver­kündete den Freiheilskampf ohne Gewalttätigkeit. Als nach dem Krieg die Engländer auch den Mohammeüanern Cie ge­gebenen Versprechen nicht einlösten, traten auch diese mit in Cen izreihritskamps ein. Gandhi sah die gute Gelegenheit und schlug eine Brücke zwischen Hindus uni Mohammedanern. 1919 be­kamen die Inder ihr erstes Parlament. Da die Forderungen der Inder bei weitem nicht alle erfüllt werden, ruft Gandhi zum Kampf auf Ler Grundlage der „ncncrcpcratwn“ auf. All lein Tun und Handeln beruht auf dem Gesetz des Ahimja; du icllit nicht töten, nicht hassen, sondern lieben.' Er ist hier sehr stark von der Bergpredigt beeinflußt worden, wie er auch eine zeit- lang einmal daran dachte, Christ zu werden. Er denkt nicht nur das Ahimja, sondern er lebt es auch. Das Ahimja ist die Waise des wahrhast Starren, die Gewalt die Wcrffe des Feigen. Zum Schluß sprach Herr Pfarrer Bäumler noch über Gandhis .Wirt- schaftsProavamm und über die allerletzte Entwicklung in Indien. An den Vortrag fehlest sich eine längere lebhafte Aussprache an. Es wäre zu begrüßen," wenn auch die nächsten Verträge wieder ebenso stark, beiuchr würden.

4 Tann (Rhön), 18. Jan. (Konzertabend.) Am Sams­tag abend gab im Saale des Hotels Münzel das Musilkorps Kaltensundheim (Rhön) ein Orchesterkouzsrt. Daß Las Musik­korps zum ersten Male in Tann auftrat, war wohl mit ein Grund dafür, daß das Konzert io schlecht besucht war. Jeden­falls muß schon jetzt gesagt werden, daß die Darbietungen der Kalteniundbeimer einen besseren Besuch verdient gebabt hätten. Schon Ler Einaangsmarich ließ erkennen, Laß die Musiker ihre Kunst voll und ganz beherrschten. Mit jedem gespielten Stück nahm die Begeisterung der Zuhörer -u. eie war schließlich am Schluß des Konzertteiles so groß, Laß die Zuhörer wahre Bei- sallstürme herrorriefen. Das Programm war gut ausgewählt und brachte trotz der erkennbaren Absicht, jedem etwas bieten zu wollen, nur musikalisch Wertvolles. Die technischen Leistun­gen Ler Kapelle waren ausgezeichnet. Es kann mit Recht ge­sagt werden, daß alle Darbietungen aus einer beachtenswerten künstlerischen Höhe standen. Besonders hervorgehoben werden muß der Vortrag einer Fantasie, über Verdis „2a Traviata", der Ouvertüre zu Flotows „Alegandro Stradella", eines Pot­pourris aus Kalmaus „Eräsin Mari-za", der Ouvertüre zu Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt" und Paul Linkes .Mu­sikalischem Wettrennen". Das Violinsolo Herrn Markerts (ein CzarLas von Monti) wurde mit viel Feuer und einwand­freier Technik Dcrcctragen. Ebenso ausgezeichnet brachte auch Herr Büchner (Klarinette) Mozarts Kon-ert in A-Tur zu Gehör. Zu bedauern war, daß beide Telovorträge unte dem etwas verstimmten Klavier -u leiden hatten. Der Abend war ein großer Genuß, wie wir ihn hier in Tann selten Laben. —■ Nach Lem Kenzerl brachte Las Orchester noch ein Stündchen Tanzreiien zu Gehör. Die Gelegenheit wurde auch von allen Zuhörern wahrgenommen.

k. Hettenhausen, 15. Jan. (Kirchliche Statistik.) Im Jahre 1931 wurden in der Gemeinde getauft : 34 Kinder (22 Kn. und 12 M.) (1930: 21, 10 und 11). Konfirmiert wurden 8 Kinder (5 Kn. und 3 M.) (1930: dieselben Zahlen). Getraut wurden 9 Paare (1930: desgleichen). Kirchlich beerdigt: 15 Gemeindeglieder (5 m. und 9 w.) (1930: 12, 5 und 7). Die Zahl Ler A b e n ü m a h l s g ä ft e betrug 1151 (506 und 645), davon 47 Hauskomm. (9 M und 38 F.) (i. Vj.: 1056, 476 M. und 580 F., davon 31 Hausk. (9 und 22). Die Höhe der Haussammlungen betrug 247,0 RM. (244,29 Reichsmark), die der K i r ch e n f a m m I u n g e n für landes- kirchliche Zwecke 278,04 RM. (182,36 RM.). Für Notstände in der Gemeinde und für Bedürftige wurden gesammelt 156,47 Reichsmark, hinzu kommen noch die Sammlungen Ler Frauen- hilfe für die Müttererholung und die Winterhilfe. Eine solche Sammlung auch in der Gemeinde Eichenbach gesondert. Die Klingelbeuteleinlagen ergaben eine Summe von 267,33 (310,75 RM.) und 19,45 RM. Hochzeitsopfer (56,08 RM.).

k. Dalherda, 15. Jan. (Kirchliche Statistik.) Im Jahre 1931 wurden in hiesiger Gemeinde getauft: 18 Kinder (10 Kn. und 8 M.) (1930: 17, 6 und 11). Konfirmiert wurden 16 Kinder (7 Kn und 9 M.) (1930: 12, 5 uno 7). Ge­traut wurden 7 Paare (5). Kirchlich beerdigt: 10 Ec- meindemitalieder (6 m' und 4 w.) (im Vorj.: 9, 4 und 5). Die K l i ii g e l b e u t e l e i n l a g e n, Hochzei'tsopfcr und Samm­lungen für Lie eigene Gemeinde ergaben 181,83 RM (238,91). Die Höhe ver Haussa in mlunge n war 62,25 RM. (140,40), die der Kirchensammlungen für landeskirchliche Zwecke: 124,82 RM. (159,89). Die Zahl der A b e N L m a h l s g ä st e belief sich auf 709 (325 M. und 384 F.), darunter 5 Hauslomm. (F), (i. Lorj.: 789, 364 und 425, davon 11 Hauskomm. (4 M. und 7 F.).

Offenbach, 12. Jan. (Kein Verbreche n.) Am Freitag wurde im Main Bei Mainz-Kostheim die Leiche des 24jährigen ledigen Kaufmanns Friedrich Wilhelm Köhler aus Oäenbach geländet, die nur teilweise bekleidet war. Was den jungen Mann in den Tod trieb, darüber fehlen alle Anhaltspunne. Wegen Ler zum Teil zerrissenen und fehlenden Kleidungeslücke nahm man anfangs ein Verbrechen an. Dieser Vermutung dürfte aber haltlos sein, da, wie festgestellt wurde, Lie Kleider zum Teil an den Schleusen hängen geblieben waren.

Main,;, 18. Jan. (Herrensitzung des Mainzer C ar NL va l -De re i ns.) Trctz der Not der Zeit hatte n.h Samstag abend die Narrhalla mit den Getreuen Les Prin-on Karneval gefüllt, die auf Cen Ruf des Mainzer Earnevai-Ver- eins zur Herrensitzung herbeigeeilt waren. Nach einem,lu't:= gen Vorspiel, bei Cern nach mancherlei Zwischenfällen ?iof und Sorge schließlich von den Geistern der Sebents reute ^um Temel geschickt wurden, eröffnete Präsident Bender die Sitzung un) ermahnte die Narr hallejen, den Frohsinn nicht zu verlieren. „Er macht zwar leichter nicht die Last, doch _ leichter sie zu tragen.“ Mir reichem Beifall bedacht wurde, wieder der,Ka"r ker des närrischen Reiches, der mit manch treffendem Sprüchlein die gegenwärtigen Zustände glossierte. ..Durch Einheit zur Stärke!'Die Zwietracht bahnt nicht -um Wohle des Boldes d:e Wege!" Nach gutem alten Brauch hatten sich Cie Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden eingesunben, und der Prä­sident konnte mit Worten des Tankes iür ihr Erscheinen be­grüßen Provinzialdireklor Tr. Wehner, OberMraermerner ar. Ehrhard, Reichsbahndirektione-präsident Lochnn Landger:. Insvra- fiCcnt Tr. Junk und Miniftcriakdirekror Tr. Liegen-a armftadr. Ter ehemalige Oberbürgermeister Tr. Külb und, der frühere ProsinzialSirektor Geheimrat Dr. Usinger hatten mb ebenra..» unter die Getreuen Les Prinzen eingereiht und trugen ter

Lieder und Vorträge weck:seiren tu bunter «reite, Hoskäpelle sorgte für die richtige Stimmung, .uno 'Humor stellte mit Erfolg unter Beweis, er unverwüstlich ist, so daß die Notverordnung i»--.' Wer nicht lacht. Cer wird erJvmen reine Exe­kutionen tut Folge barte. Die minernäcktlnbe ctur.be rar längst vorüber, als die närrtxbe âr sich rritrcute bf ;;; Tage Trübsal und Sorge war wieder ein kleiner Llchnrrayt

lich begrüßt, die närrische der ri'.cinisä:-: in Wahrheit Präsidenten:

gefallen. .

Windesbeim (Rabe). 18. Jan. (Beachtet k lerne Wunden!) An Blurrergilluustuarb der Landwirt und cm mell Ländler Johann Großmann. Er dalli nch mit der J rt lc.it an der Hand verletzt und beachtete die Wunde nicht weiter. Ein paar Tage später starb er.