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Zulöaer Anzeiger

Erscheint jeden werktag.Bezugspreis: monatlich 2 00 Km. Bei âferungsbehinderungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Einsprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Zulöa, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver­leger. Postscheckkonto: granffurt a. M. Nr. 16009

Nr. 11 1932

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg ZulSa- unö Haunetal - Zulüaer Kreisblatt

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Fulda, Donnerstag, 14. Januar

Jahrgang

Die Bolkswahl

Präsidentenwahl am 13. Mrz?

Nach der Absage, die der Reichskanzler für seinen Plan, eine Verlängerung der Amtsdauer des Neichspräsi-

deuten durch den Reichstag statt durch Volksmahl her- beizuführen, von den Nationalsozialisten und den Deutsch- nationalen erhalten hat, gehen die Verhandlung

dic Borbereitungen einer V 0 l k s w a

Verhandlungen über H l des Reichspräsi-

deuten weiter. Die Besprechungen von Regierungsver- trctern mit den einzelnen Parteien nehmen ihren Fort­gang. Daneben gehen Bestrebungen, die Parteien aus­zuschalten und ein politisch neutrales, aus an­gesehenen Persönlichkeiten aller Kreise zusammengesetztes Komitee mit der Anfgabe zu betrauen, eine E i n - Heitslandidatur Hindenburgs in der Weise zu sichern, daß von keiner Partei, ausgenommen die Kommu­nisten, ein eigener Kandidat aufgestellt wird. Schließlich wird auch noch ein Volksbegehren vorgeschlagen mit dem Ziel eines Volksentscheides über die Verlänge­rung der Amtsdnucr des Reichspräsidenten. Alle Ver­handlungen befinden sich aber noch im Stadium des Vor­fühlens, so daß Meldungen über definitive Entschlüsse und Abmachungen zum mindesten als verfrüht bezeichnet werden müssen.

Als wahrscheinlicher Termin für die Prâsidcnten- Wahl wird jetzt wieder der 13. März genannt Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Reichstag sich noch vor dem 23. Fe­bruar versammeln wird, um durch ein Gesetz diesen Wahl­tag festzusetzcn.

Hindenburg nur ohne Brüning".

Dr. Frick droht mit Sonderlandidatur.

In einer- nationalsozialistischen Versammlung in Kempten gab M i n i st e r a. D. F r i es die Antwort auf die Frage, ob eine Wiederwahl H i« d e 11 b u r g 5 durch eine Volkswahl zustande kommen werde. Die Ant­wort sei ein glattes N e i n. Dr. Frick führte aus: Auch bei einer etwaigen Bolkswahl würden die National­sozialisten jedenfalls keinen Finger rühren, um den Reichs­kanzler Brüning nicht noch weiter zu unterstützen.

Wenn das Kabinett Brüning bis zur Nelchs- präsidcntenwahl nicht verschwunden sei, würden die Nationalsozialisten aus ihren Reihen einen Mann aus- stellen, auf den sie sich unbedingt verlassen könnten.

*

Volksbegehren?

Für die Amtsverlängerung Hindenburgs.

2 ungdeutsche Bewegung hat Relchvlnnenm,Nister einen Antrag auf Zulassung Volksbegehrens über die Amtsverlängerung Hindenburgs eingereicht. Diesem Antrag soll sich auch die Volksnationale Reichsvereinigung angeschlossen haben. In einem Ausruf appelliert der Hochmeister des Jung- deutschen Ordens, Arthur Ma rau hu, an die an­deren Verbände und Bünde, sich diesem Volksbegehren unzuschließen.

beim eines

*

Hüters Berliner Verhandlungen.

Ein parteiamtlicher Bericht.

Die Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP, ver­öffentlicht eine eingehende Schilderung der Berliner Be­sprechungen. Aus dieser parteiamtlichen Darstellung geht hervor, daß Hiller schon in der Aussprache mit Ge­neral Groener bemerkt hat, daß nach seiner Auf­fassung gegen den Plan einer parlamentarischen Verlän­gerung der Amtszeit des Reichspräsidenten sehr schwere verfassungsrechtliche und politische Be­ke n bestünden. Am Dienstag fand die

Zusammenkunft im Reichswehrministerium mit dem Reichskanzler und dem Reichsinnenminister statt. Der Reichskanzler versuchte die Notwendigkeit der beab­sichtigten parlamentarischen Aktion mit außenpoliti­schen Argumenten zu begründen. Hitler wiederholte in verstärktem Maße seine Bedenken und wies auch darauf hin, daß zu seinem Bedauern die im Interesse des Reichs­präsidenten diskret zu behandelnde Angelegenheit be­reits den Weg tn die Presse gefunden habe. Im übrigen erklärte Hitler, daß er nicht gewillt sei, eine Ent- scheidung bekanntzugeben, ehe er nicht eine Besprechung mit Hugenberg gehabt habe. Nachdem Dr. Frick in Berlin cingelroffen war, faßte Hitler in einer Besprechung, zli der außer dem engeren Stabe Frick und Goebbels zugezogen waren, seine Auffassung nochmals dahin zu- sammen, daß die durch Brüning vorgeschlagcne

parlamentarische Aktion nach jeder Richtung hin unmöglich

und daher abziilehncn sei, daß aber unter gar keinen Um­ständen durch die Art der Erledigung dieser Aktion das persönliche Ansehen des Geucralfeldmarschalls von Hin­denburg verletzt werden dürfe. Am Sonnabend fand die abermalige Aussprache mit dem Reichst a n z l e r D r. Brüning in Anwesenheit der Minister Dr. Frick und ^.rcviranus statt. Auch diese Besprechung ergab nichts Neues. Am Nachmittag fand

die Aussprache Hitlers mit Hugenberg statt. Adolf Hitler teilte ihm mit, daß er nach reiflicher Überlegung nicht anders als ablehnen könne. Hugenberg bekannte sich tm wesentlichen zur gleichen Auffassung. Am

Sonntag suchte Staatssekretär Meißner Ditler tn seinem Hotel auf. Hitler bedauerte insbesondere die offen­bar durch Indiskretion der Reichskanzlei entfachte Pressekampagne, die Hindenburg in den Strudel des parteipolitischen Getriebes hineingetrieben habe. Hitler versuchte einen Weg zu finden, der

ohne Schädigung des Ansehens der Person des Reichspräsidenten

und unter Berücksichtigung der Interessen der national­sozialistischen Bewegung aus der durch den Reichskanzler herbeigesührlen Lage herausführen könnte. Staatssekretär Meißner betonte vor allem die Notwendigkeit, den für die Aktion in keiner Weise verantwortlichen Reichspräsidenten dem parteipolitischen Pressekampf zu entziehen. Hitler schlug dann durch Hauptmann Göring vor,

dem Reichspräsidenten eine Denkschrift zu überreichen, aus der die Berechtigung seiner verfassungsrechtlichen Be­denken gegen den Vorschlag des Reichskanzlers hervor­ginge. Der Reichspräsident könne dann von sich aus, falls die vorgebrachten Gründe ihm beachtlich erscheinen, dem Reichskanzler den Wunsch übermitteln, den einge-' schlagenen Weg nicht weiter zu verfolgen. Am Montag wurde dann die Denkschrift von Adolf Hitler fertiggestellt. Eine neue Unterredung mit Hugenberg ergab, daß der Führer der Deutschnatiâalen Polkspartei ebenfalls die *

Ablehnung auch durch die Deutschnationalen endgültig bestätigte. Am Dienstag wurde die Denkschrift Adolf Hitlers an den Reichspräsidenten durch Göring dem Staatssekretär Meißner überreicht. Der Reichspräsident bat den Reichskanzler zu sich und ersuchte ihn nach seinem Vortrag, von einer weiteren Verfolgung seines Vor­schlages Abstand zu nehmen.

Der Zirkus brennt!

Feuer im Zirkus Sarrasani in Antwerpen.

Mehrere Elefanten verbrannt.

In den frühen Morgenstunden des 13. Januars brach in einem Nebcnbau des deutschen Zirkusunternehmens Sarrasani, das seit einiger Zeit in Antwerpen gastiert, ein Feuer aus, das einen Gardcrobcnraum und ein Ttallgebände, in dem die weltbekannten Sarrasanischen Elefanten untergebracht waren, vernichtete. Sieben Elefanten, die nicht rasch genug von ihren Ketten befreit werden konnten, sollen verbrannt sein die An- gaben hierüber sind bisher nicht ganz sicher, fünf wur­den schwer verletzt, und mehrere andere erlitten leichtere Brandwunden. Von der Antwerpener Polizei wurde eine Untersuchung darüber eingelcitet, ob Brandstiftung vorliegt. Die Zirkusleitung soll nämlich wenige Stunden vor dem Ausbruch des Feuers durch eine anonyme Post­karte gewarnt worden sein: man soll dem Boche-Unter­nehmen den Untergang angedroht haben, wenn es nicht möglichst rasch aus Belgien verschwinde.

Sarrasani hatte in dem Antwerpener Vorort Verchen, einen hölzernen Winterbau (statt der sonst üblichen Zirkuszelte) bezoaen. Dieser Bau bildete mit den .

DaS Feuer bei Sarrasani.

Oben: der in der ganzen Welt bekannte Eingang des Wanderzirkusses Sarrasani bei Nachtbeleuchtung unten: ein Teil der wertvollen Elctarncn, von denen einige in den

Flammen umgekommen sein sollen. zahlreichen Anbauten und" Wagen eine ganze Zirkusstadt. Durch das Feuer erlitt fast das ganze Personal des Zirkusunteruehmens schwerste Verluste, da fast alle Kostüme verbrannt sind. Die Zirkusleitung beziffert den Gesamtschaden die umgekommenen Elefanten mit ein­gerechnet auf

etwa eine Million Mark.

Der Zirkus besitzt nach dem Brande kaum noch ein Zaum­zeug für seine Pferde. Glücklicherweise konnte ein Über;

Hitler an Reichskanzler Brüning.

Der Führer der Nationalsozialisten aus Berlin abgereist.

Hitler hat nach seinem Brief an den Reichspräsidenten an den Reichskanzler Brüning folgenden Brief gerichtet, dessen Inhalt wir bereits gestern kurz veröffentlichten: Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Am 6. Januar 1932 teilte mir Reichsinnenminister General Groener mit, es bestünde die Absicht, die Präsidentschaft des Generalfeldmarschalls von Hindenburg aus par­lamentarischem Wege zu verlängern, bzw. den Reichs­präsidenten durch eine Zweidrittelmehrheit des Reichs­tages neu wählen zu lassen. Reichsinnenminister Groener bat mich um Stellungnahme der Partei zu diesem Vor­haben.

Ich beehre mich, Ihnen, sehr geehrter Herr Reichs- kanzlcr, mitzuteilen, daß die NSDAP. bei aller Verehrung für die Person des Herrn Reichspräsidenten nicht in der Lage ist, diesen Vorschlag zu unterstützen. Ich lehne daher namens der nationalsozialistischen Bewegung unsere Zu­stimmung ab.

Die verfassungÄrechtlichen, außen- und innenpolitischen sowie moralischen Gründe, die uns zu dieser Stellung­nahme bewegen, werde ich Ihnen, sehr geehrter Herr Reichskanzler, mit einer eingehenden Darlegung umgehend zustellen.

Mit der Versicherung vorzüglicher Hochachtung bin ich, sehr geehrter Herr Reichskanzler, Ihr sehr ergebener Adolf Hitler."

Dieser Brief wurde in der Reichskanzlei dem Herrn Reichskanzler Dr. Brüning durch Hauptmann Göring überreicht. Adolf Hitler hat Berlin verlassen und ist nach München abgereist.

Besprechungen mit Staatssekretär Meißner.

Im Laufe des Montags und Dienstags haben wiederholt Besprechungen zwischen Staatssekretär Meiß­ner und Hauptmann Göring stattgcfunden, die den Zweck hatten, eine Klärung der Lage herbeizuführen

greifen des Feuers auf andere Stallgcbäudc, in denen sich u. a. L ö w e n befanden, und aus den eigentlichen Zirkus- bau verhindert werden. Bei den Löscharbeilcn sind drei Personen zu Schaden gekommen. Einigermaßen merkwürdig war

das Verhalten der Feuerwehr.

Als die Zirkuswehr erkannte, daß sie allein des Brandes nicht Herr werden konnte, alarmierte sie die Antwerpener Feuerwehr. Es kam aber zunächst nur die Wehr des B r a n b 0 r t e s B e r ch e m , da die große Antwerpener Wehr sich fürnicht zuständig" erklärte. Erst etwa zwei Stunden nach dem Ausbruch des Brandes erschien mit ausdrücklicher Erlaubnis des Oberbürgermeisters von Antwerpen die Antwerpener Wehr auf der Brandstätte. Sarrasani wurde in den letzten Monaten

stark vom Pech verfolgt.

Als er im Frühjahr 1931 Berlin verließ, hieß cs bestimmt, daß er seinen Zirkus verkaufen tvolle, da er ihn nicht mehr durchbringen könne. Er selbst wehrte sich damals ganz energisch gegen die Behauptung, daß Die Nachricht erfunden sei. Er ging dann nach Holland, wo er gut ausgenommen wurde. Da er jedoch nicht immer in Holland bleiben konnte, wandte er sich schließlich nach Belgien, wo es ihm schlecht erging. In Brüssel wollte man nichts von ihm wissen, weil er seinen Zirkus auf dem Brüsseler Schießplatz, aus dem während des Krieges belgische Spione erschossen worden sind, aup schlagen wollte. Er mußte infolgedessen mit seinem großen Zirkuspark in Brüssel von einem Play zum anderen wan­dern und wandte sich schließlich nach A n t w e r p e n , wo er mit Mißtrauen betrachtet und bedroht wurde. Daß es sich nicht um leere Drohungen handelte, hat der jetzt aus­gebrochene Zirkusbrand bewiesen.

Der Wert eines Elefanten.

Die Sarrasanischen Elefanten sind indische Elefanten, von denen jedes Exemplar undressiert 10 000 bis 15 000 Mark, dressiert aber 25 000 Mark und mehr kostet. Sarra­sani hat die Elefanten, die zum Teil 20 Jahre und länger in seinem Besitze sind, zum größten Teil selbst dressiert.

*

Stosch-Sarrasani über das Großfeuer im Zirkus.

Hans Stosch-Sarrasani sprach sich, wie die belgische Tele­graphenagentur meldet, dahin aus, daß seiner Meinung nach das Feuer im Zirkus nicht auf Brandstiftung zurück- zuführen sei. Sarrasani unterstrich weiter die freundliche Anteilnahme, mit der ihn die Antwerpener Bevölkerung empfangen habe. Er habe in Antwerpen nur Unterstützung und Beistand bei Behörden, Presse und Bevölkerung ge­funden. Sarrasani sprach dem Militär seinen-tant für

Kleine Zeitung für eilige feier

* AlS Wahltermin für die Rcichspräsidentenwahl wird der 13. März genannt.

* Der Jungdeutsche Orden hat einen Antrag auf Zulassung eines Volksbegehrens über die Amtsverlängerung Hinden­burgs gestellt.

* Der Zirkus Sarrasani ist in Antwerpen von einem schweren Brande hcimgcsuchi worden. Mehrere Elefanten sanden den Tod in den Flammen»