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Kurze pMiische Nachrichie»,

Der Reichsrat hält seine nächste Vollsitzung am Donnerstag, den 14. Januar, ab. Der Reichsrat wird sich mit dem Gesetzentwurf wegen der Erleichterungen im Eisenbahnverkehr Zwischen Ostpreußen und dritten Staaten (Polen und Danzig) und mit dem Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und der Republik Österreich (Regelung der Anschluß- .und Übergangsverhältnisse im Eisenbahnverkehr) beschäftigen.

^ic schwebende Schuld des Deutschen Reiches vetriiq am 31. Dezember 1931 1912,6 Millionen Mark gegenüber 1746,7 Millionen Mark am 30. November 1931.

Wie der Deutsche Bankbeamtenverein mitteilt, hat der Reichsarbeitsminister den Bankenreichstarif mit Wirkung vom 1. Januar ab neuerlich für allgemein verbindlich erklärt. Die von der genannten Orga­nisation geforderte Einbeziehung der öffentlich rechtlichen Kreditinstitute, die im Vorjahr erstmalig unterlassen wurde, ist nicht erfolgt. Der Deutsche Pankbeamtenverein will dieserhalb noch beim Reichsarbeitsministerium vor­stellig werden.

Nachdem die schweizerische Regierung den deutsch- s ch w e i z e r i s ch e n Handelsvertrag gekündigt hat, fallen ab 4. Februar insbesondere die mit der Schweiz vereinbarten Zollherabsetzungen und Zollbindungen fort. Es ist jedoch festgestellt worden, daß beide Teile sich für die Zeit nach dem 4. Februar m ei st b e g ü n st i g t be­handeln wollen. Hiernach würden die dritten Staaten gegenüber herabgesetzten oder gebundenen Zölle zur An­wendung gelangen. .

Sitzung des Kasseler Landesausschusses.

Senkung

der Pslegekosten und der Zinsen für Faustpfanddarlehen.

Kassel, 12. Jan. Am Dienstag trat der Landesausschuß zu einer Sitzung in Kassel zusammen. Es wurden zunächst über eine Anzahl laufender Verwaltungsfragen und Personalange­legenheiten Beschlüsse gefaßt. Sodann wurden, um die von der Reichsregierung eingeleitete Preissenkungsaktion im allgemei­nen Interesse und auch zu Gunsten des Bezirksverbandes selbst tunlichst zu fördern, trotz erheblicher haushaltspolitischer Beden­ken folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die Verpflegungsgebühren in der allgemeinen Klasse der drei Landesheilanstalten werden ab 1. Februar von 3,70 auf 3,20 Mark für den Tag herabgesetzt.

2. Wegen Senkung der Verpflegungsgebühren in den einzelnen Landeskrankenhäusern wird der Landeshauptmann ermächtigt, die Maßnahmen zu treffen, die unter Wahrung der Belange so­wohl der Krankenhäuser als auch der zahlpflichtigen Personen und Verbände geboten unb möglich erscheinen. 3. Das Pflege­geld für die von der Landes-Taubstummenanstalt in Homberg betreuten Kinder wird ab 1. Februar 1932 von 1,35 auf 1,25 Mark für den Tag herabgesetzt. 4. Die Benutzungs- und Leih­gebühren der Landesbibliotheken Kassel und Fulda werden ab 16. Januar 1932 um 10 Prozent gesenkt. 5. Die Zinsen für Faustpfanddarlehen beim Landesleihhaus in Kassel werden ab 1. Januar 1932 um 25 v. H. gesenkt, die Schätzer- und Um« schreibgebühren um 33^ Prozent. 6. Die Zinsen für Faust- psanddarlehen bei der Landesleihbank in Hanau, die z. Z. er­heblich niedriger sind als beim Landesleihhaus in Kassel, wer­den ab 1. Januar 1932 um 15 Prozent gesenkt, die Schätzer­und llmschreibegebühren um 40 Prozent. 7. Die Debetzinsen bei den Landesleihbanken in Hanau und Fulda werden entsprechend den Richtlinien des Sparkassenverbandes für Hessen-Nassau ge­senkt.

Wenngleich gegen diese Maßnahmen erhebliche Bedenken bamshaltpolitischer Natur bestehen, weil der Bezirksverband in­folge eines Steuerausfalles von mindestens 1,7 Millionen Mark im laufenden Haushaltsjahr und mindestens 2,5 Millionen Mark in 1932 mit größten Haushaltsschwierigkeiten zu kämpfen hat, so glaubt der Landesausschutz die vorstehenden Maßnahmen doch in der Erwartung verantworten zu können, daß die hier­durch geförderte Preissenkungsaktion sich auf der' Ausgabenseite des Etats mindestens entsprechend auswirkt. Die getroffenen Maßnahmen kommen zum größten Teil der gesamten Bevölke­rung, zu einem wesentlichen Teil aber auch den Vezirksfür- sorgeverbänden unb, dem Landesfürsorgeverband selbst zugute. Auch die Krankenkassen und Berufsgenossenschaften werden durch die Senkung der Verpflegungsgebühren entlastet. Weiter nahm der Landesausschutz zu der von der Staatsregierung beschlosse­nen Schließung des Staatstheaters in Kassel Stellung. Er sprach die Erwartung aus, daß der preußische Staat eingedenk der früher übernommenen Pflichten doch noch Wege finden wird, das Theater in einer den heutigen Zeitverhältnissen entsprechen­den Form weiter zu führen. Es wurde festgestellt, daß anstelle des verstorbenen Kommunallandtagsabgeordneten Mink nach dem Wahlvorschlag der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für den Wahlbezirk Kreise Marburg-Land, Marburg-Stadt und Kirch­hain der Buchhändler August Sonnenschein in Marburg tritt. Es wurden aus Mitteln der Hessischen Brandversicherungsanstalt an 33 Gemeinden Beihilfen zur Förderung des Feuerlöschwesens im Gesamtbetrag von 37 922 Mark bewilligt. Die nächste Sitzung ist für den 16. Februar vorgesehen.

Der Hess. Landtagsabgeordnete Schäfer, Darmstadt, über sich selbst.

Unter der RubrikPolitische Versammlungen in Leipzig" veröffentlichen die ^, Leipziger Neuesten Nachrichten" mit oben­stehender Ueberschrift nachstehenden Bericht:

Der Bund für Recht und Freiheit hatte den hessi­schen Landtagsabgeordneten Schäfer, Darmstadt, zu einem Vortrag überdie Blutdokumente der Nazis im Boxheimer Hof" nach Leipzig kommen lassen. Die An­gelegenheit dieses ehemaligen Nationalsozialisten, der erst da­durch in der Öffentlichkeit bekanntgeworden ist, daß er geheime Dokumente hessischer Nationalsozialisten den preußischen Be­hörden übergab, ist im wesentlichen wohl pathologisch zu be­werten.' Die Bedeutung derBoxheimer Blutdokumente" illu­strierte Schäfer sehr klar dadurch, daß er sie in seinem zwei­stündigen Vortrag kaum einmal erwähnte. Desto nachdrücklicher beschäftigte sich Herr Schäfer damit, seinen Zuhörern ein Bild von seinen persönlichen Qualitäten zu geben. Nach seinen Aus­führungen hatten ihn die Nationalsozialisten für hohe Ehren,in Aussicht genommen. Angeblich habe er nach den Beschlüssen einer Führerkonferenz in ^Karlsruhe Ständekammerpräsident im Dritten Reich werden sollen. Freilich habe er auch Entsprechen­des geleistet. Er erklärte, die Stadt Offenbach, sein bisheriger Wirkungskreis, würde für ihn heute noch durchs Feuer gehen, und vergaß auch nicht zu erwähnen, daß er auch literarisch schon hervorgetreten sei. Schließlich wartete Schäfer mit neuen Ent­hüllungen auf, von denen er behauptete, sie überträfen noch bei weitem an Wichtigkeit dieBoxheimer Dokumente". Aus aller­lei Rundschreiben und aus der Korrespondenz, die er als Wirt­schaftsreferent der Nationalsozialisten mit der nationalsoziali­stischen Reichsparteileituna geführt hat, suchte er den Beweis zu erbringen, daß es die Absicht der nationalsozialistischen Führer sei, die Bauern, namentlich etwaige Siedler in Ostdeutschland, zu Leibeigenen zu machen und die Arbeiterschaft ihrer politischen und gewerkschaftlichen Rechte zu berauben. Als Schäfer dann weiter erklärte, er werde enthüllen, bis er die nationalsoziali- S Partei zerschlagen habe, antwortete ihm aus der Ver-

lung der auch am Vorstandstisch mit einiger Heiterkeit aufgenommene Zwischenruf:Wir helfen mit!" Nicht sehr stilvoll beschloß Schäfer seinen Vortrag mit pathetischen Dekla­mationen aus vaterländischen Gedichten. Als Ovation brachte die Versammlung dem leise lächelnden ehemaligen National­sozialisten den dröhnenden Gesang der Internationale dar."

Aus Heffeu-Naffüu und Nachbargehieten

Merkblatt für den 14. Januar.

1742: Der Astronom Edmund Halley in Greenwich gest. 1874: Der Erfinder des Telefons, Philipp Reis, in Friedrichs­dorf bei Homburg gest.

Es ist eine historische und betrübende Wahrheit, daß es eine größere Kampfesfreude für den Deutschen nicht gibt als den Streit mit dem eigenen Landsmann. Bismarck.

Wetterbericht.

Ueber dem Festland steigt der Luftdruck zunächst noch weiter an. und der Einfluß eines über Osteuropa negen-ten Hochdruck­gebiets bewirkt bei uns ruhigeres und trockenes, aber vorwie­gend trübes Wetter. Auf dem Ozean liegt ein neuer äußerst tiefer Sturmwirbel vor Island, dessen Regenfront über Eng­land nach Nordosten zieht. Ihre Ausläufer werden sich nach voriibergèhendem Aufklaren auch in Norddeutschland bemerklich machen. Die Hauptentwicklung der dortigen Schlechtwetterzone scheint aber mehr nach Nordeuropa abgelenkt zu werden. Vorhersage bis Mittwoch abend: Meist bewölkt und vielfach neblig oder dunstig, trocken, tags über ziemlich mild, nachts bei gelegentlicher Aufheiterung leichter Frost, etwas auffrischende südliche Winde. Witterungsaussichten für Donnerstag: Stellenweise Nachtfrost, tagsüber meist bewölkt, Niederschlags- tätigkeit noch nicht absehbar, aber voraussichtlich nur ganz ge­ring.

* Fulda, den 13. Januar 1932.

Miiver Winter.

Man ist sich offenbar noch nicht ganz klar über diesen Winter unseres Vergnügens", und auch die erprobtesten Wetterkundigen sind in einiger Verlegenheit. Wenn wir von einem Winter des Vergnügens sprechen, so darf das natürlich nicht mißverstaüden werden: wir haben wirklich keinen Grund zu außerordentlichem Vergnüglsein, und nicht einmal der Fasching, der rechtmäßig schon begonnen hat, wird uns diesmal aus der Ruhe und aus der Reserve bringen können. Dazu haben wir denn doch viel zu Böses erfahren. Aber es ist immerhin erfreulich und ein hinreichender Anlaß zu einer freundlicheren Begut­achtung dieser verworrenen Welt, wenn wir immer wieder feststellen können, daß der Winter uns bis jetzt nicht allzu­viel Schlimmes angetan hat. Der Winter ist für Menschen, die von Kopf bis Fuß auf Wintersport eingestellt sind, und die teils davon leben, teils andere davon leben lassen, sicherlich etwas Schönes und Brauchbares, aber wer einen leeren Magen und eine kalte Stube hat, kann ganz gut auch ohne Schnee und Eis auskommen.

Aber wir sind ja immerhin erst in der Januarmitte, und es kann schon noch ganz arg kommen, wie das auch in früheren Jahren, wo der Winter erst im Februar richtig angefangen hat, der Fall gewesen ist. Wir wollen das alles aber nicht hoffen, und uns vorläufig mir dem zufriedengeben, was wir haben. Wie ungemein mild und lind der Winter bisher gewesen ist, ergibt sich eigent­lich schon aus dem Hochwasser, das in den letzten Tagen über große Gebiete unseres Landes hereingebrochen ist. Es kam plötzlich ein Tauwetter, das in dieser Jahreszeit als etwas ganz Merkwürdiges bezeichnet werden muß. Tauwetter wird cs ja auch in strengen Wintern von Zeit zu Zeit geben, aber ein Tauwetter von solchen Ausmaßen, wie wir es in diesen Januarlagen hatten, ist schon etwas Seltenes, und die größte Schneeschmelze, zu der sich bald starke Regengüsse gesellten, und die gewaltige Hochwasser­wellen geradezu lawinenartig von den Bergen zu Tal gehen ließ, hätte ganz gut in einen Frühlingsanfang hin­eingepaßt. Eine warme, vom Mittelmeer vorstoßende Luftströmungder Tauwind kam vom Mittagsmeer", singt schon der Dichter, hat ungeheure Schneemengen und eine Unmenge gefrorenen Wassers in kürzester Zeit in Bewegung gesetzt. Die hiervon betroffenen Gegenden hatten nichts zu lachen, und das war die Kehrseite des außerordentlich milden Winters. Jetzt scheint sich alles wieder beruhigt zu haben, und die Hochwasser haben sich ebenso schnell wie sie gekommen sind wieder verlaufen. Geblieben ist die verhältnismäßig milde Temperatur, denn wenn es inzwischen auch kälter geworden ist, sehr kalt ist es darum noch lange nicht, und so leben wir denn weiter in der Hoffnung, daß der Winter es im Jitter- esse der Ärmsten der Armen, die kein Dach über dem Kopfe haben und sich auch die verbilligten Kohlen nicht kaufen können, auch weiterhin gnädig machen werde. Allerdings muß gesagt werden, daß auch ein richtiger dichter Winter- schnee seinen nicht zu unterschätzenden Nutzen hat, daß er dem Boden als Schutzdecke dient. Aber so ist es schon: auch die Jahreszeiten können es nicht allen zugleich recht machen.

Dürfen Eewerkschaftsabzelchen getragen werden?

Auch jetzt noch wird die Behauptung verbreitet, Laß auch das Tragen von GeWHrks-châstsa-d Zeichen nach der letzten Notverord­nung verboten sei, weit die Gewerkschaften eine politische Dr« gani anen im: Sinne der Notverordnung seien, da nach § 36 des Reichswohrgesetzes den Angehörigen der Wehrmacht Lie Mitgliedschaft bei den Gewerkschaften nicht gestattet sei. Das ist eine völlig irrige Auslegung. Die Begriffsbestimmung politische Vereinigung" kann aus dem Reichswehrgesetz nicht hergeleitet werden Sie liegt im Sprachgebrauch und in der Verwaltungspraxis seit Jahren ganz eindeutig fest. Danach fallen die -Gewerkschaften nicht unter diesen Begriff, und es können daher auch die Abzeichen der Gewerkschaften, unbean­standet weiter getragen werden.

Ab heute eingeschränkter Zustelldicnst des hiesigen Postamts.

Das Postamt Fulda teilt uns mit: der Vetkehrsrückgang und die wirtschaftliche Lage der Deutschen Reichspost bedingen ebenso wie in zahlreichen anderen größeren Städten in der Stadt Fulda Betriebseinsch--rftungen im Postdienst, eo wird vom 13. Januar ab die 2. Vormittags-Briefzustellung und die Nachmittags-Paketzustellung wegfallen.

Konkursverfahren M. Willigsecker in Fulda.

In dem Konkursverfahren der Firma M. Willigsecker in Fulda fand die Schlußverteilung statt. Die angemeldeten For­derungen der bevorrechtigten Gläubiger betrugen 700,57 Mark, die voll zur Auszahlung kamen. Zur Verteilung standen ferner 1094 17 Mark für die nicht bevorrechtigten Gläubiger, deren Forderungen 18 319,20 Mark betrugen.

Eine Todesfahrt im Lastautozug.

Hanauer Schösfcngcricht.

k. Hanau, 13. Januar.

Auf der abschüssigen Landstraße von Sterbfritz nach Mottgers im Kreise Schlüchtern ist am 20. März v. I. ein schwer belade­ner Fernlastzug, auf dem sich 56 eiserne Fässer mit Speiseöl be­fanden, die von Hamburg nach Nürnberg transportiert werden ollten, verunglückt. Der Unfall war insofern von besonderer Tragik als durch ihn zwei junge Leute ihren Tod fanden und zwei weitere junge Leute recht schwere Verletzungen erlitten hatten. Mit diesem Unfall hatte sich am Dienstag das Erwei­terte Schöffengericht Hanau zu befaßen, indem gegen die beiden Führer des Fernlastzuges, den 26 ^ahre alten verheirateten

Kraftfahrer Ernst Lüders aus Sasel bei Hamburg und den 27 Jahre alten verheirateten Kraftfahrer August Schäfer aus Altona Anklage wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung erhoben worden war. Aus der Beweisaufnahme ging hervor, daß der Mitangeklagte Ernst Lüders beauftragt war, den Lastzug mit Anhänger zu führen. Er hatte den Kraftfahrer August Schäfer ersucht, die Fahrt mitzumachen und die Führung abwechselnd zu übernehmen. Die Fahrt von Hamburg aus wurde am Abend des 18. März ange- treten. Nicht weit von Hamburg überholte der Fernlastzug zwei junge Pfadfinder, den Kaufmannslehrling Otto Koß aus Hamburg und den Lehrling Ernst Autzen aus Altona, bereit Bitte, mitfahren zu dürfen, entsprochen wurde. Auf der'weite­ren Fahrt wurde noch dem sich auf Wanderschaft befindlichen 21 Jahre alten Tischlergesellen Josef Jünnemann aus Bochum und in der Nähe von Hildesheim der 29 Jahre alten Verkäuferin Elly Metze aus Göttingen gestattet, auf eigene Gefahr mitzufahren. Für den Tischlergesellen Jünnemann und die Verkäuferin Metze war es eine Todesfllhrt; die beiden Pfadfinder wurden schwer verletzt. Anfangs ging die Fahrt glatt vor sich, bis in Witzenhaüsen die Oeldruckbremse einer Reparatur unterzogen werden mußte. Diese Reparatur mit ihren Folgen war die Ursache des tragischen Unglücks, da der Führer des Lastkraftwagens es unterlassen hatte, die Luftventile zu öffnen und die sich angesammelte Luft herauszupumpen. Hier­durch ergab sich auf der weiteren Fahrt noch manche Störung, da die Oeldruckbremse nicht mehr zuverlässig funktionierte. Die drei männlichen Fahrgäste wurden ersucht, zu ihrer eigenen Sicherheit sich vom Anhänger auf den Motorwagen zu begeben, während das Möd'-n zwischen den beiden Kraftfahrern Platz genommen hatte. Als sie am 20. März gegen 11 Uhr die stark abschüssige Straßenstrecke bei Mottgers erreichten, geriet bei der Fahrt zu Tal der Lastzug in immer größere Geschwindigkeit, der Fahrer Schäfer sprang ab, um einen Bremsklotz vor die Räder zu werfen, kam jedoch zu Fall und verletzte sich; die Bremsen versagten, der Lastzug geriet auf einen Acker und an einen Ab­hang; der Motorwagen stürzte hinunter, überschlug sich unb würd total zertrümmert, bei Anhänger war stehen geblieben. Das Unglück war von Straßenarbeiter bemerkt worden; Hilfe war bald zur Stelle. Der Kraftfahrer Lüders war im Führer­sitz eingeklemmt und konnte befreit werden. Er war unverletzt. Das Mädchen lag unter dem Lastauto und konnte nur nach schwerer Arbeit befreit werden. Sie war tot. Der Tischler Jünnemann war durch die mit abstürzenden Eisenfässer schwer verletzt worden und starb nach seiner Einlieferung in das Schlüchterner Krankenhaus. Die beiden jugendlichen Pfad­finder waren gleichfalls herabgeschleudert worden und hatten Armbrüche und andere Verletzungen davongetragen. Die Per­sonalien des tödlich verunglückten Mädchens konnten erst nach einigen Tagen festgestellt werden. Vom Sachverständigen wifrbe als Ursache des Unfalls das Versagen der Oeldruckbremse be­zeichnet. Der Staatsanwalt beantragte gegen beide Angeklagte je einen Monat Gefängnis. Das Gericht sprach den Kraftfahrer Schäfer frei und verurteilte, da nur ein Führer für das rich­tige Funktionieren der Bremsen verantwortlich zu machen sei, den Kraftfahrer Lüders zu 300 RM. Geldstrafe.

x. Tann (Rhön), 12. Jan. (Die Stadtväter tagten.) In der gestrigen Stadtverordnetensitzung würben die Neuwah­len des Büros der Stadtverordneten und des Magistratsbeige- orbneten vorgenommen. Auf Vorschlag des Stadtverordneten­vorstehers K a in m e r d i e n e r wurde die Wahl eines Magi­stratsschöffen von der Tagesordnung abgesetzt, weil vier bürger­liche Mitglieder nicht erschienen waren. Sie hatten einen Brief mit folgende in ^-Inhalt übersandt:Wie aus der Einladung her­vorgeht, haben Sie infolge Ihrer derzeitigen Machtposition die neuzubesetzenden Aemter bereits verteilt. Die Stadtverordneten Hollenbach, Hofmann, Giebson und Marquardt halten ihr Er­scheinen deshalb für überflüssig. Der Unterzeichnete ist beauf­tragt, dies der Versammlung mitzuteilen. gez. Marquardt." Für den Posten des Beigeordneten war Lehrer Georg Schaefer vorgesehen, der der bürgerlichen Fraktion nahesteht und bisher mit ihr zusammengearbeitet hat. Durch dieses Schreiben entstand nun eine schwierige Lage, denn Herr Schaefer war anfangs nicht bereit, sich von der Sozialdemokratie wählen zu lassen. Nach Verlesen des Schreibens wurde der Stadtverordnete Karl Rommel, der der sozialdemokratischen Fraktion angehört, neu eingesührt und verpflichtet. Danach wurde zur Wahl des Büros geschritten. Außer den sieben Sozialdemokraten war nur noch der bürgerliche Stadtverordnete Max Michel Freudenthal anwesend, der von seinen Frak­tionskollegen nicht von ihrem Schreiben benachrichtigt worden war. Zum Stadtverordnetenvorsteher wurde nun einstimmig der bisherige Vorsteher Kammerdiener wiedergewählt. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wird, nachdem Herr Freu- d e n t h a l gebeten hätte, von seiner Wahl Abstand zu nehmen, Herr Johann Weisenborn gewählt. Zum ersten Schrift­führer wird dann Herr Hilgen gewählt unb zum zweiten Schriftführer Freuden t h a l. Alle Wahlen waren ein« stimmig. Nun wird zur Wahl des Beigeordneten geschritten.: Vorgeschlagen wird Herr Lehrer Georg Schaefer. Er wirb- auch ohne weitere Debatte von den anwesenden acht Stadt-- verordneten einstimmig gewählt. Bürgermeister Oetzel gibt für ihn die Erklärung ab, daß er nach wie vor politisch auf der bürgerlichen Seite steht. Nach den Wahlen gab Herr Bürger-- meister Oetzel einen lleberblick über die finanzielle Lage bcr' Stadt. Er teilte mit, daß der Magistrat beschlossen habe, zur Ausbalancierung des Etats, das Eineinhalbfache des Landes­satzes der Bürgersteuer zu erheben. Er hat hierüber an die! Regierung Bericht erstattet. Der Herr Regierungspräsident ver­langt aber, daß das Dreifache erhoben wird, da die Stadt sonst: aus dem Verwaltungswege gezwungen werden müsse, die er­höhte Bürgersteuer einzuführen. Auf eine Anfrage teilt Bür­germeister Oetzel mit, daß schon vor Weihnachten mit dem UcberlanbweitRhön" Verhandlungen begonnen worden sind betreffs Senkung des Strompreises. Die Verhandlungen wer­den fortgesetzt. 'Zum Schluß wurden noch einige Fragen über Preisabbau gestellt.

* Kaltennerdheim (Rhön), 13. Jan: (Großer Rhön- bauerntag in Kaltennordheim.) Der Kreislandbund veranstaltete hier einen grcßen Rhönbauerntag. Der weite Ver­sammlungsraum war überfüllt. Der Versitzende bei Ortsgruppe, Landwirt Helmbold, hieß die Erschienenen will kommen. Anstelle Les verhinderten Staatsministcrs Baum sprach Landtagsabg. Eckstein markige Worte an die Versammelten. Er schilderte m beredten Worten, wie cs zu den heutigen millc en Verhältnis­sen- kommen konnte. Jetzt endlich raste man sich auf, um das zu tun, was schon längst hätte geschehen müssen. Besonders wandte er sich gegen die Sozialdemokratie, die Las Prioatkapi- tal im mittel-ständigen Sinne untergraben habe. Er rief schließlich zu treuem Zusammenhalten bei den- kommenden schweren Auseinandersetzungen auf. Es gelte das Vaterland auf nationaler und christlicher Grundlage wieder aui ubauen. Der ftürmifdn Beifall der Versammlung wurde zu einem Be­kenntnis in diesem Sinne. Anschließend fand noch eine Aus­sprache über Einzelfragen statt, wobei dem Landtag:abg. man­cher Wunsch mit auf den Weg gegeben wurde.

* Mellrichstadt (Mim), 13. Jan. (Erfolgreiche Tä­tigkeit eines Rh ü n k l u b z w e i g v e r e i n s.) Das letzte Jahr war für den hiesigen Rhönkluè, zrveigverein recht er« fciqrerch. Die einzelnen Veranstaltungen und Wanderungen satten sich, wie in der Hauptversammlung mitgetrrlt nuroe, eines regen Interesses zu erfreuen. Die Einnabmen betrugen 1 088,37 und die Ausgaben 1 080.11 Mark. Der Verm-cgensaus- weis' zeigt einen Bestand von- 1482,26 Mark.

* Bad Salzungen, 13. Jan. (Das Wetzhaus dem Rhönklub gesündigt.) Das ehemalige Jagdhaus des Herzogs- Georg II. auf dem Pletz bei Salzungen, das von dem Rbünklub-"weigvcrein als. ^cigwir^^ wird, e!l

fett wieder f'orstfiekaliicken Interessen dienstbar gemacht wer­den Der Mietvertrag ist zum 1. Juli gekündigt werden. Von­seiten des Rhüullubs und seiner Freunde feil versuch- werden, bas Haus, zu dem auch ein schöner Aussichtsturm gehört, sei--' nein bisherigen Zweck zu erhalten.