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Nr. 6 Freitag, 8. Januar 1932

Die riesigen Scheikiimsätze der Sllarels.

Geschäfte mit vordatierten Schecks.

Im Sklarek-Prozetz erörterte das Gericht den weiteren Geschäftsverkehr der Sklareks mit der Berliner Stadtbank. Schecks der Sklareks wurden v o r 0 a t i e r t und dienten dann als Unterlagen für Kreditgewährungen bei der Stadtbank. Leo und Willi Sklaret erklärten, daß sie sich um den Scheckverkehr nicht gekümmert hätten. Das ____sei Sache von Max Sklarek gewesen. Der Buchhalter Lehmann sagte dann, die Sklareks hätten sich von ihren Freunden Blankoschecks aus- stellen lassen und hätten die Schecks dann giriert und der Stadtbank eingereicht, die sie honoriert hätte, gleichgültig, ob die Schecks vordatiert gewesen seien oder nicht. Die Sklareks hätten dafür ihren Freunden Schecks in gleicher Summe auf die Stadtbank ausgestellt, so daß schließlich niemand geschädigt worden sei. Der Vorsitzende stellte fest, daß sich die Scheckumsätze der Sklareks bei der Stadtbank

auf 180 Millionen Mark belaufen haben.

Auf Befragen sagte Leo Sklarek aus, daß er nach der Haftentlassung von Freunden, die den Rechtsparteien nahestanden, unterstützt worden wäre, während Die Freunde von links die Sklareks im Stich gelassen hätten, was ihn schwer enttäuscht habe. Seiner Ansicht nach habe die Stadtbank durch den riesigen Scheckverkehr verdienen wollen. Die Stadtbankdirektoren hätten genau wissen müssen, daß es sich hier um Illusionen handele, denn es fei natürlich unmöglich, daß ein Kunde täglich 300 000 Mark Umsatz habe. Schließlich wurde noch festgestellt, daß der Umsatz mit vordatierten Postschecks, die bei der Stadt­bank ins Depot gegeben wurden, in den Jahren 1927 bis 1929 etwa 27 Millionen Mark betrug.

*

Max Sklarek umgezogen.

Der Hauptangeklagte im Sklarek - Prozeß, Mar Sklarek, der bisher nicht zur Verhandlung erscheinen konnte, weil er nach Ansicht der Ärzte infolge schwerer Krankheit weder vernehmungs- noch beförderungsfähig ist, hat vor wenigen Tagen am Kaiserdamm eine neue Siebenzimmerwohnung bezogen. Der Kaiserdamm ge­hört zu den teuersten und elegantesten Wohnvierteln Berlins. Der Umzug ist angeblich aus Ersparnisgründen erfolgt. Bisher hatte Max Sklarek eine Villa inne.

Der Lalmette-proze« bis Montag vertagt.

Im Calmette-Prozeß erörterte man die Frage, ob Oberarzt Dr. Jannasch als Zeuge zu vereidigen sei. Rechtsanwalt Dr. Wittern beantragte, die Ver­eidigung auszusetzen. Oberstaatsanwalt Dr. Lienau erklärte, daß man, da die Anklage gegen die Beschuldigten nur auf fahrlässige Körperverletzung laute und eine Bei­hilfe dazu nicht strafbar sei, Dr. Jannasch nicht mit an­geklagt habe. Das Gericht beschloß alsdann die Ver­eidigung. Hierauf wurde die Verhandlung a u f Montag nachmittag, 14^ Uhr, vertagt.

Gchanhaèkwan besetzt.

Japan an der Chinesischen Mauer.

Japanische Truppen besetzten die Stadt Schanyaik- ^amit haben die japanischen Truppen die Chine- stsche Mauer erreicht.

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27) (Nachdruck verboten.)

»Da muß ich mich erst stärken!" Der junge Minnesänger mit dem Samtbarett rückte näher an Herrn Friedrich Wilhelm Stürmer heran, ließ sich von dem mildtätigen Pater den Römer neu füllen und stimmte dann seine Laute: „Wie ist es, Nixchen — ein Duett?"

Das Rheintöchterchen lächelte: „Un' was kriech ich zur Be­lohnung?"

„Das dal" Der Troubadour faßte das Mädelchen um, gab ihm einen langen, heißen Kuß auf den rot-roten Mund: „Nur als Anzahlung ,,

„Hellmut!"

Der Wallensteiner Kriegersmann fuhr auf: „Junge! Schämst du dich denn nicht! Eine Dame, dis sich meinem Schutz anvertraut hat! Und . . . und Sie Fräulein." wandte er sich an die Zigeunerin: „Sie sehen das so ruhig mit an!" „Bawle net!" Die derbe Faust des Franziskaners drückte den alten Herrn auf seinen Platz nieder: „Kinner, er hat als manchmal so e Anfall von Altersverblödung, bitt' euch, wenn m r vierhunnert Jahr' alt is —."

.Zwei weiche, mollige Aermchen legten sich um Herrn Fried­rich Wilhelm Stürmers Hals, zwei weiche, warme Mädchen- lippen, küßten ihn herzhaft auf den Mund:

„Sei net jaloux, gelt? M'r wolle doch fei Spielverderber

• un Rosenmontaa is als nur einmal im Jabr!"

Der Schäfer und die Schäferin, das holländische Meisje, der Bajazzo, die kleine Zigeunerin, der ehrwürdige Pater, die tugendsame Patrizierin und der gestrenge Herr Feldobrist schwenkten begeistert ihre Römer.

„Vinum bonuml Vinum bonuml Vinum bonum!"

Und dann geschah etwas höchst Merkwürdiges: Herr Fried­rich Wilhelm Stürmer beugte sich vor: „Nixchen! Du aller­liebstes Nixchen! Darf ich um den nächsten Walzer bitten?"

„Ei warum net!" lachte das Mädelchen, spitzte das Münd­chen: „Schau als, dafür sollst noch e Kllßche hâwe — Kinner, m'r wolle danze!"

Selbst der fromme Franziskaner schwenkte die Kutte — nur zwei blieben in der Laube zurück —: Frau Stürmer und der Troubadour . . .

„Junge! Mein lieber, lieber, guter Junge!"

„Muttchen!"

«Aber nun sag' rasch — welche ist denn deine Lou?"

„Hast du sie nicht erkannt?!" Ein Lachen, so recht jugend- sellg und hoffnungsfroh. „Dann warte nur bis zur De­maskierung!"

Da kam der edle Wallensteiner schon wieder:

»Zu dumm! In dem engen Küraß kann man ja nicht

Und nun Sturm...!

Roch immer Hochwasser.

Sturmschäden in Deutschland, England und Frankreich.

Die Hochwassergefahr in Dessau ist noch nicht über- Wunden. Dämme, die die sogenannte „Wasserstadt" vor der Elbe schützet beginnen weich zu werden. Wenn die Dämme nicht halten sollten, ist für die Stadtteile, die dahintcrlicgen, das schlimmste zu befürchten. Der Wasser- stand beginnt allerdings langsam zu fallen. Trotzdem ist der Druck der Fluten noch so stark, daß überall kleine Löcher entstehen, durch die Wasser durchsickert.

Im Emdener Hafen.

brachen infolge des Sturmes an verschiedenen Schiffen die Leinen, sodaß Schiffe und Kähne abgetrieben wurden. Im ostfriesischen Küstengebiet können infolge der Schnee­schmelze und der Regengüsse die Entwässerungskanäle die Wassermassen nicht mehr fassen. Teilweise sind die Dämme durchbrochen und weite Landstrecken überschwemmt wor­den. In zahlreichen Ortschaften steht das Wasser bis an die Häuser und hat zum Teil bereits die Keller überflutet.

Fünf Personen verschüttet.

In den Nordtirvler Alpen wehte ein starker Föhn, der die Lawinen- und Hochwassergefahr bedeutend erhöht hat. Am Patscherkofel bei Innsbruck brach ein Lawinen­brett los, das eine etwa 400 Meter lange Lawine auslöstc. Fünf Personen wurden in die Tiefe gerissen. Vier konnten sich selbst befreien. Der fünfte, ein Bankbeamter aus Innsbruck, wurde schwer verletzt.

Aus verschiedenen Teilen von Tirol wird Hochwasser gemeldet. So ist im Zillertal der Finsing aus den Ufern getreten. Das Wasser hat den Bahndamm unterspült, so daß die Gleise in der Luft hängen. Auch aus der Gegend des Walchsces bei Kufstein wird Hochwasser gemeldet.

Sturmschäden an der Nordseeküste.

Hochwasier im Ostgebiet.

Der Wcststurm, der in Stärke 11 über das norddeutsche Küstengebiet hinwegging, hat namentlich in Bremerhaven Schäden verursacht. Der Dampfer „Wakama" der Woer- mann-Linie hat in der Nähe vom Hoheweg-Leuchtturm auf der Außensee seine beiden Anker und die Kette ver­loren. Auf der Bremerhavener Reede verlor der Lloyd- dampfer „Mosel" Anker und Kette.

Nach einer Meldung aus Bremervörde ist die Oste an verschiedenen Stellen über die Deiche getreten und hat die Ländereien kilometerweit unter Wasser gesetzt. Da Teichbruchgefahr besteht, ist die Bevölkerung in Alarm­bereitschaft.

Über England und dem Kanal. wütete ein ungeheures Sturmwetter, das in vielen Landesteilen mit heftigen Regenfällen verbunden war und großen Schaden anrichtete. Die Windstärke bei den Scilly-Jnseln betrug über 150 Stundenktlometcr. Über dem Kanal herrschte eine durchschnittliche Windstärke von 90 bis 100 Stundenkilometern. Im Westen und Norden Englands sind viele Flüsse über ihre User getreten, so daß ganze Dörfer und weite Strecken Landes unter Wasser gesetzt wurden.

Auch die französische Nordküstc wurde von einem orkanartigen Sturme hciingesucht. Das Auslaufen des großen Dampfers „Paris" aus Le Havre mußte wegen des Unwetters verschoben werden. Der Küstenverkehr ist vollkommen lahmgelegt. In Lorient wurden SOS-Rufe eines großen französischen Fracht­dampfers aufgefangen, der sich aus offener See befindet. Auch in Brest wütete der Sturm mit ungeheurer Gewalt. Der englische Dampfer „Jersey City" hat SOS-Rufe aus­gesandt und gemeldet, daß er mit einer Maschinenhavarie zehn Meilen vom Leuchtturm Bishop-Rock entfernt hilflos ilmhertreibe.

„Also probieren wir's mal miteinander!" Der Minne­sänger legte den Arm um das Rheintöchterchen, wirbelte es rechts herum, links herum, chassierte, beugte sich nieder und flüsterte ganz nah an dem kleinen, niedlichen Ohr:

„Gewonnen! Ich wußt's ja! So ein Zigeunerle wie du kann hexen! Jetzt müssen wir meinen alten Herrn noch feste unter Alkohol fetzen — im Krieg, beim Pferdehandel und bei der Liebe ist jede List erlaubt!"

Weil er infolge der handlangen Anschnallsporen, des pressenden Stahlpanzers und der ungewohnten Stulpenstiefel das Tanzbein nur mangelhaft schwingen konnte, hielt sich Herr Friedrich Wilhelm Stürmer ân dem Enkheimer „Himmelreich" schadlos.

Die kleine Zigeunerin trank ihm zu:

„Soll ich dir als mal wahrsage?"

„Bitte!" Der Feldobrist streckte — immer noch etwas steif und förmlich — seine Hand über den Tisch.

Ganz ernsthaft studierte das braunlockige Mädel die Linien: „Arg reich bist un arg eig'bildtl Enne Fawrik hast un e kohlrawenjchwarzes, steinhartes Herz. — Net unnerbreche! ^etz redd ich! Awer de Gotter hawe dich mit Blindheit 9 schlage un in zwei Stund' wirst sehend werde! So—o!"

~ sehr schmeichelhaft klingt das gerade nicht!"

„Die Wahrheit ist meist etwas bitter!" sagte der Pater cha^eiifroh. „Trinke, du grimmer Krieger — da kommt auch

.m^er — sieh. lei lieb, fing ihm etwas vor!"

Als ob es so fein mußte setzte sich das weinlaubqeschmückte Phemtochterchen auf bte Knie des edlen Wallenstèiners und griff nach der Laute:

, „Wenn nur der Rhein nicht wâr' .

6 1 stnv der Sonnenschein , ' \

So strahlend darüber 6er,

Und der aoldene Wein!

„Herrlich! Famos! Großartig! Kind, wie heißt du denn?!" erkundigte sich Herr Friedrich Wilhelm begeistert.

„Nie sollst du mich befragen.

Noch Wissens Sorge tragen!"

trällerte das Mädelchen: „Pröstche! Na, is dees net e arg gut's Weinle?"

Der Feldobrist hielt seinen Römer zu erneuter Füllung hin. ; „Das Beste was ich je getrunken habe!"

„Kinner! E bissel mehr Stimmung!" ermunterte der Baia.zzo. „Hockt net beienand' wie bei 'ner Leich'! Los!"

Rosenmonlag, Faschmgszauber, mitreißende, harmlos rheinische Fröhlichkeit!---

Pärchen in jeder Nische, jeder Laube, heiße Worte, heißere Blicke unter schwarzseidenen Masken! Selbst die würdige Patriziersfrau aus dem 16. Säkulum taute auf, fand den Ton. der heute das Grundmotio war.

„Hochwürdiger Pater, o seht nur, wie der rauhe Krieger das arme Nixchen an sich drückt! Sprecht ein Machtwort und wisset: Der Ungetreue hat Weib und Kind!"

In Dänemark richtete der Sturm

große Verheerungen an. Die Schlafwagen der Schnellzüge aus Oslo und Schweden konnten nicht übergeführt werden. Der Deutschland-Erpreßzug kam mit größerer Verspätung an, weil die Fährverbindung zwischen den dänischen Inseln fast zur Unmöglichkeit geworden war. Da sehr viele Reisende mitgekommcn waren, mußte die Übersetzung über den Storström von zwei Führen vor­genommen werden. Eine der Fähren war ein Rad­dampfer. Er wurde einmal über das andere von der Strömung zurückgetrieben und war nicht imstande, die kurze Strecke zurückzulegen, so daß er schließlich die Fahrt aufgeben mußte. Ebenso schlimm erging es der zweiten dänischen Fähre zwischen Falster und ' Seeland. Eine sonst nur zwanzig Minuten dauernde Fahrt erforderte fast zwei Stunden.

In Kopenhagen wurde der Straßenbahnverkehr durch das Unwetter unmöglich gemacht. Glasschilder und Licht­reklamen wurden von den Dächern auf die Straße hin­untergeweht. Auch in Sonderburg hat das Stiirinwcttcr fürchterlich getobt.

Hochwasserschäden an der Eider.

Rendsburg. Ein Weststurin, der von starken Niederschlägen orgleitet war, bat im Eidergebiet schweren Schaden verursacht. Vor allem hatte der Ort Nübbel zu leiden. Die Deiche sonnten das Wasser nicht halten, so daß die meisten Häuser unter Wasser sieben. Die Bewohner wurden von dem eindringenden Wasser überrascht und mußten vor allem das Vieh aus den nassen Ställen bergen. Durch den Bruch der Deiche ist die ganze £rt- schasl Nübbel überschwemmt. Bei Prinzenmoor ist ebensalls ein Deich gebrochen. Auch von Hörsten wird Deichbruchgesahr gemeldet.

Hochwasser in Südslawèsn.

Nach starkem Schneefall und großer Kälte hat in Süd- slawien wieder Regenwetter eingesetzt. Die plötzliche Schneeschmelze ließ die Flüsse und Bäche stark anschwcttcn, Jo daß sie über die Ufer traten.

Eine besonders aufregende Nacht erlebten die Be­wohner einiger Dörfer am Toptschider Bach in der Nähe von Belgrad. Die Flut überspülte plötzlich die Dämme und drang in die Häuser ein. Die meisten Bewohner wurden im Schlaf vom Wasser überrascht und mußten von der Feuerwehr und von Pionieren in Sicherheit gebracht werden.

Schiffsunfälle.

Auf der Themse ist ein kleines Motorschiff unter­gegangen, unmittelbar nachdem die Mannschaft, die völlig erschöpft war, von einem Rettungsbooi übernommen worden war. In Medway ist das Beiboot eines Zer­störers gekentert. Ein Matrose fand den Tod in den Wellen. An der Südküste waren mehrere Fahrzeuge in starker Begrängnis. Zwei Rettungsboote stehen dem 4500 Tonnen großen griechischen Dampfer „Alexander" bei, der in der Dnngeneß-Bucht auf Grund geraten ist. Der 6300 Tonnen große Dampfer „Jersey City" trieb aus der Höhe der Scilly-Jnseln mit Maschinenhavarie. Der Zerstörer „Vendetta" mußte ebenfalls wegen Maschincn- Havarie nach Portsmontb einaeschleppt werden.

13 Todesopfer auf Bali und Lombok.

Nach Meldungen aus Batavia ist das Ausmaß cor Unwetterkatastrophe auf den Inseln Bali und Lombok hinter den Befürchtungen zurückgeblieben. Durch Sturm­und Hochwasser sind zahlreiche Brücken und Wege be-' schädigt oder zerstört worden. Das Hochtvasscr der Flüsse hat nach den bisherigen Feststellungen 13 Todesopfer ge­fordert. Die Bevölkerung hat viel Vieh und sonstiges Gut verloren, dagegen sind die weltbekannten Tempel und die übrigen Erzeugnisse der buddhistischen Kunst un* versehrt geblieben. Der an Wegen, Brücken, Telephon» und Telegraphenleitungen angerichtete Schaden wird auf, 200 000 Gulden geschätzt

zwinkerte vergnügt mit den Aeuglsin. „Aber der Himmel wird den Sünder strafen!"

Atemlos, erhitzt, selig traten der Schäfer und die Schäferin in die Laube.

»Och, ich muß als erst mal verschnaufe, drei Tänz' in einer Tour --"

„Trink, Kindchen, trink!" Der Rokokoschäfer lüftete ein klein wenig die Maske seiner Tänzerin. „Aber erst 'nen Kutz zur Abkühlung!"

Und siehe —: da küßten und kosten auch der Bajazzo und die siebenbürgische Zigeunerin, schmiegten sich ganz eng an­einander und bas braune Kind der Pußta seufzte verstohlen: „Bist m'r aach alleweil treu g'wese?!"

»Zu jeder Stund' mei Herzgebobbeltes!"

Herr Friedrich Wilhelm Stürmer riß die etwas wein- schweren Augen weit auf, lachte selig:

»Gott sei Dank — jetzt hat sie 'n anderen! Hurra! Ich behalte mein Nixchen! Ja — das wäre ein Schwieger- löchterchen!"

»Och, du alt' Schlechüschwätzer!" Die Kleine gab dem Wallensteiner Reitersmann erst einen Nasenstüber und dann einen Kuß: „Da bist letz! Ich haw als e Schatz, e ganz armer Bub', un wann ich emal heirat', muß 'r bei m'r blciwe, ich ach net wea von b’r Heimat, wo ick a'bore bin!"

„Jetzt noch e Walzer vor b’r Demaskierung!" Das Nixchen längte sich bei dem Troubadour ein, kam noch einmal zurück and gab dem Kürassierobristen einen herzhaften Kuß: „Damit du mich net vergesse duhst bis zum Widdersehe!"

Herr Friedrich Wilhelm Stürmer griff nach dem Arm des Paters:

„Du — wer ist dieses entzückende Geschöpfchen?"

„Wart als bis zur Demaskierung — alles wisse macht net glücklich!" sagte der Franziskaner und schenkte dem Wallen- iteiner neu ein.

Irgendwo zwölf dröhnende Schläge — Mitternacht.--■ Und nun eine helle Fanfare:

„Demaskieren, meine Damen und Herren!"

Herr Jean Marlow nickte dem Binche zu: „Darf ich bekannt Ttad)en: Herr Jakob Textor aus Offenbach und feine Braut. Fräulein Hannele Rösch," dabei zeigte er lächelnd auf den Laja,M neben der niedlichen Zigeunerin, winkte dann Schäfer und Schäferin heran: „Herr Werner Holst, dessen famoses „Aschenbrödel" du erworben hast, lieber Freund, und seine Verlobte: Fräulein Lisa Göpfert, bas reizende Modell zur „Gudrun".--Herr Friedrich Wilhelm Stür­mer aus Dresden neben Frau Gemahlin!"

„Aber wo ist denn . . .?" fragte der Großindustrielle und sah sich suchend um.

Gerade in diesem Augenblick schlenderte der Minnesänger in die Laube, streifte seine Seidenmaske ab, bot dem Wallen­steiner Reitersmann die Hand:

„Guten Abend, Papa, riesig nett, daß du dir den Betrieb vier auch einmal an siehst oder — führey dick Geschäfte her?"

(Schluß folgt.)