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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 6 1932

Fulda, Freitag, 8. Januar

9. Jahrgang

Der Weg nach Lausanne.

Konferenz in Raten.

In Berliner politischen Kreisen hält man cs aus Grund der letzten diplomatischen Verhandlungen für nicht unwahrscheinlich, daß eine Unterbrechung der Kon­ferenz in Lausanne erfolgen wird. Die Konferenz würde dann zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden.

In Berliner politischen Kreisen betont man, daß Deutschland alles Interesse daran habe, daß eine end- gültige Lösung der Tributfrage erzielt werde. Da zurzeit jedoch die Aussichten für eine Einigung mit den Alliierten nicht besonders stünden, und ein Proviso­rium höchst unerwünscht wäre, fdjcine es nicht aus­geschlossen, daß die Reichsregierung einem Pr 0 vis 0 - r iu m eine Unterbrechung der geplanten Tribut­konferenz vorziehe. Im übrigen lasse das Hoover-Mora­torium Deutschland ja bis zum Juli Zeit. Auch müßten die Alliierten erst Klarheit darüber gewinnen, wie künftig ihre Schuldenzahlungen gegenüber den Amerikanern ge­regelt würden.

DaS Hotel Beau Rivagc, in dem die deutsche Delegation während der Lausanner Konferenz Wohnung nehmen wird.

Borbereiiung aus Lausanne.

In Berlin.

In Berlin begannen die Besprechungen des Repa­rationsausschusses der Reichsregierung unter Vorsitz des Kanzlers mit den nach Berlin berufenen deutschen Botschaftern in Paris, London und Rom über die bevorstehende Tributkonferenz in Lausanne.

In Paris.

Die französische Regierung trat zu einem Ministerrat zusammen, um die großen Richtlinien festzu­legen, die die französischen Unterhändler aus der bevor­stehenden Lausanner Konferenz zu verfolgen haben. Der französische Botschafter in Berlin, Francois-Poncet, und auch der Generalsekretär des Autzenamtes, Berthelot, er­statteten Bericht über ihre Eindrücke in Berlin und in London. Ebenso trat der oberste Landcsve'tteidi- gungsrat unter der Führung des Ministerpräsidenten Laval zusammen, um die Richtlinien für die A b - r ü st u n g s k 0 n f e r e n z auszustellen.

In Lausanne.

In Lausanne sind die Vorbereitungen für die Konferenz und die Unterbringung der Delegation in vollem Gange. Das S ch l 0 ß h 0 t e l in O n ch y ist end­gültig als Verhandlumgsort bestimmt worden. Hier sollen alle kleinen Konferenzen und besonders auch die Sitzungen der Unterausschüsse stattfinden, während die eigentlichen Vollversammlungen im großen Festsaal des HotelsBea urivage" arbeiten werden. Die eng­lische und die französische Delegation werden mit ihren Sekretariaten im Schloßhotel wohnen, die übrigen Dele­gationen in den anderen Hotels. Man rechnet mit einer Teilnahme von etwa 200 b i s 300 Dele­gierten. Einzelne Delegationen werden in einer Stärke bis zu 70 Mitgliedern erwartet.

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Lanuariagung -es Reichstags?

Zu einmütiger Kundgebung in der Reparationsfrage.

Der Ältestenrat des Reichstages tritt bekanntlich am nächsten Dienstag zusammen, um zu dem kommunistischen Antrag auf sofortige E i n b c r u s u n g des Reichstages Stellung zu nehmen. Inzwischen ist auch von ch r i st l i ch s 0 z i a l e r Seite angeregt worden, eine kurze Reichstagstagnug im Januar abzu­halten, wenn es möglich wäre, sämtliche Parteien zu einer einmütigen Kundgebung in der Reparationssrage zu- sammenzuführen. Die Reichstagsparteien haben zu dieser Anregung natürlich noch nicht Stellung nehmen können, da Fraktioussitzungcn vorläufig nicht angesetzt sind und auch die Vorstände der Fraktionen sich noch nicht vcr- kammelt haben.

Aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß der Reichskanzler eine Parlamentstagung im Januar aus außenpolitischen Gründen nicht für notwendig hält, weil die ganze Welt genau darüber Bescheid wisse, wie einheitlich die Auffassung des deutschen V^keS in diesen Fragen sei.

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Die Tribut- und Abrüstungskonferenz.

England hält am 1 8. Januar fest.

Die Vereinigung der ausländischen Presse in London gab im Savoy-Holei dem englischen Außenminister Sir John Simon ein Frühstück, auf dem Simon über die politische Lage sprach.

Innerhalb der nächsten vier Wochen, so führte der Außenminister aus, würden drei große Konferenzen zu- sammentretcn. Der Zeitpunkt für die Tributlonfcrenz fei noch nicht endgültig festgelegt. Die englische Regierung würde es als eine große Erleichterung begrüßen, wenn die Konferenz sobald wie möglich eröffnet werden könne, da auch in England die Wiedereröffnung des Parlaments vor der Tür stehe. Wenn cs nicht gelinge, einen früheren Zeitpunkt, als den 18. Januar, oder einen Zeitpunkt etwa um den 18. Januar herum sicherzustcllen, so würden einige der Minister schwerlich teilnchmen können, obwohl sie den Wunsch dazu hätten.

Die Tributkonferenz werde kaum schon beendigt sein, wenn die Vertreier der Mächte von einem Ende des Genfer Sees zum andern hinüberwechseln müßten, um an der am 25. Januar beginnenden Sitzung des Völkerbund­rates teilzunehmen. Es sei möglich, daß hier einige sehr schwierige und besorgniserregende Fragen aufgeworfen würden, die Europa und Asien angingen.

Die dritte wichtige Konferenz sei die am 2. Februar beginnende

Hitler bei Brüning.

Der Reichskanzler empfängt Wer. Hindenburgs Präsidenlschaft soll ver­längert werden.

Reichskanzler Dr. Brüning hat im Beisein des Reichsinnenministers Dr. Groener am Donnerstag den Führer der Nationalsozialisten, Adolf Hitler, empfangen. Dieser Empfang Hitlers ist auf einen Wunsch des Reichs- Innenministers zurückzuführen, der den Führer der Ratio, nalfozialisten telegraphisch nach Berlin gebeten hat.

Die Aussprache zwischen' Brüning, Groener und Hitler bezog sich, wie in politischen Kreisen verlautet, auf die bevorstehenden innenpolitischen Entscheidungen, vor allem aber auf die Frage, ob die Amtszeit des Reichspräsidenten von Hindenburg, die im Mai d. I. abläuft, ohne die in der Verfassung vor- geschricbene Volksbefragung verlängert werden soll. In Kreisen der Reichsrcqicrung möchte man in Anbetracht der schweren außenpolitischen Entscheidungen, die die nächsten Monate für daS deutsche Volk bringen werden, von einem Wahlkampf um den Posten des Reichspräsi- denten möglichst absehen, zumal in den Frühjahrs- Monaten auch Neuwahlen für den Preußischen Landtag stattfinden sollen, die die politischen Gemüter außerordent- lich bewegen werden.

Hindenburg selbst soll, wie es heißt, nicht abgeneigt sein, seine Amtszeu verlängern zu lassen. Allerdings soll er an diese Verlängerung die Bedingung geknüpft haben, daß alle Parteien, von den Nationalsozialisten bis zu den Sozialdemokraten, für diese Amtsverlänge­rung sind. Der Empfang Hitlers durch Brüning und Groener soll nun Klarheit darüber gewinnen, ob die Nationalsozialisten geneigt sind, einer Verlängerung der Amtszeit Hindenburgs znzustimmen. Diese Verlänge­rung wäre nur auf dem Wege eines versass ungs- ändernden Gesetzes möglich, zu dem eine Zwei­drittelmehrheit im Reichstag und somit die Zustimmung der Nationalsozialisten notwendig wäre. In Kreisen der Reichsregierung glaubt man, daß die Sozialdemokraten damit einverstanden sein werden, wenn Hindenburg noch für ein paar Jahre Reichspräsident bleiben würde. Wenigstens deuten verschiedene Auslassungen in der sozialdemokratischen Presse aus diese Bereitwilligkeit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hin.

Es wäre wünschenswert, wenn die Öffentlichkeit über diese wichtigen innenpolitischen Vorgänge, wie sie der Empfang Hitlers durch Brüning und Groener darstellt, bald in ausreichendem Maße informiert wird, denn der Ausgang dieser Besprechung dürfte für die weitere Ent­wicklung der Innen- und Außenpolitik Deutschlands von allergrößter Wichtigkeit sein.

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Hitler teilt mit:

Von feiten der NSDAP, wird parteiamtlich, aus Berlin, mitgeteilt:

Adolf Hitler wurde am 5. Januar telegraphisch vom Neichsinnenminister Groener zur Besprechung nach Berlin gebeten. Der Führer hatte am 6. Januar abends mit dem ReichSinueiimimster und heute, am

Abrüstungskonferenz, wobei der Minister hinzufügte, daß mit allgemeiner Zu­stimmung versucht werde, an diesem Zeitpunkt festzuhalten. Es sei von allergrößter Bedeutung, daß aus jeder der vorerwähnten Konferenzen eine Lösung angestrebt werde, und daß man auch willens sei, eine solche zu finden. Selbst wenn die endgültige Lösung noch in weiter Ferne liege, so sollten doch alle Kräfte angespannt werden, um einen wirklichen und erheblichen Schritt nach vorwärts ruf dem Wege zu einer Lösung sicherzustellen.

Wir müssen, so schloß Simon, die Ursachen und Be- weggrüude unserer Handlungen gegenseitig verstehen lernen, und in diesem Geiste wird England sein Bestes zum internationalen Frieden beitragen.

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Praktische Pazifisten."

Staatssekretär S t i m s 0 n bezeichnete im Auswär­tigen Ausschuß des Washingtoner Repräsentantenhauses die Mitglieder der amerikanischen Abordnung für die Ab­rüstungskonferenz alspraktische Pazifisten". Gleichzeitig versicherte er, daß weder Washington noch die amerikanische Abrüstungsabordnung eine Erörterung der Frage der K r i e g s s ch u l d e n st r e i ch n n g in Genf z u l a s s e n würden. Die amerikanische Teilnahme an der Abrüstungskonferenz verpflichte die Vereinigten Staaten weder rechtlich noch moralisch zum Eintritt in den Völkerbund.

Goerdeler für Beseitigung der Tribute.

In der Sitzung der Leipziger Stadtverordneten er­griff Oberbürgermeister Dr. Goerdeler, der Reichs­kommissar für Preisüberwachung, das Wort. Nach den Erfahrung, die er als Preiskommissar in Berlin gemacht habe, sei das erste Erfordernis für die wirtschaftliche Ge­sundung in Deutschland die

völlige Beseitigung der Tribute.

Wenn die Tribute im Jahre 1932 nicht endgültig aus der Wirtschasts- und Zahlungsbilanz des deutschen Volkes verschwänden, dann könne weder bei den Arbeitnehmern noch bei den Arbeitgebern wirtschaftlicher Mut wiedcr- kebren.

7. Januar, nachmittags mit dem Reichskanzler Dr. Brü­ning und dem Reichsinnenminister Groener Be­sprechungen, deren Gegenstand die Frage der Reichsprä- sidcntcnwahl war.

Adolf Hitler hat sich eine Stellungnahme dem Reichs­kanzler gegenüber Vorbehalten, um vorher den Parteien der Nationalen Opposition seine Auffassung mitzuteilen.

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Die Besprechung, die Adolf Hitler bereits am Mitt­woch mit Reichsinnenminister Groener gehabt hat, ist bis Donnerstag abend geheimgehalten worden. Der Wunsch zu dieser Unterredung ging von Groener als dem füi Verfassungsfragen zuständigen Reichsinnenminister aus Die Donnerstag-Besprechung, an der auch Reichskanzlei Brüning leilnahm, fand gleichfalls im Reichsinnenministe­rium statt und dauerte von 16.00 bis 17.30 Uhr. Die Unterredungen wurden, wie von beteiligter Seite ver­sichert wird, in durchaus freundschaftlicher Form geführt

In unterrichteten Kreisen unterstreicht man den von dem Parteiführer der NSDAP, für seine Stellungnahme gemachten Vorbehalt einer vorherigen Fühlungnahme mit den übrigen Parteien der Nationalen Opposition.

Die sozialdemokratischen Führer beim Kanzler.

Berlin, 8. Ian. Der Reichskanzler empfing gestern um 21 Uhr die Vertreter der Sozialdemokratischen Partei, die Abgeord­neten Wels und Dr. Breitscheidt zur Rücksprache über die Frage der Reichspräsidentenwahl.

Neue Unterredung Brüning-Groener-Hitler.

Im Laufe des heutigen Freitags wird eine Aussprache zwischen dem Reichskanzler, dem Reichswehrminister Dr. Groener und dem Führer der Nationalsozialisten Adolf Hitler: stattfinden, deren Gegenstand im wesentlichen in­nerpolitische Fragen bilden. Dabei wird voraus­sichtlich das Verhalten der Nationalsozialistischen Partei zur Frage der demnächstigen Reichspräsidenten­wahl zur Erörterung gelangen.

5 666000 Arbeitslose

Starke Zunahme der Arbeitslosigkeit.

Wie die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung mitteilt, betrug die Zahl der Arbeitslosen am 31. Dezember 1931 rund 5 666 000. Das ist eine Zunahme von 316 000 gegenüber dem 15. Dezember.

Kleine Zeitung für eilige Leser

Reichskanzler Dr. Brüning hat den Führer der National­sozialisten, Adolf Hitler, zur Besprechung innenpolitischer Fragen empfangen.

* Die Zahl der Erwerbslosen betrug am Jahresende 5 666 000.

* I-m norddeutschen Küstengebiete, in England, Frankreich und Dänemark haben Stürme große Verheerungen angerichlet,