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Aah und Fern

O Diebstahlsversuch an Aman Ullahs Bruder. Der jüngste Bruder des ehemaligen afghanischen Königs Aman Ullah, der iGjübrigc Obeid Ullah, war in Berlin, wo er sich zurzeit aufhält, mit seinem Auto in ein Kino gefahren. Während das Auto gegenüber dem Kino stand, machte sich ein junger Mann in so verdächtiger Weise daran zu schaffen, daß er festgenommen wurde. Es handelt sich um einen 21jährigen Chauffeur, der offen zugab, baß er nu$ dem prinzlichen Auto eine Spazierfahrt machen wollte.

O Die Goethe Gedächtniswochc in Weimar beginnt am 20. März. Am 21. März wird in der Weimarhalle Thomas Mann sprechen, während am Ostersonntag an der gleichen Stätte Gerhart Hauptmann das Wort er­greifen wird. Voraussichtlich wird auch Walter von Molo al- Redner erscheinen. Die Goethe - Gedächtniswoche wird unter dem Protektorat des Reichspräsidenten von Hindenburg vom Rcichsministcrium des Innern, vom thüringischen Volksbildungsministerium, von der thürin­gischen Landeshauptstadt Weimar und von der Goethe- Gesellschaft gemeinsam veranstaltet werden.

O Die Gräfin als Krcditschivindlerin. Wegen umfang­reichen Darlchusschwindels würbe die 53 Jahre alte Gräfin Rosa NelsColoredo verhaftet, als sie die Berliner Charilè verließ, in der sie sich wegen eines Beinleidens befunden hatte. Gräfin Coloredo pflegte in Berliner Gesellschaftskreisen als künftige Millionenerbin ihres Onkels aufzutreten, der angeblich in Ungarn riesige Güter haben sollte. Es war ihr daraufhin stets gelungen, größere Darlehen zu bekommen.

O Mißglückte Banksprengung. Das Gericht in Nürn­berg verurteilte zwei junge Handwerker, die 15 000 Mark unterschlagen hatten und damit nach Monte Carlo ge­fahren waren, um die Bank zu sprengen, aber natürlich alles Geld verloren hatten, zu 14 und 18 Monaten Ge­fängnis.

O Ein Flugboot zweimal so groß wie die „Do X". Wie die holländischen Blätter berichten, ist man in einer Flug­zeugfabrik in Rotterdam mit der Ausarbeitung der Pläne für den Bau eines Flugbootes, das zweimal so groß werden soll wie das deutsche Flugboot „Do X", beschäftigt. Das neue Flugboot soll mit zehn Motoren von je 1000 PS ausgerüstet werden. Die Geschwindigkeit soll auf 210 Kilo­meter in der Stunde gebracht werden. Das Ladevermögen soll 42 Tonnen betragen bei einem Gesamtgewicht von 100 000 Kilogramm. Wegen der enormen Ausmaße soll das Flugboot auf einer Schiffswerft gebaut werden.

O „Der Staatssekretär des Kaisers von Abessinien" mit 700 gefälschten Reiseschecks. In einer Antwerpener Bank­filiale fand sich ein Neger mit einem Weißen ein, um einen Reisescheck einer kanadischen Bank in Höhe von hundert Psund Sterling zu wechseln. Dem Beamten kam der Scheck verdächtig vor. Man benachrichtigte die Polizei, und der Weiße verließ nun den Bankraum unter Drohun­gen. Als die Polizei erschien, fand sie nur noch den Neger, der sich als „Staatssekretär des Kaisers von Abessinien" auswies. Seine Papiere hatten nur den Fehler, nicht echt zu sein. Eine Leibesuntersuchung des „Staats­sekretärs" förderte 740 gefälschte Reiseschecks, die über je bunbert Pfund lauteten, zutage. Der Neger wurde in Haft genommen; er war zuletzt Portier in Amsterdam.

â Lehtling hat Entschädigungsanspruch beim Konkurs. Die gegenwärtige unsichere Wirtschaftslage, die so viele Ent­lassungen u. Betriebsschließungen zur Folge hat, mußte auch zu einer prinzipiellen Klärung der modernen Auffassung über die Rechte aus dem Lehrvertrage fuhren. Das Reichs arbeitsaericht hat daher in der letzten Zeit verschiedentlich sich mit der Auslegung von Lehrverträgen beschäftigt und auch in einer neuerlichen Entscheidung ein letztinstanzliches Erkenntnis über die Rechtswirkung des Lehrvertrages aus­gesprochen. Das Gericht sagt, daß der Lehrlingsvertrag zwar heute noch den Charakter des Lehrvertrages habe, daß er aber zugleich die Elemente eines Arbeitsvertrages enthalte und auch als ein solcher anzusehen sei. Mithin müsse, wenn der Lehrherr in Konkurs fällt, das Rechtsver­hältnis zwischen den Lehrvertragsparteien als ein in den Erwerbsgeschäft des Gemeinschuldners angetretenes Dienst­verhältnis angesehen werden, das unter _ den Satz 1 des § 22 der Konkursordnung fällt. Es bedürfe keiner grund- sätzlchen Entscheidung darüber, ob im übrigen diese Bestim­mung auf den Lehrvertrag angewandt werden kann weil sie an sich ein gesetzliches Kündigungsrecht voraussetzt, was dem Lehrvertrag fremd ist, ob also der Konkursverwalter das Recht hat, den Lehrling fristlos zu entlassen Wenn der Konkursverwalter dieses Recht für sich in Anspruch nimmt, und der Lehrling her grundsätzlich nichts einwendet, dann steht dem Lehrling ein Schadensersatzanspruch wegen der ausgesprochenen fristlosen Kündigung zu.

— Die Quinta mutz rauchen. Wer das noch nicht Wissen sollte: die Quinta ist in unseren höheren Lehranstalten eine der unteren Klassen, die von Jungen und Mädeln im Alter von etwa zehn und elf Jahren besucht wird. Und nun können wir richtig beginnen. In der Quinta bei Oberrealschule einer schönen mitteldeutschen Stadt sollte kürzlich die — Zigarette als Lehrgcgenstand eingeführi werden. Eine moderne Studienrätin, die wahrscheinlich selbst leidenschaftliche Raucherin ist, hatte ihren Quintanern geraten, in den enalischen Unterricht Zigaretten — ob in damit sie an richtigem Rauchzeug lernten, wie man auf damit sie an richtigem Rauchzeug lernten, wwie ^mn auf englisch zu sagen hat, wenn man: „Bitte um Feuer — Schmeckt die Zigarette?—Was kostet dieserGlimmstengel?" usw. sagen will. Dieser Anschauungsunterricht schien den kurzbehosten Quintanern außerordentlich zu gefallen, aber ihren Herren Eltern gefiel er minder und den über die Eltern gesetzten Vätern der schönen Stadt, den Herren Stadtverordneten, schon gar nicht. So geschah es, daß die rauchende Quinta in der Stadtverordnetenversammlung zum Gegenstände einer recht interessanten „Kleinen An­frage" gemacht wurde. Selbstverständlich wurde der über­modernen Studienrätin der freundliche Rat erteilt, ihre „Lehrgegenstände" etwas vernünftiger auszuwählen. Aber wie es nunmehr mit der Quinta wird, nachdem die Quin­taner nun einmal mit pädagogischer Erlaubnis Zigaretten- damps in die Luft geblasen oder in die Lungen eingesogen haben, das ist einstweilen noch nicht abzusehen ... Schade, daß nicht jedermann Gelegenheit hat, sich die famose Studienrätin anzusehen!

Schafe: al) 24—26, b) 20—23, c) 15—19. Schweine: 6) 40—43, c) 40—43, b) 38—42, e) 33—40. Aufgetrieben waren: Rinder 151, Kälber 811, Schafe 317, Schweine 410. Marktverkauf: Kälber und Schafe ruhig; Schweine schleppend.

Amtliche Berliner Notierungen vom 6. Januar.

♦ Devisenbörse. Dollar 4,20—4,21; engl. Psund 14,12 bis 14,16; holl. Gulden 169,13—169,47; Danz. 82,02—82,18; franz. Franc 16,52—16,56; schmerz. 82,12—82,28; Belg. 58,54—58,66; Italien 21,33—21,37; schweb. Krone 80,02—80,18; dän. 78,12 bis 78,28; norweg 77,17-77,33; lschcch 12,47-12,49; österr. Schilling 49,95—50,05; Argentinien 1,04—1,05; Spanien 35,66 bis 35,74.

* Produktenbörse. Die erhöhten Weizenpreise brachten mehr Material hervor. Der Konsum zog sich vom Markt zurück, so daß die Preise nachgaben. Roggen wird besonders von der Provinz gefragt und ist nur sehr wenig angeboten. Die Promptnotiz lautete höher. Haser war ähnlich schwach wie Weizen. Gerste still. Mehl ruhig.

Getreide und Clfaaten per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Kilogramm in Reichsmark.

Weiz., mark, pommcrsch.

Rogg., mark. Braugerste Sommergst. yuttergerfte Wintergerste Hafer, märt, poinmerich. westpreuß Weizenmehl per 100 kg fr Berl br inkl. Sack 2'

Roggenmehl per 100 kg fr Berl br

6. 1. 5. 1.

221-223 222-224

187-189 185-187

153-165 153-165

148-152 148-152

134-142 134-142

',0-31,0 27,0-31,0

inkl. Sack 26,0-28,0 25,8-27,9

6. 1. 5. 1.

Weizkl. s. Bln. 8,7-9,0 8,7-9,0 Roggll. f. Bln. 9,0-9,5 9,0-9,5 Raps — —

Leinsaat — —

Erbsen, Vikt. 21,0-27,5 21,0-27,5 kl. Speiseerbs. 21,5-24,0 21,5-24,0 Futtererbsen 15,0-17,0 15,0-17,0 Peluschken 16,0-18,0 16,0-18,0 Ackerbohnen 14,0-16,0 14,0-16,0 Wicken 16,0-19,0 16,0-19,0 Lupine, blaue 10,0-12,0 10,0-12,0 Lupine, gelbe 14,0-15,5 13,5-15,5 Seradella 22,0-27,0 22,0-27,0 Leinkuchen 12,2-12,4 12,2-12,4

Erdnußkuchen 12,2 12,2

Trockenschtzl. 6,4-6,5 6,4-6,5 Soyaschrot 10,7-11,2 10,7-11,2 EorfmL' 30/70 - —

♦ Berliner Schlachtviehmarkt. (Amtlicher Bericht.) wurden für 50 Kilogramm in Mark: 5. 1.

Ochsen: 1. vollst, ausgemäst. höchst.Schlachtw., jg. ältere 2. sonstige vollfleischige jüngere

ältere

3. fleischige

4. gering genährte

Bullen: 1. jüngere, vollfl. höchst. Schlachtw.

2. sonstige voltfleischige oder ausgemästete

3. fleischige

4. gering genährte

Kühe: 1. jüngere, fleischige, höchst. Schlachtw.

2. sonstige vollfleischige oder ausgemästete

3. fleischige

4. gering genährte

Färsen: 1. vollfl., ausgemäst., höchst. Schlachtw.

2. vollflcischige

3. fleischige

Fresser: 1. mäßig genährtes Jungvieh

Bezahlt

2. 1.

37—38 37—38

Vermischtes

— Schwedens König dankt der evangelischen Gemeinde Oppenheim. Der König von Schweden hat mit Brief vom 28. Dezember dem evangelischen Kirchenvorstand Oppen­heim mitgeteilt, daß sein Hofmarschallamt ihm die Meldung machte über die Gedächtnisfeier zur Erinnerung an Gustav Adolf zu Erfelden am 6. v. M. mit der Kranzniederlegung durch die hiesige evangelische Gemeinde. Der König, der sich über diese Nachricht sehr gefreut habe, bringt in dem Brief seinen herzlichsten Dank zum Ausdruck.

Börse und Handel.

Frankfurter Getreidebörse vom 6. Januar. Die heutige Getreidebörse verkehrte in etwas befestigter Tendenz, wobei das bessere Mehlgeschäft in den letzten Tagen zu kleinen Deckungen der Mühlen führte, so daß die Preise für Brotgetreide um 2% Mark anzogen. Im Verlauf wurde das Geschäft jedoch merklich ruhiger, da die eher schwächeren Notierungen der Berliner Ge- teidepreise zur Zurückhaltung mahnten. Weizen 232.50, Roggen 217.50, Sommergerste für Brauzwecke 175, Hafer 147.50—155, Weizenmehl südd. Spez. 6 mit Äustauschweizen 35—36, do. Sondermahlung 33.25—34.25,, Weizenmehl Niederrhein. Spez. 0 mit Äustauschweizen 35—35.75, do. Sondermahlung 33.25—34, Rcggenmehl 0—öüprozentige Ausmahlung 30—31, Weizeni- kleie 8.00, Roggenkleie 8.75.

Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 7. Januar. (Nichtamt­licher Vorder acht.) Kälber: b) 37—42, c) 32—36, b) 27—31.

Kälber: 1. Doppellender bester Mast beste Mast- und Saugkälber

2. mittlere Mast- und Saugkälber

3. geringe Kälber

Schafe: 1. Mastlämmer u. jg. Masth. (Weidemast)

2. Mastlämmcr u. jg. Masthammel (Stallmast)

3. mittlere Mastlämmer, ältere Masthammel und gut genährte Schafe

Schweine: 1. Fettschweine über 300 Pfd. - 2. vollfl. Schweine v. etwa 240—300 Pfd. 5

3. vollfl. Schweine v. etwa 200—240 Pfd. (A

4. vollfl. Schweine v. etwa 160—200 Pfd. -

5. fleisch. Schweine v. etwa 120—160 Psd. ^

6. fleischige Schweine unter 120 Pfd. o 7. Sauen

33—36

30—32 22—28 29—32 27—29 25—26

22—24 23—27 19—22

15—18 12—14 32—33 26—30 21—24

20—25

50—57 32—48 20—30

38—41

33—36

30—32 22—28 30—32

28—29 26—27

23—25 25—28 20—24

16—19 12—14 32—84

27—30 22—25 20—27

50—57 32—48 20—30

38—39

36—38 35—37

44—45

41—45

38—42

46—47

45—46

42—44

35—3 t 39—40

Auftrieb: 1454 Rinder, darunter 258 Ochsen, 455 Bullen, 741 Kühe und Färsen, 38 zum Schlachthos direkt, 16 Auslands­rinder, 2550 Kälber, 12 zum Schlachthof direkt, 70 Auslands­kälber, 2905 Schafe, 387 zum Schlachthos direkt, 14 333 Schweine, 2201 zum Schlachthos direkt, 450 Auslandsschweine. Verlauf: bei Rindern mittelmäßig, bei Kälbern ziemlich glatt, bei Schafen glatt, bei Schweinen langsam

28) (Nachdruck verboten.)

Herr Jean Marlow schenkte den goldtopasfarbigen Bene­diktiner in die kleinen Gläschen, lehnte sich behaglich zurück und sog genießerisch an seiner Zigarre:

„Na also, mein Alter, es freut mich aufrichtig, daß du doch noch zur Vernunft gekommen bist."

„Was heißt zur Vernunft gekommen?" ereiferte sich Fried­rich Wilhelm Stürmer.

„Dein Besuch hier ist der beste Beweis dafür. Und-- weißt du, zu dem Schwiegertöchterchen gratuliere ich dir von Herzen!"

„Oho! Schwiegertöchterchen!" Der Großindustrielle bekam einen roten Kopf. „So weit sind wir noch lange nicht! Das Ansehen habe ich ja gratis. Als was will das Mädel übrigens den Ball besuchen?"

Ein ganz leises Lächeln.

„Wie mir Herr Holst verraten hat, wird das Zigeunerls getreu feinem Spitznamen als sehr niedliche Zigeunerin er­scheinen, sogar in einem stilechten, eigens aus Temesvar be­zogenen Kostüm."

„Na ja — Zigeunerwirtschaftl" Eine wegwerfende Hand­bewegung.

„Abwarten!" Herr Marlow kippte sein Gläschen: „Für dich habe ich die Uniform eines Wallensteinjchen Kürassieroffiziers besorgt. . ."

„Was?!"

„Ja, natürlich, irgendeine Maske mußt du doch tragen, ich selbst kostümiere mich als Franziskanerpater, nachher pro­bieren wir an."

„So ein Unfug! Man kommt sich ja vor wie ein Clown!" Der Bankier legte seine Hand auf das Knie des Freundes:

„Lieber Alter, im täglichen Leben müssen wir so oft un­freiwillig uns selbst und anderen Komödie vorspielen, da meine ich — an einem Tage im Jahr haben mir das Recht, das scheinen zu dürfen, was wir unserem innersten Wesen nach sind — na — Pröstchen!"

Drüben, in dem Erker, tuschelten Frau Stürmer und das Binchs, tranken Kaffee aus blattdünnen, alten Sevrestassen und blickten sich lächelnd, wie in geheimem Einverständnis, an.

„Und welche Verkleidung hat mein Herr Filius gewählt?" fragte Friedrich Wilhelm Stürmer.

Marlow zuckte bedauernd die Achseln:

„Ja — wenn ich das wüßte! Ich vermute fast als Bajazzo . . ."

„Das wäre sehr passend!"

„Aber ich bin meiner Sache nicht ganz sicher. Holst wußte jedenfalls nichts Bestimmtes."

„So ein dämlicher Bengel!" Der alte Herr paffte wütend vor sich hin: „Pfeift auf seine ganze Zukunft, drapiert sich .als verkanntes Genie, setzt 'nen Dickkopp auf."

„Den hat er von dir! Und was seine Zukunft anbetrifft, da wollen wir doch erst mal die Aufführung der Operette abwarten . .."

-,Wenn nur die Geschichte mit dem Mädel nicht wäre . . .”

„Du meinst Fräulein Bender? Da kann ich dich beruhigen. Sabine und ich verkehren sehr gern dort, die Damen waren auch schon ein paarmal zum Tee bei uns — hätte ich 'nen Sohn, so würde ich mir Glück wünschen, wenn er mir ein so bildhübsches, häusliches, an Leib und Seele kerngesundes Schwiegertöchterchen zuführen würde!"

Herr Stürmer zerdrückte die erst halb aufgerauchte Zigarre im Mchebecher:

„Mit anderen Worten: Ich bin ein Rabenvater, ein ver- troddelter Jubelgreis ..."

„Ganz so scharf würde ich das nicht ausgedrückt haben." Herr Jean Marlow lächelte liebenswürdig: „Und wenn es dir nun recht ist, probieren wir unsere Kostüme an."

*

Eine dichte Menschenmauer umdrängte die Auffahrt, an Der in endloser Reihe die Kraftwagen hielten. Fräulein Sabine schlüpfte aus der Limousine, nickte den beiden Herren noch einmal zu und ging dann hinter Frau Stürmer her nach der Damengarderobe.

„Verflucht! Das preßt ja niederträchtig!" Der Besitzer der weltberühmten Stürmerwerke versuchte den engen Küraß etwas weiter zu schnallen, aber das war ein untauglicher Ver- Pch. am untauglichen Objekt, und dabei roch der vergilbte Stoff der Unterfütterung so intensiv nach Mottenpulver, daß Herr Friedrich Wilhelm niesen mußte. —

Drinnen in dem riesigen Festsaal eine erdrückende Menge, strahlende Lichtgarben, weiße. rote, blaue, grüne, gelbe Farben flecke, schwarze Seidenmasken, blendende Frauen­schultern, leuchtende Augensterne, funkelnder Schmuck» schwül und schwer die Luft trotz der rauschenden Ventilatoren, und dazwischen die Klänge der konzertierenden Kapelle, walzende Paare. —

„Autsch!" Irgend jemand hatte Herrn Stürmer sehr empfindlich gegen das Schienbein gestoßen.

„Platz, süßer Pöbel! Platz!" Der Franziskanerpater bahnte den Damen einen Weg bis zu einer von Reblaub umrankten Nische, in der ein blendend weißgedeckter Tisch mit dem Ver­merk „Besetzt" stand.

Ein wenig ängstlich, ein wenig befangen drückte sich Frau Stürmer, im Kostüm einer Patrizierin aus dem 16. Jahr­hundert in die dunkelste Ecke. —

Aber da verdunkelte auch schon ein Schatten den Eingang, geschäftig trat der Kellner heran:

„D' Herrschaft? b'sehle?"

„Enkemer Himmelreich, Goldtröpfche!" bestellte der hoch­würdige Pater im unverfälschten Dialekt.

„Enkheimer.. .chas ist doch nicht etwa ...?"

Der Franziskaner schmunzelte:

"Sehr sogar! Ah--als nor hereinspaziert, m'r hawe noch viel Platz da!"

Es war eine ganze Gesellschaft: Ein Bajazzo in rot und weiß, neéen ihm, ein bissel verschüchtert. eine zierliche Zigeu­

nerin, dann ein Schäfer und eine Schäferin im Rokokokostüm, ein Troubadour mit umgehängter Laute und hinter ihm. im eng anliegenden, silberschuppigen Kostüm, grünes Reblaub im Haar, eine Rheinnixe —

„Ha!" Der Bajazzo setzte sich ungeniert neben Fräulein Sabine, die als holländisches „Weisse" allerliebst ausiah: „Nu' fehlt nix mehr zur Seeligkeit, e Pater Ham m’r als, den hat sich der "als Wallensteiner mitg’nomme, zum Secours, damit 'r net in d' Höll' kommt!"

Herr Friedrich Wilhelm Stürmer wollte protestieren:

/«Erlauben Sie mal. . ."

' „Och, der ts als gut! B'stellt un net abg'holt! Du bist wohl net von hier, G'vatter?"

„Menschenskind! Beim Fasching wird doch gedutzt!" raunte Herr Jean Marlow seinem Freund zu: „Tu m'r de eine Lieb un blamier dich net!"

Der grimmige Kürafsierobrist musterte wütend die Neu­angekommenen. — So—0--also das war das berühMte Zigeunerle ... na, wie man daran etwas Besonderes finden konnte! Und der Bajazzo? Sollte das wirklich Hellmut sein?! Wenn nur die dämlichen Masken nicht wären und der ganze alberne Mummenschanz! — . .

Ein dumpfes Poltern. Da rollten zwei Kellner ein Fäß­chen in die Ecke, befestigten den Saugheber, stellten die Römer auf den Tisch. .„ , , , ,

„Mitqegange, mitgefange, mit gelange! sagte der ehr­würdige Pater und schenkte di« Gläser voll: „Da, du kiel Rheintöchterche, trink' dem Simpel da hint« zu, weißt, der lebt äUeroeil noch seit dem Dreißigjährigen Krieg, weil 'r kein' Geist zum aufgeme hat . - ."

„Du! Das verbitte ich mir!" Der Wallensteiner fuhr hoch, stieß krachend an den Tisch und plumpste schwerfällig zurück

Eine dröhnende Lachsalve:

„Och, was e goldig Närrche!" Wupps, saß die silberschuppige Nixe Herrn Friedrich Wilhelm Stürmer auf den Knien, tät­schelte ihm liebreich die Wangen und nippte an dem Römer:

.Gesegn' es Gott!"

Ganz warm wurde es dem Feldobrist unter dem blinken­den Karüß, ganz eigen und absonderlich.

„'S ist eine ber besten Gottcsgaben,

So ein lieb' Ding im Arm zu haben!"

Der Franziskaner lächelte wohlwollend:

„Enkemer Himmelreich, Goldtröpfche. Creszenz Bender! Auf die Stunde und das, was sie am lieblichsten uns schmückt!"

Tiefsinnig trank der Bajazzo sein Glas bis zur Nagelprobe leer,

„M'r fin, so will eS mich bebinte,

E sunnerbarer Menscheschlag; / . .

Sin m'r lustig, duhn m'r drinke,

„ Sin m'r traurig, drink' m'r auch!"

Wie Feuer rann der Cdelwein durch die Adern, löste die Herzen, die Zungen .. -

„Och, liemer Troubadour, spiel' doch e Liedchel" bettelte die niedliche Holländerin.

(Fortsetzung folgt.!