Einzelbild herunterladen
 
  

I Möser Ptyeiser ^â / «Ml

M 5 Donnerstag, 7. Januar 1982

Anschlag auf das italienische Konsulat.

Im italienischen Konsulat in Lugano (Schweiz) wurde im Korridor ein Paketchen gefunden, in dem sich zwei etwa zehn Zentimeter lange, mit nicht angebrannten Zündschnüren versehene Metallzylinder befanden, die als eine Art Knallvatrone angesehen werden.

Ärabflimmung über den Berliner Sar> und Wafferarbeilerstreik.

Die Funktionär- und Obleuteversammlung der städtischen Arbeiter befaßte sich mit dem Vorschlag des Magistrats, nach dem am 1. Januar 1932 die durch die Notverordnung vorgeschriebene Lohnkürzung nm 10 Pro­zent durchgeführt wird, und daß die Lohnkürzung um 2 Pf. je Stunde zur Angleichung an die Gemeindearbeiter­löhne erst allmählich Platz greifen soll. Während sich die Vertreter der Berliner Verkehrsgesellschaft mit dem Vor­schlag einverstanden erklärten, beschlossen die Vertreter der Gas- und Wasserarbeiter, in ihren Betrieben eine Urabstimmung über einen Streik durchzu­führen. Die Abstimmung muß bis Sonnabend be­endet fein.

rjL'jjg" ,p ..j.-aga

1000 Mark statt 1 Million.

Eine Enttäuschung aus Amerika.

Der Freude über eine amerikanische Millionenstiftung für die Mainzer Welt-Goethe-Ausgabe ist eine • bittere Enttäuschung gefolgt. Es wird jetzt bekannt, daß die beiden amerikanischen Institute, die Carnegie-Stiftung und die Columbia-Universität, nicht 500 000 Mark, sondern je 500 Mark für die geplante Goethe-Ausgabe ge­stiftet haben. Es dürfte sich bei der Weitergabe der Meldung aus Amerika nicht nur um einen Über­mittlungsfehler handeln, sondern es müssen auch noch andere Mißverständnisse vorgelegen haben, denn auch bei Professor Kleukens-Mainz, der im Auftrage der Stadt Mainz an der Herausgabe der SObändigen Welt-Goethe- Ausgabe arbeitet, war eine Benachrichtigung über eine Stiftung der beiden Institute in Höhe von insgesamt einer Million Mark eingegangen.

Selbstverständlich wird durch die neue geldliche Lage das Werk und seine Durchführung keineswegs betroffen, da auch ohne diese Stiftung durch die große Zahl der in- und ausländischen Protektoren die, Goethe-Ehrung bereits sichergestellt war.

Bauernttagödie in poriugaL.

Sechs Todesopfer.

In Baja bei Lissabon hat sich eine furchtbare Bauerntragödie abgespielt, der sechs Personen zum Opfer fielen. Ein Landarbeiter, Antonio Mattos, war wegen Gerstendiebstahls im Gefängnis. Als er zurückkchrte, hatte sich seine Frau erhängt. Aus Rache suchte Mattos den Landmann, der ihn angezeigt hatte, in seinem Gehöft aus und erschoß nicht nur ihn, sondern auch dessen Mutter und Bruder.

Mattos kehrte dann in sein Haus zurück, wo er von Polizei umzingelt wurde. Er schickte seine Kinder fort, verrammelte alle Türen und Fenster und leistete der Polizei Widerstand. Es kam zu einem Feuergefecht, rn dessen Verlauf Mattos den P o l i z e i ch e f t ö t e le hho mehrere Polizisten verwundete. Erst nachdem Ver­stärkung mit Maschinengewehren eingetrckffen war, wurde Mattos durch eine Kugel getötet.

Die Post wird billiger.

Ab 15. Januar neue Postgebühren.

Neudruck von Postkarten und Briefmarken.

Im Amtsblatt des Neichspostministeriums ist jetzt die Verordnung zur Änderung der Postordnung veröffentlicht worden, mit der die kürzlich beschlossenen Gebühreusenkun- gen für Fernbriefe, Fernpostkarten und Pakete bekannt- gegeben werden. Die Ermäßigungen treten am 15. Januar in Kraft.

Es werden also künftig erhoben: 1. für Briefe im Fernverkehr bis 20 Gramm 12 Pf., über 20 bis 250 Gramm 25 Ps., über 250 bis 500 Gramm 40 Pf.; 2. für Postkarten im Fernverkehr 6 Pf.; 3. für Pakete je nach Gewicht und Entfernung, zu denen bei Nichtabholung eine Zustellgebühr von 15 Pf. für jedes Paket hinzutritl, die auch vom Absender vorausgezahlt werden kann. Der Frcr- machungszwang für Postpakete wird gleichzeitig auf­gehoben, für nichtfreigemachte Pakete bis fünf Kilogramm einschließlich wird neben dem Fehlbetrag ein Gebühren­zuschlag von 10 Pf. nacherhobcu.

Die neuen Postgebühren erfordern auch neue Post­wertzeichen zu 6 und 12 Pf. Die Vorarbeiten in der Reichsdruckerei sind bereits soweit gediehen, daß in diesen Tagen mit der Herstellung der neuen Marken begonnen werden kann. Vor Ende des Monats ist mit der Aus­gabe dieser Marken kaum zu rechnen, da mehrere Mil­lionen Bogen gleichzeitig an rund 41 000 Postämter und Posthilfsstellen im ganzen Reiche versandt werden müssen. In der Zwischenzeit wird man sich mit 8-, 4- und 3-Ps.- Marken behelfen müssen.

Die bisherige 8-Pf.-Postkarte wird ganz eingezogen. Zuerst war geplant, die alten Karten durch Überdruck auf 6 Pf. abzuändern. Das hat sich aber als zu teuer heraus- geftellt und es werden völlig neue Karten gedruckt. Wer die bisherigen 8-Pf.-Postkarten bis zum 14. Januar nicht aufgebraucht hat, kann sie an den Postschaltern gegen Er­stattung des Betrages zurückgeben.

Die neuen Briefmarken zu 6 und 12 Pf. sind von der­selben Farbe, jedoch um eine 9luance anders als die bisherigen zu 8 und 15 Pf. Die 6-Pf.-Marke trägt wieder den Kopf des Reichspräsidenten Ebert und die zu 12 Pf. den Kops des Reichspräsidenten Hindenburg.

*

Vom 15. Januar an werden nur noch erworbene Karten gegen Wertzeichen im Betrage von 6 Rpf. und gegen Zahlung einer Gebühr von 1 Rpf. für das Stück umgetauscht.

Vor der Urteilsverkündung

im Calmette-Prozeß.

Beginn der Plädoyers Mitte Januar.

Im Calmette-Prozeß äußerte sich Professor Kleinschmidt zu den Tuberkulinproben bei den ver­schiedenen Kindern.

Der Prozeß, der bereits über zwölf Wochen an­dauert, dürfte, wenn keine unvorhergesehenen Zwischen­fälle, eintreten, Ende Januar beendet sein. Am 15. Januar sollen die Plädoyers beginnen. Die Urteils­verkündung dürfte dann in den letzten Tagen des Monats erfolgen.

Die verwechselten Leichcntcile.

Im weiteren Verlauf der Verhandlung konnte die Differenz zwischen dem Gutachten von Professor Schür­mann und dem Sektionsbefund von Tr. Wiener endgültig geklärt werden. Es stellte sich heraus, daß bei dem Darm des Kindes Neuner unbedingt eine Verwechselung vorgekommen sein muß. Professor Schürmann er­klärte, daß ihm anscheinend ein Darm gezeigt worden sei, der nicht z u m- K i n d e Neuner gehörte, mib mußte feststellen, daß Tr. Wiener in diesem Fall eine durchaus richtige Diagnose gestellt hatte.

Die Verhandlung wurde auf Donnerstag vertagt.

60 Jahre deutsche Briefmarke.

Die norddeutsche und die süddeutsche Ausgabe.

In kurzer Zeit, noch in diesem Monat, wird wieder eine neue deutsche Briefmarke ausgegeben werden: das Porto für Fernbriefe ist bekanntlich verbilligt worden, und so werden wir künftighin statt der Fünfzehn- eine Zwölfpfennigbriefmarke auf unsere Briefe zu kleben haben. Diese Zwölspsennigbricfmarke aber muß erst ge­druckt werden. Sie erscheint sozusagen in einer Jubi­läumszeit, denn es sind jetzt gerade 60 Jahre her, seit die „überhaupt erste deutsche Briefmarke" erschienen ist.

Tas deutsche Kaiserreich war zwar schon am 18. Ja­nuar 1871 gegründet worden, aber die deutsche Reichs- briefmarke trat erst ein ganzes Jahr später, am 1. Januar 1872, in Erscheinung, da es so lange dauerte, bis man über ihr Aussehen und ihre Art zu einer Einigung und zur Einigkeit gelangt war. Bis zur Schaffung oder Schöpfung der neuen Reichspostbriefmarke waren die Marken des Norddeutschen Bundes in Geltung geblieben.

Die ersten neuen Briefmarken galten als wunder­schön, und man muß schon sagen, daß sie sich seyen lassen konnten. Mancher von uns — ganz abgesehen von den Briefmarkensammlern — dürfte auf den Umschlägen aller Briefe noch ein paar solcher Erstmarken entdecken und seine Freude daran haben. Ta war in einem bunten Viereck ein weißer Kreis mit einem eingeprägten Adler. Darüber stand „Deutsche Reichspost", darunter die Be­zeichnung des Markenwertes. Hier aber fiel Deutschland schon ein bißchen auseinander. Da cs nämlich noch keine einheitliche deutsche Währung gab — die kam erst ein paar Jahre später —, gab es die Briefmarken in zwei Ausgaben, einer norddeutschen mit Wertangabe in Groschen und einer süddeutschen mit Wertangabe in Kreuzern. Bayern und Württemberg führten die neuen deutschen Briefmarken damals noch nicht ein, und Bayern hat noch bis 1920 an seinen eigenen Briefmarken fest- gehalten. Was die bereits erwähnten Briefmarken­sammler anbelangt, so sind sic leicht geneigt, für besonders seltene Werte der ersten deutschen Briefmarken achtbares Geld anzulegen. Die ältere Generation, etwa die von 75 Jahren und darüber, sollte daher wirklich einmal unter den Briesen ihrer Jugendzeit, wo das Auge noch den Himmel offen sah, ein bißchen Umschau halten — leicht möglich, daß man da noch vergessene, aber recht wertvolle Briefmarken entdeckt. In dieser „bargeldlosen" Zeit sollte man aus allem Kapital schlagen!

Vermischte Nachrichten

Auszählung der zweiten Hälfte der Beamtenbezüge schon am 9. Januar.

Berlin. Da der 10. Januar 1932 auf einen Sonntag fällt, hat sich der Reichsfinanzministcr damit einverstanden erklärt, daß die Auszahlung der zweiten Hälfte der Dienstbezüge der Beamten usw. bereits am Sonnabend, den 9. Januar, erfolgen darf.

Versichcrungsbctrüger bestellt einen Einbruch.

Berlin. Der Pächter des Winterfeld-Palastes, Leo Potrzela, in dessen Räumen vor einigen Tagen ein Geldschrankeinbruch verübt wurde, ist verhaftet worden. Die Kriminalpolizei ermittelte, daß P. den Einbruch selbst durch zwei ge­dungene Verbrecher hat ausführen lassen. Der Geldschrank, in dem sich nur 500 Mark befanden, war mit 20 000 Mark versichert. P. tvollte sich diese Summe durch seine Einbruchsbcstcllung aneignen.

Lord Lytton englischer Vertreter in der Mandschureikommission.

London. Lord Lytton, der zum Vertreter Englands in der Mandschureikommission ernannt ist, hat das Amt an» genommen.

Blutige politische Zusammenstöße In Mexiko.

Mexiko-Stadt. In verschiedenen Landestcilen kam es zwischen politischen Gruppen zu schweren Zusammenstößen. In G u a d e l u p o (Zacatecas) wurden dabei vier Personen getötet und zehn verwundet; in Atatonilco (JaliSco) gab es drei Tote und sechs Verwundete.

Tauroggen.

(Schluß.)

Die preußische Division hatte während ^des Krieges zum Korps Macdonald gehört und war auf dem äußersten linken Flügel der großen Armee in die Ostseeprooinzen eingerückt. Es waren nicht mehr die Preußen von 1806/7, sondern diese kleine -Schar war eine in ihrem Kampfwert vorzügliche Truppe, und Porck durfte sich mit Recht rühmen, daß sie an kriegerischer Tüchtigkeit keinem anderen Korps der großen Armee nachstand, in fester Manneszucht alle übertraf. So widerwillig seine Leute dem französischen Oberbefehle gefolgt waren, im diesem Feldzuge hatten sie bei Pauske und in vielen anderen glänzen­den Gefechten den verhaßten Siegern von Jena und Auerstedt zeigen können, daß der alte preußische Kampfgeist noch lebte, und sie hatten- zugleich ihre Gewandtheit in den Formen der neuen beweglichen Taktik erprobt.

'Dem scharfen Soldatenblicke Porcks war nicht entgangen, daß sein kleines, aber wohldiszipliniertes Korps — beim Aus­rücken im Sommer war es zwanzig tausend Aliann stark gewesen und zählte jetzt noch etwa dreizehnlausend — nach der Kata­strophe der Hauptarmee einen ganz ungeahnten Wert erlangt hatte. Wohl war er schon seit Wochen von- russischen Gene­ralen zum llebertritt beredet worden-. Aber stets hatte er ab- gclehnt. Wer hätte es auch für denkbar halten sollen, daß ftorck diese Verkörperung des altpreußischen Pflicht- und- Ehr- oegriffes, jemals an seinem Fahneneide deuteln könnte? Sollte er,_ der in Ehren grau geworden war, sein Leben schimpflich

,nt Sandhaufen beschließen? Eine Welt widerstreitender üwmuren stürmte auf den eisernen Mann ein. Sollte er seine ^r.cu^ Truppen, den Kern des preußischen Heeres, -aufopfern

Rettung des Todfeindes oder sollte er durch einen eigen- machttgen Schritt Thron und- Leben seines Königs, der noch immer in der Gewalt der Feinde war, gefährden? Wohl wußte er, daß auch dem König die Schmach seines Volkes und seines Hauses auf der Seele brannte und daß er den Tag der Ve- ftemng heiß ersehnte, . Aber würde Friedrich Wilhelm, unent- schlossen von Natur, tief niedergebe-ugt durch die Leiden der letzten Jahre, noch ohne herzhaftes Vertrauen zu seinem Volke und ohne sichere Kenntnis von dem völligen Gesinnungswandel des Zaren-, der ihn einst so kaltsinnig preisgcgebcn, die einzige Größe dieser Tage begreifen? Und wenn? War der König in seinen Entschlüssen frei? Noch hatte der Feind das ganze preußische Land besetzt mit h-undertfünfzigtausend Mann frischer Truppen, davon lagen allein rund zwanzigtausend Mann ht Berlin selbst; vor -allem waren die Weichsel- und die Oderlinie fest in dessen Hand, und täglich trafen frische Zuzüge aus- dem Westen ein-. Diese Macht genügte, ja war übergroß genug, um

-.,. —-:i ...rs-------- â„.o„.» -«.i.;r*.....,.. T„;r „.n h»r

Aufstellung begriffene preußische Armee in Schach zu -halten. Unendlich schwer und verantwortungsvoll war der in seinen politischen Auswirkungen garnicht zu übersehende Entschluß für diesen königstreuen Soldaten. Sollte er sich nach. den Buch­staben seiner Vorschriften richten und sich in seiner Entschlie- ßung leiten lassen von schwächlichen Gedanken oder mußte er nicht der höheren Pflicht gegenüber seinem Volke und Vater­lande gehorchen und diese große Stunde des Gottesgerichtes nützen? Auf Wiederhole Anfragen in Berlin kam nur die Antwort, er möge nach den ilmständen handeln, die Entschei­dung und Verantwortung blieb ihm also selbst überlaßen. Da gab ein Schreiben des Zaren den Ausschlag, worin dieser sich bereit erklärte, mit seinem König ein Bündnis zu schließen und die Waffen nicht eher niederzulegen, als bis Preußens Macht- stellung vom Jahre 1805 wiederhergestellt sei. Hier also die Aussicht, daß sein Preußen im alten Ruhme wieder erstehen werde, dort der verhaßte Feind, von dem er wußte, daß er nur auf seines Vaterlandes Vernichtung saun. Da tat Porck den Schritt, den ihm seine Ehre und sein deutsches Gewissen gebot, ohne Befehl seines Königs, aber in heißer Liebe zu König und Vaterland. „So möge denn unter göttlichem Bei­stände das Werk unserer Befreiung beginnen und sich vollen­den", so kündigte er seine Entscheidung seinen Getreuen am Und die stimmten mit hellem Jubel ihrem General zu, an dem auch der letzte Grenadier mit Verehrung und Liebe hing. Am 30. Dezember 1812 traf Porck in der Pcscheruner Mühle bei Tauroggen mit den russischen Unterhändlern zusammen und unterzeichnete einen Vertrag, kraft dessen sein Korps in den Landstrich zwischen Memel und Tilsit zurückging, sich also aus dem französischen Heeresverbande löste. Eine Verbindung mit den Russen ging er nicht ein. Diese zu befehlen, lag bei seinem König. Dem legte er in einem Briefe, den er mit seinem Herz­blut geschrieben, die Gründe für sein Handeln dar: „Jetzt oder nie ist der Moment, Freiheit, Unabhängigkeit und Größe wie- derzuerlangen. In denr Ausspruche Euer Majestät liegt das Schicksal der Welt". — Willigs legte er seinen Kopf zu den Füßen des König, wenn er gefehlt habe. „Ich schwöre", so lauteten die herrlichen, stolzen Worte höchsten Bewußtseins von Pflicht und Ehre, „daß ich ebenso ruhig auf dem Sandhaufen wie auf dem Schlachtfelde, auf dem ich grau geworden bin, die Kugel-erwarten werde; ich bitte daher Euer Majestät um die Gnade, bei dem Urteil, das vielleicht über mich gefällt -werden muß, auf meine früheren Dienste keine Rücksicht nehmen zu lassem"

Die Tat Porcks war heilverkündend. Allerorten hob der' preußische Aar seine kühnen Schwingen, flammte ftohe Hoff­nung empor in Millionen bedrängter und grimm-ersüllter Her­zen und gab ihnen die freudige Gewißheit, daß die Zeit des Loildens vorüber sei und die Würfel gefallen- seien. Am 1. ^n-nuar 1813 mußte Mlirat Königsberg verlassen. Ein Jahr

-später, in der Neujahrsnacht von 1813 auf 14, überschritt Blücher mit seinen siegreichen Truppen, bei Kaub den Rhein.

V a l m u n g. I

„Die schöne blaue Donau" vollständig graiis.

Kein Strauß mehr mit Strauß.

Um Johann Strauß, den „Fledermaus"-Stranß und Walzerkönig, waren in den letzten Jahren scharfe Kämpfe entbrannt, um ihn und um seinen nicht minder berühmten Operettenlandsmann Karl Millöcker, der den „Settel» studeni" geschaffen hat. Beide Werke hätten ordnungs- gemäß schon am 1. Januar 1929 frei werden müssen, so daß jeder, der Lust und Neigung dazu verspürte, sie unent» geltlich hätte ausführen, tiertonfilmen, verjazzen und durch den Rundfunk drehen können. Da machten aber die Öster­reicher rasch ein Gesetz, das die Schutzfrist für die Strauß- Millöcker um vorläufig zwei Jahre verlängerte, wie man es einst bei uns mit den Werken Richard Wagners hatte machen wollen. Durch dieses Prolongalionsgesetz sollten vor allem der Witwe des Walzerkönigs, die erst vor kurzem gestorben ist, die schönen Tantiemen erhalten bleiben.

Am 1. Januar 1932 waren aber auch die zwei ver­längerten Schutzjahre abgelaufen, und es handelte sich darum, ob eine neue Verlängerung ausgesprochen werden sollte^ Zwischen Weihnachten und Neujahr, einen Tag vor Silvester, hatte der Österreichische Nationalrat hier- über Beschluß zu fassen. Obwohl man wegen des bevor­stehenden Silvesters in gehobener tänzerischer Stimmung Ivar, sprach sich mit den Ministern und auf den 9iar d.r Minister die ausschlaggebende Christlichsoziale Partei gegen die Verlängerung der Schutzfrist aus, mit der Be­gründung, daß das Deutsche Reich, aus das es sehr an- komme, nicht mitmachen würde. Die bäuerlichen Nalional- rüte schienen anfangs geneigt zu sein, für die Verlänge­rung zu stimmen; als man ihnen aber klarinachte, daß dann für ihre bäuerliche Bevölkerung das Walzer- und Ländlertanzen wesentlich verteuert werden könnte, schwenkten sie rasch in die Front der Verlängeinngs- gegner ein. So ist cs also jetzt so, daß jeder nur der „Blauen Donau", mit den „Geschichten aus dem Wiener Wald", mit dem „Gasparone" und mit anderen schönen Sachen von Strauß und Millöcker machen kann, lvas er will, was zwar recht und billig, aber an sich ein furcht­bares Unglück ist, wenn man sich vor Augen hält, wie gerade in der letzten Zeit sogenannte „Bearbeiter" vor­zügliche Werke berühmter Meister verhunzt und ver­schandelt haben, um sic zu „modernisieren".