Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer Anzeiger

Erscheint -eöen werktag.Vezugspreis: monatlich 2.00 RM. Bei Lieferungsbehmöerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver. leger. Postscheckkonto: Frankftirt a. M. Nr. 16009

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal ^ßulöaer Kreisblatt

Re-aktion un- Gesthästsstelle: Konigstraße 42 Zernfprech-Rnsthluß Nr. 298»

Nachdruck der mit * »ersehenen Artikel nur mit Stuevenangabr$u(dcer flnzriger'grstatt«.

Mzelgenpreis: Für Behörden, Genossenschaf ; ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk.u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezelle 0.60 Mark < Bei Rechnungsstel» lung hat Zahlung innerhalb 8 Gagen zu erfol­gen » Gag- und Plahvorschriften unverbindlich.

Nr. 2 1932

Fulda, Montag, 4. Januar

Jahrgang

Nach den Festen.

Wiederbeginn der politischen Arbeit.

Fortschreitende Stillhalteverhandlungen.

Dem Reichspräsidenten sind anläßlich des Jahreswechsels zahlreiche Glückwunschtelegramme, dar­unter auch von den Oberhäuptern fremder Staaten, zu- gegangen.

Die politische R u h e p a u s e, die für die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr verfügt worden ist, ist zu Ende. Die Ministerien haben ihre Tätigkeit wieder ausgenommen. Reichskanzler Brüning ist wieder nach Berlin zurück­gekehrt. Die Minister Groener und Dietrich sind noch von Berlin abwesend. Vizekanzler Dietrich wird am 6. Januar anläßlich desdemokratischen Dreikönigstages" in Stuttgart eine Rede halten.

Die erste Kabinettssitzung im neuen Jahre wird voraussichtlich erst am Dienstag stattfinden. Die Arbeiten der Reichsregierung werden in erster Linie der Vorbereitung der außen politischen Kon­ferenzen dienen. Die Grundzüge für die Auseinander­setzung auf dem Tributgebiet liegen bereits fest. Da­gegen bedarf die Taktik aus der Abrüstungskonferenz noch sorgfältiger Vorberatung.

Die Berliner Stillhalteverhandlungen, die die Weihnachtstage über ausgesetzt worden sind, wurden bereits am 28. Dezember wieder ausgenommen. Sie wer­den angesichts der nahenden Tributkonferenz, die bekanntlich in Lausanne vor sich gehen wird, mit allem Nachdruck fortgesetzt, da nach einmütiger Ansicht bis dahin ein Eraebnis erzielt werden muß.

- *

Amerikanische Dankielegramme an Hindenburg.

Unter den zahlreichen Glückwünschen, die dem Reichspräsident anläßlich des Jahreswechsels aus dem Auslande zugegangen sind, verdient das Telegramm des bekannten amerikanischen Senators L a f 0 l l e t t e hervorgehoben zu werden. Das Glückwunschtelegramm lautet:

Ihre ausgezeichnete Rundfunkansprache wandte sich an die Herzen unseres Volkes. Ich bin davon überzeugt, daß ich die Gefühle der amerikanischen Bevölkerung wicdergebe, wenn ich Ihnen die wärmsten und besten Wünsche und Neujahrsgrützc übermittele."

Der Präsident der National Broadcasting Company, M. H. A. Aylesworth, sandte an den Reichspräsidenten folgendes Telegramm:Die amerikanische Übertragung Ihrer Rundfunkansprache wurde durch die ge­samten USA.-Sender mit größter Klarheit empfangen. Wir bringen unseren aufrichtigen Dank für Ihre Worte zum Ausdruck, die ein Beweis sind für die enge Fühlung, die zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Volke besteht. Ich erlaube mir, Herr Präsident, Ihnen meine besten Wünsche für Ihr Wohlergehen im kommenden Jahre zu senden."

DieNew Dorker Staatszeitung und New Yorker Herold" sandte an den Reichspräsidenten folgendes Glück­wunschtelegramm:Viele tausend von Amerikanern deutschen Stammes haben über des Meeres und des Äthers Wellen in Ihrer deutschen Muttersprache die Botschaft vernommen, die Euere Exzellenz zum Jahres­wechsel an das deutsche Volk gerichtet haben.

Es war für alle Kinder Germanins in dieser unserer neuen Heimat ein unvergessliches Erlebnis, die kraftvollen, mahnenden Worte hören zu kömrcn, die nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt an das Schicksal erinnern."

*

Pariser Giörungsfeuer.

Für weitere Hinausschiebung der Tributlonsercnz.

An zuständiger französischer Stelle hält man den von der englischen Regierung vorgeschlagenen Zeitpunkt für die Eröffnung der Lausanner Tributkonferenz

Berihelot sähri nach London.

Besprechung mit dem englischen Außenminister.

Der Generalsekretär im französischen Außenministe-' rinm, Berthelot, der in London die Aus­stellung französischer Kunst eröffnet, wird seinen Lon­doner Aufenthalt dazu benutzen, um im Auftrage der französischen Regierung die vorbereitenden Be­sprechungen über die Regierungskonferenz und die Genfer Abrüstungskonferenz zu führen. Voraussichtlich werden auch die französisch-englischen Zollfragen gestreift werden.

Gir Josiah Gtamp über die Tribuifrage.

Sir Josiah Stamp, ein Direktor der Bank von Eng-' land, äußert sich über die Tributfrage. Er habe gehofft, so sagt Stamp, daß nach dem Fortschritt, den der Lavton- Wiggin-Bericht gebracht gehabt habe, der Tributausschutz in Basel einen Schritt wcitergchen werde. Leider sei aber die Temperatur infolge der Aussprachen im Amerikanischen Kongreß in Basel a b a e k ü b l t wordm-

für denkbar ungünstig und scheint wenig geneigt zu fein sich der englischen Auffassung anzuschließen. Während man zunächst für eine Hinausschiebung der Eröffnung bis zum 2(1. oder 25. Januar eintral, macht man jetzt geltend, daß der Zusammentritt der interessierten Regierungen der Beendigung der Berliner Konferenz unter­geordnet sein müsse und keinesfalls vorher stattfinden dürfe.

Der Ncujahrscinpfang beim Reichspräsidenten.

Dieses Jahr durften zum erstenmal Jnnenausnabincn vom Diplomatenempfang bei Hindenburg gemacht werden. Der Empfang fand im Roten Saal des Palais statt, wo die Diplomaten sich versammelten und den Reichspräswenicn erwarteten Nachdem der päpstliche Nuntius tm Namen der Diplomaten dem Reichspräsidenten die Glückwünsche zum Ausdruck gebracht hatte, gab Hindenburg die Antwort. Unsere Aufnahme zeigt ihn bei der Ansprache des Nuntius.

*

Die Gisrang der Rundfunkrede.

Die Störung der R u u d f u n k a n s p r a ch e des Reichspräsidenten ist Gegenstand der polizeilichen^ Er­mittlungen. Die Unterbrechungen konnten nur von Fach­leuten vorgenommen worden sein, die mit den tech­nischen Einrichtungen der Postverwaltung genau vertraut sind. Die Täter wurden daher in den Kreisen ehemaliger Telcgraphenarbeiter gesucht, die genau wußten, daß die benutzte Kabelleitung über Neukölln führt. Es wurde eine Reihe von verdächtigen Personen auf dem Pottzei- präsidium einem Verhör unterzogen, alsbald aber wieder entlassen, da sie als Täter nicht in Frage kamen. Nach den weiteren Ermittlungen hat sich der Verdacht der Polizei auf mehrere Kommunisten gelenkt.

Die Verfolgung der Rundfunkstörer kann juristisch auf verschiedene Delikte zurückgeführt werden. Zunächst bandelt es sich um schweren Unfug und um Sach­beschädigung des Kabels. Vor allem aber liegt ein Verstoß gegen das Gesetz über Fernmeldeanlagen und schließlich ein Verstoß gegen den in der Notverord­nung vom 8. Dezember ausgesprochenen politischen Burgfrieden vor. Nach Ansicht der Polizei handelt es sich bei dieser Rundfunkstörung um eine kommunistische Demonstration, die während des Burgfriedens nicht zulässig war.

*

Zwei Verdächtige in Haft.

Die polizeilichen Ermittlungen nach den Störern der Rundfunkansprache des Reichspräsidenten haben vor­läufig noch kein Ergebnis gehabt: Die in Verhör befind­lichen beiden Telephonarbeiter sind noch in Gewahrsam und scheinen der Tat dringend verdächtig. Die Polizei bewahrt über ihre Feststellungen strengstes Stillschweigen und erklärt lediglich, daß weitere Festnahmen bisher nicht erfolgt seien.

^ie Welt gefalle sich noch im Spiel mit politischen Unwirk- lichkeiten Konferenzen seien mit Ausflügen von Rad- sahrerklubs zu vergleichen, bei denen sich alle nach der Ge­schwindigkeit des langsamsten richten müßten.

w Leiber seien die Vorteile des Dawes-Plans im Young- Man nicht mehr enthalten, sonst hätte ein Transferaus­schutz einen ganz gewaltigen Einflutz zur Vermeidung der ^'^' Reparation^ nur unter bestimmten Voraus- setzunaen, wie Herabsetzung der Zölle, Regelung der Gold­bewegung und verschiedene andere, gezahlt werden. Keine teiner Forderungen sei erfüllt worden, so daß 9i c p a r a - !io"cn und Kriegsschulden den Unter-

5 " "âr' yw kommend" Reparationskonferenz sei es von xL^^MiWtiakeit die Frage der internationalen Schulden im Lichte des gegenwärtigen Preisstandes, SÄnmrtM« foul« to t^ und imm- Zielten Lage der einzelnen Länder zu sehen.

Alle Mann an Deck!

Mit einer aufs höchste gesteigerten Sehnsucht schauen alle Völker dem neuen Jahre entgegen," sagte namens des Diplomatischen Korps der päpstliche Nuntius in seiner Glückwunschrede, die er am Neujahrstage vor dem Prä­sidenten des Deutschen Reiches gehalten hat. Man hatte sozusagen das Diplomatische zu Hause gelassen und die Vertreter der fremden Staaten lietzen durch den Mund ihres Sprechers schon fast undiplomatisch und unverhüllt einmal die Wahrheit sagen. Leider aber wissen wir aus bitterster Erfahrung, daß in den Beziehungen der Völker bzw. ihrer Regierungen zueinander der Schritt von der Erkenntnis der Wahrheit gewaltig groß ist bis zur Ver­wirklichung dieser Wahrheit. So groß, daß er häufig gar nicht gemacht wird! Ob er durch dieaufs höchste ge­steigerte Sehnsucht aller Völker" nun endlich im neuen Jahr erzwungen wird?

Schon der Januar- wird einen Teil dieser Frage be­antworten. Denn in diesem Monat werden die inter­nationalen Beratungen über die weitere Behandlung der privaten Schulden", also der deutschen Wirtschaftskredite, möglichst bald zu Ende geführt werden. Man hat bisher über den Gang der Stillhalteverhandlun­gen nicht allzuviel gehört, vorläufig auch nichts Un­günstiges.Ohne Ruh' und Rast" ist hier gearbeitet worden, soll auch derart wcitcrgearbeitet werden. Aber cs handelt sich dabei so um etwa zwölf Milliarden Kredite, über die einArrangement" getroffen werden soll, und das ist natürlich heute eine besonders schwierige Aufgabe, weil auch unsere Gläubiger Geld brauchen und einen möglichst großen Teil ihrer nach Deutschland gelegten Krediteaustauen" möchten. Sie werden uns Deutschen wirklich nicht mehr den geringsten Vorwurf einer lässigen Schuldenbezahlung machen können; zeigt doch der letzte Reichsban k a u s w c i s wiederum, daß die mit dem gewaltigen Ausfuhrüberschuß der Herbstmonatc herein­strömenden Devisen wieder restlos zur Schuldenbezahlung benutzt worden sind. Bis zum 7. November war unter dem jetzigen Stillhalteabkommen bereits eine Milliarde ausländischer Kredite abgedeckt worden; man kann ver­muten, daß die Schuldenzahlung sich seitdem mit großen Schritten der Zweimilliardengrenze genähert hat. Das Ziel des zweiten Stillhalteabkommens aber sollte sein, daß das Ausland freiwillig und nicht mehr aus Besorgnis vor einer deutschen Jnsolvenzerkläruug uns die Kredite zu vernünftigem Zinsfuß verlängert. Das wäre der Ausdruck eines Vertrauens, dessen Wiederherstellung in der Welt­wirtschaft auchdie aufs höchste gesteigerte Sehnsucht aller Völker" erhofft, um endlich aus der Weltkrise hcranszu- kommen.

Daß diese Frage des Stillhaltens geklärt sein soll, ehe die Reparationskonferenz stattfindet vorläufig ist immer noch der 18. Januar dafür vorgesehen und als Tagungsort Lausanne, daß mithin der innere Zu­sammenhang zwischen jenenprivaten" und diesenp 0 l i- tischen" Schulden Deutschlands nicht mehr bestritten wird, wie Frankreich dies bisher immer tat, ist vom deut­schen Standpunkt aus gesehen doch recht erfreulich! Und cs entbehrt nicht einer gewissen politischen Pikanterie, daß gerade Frankreich sich bemühte, die Reparationskonferenz noch um acht Tage verschieben zu lassen, damit die Still­halteverhandlungen bis dahin zu einem wirklich festen und endgültigen Ergebnis gebracht werden könnten. Daß die deutsche Politik auf eine endgültige Neuregelung des Noung-Plans hinsteucrt, Hinsteuern muß, weil Deutschland Tribute einfach nicht mehr zahlen kann, ist vorläufig ge­rade das Gegenteil dessen, was Frankreich will: ein zu­mindesten rechtliches Weiterbestchen des Noung-Plans. Aber auch ein Moratorium wäre nicht genügend, um Deutschland und die Welt die Wirtschaftsdcpression wirk­lich überwinden zu lassen. Denn unter der ständigen Drohung, später die gestundeten Tribute nachzahlcn zu sollen, könnte sich das Vertrauen, derKredit", zu einer günstigen Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens nicht cinfteacn.Die Reichsregierung hofft, daß es der Einsicht aller gelingt, zu einer Regelung zu kommen, die die Wirtschaft wieder heilt und den schwergeprüften, von der Geißel der Arbeitslosigkeit gepeinigten Völkern neuen Lebensmut einhaucht," heißt es in der Ansprache des Ver­treters der Reichsregierung vor Hindenburg.

Und schließlich nähert sich die Welt erst zwölf Jahre nach Inkrafttreten des VersaillerFriedens" und der Schaffung des Völkerbundes, den man auch in An­führungsstriche zu setzen versucht ist jetzt der Ab- r ü st u n g s k 0 n f e r e n z. Was Deutschland verlangt und verlangen muß, hat der Reichspräsident am Rundfunk deutlich gesagt: gleichberechtigte Sicherheit für Deusich- land. Das ist gewiß kein unbescheidener Anspruch in einer Zeit, in der doch mit der Friedensschnsucht der Volker auf eine höchst merkwürdige Art gespielt wird. Man ver­langt von uns, papicrncn Sicherheiten zu trauen, hütet sich aber sehr, das gleiche selbst zu tun.

Am Montag haben sich alle Mitglieder der Reichs- regierung wieher in Berlin zusammengesunden. Schicksal hat das Signal gepfiffen:Alle Mann an reck. Klar zum Mannöver!

Kleine Zeitung für eilige £efer

* Reichspräsident von Hindenburg empfing zum JahreS- .vechsel zahlreiche Glückwünsche anderer Staatsoberhäupter.

* Bei Völpke kam zu Zusammenstößen zwischen Kommu­nisten und Nationalsozialisten, wobei ein Nationalsozialist ge­tötet und vier andere Personen schwer verletzt wurden.

* Die japanischen Truppen haben Kintschau besetzt.

* Die Lage in Znd'eu hat sich durch die Wiederaufnahme des bürgerlichen Ungehorsams aufs neue zugespitzt. __