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sein? D i e Hoffnung wollen wir mitnehmen ins neue Jahr 1932.

Nach den Weihnachtseinkäusen, denTesten Tagen, folgen für die Geschäftsleute nunmehr die ^mageren" Tage des Umtauschs oder vielmehr: sie sind ,chonim Gange". Das Tauschen ist fast noch angenehmer als das Einkäufen! Der Täuscher" will möglichst eine gute Ware gegen eine bessere einhindeln und nach Möglichkeit noch was draufgezahlt bekom­men. Ein paar Mark zulegen unter keinen Umständen! Und die Geschäfte gehen da tatsächlich bis an die Grenzen des Mög­lichen. Gerne hätte auch mancher Fuldaer seins Sonntagskarte in die Rhön am 2. Feiertag wieder umgetauscht, da der Win­tersport total zu Wasser wurdeaber leider ist das nicht zu machen. Der Fahrkartenkäufer hat seine Fahrt Zu dem er­mäßigen Preis gehabt das andere geht auf eigenes Risiko. Der Wartesaal 4. Klasse war deshalb auch an den Feiertagen immer gut besetzt mit Rhöntouristen, die von weit yergekom- men waren. Leider ist in diesem Jahre den Leuten der Holz- klasse kein Weihnachtsbaum in den Wartesaal gestellt worden. Auch daran mutz Heuer gespart werden. Der Reiseverkehr war stark für Ostern und Pfingsten dürfte sich die verlängerte Sonntagsfahrkarte auch empfehlen. Wenn man bedenkt Daß die Fahrt FuldaFrankfurt immer noch ca. 100 Prozent über dem Friedenspreis" anno 1913 liegt, so drängt sich einem der Wunsch nach Preisabbau förmlich auf. Die Bezahlung der Eisenbahner nähert sich langsam den Unterstützungssätzen der Erwerbslosen. Das ist Hart für die Betroffenen selbst, wenn es sich nur um eine vorübergehende Notmatznahme handeln sollte.

Kaum sind die Weihnachtsglocken verklungen, und schon än­dert sich das Bild in den Schaufenstern. Alkohol und Scherz- artikel, Feuerwerkskörper und bergt stellen sozusagen die Ver­bindung her über Silvester zur Faschingszeit, die im diesem Jahre außerordentlich kurz ist. Die Vereine wollen von grö­ßeren Maskenbällen absshen in Anbetracht der Notzeit. Es wäre jedoch- verkehrt, den heiteren Prinzen Karneval ganz zu ver­bauen in diesem Jahre. Gerade weil es uns nicht gut geht im allgemeinen, brauchen wir ab und zu ein bißchen Ablenkung. DasAuf-andere-Eedanken-kommen" hat seine Berechtigung. Und daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen, dafür ist schon reichlich gesorgt.

Merkwürdig ist und bleibt es. daß die Menschen im Durch­schnitt immer dem vergangenen Jahre alles Leid und alles Un­glück ankreiden, während von dem kommenden neuen Jahre alles Gute und alles Glück erhofft und erwartet wird. Wahr ist der Ausspruch eines alten Menschenfreundes:Das Menschen- Herz bleibt immerdar ein Kind, ein nach Märchen haschendes, ein wundersüchtiges Kind . . ." Ob.auch ein Weiser schon vor vielen tausend Jahren entdeckt hat, daß es nichts Neues unter der Sonne gibt, ob andere Weise behaupten, daß alles schon da­gewesen ist,' wir feiern doch immer wieder ein neues Jahr. Die Vorstellung des Neuen hat einen berauschenden Zauber, und sie ist selbst schon der Silvesterpunsch, der unsere Sinne umnebelt. Wie im Silversterpunsch die Geister verschiedene Gärungen durchcinä»derbrodeln. so schüttet unser Gemüt auch verschiedene unbestimmte Hoffnungen, Träume, Wünsche in die Bowle des märchenhaften Wortes:

Ein neues Jahr!

A. M.

Lm allen Greis.

Nun ist auch das letzte Fest vorüber. Richtig zu sagen wäre: das erste Fest, denn der festliche Neujahrslag er­öffnet ja schließlich ein neues Jahr und müsste rechtmäßig diesem aufs Konto geschrieben werden. Aber es ist doch so, daß wir ihn mit dem Silvesterabend, der das alte Jahr abschließt, zu einer Einheit zusammenschlietzen und sozu­sagen als die Krönung des Weihnachtsmonats empfinden. Einen ganzen Monat also waren wir in einer Art Fest­rausch Zuerst kamen die vielen Vorbereitungen und die Heimlichkeiten, dann kam in seiner Glorie daS WeihnachtS- fest selbst, daraus folgten dieZwischentage" mit Halbfcst- stunmung und zuletzt kam als Schlußzeichen, wenn man das so nennen Darf, die wirblige Neujahrszeil. Aller­dings: wollte man eine Umfrage veranstalten und sich bez den Mitbürgern auf Ehre und Gewissen nach der Fest- [timmung erkundigen man würde bestimmt von mehr als einem und mehr als einer zu hören bekommen, daß kein richtiger Grund für ausgelassene Festfreude vor­handen gewesen sei. Man braucht sich bloß vor Augen zu halten, daß uns gerade der als Festmonat proklamierte Dezember Schweres und Schwerstes gebracht hat. Wenn wir nurNotverordnung" sagen, ist jeder sofort im Bilde, ^an dem, was außerhalb Deutschlands geschah, von dem, was nach dem Willen der anderen mit uns geschehen soll, braucht gar nicht Die Rede zu sein. Wir wissen auch fe schon,was gespielt wird"

Aber trotzdem: es war Festzeit, und Glückliche hat es bestimmt gegeben Man war ein bißchen aus der gewohn­ten Bachir geworfen und tanzte in aller Bescheidenheit eine Ertratour Es ist so wenig, was uns jetzt an Gutem ge­boten werden kann, daß man dieses Wenige wenigstens auszunutzen suchte Aber nun sind wirvoll und ganz" wieder im alten Gleis, in dem Gleis, das zu Mühe und Arbeit führt Keine Ablenkung mehr, kein Abweichen mehr: der Werkeitag ist wieder in seine Rechte eingetreten, und solches Reckn und Gesetz mutz, so hart und grausam es auch manchmal erscheinen mag, befolgt werden. Wer sich nicht zusammennimml, wer nicht ganz bei der Sache bleibt, kommt leichi unter die Räder. Es soll und darf keinem Furcht und Schrecken vor dem Kommenden eingejagt wer­den, aber für Feiertagsrast bleibt jetzt keine Zeit mehr. Die Bilanz des abgelaufenen Jahres liegt vor, für jeden ein­zelnen und für alle zusammen. Wir wissen also genau, woran wir sind, kennen unser geringes Haben und kennen unser großes Soll und haben die Pflicht, Sorge zu tragen, daß es wieder anders wirdAnders" aber kann in unserem Falle nurbesser" heißen. Jeder an seinem Teile muß dazu beitragen, daß es wieder besser wird. Und dieses wieder kann nur dann geschehen, wenn wir nicht ab bi egen von dem Gleis, das uns vorgezeichnet ist, wenn mir so arbeiten, daß Arbeit wieder Frucht und Segen bringt. Auch der Arbeitstag hat seine Poesie, das sollten wir bedenken und nicht mutlos die Hände in den Schoß legen. Und schließlich folgen auf Arbeitstage ja immer wieder einmal Feiertage, und es bleibt die Hoffnung, daß uns kommende Feiertage wieder zu wirklichen, durch keine Not und keine Notverordnungen gestörten Feiertagen werden.

Der Deutsch-Evangl. Frauenbund,

Ortsgruppe Fulda, hält am Montag, den 4. Januar, abends 8 Uhr im kleinen Saale des Evgl. Gemeindehauses seine Mit­gliederversammlung ab, in der Sierr Prof. Ehring- h a u s aus Kassel über bas ThemaMittelalterliche Liebes- tätigkeit" sprechen wird. Der Vorstand bittet die Mitglieder, zu dieser Versammlung Zahlreich zu erscheinen.

Statistik aus der evangelischen Gemeinde Fulda.

In der bürgerlichen evangelischen Gemeinde sind im Jahre 1931 getauft worden 89 Kinder (1930: 100, 1929: 94); gestorben sind 46 Personen einschließlich 1 Kinder (1930: 72 einschließlich 14 Kinder, 192m 74 einschließlich 5 Kinder), ge­traut wurden 22 Paare (1930: 35, 1929: 49). In der coan» gotischen M i l i t ü r g e m e i n d e wurden in 1931 getauft: 7 Kinder (1930: 18, 1929: 13). Gestorben sind keine Kinder (1930: 3). Getraut wurden 10 Paare (1930: 8, 1929: 12).

Steuerkalender für den Monat Januar.

5. I a n u a r : Reich: l. Ablieferung der für die Zeit vom 16 bis 3t Dezember einbehaitenen Steuerabzüge vom Arbeitslohn Wenn im Überweisungsverfahren die bis 15 Dezember einbehaitenen Beträge 200 Mark nicht überstiegen haben, Überweisung für die Zeil vom

1. bis 31. Dezember Dazu 2 Ledigensteuer und 3. Krijensteuei, soweit sie im Steuerabzugsverfahren einzubehalten sind

11. (10j 3 a n u d r : Reich: 1 Einkommen- und Körper- schastssteuervorauszahlungcn mit Ausnahme der Land- winschaft 2. Zweiter Teil des Sprozenitgen Zuschlags zur Einkommensteuer für Einkommen übet 8000 Mark mit Ausnahme der Landwirtschaft. 3 Reiter Teil der Ledigensteuer für veranlagn: Eintommensteuer- Pflichkige mit Ausnahme der Landwirtschaf!

4. Zweiter Teil bei ReichShilfe der Äussichisrats- mitglieder 5 Umsatzsteuervorauszahlung und Umsatz- fteuerooranmelbung der Monais- und Bieneljahres- zahler, (Schonfrist bis 18. (17.) Januar.) 6 Börsen­umsatzsteuer bet monatlicher Zahlung für Dezember, bei vierteljährlicher Zahlung für das letzte Vierteljahr 1931 7 Bürgersteuer für Lohnsteuerpflichttge nach Maßgabe der Steuerkarte (Seite 4). Zum Teil be­stehen hier in einzelnen Gemeinden abweichende Termine

11. (HM Januar: Preußen: 1. Bier- evtl. Getränke­steuer 2. Kirchensteuer mit Kirchgeld für Einkommen- sieuervorauszahlende

15. I a n u a r : Preußen: 1. Staatliche Grundvermögen- steuer für Monaiszahier nebst Igllprozentigem Staats- zuschlag. 2 Gemetndezuschläge zur Grundvermögen- steuer. 3 Hauszinsstener. 4. Teile von Preu­ßen: Lohnsummensteuer für Dezember 1931 nebst Er­klärung über die Höhe der Lohnsumme und Zahl der Arbeitnehmer. In manchen Gemeinden andere Termine

18. (17.) Januar: Letzter Tag für Umsatzsteuervoran- mefbung und Umsatzsteuervorauszahlung.

20. 3 a n u a r : Reich: 1 Ablieferung der für die Zeit vom 1. bis 15 Januar einbehaitenen Steuerabzüge vom Arbeitslohn tm Markenverfahren, dcsgl. im Über­weisungsverfahren, wenn die vom I. bis 15. Januar einbehaltenen Lohnbeträge 200 Mark übersteigen. Da­zu: 2 Ledigensteuer und 3 Krisensteuer, soweit sie im Sleuerabzugsvcrsahren einzubehalten sind.

Mieterfraaen.

Die Mitgliederversammlung des Mieter Vereins Fulda im Stadtsaal am Mittwoch war recht stark besucht. Der Vor­sitzende, Herr Claus, klärte zunächst die Anwesenden darüber auf, daß ein Kündigungsrecht des Vermieters für Altwohnun­gen nur bezgl, der teuren und großen Wohnungen mit 900 Mk. Friedens-Miete und mehr ab 1. 4. 32 bestehe. Er gab wichtige Verhaltungsregeln, mit denen bei richtiger Anwendung auch die mittleren Wohnungen beim Freiwerden geschützt bleiben. Die Mieter sollten sich daher immer vorher sachkundigen Rat holen, besonders wenn sie einen Wohnungstausch beabsichtigen, eine Wohnung aufgeben ober neu anmieten wollen. Abgeschlossene Verträge und Vereinbarungen müssen respektiert werben, daher müsse vorher alles reiflich erwogen werden. Der Verein gebe kostenlose Auskunft in den Sprechstunden (Dienstag und Frei­tag nachm. 46 Uhr im Evgl. Gemeindehause).

Die Herabsetzung der Mieten habe erst begonnen. In den Großstädten habe es nicht erst eines Eingreifens des Ge­setzgebers bedurft, soweit es sich um größere und teure Wohnun­gen handelt. In Fulda liege ein Ueberangsbot an solchen Woh­nungen noch nicht vor, so daß hier leider noch Mieterhöhungen beim Freiwerden vorgenommen werden.

Die Berechnung der allgemeinen Herabsetzung der Mieten in Altbauten für Wohnungen und Geschäftsräume bei gesetzlicher Miete auf 110 Prozent, 106, bzw. 103 Prozent sei einfach: sie kann ohne weiteres vom Mieter bei der Mietzahlung vorgenom­men werden. Diejenigen Mieter, die eine vereinbarte Miete zahlen, die höher ist als die gesetzliche Miete, sind jetzt im Nachteil gegenüber denen, die nur die gesetzt. Miete zahlen. Der Vermieter muß die richtige Friedens-Miete angeben. An ein­zelnen Beispielen wurde die verschiedenartige Auswirkung _ber Mietsenkung erklärt. Bei den frei vereinbarten Mieten, beson­ders für Geschäftsräume stehe die gesetzliche (Ermäßigung in keinem Verhältnis zu der Auswirkung der Notverordnung bzgl. der gewaltig verminderten Einkommen.

Diejenigen Mieter, dir vom 1. Januar 1932 ab keinen

Gebrauch von der Herabsetzung der Mieten laut Not­verordnung machen, laufen Gefahr, daß sie von der nächsten zu erwartenden weiteren Senkung der Miete keinen Gebrauch machen dürfen.

Das sei jetzt schon sinngemäß aus den Bestimmungen bzgl. der außerordentlichen Kündigung zu entnehmen.

Durch das Kündigungsrecht des Mieters ist für ihn jetzt einmal die Möglichkeit gegeben, von einem langfristigen Ver­trag mit einer unangenehmen Miete loszukommen, wenn er sich zuvor ein anderes Lokal gesichert hat ober sichern kann. Bei den Wohnungen und Geschäftsräumen in Neubauten, Um- und Ein­bauten ist die Sache schwieriger und in jedem Falle verschieden: der allgemeine Satz von 10 Prozent gilt hier nicht. Hier muß der Vermieter die Mietsenkung angeben; der Mieter muß sich alsbald entscheiden und zweckmäßig sachkundigen Rat holen, da­mit er die Frist nicht versäumt, innerhalb derer er eine amtliche Entscheidung und Nachprüfung der Miete verlangen kann. Für die Mieter in Vaugenossenschastswohnungen gelten wieder an­dere Bestimmungen; hier soll eine Senkung der Mieten und gerechte Angleichung bezweckt werden.

Zu den bevorstehenden Generalversammlungen der gemein­nützigen Baugenossenschaften gab bet Vorsitzende wichtige Vor­schriften bekannt. Ueber den Gaspreis und die Beschaffenheit des Gases entspann sich eine lebhafte Aussprache, an der sich Herr Stadtverordneter Vudenz aufklärend beteiligte. Der Vor­sitzende erbat Material von den Hausfrauen (Gasrechnungen aus 1914 und auffällige Wahrnehmungen): der Mieterverein wird seine Aktion auch wegen des Preises für elektrisches Licht pp. fortsetzen.

Eine außerordentliche Sprechstunde soll wegen der Kündigung 5. Januar 1932 am Mon tag, den 4. Januar, im Evgl. Gemeindehause nachm. 47 Uhr abgehalten werben. Die nächste Versammlung soll Ende Januar stattfinden, damit über die Mietszahlung für Januar nochmals Aufklärung gegeben werden kann. Eine 'Broschüre mit den neuen Bestimmungen und aus­führlichen Erklärungen wird gegen 20 Pf. bereitgehalten und kann abgeholt werden. Rach Besprechung sonstiger wichtiger allgemeiner Fragen schloß der Vorsitzende in später Stunde die Versammlung mit den besten Wünschen fürs neue Jahr.

Im Rahmen der Winterhilfe

stellt die Reichsregierung Mittel zur Verfügung, durch die der hilfsbedürftigen Bevölkerung für die Monate Januar bis Mar­der Bezug von Kohle zum ermäßigten Preise ermöglicht werden soll. Voraussichtlich wirb ein Setrag von insgesamt 9 Millio­nen zu diesem Zwecke bereitgestellt werben. Aehnlich wie bei den Maßnahmen, die eine Verbilligung des Frischfleisches für die Hilfsbedürftigen herbeiführen sollen, übernimmt das Reich bei bei Belieferung mit Kohlen einen Betrag von 30 Pf. je Zentner, wobei für den Hilfsbedürftigen für bie Monate Januar, Februar und März je 2 Zentner in Ansatz gebracht werden. In Bezirkssürsorgc verbänden, in denen wie in her Stabt Fulda eine entsprechende Kohlenmenge den Hilssbedurs- tiyen durch das Wohlfahrtsamt unentgeltlich geliefert wird, sammt die Verbilligungsmaßnahme der Reichsregierung dem Wohlfahrtsamt, also dem allgein e i ne n Haushalt der

Stadt, zugute,

FamilrenaLend des Hofmann'schen Männerchors.

Am Neujahrstagabend hielt der Hofmannsche Mannerchor im Evgl. Gemeindehaus einen überaus zahlreich besuchten Familienabend ab. Nachdem ein flott gespielter Eröffnungs- marsch verklungen war und der Chor dieWeihnachtsglocken" von H. Sonnei würdevoll und tonrein zu Gehör gebracht batte, hieß der 1. Vorsitzende, Sangesbruder Schäfer, die Erschie­nenen herzlich wilkommen. In seiner Ansprache wies er daraus hin, daß der Hosmannsche Diännerchor mit Rücksicht auf bie äußerst trostlosen wirtschaftlichen Verhältnisse es unterlassen habe, sein Weihnachtsfesi im' üblichen größeren Rahmen zu feiern. Aus diesem Grunde sei dieser Familienabend im kleine­ren Kreise veranstaltet worden. Ferner gedachte der Redner in treffenden Worten der großen Verdienste, die sich der ur­sprüngliche Gründer und langjährige Dirigent des Chors. Rek­tor Hofmann, und dessen Nachsolger, Herr Odermusikmeister Heivers, um den Chor erworben haoen. Eleich-citig appel­lierte er an die aktiven Sänger, die Gesangsstunden vollzählig und pünktlich zu besuchen, um treue Sängersreundichast und Sängerkameradschaft zu pflegen. Im weiteren Verlauf des Abends kamen zwei flott gespielte Theaterstücke zur Ausführung, die großen Beifall fanden. Eesangsvorträge, humoristische Dar­bietungen und Tanz wechselten ab und hielten die Besucher noch lang gemütlich beijammen.

Weihnachtsfeier des Turn- und Fechtklubs.

In den Sälen des Bürgervereins veranstaltete am Neu- iahrstage der Turn- und Fechtklub Fulda [eine stark besuchte Weihnachtsfeier. Nach mehreren flott vorgetragenen Konzert­stücken ergriff der 1. Vorsitzende, Herr Lehrer Gutberlet, das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er die Weihnachts- botschast als einen Hinweis und eine Mahnung zur Einigkeit, Kameradschaftlichkeit und Brüderlichkeit für die Turner und für unser gesamtes deutsches Volk kennzeichnete. Glaube. Tapfer­keit und Hoffnung müssen die Ideale eines jeden deutschen Tur­ners sein. Der Redner gedachte auch der großen Zahl der ar­beitslosen Volksgenossen, die Weihnachten in Sorge und Not erleben mußten. Ihr Leid mitzutragen und ihrer Not zu steuern, ist die Pflicht aller derer, die zu helfen in der Lage sind. Im Anschluß an bie mit starkem Beifall ausgenommen^ Rede erklang bei brennendem Lichterbaum das gemeinsam ge­sungene alte, traute WeihnachtsliedStille Nacht, heilige Nacht". Verlosung und Tanz beschlossen den Abend.

Wandelkonzert.

Das für den Nsujahrstcig von der Städtischen Feuerwehr­kapelle geplante Wandelkonzert im Schlotzgarten konnte wegen der eingetretenen Kälte nicht stattsinden. Das nächste Wandel­konzert der Feuerwehrkapelle finbet bei etwaiger gelinderer Witterung am Mittwoch, den 6. Januar, von 1112 Uhr im Schloßgarten statt.

Die Rhön im Rv.ndsunk.

Vom Hauptvorstand des Rhönklubs wirb uns mitgeteilt, daß der bekannte Kunstmaler Herr Postdirektor m D. Eckert (Eisenach) am 3. Januar 1 932 in Köln einen Ründsunk- vortrag halten wird überWer denkt an die Rhön?".

Von der Polizei

wird uns folgendes mitgeteilt:

Die diesjährige Silvesternacht war im Gegensatz zu den Vor­jahren äußerst lebhaft. Lange vor Mitternacht zögen Gruppen Angetrunkener in den Straßen umher und bewiesen ihre ge­hobene Silvesterstimmung durch Gröhlen und Schreien. Es kam auch zu kleinen Schlägereien, die aber durch das Erscheinen der Polizei bald beendet wurden. Nach dem Verklingen der Prosit- Neujahr-Rufe und der Freudenschüsse würbe die Polizei nach dem Hause Königstratze 2 gerufen, woselbst rabauwüige junge Männer, insbesondere der erwerbslose Richard Barschel, die Türen und das Mobiliar eines Mieters zu Kleinholz machten. R. Borschel, der mit einer Axt bewaffnet war, zeigte sich als Anführer der wüsten Szenen. Um 1.45 Uhr wurden die Polizeistreifen nach der Sandhohle gerufen, wo ein Streit zwischen dem, Händler und Zigeuner Friedrich Christ und ande­ren Bewohnern der Sandhohle entbrannt war. Der Zigeuner Christ soll geschossen und seine Nachbarn bedroht haben. Wäh­rend die Polizeistreife nach der Sandhohle eilte, erschien der Zigeuner Christ mit blutüberströmtem Gesicht, Brust und Hän­den in notdürftigster Kleidung und durch starken Blutverlust ge­schwächt, auf der Polizeiwache. Er wurde in das hiesige Lan­deskrankenhaus gebracht. Die von der Polizei beruhigten Be­wohner der Sandhohle gerieten in der Zeit von 35 Uhr aber­mals in Streit. An den Wohnwagen des Christ und des Händ­lers Duveneck wurden fast sämtliche Fensterscheiben zertrümmert. Wegen schwerer Sachbeschädigung und Haus- und Landessrie- densbruchs wurden neun an dem Streit beteiligte Personen festgenommen und der Kriminalpolizei oorgeführt. Bei den Feststellungen gelang es, einzelne Schutz- und Hiebwassen zu beschlagnahmen.

Autozusammenstog.

Am 1. Januar 1932 gegen 21 Uhr erfolgte an der hiesigen Stadtpfarrkirche infolge 'der Straßenglätte ein Zusammenstoß zweier Personenkraftwagen, die hierbei stark beschädigt wur­den. Personen kamen n'icht zu Schaden.

Einbruch in der Neujahrsnacht.

In der Neujahrsnacht wurde in das Geschäft des Elektrotech­nikers H. Backes, Lindenstraße, ein Einbruchsdiebstahl ver­übt Der Dieb zertrümmerte das Oberlicht zu einem Fenster und entwendete nachEinsteigen von den in der Auslage befind­lichen Radio-Apparaten einen Dreiröhren-Netzempfänger Marke Siemens 31. In der vergangenen Nacht wurde in das Zigarrengeschäft Noll in der LLHerstraße ein Einbruchsdieb- stahl verübt. Hier sind bie Diebe mittels Nachschlüssels in den Laden eingedrungen und haben eine größere Menge Zigarren und Zigaretten entwendet.

Wächtersbach. 1. Jan. (Vor bie Lokomotive gc- spr u ngen.) Heute abend kurz nach %7 Uhr sprang ein etwa 24 Jahre alter Mann vor die Lokomotive eines Personenzuges und ließ sich überfahren. Der Lebensmüde war sofort tot. Die Personalien konnten noch nicht festgestellt werden.

Hanau, 31. Dez. (Am Grabe des Vaters erschos­sen.) Der 57 Jahre alte Kaufmann Helbig, der zuletzt als Angestellter beim Städtischen Gaswerk beschäftigt und früher lange Jahre Prokurist einer eingegangenen Biioutericsabrik war, hat sich auf dein städtischen Friedhof am Grave seines Vaters erschoßen. Der leidende Zustand Helbigs scheint die Ursache zu der Tat gewesen zu sein.

Darmstadt, 31. Dez. (Gesährliche Einbrecher am Werk.) In der letzten Zeit wiederbolten sich Fälle, in denen Einbrecher die Fenstorscheibeii von Wohnungen und Büros ein­drückten und dann ihre Diebstähle begingen. Nachdem derartige Einbrüche in Reichelsheim und Eberitadt oorgefommen waren, wurde in der vergangenen Nacht in das Kreisamt in Dieburg ein Einbruch verübt. Die Täter durchsuchten bie im Parterre gelegenen Räume, wo sie sämtliche verschlossenen Behältnisse erbrachen und durchwühlten. Ihre Beute belief sich jedoch nur auf vierzig Reichspsennige. Bei dem Geräusch, das die Ein­brecher verursachten, schlug der Hund des Hausverwalters an, und die Diebe mußten durch ein dreieinhalb Meter über dem Erdboden gelegenes Fenster die Flucht ergreifen. Das Landes- kriminalponzeiamt Darmstadt entianote noch in der Nacht Be­amte, bie zusammen mit der Dieburger Gendarmerie bie Ver folgung der hinterlassenen Spuren aufnehmen. Diese führten zu einem etwa 400 m vom Tatort entfernten, im freien Feld gelegenen Holzstoß, wo ein Stemmeisen und Spuren, von zwei Fahrrädern gefunden wurden. Im Hinterhof des Kreisamtes wurde ein prächtiges Schlachtmesser mit 14 cm langer Klinge und 13 cm langem Heft gefunden: auf der Klinge ist her Slawe «viiir Max, Frankfurt a. M." eingeschlagen. Anscheinend hat einer der Einbrecher das Messer vor dem Absprung aus dem Fenster geworfen, um sich nicht zu verletzen. In der Nähe des Messers wurde ein ebenfalls von einem Täter herrührender mausgrauer Wollhandschuh gesunden. Nach den bisherigen Fest­stellungen handelt es sich um zwei Einbrecher, bie ihre Ein- bruchsobjekle mit dem Fahrrad aussuchen.