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Zul-aer Anzeiger

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»r. 264 1931

Fulda, Mittwoch, 11. November

8. Jahrgang

Wege und Ziele.

Erst die Wirtschaft.

Zwei wichtige Wirtschaftskommissionen tagen jetzt zeitlich nebeneinander: Der Wirtschaftsbeirat der Reichsregierung und die Gemischte deutsch-fran­zösische Wirtschaftskommission. Die letztere wird wohl mit ihren Hauptberatungen erst einsetzen, wenn die Verhandlungen in Paris zwischen dem französischen Ministerpräsidenten Laval mit dem deutschen Botschafter in Paris, v. Hoesch, einerseits und dem französischen Bot­schafter in Berlin, Fran?ois-Poncet, andererseits zu einem gewissen Abschluß gekommen sein werden. Der deutsche Wirtschaftsbeirat hat jetzt endlich auch seine Arbeiten aus­genommen. Nachdem Vas Neichskabinett in seinen Be­ratungen die R i ch t l i u i e n für die Ausschußarbeiten des Wirtschaftsbeirates festgelegt hat, trat unter dem Vor­sitz des Reichskanzlers der Ausschuß IProduktionskosten und Preise" erstmalig zusammen. Ebenso auch Ausschuß II Zinsen und Kredite". Die Verhandlungen der beiden Ausschüsse sind vertraulich.

Ein gewisses Hand-in-Hand-Arbeiten der beiden Wirtschaftskommissionen wird sich auf die Dauer nicht vermeiden lassen, denn die Resultate der Verhand­lungen der einen werden teilweise die Grundlage bilden für die Entscheidungen der anderen. Wirtschaftliche Fragen sollen von den Sachverständigen beider Kom­missionen behandelt werden, und die Verknüpfung der erportwirtschaftlichen Fragen mit den Problemen' der Binnenwirtschaft ist so eng, daß eine scharfe Trennung bei ihrer Behandlung nicht gut möglich ist. Wird eine Verquickung dieser beiden Fragenkomplexe sich nicht um­gehen lassen, so wird eine strenge Scheidung einzutreten haben zwischen w i r t s ch a s t l i ch e n und politischen Interessen. Einem Hineinziehen der letzteren in den wirtschaftlichen Bereich, wie es anscheinend immer noch von Frankreich versucht wird, muß ein fester Riegel vor­geschoben werden. Eine solche Ermahnung, die politischen Fragen in Europa und besonders bei den deutsch srauzö- lischen Verhandlungen eine Zeitlang ruhen zu lassen, kann man auch aus der ersten Kabinettsrede des englischen Ministerpräsidenten Macdonald herauslesen. Europa müsse, so klingt.es aus England herüber, zunächst sein Wirtschaftsleben in Ordnung bringen und dann mit den zwecklosen Verpflichtungen ein Ende machen, die doch nie­mals erfüllt werden könnten, ohne daß man gleichzeitig einem jeden beteiligten Staat Schaden zusüge. Sicherlich besteht die Hauptschwierigkeit der Lage darin, daß die all­gemeine Not noch immer nicht gelehrt hat, die Wirt­schaft von der Politik zu sondern. So verknüpfen die Amerikaner die Schn l de nf rage mit der A b - r ü st u n g und die Franzosen die A b r ü st u n a mit der Sicherheit, was wieder die ganze Frage des Status quo in Europa aufrollt und damit den Boden für die Wirtschaftsverhandlungen aufwühlt und erschüttert.

Ernste Lage im Fernen Osten.

Hämischer Vormarsch aus TWar.

Neue Gefechte in der Mandschurei.

über die Vorgänge in der Mandschurei liegen so viel widersprechende Nachrichten vor, daß es nicht ganz leicht, wenn nicht unmöglich ist, sich ein klares Bild über die Vage im Fernen Osten zu machen. Die Ereignisse scheinen Met immerhin ernst zu sein. Das geht schon daraus her- Mt, daß nach einer Meldung desDaily Telegraph" der W englische Außenminister Sir John Simon seine ganze ^usmerksamkeit der mandschurischen Frage schenkt. Man bettachtet im englischen Auswärtigen Amt diese Augelegen- Mt für so wichtig, daß die persönliche Anwesenheit des Außenministers bei der Zusammenkunft des Völkerbund- rates am nächsten Montag in Paris notwendig sei.

Auch der amerikanische Präsident Hoover hat mit Staatssekretär Stimson eine längere Unterredung gehabt, über deren Inhalt allerdings tiefstes Schweigen seitens der amtlichen Kreise bewahrt wird. In der amerikanischen Zffentlichkeit wird anläßlich der Zuspitzung der Lage auf dle Stärke der amerikanischen Flotte im «einen Osten hingewiesen, die sich aus 38 Schiffen zu- iammensetzt, die sich auf Manila stützen. Unter diesen Schiffen befinden sich der neue KreuzerHouston", 18 -^orpedobootszerstörer, 12 Unterseeboote und zwei Minen­sucher, wozu noch zwei Flugzeuggeschwader kommen. Staatssekretär Stimson hat erklärt, er hoffe, daß die «einbfeiigteiten im Fernen Osten sich bald aus friedlichem Arege lösen lassen werden.

Vorläufig scheinen jedoch die Feindseligkeiten immer veiter zu gehen. Die Japaner haben demDaily Tele- graph" zufolge an den chinesischen General Matschangschan uw Forderung gestellt, die Stadt Tsitsilar sofort dem ^neral Tschnnghaipeng, dem Führer einer japanfreund- 'cheii chinesischen Truppe, zu übergeben. Matschangschan uuue das Ultimatum abgelehnt. Man erwartete daher den '»sortlgcn japanischen Angriff aus Tsitsikar.

Tientsin ist es zu einem neuen Feucrgefecht Wchen chinesischen Banditen und Polizeikräften ge- Die neutrale Zone zwischen der japanischen ""d der Stadt wurde von der chinesischen lwi r3« ""f kie Forderung der Japaner hin geräumt. Da- von japanischer Seite auch auf die Chinesen ge- Konr»? ^"^" sein. In einem Bericht meldet der britische l " ln Tientsin nach London, daß der Kommandant

Enögüliige, nicht vorläufige Losung.

Die kommenden deutsch-französischen Verhandlungen.

Über den Gang der diplomatischen Verhandlungen in der Stillhalte - u nd Tributfrage gehen in der internationalen Presse die widersprechendsten Nach­richten um. Die Meinungsverschiedenheiten drehen sich immer noch um die Zuständigkeit des Sonderaus­schusses der BIZ. Die Franzosen stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die Vollmachten dieses Aus­schusses nicht erweitert werden könnten, während nach deutscher Auffassung die von dem BJZ.-Ausschuß an­zustellende Untersuchung die gesamte deutsche Zahlungs­fähigkeit, also auch bezüglich der privaten Schuld­verpflichtungen gegenüber dem Auslande, umfassen müsse.

Sobald diese Frage geklärt ist, ist mit der Einberufung des beratenden Sonderausschusses der BIZ. zu rechnen. Das dürfte etwa in zehn bis vierzehn Tagen der Fall sein. Anschließend werden dann die sehr schwierigen Arbeiten der in Aussicht genommenen RcgterungskonfcrenF be­ginnen, die vielleicht noch vor Weihnachten zusammen­tritt. Die Arbeiten der Ncgicrungskonferenz dürften während der Weihnachtsfeiertage unterbrochen werden, um nach Weihnachten fortgesetzt zu werden.

Die, insbesondere in der französischen Presse, immer wieder aufgetauchte Behauptung, daß Deutschland nur eine vorläufige Lösung anstrebe, ist falsch. Die Rede, die der englische Ministerpräsident Macdonald in der Guildhall gehalten hat, läßt erkennen, daß Deutschland mit seiner Auffassung, es müsse jetzt eine endgültige Lösung herbeigefühvt werden, nicht allein steht. Bekannt­lich ist auch die italienische Regierung der gleichen Auf­fassung.

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Am Freitag tritt im Ministerium des Innern in Paris der Gemischte deutsch-französische Wirt- schaf t s a n s s ch u ß zu seiner Eröffnungssitzung zu­sammen. An dieser Sitzung nehmen von deutscher Seite teil:, StaatMkretäx Trendel ei-bürg, die Ministe rialtürek- toten Ritter und Posse, Regierungsrat Hammann vom Rcichswirtschaftsministerium, Staatssekretär von Simson, Geheimrat Bücher, Graf Rödern, sowie die Herren Fro- tvein, Hermes, Solmßen, von Raumer und Tarnow. Bei dieser Sitzung handelt es sich um die erste sachliche Füh­lungnahme. IL a. werden die Frage der Tagungs­orte sowie die Arbeiten besprochen, mit denen die ver­schiedenen Unterausschüsse sich beschäftigen sollen.

Fr-an^ois-ponceis pariser Reise.

. Francois-Poncet hatte eine längere Unterredung mit Briand. Wie zuverlässig verlautet, wird er erst in einigen Tagen auf seinen Berliner Posten zurückkehren. Man schließt daraus in politischen Kreisen, daß er Anweisungen für etwaige weitere Besprechungen mit Brüning und von Bülow empfängt.

der japanischen Konzession eine Beratung der Komman­danten aller fremden Konzessionen in Tientsin über ge­meinsames Vorgehen bei weiteren Unruhen vor­geschlagen habe. WieNews Chronicle" meldet, soll auch in Pe ki n g der Kriegszustand erklärt worden sein.

Nach einer unbestätigten Meldung desDaily Expreß" sollen in einèm Gefecht bei Haicheng in der Mandschurei mehrere hundert Chinesen verwundet oder getötet worden sein. Zwei Japaner sollen dabei gefallen sein. Bei einem anderen Kampf sind etwa 30 Chinesen und zwei Japaner gefallen.

Zu den Kämpfen in der Mandschurei.

Sturm auf Buttcrgcschäfte in Leningrad.

Moskau. Nach der teilweisen Aufhebung der Butter« Zwangswirtschaft kam es in Leningrad zu einm Sturm auf Bartergeschäfte, deren Vorräte im Nu ausverkauft waren. Die Miliz mußte eingreifen. Es wurde festgestellt, daß die Butter zu Spekulaiionszweckcn gekauft worden ist. Eine Anzahl der Käufer wurde verhaftet.

Schulden und Zinsen.

Nicht bloß alle Schuld rächt sich auf Erden, sondern auch alle Schulden tun dies. Sie tun es auf eine recht mannigfaltige Weise; außer ihrer Rückzahlung ver­langen sie eine oft recht hohe Verzinsung. Am bittersten und gründlichsten aber rächen sich jene Schulden, die vor­schnell gemacht, die in einem allzu hoffnungsfrohen Opti­mismus und ohne allzu große Rücksichtnahme auf die Schwere ihrer Bedingungen ausgenommen worden sind. Jetzt darüber zu klagen, ändert nichts mehr an dem un­erfreulichen Zustand selbst. Und wenn heute die Zinslast vielfach geradezu unerträglich ist, vielfach sogar zu Kata­strophen und Zusammenbrüchen führte und führt, so würde eine Zinskonvertierung", also die gesetzlich ver­ordnete, eine zwangs mäßige Zinsherab­setzung, eine Maßnahme sein, die nun die Gläubiger mitbüßen läßt für wirtschaftliche Verfehlungen, die der Schuldner begangen hat. Der Gläubiger würde teilweise enteignet werden.

Wenn trotzdem in Regierungskreisen, übrigens an­geblich auch im Wirtschaftsbeirat, an eine solche Zins­konvertierung gedacht wird, so ist ja das Ziel dieser Zins­senkung; wie schon oft und richtig gesagt, in allererster Linie die Erleichterung des Preisabbaues. Als ein auch nicht ganz unberechtigter Grund für die Zinsermäßigung wird dabei auch geltend gemacht, daß der zinsenempfan­gende Gläubiger einDeflatronsgewinnler" sei, an der Höherbewertung des Geldes nicht unerheblich profitiere. Das ist tatsächlich aber nur dort der Fall, wo auch die Schuldsumme auf derselben Höhe steht wie früher, also z. B. bei Hypotheken. Wer aber was bekanntlich in gewaltigem Umfange geschehen ist sein Geld in festverzinslichen Werten" angelegt hat, in Pfandbriefen jeder Art, Kommunalobligationen und sonstigen Rentenpapieren, hat inzwischen eine ganz außer­ordentlich große Vermögenseinbuße erlit­ten infolge des katastrophalen Sinkens der Börsenkurse all dieser Papiere. Sie sind jetzt zur Hälfte ihres Nomi­nalwertes, teilweise sogar zu einem noch weit niedrigeren Preise zu haben und wer sie heute kauft, erhält demgemäß tatsächlich eine weit höhere Verzinsung für sein Geld als die 6, 7 oder 8 Prozent, die den ursprünglichen Zeichnern oder Käufern Dieser Rcntenpapiere gezahlt werden. Da würde also etwa die Festsetzung eines Zinshöchstsatzes gar nichts nutzen, würde auch eine Zinsherabsetzung ein­fach durch Kursrückgänge ausgeglichen werden. Das Ver­bot des Verkaufs dieser Rentenpapiere bzw. der Kündi­gung von Hypotheken würde die zwangsweise Zinsherab­setzung begleiten müssen, aber natürlich den R e a l - kreditmarkt völlig zerstören. Banken nnd Versicherungsgesellschaften, Sparkassen und Genossen­schaften haben aber die ihnen zugeflossenen Gelder in Milliardenbeträgen teils als Hypotheken, teils als fest­verzinsliche Werte angelegt und daher wären die Folgen eines staatlichen Eingreifens durch eine gesetzliche Zins- senkung gar nicht abzusehen.

Nun ist freilich für die Erzeugung und den Handel der k u r z f r i st i g e Kredit und seine Kosten von viel größerer Bedeutung als der Nealkredit. Aber trennen lassen sich diese beiden Gebiete doch nicht; die Einflüsse direkter und indirekter Art gehen hinüber und herüber. Auf demGeldmarkt" diktiert die Reichsbank mit ihrem Diskontsatz ziemlich selbstherrlich aber eben nur ziemlich! Sie ist schon dadurch beschränkt, daß sie ihre Hauptaufgabe heute mehr denn je! mit ihrem Dis­kont die Währung zu verteidigen hat, was ihr jetzt aber nur mit Hilfe vor allem des Stillhalteabkommens einiger­maßen gelungen ist. Andererseits wissen gerade die Land­wirtschaft, die kleine und mittlere Industrie, Handel und Gewerbe ans bitterster Erfahrung, daß für sie der Neichs- bank-, ebenso wie selbst der P r i v aK diskontsatz gar nicht maßgebend war und ist, sondern daß unsere Kredit­institute von ihnen viel höhere Zinsen, viel schwerere Be­dingungen verlangen. Wiederholt hat sich der Reichs­kanzler erst kürzlich wieder, und zwar sehr ausführlich in feiner Rede vor dem Reichsausschuß der Zentrums­partei scharf gegen diese volkswirtschaftlich untragbare Art der Kreditverteilung gewandt, die man leider dahin charakterisieren muß, daß dieKleinen" sehr wenig Kredit erhalten, diesen obendrein auch noch mit sehr hohen Zins­sätzen zu bezahlen haben.

Gegen die großen Zinsspannen sind zwar schon oft Attacken geritten worden; viel Erfolge sind aber dabei nicht zu verzeichnen. Gerade diese Spannen uno die sonstigen bei der Kreditgewährung entstehenden oder ein­gesetzten Kosten sind aber für die effektive Höhe des Zins­satzes von wesentlichster, nämlich für den Kreditnehmer sehr unerfreulicher Bedeutung. Wenn die Reichsrcgierung und der Wirtschaftsbeirat hierauf einen wirklich erfolg­reichen Angriff unternähme, dann käme es zu einer organischen und darum allseits zu begrüßendenSenkung der zu hohen Zinssätze", die herbeizuführen Dr. Brüning als nächste Aufgabe bezeichnet hat.

Kleine Zeitung für eilige £efer

* Reichsinnenminister Gröner sprach sich scharf gegen die Zusammensetzung des Überwachungsausschusses deS Berliner Rundfunksenders aus.

* Bei der Explosion im Hauensteiner Steinbruch wurden sechs Personen getötet.

* Das englische Parlament wurde mit einer Thronrede deS Königs eröffnet.

* Die Zahl der Arbeitslosen iw Deutschland betrug am 30. Oktober 4 622 000.

* D'e Reichsxoft beabsichtigt, ein umfangreiches Sparpro­gramm durchzuinhren.