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Zul-aer Anzeiger

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SHt. 260 1931

Fulda, Freitag, 6. November

8. Zahrgang

DeutschlandsNervenprobe".

9er Kanzler über den Krisenwinler.

Das Zentrum gegen Koalitionsgerüchte.

Der Reichsausschuß der Deutschen Zen - trumspartei trat im Plenarsitzungssaal des Reichs­tages zusammen. Der Vorsitzende der Partei, Abgeordne­ter Kaas, eröffnete die Sitzung. Mit großer Schärfe wandte sich Kaas dann gegen die Koalitions­gerüchte, die, wie er sich ausdrückte, in jüngster Zeit von Kreisen außerhalb der Partei in der Öffentlichkeit erörtert worden seien. Es seien keine Tatsachen ein- gelreten die geeignet wären, an dem seinerzeitigen Be­schluß der Zentrumsfraktion des Reichstages, in der

jede Tolerierung einer Rechtsregierung abgelehnt wurde, irgend etwas abzuändern. Es sei jetzt nicht die Zeit für derartige Koalitionsredereien, die schließlich nur geeignet wären, die Aktionsfähigkeit und Handlungsfreiheit der Reichsregierung zu schwächen und zu hemmen. Es komme jetzt nicht auf Worte an, sondern aus Taten. Die Ausführungen des Vorsitzenden Kaas fanden aus der Versammlung heraus außerordentlich stacken Beifall. Sodann erhielt das Wort der General­sekretär der Rheinischen Zentrumspartei, Ruffini- Köln, zu einem Vortrag:Wie sieht die Partei die Tätigkeit des Reichskanzlers Brüning?" Die Ausführungen des Redners zeigten, daß die Wähler- schaft des Zentrums nach wie vor gesonnen sei, sich vor­behaltlos und entschlossen hinter den Reichskanzler Brüning zu stellen.

Der Kernpunkt der Tagung des Reichsausschusses waren längere Ausführungen

des Reichskanzlers Brüning.

Der Weg, den die Reichsregierung zur Be- lämpfung der Notzeiten eingeschlagen hat, ist der einzig mögliche, so führte der Kanzler u. a. aus: Das jetzige Kabinett Brüning steht den Partei wünschen noch objektiver gegenüber als das vorherige. Es gibt für die Neichs- regierung nur eilten Weg: den Weg

der Ergreifung sachlich notwendiger Matznahmen.

Sie wird sich durch keine Angriffe bei der Ausführung derselben irgendwie beeinflussen oder gar stören lassen. Man kann allerdings mit Notverordnungen nicht auf die Dauer so regieren, wie man das alles in der Öffentlichkeit vielfach glaubt. Es müssen im Interesse der Gesundung der deutschen Wirtschaft vorsichtig Schritt für Schritt alle Maßnahmen sorgfältig erwogen werden, und deshalb bedeutet der Notverordmmgsweg durchaus keine Erleichterung für die Reichsregierung bei der Bewälti­gung dieser Aufgaben. Dazu kommt, daß es heute in Deutschland noch sehr viele Leute gibt und dazu ge­hören auch manche Parteiführer die offenbar den ganzen ungeheueren Ernst der gegenwärtigen Lage noch immer nicht klar erkannt haben. Die Reichsregierung will den Reichstag nicht auf die Dauer ausschalten, sie mutz aber Zeit und Naum haben, ihre Aufgabe zu lösen, und dies allein ist der ausschließliche und alleinige Zweck der längeren Vertagung des Reichstags.

Die Verschuldung Deutschlands

ist im wesentlichen eine ausländische in ausländischer Währung. Trotzdem dürfe die Reichsregierung die Mark dem Pfund unter keinen Umständen folgen lassen. Ich werde mich bis zum äußersten gegen jede insla - iorische Maßnahmen stemmen. Denn wenn das Ausland sieht, wie

die Wirtschaftslage in Deutschland in Wirklichkeit ist, und nicht, wie sie durch gewisse inflatorische Bestrebungen vernebelt werden soll, erst dann wird das Vertrauen in die deutsche Wirtschaft aus dem Aus­land gefestigt werden. Die bisherige Politik der Reichs- wgierung hat bereits dazu geführt, daß heute in Deutsch­land die wirtschaftliche Lage Deutschlands mit ganz anderen Augen gesehen wird, als dqs noch vor wenigen wahren der Fall war. Auch die kommende Zeit wird das deutsche Volk noch vor weitere schwere Opfer und Einschränkungen stellen.

Nm so mehr muß das Volk unbedingte und gerecht- wâtzige Verteilung der Lasten haben. Es müssen Maß­nahmen getroffen werden, die zwar Ersparnisse auch weiterhin möglich machen, aber sic müssen auf der anderen Seite auch die Kaufkraft und die Lebenshaltung wieder stärken. Die Maß­nahmen der Reichsregierung dürfen nicht zur Schrump­fung führen, sondern sic müssen die deutsche Wirtschaft beleben.

Die Selbstkosten der deutschen Wirt- lchaft müssen allerdings gesenkt werden, um sich kon­kurrenzfähig zu erhalten. Dieses Problem ist aber nicht zu losen lediglich durch einseitigeLohnsenkung, nenn das würde letzten Endes nicht weiter zur Folge haben, als eine weitere Einschränkung der Kaufkraft und stein "daße ^^W selbst schädigen. Es muß möglich

die einzelnen Berufsgruppen sich schließlich verständigen, x^das wird gelingen bei gegenseitigem aufrichtigen

[1)iM Die Etatslage des Jahres 1932 wird sehr schwierig Die Hauptaufgabe wird es sein müssen, schnellstens h J M nGeschäftsprinzipien und Maximen nnh» r Vrte®^eV zu kommen. Weiter wird es die Auf- u um, daß in den jetzt beamnenden Verhandlungen

eine Lösung des Reparationsproblems gesunden wird, die für das deutsche Volk und die ganze Welt das Vertrauen wieder herstellt, ohne welches die Weltwirt­schaft für lange Zeit gestört bleiben würde. Zugleich muß eine Regelung der kurzfristigen Kredite erfolgen. Alle diese Hauptaufgaben sind aber nicht durchzuführen ohne

die Schaffung des Vertrauens

im Inland und Ausland. Die Welt muß sicher sein, daß in Deutschland keine politischen Experimente gemacht werden.

Gerade dieser Winter wird dem deutschen Volke die schwerste Nervenkrise auferlegen. Darum ist es vater­ländische Pflicht, alles zu tun, was zur Schaffung und Kräftigung des Vertrauens mithelfen kann und alles zu unterlassen, was es stören und vernichten muß.

Nach den Ausführungen des Reichskanzlers setzte die Aussprache ein.

Oie Beratungen der Zentrumspartei.

Die Aussprache im Reichsparteiausschutz.

In der Aussprache erklärte u. a. Reichsarbeitsminister Stegerwald, eine koalitionspolitische Frontverbreiterung sei heute weder nach rechts noch nach links möglich. Er betonte, Deutschland habe nie bestritten, daß die privaten Schulden verzinst und rückerstattet werden müssen. Es sei aber auch nicht in der Lage, noch politische Schulden in größeren Beträgen zu zahlen. Erst bei voller Klarheit über den Stand der Reparations- und Stillhaltefragen sei eine feste Grundlage für eine starke deutsche Innen­politik gewonnen.

Weitere Ausführungen Brünings.

Reichskanzler Dr. Brüning betonte im Verlaufe seiner Ausführungen, daß das Notverordnunasreaime

56 Milliarden deutsche Tribute.

Warnung an Frankreich.

Der unzulängliche Tributausschutz.

Eine Zeit reger diplomatischer Verhandlungen werden die nächsten Wochen sein. Ist es doch jetzt die Ausgabe der Reichsregierung, die Gläubigerländer davon zu über­zeugen, daß die Einberufung des im Young-Plan vor­gesehenen Ausschusses der BIZ. nur mit den Besugnissen, wie sie ihm die Young-Abmachungen geben, nicht aus­reichend und höchst überflüssig ist. Dieser Ausschuß ^ist ja dazu eingesetzt, um Maßnahmen zu treffen, die das Funk­tionieren des Planes bei und trotz Störungen ermöglichen soll, während es heute für Deutschland darum geht, die Unmöglichkeit der Young-Zahlungen zu erweisen. Der Tributausschutz bezweckt nicht den Schutz Deutsch- l a n d s , sondern den des Young-Plans. Der cm« zuberufende Gläubigerausschutz wird, wenn er überhaupt ein greifbares Resultat haben soll, bedeutend weitere Voll- machten haben und vor allem neben den Reparations­belastungen Deutschlands auch dessen kommerzielle Schul- den berücksichtigen müssen bei der Feststellung der Zah­lungsfähigkeit Deutschlands. Denn diese Bankkredite sind ja zum großen Teil nur ausgenommen worden, um die Tributzahlungen und Reparationsleistungen zu ermog- lichen. Und zwar muß die Frage der deutschen Schulden­zahlungen s ch l e u n i g st geregelt werden. Einer schnellen Abwickelung scheint aber die erneut auftretende Absicht Frankreichs entgegenzustehen, die f i n a n z i e l l e Notlage Deutschlands zur Erzwingung von politischen Zu­geständnissen ausnutzen zu wollen. Solange Deutschlands Kredit nicht wiederherqestellt worden ist, werden keiner- lei Schulden gezahlt werden können. Dieser Wieder- Herstellung des Vertrauens stehen aber die Tributforde- rungen Frankreichs entgegen, die eine Begleichung der Privatschulden unmöglich machen. Jedenfalls sollte Frankreich stets die Warnung anderer Gläubigerstaaten, besonders Englands, berücksichtigen, daß ein finanzieller Zusammenbruch Deutschlands ganz Europa und besonders auch Frankreich unendlichen Schaden zufügen und die Weltwirtschaftskrise in Permanenz erklären würde.

In der französischen Presse wird in den letzten Tagen lebhaft die Frage der Vordringlichkeit der Tribute vor den privaten Schuldverpflichtungen Deutschlands erörtert. In Deutschland ist hierzu schon mehr als ein­mal erklärt worden, daß beide Fragen von der Zahlungs- sähigkeit Deutschlands abhängen und daß aus diesem Grunde die Frage der Vordringlichkeit völlig müßig sei. Dieser Standpunkt, der eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist in den letzten Monaten auch von feiten der Reichsregierung wiederholt vertreten worden

Tribuikonserenz im Zanuar in Paris?

Was die Pariser Presse schreibt.

DerJntranstgeant" glaubt heute schon versichern zu können, daß im Januar in Paris eine Konferenz der Gläubigermüchle und Deutschlands stattfinden werde.

Frankreich so schreibt derTemps", dessen Bezie­hungen zum Außenministerium bekannt sind sei nicht bereit, die Grundsätze des Young-Planes und sein Recht auf Tribute zu opfern. Es erkenne jedoch an. daß mit

nicht eine erleichterte Regierungstätigkeit bedeute.' Er habe keine Angst vor Auseinandersetzungen, aber er suche sie bewußt zu vermeiden, weil er sich immer sage, es habe wirklich keinen Zweck, in diesem Winter sich auf sinnloses Geplänkel und parteipolitische Auseinandersetzungen ein­zulassen, statt jede Minute dazu zu benutzen, um sich zu­sammenzufinden und gemeinsam an der Rettung des Vaterlandes zu arbeiten.

Aus die wirkliche Lage der Landwirtschaft Deutsch­lands kommend, fährt Brüning fort: Wir haben jede Vieheinfuhr unmöglich gemacht. Wir sind also sozusagen zu dem lückenlosen Schutz in dieser Be­ziehung gekommen, der jahrzehntelang die Forderung der Landwirtschaft war. Die Preise sind weiter herunter­gegangen. Wenn man sich überhaupt zollpolitisch oder durch Devisenbewirtschaftung völlig auf allen Gebieten von der Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte abschlietzen würde, dann würde nicht mehr die Höhe des Zolles, sondern die Kaufkraft der Bevölkerung allein den Kaufpreis bestimmen. Das muß in alle Kreise der Land­wirtschaft hineingetragen werden. Wie soll man sonst die außerordentlichen Maßnahmen, die für die Landwirt­schaft in den eineinhalb Jahren getroffen worden sind, vertreten und durchhalten vor der überwiegenden Zahl der deutschen Bevölkerung, die nun einmal Konsumenten sind.

Der Reichskanzler betont dann die Notwendigkeit, die Währung stabil zu halten und wendet sich gegen den Gedanken, die Mark vom Golde abzuhängen. Nach einem Hinweis auf die Notwendigkeit, eine weitere Ver­schlechterung der Lebenslage und der Kaufkraft zu ver­meiden, den Mittelstand, Einzelhandel und Handwerk zu erhalten, sprach der Kanzler von der Notwend' Feit einer Verständigung über die Tarifverträge.

Der Vorsitzende Abg. Kaas schloß die Ausführungen mit dem Dank der Partei und dem Dank aller derer, die zwar nicht zur Partei gehörten, aber im gleichen Lager stünden wie der Reichskanzler, für seine Führung der Reichsgeschäfte. Damit hatte die Tagung ihr Ende erreicht.

Rücksicht auf die Schwierigkeiten, in denen sich das Reich befinde, eine Neuregelung notwendig erscheine. Diese Regelung müsse jedoch aus dem im Young-Plan vor­gesehenen Wege erfolgen und im Einklang mit allen übrigen interessierten Mächten vorgenommen werden. Ob eine Konferenz einberufen werden müsse, sei zu erwägen. Frankreich werde niemals zulassen, daß die Tribute den augenblicklichen finanziellen Interessen Deutschlands end­gültig und unwiderruflich geopfert würden.

Deutschlands bisherige Tributleistungen.

über 2b Milliarden Goldmark an Frankreich.

Die Erörterungen in der Tributfrage, insbesondere in der französischen Presse, haben auch die Frage der bis­herigen deutschen Tributleistungen Wiederaufleben lassen. Es muß deshalb bei dieser Gelegenheit wieder einmal dar­auf hingewiesen werden, daß sich die deutschen Tribut­zahlungen von 1918 bis etwa Mitte 1931, also dem Zeit­punkt, an dem das Hoover-Jahr begann.

nach vorsichtigen deutschen Schätzungen auf 55 bis 56 Milliarden Goldmark belaufen, ungerechnet den Verlust der Kolonien. Das amerika­nische Institut für Volkswirtschaft (Institute of Econo­mics) schätzt die deutschen Tributzahlungen bis zum Jahre 1923 auf etwa 25,6 Milliarden Goldmark. Rechnet man zu diesem Betrage die deutschen Lei stungen aus dem Young-Plan in Höhe von etwa 2,7 Milliarden und aus dem Dawes-Plan von rund 8 Milliarden Goldmark, so ergibt sich auf Grund der bis zum Jahre 1923 reichenden Schätzung des amerikanischen Instituts für Volkswirtschaft ein Gesamtbetrag von nahezu 36,3 Mil­liarden Goldmark. Das Institut für Volkswirtschaft fügt aber hinzu, daß die Schätzung auch durchaus höher liegen könne.

Da die Franzosen gemäß dem Verteilungs­schlüssel, den die Verbündeten seinerzeit vereinbart haben, 52 Prozent aller deutschen Zahlungen erhalten, so ergibt sich, daß die Franzosen bis zum Beginn des Hoover- Jahres aus Grund der amerikanischen Schätzung eine Summe von rund 18,8 Milliarden Goldmark erhalten haben. In Wirklichkeit dürste aber der Betrag, den die Franzosen erhalten haben, wesentlich höher sein, wenn berücksichtigt wird, daß die amerikanische Schätzung bereits im Jahre 1923 gemacht wurde.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Reichskanzler Dr. Brüning hielt vor dem ReichSpartei- ausschutz des Zentrums eine bemerkenswerte Rede über btt Politik des kommenden WinterS.

* Im Calmette-Prozeß beantragte der Vertreter der Nebe» klüger eine Erweiterung der Anklage gegen die Angeklagten Prof. Dr. Deycke und Dr. Altstâdt.

* Die bisherigen Tributleistungen Deutschlands werden aus über 56 Milliarden Goldmark beziffert.

* Zn der Mandschurei sollen die Chinesen einen Waffen- erfolg errungen haben.

* Bei einer schweren Explosion aus einem amerikanische« Schlachtschiff wurden zahlreiche Personen getötet und schwer