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Möaer /inzeiger

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£238 - 1931

Fulda, Montag, 12. Oktober

8. Jahrgang

Forderungen der Rationalen Opposition.

Hitler berichtet dem Reichspräsidenten über die nationalsozialistische Bewegung.Auf der Harzburger Kundgebung verlangen die Führer der Rechtsopposition sofortigen Rücktritt der Regierung Brüning, Neuwahlen zum Reichstag, Außerkraftsetzung aller seit dem 10. Februar 1931 erlassenen Notverordnungen, Einstellung der Zahlung von Polizeikostenzuschüssen an Preußen.

Empfang Hitlers beim Reichspräsidenten.

Aussprache über die politische Lage.

Die Nachricht, daß Reichspräsident von Hindenburg den Führer der Nationalsozialisten, Adolf Hitler, empfan­gen würde, hat sich bestätigt. Der Empfang hat am Sonn­abend stattgefunden und hat ungefähr 1^ Stunden ge­dauert. über den Empfang wird folgender amtlicher Be­richt ausgegeben:

Der Reichspräsident empfing die Herren Hitler und Hauptmann a. D. Göring und nahm von ihnen einen ausführlichen Bericht über die nationalsozialistische Be- wcgung entgegen. Hieran schloß sich eine Aussprache über außen- und innenpolitische Fragen.

Zum Empfang Hitlers beim Reichspräsidenten-hatten sich viele Zuschauer eingefunden. Die nur verhältnismäßig schwach vertretene Polizei hatte die Menschen auf den dem Reichspräsidentenpalais gegenüberliegenden Bürgersteig, der mit Stricken gegen die Fahrbahn abgesperrt war, ge- tongt Der Verkehr war in vollem Umfange aufrecht- erhâi worden; die gespannt wartenden Zuschauer ver­hielten sich vollkommen ruhig. Eine kleine Unruhe entstand ich, als auf Grund einer Anweisung des preußischen Zmenministers den Pressephotographen unter Androhung der Befchtagnayme ihrer Apparate das Photographieren Mtersagi wurde. Als Adolf Hitler in Begleitung des Mchstagsabgeordneten Göring nach eineinviertelstündiger Besprechung beim Reichspräsidenten wieder erschien, wurde er von seinen Anhängern begeistert begrüßt. Die Menge zerstreute sich, ohne daß sich Zwischenfälle ereigneten.

. Zu dem Photographierverbot wird noch von national- sozralistischer Seite bekannt: Auf Befehl des preußischen Innenministers wurde das Photographieren und Filmen vor dem Reichspräsidentenpalais bei der Anfahrt und Ab-

Adolf Hitlers von der Polizei verboten und dagegen ^-»geschritten. Das Reichsinnenministerium mißbilligt ussen rechtlichen Übergriff der preußischen Polizei und wtld veranlassen, daß Apparate, falls sie beschlagnahmt worden sind, sofort den Eigentümern zurückgegeben wer­den. jedenfalls steht fest, daß der angeblich der preußischen Polizei erteilte Befehl, nur die Tonfilmwagen an ihrer worden istU aus alle Photographen ausgedehnt

*

Die Harzburger Kundgebung.

; ®töbt Bad Harzburg stand am Sonnnabend und ! r^J,!3 Sa«3 im Zeichen der Tagung der Nationalen I Tie ^^ Straßen zeigten reichen Flaggenschmuck. [ < der Nationalen Opposition waren vollzählig - außer Dr. Hugenberg die Bundesführer I tziuE^lms, Seldte und Düsterb er g , und Adolf I vom Alldeutschen Verband Justizrat Claß. Aus I Don der Landwirtschaft Dr. Wendhausen, I k Sieber und die Präsidenten Bethge und k StaatEvu den Mitgliedern des Reichs- und f Ache., E ° t e s waren Freiherr von Gahl, Minister I Finam E-fUUd Minister Klagges aus Braunschweig, ! Attn- EE^ Dehlmger-Württemberg, Justizminister bum ^nE^vn, Ministerpräsident Eschenburg-Mecklen- ^rsönli^? Schulze-Pelkum anwesend. Ferner sah man Ritter so aus den führenden Kreisen der Wirtschaft,

§ Relchsbankpräsidenten a. D. S ch a ch 1.

Generalnk.n,/ Wehrmacht war vertreten u. a. durch Mutier N^ von Einem, General von Gallwitz, von Admiral k^E. Admiral von Trotha, Prinz Eitel Friedrich, Die Petzow, Generaloberst von Seeckt

^or dem ar°k»bchungen begannen um 10 Uhr im Kurhaus.

E"^V hatte eine Abteilung Nationalsozialisten gelten di/^E^^Usen. Vor der gemeinsamen Beratung ^.vvsitzende Evualsozialisten eine Sondersitzung ab. Der Mer taim«« l^ ^â , gab eine Darstellung, wie es zu N§ Ö''111« sei. In der NSDAP, hätten an- ^toeifcn dob LP^1^- Demgegenüber sei darauf hin- 9^en müffp? EA Mussolini den Weg der Koalition habe ,n lleschlgss. ' ^"^vendig sei, daß die nationale Opposition taIf°âmii E die Macht erreiche. Die Natio- dort foficnoiTH^u ?eu Reichstag zurückkehren, nicht, ^' RegierunaV pvNtwe Arbeit zu leisten, sondern, um i Frick verlas und das System zu erledigen. ^ Nationalen ^L^r^6 Anträge, die von den Parteien Sebet3ufamm^ im Reichstage bei seinem solle«, ^^mentritt am Dienstag eingebracht werden

Eliten: "samen Anträge der Nationalen Opposition

^ertrâân; ^°^)stag entzieht der Reichsregierung das ^fâuiäfen i*Ä& wird ersucht, den Reichstag ^her^^unmhlen^auf Sonntag, den 8. No-

3. Die von dem Neichspräsidcuten auf Grund des Artikels 48 Absatz 2 der Reichsverfassung seit dem 16. Fe- brnar 1931 erlassenen Verordnungen sind außer Kraft zu setzen;

4. Die Zahlung der Polizeikostenzuschüsse an Preußen ist mit dem 31. Oktober 1931 cinzustellen.

Frick erteilte hierauf

Adolf Hitler das Wort. Er verlas ein Manifest, das mit schweren Vor­würfen und Anklagen gegen die bisherigen deutschen Re­gierungen, insbesondere gegen die Regierung Brüning, begann und in dem es weiter heißt: Wir sehen die Mög­lichkeit der Rettung der deutschen Nation nur in einem gigantischen Appell an die in uns selbst vorhandene Kraft. Feierlich erheben wir

Protest gegen die weitere Aufrechterhaltung des sogenannten Friedensvertrages von Versailles, der nicht nur unser deutsches Volk zerstört, sondern in zwangsläufiger Folge die ganze Welt in einen Zustand ewiger Unruhe und Unsicherheit werfen muß. Die von uns allen gewünschte Zusammenarbeit der zivilisierten Nationen ist so lange undenkbar, als die Welt durch diesen Vertrag in zwei seindselige Hälften zerrissen ist. Der Kampf gegen die b o l s ch e w i st i s ch e Zertrümme­rung aller menschlichen Gemeinschaften setzt eine auf­richtige Auflehnung aller der Nationen voraus, die vor allem im Interesse ihrer hand- und kopfarbeitenden Menschen den sozial grauenhaften Zustand des bolsche- visierten Sklavenstaates vermeiden wollen.

Am Mittag fand die

gemeinsame Sitzung der parlamentarischen Vertreter des Reichstages, des Preußischen und des Braunschweigischen Landtages, der in der Natto- nalen Opposition vereinten Parteien, statt.

Nach den Besprechungen fand ein

Feldgottesdienst auf bent Wiesenhang Hinter den Eichen statt. Nach dem Niedsrländischen Dankgebet sprachen Hofprediger Döhring sowie der katholische Pfarrer Hoynka aus Schlesien.

Nach dem Gottesdienst erfolgte der Vorbeimarsch der uniformierten SA.- und Stahlhelmleute.

Hitler verläßt das Hotel Kaiserhof.

um sich zum Reichspräsidenten von Hindenburg zu begeben.

Nach einer Mittagspause folgte

die große Kundgebung im Kurhause.

Der große Saal des Kurhauses war dicht gefüllt.

Nach einer Begrüßungsansprache des braunschweigi­schen Ministerpräsidenten Dr. Km'enthal eröffnete

Dr. Hugenberg,

der deutschnationale Führer, die Reihe der Redner. Er führte u. a. aus: Hier ist heute die Mehrheit des deutschen Volkes. Aus dieser Gemeinschaft heraus wird, wenn ei Zeit ist, die Parole für die Reichspräsidentenwahl ausge­geben werden. Was Arbeitslosigkeit beißt, weiß jetzt die ganze Erde. Ihr wird

der erste große Kampf

der regierenden nationalen Opposition gelten. Jeder Blick iy. ditz^ZukunLt chat dem.»ett BrüninL^eßM. M Hat

jede Gelegenheit verpaßt. Man glaube nicht, daß wir un­geduldig nach Ministerseffeln oder persönlicher Macht oder Bonzentum seien. Wir sind nur ungeduldig nach Rettung des Volkes. Wer solche von uns erwartet oder sie selbst nicht leisten kannn, mag uns auch die Macht dazu gönnen. Insbesondere die Macht in Preußen. Dr. Hugenberg schilderte dann die außenpolitische Lage und fuhr fort: Aus dem Gedanken der nationalen Gemeinschaft heraus müssen die nationalen Volkswirtschaften der großen lebens­fähigen Völker in

Freiheit und Selbständigkeit neu aufgebaut werden. Das bedeutet nicht den geschloffenen Handels­staat. Aber es bedeutet eine im großen Rahmen s i ch selbst genügende Nahrungsgrundlage, freie Entwick­lung der einheimischen Kräfte und aller Möglichkeiten des inneren Marktes sowie Teilnahme an den Kolonial- und Siedlungsgebieten der Erde. Es bedeutet

selbständige Wâhrungs- und Handelspolitik, natio- nale Führung und Freiheit der großen Unterneh­mungen des Landes sowie Schutz der eigenen Volkswirtschaft vor Störungen durch ausländische

Kapitalmächte und deren Bundesgenoffen.

Es bedeutet Entwicklung des auswärtigen Handels und Warenaustausches und Verkehrs auf der Grundlage der gegenseitigen Ergänzung und Befruchtung statt des Dum­pings und der Zerrüttung aller Märkte. Es bedeutet voll­ständige Abkehr von dem sogenanntenweltwirtschaftlichen Gelten". Alles wartet nur auf die Parole zu den ersten Hammerschlägen des Neubaues. Aber der Bauplatz muß zuvor von den anderen geräumt sein.

Im Anschluß an seine Rede verlas Dr. Hugenberg die gemeinsame Entschließung, in der folgende Forderungen erhoben werden:

Wir stoßen keine Hand zurück, die sich zu wirklich ehr­licher Zusammenarbeit anbietet. Wir müssen aber die Er­haltung eines falschen Systems und die Fortsetzung eines falschen Kurses in einer nur national getarnten Regierung der bisherigen Kräfte ablehnen. Jede Regierung, die gegen den Willen der nationalen Opposition gebildet werden sollte, muß mit unserer Gegnerschaft rechnen.

So fordern wir den sofortigen Rücktritt der Regierung Brüning und Braun, die sofortige Aufhebung der dikta­torischen Vollmachten für Regierungen, deren Zusammen­setzung nicht dem Volkswillen entspricht und die sich nur noch mit Notverordnungen am Ruder halten. Wir fordern sofortige Neuwahlen der überalterten Volksvertretungen, vor allem im Reich und in Preußen.

Im vollen Bewußtsein der damit übernommenen Verantwortung erklären wir, daß die in der nationalen Opposition stehenden Verbände bei kommenden Unruhe« wohl Leben und Eigentum, Haus, Hof und Arbeitsstellen derjenigen verteidigen werden, die sich mit uns offen zur Nation bekennen, daß wir es aber a b l e h n e n, die heutige Regierung und das heute herrschende System mit dem Einsatz unseres Blutes zu schützen. Wir verlangen Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit und Rüstungsausgleich. Wir beschwören den durch uns ge­wählten Reichspräsidenten von Hindenburg, daß er dem stürmischen Drängen von Millionen vaterländischer Männer und Frauen, Frontsoldaten und Jugend entspricht und in letzter Stunde durch Berufung einer wirklichen nationalen Regierung den rettenden Kurswechsel herbei­führt.

Die Entschließung wurde mit stürmischem Beifall aus­genommen.

Dr. Schacht.

Rach Hugenberg sprachen die anderen Führer. Der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht erklärte in seiner Rede: Das Programm, das eine nationale Regierung durchzuführen haben wird, berhut auf einigen ganz wenigen Grundgedanken. Es ist das Programm Friedrich des Großen nach dem Siebenjährigen Kriege:

Sich fest auf die heimische Wirtschaft stellen und aus dem heimischen Boden herausholen, was nur irgend herauszuholen ist und im übrigen sich für eine Generation bescheiden, sparenund arbeiten. Daru

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Reichspräsident von Hindenburg hat den Führer der Nationalsozialisten, Hitler, in längerer Audienz empfangen.

* Das Reichskabinett erörterte in seiner ersten Sitzung die Schaffung eines Wirtschaftsbeirats, der der Reichsregierung Vorschläge in grundlegenden Fragen deutscher Wirtschafts­politik machen soll.

* Die Vereinigten Staaten erklären, daß sie nicht aus der Wiederaufnahme der europäischen Zahlungen nach Ablauf des einjährigen Moratoriums bestehen wurden.

* Im Stettiner Svritschmuggelprozeß wurden 16 von den 20 Angeklagten zu sehr hohen Geldstrafen, die in zwei Fällen in die Millionen gehen, und einige von ihnen außerdem noch zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt,