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Nah und Zern

O Die Unterschlagungen beim Raiffeisenverein in Gratz-Zimmern. Zu den Unterschlagungen beim Raiff­eisenverein in Groß-Zimmern wird mitgeteilt, daß der Buchhalter Schmidt nicht flüchtig ist, und daß die Mutter des Schmidt nicht verhaftet wurde. Im übrigen sollen sich die Unterschlagungen nicht auf 100 000 Mark, sondern nur auf etwa die Hälfte dieses Betrages belaufen.

O Bier Todesopfer bet einem Bootsunglück aus dem Bodensee. Bon Passagieren des Kursdampfers Fried­richshafen-Konstanz wurde in der Nähe von Immen­staad ein Ruderboot gesehen, das auf dem Bodensee ohne Insassen trieb. Die sofort aufgenommenen Nachforschun­gen ergaben, daß eine Familie Hamann, deren Kraft­wagen in Immenstaad herrenlos stand, das Ruderboot gemietet hatte, um eine Fahrt auf dem See zu machen. Die Leiche der 46 Jahre alten Frau Hamann wurde bei Fischbach ans Land gespült, während die Leichen von Vater, Sohn und Tochter bei den ersten Suchungen noch nicht geborgen werden konnten.

O Erdrutsch infolge andauernden Regens. Die un­aufhörlichen Regenfälle der letzten Tage haben in Oöx in Frankreich einen Erdrutsch verursacht. Eine riesige Schlammwelle wälzt sich der Ortschaft entgegen und hat bereits mehrere Häuser unter sich begraben. Den Bewoh­nern gelang es glücklicherweise, sich rechtzeitig in Sicher­heit zu bringen und ihr Hab und Gut zu retten.

O Die Bergung der Toten der „St. Philbert". Die Bergungsarbeiten auf dem gehobenen französischen Ver­gnügungsdampfer „St. Philbert" werden von den deut­schen Hilfsmannschaften mit unermüdlichem Eifer fort­gesetzt. Bis zum 8. August waren insgesamt 19 Leichen aufgefunden worden. Eine ganze Anzahl Opfer befindet sich noch unter dem Schlamm, der einen Teil des Schiffes bedeckt.

0 Ein englisches Militärflugzeug abgestürzt und ver­brannt. Ein englisches Militärflugzeug des 41. Kampf­geschwaders stürzte in der Nähe von Folkestone ab und ging beim Anprall auf die Erde in Flammen auf. Der einzige Insasse des Flugzeuges, ein Fliegeroffizier, ver­brannte.

0 Drei Flugzeuge in der Luft zusammcngcstoßen. Während eines Geschwaderfluges stießen drei Armeeflug­zeuge auf dem Flugplätze Selfridgefieldt bei Michigan zusammen. Zwei der Flieger sprangen mit dem Fall­schirm ab und wurden erheblich verletzt, während der dritte seine Maschine unversehrt zu Boden brachte.

Vermischtes

— Haussee in Hoover-Zähnen. Vor einiger Zeit geschah es, daß Herbert Hoover, der Präsident der Vereinigten Staaten, sich in Washington in eine Zahnklinik begab, um ferne Zähne in Ordnung brigen zu lassen. Nach eingehen­der Untersuchung sagte "der Zahnarzt: „Es läßt sich leider nicht vermeiden, Herr Präsident — drei bis vier Zähne werden gezogen werden müssen!" Mit Heroismus setzte sich Hoover in den Marterstuhl und ließ sich die drei bis vier Zähne ziehen. Worauf ein junger Gehilfe des Zahn­arztes auf den guten Einfall kam, die drei bis vier Zähne zu sammeln und ein Geschäft mit Hoover-Zähnen zu er­öffnen. Er sammelte aber nicht nur die drei bis vier echten Präsidenlenzähne, sondern auch noch alle andern Zähne, die sein Herr und Meister an diesem Tage und an den vor­angegangenen Tagen aus Menschenmündern entfernt hatte. Und Interessenten und Andenkensammler kauften die echten und die unechten Hoover-Zähne zu einem halben Dollar das Stück. Und zwei oder drei Tage später wurden in Washington und Umgebung Hoover-Zähne zu zehn Dollar das Stück verkauft. Es war ein überaus schwung­hafter Handel, dem erst ein Ende bereitet wurde, als jemand merkte, daß mehr Hoover-Zähne im Umlauf waren, als die ganze Familie des Präsidenten hätte lie­fern- können, selbst wenn sie sich sämtliche Zähne hätte ziehen (affen. Als diese betrübliche Tatsache festgestellt war, trat ein furchtbarer Preissturz in Hoover-Zähnen ein, und jetzt geben sie drüben auch nicht mehr einen Cent pro Stück.

Gesunder und krankhafter Durft.

Von Dr. med. Leo Bonnin.

An heißen Tagen muß sich jeder fragen, wieviel er trinken darf, und wie es kommt, daß der Durst nicht jeden in gleichem Maße quält. Woher kommt eigentlich das Durstgefühl? Es wird zweifellos durch eine vermehrte Trockenheit des Mundes und des Rachells hervorgerufen, die wiederum durch verminderte Speichelabsonderung noch gesteigert werden kann. Daher kommt es, daß selbst nach dem Genuß größerer Flüssigkeitsmengen das Durst­gefühl oft nicht nachläßt, weil nach Aufsaugung des Ge­trunkenen durch den Körper die Mundschleimhäute wieder ebenso trocken werden wie vorder. Man kann also durch Befeuchten des Mundes mehr erreichen, als durch rasches Trinken, das die Schleimhäute nur vorübergehend ent­lastet. Bonbons und Obst, langsam verzehrt, leisten sehr gute Dienste. Vieles Trinken zwingt Herz und Niere zu größerer Leistung, was sich auf die Dauer vielfach rächt.

Starkes Durstgefühl kann natürlich auch an kühleren Tagen auftreten. Was hat das zu bedeuten? Neben der Sommerhitze gibt es zahlreiche Krankheiten, die ein be­sonders stark ausgeprägtes Flüssigkeitsbedürfnis offen­bar werden lassen. Das gilt vor allem für alle Krank­heiten, die mit hohem Fieber verbunden sind. Das Fieber ruft ohne weiteres einen erhöhten Stoffwcchselumsatz her­vor, die Wasserausschcidung steigert sich und dadurch auch der natürliche Abwehrwunsch, die verlorenen Bestandteile wieder zu ersetzen. Der Fieberkranke weiß, daß er nicht gesund ist: der Durst braucht ihn daher nicht besonders zu beängstigen. Anders dagegen bei den scheinbar Gesunden, die monate- und jahrelang große Flüssigkeitsmengen zu sich nehmen müssen. Sie tun es auch unbedenklich, bis aus irgendeinem anderen Grund einmal eine Untersuchung durch den Arzt stattfindet. Zur allgemeinen Überraschung stellt sich dann plötzlich heraus, daß der Betreffende an Zucker leidet. Der gesteigerte Durst hätte ihn schon längst zu dieser Untersuchung veranlassen sollen.

Der Durst als erstes Symptom des Zuckers ist schon lange besannt, dagegen ist es gerade in letzter Zeit der medizinischen Forschung gelungen, auch andere Krank­heitsarten festzustellen, die sich zunächst in außerordentlich starkem Durst äußern. So wurden Fälle von Rippenfell­reizung, beobachtet, die zu Ergüssen im Rippenbereich An­laß gaben und dadurch dem Stoffwechsel Wasser entzogen. Ähnlich ist es bei Stauungen im Verlauf gewisser Herz­krankheiten. Allerdings sind biefe Herzkranken gewöhnlich schon in einem vorgeschrittenen Stadium, daß ihr Leiden auch ohne das vermehrte Durstgefühl schon erkannt wor­den ist. Die gleichen Voraussetzungen treffen auf Nieren­erkrankungen zu, die mit einer Abnahme der Harnmenge einhergehen und dadurch eine Eindickung des Blutes und Stauung in den Hohlräumen des Körpers hervorrufen. Ferner ist es möglich, daß der Urin über eine Abfluß­beschwerung — z. B. im Gebiet der Vorsteherdrüse — nicht hinweg kann, und der Organismus so gefährlichen Harn­vergiftungen mit Durstgefühl ausgesetzt ist. Denkbar ist schließlich auch, daß innere Blutungen vorkommen, die einen großen Säfteverlust zur Folge haben, dem der Mensch instinktiv durch vermehrte Flüssigkeitszufuhr ab­helfen will.

Alle diese beschriebenen Vorgänge stellen natürlich Ausnahmen bar; nicht etwa jedes Durstgefühl bedeutet eine derartige schwere Erkrankung. Im allgemeinen wird es sich durch ungefährlichere Ursachen erklären lassen. Ent­weder ist eine vermehrte Schweißabsonderung durch an­gestrengte Körperarbeit eingetreten, oder aber eine Herab­setzung des Feuchtigkeitsgehalts der Luft besonders im Sommer hat eine Austrocknung des Salzhaushaltes im Körper veranlaßt. Erst wenn das Durstgefühl wirklich lange Zeit hindurch ohne eine erkennbare Ursache anhält und quälende anormale Ausmaße annimmt, wird es an der Zeit sein, geeignete Gegenmaßnahmen zu treffen.

Hr Die nächste Nummer unserer Zeitung erscheint Mittwoch nachmittag.

Börse und Handel s

Frankfurter Buttergroßhandelspveise vom 8. August. Na» dem sich zunächst im Anschluß an die Vorwoche eine weitere U ? schwächung durchgesetzt hatte, brachte der weitere Verlauf Unx ' der Schluß der Woche wieder eine leichte Befestigung, was aus die sehr knappen Zufuhren zurückgeführt wurde. Das EesM > ist aber doch sehr klein und die Unsicherheit hat wegen der ■ neuen Devisenverordnung mit ihren einschneidenden Bestiw mungen zugenommen. Am hiesigen Markt notierten folgend- Preise für ein Pfund im Eroßhandelsverkehr: Auslandsbus k ter (holl.) 1 Faß - 50 kg 1.46 RM., einhalb Faß 1.48 RM. in Halbpfundstücken 1.50 NM., deutsche Butter 1.40 RM.

Frankfurter Eiergroßhandelspreise vom 8. August. $:. etwas unsichere Situation am hiesigen Markt hielt auch bei Beginn der neuen Woche an. Trotzdem einige Preisreduzie­rungen vorgenommen wurden, um dadurch das Geschäft etwas zu beleben, war der Absatz an dem Einzelhandel weiter sedr schwach, da der Konsum nur von der Hand zum Mund kauf« Auch im weiteren Verlauf der Woche trat keine Besserung ew Es notierten in Pfennig per Stück ab loco Frankfurt (Main)- Bulgaren 8, Jugostaven 8.25, Rumänen 7.75, Russen 7—8, länder 8—10, Dänen 8—10, Flandern 8.75—9.50, Bayern 8.50 bis 8.75, Deutsche Frischeier 8—10. Für in- und ausländisch, Mittel- und Schmutzeier wurden 6.50—6.75 Pf. pro Stück bi­zahlt.

Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 10. August. (Nichtamt­licher Vorbericht.) Ochsen: al) 43—47, a2) 38—4'2, bl) 32- 37. Bullen: a) 36—39, b) 31—35. Kühe: a) 34—36, b) 30- 33, c) 22—29. Färsen: a) 43—47, b) 38—42, c) 33^-37. M ber: b) 50—56, c) 44—49, d) 36—43. Schweine: a) 56-58 b) 57—59, c) 57—60, d) 57—60, e) 55—58. Aufgetrieben waren- Rinder 1381, darunter Ochsen 316, Bullen 152, Kühe 483, Fär­sen 396, ferner Kälber 543, Schafe 55, Schweine 5594. Markj- verlauf: Rinder ruhig, Kälber und Schafe ruhig, Schweiz lebhaft. Schafe nicht notiert.

Amtliche Berliner Notierungen vom 8. AUMst.

* Produktenbörse. Der Berliner Getreidemarkt hatte wieder feste Haltung. Das Angebot ist knapp. Die Kauflust regt sich von allen Seiten. Für Roggen war die Marktlage vorzugè, weise befestigt. Hafer blieb stetig. Gerste war tm Zusammen- Hang mit der Möglichkeit von Devisenbeschaffungen ehn schwächer. Am Mehlmarkt war allgemein, wenn auch nur vor. sichtig, etwas vermehre Frage zu beobachten.

Genetdr

und Olfaalen per 1000 Kilogramm. sonst per 100 Kilogramm in Reichsmark.

8 v

Z b

8 8

7.8 •

Welz.. märt

190-192

186-188

Wetzkl. t Bln.

10,0-10,2

10,0105

pommersch

—

—

Rogkl. f. Bln.

9 2-9.50

»2-9,5 ;

Rogg märt.

152-153

147-148

Raps

140-150

IW '

Braugerste

—

—

geinfaat

—

Wintergerste

141-157

140-156

Bist Erbsen

26,0-31,0

26M» 1’

Futtergerst»

—

tL Spetseerbs.

Sommerast

—

—

Funererbsen

19,0^0

19,0-21,? (

Hafer mark.

189-144

139-144

Peluschken

pommersch.

Ackerbohnen

weftpreuß

—

Wicken

Weizenmehl

Lupine, blaue

—

P 100 kg fr.

guptne, gelbe

Bri br Inti.

Seradella

Sack «feinst.

Rapskuchen

<—

Ml L Nol.

24,5-34.5

25,0-34,5

Leinkuchen

13,1-13,2

13.2-13.5 1

Roggenmehl

Trockenschtzl

7,0-7,40

7,00-7,40 I

p 100 ke fr.

So oa-Schrot

11,6-12,2

11,7-12.4 1

Berlin di

Torsmt 80/70

——

—

inkl Sack

22.5-24.7

22.0-24,5

Karwffelslck

—

—

♦ Berliner Butternotierungen. Fracht und Gebinde gehen st Lasten des Käufers. 1. Qualität 126, 2. Qualität 116, abfallen« Butter 102 Mark per Zentner. Tendenz: Stetig.

Heiteres.

Ärgerlich. „Herr Doktor," klagt der Patient dem ibn be­suchenden Arzt, „ich leide so entsetzlich, daß ich den Tod hnbck« sehne." — „Und deshalb haben Sie mich rufen lassen?*, lautet die ärgerliche Antwort.

Der Erbe. Der Onkel fragt seinen kleinen Neffen Fritz, was er wohl von ihm erben wolle, wenn er einmal sterbe. Daraus sagt Fritz: „Deinen Kops, Onkel!" — „Meinen Kopf? Ja, w« kommst du denn darauf?" — „Ja, Papa sagt doch immer, du hast den Kopf voll Rosinen!"

Pech. „Ihre Töchter sind nicht auf dem Posten, wie ich höre?" — „Ja, denken Sie sich mein Pech: die, die Klavier spielt, hat Halsweh, und die, die singt, einen bösen Finger!

Sie ihre Heimat »erliche«.

Originalroman' von Otfrid von Han st ein.

4) (Nachdruck verboten.)

Für einen Augenblick hatte der Gutsherr sogar den Brand vergessen. *

Er richtete sich auf.

„Inspektor Schellhorn ist weg!"

Er sah den Schafmeister an.

„Wer hat den Schlüssel zur Scheune gehabt?"

„Immer der Herr Inspektor."

Natürlich konnte der Schafmeister nicht wissen, daß über­haupt keine Menschenhand, sondern der Luftdruck der ersten Explosion das Tor aufgerissen hatte.

Wendeborn griff sich mit beiden Händen an die Schläfe. Er vergaß seine Umgebung und sprach laut zu sich selbst, nachdem er aufgelacht hatte:

„Das kommt davon, wenn man einen vorbestraften Menschen im Hause duldet. Meine Tochter wollte er, jetzt steckt er mir das Haus über dem Kopf an und flieht."

Wendeborn hatte feine Kraft überschätzt, das kranke Herz setzte aus und er stürzte ohnmächtig zu Boden.

Dorffeuerwehren rasselten die Straße heran. Der ganze Jammer einer Feuersbrunst auf dem Lande. Der Turm mit dem achteckigen Gemach hatte bereits Feuer gefangen. Schweißtriefende Männer schleppten aus dem Haufe, was sie nur greifen konnten. Alle Gebäude um den Hof herum waren ein einziges Flammenmeer, der Gutsherr lag ohn­mächtig am Boden, der alte Pfarrer, der auch längst gekom­men, kniete neben ihm und bemühte sich, ihn ins Leben zu­rückzurufen.

Durch alle diese hastenden rettenden Männer aber ging ein Grausen und ließ sie erschaudern:

„Der Inspektor hat das Feuer angezündet."

„Der Inspektor war ein vorbestrafter Verbrecher."

Oben in dem Gange des zweiten Stockwerks, von Qualm und Feuer gehetzt, wankte Günter Schellhorn, die ohnmäch­tige Grete in feinen Armen haltend, die Wendeltreppe empor.

Er dachte nichts, feine Knie bebten, feine Sinne waren vom Rauch benommen, er wußte nicht einmal, ob er eine Lebende oder eine Leiche in feinen Armen hielt.

Die Treppe war frei vom Rauch. Der gewaltige Luftzug, der, vom Westwind gepeitscht, die Flammen nach der ent­gegengesetzten Seite riß, hatte den Qualm beseitigt. Eine furchtbare Glut schlug ihm entgegen, eine so wahnsinnige Hitze, daß er glaubte, seine Kleider müßten in Flammen aufgehen. Das achteckige Turmgemach war ein sehr großer Mum. Die Fenster, die ganze WMd,,die her Treppe gegen­

überlag, brannten schon lichterloh. Nur der Umstand, daß eben die Flamme nach der anderen Seite gerissen wurde und daß aus den längst zersprungenen Fenstern der Westseite der fast zum Sturm gewordene Wind hineinblies, machte es ihm möglich, einen Augenblick zu stehen.

Ueberall sicherer Tod!

„Günter."

Ein gellender Schrei, Grete war erwacht, verstand nichts, wußte nichts, aber erkannte ihn und umklammerte schreiend seinen Hals.

Schon war Günter vollständig gleichgültig geworden, hatte an allem verzweifelt. Jetzt lebte Grete, da erwachte auch in ihm wieder der Lebenswille.

Er blickte aus dem Fenster der Westseite. Hier war auf dem Dach noch kein Feuer zu sehen. Etwa vier Meter unter ihm war das eigentliche Dach, das ziemlich schwach geneigt, sich über das Haus hinzog.

Plötzlich wurde es hinter seinem Rücken noch glühender, wieder peitschte ihm Qualm entgegen, der Wind schien sich zu drehen.

Er überlegte nicht, hatte gar keine Zeit, zu überlegen. Grete auf seinen Armen, wagte er den Sprung in die Tiefe.

Es war ein Glück, daß hier unten, mm den hölzernen Turm herum, ein Stück Mauer sich hinzog.

Wäre er auf das Ziegeldach gesprungen, er hätte dieses durchgetreten und sicher die Füße gebrochen.

Er brach auch jetzt in die'Knie, aber er war unverletzt, doch konnte er nicht verhindern, daß Gretes Kopf gegen die Mauer stieß, und sie war wieder ohnmächtig.

Einen Augenblick lag er mit zitternden Gliedern am Boden.

Ueber ihm war ein wahnwitziges Pfeifen und ein grel­ler Schein.

Günter war vorsichtig bis zur Dachrinne herunterge­glitten.

Jetzt stand er an der anderen Giebelseite des Hauses.

Niemand hatte ihn bemerkt, obgleich er an der Vorder­front des Gebäudes entlang gelaufen war.

In der Hast, zu retten, was noch zu retten war, hatte eben niemand nach oben gesehen.

Jetzt konnte er nicht weiter, aber in der Höhe des zwei­ten Stockwerks lag unter ihm, wieder etwa vier Meter tie­fer, ein Balkon. Diese dem Brande abgewendete Seite des Hauses lag im Dunkel der wolkenschwarzen Nacht.

Er konnte mit seinen bebenden Füßen den Sprung nicht mehr wagen, aber hier war ein Blitzableiter. Er umklam­merte ihn mit den Beinen, umfaßte ihn mit der Hand, wäh­rend er mit dem rechten Arm mit Aufbietung seiner letzten Kraft Grete an seine Brust preßte.

Zwar seine Hand war durchgerieben, aber er stand auf dem Balkon.

Während jetzt dss Prasseln des Brsndes rasend schnell

den ganzen Dachstuhl ergriff, mußte Günter einen Augen­blick ruhen.

Hier war wenigstens im frischen Windzuge die Luft rein Seine Lebensgeister kamen zurück.

Grete war noch immer ohnmächtig und er trat an die Brüstung.

Von hier ging es zwei Stockwerke senkrecht hinab. ® konnte ohne fremde Hilfe jetzt nicht mehr weiter.

„He! Holla! Hilfe!"

Irgend jemand hörte den Ruf.

„Ist denn da oben jemand?"

„Eine Leiter! Schnell eine Leiter! Das Fräulein ist W oben! Schnell! Schnell!"

Jeden Pulsnhlag machte der Brand des Gutshauses ra> sende Fortschritte.

Jetzt stand der ganze Dachstuhl bereits in Flammen.

Die Minuten, die er jetzt tatenlos warten mußte, erM' nen ihm ewige Stunden. Endlich kamen ein paar Männer.

„Gleich kommt eine Leiter. Wer ist denn oben?"

„Fräulein Wendeborn. Schnell!" , s

Wieder vergingen Minuten. Günters Sinne waren uve' reizt und viel schärfer als sonst. , ,

Die Männer, die von unten viel besser beurteilen ton ‘ ten als er selbst, sahen, daß für die nächsten Minuten s den Balkon noch keine Gefahr wat, gingen sprechend a i und ab. Günter verstand jedes Wort.

„Dieser Lump, der Inspektor!"

„Steckt dem Herrn das Gut über dem Kopf an!" .

„Hat ja schon im Zuchthaus gesessen, den schlagen tot, wenn wir ihn kriegen."

Eine Leiter wurde herangeschleppt. Die Männer rrcy ten sie auf. ö

Blitzschnell waren tausend Gedanken in Günters « Ein eisiger Schauer lief ihm über den Leib. Man hre" für den Brandstifter!

Zwei Männer zogen bis Leiter empor. Ein Kops über der Brüstung, zwei Augen starrten ihn an, diesem rauchgeschwärzten Menschen mit versengtemi v und zerrissenen Kleidern erkannte niemand den Imp a

„Das Fräulein! Schnell, das Fräulein Herunt , komme schon selbst." haß

Sie kümmerten sich gar nicht um ihn, dachten ^ er irgendein Feuerwehrmann eines Nachbardorfes m• .^ sichtig trugen die beiden die ohnmächtige Grete die herab.

„Wahrhaftig, das Fräulein."

„Sie ist tot."

„Nein, sie bewegt sich, sie lebt." hei«

„Schnell, der Doktor ist gekommen und befindet 1 Herrn."

Die vier Männer trugen Grete davon.

(Fortsetzung folgt.)