Zul-aer Mnzelger
Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 2 so RM. Bei Lieferungsbehinöerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine _ Msprüche. Verlag Zriedrich Chrenklau, Zulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver- leger. Postscheckkonto: Zrankstrrt a. M. Nr. 16009
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal. Zul-aer Kreisblatt £E5ää£
Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ♦ Zernsprech-stnschluß Nr. 48-
Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe .Zuldaer finzetger'geflattet.
Nr. 185 — 1931
Fulda, Montag, 10. August
Mzelgenprels: §ür Behörden, Genossenschaften,Banken usw.betrâgt -ie Kleinzeile 0.30 HIL,
lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen »Tag- und platzvorsthristeu unverbiudUch.
8. Jahrgang
Der Preußische Landtag wird nicht aufgelöst.
Zur Auflösung fehlten etwa 4 Millionen Ja-Stimmen.
Die Zahl der Wahlberechtigten beträgt 26 400 000. An Ja-Stimmen wurden 9 793 600 abgegeben, das sind etwa 37 Proz. Die Zahl der Nein-Stimmen betrug 362 885, ungültig erklärt wurden rund 236 000 Stimmen. — Anläßlich des Volksentscheids kam es zu schweren Bluttaten in Berlin, Köln und Koblenz. Drei Tote und Verletzte sind zu beklagen.
Ergebnisse des Volksentscheids.
Aus Hessen-Nassau.
Gesamtergebnis von Hessen-Nassau: Ja 554 557, Nein 11788, Ungültig 10 289, Stimmberechtigte 1 720 210.
Regierungsbezirk Kassel: Ja 257 642, Nein 5573, Ungültig 5422, Stimmberechtigte 698 68'3.
Kreis Hünfeld : ja 2793, nein 76, ungültig 54, Stimmberechtigt 14 959.
Kreis Hersfeld: ja 10 802, nein 259, ungültig 317, stimmberechtigt 28 227.
Kreis Schlüchtern: ja 6741, nein 126, ungültig 71, stimmberechtigt 20 467.
Kassel-Stadt: ja 37 511, nein 722, ungültig 707, Stimmberechtigt 128 680.
Kreis Kassel-Land: ja 10 806, ndin 244, ungültig 248, stimmberechtigt 39 826.
Marburg-Land: ja 12 281, nein 141, ungültig 116, Stimmberechtigt 23 993.
Kreis Ziegenhain: ja 13 974, nein 286, ungültig 246, stimmberechtigt 25 234.
Frankfurt a. M., amtlich (vorläufig): ja 94518, nein 2332, ungültig 1829, stimmberechtigt 429 609.
Kreis Wetzlar: ja 16 826, nein 339, ungültig 329, stimmberechtigt 47 678.
In einzelnen Städten.
Gleiwitz: 70 M) Stimmberechtigte, 25 700 Ja-Stimmen.
Frankfurt (Oder): 53 000 Stimmberechtigte, 24 300 Ja- Stimmen, 552 Nein-Stimmen.
S°?Ie%: 44 219 Stimmberechtigte, 15 389 Ja-Stimmen, 407 Nein-Simmen.
Stralsund: 28 077 Stimmberechtigte, 14 867 Ja- Stimmen, 259 Nem-Stimmen.
Mülheim: 89 269 Stimmberechtigte, 42 510 Ja-Stimmen, 1621 Nein-StimkNen.
1 _ Stade: 9711 Stimmberechtigte, 4352 Ja-Stimmen, 147 i Nein-Stlmmen.
Recklinghausen: 51 742 Stimmberechtigte, 16195 Ja-Stim- men, 862 Nein-Stimmen.
Krefeld-ürdingen: 114112 Stimmberechtigte, 36 231 Ja-. Summen, 1469 Nein-Stimmen.
Kastrop-Nauxel: 35 332 Stimmberechtigte, 10 433 Ja-Stim- men, 854 Nein-Stimmen.
Witten-Ruhr: 49 788 Stimmberechtigte, 16 989 Ja-Stim- men. 427 Nein-Stimmen.
Kempen: 5834 Stimmberechtigte, 640 Ja-Stimmen, 23 Nem-Stimmen.
Bonn: 67 629 Stimmberechtigte, 13 317 Ja-Stimmen, 442 Nern-Stimmen.
nA«^tona: 178 US Stimmberechtigte, 57 039 Ja-Stimmen, . 2037 Neln-Stimmen.
-^„Oberhausen: ne 547 Stimmberechtigte, 42 120 Ja-Stimmen, 2003 Nein-Stimmen.
Königsberg (Pr.): 201126 Stimmberechtigte, 79 361 Ja- SUmmen, 2268 Nein-Stimmen.
Neir^SUmmem^ Stimmberechtigte, 15 060 Ja-Stimmen, 1212
In den Wahlkreisen.
' _ Wahlkreis Düsseldorf-West.
Stimmberechtigte 1211726; Ja-Stimmen 401847, Nein-
; Stimmen 13 641.
sn am 14. September 1930 erhielten '" r^^ise®uJ|eIdorf-West die für den Volksentscheid ein- Dents^/ NM?5ܰ""^ozialisten, Deutschnationale, Wirtschaftsbartei, Christlichsoziale, Land-
536 M Stimmennnoveraner und Kommunisten) insgesamt
Wahlkreis Köln-Aachen.
; Stimmberechtigte 1513 584; Ja-Stimmen 245 442, Nein- Stimmen 8559.
im wSÄlÄM September 1930 erhielten Wahlkreise Koln-Aachen die für den Volksentscheid eingetretenen Parteien (Nationalsozialisten Deutschnatinnosi»
517 275^tinuS Kommunisten) insgesamt
( *
Die französische Presse zum Volksentscheid.
Zu dem Ergebnis des Volksentscheids schreibt
„Petit Journal": Der Reichskanzler, der heute nach m werde seine Aufgabe durch den Ausfall beträchtlich erleichtert finden und die internationalen Verhandlungen, von denen er soviel moralische Ergebnisse erwarte, würden endlich möglich werden, d-»"^^ ^16^’ bie Vernunft habe gestern in Preußen reAAentTiA1 re® Davongetragen und zwar sogar Seaieimm babe aestern nicht mehr das Schicksal einer Kredits ^»i^^^ Smel gestanden, sondern das Schicksal des gewesen ^^schlands, der schon recht schwankend und geschwächt bie’§ea£?^ wan müsse das Ergebnis begrüßen, daß R gierung Braun und ebenso die Regierung Brüning kon
solidiere. Es müsse nunmehr die Möglichkeit bieten, die in Paris eingeleitete — oder besser gesagt — wieder aufgehobene Politik durch Zusammenarbeit weiter zu verfolgen.
„Republique" schreibt: Die Sozialdemokratie sei siegreich, die europäische Ordnung also konsolidiert. Die deutsche Republik gehe aus einer schweren Prüfung größer hervor.
„E r e N o u v e l l e" meint, für den Augenblick wolle man für diesen Sieg der deutschen Demokratie nur eine Erklärung finden: Das deutsche Volk habe nach den Unterredungen von Paris und London endlich begriffen, daß für Deutschland nur in einer Politik der Entspannung und der Zusammenarbeit das Heil liegen könne.
Nach „H o m m e L i b r e" unterliegt es keinem Zweifel, daß Reichskanzler Brüning und Außenminister Curtius die nach der Schlacht aus Rom zurückkommen, versuchen werden, auf außenpolitischem Gebiet aus dem Ergebnis des Volksentscheids in Preußen günstige Schlußfolgerungen zu ziehen. Die Besserung der Finanzlage Deutschlands scheine in der Tat die Zögernden bestimmt zu haben, sich der Stimmabgabe zu enthalten.
„P o p u l a i r e" schreibt: Das deutsche Proletariat habe die deutsche Republik und damit den Frieden in Europa gerettet.
„P e u p l e" schreibt, der Volksentscheid werde nicht zwecklos gewesen sein. Diejenigen, die die Initiative zum Volksentscheid ergriffen hätten, hatten bestimmt nicht vorausgesehen, daß der Volksentscheid die deutsche Republik konsolidieren würde.
Die Blätter des französischen Nationalismus sind auf einen anderen Ton abgestimmt.
„Journal" schreibt, nach den ersten Nachrichten hätten die Kommunisten durch ihre Enthaltung den Mißerfolg des Volksentscheids hervorgerufen. Daraus ergebe sich also nicht, daß die Anhänger der Elemente der Unordnung ziffernmäßig zurückgegangen seien. Diese Feststellung habe in der Stunde, in der Deutschland den Bankrott und die Revolution nur mit Hilfe des Auslands und besonders Frankreichs vermeiden könne, nichts beruhigendes an sich. Man werde begreifen, daß noch nicht der Zeitpunkt gekommen sei, die von Frankreich geforderte und von Ministerpräsident Laval schon nachdrücklich vertretene Garantiepolitik aufzugeben.
„Figaro" ruft aus: „In Berlin nichts neues!" Die preußische Regierung sei nichtsdestoweniger mehr geschwächt, schon durch die Tatsache, daß der Volksentscheid möglich gewesen sei, und daß die Opposition trotzdem eine große Zahl von Stimmen aufgebracht habe.
„Ami du P e u p l e" schreibt, man müsse sich vor jeder Illusion schützen. Die Lage bleibe ernst. Millionen von Deutschen hätten für eine Katastrophenmethode gestimmt.
„E ch o de Pari s" meint, wenn das deutsche Volk vor dem Krieg zurückschrecke, müsse man den Ausfall des gestrigen Volksentscheids begrüßen, der unmittelbare finanzielle Verwicklungen ausschalte und einer vernünftigen Politik nicht den Weg versperre. Aber man wäre sehr naiv, wenn man sich einbilde, daß die Schwierigkeiten, auf die diese Politik stieße, dadurch vermindert worden wären.
„L' O r d r e" sagt, Reichskanzler Brüning, der sich mit dem Preußischen Ministerium solidarisch erklärt habe, habe unleugbar einen Sieg davongetragen. Es wäre schön, wenn der Reichskanzler nicht allzu rasch von Frankreich verlange, daß es die Kosten dieses Sieges bezahle.
„Quotidien" schreibt, der Beweis für die Autorität der Regierung Brüning, die sich deutlich gegen die Offensive der Rechtsparteien ausgesprochen hätte, sei erbracht. Ein Erfolg des Nationalistischen Sturmes hätte Europa in Fieber versetzt; der Mißerfolg beruhige Europa und gebe ihm wieder eine Dertrauensmöglichkeit.
. Das „Echo de Paris" glaubt zu wissen, daß angesichts Des Mißerfolgs der Volksabstimmung nichts mehr im Wege stehe, den Zeitpunkt des Besuchs des Ministerpräsidenten und des Außenministers in Berlin festzusetzen.
Versaffungsfeier des Reichsbanners
in Koblenz.
Ansprachen Severings, Hirtsiefers und Hörsings.
^lnf einer Verfassungsseier des Reichsbanners in Koblenz cr‘IarAe Minister Hlrtsiefer, solange es in Deutschland noch Kampf- und Wehrverbünde gebe, die den Staal bekämpften, solange hätten die Republikaner das Recht Verbände für Staat zu bilden und zu zeigen, daß es noch Männer gebe, die sich mit Gur und Blui für den Bestand des Staates ein- f^vten. Der preußische Innenminister Severing hielt bet Der Verfassungsfeier in der Koblenzer Stadthalle eine Rede, vet der er u. a. sagte: Das Reichsbanner werde seinen geraden Lieg weitergehen, ohne sich von irgend jemand daran hindern zu lassen.
Unter den vielen Tausenden Stahlhelmern befänden sich auch viele Idealisten, die das Beste für das Vater- lano wollten. Er, Severing, sage das, um dazu beizutragen, a Das zersetzende Gift der parteipolitischen Zersplitterung dem deutschen Volkskörper entfernt werde Politik und Moral seien heute leider Gegensätze. Der Minister
kam auf den Volksentscheid zu sprechen
und erklärte: Wie er ausfällt, sei für die Haltung des Reichs- vauners gleichgültig. Wenn aber die Union Hitler-Thälmann übgen mürbe, dann würde das nicht zu bedeuten haben, daß das Reichsbanner die Hand in den Schoß lege und waric, was Die anderen aus Deutschland machten Eine gewaltig ge» sein rlC Azidität des Reichsbanners würde dann die Antwort
Auf dem Clemens-Platz tn Koblenz sprach Bundespräsident H o r s i n g. DieILprzel allen Übels liege in der Arbeitslostg.-
Schwere Gustafen in Berlin.
Zwei Polizeibeamte getötet. Ein Oberwachtmeister verletzt.
Am Sonntag abend gegen 21 Uhr ereigneten sich auf dem Bülowplatz schwere und blutige Zusammenstöße zwischen Polizei und Kommunisten. Die Polizeibeamten wurden plötzlich wie aus Kommando aus zahlreichen Häusern und von der Straße heftig beschoffen. Dabei wurden zwei Polizeihauptleute getötet und ein Oberwachtmeister am Arm schwer verletzt. Die Polizei erwiderte das Feuer. Es sollen auch mehrere Kommunisten getötet und verletzt worden sein.
*
Zwischenfälle in Koblenz.
Im Zusammenhang mit dem Reichsbanneraufmarsch in Koblenz kam es mehrfach zu Zwischenfällen. An ver- schledenen Stellen, an denen schwarz-weiß-rote oder national- sozialistische Fahnen anläßlich des Volksentscheids aus den Zensiern hingen, kam es zu S ch l ä g e r e t e n. Bei einem Zusammenstoß erlitt ein Jungstahlhelmer einen Messerstich in den Rucken. Er trug eine lebensgcfährlicheLungen- e H "HF davon In verschiedenen Häusern wurden Fensterscheiben eingeworfen, ohne daß man die Täter fassen konnte, ^n der Straße Viertürme drangen Retchsbannerleute in eine Wohnung ein, um eine schwarz-weitz-rote Fahne zu entfernen, .Sie wurden von Polizeibeamten daran gehindert, ^n der Castorstraße, dre bei den letzten kommunistischen Krawallen eine besondere Rolle spielte, versuchten Reichsbanner- leme, Sowwtfabnen von den Fenstern zu reißen. Auch hier entstanden Schlägereien. Am Plan versuchten unbekannte ^ater, einen Reichsbannermann mit Benzin zu überschütten « ann anzuzünden. Bei den Zusammenstößen sind etwa 30 Personen verletzt worden.
Wie noch bekannt wird, hat Hörsing bei der Verfassungs- feier des Reichsbanners in Koblenz folgende Forderungen aufgestellt:
„Ich würde Schluß machen mit der deutschen Kleinkramerei, ich wurde das Vermögen aller ehemaligen deutschen Fürsten und ihrer Erben in Reichsbesttz überfuhren, ich würde jedem Gehalt und Pension entziehen, der gegen die republikanische Gesetzgebung Urteile fällt, gegen die Republik unterstützt, ich würde alle Kartelle, Shn- dikate und Trusts konzesstonspflichtig machen und ihnen die Preise vorschreiben oder, falls nötig, sie ganz auf- heben, ich würde Schluß machen mit den tausenderlei Steuern und nur ganz wenige, aber wirksame Steuerarien schaffen oder bestehen lassen, ich würde mein Ar- bettsbeschaffungsprogranlm durchführen und der wahnsinnigen Mechanisierung Einhalt gebieten.
Auf diese Hauptpunkte des gegenwärtigen Programms gestutzt, würde ich vor aller Welt weiter fordern: Völkerverständigung, Weltfrieden, Deutschlands restlose Gleichberechti- gung mit allen Völkern und Beseitigung der Kriegsschuldlüge.
*
Ein politischer Mord.
Köln. In der Nacht zum Sonntag wurde der Geschäftsführer des Kreises Köln des Stahlhelm, Albert Heister, erschossen. Heister hatte an einer Werbeveranstaltung für den Volksentscheid teilgenommen und befand sich vor ferner Wohnung. Er hatte bereits die Haustür aufgeschloffen und war in den Hausflur eingetreten, als ihn von außen her durch die Haustür ein Schuß ins Herz traf und sofort tötete. Der Täter ist bereits verhaftet, leugnet aber noch. Das Beweismaterial ist jedoch so umfangreich und erdrückend, daß man den Verhafteten unbedingt als überführt betrachten kann.
keit, aus deren Bekämpfung das größte Augenmerk gericyter werden müsse. Das Reichsbanner fordere die sofortige gemeinsame soziale republikanische Aktion aller Verfassungstreuen. Ich will laut und vernehmlich aller Welt klar und bestimmt aus gut Deutsch sagen, was ich täte,
wenn ich BrüningS Einfluß hätte:
Ich würde bei der zuständigen Landesregierung die Ausweisung Adolf Hitlers aus dem Reich fordern, ich würde den Exkronprinzen veranlassen, nach Holland oder sonstwohin zu gehen, ich würde die Nazipartei auflösen, ich würde die Kommunistische Partei auflösen, von allen anderen gegnerische« Organisationen rechts und links aber, sofern sie auch nur in einem Teil ihrer Mitgliedschaft über Äufbaukräfte verfügen, würde ich verlangen, daß sie in solcher Not und Gefahr des Vaterlandes, wie wir sie jetzt durchleben, ihre ferneren Ziele zurückstellen und zunächst einmal Hand anlegen bet der Durchführung des Wiederausbauprogramms für unser Volk. '
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die notwendige Stimmenzahl zur Auslösung dies Preußischen Landtages durch Volksentscheid konnte nicht ausgebracht
* Der Besuch des Reichskanzlers und des Neichsaußen- Ministers in Rom nahm einen sehr herzlichen und freundschaftlichen Verlaus.
* Die Finanzierung der neuen Ernte ist durch Notverord- nung geregelt worden.
, iL?®^^ ihre statutenmäßige» Auszahlungen wreder susgeuommen.