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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 177 1931

Fulda, Freitag, 31. Juli

8. Jahrgang

Ein neuer Triumph deutschen Könnens.

Graf Zeppelin" von der Arktisfahrt zurückgekehrt. Herzlicher Empfang in Berlin und Friedrichshafen.

Glückhafte polarfahrt.

Graf Zeppelin" von der Arktisfahrt zurück.

In schwerer ernster Zeit, in einer Zeit, in der unL alles grau in grau erscheint, in der uns unser ganzes Leben von dichtem Gewölk und von undurchdringlichen Nebelschleiern umschlossen zu sein dünkt, ganz plötzlich ein Lichtblick, plötzlich ein Ausblick in sonnenhellen Himmel! Und hoch an diesem Himmel, die Wolkenwand zerschnei­dend und zerteilend

der silberne Segler der Lüfte,

das schlanke, glänzende Luftschiff, derGraf Zeppe­lin", unser Zeppelin! Denn er ist unser, ist jedes Deut­schen Besitz, jedes Deutschen Stolz. Wir alle, die wir deutsch empfinden und deutsch denken, fühlen uns eng verbunden mit den Schicksalen dieses Eroberers des Äther- meeres, der seinen vielen großen Siegen nun noch einen größeren hinzugefügt, der den Luftweg zum Pol erschlossen hat, furchtlos vorwärtsstrebend, nicht achtend der Gefah­ren eines solchen Unternehmens.

Lebten wir nicht in so bedrängten Tagen, schritten wir nicht durch so viele Wirren und Sorgen, wir müßten die Heimkehr unseres Luftschiffes laut feiern, müßten Jubelhymnen anstimmen, um diesen

neuen Triumph deutscher Technik, deutschen Könnens. Mit Bangen sahen viele von uns den Gras Zeppelin" ausfahren ins Ungewisse, und viele gab es, die die Polarfahrt als ein Wagnis, als ein kühnes Unterfangen bewerteten und davon abzuralen suchten. Abzuraten auch aus anderen Gründen. Man betonte allzu­sehr, wie uns scheinen will die harte Zeit, durch die wir hindurch müssen, und meinte, daß in solchen Stunden das Luftschiff von seinen großen Plänen hätte abstehen müssen. Aber Dr. Eckener hat wiederholt erklärt, daß das nicht anginge, und warum es nicht ginge. Es war alles seit vielen Monaten vorbereitet, alles vertraglich fcstgelegt, durch Verträge, bei denen deutsches Geld kaum in Frage kam, alles bis ins kleinste durchberaten, so daß an ein Zurück nicht zu denken war. Aber ganz abgesehen hiervon warum sollte denn aufgegeben werden, was deutscher Wissenschaft, deutscher Technik, deutschem Wollen, deutschem Unternehmungsgeist zu Ruhm und Ehre ge­reichen konnte.

»Gerade in solcher Zeit war zu zeigen, daß Wissenschaft und Forschergeist auch in dunkelsten Tagen nicht unter­liegen, daß wir die Wassen des Geistes niemals rosten lassen dürfen, daß wir uns durchsetzen wollen aus einem Kampffelde, auf dem jeder neue, in edlem Wettstreit er­fochtene Sieg einen neuen Fortschritt zum Nutzen der ge­samten Menschheit bedeutet.

Ganz Deutschland freut sich der glücklichen Heimkehr seines Luftschiffes, ganz Deutschland grüßtseinen Zeppelin" als einen Pionier der Wissenschaft, als einen Pionier des Pölkerfriedens und der Gemeinschafts­arbeit der Völker!

*

Die Ergebnisse der Polarfahrt.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" hatte auf der Rück­fahrt aus dem Polargebiete die ursprünglich beabsichtigte Landung in Leningrad wegen ungünstigen Wetters nicht durchführen können und fuhr sofort bis B e r l i n. Bei der Überfliegung deutschen Landes wurde er überall von der Bevölkerung stürmisch und mit großer Begeiste­rung begrüßt.

Was nun die Forschungsergebnisse betrifft, so wurde die Südwestküste von N 0 r d l a n d, das noch wenig be­kannt war, topographisch genau ausgenommen. Ferner wurde festgestellt, daß das Nordland in zwei Hälften zer­fällt. Topographisch ausgenommen und sestgestellt wurde ferner der Taimyrsee. Nordöstlich von diesem See entdeckte man eine mächtige Gebirgskette, die zumindest ?0 Kilometer breit und 1500 Meter hoch ist. Wertvolle Ergebnisse lieferten auch die erdmagnetischen Unter­suchungen.

*

Gras Zeppelin" in der Heimat.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" traf am Donnerstag um 18.20 Uhr in direktem Fluge aus dem Polargebiet über dem Tempelhofer Feld ein, schritt aber zunächst noch nicht zur Landung, sondern führte Schleifen über dem Flugplatz und über Berlin aus.

Das Luftschiff befand sich seit seinem Aufstieg von Leningrad vier Tage und acht Stunden ununterbrochen in der Lust.

Die Nachricht von der bevorstehenden Landung auf dem Tempelhofer Feld hatte eine große Völkerwanderung nach dem Flughafen verursacht. Zehnlausende waren aus dem Flug­platz selbst und in der Umgebung anwesend. Aus dem Flug­hafen hatte sich eine Reihe amtlicher Persönlichkeiten ein­gefunden, darunter Vertreter der Reichs- und Staatsregieruug, Oberbürgermeister Dr. Sah m als Vertreter der Stadt Berlin, Professor Berson mit den übrigen Vorstandsmitgliedern der «Aeroarktis", Vorstandsmitglieder desDeutschen Lufthansa­verbandes" usw.

Während seines etwa einstündigen Aufenthalts auf bem ^empenjofer Flugplatz nahmGraf Zeppelin" Wasserballast M , Um 19.50 Uhr wurden, nachdem Dr. Eckener und die -oesatzung sich herzlichst verabschiedet hatten, die Haltetaue ge- das Luftschiff trat unter den jubelnden Zurufen der K"N?uermassen die letzte Etappe der Heimfahrt aus der Arktis ^a^ Friedrichshajcn w

Wieder im Heimathafen.

Friedrichshafen, 31. Juli. (Eig. Funkm.)

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist nach seiner Arktisfahrt heute morgen um 4.51 Uhr unter den jubelnden Hochrufen einer großen Menschenmenge glatt gelandet.

Der Weg desGraf Zeppelin".

Nach der Landung um 4.52 Uhr wurde das LuftschiffGraf

Zeppelin" vor die Halle gebracht. Um 5.20 Uhr erfolgte dann

Begrabene Hoffnung.

Die Pläne und Hoffnungen der Reichsregierung, die sich auf eine langfristige große Anleihe be­zogen, sind jetzt wohl endgültig zurückgestellt worden, nachdem in den Besprechungen der letzten Wochen fest­gestellt werden mußte, daß das Ausland entweder nicht bereit oder nicht in der Lage ist, uns neue Gelder zu leihen. Die halbamtlicheDiplomatisch-politische Korrespondenz", die die Auffassung der maßgebenden Stellen wiedergeben dürfte, schreibt dazu:

Es ist eine Tatsache, daß neue größere Krediltrans- aktionen keineswegs von dem bloßen guten Willen der französischen Politik abhängen, also etwa im Wege deutscher politischer oder auch irgendwelcher anderen Konzessionen an Frankreich durchgeführt werden könnten. Es bedürfte dazu einer gemeinsamen Bereitschaft von amerikanischer, englischer und französischer Seite unter Ncgierungsgarantien, die zum Teil aus verfassungsrecht- lichen, zum Teil aus anderen Gründen mindestens zurzeit gar nicht geschaffen werden könnten. Das Maß auslän­discher Hilfe, das uns im Augenblick zur Verfügung steht, erschöpft sich in den Rediskont - und Stillhalle­verabredungen, wie sie in London getroffen wurden, gleichviel, welche politischen Voraussetzungen für irgendwelche weitergehenden Maßnahmen etwa bestünden oder geschaffen werden könnten. Damit entfallen aber auch alle st i m m u n g s in ä ß i g e n Erörterungen über diesen Gegenstand, die an sich ungeeignet sind, die not­wendige Stärkung des entschlossenen Willens zu fördern, uns mit schärfster Anspannung aller Kräfte auf die eigenen Hilfsmöglichkeilen zu verlassen.

Daß diese vorhanden sind, unterliegt keinem Zweifel, so schwer auch manches zu tragen ist, was die Not der Stunde erfordert. Unsere ausländischen Gäste während der letzten Tage haben immer wieder Nachdruck dgrauf gelegt, uns ihre wohlfundierte Überzeugung zu versichern, daß die akuten Nöte des Augenblicks lediglich die Folgen einer überwindbaren Vertrauenskrise seien, der Deutschland mit seinen tatsächlichen Wisteln und der inneren wirtschaftlichen Struktur zweifellos gewachsen sei.

Ebensowenig wie die Ausdrücke persönlicher Wert­schätzung sind diese Vertrauenskundgebungen maßgebend­ster ausländischer Persönlichkeiten etwa bequeme Rede­wendungen, um sich unliebsamen Notwendigkeiten zur Unterstützung Deutschlands zu entziehen. Die ernsten Männer, um die es sich hier handelt, sind sich voll bewußt, kn wie hohem Maße eine deutsche Krise oder gar deutsche Katastrophe auf ihre eigenen Völker zurückwirken

die Einfahrt unter den Klängen des Deutschlandliedes und wehender Flagge. Als Dr. Eckener an der Emrdeltür er­schien, wurde er von dem zahlreich erschienenen Publikum mit stürmischen Hochrufen empfangen. Auch Kapitän Lehmann wurde von den Zuschauern mit Hochrufen begrüßt.

Vor dem Verwaltungsgebäude erklärte Dr. Eckener ganz kurz, daß er vollkommen befriedigt von der guten und ergebnisreichen Fahrt sei; die Flugstrecke betrage insge­samt 13 vOOKiloMeter. Eine Aenderung der Reiseroute, wie sie in den letzten Tagen in den Blättern 311 lesen gewesen wäre, sei nicht erfolgt.

Professor Samoilowitsch erklärte: Er dürfe einen Fahrtbericht vorläufig nicht geben, da ihm eine achttägige Schweigepflicht auferlegt sei. Dieser Tage würden die Ergebnisse zusammengestellt und gewissenhafteste Auswertung erfolgen.

Heute abend 5 Uhr soll im Kurgartenhotel eine erste Be­sprechung über den Verlauf der Fahrt stattfinden.

Zwei otmrifamfd?e Ozeanstü^e gelungen

Fliegcrlandung in England und in Konstantinopel.

Das von den amerikanischen Fliegern Pangborn und Herndon gesteuerte FlugzeugMiß Veedol", das am Dienstag vormittag den Newyorker Flugplatz verlassen hatte, ist in der Nähe eines abgelegenen Gehöftes bei Cardigan in England gelandet. Die Flugzeit für die 5200 Kilometer lange Strecke betrug 25 Stunden und 15 Minuten. Die beiden Flieger hatten beabsichtigt, einen Dauerflug von Amerika nach Moskau zu unternehmen.

Die amerikanischen Flieger Boardman und To­la n d 0 sind in ununterbrochenem Fluge von Newyork nach Konstantinopel gefolgen und dort glücklich gelandet.

Bon Friedrichshafen in die Stratosphäre.

Professor Piccard soll von neuem auf­steigen wollen.

Eine Brüsseler Zeitung meldet, daß Professor Piccard einen neuen Höhenflug, der die Prüfung der stratosphärischen Forschungsapparate zum Zwecke haben soll, beabsichtige. Der neue Flug soll in bedeutend größere Höhen führen als der erste. Der Start wird wahrschein­lich in Friedrichshafen stattfinden. Piccard habe erklärt, daß deutsche und französische Ingenieure, mit denen er verhandelt habe, die Ergebnisse des ersten Höhen­fluges zum Bau stratosphärischer Flugzeuge zu verwerten beabsichtigten.

Oie Stillhalieverhandlungen in BerliUbèèndet.

Amtlich wird milgeleilt: Die mit den Stillhalleverhand­lungen betrauten Vertreter der Auslandsgläubiger/sind'aus Berlin abgereist, nachdem die Besprechungen-zur' Zu­friedenheit abgeschlossen waren und ^entsprechend dem Zweck der Erörterungen eine G r u u d.lâgL^f ü r das weitere Vorgehen geschaffen war.

£_J$U Berliner Bankenverhandlungen.

Paris, 31. Juli. (Eig. Funkm.)

Die Berliner Danken-Verhandlungen über die Durchfüh­rung der Stillhalteaktion sollen, wie die Pariser Presse über­einstimmend berichtete, erfolgreich abgeschlossen sein. Nur 2 größere amerikanische Banken hätten sich bisher dem Abkom­men, das die in Deutschland noch vorhandenen kurzfristigen Kre­dite von insgesamt 5,5 Milliarden Mark auf 6 Monate verlän­gere, noch nicht angeschlossen. Die Eolddiskontbank übernehme für diese Garantie eine Zusatzgarantie in Höhe von 10 Proz. des Gesamtbetrages. Für die Verlängerung der VanKredite sollen 10 Prozent, für die der kommunalen Vorschüsse und der Industrie-Anleihen sollen 5 Prozent Zinsen zu zahlen sein.

Das Sachverständigenkomitee der B. I. Z., das erstens die Durchführung der Stillhalteaktion kontrollieren, zweitens eine eingehende Untersuchung über die Wirtschaftslage Deutschlands unternehmen und drittens die Umwandlung der kurzfristigen deutschen Verbindlichkeiten in langfristige vorbereiten soll, ist wie folgt zusammengesetzt: Melchior (Deutschland), Morreau (Frankreich), Beneduce (Italien), Francqui (Belgien), Bind- scheedler (Schweiz), Tanaka (Japan). Rydbeck (Schweden), van Meulen (Holland), Sir Walter Layton (England). Der ame­rikanische Delegierte ist noch nicht endgültig bestimmt. Man nennt Gannon von der Chase-NationalEank und Reynolds von der First-National-Bank.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Reichskanzler und Außenminister werden demnächst einen Besuch in Rom machen.

* Infolge der Goldabzüge durch Frankreich sah sich die Bank von England gezwungen, ihren Diskontsatz wiederum um 1 Prozent auf 4% Prozent zu erhöhen.

* Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist von seiner Polarfahrt nach Deutßhland^zuruckgekehrt und überall mit großer Begeiste-