Zulöaer Mnzeiger
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Nr. 174 — 1931
Fulda, Dienstag, 28. Juli
8. Jahrgang
Staatsbesuch in der Hauptstadt.
Amerikas Vertrauen zu Deutschland.
Hindenburg empfängt Stimson.
Der amerikanische Saatssekretär Stimson, der sich zu einem kurzen Besuch in Berlin aufhält, wurde vom Reichspräsidenten empfangen.
Vorher gab Stimson in der amerikanischen Botschaft den Vertretern der deutschen Presse folgende Erklärung: „Ich habe mich sehr über meinen Besuch gefreut. Ich habe den Vorzug gehabt, den Kanzler, den Außenminister und die übrigen Mitglieder der deutschen Regierung kennen-
Der amerikanische Staatssekretär Stimson ctnmnnJn^ ^^Präsidenten üon Hindenburg empfangen An der Audienz nahm auch der amerikanische
Botschafter in Berlin,, Sackett (links), teil $
feTrÄic °üch eine Zahl von anderen einflußreichen Perfonllchkelten. Gestern bin ich mit dem Kanzler und ~r. Curtius in einigen Museen sowie in P 0 t s d a m und Sanssouci gewesen und ich hatte den Vorteil die Berliner Bevölkerung in ihrer Freizeit, an ihrem "nd?" ihrer Erholung zu beobachten. Ich habe " ^sreut und hatte auch meinen Nutzen davon hâ große Hochachtung und Wertschätzuna en Kan z l e r Brüning und seine Mitarbeiter^ auf den beiden Konferenzen in Paris und London è,â rch erklart daß meine Regierung und das Volk der -bereinigten Staaten zu Deutschland Vertrauen bat knnli^E Volk, zu seinen Hilfskräften und zu seiner Zu- ^E' und meme Ansichten sind bestätigt worden durch aloâ ^ ich hier bei meinem Besuch gesehen habe. Ich 6 â daß ferne gegenwärtige finanzielle Krise wèit- O. ^ud perursacht ist durch den gegenwärtigen Mangel an V * uuen und daß mit Mut und mit der Wiederkehr Mobm?â bus Deutschland imstande sein wird, zu seinem Wohlstände wieder zuruckzukehren."
son Fragen antwortete Staatssekretär Stim- er 8toar mit einigen Persönlichkeiten sehr in- A b l^i .â^ wichtige Unterhaltungen über Fragen der KÄrUÄ^ ^ Ü» «b=r dies? UnLL für die Öffentlichkeit nicht eigneten. Rramöfifcbe ^weck^esâBesuche^ über den Stlmsons in Berlin. So wurde er- n dazn^bknum Stimson das Galadiner in Berti i st er Gr t "m mit dem Reichswehrmi- lichen Demarche der Rl brei Wochen Fragen des de'Km Pa^ Ä' imefen, daß Staatssekretär Stimson während bin. Bei der »Demarche- soll es sich of «L, nm N L' ~””^ Erklärung des Reichskanzlers an den Botschafter gackelt handeln, in der der Kanzler erklärte baü die ?Sä-m""
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^unst des englischen Ministerpräsidenten.
in Macdonald traf dem Reichsa u Knm in i d) 5 f 0 "Ner un8 i 0 n auf dem Ba ü» ulk" ' u ' st c 1 sowie von Hender- Bahnho verliâ K . Abfangen. Als Macdonald den begrüßt 6' ^"^e er von der Menge stürmisch
Finanzberater in Berlin.
Berlin. Der amerikanische Berater der Bank von Eng- land, S p r a g u e, ist in Berlin eingetroffen. Sprague war bekanntlich vom Reichskanzler in London gebeten worden, in Berlin sich über die finanzpolitische Lage Deutschlands zu unterrichten.
Henderson bei Curtius.
Berlin. Zu Ehren des englischen Außenministers Henderson fand beim Reichsaußenminister Curtius ein Empfang statt, an dem Sir Walford Selby, der britische Botschafter Sir Horace Rum b old, der Botschaftsrat Newton, der erste Sekretär Yencken, der Staatssekretär von Bülow sowie höhere Beamte des Auswärtigen Amtes teilnahmen.
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„Geslmder Menschenverstand".
Wer es bisher noch nicht getan hat, wird es auf Grund der letzten Erfahrungen wohl endlich gelernt haben: internationale Konferenzen der Nachkriegszeit haben die Weltgeschichte nur sehr selten vorwärts geschoben. Besonders dann war der Ausgang recht kümmerlich, für uns Deutsche eigentlich immer schwer enttäuschend, wenn auf solchen Konferenzen nur Diplomaten, nur Politiker beieinander waren. Was zwischen solchen mehr oder weniger feierlichen Zusammenkünften vor sich ging, war meistens viel wichtiger und folgenschwerer. Und die letzten Minister-„Entrevuen" haben gleichfalls kaum etwas dafür getan, hier eine Besserung herbeizuführen.
Schon sind anderthalb Monate verstrichen, — oder soll man sagen: erst anderthalb Monate sind vorbeigegangen, seit der deutsche Reichskanzler und der Außenminister in Chequers die englischen Staatsleiter besuchten, die nun, wie es offziell heißt, in Berlin ihren Gegenbesuch machten. Anderthalb Monate erst, — aber was alles drängte sich in diese kurze Zeit zusammen. Nach Chequers kam, nicht bloß als zeitliche Folge, sondern durch die Besprechungen Macdonalds mit dem amerikanischen Schatzsekretär Mellon verursacht, die H 0 0 vcr - B 0 t s ch a s t, kam ihre endliche, enttäuschende Verwirklichung, kam der deutsche Niederbruch und dann alles das, was in Paris und London geschah, bzw. nicht geschah. Wir brauchen daran ja nicht zu erinnern. Und wenn erst der Staatssekretär Stimson, dem Macdonald und Hender - s 0 n ihren Berliner Besuch so schnell an jene Konferenz anschlossen, dann darf man als gequälter Deutscher doch wohl glauben, daß auch dies mehr ist als ein zeitliches Aufeinanderfolgen, — daß hier vielmehr die Absicht maßgebend ist, die schmale, in London gewonnene Basis zu verbreitern.
Wenn der amerikanische Staatssekretär Stimson in Potsdam Schloß Sanssouci aufsuchte, so sah er dort den Ausdruck historischer preußischer Größe. Ein General Friedrichs des Großen focht ja neben Washington für die Befreiung Amerikas. Aber was besagen heute solche Erinnerungen! Oder die anderen, daß bis zum Weltkrieg niemals Deutsche und Engländer im Kampfe einander gegenüberstandcn! Macdonald ist wenigstens einer der Väter des Dawes-Planes gewesen, sah 1924 in London die deutschen Minister bei sich, darunter den damaligen Reichsfinanzminister Dr. Luther. Zwar ist ihm dann, als er wieder englischer Ministerpräsident geworden war, das große marinepolitische Versöhnungswerk mit Amerika gelungen durch seine Reise nach Washington, aber die Londoner Marine abrüstungskonferenz blieb ergebnislos infolge des französischen Widerstandes. Ist es anders gegangen nach Chequers und wird in Berlin etwas geschehen, was uns in unserer Not hilft?
Jenseits des Polarkreises.
»Stas Zeppelin" hat das Franz-Zosephland erreicht
Nach einem beim Luftschiffbau in Friedrichshafen in der Nacht zum 27. Juli um 23.45 Uhr MEZ. eingegange- nen Funkspruch von Bord des „Graf Zeppelin" befand sich das Luftschiff um diese Zeit aus 68 Grad Nord und Grad Ost über der Kanin-Halbinsel. Damit hatte das Luftschiff den Polarkreis passiert.
An Bord befand sich alles wohl, nur daß man, wie es scheint, schon unter der Kälte zu leiden hatte. Von den fünf Motoren des Luftschiffes ließ man nur drei laufen. Über die offene Barentssee nahm der „Graf Zeppelin" seinen Weg auf das Franz-Josephs-Land zu; hier sollte er mit dem russischen Eisbrecher „Malygin" Zusammentreffen. Montag vormittag versuchten die Funkstationen an der Küste in Norddeich und in Hamburg Funkverbindungen mit dem Luftschiff zu bekommen. Es ist ihnen ledoch^nicht gelungen. Wie es scheint, sind die Empfangsund Seüdeverhältnisse in der Arktis für Kurzwellen doch nicht so günstig, wie man cs vorher angenommen hatte.
Und der „Nautilus"?
Das Polaruntersecboot „Nautilus", das im Polargc- lnet mit dem „Graf Zeppelin" eine Begegnung haben sollte, und das, wie man weiß, bei seiner Fahrt über den Atlantik schwer beschädigt worden war, ist in der Marinewerft von Plymouth soweit wiederhergestellt worden, daß S i r Hubert Wilkins jetzt mit ihm seine Fahrt nach Norwegen antreten will. Das U-Boot hat in diesen Tagen mehrstündige Tauchversuche unternommen, während welcher es in ständiger Verbindung mit einem britischen U-Boor war, um die Unterwassersignalapparate auszu- probieren. Diese Versuche sollen zur Zufriedenheit verlaufen fein.
Aus dem Besuch der englischen Minister ist kein „Idyll von Hubertus stock" geworden. Sie blieben in Berlin und wohnten nur einige hundert Meter entfernt vom Auswärtigen Amt und von der Reichskanzlei. Es war auch kein Wochenend„ausflug", so wenig wie die Fahrt Dr. Brünings nach Paris ein solcher gewesen ist. Vor seiner Abfahrt aus London hat der englische Ministerpräsident die Hoffnung ausgesprochen, daß sein Berliner Besuch „die in Chequers erreichten günstigen Resultate weiter fördern werde". In Berlin würde es zu einer Besprechung der gesamten europäischen Finanzlage kommen „zwischen Männern, die gesonnen sind, ihr mit gesundem Menschenverstand und mit Sinn für die Wirklichkeit zu begegnen". Nun, die europäische Finanzlage dürfte in Paris und in London genügend erörtert worden sein, — nur besser ist sie seitdem nicht geworden, weder im Hinblick
Der englische Außenminister Henderson
(Mitte) wurde bei seiner Ankunft in der Reichshauptstadt von Reichsaußenminister Dr. Curtius (rechts) und dem englischen Botschafter in Berlin, Sir Horace Rumbold (links), empfangen.
auf England noch gar für Deutschland! Und leider ist auch der gute Wille und die Kraft Englands selbst in Verbindung mit Amerika nicht ausreichend, um jene Finanzlage Europas grundlegend zu ändern. Wenn der „gesunde Menschenverstand" allein etwas zu sagen hätte, dann wären wir in Europa überhaupt schon viel weiter. Darüber ist der nur noch auf die Wirklichkeit eingestellte Sinn der englischen, amerikanischen und deutschen Konferenzteilnehmer in London sich sehr schnell klar geworden.
„Es ist die Ansicht der englischen Regierung, daß die Londoner Siebenmächtekonferenz eine Periode ständiger Fühlungnahme zwischen den Häuptern der führenden Staaten eingeleitet hat und daß nun die Gelegenheit gegeben ist, das wirkliche Problem der deutschen Kredite, der Reparationen usw. zu lösen," schreibt anläßlich des englischen Ministerbesuchs ein Londoner Blatt. Ja, wenn nur der gesunde Menschenverstand bei dieser Fühlungnahme entscheidend wäre . . .!
Auf der Rückfahrt wieder Landung in Berlin?
Kurz bevor der „Gras Zeppelin" von Staaken zur zweiten Etappe der Arktisfahrt startete, soll Dr. Eckener erklärt haben, daß er bei der Rückkehr, die das Luftschiff voraussichtlich am 31. Juli nach Berlin führen würde, in Berlin-Tempelhof landen werde. Die Landung werde wahrscheinlich in den Abendstunden erfolgen. Nähere Angaben über diese Landung will Dr. Eckener, wie es heißt, am Freitag vormittag durch Funkspruch übermitteln.
^Graf Zeppelin" über der Insel Kolgujew.
Aus Archangelsk wird gemeldet: Nach einem Funkspruch der Funkstation auf der Insel W a i g a t s ch soll „Graf Zeppelin" die Insel Kolgujew passiert haben. Die Fahrt verläuft, wie man cs ermattet hat, langsamer. Die Ursache der langsamen Fahrt konnte bis jetzt nicht geklärt werden. Ein Versuch der Kurzwellenstation in Archangelsk, die Station auf der Insel Kolgujew um Auskunft zu bitten, ob „Graf Zeppelin" die Insel wirklich überflogen hat, ist bisher nicht gelungen.
Wie heute morgen aus Friedrichshafen gemeldet wird, hat der „Graf Zeppelin" gestern um 23.45 Uhr das Franz- Josephs-Land erreicht.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Der englische Ministerpräsident Macdonald ist zu einem Besuch in Berlin eingetroffen.
* Der amerikanische Staatssekretär Stimson hat Berlin verlaßen und ist nach London geflogen.
* Das Luftschiff Graf Zeppelin" befand sich in der Nacht zum 27. Jult über der Karin-Halbinsel und nahm Kurs auf Ftauz-Joseph-Laud, das es gestern um 23.45 Uhr erreichte.