Zulöaer /lnzeiger
Erscheint jeden Werktag.Bezugspreis: monatlich o so RM. Bei Oeferungsbehlnderungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Zriedrich Ehrenklau, §ulda, Mitglied des Vereins Deutscher Aeitungsver- leger. Postscheckkonto: Zrankftirt a. M. Hr. 16009
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg» Zul-a- und Haunetal *§ul-aer Kreisblatt
Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ❖ Zernsprech-Anschluß Ur. 989
Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit GurUenangabe .ZulSaer Anzeiger'gesiattet.
Anzeigenpreis: Kür Behöröen, Genossenschaften,Banken usw. beträgt -ie Kleinzeile 0^0 Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 M.,für -le Reklamezelle 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark ❖ Bei Rechnungsstellung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol. gen »Tag« und Plahvorschristen unverbinöllch.
Nr. 172 — 1931
Fulda^Samstag, 25. Juli
8. Jahrgang
Zwischen den Konferenzen
Fortsetzung folgt?
Während man sich in Deutschland aus verständlichen Gründen noch mit dem unmittelbaren Ergebnis der Londoner Konferenz und seinen Rückwirkungen auf unsere augenblickliche wirtschaftliche und finanzielle Lage beschäftigt, wird im Ausland weit mehr die Frage behandelt, wie und in welcher Zeit jenes magere Ergebnis v e r v oll - st ä n d i g t werden kann. Auf die Londoner und die Newyorker Börse jedenfalls hat der Ausgang der Konferenz einen besonders günstigen Einfluß nicht ausgeübt, besonders da gleichzeitig auch noch die bittere Notwendigkeit der englischen Diskonterhöhung stark verstimmte, von der man nicht einmal weiß, ob sie den gewünschten Erfolg — den englischen Gold- und Devisenvorrat zu schützen — auch wirklich erfüllen wird. Viel von der bisherigen Unruhe und Unsicherheit in der Welt ist durch die Londoner Konferenz nicht ausgeräumt worden. Entscheidender also ist, wie und ob die in London angebahnten Maßnahmen wirtschaftlich-finanzieller Art durchgeführt werden, die jene „Zwischenlösung" erweitern sollen, zumal das bisher Erreichte kaum geeignet ist, für die deutsche Finanzkrise eine wesentliche Hilfe zu bringen.
In englischen und französischen Kreisen rechnet man daher schon heute mit dem Zusammentritt einer neuen Konferenz nach etwa zwei Monaten. Man verweist darauf, daß dann in Gens die übliche Tagung des Völkerbundes stattsindet, die vielleicht auch gleich noch für die Abhaltung jener Konferenz ausgenutzt werden kann. Dort werde man sich mit denselben Fragen zu beschäftigen haben wie jetzt in London, außerdem mit den Wirkungen, die die Aus- und Wetterführung der Londoner Beschlüsse inzwischen gehabt haben.
Hauptsächlich handelt es sich dabei um die Arbeit der von der Konferenz beschlossenen internationalen Ausschüsse prominenter Finanzsachverständiger in Deutschland. Auch die Berliner Besuche des amerikanischen Staatssekretärs.^ inr^ n sowie der englischen Minister sind nicht bloß zeitlich als eine unmittelbare Sortierung der Londoner Verhandlungen aufzufassen und werden Gelegenheit bieten, den führenden englischen und amerikanischen Staatsmännern eine unmittelbare Anschauung von der deutschen Wirtschafts- und Finanzlage zu geben. 0
Konferenz ist auch die entscheidende Wichtigkeit festzustellen, die vor allem nach amerika- n i i ch e r und englischer Ansicht eine schleunige Per- besterung der deutsch-französischen Bezielwnaen für eine wirkliche Überwindung der WeltwirtsW
Bon dorther wird in deutlichster Form verlangt, baß die Fühlungnahme zwischen Dr. Brüning und a v a l in Paris und in London unbedingt fortgesetzt und zu wirklichen Erfolgen weitergeführt werden müsse. 7* etn?r Sortierung dieser Verhandlungen rechnet man übrigens schon heute auch auf französischer Seite. Auch ". dewschen politischen Kreisen erkennt man die Wichtig- keit dieses Problems, jetzt, nach den Pariser und Londoner Erfahrungen noch besonders deutlich. Die für später ge- Ubnte Zusammenkunft mit den Leitern der französischen SS ?^ Fortsetzung des in Paris und in -ondon angebahnten Versuchs bringen.
*
Abschied von London.
Die Minister im „Goldenen Pfeil".
. , Stegreife der deutschen und der fr a n z ö si - s ch e n Abordnung aus London erfolgte fahrplanmäßig MU dem Zuge „Der Goldene Pfeil". Nur Briand war Latvesend, da er bereits mit einem früheren Zuge war. Zusammen mit Dr. Brüning und T r. Curtius reisten auch Dr. Melchior und Geheimrat
^ $• ®- Farben. Die beiden Salonwagen anLTfnhhPf?^ waren nicht unmittelbar anein- ani. rrgekoppelt, sondern waren durch mehrere Personenwagen voneinander getrennt. Der französische Botschafter wm kurz vor Abfahrt des Zuges zu dem Wagen der bmsüSr ^M^ und verabschiedete sich von ihnen in herzlicher Werse. Der amerikanische Außenminister Berlin zu begebet ^^ ebenfaUâ London, um sich nach
*
Auf Wiedersehen!
Die Ministerbesuche in Berlin. nitii^Tekwtär S tim s o n trifft am Sonnabend nachmittag in Berlin ein. Der Besuch trägt, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, nichtamtlichen Charakter ^/'wsou wird am Montag bereits wieder abreisem — Der SS d ^nmlnlster H enderson kommt am Montag mhSÄ BeArr an, während Macdonald nach- 7 ^ Flugzeug eintrifft. Die beiden englischen S Äim "Kaiserhof" Wohnung nehmen. Der Ä w einige Zeit nach Hubert u s - besueb^^? "' ^ hân gelassen worden. Was den Gegen- der französischen Minister in Berlin angeht, bekannt ^ “" zuständiger Stelle in Berlin noch nicht
Der Besuch der Finanzprüser.
von STn3^^ dem bevorstehenden Besuch, zuständig»» 7 d de * „st a ndigen in Berlin wird Don bass Stelle ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht eine eVte Ausschüsse handelt, von denen der eme ein Ausschuß von Vertretern ist, die von den Gouver
neuren der Zentralbanken ernannt und formell von der BIZ. bestätigt werden, während es sich bei dem anderen Ausschuß um eine Reihe von Bankiers handelt, die auf deutsche Initiative nach Berlin eingeladen werden, um hier die Lage zu prüfen.
Das Gartenfest beim König von England.
das König Georg (links im Vordergrund) in den Gärten des Buckingham-Palastes zum Abschluß der Weltkonferenz gab. An diesem Fest, zu dem etwa 10 000 Personen geladen waren, nahmen auch die deutschen Minister teil.
Deutsche Delegation in Berlin eingetroffen.
Die geheim gehaltene Ankunft.
Der Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister
Dr. Curtius sind heute vormittag geen 8.30 Uhr mit den anderen Herren der Delegation in Berlin eingetroffen und auf dem Bahnhof Charlottenburg ausgestiegen. Ursprünglich sollte die deutsche Delegation mit dem Nordexpreß um 8.37
Uhr auf dem Bahnhof Friedrichstraße eintreffen, hatte aber ihre Dispositionen geändert. Die Absicht der Ankunft auf dem Bahnhof Charlottenburg war so geheim gehalten worden, daß auf dem Bahnhof Friedrichstraße selbst die nächsten Angehörigen des Reichsaußenministers sowie Herren des Auswärtigen Amtes sich eingefunden hatten. Vor dem Bahnhof Friedrichstraße hatten zahlreiche Photographen Aufstellung genommen, und die Polizei hatte umfangreiche Absperrungsmaßnahmen getroffen, da sich das Publikum bereits eine Stunde vor Eintreffen des Nordexpretz angesammelt hatte.
Unglücksbotschaft aus Nordamerika
Furchtbare Brandkatastrophe in Pittsburg. — 22 Tote.
Pittsburg (Pennsylvanien), 25. Juli.
(Eigene Funkmeldung.)
Das Altersheim des hiesigen Minoritenklosters ist d u r ch einen furchtbaren Brand vollständig zerstört worden. 22 Personen fielen den Flam- m en zum Opfer, 2 0 0 wurden verletzt. Die Ordensmitglieder haben Uebermenschliches geleistet, um im Verein mit der Polizei und der Feuerwehr ihre Pfleglinge aus dem bereits lichterloh brennenden Gebäude zu retten. Das Heim war mit 60 Personen belegt. Die hohe Zahl der Verletzten erklärt sich daraus, daß viele bereits die Fluchtwege abgeschnitten fanden und aus den Fenstern springen mußten. Durch die riesige Rauchentwicklung wurden die Rettungsarbeiten ungemein erschwert. Bei Abgang dieser Meldung war es noch nicht möglich gewesen, den Brand
Mischer Flugzeug brennend udgeslürzt.
Flieger beim Absprung getötet.
®Kf dem Warschailer Militärflugplatz Mokotow ereignete nch ein Unfall. Während eines Übungsfluges, den der Oberleutnant des 3. Posener Fliegerregiments, Wiese, auf einem einsitzigen Apparat unternahm, brach plötzlich 8‘Kter hem Sitzrau m Feuer au s. Das Flugzeug ftand in wenigen Minuten in Flammen. Der Fliegeroberlcut- nant wollte sich durch Abspringen aus dein brennenden Flugzeug
Die nächste Etappe.
Oie deutsch-französische Aussprache.
2" .etngeweihten Kreisen verlautet, daß die Aussprache, die anläßlich des Frühstücks in der deutschen Botschaft zwischen den deutschen und den französischen Ministern geführt worden ist, eine Wendung genommen habe, die eine spätere deutsch- !^"öosische Zusammenarbeit auf der Grundlage eines wirk- lichen Verständnisses für die wahre Lage in Deutschland doch nicht so ganz hoffnungslos erscheinen lasse, wie das bisher der Fall war.
, , .____ _ aval,
schlossenen Maßnahmen icse Maßnahmen seien
Der Eindruck, den die Aussprache hinterließ, war jedenfalls der, daß man in den maßgebenden französischen Kreisen nun doch ernster über die Ursachen der bisherigen Fehlschläge der Versuche einer deutsch-französischen Annäherung nachzu- denken bereit scheint und geneigter wird, die tatsächlichen Stimmungen und Kräfteverhältnisse sowie die Auswirkungen der bisherigen Mißerfolge in Deutschland richtiger einzuschätzen
In einer Unterredung erklärte Ministerpräsident Frankreich hoffe, daß die in London bes^,C"______ "-,„„„...... zum Ausgleich beitragen würden. Diese Maßnahnien seien finanzieller, politischer und moralischer Natur. Ich wage zu sagen, so erklärte Laval, daß die Unterhaltungen zwischen den deutschen und den französischen Ministern und besonders meine Unterhaltung mit Dr. Brüning uns zu einer Politik zu- sammengeführt haben, die, wenn sie weiter mit Klugheit und Festigkeit betrieben wird, zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Deutschland führen kann. Es gibt kein Vertrauen in der Welt, wenn nicht Harmonie zwischen unseren beiden großen Ländern herrscht. Das müssen alle Rationen begreifen, mit denen uns Freundschaft verbindet. • Unser Versuch ist noch nicht beendet.
veutschl Unterh
Laval nächste Woche in Berlin?
In einer Unterredung erklärte Ministerpräsident Laval, er rechne sicher damit, daß der Gegenbesuch der französischen Minister in Berlin im Saufe der nächsten Woche stattfinden wird.
Hoover über die Londoner Konferenz.
Präsident Hoover veröffentlicht zum Abschluß der Londoner Konferenz eine Erklärung, in der es u. a. heißt:
Die Londoner Konferenz habe den Grundstein zur Wiederkehr stabiler Verhältnisse in Deutschland gelegt.
Das Hauptproblem, das vor allem das Bank- und Kreditwesen berühre. sei eher durch die freiwillige Mitarbeit der Weltbankiers zu lösen, als durch die Regierungen mit ihren gegensätzlichen Interessen.
Eine solche Grundlage der Zusammenarbeit bedeute Sicherheit. Das in London angenommene Programm vervollständige den bereits in Kraft getretenen Aufschub der europäischen Regierungsschulden.
Die gemeinsame Wirkung des Zahlungsaufschubes ueb des Londoner Programms sollte es dem deutschen Volk unter Mithilfe seiner Industrie, seiner Hilfsquellen und seines Mutes ermöglichen, der vorübergehenden Schwierigkeiten Herr zu werden und seinen Kredit wiederherzustellen.
Das Londoner Programm trage zur schnellen Erholung von der Weltdepression bei und zur Überwindung der hauptsächlichsten mitteleuropäischen Krisenelemente. Die Welt sei den Delegierten, die an der Londoner Konferenz teilgcnommen hätten, zu Dank verpflichtet. Die Konferenz habe einen schönen Geist der Versöhnlichkeit und der gegenseitigen Rücksichtnahme gezeigt, was aus die Wiederherstellung stabiler Verhältnisse wohltuend wirken werde.
Präsident Hoover übremiitelte gleichzeitig Staatssekretär Stimson und Staatssekretär Mellon seine persönlichen Glückwünsche zu der erfolgreichen Mitwirkung an der Londoner Konferenz.
Oie Sachverständigen in London an der Arbeit.
Der Sachverständigenausschuß, der aus Grund der Pariser Beschlüsse eingesetzt war, um Maßnahmen zur völligen Durchführung der Hoover-Vorschl^^
,, , j der Hoover-Vorschläge, wie Sachlieferungen usw., zu erörtern, hat seine Arbeiten in London wieder ausgenommen.
retten, blieb jedoch unglücklicherweise mit den Schnüren des Fallschirmes an dem Seitensteuer hängen. Der F l i stürzte auf das Dach einer Gartenlaube und erlitt Schädelbruch, dem er sofort erlag. Das Flugzeug brannte vollständig. Dieser Unfall ist bereits die dritte zeugkatastrophe bei Warschau in diesem Jahre.
eger einen ver- Flug.-
Explosion eines Waschkessels.
Zwei Frauen getötet.
In Worms explodierte in der Waschküche eines Hauses in der Ulmenallee der kupferne Behälter einer elektrischen Wasch- maschine. Die Besitzerin und ihre Hausangestellte hatten den Behälter mit Benzin gefüllt, um Kleidungsstücke zu reinigen. Auf bisher unaufgeklärte Weise erfolgte während der Reinigung die Explosion des Behälters, durch die beide Fralien lebensgefährliche Brandwunden erlitten. Die Hausangestellte und die Besitzerin sind ihren Verletzungen im städtischen Krankenhause erlegen.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Der Reichskanzler und der Reichsaußenminitter sind aus London nach Berlin zurückgefahren.
* Im Scheuen-Prozeß wurde der AngeNagte Straube zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.
. * 3k Pitybura (Nordamerika) sind bei einem Brandunglück in einem Altersheim 22 Personen getötet und 200 verletzt worden. ”
* Ser „Graf Zeppelin" hat nach einer Zwischenlandung in
Berlin heute morgen seine Arltisfahrt fortgesetzt 8