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Zulöaer Anzeiger

Erscheint jeden werktag.Bezugspreks: monatlich 4 so RM Bei Tieferungsbehmöerungen durch köbere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Rnsorüche. Verlag Friedrich Chrenklau, Fulda, mitalied des Vereins Deutscher Zeitungsver- leger. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 1600-

Nr. 171 1931

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg

Zulöa- unö Haunetal *§ul-aer Kreisblatt

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Fulda, Freitag, 24. Zuli

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8. Jahrgang

Das Ende der Londoner Sieben-Mächte-Konferenz.

In amtlichen Kreisen bezeichnet man die Zusammenkunft als Vorbereitung für eine Dauerlösung.

Abgesang und Auftakt.

Die mit so großen Erwartungen Hoffnungen und Befürchtungen - begonnene LondonerSreben-Machte- Konferenz" ist mit einem ziemlich geringengreifbaren Erfolg für Deutschland geschlossen worden. Wollte man nicht die Wirtschaft Deutschlands völlig zusammen- brechen lassen und damit eine schwere Erschütterung der Weltwirtschaft Hervorrufen, so konnte man nicht gut weniger tun. Die nochmalige Verlängerung des 100- Millionen-Dollar-Kredits, d. h. das S t i l l h a l 1 e n , war eine reine Bankiersache, und man muß dem amerikanischen Außenminister S t i m s o n Recht geben, wenn er die Frage stellt, warum man zur Lösung dieser Frage die Staatsmänner von sieben Großmächten nach London aufgeboten hat. Es ist ferner zu beachten, daß diese Verlängerung seinerzeit bereits in Basel von den Notenbanken beschlossen worden ist, und zwar eine Verlängerung auf drei Monate. Der entsprechende Beschluß in London kann also nur die Erhärtung des schon erfolgten Baseler Beschlusses bedeuten.

Als positiver Erfolg in London wird zu buchen sein, daß der Reichskanzler die Konferenz zum Anlaß ge­nommen hat, in aller Deutlichkeit auf den Ernst der Lage in Deutschland hinzuweisen. In diesem Zusam­menhang wird in Berliner unterrichteten Kreisen betont, daß London nicht als Abschluß zu betrachten sei, son­dern nur als der Auftakt zu weiteren Verhandlungen. Macdonald und Henderson werden Anfang näch­ster Woche nach Berlin kommen, während Staatssekretär S t i m s o n mit der deutschen Abordnung nach Berlin fährt. Falls es in nächster Zukunft zu einer erneuten deutsch-französischen Besprechung kommen sollte womit in Berlin mit Bestimmtheit gerechnet wird wird als Verhandlungsort nach deutscher Auffassung selbstverständlich nur Berlin in Frage kommen. Was den Ausgang der Londoner Verhandlungen angeht, so wird, wie ergänzend zu bemerken ist, vor allem die Tat­sache als Positivum gewertet, daß die deutsche Abordnung politisch völlig unbelastet zurückkehre.

Bleibt als zweites Resultat der Konferenz: die Hoffnung. Die Hoffnung, daß die nun folgenden Mi- msterzusammenkünfte in kleinem Kreis eine Erfüllung aller der guten Wünsche bringen mögen, die an dem großenrunden Tisch" in London für Deutschland aus­gesprochen wurden.

*

Schluß derSieden-Mchte-Konserenz.,

Empfehlungen an die Banken.

der letzten Vollsitzung der Londoner Minister, konferenz wurde das von den Finanzsachverständigen bc A » ne DolumeM vorgelegt. Die einzelnen Minister« °^Erschledenen Abordnungen hielten Schlußansprachen und bannt war die Konferenz beendet, über die Schluß, sttzung^ wurde folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: . , "~tc kürzlich stattgefundenen außerordentlichen Kavi- ®i-S3hprbaU§ Deutschland haben eine akute finanziell« Sie haben einen Mangel an Ver- fder nicht durch die wirt- und Haushaltslage des Landes Um eine Fortdauer der finan- sicherzustellen, die für die ber gesamten Welt notwendig ist, sind die aus r Konferenz vertretenen Regierungen zu einer sammenarbeit bereit, um, soweit es in ihrer Macht lieat

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lL Zentralbank- K r edi 1 von i honen Dollar, der kürzlich der Reichsbank durch die BIZ » ^^ * ^ -=

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Ausschuß von Finanzleuten

bie 0011 den Gouverneuren der interessierten Zentralbanken ernannt werden, um die Frage unverzüa- Kreditbedürfnisse zu prüfen und um die /Möglichkeiten einer Konvertierung eines Teiles der kurz- ln lang ristige Kredite zu studieren. Die Konfe- zünUM pi"'" N?Ib eine Darlegung Dr. Brünings bc= ber GWhhs» ^1^ Uön der deutschen Ind uft r i c g ntieÄ Verfügung gestellten Gesa m t- AnNcku^ "hn8 genommen. Die Konferenz ist der aesund-^m-^^ derartige Garantie es möglich macht, eine intpm ^riinblage für die Wiederaufnahme normaler ferenz alanb^vnü^-^^^ herzustellen. Die Kon- Line & b'ne Durchführung dieser Maßnahme bilden werdet Ü$ Cmc dauerhaftere zukünftige Aktion

Der Tee Der Zehntausend.

Die deutschen Minister beim König von England.

An der Garten-Teegesellschast im Buckingham- Palast in London, zu der der König auch die Teilnehmer an der Londoner Ministerkonfcrenz, darunter die deutschen Minister, geladen hat, nahmen ungefähr 10 000 Personen teil.

Große Vorbereitungen waren für diese letzte große gesell­schaftliche Veranstaltung der LondonerSaison" getroffen wor­den. Reiben von offenen Zellen waren in dem königlichen Garten errichtet, in denen den Gästen Tee und alle Arten von Erfrischungen gereicht wurden. Das Köniasvaar nahm den

Empfang der Weltkonferenz im Königspalast.

Als Abschluß der Weltkonferenz sand beim König von England im Buckingham-Palast ein Empfang statt.

Tee in Dem Prunkzest ein, das bei den Krönungsseierlich- leiten in Delhi (Indien» Verwendung fand. Das Zelt ist ganz in Gold und Purpur gehalten. Unter den Gästen befanden sich Vertreter des Hochadels, Staatsmänner und Parlamentsmit^ trrebcr, Mitglieder des Diplomatischen Korps, Würdenträger der Kirche und die Vertreter aus Kunst und Wissenschaft.

Worauf es jetzt ankommt.

Die Beurteilung in Berlin.

Das Ergebnis von London, wird auch tn Berliner Regierungskreisen nur als eine Notlösung empfunden. Es wird daraus hingewiesen, daß es jetzt wesentlich aus uns selbst ankomme, und man ist der festen Zuversicht, daß die deutsche Wirtschafts- und Finanzlage in der Zwischenzeit ohne weiteres z u h a l t e n ist. Diese Tatsache, die materiell durchaus fundiert sei, hänge aber von sehr wesentlichen Voraussetzungen der inneren Politik ab. Parteipolitische Auseinandersetzun­gen seien kaum geeignet, die Ruhe im Innern zu verbür­gen, die erforderlich sei, um in der Übergangszeit durch­zuhalten. Es handele sich jetzt weniger um technische Fragen oder organisatorische Maßnahmen, als vielmehr um eine psychologische Frage, eine Angelegenheit des Vertrauens. Alle Maßnahmen gegen Kapital- *'"cht usw. seien ein Schlag ins Wasser, wenn die oben er-

Voraussetzungen unerfüllt blieben.

*

London im Spiegel der Presse.

Im folgenden geben wir in kurzen Zügen eine Gegenüber­stellung der Presseurteile in den verschiedenen Ländern über die Londoner Sieben-Mächte-Konferenz.

Die Ergebnisse der Londoner Konferenz werden von den Berliner Blättern übereinstimmend als Zwischen­lösung angesehen. Die Mehrzahl der Zeitungen weist ,dar­auf hin, daß jetzt nur noch der Weg der Selbsthilfe übrig bleibe und daß einschneidende innere Maß­nahmen zur Aufrechterhaltung der deutschen Wirtschaft not­wendig seien.

Die Londoner Zeitungen erörtern die Maßnahmen, die zu einer Stabilisierung der Wirtschaftslage Deutschlands noch zu ergreifen übrig bleiben.Times" sagt, obwohl seit Kriegsende mehr als 12 Jahre vergangen sind, feien die Be­ziehungen zwischen Frankreich und Deutschland in mancher Hin­sicht immer noch die des Siegers und des Besiegten. Es müsse einmal daran erinnert werden, daß bisher nie die Feindselig­keiten der Kriegszeit über Jahrzehnte des Friedens fortge­dauert haben.

Auch in der heutigen französischen Presse kommt das schon gestern von ihr gefällte Urteil über das Ergebnis der Londoner Konferenz wieder zum Ausdruck. So wie der Außenpolitiker desMatin" die deutsch-französischen Beziehun­gen als das Leitmotiv der Schlußsitzung hinstellt, machen sich auch die übrigen Blätter diesen Gedanken für ihre abschließen­den Betrachtungen zu eigen. Wenn die gestrigen deutsch- französischen Verhandlungen den Rahmen protollarischer. Höf­lichkeit nicht überschritten hätten, erklärtJournal", so sei dies daran gelegen, daß der Augenblick nicht gegeben sei, in dem von finanziellen und politischen Garantien gesprochen werden könne.Echo de Paris" sieht und wünscht SeTffänbigungsmög- lichkeiten, undAvenir" erklärt, man könne sich beglückwün­schen, daß die Beziehungen zwischen den beiden einst feindlichen Regierungen besser geworden seien.

Die Franzosen Gäste in der deutschen Botschaft.

Das Frühstück, das der französischen Abordnung in der deutschen Botschaft gegeben wurde, verlief in durchaus harmo­nischem Rahmen. Nach dem Essen bildete sich eine Gruppe der leitenden deutschen und französischen Herren, die sich über poli­tische Fragen unterhielten. Die Gäste waren etwa zwei Stunden in der Botschaft. Von französischer Seite waren anwesend: Laval, Flandin, Poncet, Pietri, Berthelot und der Botschafter in London, Fleuriau. Von der deutschen Abord­nung waren erschienen: der Reichskanzler, Dr. Eurtius, bk Staatssekretäre von Bülow und Schäffer sowie Minister^ direktor Zechlin.

Irgendwelche politischen Abmachungen oder Zusagen bin­dender Art sind, wie von deutscher Seite immer wieder ver­sichert wird, nicht gemacht worden.

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Dr. Hugenberg über Die Lage.

Eine Erklärung an dieAssociated Preß".

Der Vorsitzende der Demschnanonalen Volkspartei. Dr Hugenberg, gab der amerikanischenAssociated Preß" eine Er­klärung über Die Lage in Deutschland, in Der er sagt: Tie Fi- nanzkrise in Deutschland ist Die unvermeidliche Folge der »ahrc- langen Reparationszahlungen. Wir bekämpfen den Aoung- Plan, weil wir als seine Folge Die heutige Krise voraussahcn Die Reparationszahlungen sind auch Die Haupiursachc für die Weltwirtschaftskrise Wir begrüßen den entschlossenen Schritt Hoovers, weil er die Reparationsfrage anfaßl Wir bedauern es, daß, während England und Italien sich vorbehaltlos dem Schritt angeschlossen haben, Frankreich aus machtpolitiichen Gründen glaubt, sich wirtschaftlichen Erkenntnissen verschließen und an Der Fiktion des Noung-Planes festhalten zu müssen Am Ende des Hoover-Jahres muß die Revision der Repara­tionszahlungen stehen. Weil Deutschland die privat ausgenom­menen Schulden anerkennen und zurückzahlen will, deshalb muß es von den politischen Schulden befreit werden. Die Lö­sung der Weltkrise ist ohne Lösung Der Abrüstungsfrage nicht zu erreichen Die Rechte ersönnt Die prrvatwirischafl- lichen Verpflichtungen an, Die Dem Ausland gegenüber einge­gangen sind Geling, es nicht, Die ictzige Finanzkrise zu einer Gesundungskrise werden zu lassen, dann haben wir in Deutsch­land den Bolschewismus. Der Bolschewismus aber ist eine Pest, die an den Grenzen Deutschlands nicht halt macht.

Zwischsniösung, aver Vorbereitung Der Dauerlösung".

Brüning über das Ergebnis von London.

Bei Der Beurteilung der amtlichen Mitteilung legte Reichskanzler Brüning zunächst einmal Wert aus den ersten Paragraphen dieses Schriftstückes; er betonte, hiermit habe die Konferenz ausdrücklich anerkannt, daß die Kapital­zurückziehungen aus Deutschland in erster Linie auf das Ausland zurückzuführen seien, und daß Deutschlands Staatshaushalt und Wirtschaft in Ordnung gebracht worden wären, nachdem der Hoover-Plan dieses möglich gemacht habe.

Die Londoner Konferenz habe nur eine Zwischen­lösung gebracht. Er habe eigentlich auch von vornherein nichts anderes erwartet, nachdem man sich über die Schwierig­keiten, die der Aufnahme einer

internationalen langfristigen Anleihe

entgegenstehen, klar geworden sei. Finanziell sei sie nicht zu erzielen gewesen. Die Verfassung Amerikas erlaube eine Garantie seitens der Regierung nicht. Der Londoner Kapital­markt befände sich zurzeit nicht in der gewünschten Verfassung. Auch bereite ein Einvernehmen zwischen Amerika und Eng­land einerseits und Frankreich andererseits Schwierigkeiten. Die deutschen Bemühungen hätten sich daher von vornherein eigentlich lediglich auf die

Verlängerung des IvN-Millionen-Dollar-Rediskontkredits und das Anhalten der ausländischen Kreditzurückziebunc^.- beschränkt. Brüning wies hierbei besonders aus den Einflüß hin, den die amerikanische Stellungnahme auf die günstige Lösung dieser beiden Fragen ausgeübt habe.

Die Konferenz sei besonders stark von der dcntschcn Jn- dnstriegarantie beeindruckt gewesen, und anscheinend böte diese die geeigneten Unterlagen für eine zukünftige Kredit- aktion, die dann nicht unmittelbar an daS Reich, sondern wahrscheinlich über den Weg der Golddiskontbank nach Deutschland fließen würde.

Die Ergebnisse Der Konferenz bedeuteten daher nichts weiter als Zweckmaßnahme«, aber es müsse an den Zielen festgehalten werden, daß der Gesamtumfang des deutschen Kredites im Auslande zu vermehren sei. Die Kon- ferenz habe, wie er hoffe, den Grundstein für eine Aktion von Dauer gelegt.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* In London fand die Schlußsitzung der großen Minister- konferenz statt.

* Die Einberufung des Reichstages wurde vom Aeltesteu- ausfchuß abgelehnt.

* Eine weitere Auflockerung des Zahlungsverkehrs bringt eine neue Notverordnung.

*Graf Zeppelin" ist heute vormittag zu feiner Arktisfahrt in Friedrichshafen gestartet.