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Zulöaer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Nr. 167 1931

Fulda, Montag, 20. Juli

8. Jahrgang

36 Stunden Aufenthalt in Paris.

Bemühungen um deutsch-französische Verständigung.

Keine präzisen Abmachungen in Paris, aber eine vertrauensvolle Aussprache über politische und wirtschaftliche Probleme. Die Staatsmänner auf dem Wege nach London. Gegenbesuch der französischen Minister in Berlin?

Unannehmbar!

Das deutsche Volk, sofern es nur noch eine Spur natio­nalen Selbstbewußtseins hat, steht geschloffen hinter dem Reichskanzler in der Ablehnung der französischen Forde­rungen, wie sie bisher zwar noch nicht amtlich, aber durch fast die ganze Presse Frankreichs und des Auslands be­kanntgeworden ist. Ein Vorpostengefecht hat sich nach dem Bekanmwerden entwickelt, das eine gewisse Grup­pierung der Parteien bereits erkennen läßt. Danach hat es den Anschein, als ob Frankreich mit seinen Trabanten zunächst ziemlicha l l e i n a u f w e i t e r F l u r" ist. In ganz England gibt es nur eine Stimme, die lautet, daß Deutschland die unerhörten Forderungen Frankreichs üb­le h n e n muß. Man hält dort die strikte Ablehnung für etwas Selbstverständliches, was bei der Gewöhnung des Engländers an staatspolitisches Denken und Fühlen nicht wundernehmen kann. Die englische Regierung hat sogar auf halbamtlichem Wege durchsickern lassen, daß man die französischen Vorschläge mit Unruhe betrachte und daß die Vorschläge in ihrer gegenwärtigen Form auch für die britische Regierung kaum annehmbar seien. Die gesamte Londoner Presse nimmt gegen die französischen Pläne Stellung und vertritt den Standpunkt, daß eine Anleihe von 2 Milliarden Mark für Deutschland, die innerhalb von zehn Jahren rückzahlbar sei, augenblicklich nicht zweckdienlich sei. Alles, was Deutschland wirklich brauche, fei ein k u r z f r i stig e r Kredit, um das Vertrauen in Deutschland wiederherzuftellen, die Stabilität letner Wäh­rung aufrechtzuerhalten und um auf diese Weise die Mindestmenge von Kapital wieder an sich zu ziehen, die Deutschland gebrauche. Die gegenwärtige Form des Vor­schlages würde die großen Schwierigkeiten Deutschlands nur vergrößern, denn Deutschland hätte in den nächsten zehn Jahren außer den Reparationen auch noch die neue 2 Milliardenanleihe zurückzuzahlen, so daß die finanzielle Last unerträglich sein würde. Es sei auch nicht anzuneh­men, daß die englische Regierung jemals die Zustim­mung des Parlaments zu einer nationalen Ga­rantie erhalten werde.

Die a m e r i k a n i s ch e öffentliche Meinung stellt sich ebenfalls auf die Seite Englands und man betrachtet und) in amerikanischen Regierungskreissn die bisher bekanntgewordenen französischen Voraussetzungen für eine Anleihe an Deutschland als undiskutierbaren Versuchs­ballon. Der amerikanische Unterstaatssekretär Castle er­klärte sogar, daß Hoover, als Stimson ihm die französi­schen Forderungen mitteilte, geäußert hat, daß Amerika sie unmöglich diskutieren könnte, und daß die fran­zösischen Staatsmänner nach einer Unterhaltung mit Dr. Brüning selbst einsehen würden, daß sie u n d u r ch f ü h r - bar seien.

Dieser Hoffnung schien auch der Reichskanzler bet seiner Abreise von Berlin zu sein, als er erklärte, daß nach einem offenen gegenseitigen Meinungsaustaufch der Weg für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit freigemacht -werden könnte. Der Beweisin t e r n a t i 0 n a l e r ® 0 11 0 a r i t ä t", den der Reichskanzler von den Konfe­renzen iwlleßlich erhofft, kann aber nur gegeben werden, S Frankreich nicht nur seine Forderungen vollständig den Geist des Hasses und der Überheb- aus dem sie entsprungen sind, grundsätzlich in sein ^"^ dürfte das Entgegenkommen, ??" Besuch seiner Staatsmänner in Pams gezeigt hat, d. h. unter dem Druck der Not zeigen mußte, ein vergebliches Opfer bleiben

*

Aie Ankunst in Paris.

Laval und Briand auf dem Bahnhof.

M 2\ putschen Reichsminister trafen auf dem Pariser Nordbahnhof em und wurden von den amtlichen französi­schen Personllchkelten empfangen. Etwa eine halbe Stunde vor Ankunft des Nordexpresses trafen L a v a !, B r i a n d, Franeots, Poncet und Berthelot sowie der Polizeipräsident Chiappc aus dem polizeilich abgcricgelten Bahnsteig ein, wahrend von der deutschen Botschaft sämt­liche Mitglieder mit dem Botschaftsrat Forster an der Spitze erschienen waren.

Auf dem für die Begrüßung freigelassenen Teil des Bahn­steiges waren nur die amtlichen Persönlichkeiten und einige bevorzugte Pressevertreter zugelassen. Als der Zug einlief, ver- ließen Reichskanzler Brüning und Dr. Curtius, be- gleitet vom Botschafter von Hoesch, ihren Wagen, woraus le französischen amtlichen Vertreter ihnen entgegenkamen und > e mit kurzem Händeschütteln und den üblichen Worten bc- grutzten Offizielle Ansprachen wurden bet dieser Gelegenheit nicht gehalten.

Nach dem Verlassen des Bahnsteigs wurden die Minister y'^uer der Photographen ausgesetzt, während das ^Elum fortgesetztEs lebe Frankreich!",Es lebe der ihr, 5 unb "®ë lebe Laval!" schrie. Die Herren bestiegen rJ '" ungesäumt zur deutschen Botschaft bzw. zu den französischen Amtsgebäuden.

Die erste Zusammenkunft.

Reichskanzler Brüning hat sogleich nach seiner Ankunft in Paris dem Ministerpräsidenten Laval einen Besuch abgestattet. Gleichzeitig suchte Reichsaußen­minister Curtius Briand auf. Darauf begann im Gebäude des Außenministeriums die erste Zusam­menkunft zwischen den deutschen und französischen Ministern. Reichskanzler Brüning und Reichsaußen­minister Curtius haben sich ferner beim Präsidenten der Französischen Republik eingeschrieben.

*

Endgültige Entscheidung in London.

England und Amerika gegen politische Bedingungen.

Über die deutsch-französischen Besprechungen am Sonnabend wurde eine gemeinsame Mitteilung her­ausgegeben. Die Verlautbarung beschränkte sich darauf, die Tatsachen festzustellen und war in optimistischem Tone abgefaßt.

Die Nachtbefprechungen mit England und Amerika.

Über das Ergebnis der Nachtbefprechungen zwischen Reichskanzler Dr. Brüning, Reichsaußenminister Dr. Curtius und den amerikanischen Staatssekretären Stimson und Mellon verlautet von maßgebender ausländischer Seite, daß die finanztechnischen Fragen einer internationalen Kredithilfe für Deutschland in allen Einzelheiten erörtert worden -sind. Wi? ausorücklrch her­vorgehoben wird, sind irgendwelche Bedingungen allgemeinen Charakters in diesem Zusammenhang mit keinem Wort berührt worden. In gut unterrichteten Kreis enverstärkt sich der Eindruck, daß die englische Re­gierung in Übereinstimmung mit maßgebenden amerika­nischen Finanzkreisen aus der Londoner Konferenz bereits in allen Einzelheiten ausgearbeitete Vorschläge für eine sofortige in ternationale Kredithilfe zu-

Die Ankunft der deutschen Staatsmänner in Paris.

Der Empfang aus dem Nordbahnhof in Paris. Von links nach rechts: Neichsautzenminister Dr. Curtius, Außen­minister Briand, Ministerpräsident Laval, Reichs­kanzler Dr. Brüning, Unterstaatssekretär Francois Poncet.

gunsten Deutschlands vorlegen wird. Diese Pläne, die vorsehen sollen, daß die von amerikanischer und franzö­sischer Seite zur Verfügung gestellten Kredite über die Bank von England laufen, werden allgemein dahin ge­deutet, daß die englische Rcgicrnng in Übereinstimmung mit der amerikanischen Regierung aus diese Weise den rein finanztechnischen Charakter der ganzen Kreditopera- tion unabhängig von jeglichen politischen Bindungen für die Zukunft sichern und diese in der Hand behalten will.

Wie es zu erwarten, stoßen die englischen und ameri­kanischen Absichten auf schärfsten Widerstand auf der französischen Seite. Das Schwergewicht der Entschei­dung über die internationale Kredithilfe zugunsten Deutschlands hat sich jedenfalls jetzt nach London ver­schoben.

Die Konferenz der Außenminister.

An der Konferenz der in Paris anwesenden Außen­minister nahmen die deutschen und die französi­schen Kabinettsmitglieder, die Staatssekretäre Mellon und Stimson, sowie Henderson, der italie­nische Außenminister Grandi, der belgische Außen- minister Hymans und als Vertreter der österreichi­schen Regierung der Gesandte Grünberger sowie der j a p a n i s ch e Botschafetr in Paris teil.

Über die Konferenz wurde der Presse eine amtliche Verlautbarung verlesen, die als wichtiges Ergebnis die Tatsache enthält, daß aus Wunsch Lavals der gemeinsame Beschluß gefaßt wurde, das Programm der Londoner Konferenz ausschließlich auf die Behandlung der deutsche- Finanz- und Wirtschaftskrise zu beschränken.

Aeuer Chequers-Geist.

Dr. Curtius über die deutsch-französi­schen Beziehungen.

Reichsaußenminister Dr. Curtius hat sich entschlossen, den Pressevertretern noch vor dem Abendessen bei Briand elNlge Mitteilungen zu machen. Curtius erklärte:

Sämtliche in der Besprechung der versammelten Machte am Sonntag vormittag erörterten Finanzfraaen sind nach London übertragen worden.

Dagegen hätten die deutschen und französischen Minister in einer offenen und freundschaftlichen Aussprache die weltergehende Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich in Angriff genommen. In diesen dem Geiste der Chequers-Unterredung entsprechenden Verhandlungen sei man sich in großen Zügen über die noch im Laufe des Tages zu veröffentlichenden gemeinsamen deutsch-fran­zösischen Verlautbarungen als das Endergebnis der Ver­handlungen einig geworden.

Diese Verlautbarung werde allerdings nicht auf die Einzelheiten eingehen, sondern nur in allgemeinen großen Zugen das Ergebnis der deutsch-französischen Besprechung gen darlegen. Curtius betonte zum Schluß mit Nachdruck, daß nunmehr ein neuer Anfang im Geiste von Chequers m die deutsch-französischen Beziehungen gebracht war. den sei.

*

Einerseits....

Eine gemeinsame Verlautbarung, über die deutsch-französischen Verhandlungen.

Zn einem gestern um 22.45 Uhr über die deutsch-französischen Verhandlungen ausgegebenes Kommunique heißt es: Die Ver­treter beider Regierungen erkennen übereinstimmend die Bedeu­tung der Begegnung an und betonen, daß sie den Versuch einer vertrauensvollen Zusammenarbeit darstellen soll. Die franzö­sischen Vertreter, die den Ernst der Krise anerkennen, erklären, daß vorbehaltlich gewisser sinanzieller Garantien und Maßnah­men für eine Beschwichtigung sie bereit sein würden, später die Bedingungen für eine Zusammenarbeit in internationalem Rah­men zu erörtern. Ferner legen die Vertreter der beiden Regi- rungen Wert daraus, ihren Willen zu btonen, so weit wie mög­lich untereinander für eine wirksame Zusammenarbeit unter günstigen Bedingungen zu schaffen und kommen überein, sich ge­meinsam darum zu bemühen, daß auch der Kredit und das Ver­trauen in der Atmosphäre der Ruhe und Sicherheit wieder her­gestellt werden können.

X

.... und andererseits.

Eine Maginot-Nede in Montmedy.

Paris, 20. Juli.

Kriegsminister Maginot hat gestern in Montmedy, einer ehe-

Festung an der französisch-belgischen Grenze vor fran­zösischen Frontkämpfern und Kriegshinterbliebenen eine Rede gehalten, die dadurch auffällt, daß die Sprache des französischen Kriegsministers, die in Widerspruch zu allem steht, was in den letzten zwei Tagen sowohl der Ministerpräsident als auch andere maßgebende Mitglieder des Kabinetts nicht nur zu den Deut­schen, sondern auch zu den Amerikanern und Endländern gespro­chen haben. _ Maginot erklärte: Wir durchleben Stunden, die man als entscheidend bezeichnen kann. Ich kann nicht zulassen, daß man vor einem Volke kapituliert, das stets den notwendigen Kredit zu finden wußte, um seinen kriegerischen Bedürfnissen zu genügen. Verteidigen wir Volk und Währung! Für unsere Militärmacht habe ich Sorge zu tragen. Für den Augenblick erfordert der Friede andauernde Bemühungen. Zwei Bedin­gungen sind notwendig, um ihn zu verwirklichen: Die friedlich gesinnten Länder müssen stark bleiben, und die kriegerisch ge­sinnten den Mund halten. Wir sind nicht Besiegte, sondern Sieger!

*

Oie Londoner Ministerveratung.

Eine amtliche englische Mitteilung besagt, daß die Vor­bereitungen für die Ministerkonferenz in London in Verbind dung mit der finanziellen Lage in Deutschland weitergehen. Alle eingeladenen Länder hätten die englische Aufforderung in zustimmendem Sinne beantwortet,

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Das Reichskabinett verabschiedete zwei neue Notverordnun­gen, und zwar gegen die Kapital- und Steuerflucht und über die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs nach den Bank- feiertagen.

* Der Reichskanzler und der Neichsautzenminister verhandel­ten in Paris mit der französischen Regierung.

Die Wertpier- und Metallbörsen bleiben bis auf werteres geschlossen.

HiXm ^w^r^iS! ^"Ä^A" Staatsmänner sind heute Parw^abgereist ^ben-Machte-Konferenz nach Loudou vou