Iulöaer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Nr. 160 — 1931
Fulda, Samstag, 11. Juli
8. Jahrgang
Schwierigkeiten beim Hoover - Plan.
Schwere Kre-itwer-ung.
Politische Störungsversuche.
Als Vorbereitung auf die entscheidenden Verhandluu gen über einen großen internationalen Kredit an Deutsch land, die in Basel bei der Bank für die internationalen Zahlungen stattfinden werden, hat Dr. Luther eingehende I Besprechungen erst in London mit dem Gouverneur der ? Bank von England, Sir Montague Norman, gehabt und dann in P a r i s mit dem Leiter der Bank von Frankreich. Herrn Moret. So glatt, wie man noch vor einigen Tagen annahm, scheint es zur Einigung über eine große Kreditgewährung an die Reichsbank doch nicht zu kommen, ob wohl man heme wohl wenigsten» damit rechnen rann daß der bisherige 100-Millionen-Dollar-Kredit über bei; 16. Juli — dem Termin seiner Fälligkeit — hinaus ver länger! werden wird. Dr. Luther hat die Reise nao Paris nicht zusammen mit Sir Montague Normaunternommen, sondern dieser ist direkt nach Basel ge fahren; offenbar liegt der Schwerpunkt der Perhandlungei jetzt wohl im französischen Außen- bzw. Finau; b Ministerium.
über den Empfang, den dort der deutsche Reichsbanè I Präsident gefunden hat, wird nichts mitgeteilt, doch ist et kein Geheimnis, daß er hier auf Schwierigkeiten „Poli tischcr" Art gestoßen ist.
Nach wie vor werden von der französischen Presse di- beiden Bedingungen offen bezeichnet, die an die Kredit I Hergabe für die deutsche Neichsbauk geknüpft werden sollen: Gänzliche Ausgabe der Zollunionspläne mit Österreich und Einstellung des Weiterbaues am P a n z e r s ch i f f B, zu dem die erste Baurate vom Reichstag bewilligt worden ist. Teilweise geht man in der frau zösischen Presse noch weiter und verlangt eine „Änderung der i n n c n p 0 l i t i s ch e n Haltung bei Neichsregierung'
x ober, deutlicher gesagt, einen scharfen Regierungskur gegen den „Nationalismus". Selbstverständlich dürfte Dr. Luther es abgelehnt haben, seine rein kredttpolitisch - ft^nziell- Absichten mit solchen politischen k Forderungen verbinden zu lassen, für deren Behandlung I er sich zudem gar nicht zuständig erklären muß. Dem gemäß hat er einem französischen Finanzblau folgende : Erklärung abgegeben: „Ich komme nach Paris nur a l <? I R e i ch s b a n k p r ä s i d e n t. Ich habe eine langfristige I Kreditoperation im Auge, deren Umfang ausreichend sein 5 würde, um Deutschland zu gestatten, sein normales finan I zielles Gleichgewicht wiederzufinden. Vor langen Monaten habe ich bereits der Bank für Internationale Zahlungen die Notwendigkeit entwickelt, auf die Politik der läng M fristigen Kredite zurückznkommen. Diese Politik ist heui- I wichtiger denn je."
K In England und in Amerika kennt man dies I den Absichten Dr. Luthers entgegeuwirkenden französischen Schwierigkeiten, ist trotzdem wenigstens grundsätzlich zu I einer Kredithergabe an die Reichsbank in Höhe von ei» bis zwei Milliarden Mark bereit, ^cmmenb wirkt aller $ dings noch die Unsicherheit über den Verlauf und die Er Kgebnisse der bald beginnenden Sachverständigen Ukonferenz, auf der die technischen Nestfragen bec- N Hoover-Plan behandelt werden sollen. Außerdem ver ■ bangt man in London ebenso wie in Newyork eine Ver 1 stärkung der Kreditei n sch ränkungs-Maßnah I w e n der Reichsbank, weil man der — übrigens falscher ! Ansicht ist, die Kredit- und Deviseuabzüge stammten vo I allem aus deutschen Kreisen selbst, nicht so sehr aus ben
8 Ausland. Dem widerspricht die Reichsbank ebenso ener I gisch wie der ausländischen Befürchtung, durch einen si 8 großen Kredit an Deutschland die eigene Geldflüssigkeit z: 5 gefährden; vielmehr wisse man an den ausländische: Geldplätzen gar nicht, wie und wo man die kurzfristige Geldmassen unterbringen soll.
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Französische Börscnmanöver.
An der Berliner Börse hielten die D e v i s e n a n f 0 t d e I Zungen unvermindert an. Man schätzt sie insgesamt au : etwa 50 Millionen Mark. Es herrscht jetzt in deutschen Bank . kreisen nur noch eine Meinung darüber, daß die weiteren Ab - Ziehungen auf französische Maßnahmen zurückzu h führen sind. Es ist bekannt und die internationale Festigkc- I des französischen Frank bringt den Beweis dafür, daß Fran! 8 reich ganz allgemein unb insbesondere in London Kredit I kündigungen vorgenommen hat und vornimmt. Die Haltung der Pariser Presse, die die Forderung aufstellt, daß eine fran zösische Finanzhilfe von der Erfüllung politischer Forde ■ pingen abhängig zu machen sei, läßt deutlich ste inneren Zu I iammenhänge erkennen.
Luther verhandelt mit Flandin.
Rückkehr nach Berlin am Sonnabend nachmittag.
Reichsbankpräsident Luther, der in Paris den ganzen Vor mittag mit einer Unterredung mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich ausgefüllt hatte, begab sich in den Nachmittags- I stunden in Begleitung des Gouverneurs der Bank von Frank- I reich in das Finanzministerium, wo er Besprechungen mit dem I französischen Finanzminister Flandin hatte, die zwei Stunden I dauerte. Dr. Luther begab sich daraus zur deutschen Botschaft I und erklärte lediglich, daß er am Sonnabend nachmittag in I Berlin eintreffen werde. Am Abend hatte der Reichsbank- I Präsident eine Unterredung mit dem deutschen Botschafter ton Hösch.
Londoner Banken gegen Zurückziehung der Kredite aus Deutschland.
(Eigene Funkmeldung.) L 0 n d 0 n, 11. Juli.
> ®iß „Financial News^ berichtet, hat gestern eine Sitzung der --onaon^r Akzevt- und Bankhäuser stattgesundb. in bet Mittel
und Wege besprochen worden seien, der Zurückziehung von Krediten aus Deutschland Einhalt zu tun. Man glaubt, daß diese Sitzung eine unmittelbare Folge des Besuches des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther in London sei. In dieser Sitzung wurde beschlossen, ein Uebereinkommen zwischen den Banken herbeizuführen, weitere Kreditkündigungen nicht vorzunehmen.
Englands Haltung zur Frage politischer Garantien seitens Deutschlands.
London, 11. Juli.
(Eigene Funkmeldung.)
Das Echo, das die britische Anregung zu einer großmütigen Geste Deutschlands durch Aufgabe der Zollunion und des Baues weiterer Kreuzer in der deutschen Presse gefunden hat, nimmt „Daily Herold" zum Anlaß, in einem Leitartikel folgendes zu bemerken: Wir bedauern, daß unsere Aufforderung zur Mitarbeit an der Beilegung der europäischen Schwierigkeiten in der Berliner Presse schlecht ausgenommen worden ist. Wir wollen mit allem Nachdruck betonen, daß unsere Anregung nicht nur nicht die französische Forderung nach politischen Garantien als Gegenleistung für finanzielle Hilfe unterstützt, sondern das absolute Gegenteil dazu ist. Wir betrachten einen Versuch, die gegenwärtige Krise zur Erpressung politischer Zugeständnisse von Deutschland oder zum Diktat von Bedingungen zu benutzen, als ebenso schmachvoll, wie unnütz. Deutschland muß frei von Zwang sein; aber gerade deshalb fordern wir es dringend auf, eines seiner stolzesten Privilegien, das der Freiheit auszuüben — die freiwillige Leistung von Diensten zum allgemeinen Wohl. Deutschland hat fetz eine Gelegenheit für eine solche Geste. Versäumt es diese, dann wird es seine Feinde entzücken, seinen Kritikern recht geben und seine Freunde enttäuschen.
Zu dieser gleichen Angelegenheit bemerkt der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph", er sei zu der Erklärung ermächtigt, daß die britische Regierung nicht bestrebt gewesen sei, Deutschland irgendwelche politischen Bedingungen für die ihm unter dem Hoover-Abkommen zu gewährende finanzielle Erleichterung aufzuerlegen. Kein politischer Druck sei von London auf Berlin ausgeübt worden. Andererseits, wenn Berlin die Mög
Bor der Londoner Konferenz.
Hoover-pian in Rrast!
Erklärt Washington.
Die „New York Times" veröffentlicht eine autorita tive, offensichtlich von Hoover kommende Erklärung, wonach die Regierung der Vereinigten Staaten das Moratorium als bereits in Kraft befindlich betrachte. Hoover bezweifele nicht im geringsten, daß der Plan schon wirk sam sei. Bisher haben sich 295 Kongreßabgcordnetc (70 Senatoren) für den Moratoriumsplan ausgesprochen, während nur 218 Abgeordnete und 49 Senatoren zur Er zieluug einer Mehrheit erforderlich sind.
Voovers Antwort an Hindenburg.
Präsident Hoover hat ein Antworttelcgramm an d Reichspräsidenten von Hindenburg auf dessen D^rr-h gramm für den Moratoriumsvorschlag übersandt. ; sideut Hoover drückt dabei die Hoffnung aus, daß sein k', schlag den Wohlstand unter den Völkern fördern möge.
Südslawien lehnt den Hoover-plan ab
Der „heilige" Young-Plan.
Wie auf Grund der bisherigen Erklärungen von maßgebender südslawischer Seite zu erwarten war, lehnt Süd- flawien den Hoover-Plan ab und betrachtet das fran= zösisch-amerikanischc Abkommen als für Belgrad unverbindlich.
Der Young-Plan sei, so wird in der Belgrader Presse die Ablehnung begründet, einer der heiligsten internationalen B e rträge, der sowohl für die eine als auch für die andere Seite unkündbar sei. Wenn der amerikanische Vorschlag auf Südslawien angewendei würde, hätte Belgrad 8 0 Millionen Mark im Jahre z u verlieren. Solange die Amerikaner nicht genau er klärten, wer sie zu ihrem Vorgehen ermächtigt habe und wie sic sich ihre Pläne vorstellten, blieben alle Abkommen für Belgrad uny e r b i udli ch. Über die deutschen Sachlieferungen aus das R e p a r a t j 0 n s k 0 n t 0 will man noch nicht sprechen, gibt aber der Überzeugung Ausdruck, daß auch diese fortzusetzen seien.
Botschafter Grbson imtKHüü^ Schreier
auf öer SachverständLgenkonfesenz.
Untcrstaatssekretâr Castle kündigte an, daß der Bo chsaftcr der Bereinigten Staaten in Brüssel, Gibson, t amerikanische Regierung als Beobachter auf der Lon^" Sachvcrständigenkvnsercnz vertreten werde.
In seiner Begleitung werde sich der amerikanisu Wirtschaftssachverständige Liverey befinden, dem besonder c Kenntnisse auf dem Gebiete der Reparationen und Krieg schulden nachgesagt werden.
Castle fügte hinzu, das; nach Ansicht der Washingtoner Regierung der Hoover-Plan in Kraft getreten sei. Die Tatsache, daß die Sachverständigenkonferenz erst nach dem Fälligkeitstermin der nächsten deutschen Reparations
lichkeit sähe, gewisse Flottenausgaben und den Abschluß der Zollunion während der Dauer des Moratoriums aufzuschieben, so würde eine solche Geste willkommen geheißen werden.
Kreditarrangement in Newyork erwartet.
London, 11. Juli.
(Eigene Funkmeldung.)
Während von der Bundesreservebank jede Aeußerung über die gestrige Besprechung zwischen dem Gouverneur der Bank, tarrison, und Parker Gilbert, dem jetzigen Teilhaber, von . P. Morgan u. Co., sowie über eine Beteiligung der Reservebehörde an den geplanten Reichsbankkredit abgelehnt worden ist, erwarten unterrichtete Bankkreise ein Kreditarrangement für Anfang nächster Woche. Hierbei wird hervorgehoben, daß unbedingt eine baldige Kreditgewährung erfolgen müsse und das einzig wirkliche Hindernis offenbar nur die Verbindung der Kreditgewährung mit den von Frankreich erhobenen Forderungen sei. Wie verlautet, setzt die Reservebehörde bei ihrer Kreditbeteiligung voraus, daß die hiesige Bankwelt sich verpflichtet, ihre kurzfristigen Kredite in Deutschland zu belasten, da sie es als zwecklos ansieht, der Reichsbank Kredite zu gewähren, während die Privatbanken ihre Kredite zurückziehen. Auch wird nunmehr hier mit Sicherheit erwartet, daß die Reichsbank Kreditbeschränkung in irgendwelcher Form durchführen werde.
NieKurchi vor Houng-Man-Vnöenmg
Das französische Finanzministerium zur Einzahlung auf den Garantiefonds.
Das französische Finanzministerium veröffentlicht eine Note, in der es sich gegen die Auffassung wendet, die französische Forderung hinsichtlich einer Verteilung der Einzahlung auf den Garantiefonds der Bank für Internationale Zahlungen auf einen längeren Zeitraum sei ein Antrag auf Änderung des Y 0 u n g - P ! a - n e s. Es handele sich also um eine Ausführungsbestimmung, zu deren Festsetzung die Bank für Internationale Zahlungen allein berechtigt ist.
leistung zusammentrete, mache die Pariser Einigung keineswegs unwirksam.
Hinsichtlich der Berliner Meldungen, wonach die Reichsregierung um einen internationalen Kredit über 500 Millionen Dollar nachsuche, erklärte Castle, daß das Staatsdepartement nicht unterrichtet sei.
Snowden gegen zusätzliche Betastungen.
Im Englischen Unterhause erklärte Schatzkanzler Snowden kategorisch, daß die englische Regierung nicht die Absicht habe, in Verbindung mit den Bemühungen, den Hoover-Plan in Wirksamkeit zu setzen, irgendwelchen Maßnahmen zuzustimmcn, die einen zusätzlichen Verlust für den englischen Steuerzahler in sich schließen würden
Diese Erklärung Snowdens bedeutet eine ernste Warnung im Hinblick auf die bevorstehenden Londoner Sachverständigen Verhandlungen, bei der besonders die Sachleistungen eine-große Rolle spielen werden und die noch zu schwierigsten Ausein anoersetzungen vor allem zwischen England und Frankreich führen dürften.
Italien bei der Sachvcrständigenkonfcrenz.
Die Sochoerständigenkonserenz in London wird von Italien beschickt werden. Jtalren ist bereit, sich an den technischen Beratungen zu beteiligen und falls eine Ministerzusammenkunsi vorgesehen ist, ein Mitglied der Regierung, vielleicht den Finanzminister, zu entsenden.
- Flug über den Stillen Ozcan.
Newyork. Wie aus Seattle im Staate Washington ge- meldet wird, sind die Flieger Robbins und Jones zu einem Flutze nach Tokio aufgestiegen. Sie haben Nome auf Alaska erreicht, wo ebenfalls in der Luft getankt wurde. Trotz mehrsack erfolgter Brennswffübernahme in der Luft mußten die beider amerikanischen Flieger Robbins und Jones infolge Gasolinmangels bei Kap Solomon lAlaska) notlanden.
Sechs französische Flugzeuge über Sylt.
Hamburg. Sechs französische Flugzeuge haben die Insel Sylt überflogen. Sie kamen anscheinend von Südosten und passierten in geringer Höhe Westerland. Einige Minuten später wurden sie über Kämpen beobachtet. Die blauweißrote Kokarde war deutlich an den Flugzeugen zu erkennen, ebenso an einem Flugzeug der Name „France". Ob es sich um Militärflugzeuge handelt, konnte nicht festgestellt werden.
Aufsehenerregender Selbstmord eines Chefingenieurs in Newyork.
Newyork. Der Chefingenieur des Dockdepartements, Traugott Keller, der eingestanden hatte, bei der Verpachtung der Piers und anderen ânitlichcn Transaktionen Bestcchungsgelder in Höhe von 90 000 Dollar erhalten zu haben, sprang unter einen einfahrenden Untergrundbahnzug. Er war sofort tot
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Reichsbankpräsident Dr. Luther kehrt heute von seiner Reise nach London und Paris nach Berlin zurück.
" Der Preußische Landtag vertagte sich auf den 13. Oktober.
* Die orkanartigen Stürme der letzten Tage haben auf den Bäderinseln Usedom und Wollin auf Rügen, in Dänemark und in Nordschleswig große Verwüstungen angerichtet. Zwe- Schiffe wU fr zehn Mann BelLtzung Rub ^e-gsg-ngn..