Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer ^n^cigcr

erscheint se-en Werktag-Vezugsprels: monatlich 2.20 RM. Bei Lieferungsbehinöerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Zriedrich Ehrenklau, Kulöa, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver­leger. Postscheckkonto: Kranksurt a. M. Nr. 16009

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zul-a- unö Haunetal-Zul-aer Kreisblatt

Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-Knschluß Nr.9S-

Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe »Zuldaer stnzeiger"gestattet.

Mzeigenpreis: §ür Behörden, Genossenschaf, ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30 Mk, für auswärtige slustraggeber 0.25 Mk., für du Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk, Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel- lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol. gen Tag- und Platzvorschriften unverbindlich

Nr. 156 1931

Fulda, Dienstag, 7. Juli

8. Jahrgang

Hoover-Plan tritt in Kraft.

Paris, 7. Juli. Die französischen und ameri konischen Unterhändler haben sich in der vergangenen Nacht über die Anwendung des Hoover-Vorschlages geeinigt. Um 23.30 Uhr haben die französischen und amerikanischen Unterhändler ein Protokoll in zwei Exemplaren unterzeichnet, das die Grundlagen des ver­öffentlichten Abkommens enthält. Einer Washingtoner Meldung zufolge erklärte Präsident Hoover, daß nun der Plan sofort in Kraft treten werde und daß Deutschland während der Dauer eines Jahres keine Reparationen zu zahlen habe.

Das Pariser Abkommen.

Die Einigungsgrundlage.

Ueber die Einigungsgrundlage, die die französische Negierung vorgeschlagen und die die amerikanische Regierung angenommen hat, verlautet nach dem vorgenommenen Meinungsaustausch stelle die französische Regierung fest, daß sie sich mit der ameri­kanischen Regierung über die wesentlichen Grundsätze des Vor­schlags des Präsidenten Hoover und über die nachstehend aufge­führten Bestimmungen einig sei:

1. Die Bezahlung der Regierungsschuld wird vom 1. Juli 1931 bis 30. Juni 1932 ausgesetzt.

2. Deutschland bezahlt jedoch den Betrag der ungeschützten Annuität; aber die französische Regierung ist, soweit sie in Frage kommt, bereit einzuwilligen daß die aus diese Weise von Deutsch­land geleisteten Zahlungen durch die Internationale Zahlungs­bank in garantierten Bonds der Deutschen Reichsbahn angelegt werden.

3. Alle suspendierten Zahlungen tragen unter den seitens! der amerikanischen Negierung angeregten Bedingungen Zinsen und sind vom 1. Juli 1933 ab in zehn Annuitäten zu tilgen.

4. Die gleichen Bedingungen gelten für die von der Reichs­bahn auszugebenden Bonds.

Die französische Regierung erklärt hinsichtlich dreier Punkte, von denen sie ihrerseits anerkennt, daß diese Punkte die ameri­kanische Regierung nicht direkt betreffen, das folgende:

a) Eine gemeinsame Aktion der hauptsächlichsten Zentral­notenbanken wird durch Vermittlung der Internationalen Zah­lungsbank zugunsten der europäischen Länder unternommen, die besonders durch die Aussetzung der Zahlungen betroffen werden.

6) Eine vorherige Verständigung wird zwischen Frankreich und der Internationalen Zahlungsbank erzielt werden müssen, damit Frankreich dem im Falle eines Poung-Planmoratoriums vorgesehenen Earantiefonds nur durch Monatsraten ergänze, die den Bedürfnissen der Internationalen Zahlungsbank unter Berücksichtigung der tatsächlich von Deutschland transferierten Zahlungen entspräche.

c) Die Frage der Sachlieferungen und die verschiedenen durch die Anwendung des amerikanischen Vorschlages und das vorliegende Abkommen notwendig werdenden technischen Bestim­mungen werden von einem Sachverständigenausschutz geprüft wer­den, zu dem die interessierten Mächte Delegierte entsenden; die Sachverständigen werden die tatsächlichen Notwendigkeiten mit dem Geist des Hooverschen Vorschlags in Einklang zu bringen haben. Frankreich behält sich vor, von der deutschen Regierung die unerlätzlichen Versicherungen bezüglich der Verwendung der Summen, die im deutschen Budget gespart werden, zu ausschlietz- lich wirtschaftlichen Zwecken zu verlangen.

Dr. Brüning an Amerika.

Eine Note b < 2 Reichskanzlers an das Staatsdepartement.

Wie aus Washington gemeldet wird, ist am Sonntag tm Staatsdepartement eine von dem Berliner amerika­nischen Botschafter Sackett überreichte Note des Reichs­kanzlers Brüning vorgelegt worden, worin die Neichs- ^lllernng die Zusage gibt, daß die durch den Zahlungs­aufschub cmgesparten Gelder nicht für Rüstungszwecke verwandt werden sollen.

Was Brüning erhärte.

Die Äußerungen des Reichskanzlers gegenüber dem amerikanischen Botschafter Sackett lauten wie folgt:Im Hinblick auf die in einigen Kreisen auf­getauchten Besorgnisse, die im deutschen Haushalt durch den Erlaß der Reparationszahlungen freiwerdcndeu Summen könnten für eine Vermehrung der Rüstungen Verwendung finden, stelle ich fest, daß eine Erhöhung der Aufwendungen für Heer und Flotte wäh­rend des Feierjahres weder je beabsichtigt war noch statt­finden wird. Die gesamten Erleichterungen, die der Hoover-Plan Deutschland bringen wird, werden zur Deckung der zu erwartenden Einnahmeausfälle, zur Kon­solidierung der finanziellen Berhältnisse und zur Rettung der deutschen Wirtschaft restlos benötigt und verwandt werden."

Von zuständiger Stelle in Berlin wird hierzu erklärt, daß die Äußerungen Brünings gegenüber dem amerika­nischen Botschafter selbstverständlich nicht nur für Amerika, sondern auch für a l l e ü b r i g e n L ä n d e r Geltung haben. Aus diesem Grunde sei es völlig unver­ständlich, wenn die Franzosen eine entsprechende Versiche­rung auch für sich wünschten. Für Deutschland kamen in Übereinstimmung mit Washington natürlich k c i n c p 0 l i- tischen Forderungen in Frage. Es könne auch keine Rede davon sein, wie das in verschiedenen französischen Meldungen, insbesondere von der halbamtlichen Agentur

Havas, behauptet worden ist, daß in der Sitzung des Reichskabinetts diese Frage zur Behandlung gestanden habe, noch viel weniger, daß sich die Reichsregierung wegen der Z 0 l l u n i 0 n bereits mit der Wiener Regierung aus- einandergesetzt habe. Das Reichskabineti habe sich ledig­lich mit der allgemeinen Wirtschafts- und Finanzlage befaßt.

Hoovers neue Richtlinien für Mellon.

Präsident Hoover ha: dem Schatzkanzler Mellon neue An­weisungen gegeben. Diese Richtlinien bedeuten tatsächlich

direkte Gegenvorschläge.

Arnerika bestehe daraus, daß ein Sachverständigenausschuß Die Einzelheiten, besonders in bezug aus die Frage der Sach­lieferungen prüfen und einen Ausgleich im Sinne des ur­sprünglichen Hoover-Vorschlages schaffen müsse. Aller Wahrscheinlichkeit nach seien zwei Tagungen vorauszusehen: 1. eine Sachverstänoigcnkonferenz, die sich nur mit den rein technisch-finanziellen Einzelheiten zu befassen haben werde und 2. eine Konferenz der A 0 ung - Mächte, in der man sich grundsätzlich über Die verschiedenen durch Den Hoover-Plan aufgeworfenen Fragen verständigen müsse. Für den ersten Teil genüge eine aus den Delegierten der inier- essierten Staaten zusammengesetzte Kommission, während die zweite Taauna viel größere Ausmaße annebmen dürfte.

Gtimsons Jtalienbesnch.

Staatssekretär Stimson ist in Palermo eingetroffen und nach Neapel weitergereist, wo er sich zwei Tage aufhält. Am Donnerstag wird Stimson Grandi einen Besuch abstatten, am Nachmittag Mussolini aufsuchen. Außerdem sollen am Abend zu Ehren Stimsons das Kapitol und die Kaisersora festlich erleuchtet werden.

Deutscher Wehrwille.

Die große Narade derKriegervereine

über 100 heimatlose Fahnen.

Nach der Tagung des Kyffhäuserbundes in Königsberg fand die große Parade der Kriegervercine statt. Die Vereine Der ganzen Provinz hatten mit mehreren Hunder' Fahnen Auf­stellung genommen, darunter über 100 heimail 0 se Fahnen der Kriegervereine aus den entrissenen Gebieten und die alten Königsberger Negimentssahnen Neben dem Vorsitzenden, General von H 0 r n, sah man noch zahlreiche Generäle und viele Offiziere der alten Armee. Auch der Wehr- kreiskommandeur, Generalleutnant von Blomberg, und zahl­reiche andere Reichs Wehroffiziere wohnten der Parade bei. Nach Gedächtnisansprachcn der Geistlichen beider Konfessionen gedachte die Menae entblößten Lauvtes der Toten

Die große Parade der Kriegervereitte vor dem Präsidenten des Kyffhäuserbundes, General a. D. von Horn (vorn) und dem Wehrkrciskommandeur. Ge­neralleutnant von Blomberg (neben ihm).

des Weltkrieges, während die ReichswehrkapllleIch hatt' einen Kameraden" spielte.

Sodann hielt der Präsident des Kyffhäuserbundes, Ge­neral der Artillerie a. D. V 0 n Hor n, eine Ansprache, in der er u. a. ausführte, heute gelte es, entscheidend am

Wiederaufbau unseres Vaterlandes mitzuarbeiten, um die Kameradschaft auf das ganze Volk aus­zudehnen. Die Ehrung unserer Vergangenheit, verständnis­volle Mitarbeit in der Notzeit der Gegenwart und Vertrauen in die Zukunft seien die Leit- und Glaubenssätze der vaterländi­schen Tätigkeit des Bundes geworden. Exzellenz von Horn ge­dachte sodann der alten Fahnen und erklärte znr Gegenwart: es wäre pflichtvergessen, wenn man die Lage besser hinstellte, als sie sei. Deshalb gelte es vor allem, die deutsche Nation zu retten und zu sichern.

Führer und Geführte müßten kraftvoll zusammenstehen, um das deutsche Volk vor den Gefahren, die es bedrohten, zu retten. Wir wollen uns bekennen zum unerschütterlichen Glauben an die deutsche Zukunft und an Du deutsche Sendung. Nach dem anschließenden Deutschlandhoch nnd dem Deutsch­landlied schritten General von Horn und Oberstleutnant von Blomberg mit den anderen Generälen der SVübruna des Kuff-

Neue englische Hilfsaktion.

Es verlautet, daß die Bank von England angesichts der ernsten Lage der Deutschen Reichsbank und in Überein­stimmung mit dem Federal Reserve Board in Amerika eine neue Hilfsaktion für Deutschland für dringend notwendig erachte und daß sie in diesem Sinne auf die politischen Stellen eingewirkt hat. Die Verhand­lungen müßten beschleunigt werden, um den Zentral­banken ein sofortiges Handeln zu ermöglichen. Unter diesem Eindruck stehen anscheinend die amtlichen Kreise Londons. Man spricht auch von einem möglichen Ein­greifen Hendersons.

Erpreffungenl

Deutschland unter finanziellem Druck Frankreichs.

Ganz entgegengesetzt den Erwartungen, die man auch augenscheinlich innerhalb der Kreise der Reichsbank hegte, sind die Dcvisenanfordcrungen wieder außerordentlich ge­wachsen, man schätzt sie auf über 80 Millionen Mark. In deutschen Bankkreisen setzt sich immer mehr die Über­zeugung durch, daß die fortgesetzten Kreditkündigungen und -Zurückziehungen nichts mehr mit Vertrauen oder Mißtrauen gegenüber Deutschland zu tun haben, sondern daß es sich hier um einen auf direktem und indirektem Wege ausgeübten Druck aus politischen Motiven handelt, um die finanzielle Lage Deutschlands so zuzu­spitzen, daß es gezwungen ist, Frankreich alle politischen Zugeständnisse zu machen, die es verlangt.

Häuserbundes die Front der R e i ch s w e h r, der Krieger­vereine und der I u g e n dn.r u p p e u des Kvsfhäuser- bundes aus allen Gauen Deutschlands, selbst aus dem Saar­gebiet, ab. Daran schloß sich Parade, die über zwei Stunden dauerte.

Kyffhäuserbund und Stahlhelm.

Im Rahmen der Kyffhäuserbundtagung fand die Tagung des Preußischen Landeskriegerverbandes itatt. General von Horn eröffnete die Versammlung mit einer programmatischen Rede. Die Arbeit des Bundes sei notwendig

zur Erziehung des Volkes,

eine Parteipolitik dürfe in ihm nicht Platz greifen. Und so könne der Bund als solcher auch das Volksbegehren und den Volksentscheid nicht unterstützen, da es sich nicht um eine vaterländische, sondern um eine parteipolitische Ak­tion handele. Selbstverständlich bleibe jedem freie Hand, so zu handeln, wie es ihm sein Gewissen vorschrcibe Aber auch die Vereine und Verbände als solche dürften nicht verfahren, wie sie es wollten, sondern müßten sich in ledem Falle den Anordnungen der Leitung fügen. Bei 30 000 Vereinen spielten die wenigen Außenseiter, die auf einem anderen Standpunkt ständen, keine Rolle.

In der Frage der Kriegsschuld und der Bekämpfung des Bolschewismus habe der Kyffhäuser­bund seinen Standpunkt nicht geändert. Er werde diesen Kampf fortsetzen.

Die Stahlhelm-Bewegung

betrachte der Kyffhäuserbund nicht als Konkurrenzbewegung, im Gegenteil, sie gehe parallel mit seinen Zielen, und nur die Wege seien andere; den Wehrwillen wolle der Bund weiterhin pflegen und auch dazu helfen, daß man in der Ab­rüstungskonferenz des Jahres 1932 als gleichwertiger Verhand­lungspartner dastehe. Trotzdem sei nicht mit einem großen Erfolg zu rechnen.

Ter Kyffhäuserbund sandte an Generalfeldmarschall von Hindenburg und Generalfeldmarschall von Mackensen Huldi­gungstelegramme.

Chinesenverfolgung in Korea.

Loudon. In Pingyang (Nordwestkorea) ist es zu schweren Zusammenstößen zwischen Koreanern und Chinesen gekommen, bei denen 3 7 Chinesen getötet und 130 verletzt worden sind. Koreanischer Mob stürmte chinesische Läden und Speise- Häuser, zerrte die Bewohner auf die Straße und ermordete sie Dort. Polizei und Feuerwehr versuchten, dem Toben der Menge Einhalt zu tun und nahmen über 100 Verhaftungen vor. Anch in Heijo sind Unruhen ausgeflammt; 1300 Koreaner plünder­ten chinesische Läden und steckten sie in Brand.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Anläßlich der Tagung des Kyffhäuserbundes in Königs­berg fand eine große Parade der Kriegervereine statt.

* Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist bei seiner Landungs- sahrt nach Gleiwitz von vielen Tausenden von Grenzdeutschen stürmisch begrüßt worden.

* Während einer Flugtagung in Hirson (Frankreich) raste ein Flugzeug in dre Zuschauermenge. Fünf Prsonen sanden den Tod.

* Aus einer Tagung der sowjetrussischen Wirtschastler hielt Stalin eine programmatische Rede, in der er die Einführung privatkapitalistischer Grundsätze fordert.