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Nr. 143 1931

Fulda, Montag, 22. Zum

8. Jahrgang

Präsident Hoover greift ein:

Zahlungsaufschub vorgeschlagen

Allgemeiner Zahlungsaufschub?

Amerikanischer Riesenkredit an Deutschland.

Die alarmierenden Berichte des Schatzsekretärs Mellor über die katastrophale Notlage Deutschlands haben Prä sident Hoover veranlaßt, von sich aus Schritte zu unter­nehmen, um der drohenden Gefahr eines völliges Zu­sammenbruches der deutschen Zahlungstraft rechtzeitig zu begegnen. Wie dringlich dem Präsidenten die Initiativ« der USA. erscheint, erhellt aus der Tatsache, daß er nad seiner Rückkehr von der Vortragsrcise durch den Mittel­westen unverzüglich die Parteiführer beider Kongreßhäuser sowie den Untcrstaatssekrelär des Schatzamtes, Mills, und den stellvertretenden Handels- sckretär» Julius Klein, zu sich berief. Daserfreulich« Entgegenkommen", das Hoover sowohl bei der Regie­rungspartei als auch bei der demokratischen Opposition sand, kann als Gewähr dafür gelten, daß die Reaieruna

Staatssekretär Mellon,

der sich gegenwärtig in London aufhält, auf dessen Berichte hin sich Präsident Hoover zu einem Eingreifen in Europa bereu erklärt.

mit einer bereitwilligen parlamentarischen Unterstützung für jede als zweckmäßig oder notwendig erkannte Maß nähme rechnen darf.

Welche Mittel die Regierung empfehlen wird, um den wirtschaftlichen Waldbrand" Deutschlands zu bekämpfen läßt sich noch nicht mit völliger Gewißheil sagen. Hoovei selbst betonte, daß noch keinerlei Beschlüsse gefaßt seien und alle Mutmaßungen würden durch Tatsachen nicht ge­rechtfertigt. Eine sofortige Revision oder gar Streichung bestehender Schulden komme schon wegen der innen­politischen Lage natürlich nicht in Frage. Die Entlastungs­aktion könne daher ausschließlich in der Richtung eines allgemeinen Zahlungsaufschubes sowohl bei Reparationen als auch der interalliierten Schuldenzahlun­gen oder in einem Riesenkredit Deutschlands liegen. Beide Möglichkeiten werden hier ernsthaft erörtert. Die Alliierten hätten auf Grund der Tilgungsabkommen das Recht, Dit Zahlung auf Schuldenkapital, nicht aber die Zinszahlun­gen zu suspendieren. Da die letztgenannten Zahlungen jedoch weitaus den größten Teil der interalliierten Til­gungsleistungen ausmachten, könnte ein Zahlungsausschut nur wirksam sein, wenn er auch die Zinszahlungen umfasse.

Es wird daher mit Bestimmtheit angenommen, daß Hoover den Kongreß auffordern wird, die ehe­maligen Kriegsverbündeten für einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren von der Zinszahlungsverpflich­tung zu befreien, vorausgesetzt, daß die alliierten Mächte Deutschland einen Zahlungsaufschub von gleicher Dauer zugestehen.

Über die Frage, wann der Präsident mit seinem Stützungsplan herauskommen wird gehen die Meinungen auseinander. Einige Beobachter sprechen von wenigen Tagen. Alle sind aber überzeugt, daß schon die Ankündi­gung der amerikanischen Initiative eine wesentliche Ent­spannung herbeisührcn werde. Hand in Hand mit dem Zahlungsaufschubplan geht der von der hiesigen Finanz­well unterstützte Vorschlag, der Neichsbanl bei der Federal Reserve Bank in Rewyork einen Bereitschafts­kredit von 300 Dollarmtllionen zur Ver­fügung zu stellen, dessen Vorhandensein allein genügen würde, das Vertrauen in die deutsche Währung restlos wiederherzilstellen, ohne daß es vielleicht nötig wäre, den Kredit wirklich in Anspruch zu nehmen. Stark beachtet wird in Newpork der Umstand, daß die nächste alliierte Zinszahlung erst am 15. Dezember fällig wird. Da der Kongreß am 7. Dezember Zusammentritt, bliebe der Re­gierung ausreichend Zeit, eine eventuelle Zahlnngsaus- schubsvorlage dnrchzupeitschen, um so mehr, als sie die Europa-Hilfsaktion" jedes parteipolitischen Charakters entkleiden wird.

Oie Aufnahme der Hoover-Erklärung in Berlin.

Obwohl der genaue Inhalt der Erklärungen des ame­rikanischen Präsidenten Hoover in der Tribut- und inter­alliierten Kriegsschuldenfrage in Berlin noch nicht bekannt ist, wird an zuständiger Stelle doch schon jetzt auf d t e große Bedeutung, die diesen Ausführungen un­bedingt znkomme, hingewiesen. Hoovers Äußerung sei der Beweis dafür, daß die Wellen von Chequers bis nach Amerika geschlagen seien. Sie berechtigten außerdem zu der sicheren Annahme, daß Schatzsetretär Mellon auf Grund seiner Londoner Besprechungen Washington über die wahre Lage in Europa ausklären konnte, so daß sich jetzt auch in Washington die Überzeugung geltend mache, daß irgend etwas geschehen müsse. Nachdem der genaue Inhalt der Äußerungen Hoovers in Berlin vorliegen wird, dürften von den zuständigen deutschen Stellen zweifellos noch nähere Kommentare zu erwarten sein.

Cm eènMmes Moratorium!

Der Vorschlag Hoovers.

Präsident Hoover hat, wie das Weiße Haus bekannt­gab, den europäischen Nationen eine einjâhrigeSus- pendierung aller Schuldenzahlungen an die Ver­einigten Staaten sowie eine einjährige Suspendierung der Reparationszahlungen an die Alliierten vorgeschlagen, um Deutschland vor dem Chaos zu retten. Die Erklärung ist das Ergebnis der Besprechungen Hoovers mit den Kongreßführern.

Durch diese Meldung werden die ersten aufsehen- erregeÄM Nachrichten über ein bcab^MKftes zweijähriges Schuldenmoratorium überholt.

An Der Newuorker Börse lösten die Mitteilungen über die Besprechungen Hoovers größtes Aufsehen aus. Man erblickt in der Neueinstellung Hoovers ein Ereignis von weittragender politischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Die Hoover-Aktion wird als erster Schritt zur Wiedergesuudüng Deutschlands und damit Europas und als geeignete Maßnahme zur Beendigung der Weltkrise angesehen. Der Optimismus in Amerika machte sich an der Newvorker Börse durch starkes Steigen der Kurse bemerkbar. Auch die deutschen festverzinslichen Dollarwerte nahmen bei steigenden Umsätzen an der allgemeinen Hausse teil.

Beratungen des ReLchskabinriis.

Rücksprache mit Amerikas Botschafter Sacketl.

Die Reichsregierung hat in ihrer letzten Sitzung über die Reparationsfrage beraten, wobei natürlich die Er­klärung Hoovers im Vordergründe stand. Nachdem nun auch der Londoner Botschafter von Neurath in Berlin ein­getroffen ist, hat man die Ansicht aller unserer Vertreter bei den europäischen Großmächten einholen können. Das Eintreffen des Botschafters in Washington, von Prittwitz, wird in der nächsten Woche erwartet.

Im Anschluß an die Kabinettsbesprcchung wurden Verhandlungen mit dem amerikanischen Botschafter in Berlin geführt.

*

Deutschland stimmt Hoover zu.

Wie amtlich mitgeteilt wird, hat die deutsche Regie­rung ihre Zustimmung zu dem Vorschläge des Präsidenten Hoover durch den deutschen Vertreter in Washington der amerikanischen Regierung mitteilen lassen.

Die Erklärung Hoovers.

Die Erklärung Hoovers über das einjährige Moratorium aller Schuldenzahlungen besagt u. a.:

Die amerikanische Regierung schlägt für die Dauer von einem Jahre eine Zahlungseinstellung auf alle Zahlungen, sowohl Kapital wie Zinsen, hinsichtlich aller Schulden zwischen den Regierungen, der Reparationen und der Relief-Schulden vor. Hierin sind aber Verpflichtungen der Regierungen gegen­über Privaten nicht enthalten.

Vorbehaltlich der Zustimmung durch den Kongreß wird die amerikanische Regierung einen Aufschub auf alle Zah­lungen von den Schulden der ausländischen Rccilcrunaen an

Forderungen der Freien KeivsttMssten.

Eine Entschließung znr Notverordnung.

Der Bundesausschuß des ADGB. liahm zu der neuen Notverordnung in langen Beratungen Stellung und faßte einstimmig eine Entschließung, deren wesentlichste Punkte folgende sind: Ausbau der Erbschaftssteuer, Durchführung der Reichsreform, Maßnahmen gegen die Kapitalflucht ins Ausland, Ausschaltung der Gewährung von Pensionen an im Erwerbsleben stehende Beamte und Offiziere, sofortige Abkehr von der Agrarpolitik, internationaler Abbau der Zölle. Daneben werden erneut Maßnahmen zur Arbeits­beschaffung gefordert, insbesondere durch zielbewußte Wohnungswirtschaft und eine vernünftige Siedlnngs- politik, schließlich die allgemeine gesetzliche 40ftünbigc Arbeitswoche mit dem Zwang zur Einstellung neuer Arbeitskräfte aus dem Millionenheer der Arbeitslosen.

die amerikanische Regierung gewähren, die während des ani 1. Juli beginnenden fiskalischen Jahres zahlbar sind, jedoch unter der Bedingung eines gleichartigen einjährigen Morato­riums aus alle zwischen den Regierungen bestehenden Schul­den, die den wichtigsten Gläubigerländern geschuldet werden.

21 Senatoren, unter denen sich Ashurst, Bingham, Borah, Morrow, Moses, Davis und Reed befinden, und 18 Mitglieder des Repräsentantenhauses haben dem Vorschlag bereits zuge­stimmt. Sie ist auch von Mr. Charles G. D a w e s, dem ame­rikanischen Botschafter in Großbritannien, und Mr. Owen D. N 0 u n g gutgeheißen worden.

Dem Antrag wird eine sehr eingehende Begründung an­gefügt, die betont:

Der Kernpunkt dieses Vorschlages liegt darin, Zeit zu geben, um den Schuldnerregierungen cs zu gestatten, ihre Prosperität wiederzuerlangen. Ich schlage daher dem ameri­kanischen Volke vor, daß es in seinem eigenen Interesse ein weiser Gläubiger und ein guter Nachbar sein soll.

Ich wünsche diese Gelegenheit zu ergreifen, um offen meine' Ansichten über unsere Beziehungen zu den deutschen Reparationen und zu den Kriegsschulden der alliierten Negierungen kundzutun. Unsere Regierung bat an der Festsetzung der Reparationsverpflichtungen keinen An­teil genommen und hat auch hierzu von seiner Stimme keinen Gebrauch gemacht. Aber da die Grundlage der Schuldenrege-

Hoover.

lung die Zahlungsfähigkeit des Schuldners bei normalen Verhältnissen war, so würden wir nui in Übereinstimmung mit unserer Politik und unseren Grund­sätzen stehen, wenn wir die anormalen Bedingungen, die jetzt in der Welt herrschen, in Rechnung stellen

Wir sind nicht in eine Erörterung eines rein euro­päischen Problems verwickelt, von dem die Zahlung bet deutschen Reparationen nur eines ist. Wir stellen unsere Be­reitwilligkeit dar, einen Beitrag zu der baldigen Wiederher­stellung der Prosperität in der Welt zu machen, an der unser Volk sehr stark interessiert ist." .

Hoover verlas diese Erklärung in Gegenwart von »tim- s 0 n und Ooden Mills, der zurzeit Mellon im Finanz- Ministerium vertritt.

Hindenburgs Appell an Amerika.

Wie verlautet, hat der Reichspräsident in den letzten Tager einen Appell au das amerikanische Volk in Form einer Bot­schaft an den Präsidenten Hoover gerichtet, in dem er daraus hinweist, daß sich Deutschland in höchster Not befinde. Daè Schreiben des Reichspräsidenten ist noch nicht veröffentlich worden. Die Veröffentlichung wird voraussichtlich in Washing ton erfolgen.

Was sagt England?

In Anbetracht der außerordentlich großen Bedeutung des Vorschlages Hoovers erwartet man für heute mittag eine Er­klärung oes Premierministers MacDonald im Unterhaus.

WieDaily Herald" berichtet, herrschte in amtlichen Kreisen gestern große Befriedigung über die von Hoover er­griffene Initiative. Auch die heutigen Morgenblätter begrü­ßen die Vorschläge, denen jetzt die entsprechenden Schritte der europäischen Staatsmänner folgen müßen.

Was meint aber Frankreich?

In der französischen Preße begegnet der Beschluß Hoovers fast nur Mißtrauen und schwer ste n Bedenken. Allge­mein wird die Notwendigkeit betont, die Rechte Frankreichs aus den Verträgen zu schützen.

Simplon-Expreß überrennt Autobus.

Bukarest. Der Simplon-Expreß ist bei der Station Stir- bevwoda mit einem Autobus, dessen Führer die Warnungs­signale des Schrankenwärters unbeachtet ließ, zusammen- gestoßen. Der Autobus wurde zertrümmert. Drei Personen wurden getötet, vier verletzt. Der Führer ist entflohen. Die Maschine des Expreßzuges wurde stark beschädigt.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Die amerikanische Hilfsaktion für Europa soll in einem Aufschub der Zinszahlungsverpflichtungen sowie in einem Bereitschaftskredit von 300 Dollarmillionen für Deutschland bestehen.

* Die Reichsbank hat als neue Maßnahme gegen die Devisen- Hamstcrei Kreditbeschränkungen vorgenommen.

* Das Schwurgericht in Berlin verurteilte den Muttermörder Thielecke wegen Aszendententotschlags und Urkundenfälschung zu zehn Jahren und einer Woche Zuchthaus.