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Fulda, Montag. 27. April
8. Jahrgang
Polnische Anmaßung.
Will Polen Danzig besetzen?
Ablenkungsmanöver von Oberschlesien.
Die politische Spannung zwischen Danzig und Polen hat eine bedenkliche Höhe erreicht. Die Über» griffe, die sich Polen in der letzten Zeit in Danziger Herrschaftsbelange erlaubt hat, müssen zu schlimmen Vermutungen führen und lassen für die Zukunft nichts Gutes erwarten. Die Machtbefugnisse, die das Versailler Diktat plötzlich und unerwartet dem bis dahin ohnmächtigen Polen gab, sind ihm anscheinend zu Kopf gestiegen und
LcnatSpiapdem Dr. Ziehm-Danzig,
der bemerkenswerte Ausführungen gegen die polnischen Ansprüche auf Danzig machte.
leine Großmannssucht übersteigt alle Grenzen, wie Mn das bei allen nicht aus eigener Kraft Emporgekom- «en stets beobachten kann. Auf die Gerüchte, die aber mehr als Gerüchte zu sein scheinen, daß der polnische Mneralkonsul in Danzig, Strasburger, den Danziger sölkerbundkommissar ersucht hat, polnische Truppen nach Danzig zu ziehen, und zwar wegen angeblicher Bedrohung der polnischen Staatsbürger in -anzig, hat jetzt der Danziger Senatspräsident Dr. öle hm im Senat bedeutungsvolle Erklärungen abgegeben, denen der Senat einmütig zugestimml hat.
x5» einer großen Rede über den neuen polnischen Vorstoß Wen die Unabhängigkeit Danzigs kam Senatspräsident Dr. oleym auf den
Schutz der polnischen Bevölkerung nif?""âlg zu sprechen. Die Negierung könne mit gutem Ge- ß™,öor aller Welt den Nachweis führen, daß jeder polnische gehörige in Danzig genau denselben Rechtsschutz ge- ,die Danziger Staatsangehörigen und alle Fremden, x® W nicht der geringste Beweis dafür zu erbringen, daß J; der polnischen Staatsangehörigen nicht ausreichend ttiAJ» P"K in Danzig sei an der Ausübung seiner Tätig- 1 Mig gehindert, wenn er die Gesetze beachte.
m-,,. "Ulster Strasburger erstrebe aber mit der Aktion vor dem . ndrai die Anwendung des Beschlusses des Völker- demzufolge Polen dazu berufen sein soll, die Aus- u.^8 der Ordnung im Gebiet der Freien Stadt Dan- Rpiâ^zustellcn. Die Voraussetzungen zur Anwendung dieses Aiwââ ?ah -die Danziger Polizeltruppen zur vor m '^Haltung der Ordnung nicht genügen', liege aber nicht ' bie Behauptung,
$^ sei am freien Zugang zum Meer gehindert aem-Ä. ^eL im Zusammenhang mit den von Polen geltend Streitfällen, die durchweg eine dem Gesetz entspre- „rlcdlgung durch die Organe der Freien Stadt Danzig >8olk,^»<""en, so grotesk, daß es nicht schwer falle, vor dem enui -k"drat diese Behauptung als jeder Begründung der m»7 ^" d zurückzuweisen. Polen sei an der Benutzung Pariser Vertrag eingeräumten wirtschaftlichen Rn, gehindert worden. s°nde« EiAE H.°i>cit Wer Danzig gebiet der *
— ^„.,... „„v. ~-..0.j und wolle insbe .iflutz auf dir innere Vcrwaltiing Danzigs, auf dem äufni’i.0? ^allzei und des Gerichtswesens gewinnen. Es sei dicht hL!^* Danziger Regierung, diesem durch die Verträge beaenriÄ^!"^^^" Machtstreben des polnischen Staates ent- BerÄ ^^ Parteien seien sich darin einig, daß der 22. C.)^- auf dem Wege über den Ratsbeschlutz vom 511 ertön».» ?"'* Einschränkung der Danziger Souveränität thtkaein?.^"' md "tlcm Nachdruck und mit allen Mitteln zu »ewiesrn werden müsse.
mit wohl keinem Zweist
fall s ^ "us den oberschlesi
^fel, daß die Polen
------, vt„ uuniu/nftUen Streit- hieber , auf der Maitagung des Völkerbundrates am Sprache kommen wird, den gegenwärtigen
Der Stromboli in Tätigkeit.
Ser K°'"e Menschen gefährdet.
Stofen hat nach einen heftigen unterirdischen "°l!eruna che n regen und Lava ausgeworfen. Die Be- >m grefl ivurde von Panik ergriffen und brachte die Nacht " Stroms?! 2" den umliegenden Feldern und Gärten hat Mhrdel E, Schaden angerichtet. Menschenleben sind nicht her H Letzte Ausbruch ereignete sich im September 1930. ^mnten Umgebung von Pistoia wurde ein Stotzbeben wahr- daß stdoch keinerlei Schaden verursachte. In Seit in LÄ^ien Erdstötze die Bevölkerung um die gleiche ^m erÄec~n; Der Direktor des Florentiner Observato- Naf; daß diese Erdstöße zu keinerlei Befürchtungen
Augenblick für geeignet halten, mit einem derartigen Manöver die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit von der Tatsache abzulenken, daß die Polen vom' Völkerbund- rat auferlegten Verpflichtungen in Oberschlesien noch nicht in vollem Matze erfüllt worden sind. Dieser Zusammenhang kann auch dem Völkerbundrat nicht verborgen bleiben. Übrigens ist schon jetzt mit Bestimmtheit damit zu rechnen, daß der Völkerbundrat das polnische Ansinnen zurückweisen wird, schon deshalb, weil die Begründung auf so schwachen Fützen steht. Denn tatsächlich ist weder Polens freier Zugang zum Meere bedroht, noch sind die Polen in Danzig recht- und schutzlos. Zu einem Ratsbeschlutz in einem für Danzig ungünstigen Sinne kann es schon deshalb nicht kommen, weil zu einem solchen Ratsbeschluß volle Einstimmigkeit gehört und der Vertreter des Deutschen Reiches sich sicherlich einem derartigen polnischen Anschlag auf die Selbständigkeit und das Deutschtum der Freien Stadt Danzig widersetzen wird.
Der Völkerbundkommissar für Danzig hat den polnischen Anirag polnische Truppen zum Schutz der polnischen Einwohner Danzigs anzufordern, abgelehnt, so daß die polnische Regierung wahrscheinlich ihren Antrag unmittelbar an den Völkerbundrat leiten wird.
Ein polnisches Geständnis.
Rücktritt des Danziger Oberstaatsanwalts.
Das der Warscheuer Regierung nahestehende Blatt „Dzien Dobrye" äußert sich zu der Meldung der Moskauer „Jswestija', wonach der polnische Staatsvertreter in Danzig, Minister Strasburger, den Völkerbundkommissar Graf Grawina um Zulassung polnischer Truppen „zum Schutz der polnischen Bürger' in Danzig ersucht habe, und erklärt, diese Information entspreche „i m Augenblick nicht" der Wahrheit; doch das bedeute jedoch nicht, daß Polen auf die natürliche Pflicht des Schutzes seiner Staatsangehörigen verzichtet habe, namenzlich dann. wenn die „Ausschreitungen der Deutschnationalrftrn in Danzig auch weiterhin das Leben und das Gut seiner Bürger bedrohen" würden (!).
Der Danziger Oberstaatsanwalt Schneider ist auf seinen Antrag von den Dienstobliegenheiten als Leiter der Danziger Staatsanwaltschaft durch Beschluß des Danziger Senats enthoben worden. Die Amtsniederlegung ist mit Rücksicht auf persönliche Angriffe, die der polnische diplomatische Vertreter, Dr. Strasburger, ungerechtfertigterweise gegen den Präsidenten des Senats, Dr. Ziehm, gerichtet hat, erfolgt.
«anxi^. - Awm»
Das Rathaus in Danzig, ein markantes Gebäude der Stadt.
Ein Lohngeldraub.
Dillingen (Saar). Zwei Burschen verübten auf dem Gelände der Dillinger-Hütte einen dreisten Lohngeldraub. Sie überfielen zwei Meister, die sich mit einer Kassette mit 69 000 Frank Lohngeldern aus dem Wege zum Bureau befanden. Ein Meister erhielt dabei einen Schutz in die rechte Brustseite. Unter Mitnahme der Kassette flohen die beiden Räuber kodann in den nahen Wald. Ein Polizeiwachtmeister nahm sofort die Verfolgung aus, und es gelang ihm, den Hüttenarbeiter Groß so schwer zu verletzten, daß er die Flucht aufgeben mußte. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Der zweite Täter, ein i!4jährtger Italiener, konnte unter Mitnahme des Geldes entkommen.
polens Tintenfischpolttik.
Als Kind auf der Schule hat man gelernt, daß der Tintenfisch beim Angriff eines Gegners eine dunkelfarbige Flüssigkeit von sich gibt, um sich dadurch zu schützen. Es gibt aber nicht bloß im Meer derartige Fische, sondern sie existieren auch reichlich in der Politik und entwickeln dort Tintenwolken in Form von Beschwerdenoten, wenn sie mit Recht von irgendeiner Seite her attackiert werden. So treibt es Polen mit Vorliebe, nur ist das Herrn Zaleski auf der Januartagung des Völkerbundrats dem deutschen Außenminister gegenüber nicht recht geglückt, als dieser nun mit dem schweren Geschütz berechtigter Klagen über die Behandlung der deutschen Minderheit losschotz. Daraus hat man in Warschau allerhand gelernt und hofft, diesmal bei den Auseinandersetzungen mit dem Frei staat Danzig die Tintenfischpolitik erfolgreicher betreiben zu können.
Die Polen haben es ja von Anfang an als einen argen „Schönheitsfehler' des Versailler Vertrages erklärt, daß damals ein Freistaat Danzig geschaffen wurde, statt daß Polen diese deutsche Stadt sich gleich einverleiben durfte. Es war für den neuen Polnischen Staat nur eine geringe Entschädigung, daß er in Danzig sehr viel zu sagen, sogar die außenpolitische Vertretung des Freistaates in Händen hatte. Die wirtschaftlichen und handelspolitischen Zugeständnisse, die in Danzig den Polen auch noch eingeräumt werden mußten, sind bekannt und viel erörtert; alles „ging unter der Firma", daß Polen nicht bloß einen freien Zugang zum Meere, sondern auch über einen entsprechend großen, für seinen Handelsverkehr und seine — militärischen Zwecke brauchbaren Hafen verfügen sollte. Daß dies alles oft genug zu Mißhelligkeiten führte und führen mußte, vermochte der frühere Völkerbundkommissar in Danzig ebensowenig zu verhindern wie er auf die Klagen der Danziger hörte. Der jetzige, Graf Gravina, ein Schwiegersohn Richard Wagners, zeigt den Danziger Interessen gegenüber ein größeres Wohlwollen — sehr zum Schmerz des polnischen Residenten in Danzig, der den nicht gerade sehr polnisch klingenden Ramen „Strasburger" trägt. Und als nun gar der Danziger Senat beim Völkerbund den Antrag stellte, Polen sollte veranlaßt werden, sein Munitionsdepot auf der Westerplatte, also mitten im Hafen, nebst dem dazugehörigen Gebiet und den dortigen militärischen Anlagen aufzulösen und wieder dem Freistaat Danzig zurückzugeben, weil Polens Seehafen Gdingen ausreichende Auslade- und Stavelungsmöglich- keiten hierfür nunmehr besäße, da packte den Herrn Strasburger die kalte Wut, er reichte in Warschau seine Demission ein, die natürlich — wie er sich wohl auch vorher schon überzeugt haben mag — prompt abgelehnt wurde.
Begründet wurde von ihm diese Demission aber selbstverständlich nur damit, daß seine Landsleute in Danzig „kein Recht finden" können. Die Danziger Polizei sei machtlos oder sehe tatenlos zu, wenn den Polen im Freistaat übel mitgespielt werde. Jeden einzelnen Fall hat Herr Strasburger eiligst nach Warschau gemeldet und ebenso eilig ging von dort die Beschwerde an das Völkerbundkommissariat in Genf ab. Mit allzu großer Sorgfalt scheint man dabei aber nicht verfahren zu sein, wie ein erst kürzlich vorgekommener „Fall' bewies, als einem polnischen Seemann angeblich von Nationalsozialisten ein Hakenkreuz in die Brust geritzt wurde; der „Mißhandelte" konnte in den ihm zudiktierten sechs Wochen Haft den Rausch ausschlafen und darüber nachdenken, was „grober Unfug" ist. Die polnische Presse hatte sich in Angriffen auf Danzig geradezu überschlagen.
Aber diese und andere derartige Grotesken spielen vor einem sehr viel ernsthafteren Hintergrund! Es besteht nämlich ein Beschluß des Völkerbundrats aus dem Juni 1921, in dem die Verhältnisse zwischen Danzig und Polen „geregelt" wurden und der dem Polnischen Staat die Möglichkeit gibt, in Danzig mit bewaffneter Macht ein- zugreifen, wenn die dortige Polizei nicht in der Lage ist, Störungen der inneren Ordnung des übrigens natürlich entmilitarisierten Freistaates hintanzuhalten. Dann darf der Völkerbundrat die Sorge für die Sicherheit Danzigs dem Polnischen Staat übertragen. Und nun zielt alles, was von Warschau aus an berechtigten und unberechtigten Beschwerden über „Zwischenfälle" in Danzig nach Gens gemeldet wurde, ganz unverhüllt darauf ab, den Völkerbundrat zu einem solchen Beschluß zu veranlassen, den Polen also die „Erekution' zu übertragen, wie man das früher nannte. Denn durch die „Unsicherheit" in Danzig werde auch Polens Zugang zum freien Meer gefährdet. Das ist übrigens angesichts der enormen Ausdehnung, die der Ausbau des Hafens Gdingen erhalten hat, eine besonders groteske Tintenfischaktion. Aber trotz dieser Lächerlichkeit soll man nie vergessen, daß sogar ein glattes Uberdenhaufenrennen der Friedensbestimmungen sowohl durch Polen in der Wilna- wie durch Litauern in der Memelfrage später die ebenso glatte Sanktion durch den Völkerbundrat gefunden hat.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Der Generalsekretär des Völkerbundes, Drummont, hatte mit dem Reichsauhenminifter eine Aussprache über die Genfer Ratstagung, die unter Vorsitz von Dr. Curtius stattfinden wird.
* Die politische Spannung zwischen Danzig und Polen hat sich infolge neuer polnischer Üebergrlffe verstärkt.
* ^n^9^ wanischev Militärflugzeuges wurden