Frauenarbeit im Mittelalter.
Von Lulu von Strauß und Torney.
Alles, was sich über die Stellung der Frau im Mittel alter sagen läßt, gilt ebenso für den bäuerlichen wiefür den ritterlichen Stand. Denn die Frau des ritterlichen Dienst- mannes, dem sein Fürst einen kleinen Lehnshof übertrug, lebte in alltäglich häuslichen Pflichten und Sorgen nicht viel anders als eine Bäuerin, während die Lebenshaltung eines großen Klostermeiers, eines freien Hofbauern häufig so breit behäbig war, daß sie — wie im Roman „Ruodlieb" der Dorfhirte dem nach Unterkunft fragenden Ritter berichtet — nicht erschrecken würden, wenn ein Graf mit hundert Mann bei ihnen Einkehr nähme.
In dem Maße aber, wie durch fürstliche Belehnungen die großen Grundherrschaften zunehmen, die Bauern dem Grundherrn zinspflichtig oder schutzhörig wurden oder dieser selbst seine Hörigen auf Bauernstellen setzte, erweiterte sich die Kluft zwischen frei und unfrei, Ritter und Hörigen, Herrn und Knecht. Die Ritterfrau, der genug Hände höriger Mägde zur Verfügung stehen, braucht nicht mehr selbst bäuerlich grobe Arbeit anzufassen, sie regiert das Hauswesen und wird ausgesprochen zur Herrin, während die Hörige selbst immer mehr als Arbeitskraft gewertet wird.
Trotzdem wäre es ein Irrtum, die Hörigkeit jener Zeit als eine Art Sklaverei aufzufassen. Wie wenig sie es war, beweisen die zahlreich erhaltenen Urkunden, in denen freie Leute sich samt all ihren Nachkommen „mit freien gantzen steden Willen unbetwungen und ungedrungen" in die Schutzhörigkeit eines Klosters oder auch eines edlen Herrn geben. Denn ebensowohl lote eine Abhängigkeit bedeutete die Hörigkeit auch ein persönliches Zusammengchörigkeits- und Fürsorgeverhältnis, vor allem für die Haushörigen, die lebenslang Obdach, Brot und Kleidung unter ihres Herrn Dache fanden. Freilich wirkt es dem Wortlaut nach seltsam, wenn etwa in einer Urkunde noch zu Beginn des 14. Jahrhunderts ein schwäbischer adeliger Grundherr erklärt, „daß ich den ersamen geistlichen Herrn, dem Abt und dem Konvent des Klosters zu Laach hab geben die zwei Frauen Agnes und ihr Schwester Mahilt, Tegan Reinbolds Seligen Töchter und ihre Kindt, die davon kommen mögen, um drei Pfund Heller." Tatsächlich aber war die Beschränkung der persönlichen Freiheit wenig spürbar, da ja der mittelalterliche Mensch an sich schon fester in der Scholle verwurzelt war und wenig nach Freizügigkeit verlangte. Der laut Urkunden häufig vorkommende Tausch, von Eigenhötigen zwischen benachbarten Gütern oder Klöstern, vor allem von hörigen Mägden, hat sicherlich mehr den Charakter eines Magdwechsels: gelegentlich wird auch erwähnt, daß die Betreffenden selbst befragt werden und den Tausch „mit oeren vryen Willen tagelaten ind avergegheven hebt, ind al sünder Argelist ind Geveyerde". Wollten hörige Leute auf eignen Wunsch in eine andre Gemeinde verziehen, etwa um sich zu verheiraten, so wurde das ohne Schwierigkeiten bewilligt, entweder unter Vorbehalt eines späteren Gegentausches oder gegen eine geringe Abgabe, und es wurde auch wohl urkundlich festgelegt, daß die betreffende hörige Frau, die in die Hörigkeit der Grundherrschaft ihres Ehemannes überging, nicht mit erbgeteilt, d. h. also nicht gegen ihren Willen anderweitig vergeben oder verpflanzt werden konnte. Auch Freilasiungen, teils als Dank für treue Dienste, teils gegen eine gewisse Summe Geldes, kommen häufig vor.
Wie patriarchalisch die Stellung und Behandlung der Haushörigen war, geht aus Beispielen hervor wie etwa der Mägdeordnung des bayrischen Klosters Thierhausen: „Die Dirnen sollen der Millichsrawen gehorsam sein und bair ir in der Kammer liegen und mit ir niedergan und usstan, wan sis weckt, und die Millichfraw soll darob sein, das sie nichts unerlich thuend und sie besonders an dem Feiertag zu der Kirchen fürdern und zu andern seligen Sachen weisen und lernen, als eine Muetter ir Tochter." Im „Ruodlieb" trauert beim Abschied des Ritters das Hausgesinde mit der ver- einsamten Mutter; sie erklettern die Pfähle des Hofzauns, blicken ihrem Herrn nach, schluchzend und weinend. Und ebenso wird bei seiner Rückkehr das Gesinde versammelt, „und keiner ist, der ohne ein Geschenk von Ruodliebs Hand in Freuden wieder geht." Die Mutter des frommen Poppo von Stab- lo wurde von ihren Dienern so geliebt, daß sie ihr bei ihrem Abschied und Eintritt ins Kloster wehklagend folgten und bis in die Mitte der Schelde wateten, die die Herrin schon von ihnen trennte.
Bei den hörigen Bauern wirkte sich die Hörigkeit als eine Art ursprüngliches Pachtverhältnis aus, wobei die Pacht an den Grundherrn teils in Sachlieferungen an Getreide, Schweinen, Hühnern, Leinen, Schuhen usw. bezahlt wurde, teils durch Frondienst, d. h. die Verpflichtung, an ein oder zwei
Von der Arbeiterkolonie Neu-Ulrichstein.
Ein Nachwort zur tvvjährigen Wiederkehr des Geburtstags von Bodelfchwinghs (6. 3. 1931).
An der nördlichen Grenze des Kreises Alsfeld, 40 Minuten entfernt von dem schön gelegenen oberhessischen Städtchen Homberg a./O. liegt die Arbeiterkolonie Neu-Ulrich- ft e i n auf einem Hochplateau, von dem das Auge über Wiesen, Wälder und fruchtbares Ackerland weit hinausschweift bis zu den fernen Gebirgszügen. Die Kolonie ist im Jahre 1885 von dem Verein für Hessen und Hessen-Nassau zur Beschäftigung Arbeitsloser nach dem Muster der von Pastor v. Vodelschwingh in Bielefeld gegründeten Arbeiterkolonien in's Leben gerufen worden. Sie bietet arbeits- und heimatlosen Männern Heimat und Arbeit und will durch ihre Einrichtungen willensschwachen Naturen einen sittlichen Halt bieten und sie zu einem geordneten Leben zurückführen.
Tausende, die sich im Wettbewerb mit anderen Arbeitsuchenden auf dem freien Arbeitsmarkt nicht mehr zurecht gefunden haben und so dem Wanderleben verfallen sind, haben in ihr wieder arbeiten und die Wohltat eines geregelten Lebens kennen gelernt und find dadurch vor dem Untergang bewahrt worden.
Die zur Kolonie gehörigen Wohn- und Wirtschaftsgebäude sind ringsum in einem großen Oekonomiehof gelegen, sie sind durchweg dem ländlichen Charakter der Eeegend angepaßt, ihre roten Ziegeldächer heben sich farbenfroh von dem umliegenden Acker- und Wiesenland ab. Denselben wohltuenden Eindruck empfängt der Besucher, wenn er das Innere der Wohn- und Arbeitsräume, der Stallungen und Wirtschaftsräume oder den Nutzgarten betritt. Ueberall herrscht peinliche Ordnung und Sauberkeit. Auf dem Hof begegnen uns Gespanne oder beladene Wagen, Vieh, das zur Tränke oder auf die Weide getrieben wird und eine Anzahl Kolonisten bei ihren Arbeiten oder auf dem Weg zur Arbeitsstätte.
Die Kolonie Neu-Ulrichstein bot vor dem Krieg mehr als 100 Kolonisten gleichzeitig Unterkunft. Die veränderten wirtschaftlichen Verhältniße ließen eine Beschränkung der Kolonistenzahl auf 50—60 Mann notwendig erscheinen. In den beiden großen Schlafsälen sind in den letzten Jahren 50 Einzelkabinen eingebaut worden, so daß jeder Kolonist seine eigene geräumige und luftige Schlafzelle hat, eine Einrichtung, die namentlich von den älteren Leuten wohltätig empfunden wird.
Die Kolonisten setzen sich aus Menschen aller Art zusammen; alt und jung aus allen Teilen des Reichs, Angehörige aller möglichen Beruzsarten. Handwerker, Kaufleute, Arbeiter aller Berufe treffen hier zusammen. Gar manche von ihnen sind wiederholt Gäste der Kolonie gewesen, andere haben hier eine dauernde Heimat gefunden. Der reguläre Aufenthalt in der Kolonie soll nicht weniger als 3 Monate dauern. Ist es heute nötig zu sagen, daß viele der zuwandernden Gäste nicht durch persönliches Verschulden sondern durch unglückliche Verhältnisse heimatlos geworden sind?
Das Hofgut Neu-Ulrichstein umfaßt ca. 370 Morgen Acker- und Wiesenland; es wird ein ansehnlicher Rindvieh-, Schweine- und Kleintierbestand und die erforderlichen Anzahl Acker- und Zugpferde gehalten. Der landwirtschaftliche Betrieb der in ganz Oberhessen als ein Musterbetrieb bekannt ist, bringt die
TägLn Her Woche die Felder des Grundherrn zu bestellen, ihm Vorspann zu leisten, Holz zu fahren u. dgl. Beim Tode des Bauern hatte die Witwe ta Grundherrn das Besthaupt oder den Sterbfall, das beste Stück Vieh des Stalles, abzu- treten. Bei einer Heirat war der sogenannte Schürzenzins, anderwärts Frauengeld, Hcmdschilling, Brautgulden genannt, für die Einwilligung der Grundherrschaft — die übrigens nicht abgeschlagen werden durfte — zu zahlen.
An den Diensten und Abgaben hatte auch die Bäuerin ihren Anteil. So hatte sie in Kloster Staffelsee etwa ein Stück Leinen oder Wollzeug zu weben, Bier zu brauen oder Brot zu backen, in Kloster Lorsch Tischtücher. Säcke Kleidungsstücke zu liefern. yn der Abtei Prüm hatte Die hörige Bauerfrau Feldarbeit mit ihren Karren zu leisten, anderwärts bei der Heuernte bestimmte Tage zu helfen oder beim Haferschneiden Garden zu binden. Doch wird im alten deutschen Recht der hörigen Frau, vor allem der schwangeren, der Wöchnerin und der Mutter, weitgehender Schutz und Schonung gewährt.
Feldbau und Viehzucht waren aber nicht die einzige Tätigkeit der Hörigen aus den Fronhofen, Klostergütern und Burgen des landlässigen Adels. Jede dieser Grundherrschaften war eine geschlossene Welt für sich, die für ihre sämtlichen Bedürfnisse an Nahrung, Kleidung, Schuhwerk und Gerät selbst zu sorgen halte. So gab es vielerlei Handwerk im Hofbezirk, und neben der eigentlichen Magdarbeit, wie Waschen, Oefenheizen, Wassertragen u. dgl., fiel ein gut Teil davon auf die haushörigen Frauen. Merkwürdigerweise nicht die Küche; das Kochen selbst wurde durch Küchenknechte besorgt, denen nur ein paar Küchenmägde zur Hilfe beigegeben wurden. Dagegen war neben Melken und Mahlen, Brorbacken und Bier- brauen vor allem auch das Weben von Leinen und Wolle sowie das Schneidern und Nahen der Kleidung das Amt der Frau. So gab es auf den großen Fronhöfen stets das Frauenhaus, den sogenannten Werkgaden, wo manchmal Hunderte von Frauen mit Nähen, Spinnen, Garnwirken, Flachshecheln, Wirken und Weben beschäftigt waren. Hartmann von Aue gibt in seinem Gedicht „Iw ein" eine Schilderung einer solchen Frauenwerkstatt, die „gestalt und getan" war wie armer Leute Gemach, und in der an die dreihundert Frauen, armselig gekleidet, um kärglichen Hungerlohn kostbare Wirk- und Stickarbeit in Gold und Seide machten.
Freundlicher gestaltet sich der häusliche Arbeitsbetrieb auf der Burg des ritterlichen Herrn, wo die Edelfrau zwischen ihren Magöen am Spinnrocken, Webstuhl oder Stickrahmen zu sitzen pflegte und sie lehrte. Auf Eigenmägde, die kunstreich zu wirken oder zu sticken wußten, hielt die Herrin so viel, daß sie gelegentlich aus diesem Grunde ihre Freilassung abschlug. Und auf die Weiber, die die gepriesenen friesischen Wolltücher zu weben verstanden, wurde sogar in dem Recht einzelner norddeutscher Stämme ein um ein Viertel höheres Wergeld gesetzt als auf andre Hörige.
Die ursprünglich vorwiegende germanische Wohnart des Einzelhoses, die sich auch in der ritterlichen Burg hinter Wall und Graben oder auf steiler Bergkuppe fortsetzt, hatte sich in der Dorfsiedlung noch eine gewisse Weiträumigkeit bewahrt. In der Gassenenge der aufwachsenden Städte "aber, die für ausgedehnten Wirtschaftsbetrieb nicht Raum genug ließ, wurde mit der Wirtschaft des Einzelhauses auch das Leben der Frau ein andres. Es war nicht mehr möglich, wie auf dem ländlichen Einzelhof, alle Lebensbedürfnisse selbst zu beschaffen und herzustellen; das Handwerk löste sich in den Städten vom einzelnen Hausbetrieb und bildete eine neue selbständige Schicht. Außer den hörigen Handwerkern des fürstlichen, adligen, geistlichen Grundherrn kommt dem Handwerk reichlich Zuzug von außen, und schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts begegnen wir den ersten Zusammenschlüssen von Handwerkern desselben Gewerbes zu Zünften und Gilden mit eignem Gesetz und streng gebundener Organisation.
Mit den Anfängen der Zünfte fetzte eine neue wirtschaftliche Entwicklung ein, die in immer steigendem Mage der Frauenarbeit ungünstig wurde. Nicht nur, daß der Mann in das bisherige Arbeitsgebiet der Frau einrückte, daß die Zünfte der Tuchweber, Leineweber, Schneider entstanden, es kam auch in der Zünftebewegung sehr bald und deutlich das Bestreben auf, die Frau aus dem selbständigen Handwerk herauszudrängen oder wenigstens aus untergeordnete Hilfs- und Handlangerdienste, z. B. Wollkämmen, Garnziehen, Spulen, zu beschränken, wie es in wenig späteren Zeiten die häufigen Eingaben der Zünfte klar ausfprechen, die von der Obrigkeit Einschränkung oder Verbot der Frauenkonkurrenz im Handwerk verlangen.
Wenn so einerseits die wirtschaftlichen Ursachen der Abwehr der Frauenarbeit klar zu Tage treten, so spricht auf der anderen Seite auch jene ursprüngliche Art germanischen Denkens darin mit. daß die Welt von jeher nur eine Männerwelt,
Mittel für Verpflegung und Unterhaltung und eine den jeweiligen Arbeitsleistungen angepatzte bescheidene Entlohnung der Kolonisten auf. Die dem Verein zuflietzenden Beiträge aus öffentlichen Kassen sind nicht erheblich.
Jeder Kolonist wird seinen Kräften und Fähigkeiten entsprechend in den Eesamtbetrieb eingegliedert. Die Koloniegäste werden zumeist in der Landwirtschaft, jedoch auch in ihren Berufen als Schuster, Schneider, Schreiner, Bäcker und Gärtner beschäftigt. Auch in den Wintermonaten, in denen eine Beschäftigung im Freien unmöglich ist, fehlt es nicht an Arbeit in der Wirtschaft, Haus und im Keller.
Ein Radio und eine neuzeitlich eingerichtete gute Bücherei kommen dem Unterhaltungs- und Bildungsbedürfnis der Kolonisten in ihren der Ruhe und Erholung gewidmeten Stunden entgegen.
Die ungeheuere Arbeitslosigkeit im Reich hat auch den Arbeiterkolonien. deren es in ganz Deutschland 52 mit rund 6 800 Plätzen gibt, eine stets wachsende Zahl von Gästen zugeführt. Auch unsere Kolonie ist voll belegt. Der gesunde Gedanke Bodelfchwinghs. daß auch der Aermste versuchen soll, durch eigene Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen oder wenigstens ein tüchtig Teil hierzu beizutragen, bewährt auch heute seine Richtigkeit.
Ueber die Atlantis.
Von Dr. Erwin Meyer, Gießen.
„Das Problem der Atlantis kann nur endgültig gelöst werden in Verbindung mit einem anderen erdkundlichen Problem, welches die Verschiebung der Kontinente behandelt". Diese Ansicht von der Kontinentalverschiebung, welche durch vielfache Beweisgründe wahrscheinlich oder sogar sichergestellt ist, wurde von Alfred Wegener in Marburg erst im Jahre 1912 ausgestellt, so daß sie vor dem Kriege nicht mehr allgemein bekannt und nach dieser Zeit durch das Interesse an anderen Dingen zurückgesetzt wurde, obgleich sie für die Vorgänge auf der Erde äußerst wichtig und nützlich ist.
Nach Wegener wird im Besonderen die ursprüngliche Berührungslinie von Amerika einerseits und Europa-Afrika andererseits noch heute durch die S-förmige Gestalt der atlantischen Bodenschwelle dargestellt. Denn sowohl die Ostküste Nord- und Südamerikas, wie auch die Westküste Europa-Afrikas deckt sich in ihrem Ersamtverlauf im Allgemeinen und wohlgemerkt unter Berücksichtigung des genau feststellbaren und ziemlich plötzlichen Abfalls zur Tiefsee mit der vorgenannten Bodenschwelle. Bei der Aufstellung seiner genialen Theorie, welche mindestens ein Dutzend von wissenschaftlichen Rätseln der Naturforschung mit einem Schlage löste, übersah ihr Urheber leider einen sehr wichtigen Punkt und gerade dieser berührt die hier behandelnde Frage nach der Atlantis in hohem Maße.
Die Küstenlinien der atlantischen Tiefsee decken sich nämlich nicht vollständig, sondern wiè oben gesagt wurde, nur im größten Teil ihrer Länge und es bleibt zwischen dem 20. und 40. nördlichen Breitengrade eine Lücke übrig, wenn man dies mit graphischen Hilfsmitteln untersucht. Die Größe dieser Lücke entspricht etwa in ihrer Flächenausdehnung derjenigen
das Recht ein Männerrecht sein konnte,' zu dem die Frau nur einem Schutzverhältnis stand. Diese, als Frau, Tochter, rige stets in Abhängigkeit und häuslicher Gebundenheit \ geschlossen, konnte sich, zumal als Einzelne und außerhalb bet Ehe, schwer in dieser neuen wirtschaftlichen Ordnung Gch^. und Lebensunterhalt schaffen. Freilich blieb ihr immer bas Kloster als Zuflucht, Versorgung und Arbeitsstätte; denn au* in den Arbeitsstuben der Nonnen wurde am Webstuhl und Rahmen mit Spindel und Nadel fleißig geschafft, und manche Klöster waren weithin berühmt für kostbare Stickereien unb Bilderteppiche oder kunstvolle Schreibarbeit.
Aber nicht jede fühlte sich geschaffen für die Strenge be§ klösterlichen Lebens und völlige Entsagung der Welt, abgesehen davon, daß die meisten Klöster jetzt bei der Aufnahme sch^ eine Aussteuer verlangten und dadurch den Aermeren verschlossen blieben. So entstanden bald nach den Anfängen der Zünfte, etwa um die Mitte des 12. Jahrhunderts, die ersten „Samenungen" von Frauen, die sich zusammentaten zu gemeinsamem Leben, vor allem gemeinsamer Arbeit, ohne doch der Welt gänzlich zu entsagen oder klösterliche Gelübde auf sich M nehmen. Der Name Beginen, dessen Ursprung geschichtlich unsicher ist, kam vor allem in den Niederlanden auf, anderwärts hießen sie Seelschwestern, Mantelfräulein, grise oder blaue Sustern nach der Farbe ihres Anzugs. Bisweilen waren es anfangs nur vier oder fünf Schwestern, die unter einer selbstgewählten Meisterin oder „Martha" eine Webstube ausmachten, unter der Bürgerschaft wohlgelitten als gar schweigsame, einfältige, gutherzige Frauen und wegen ihres Fleißes geachtet. Später entstanden dann in den niederländischen und rheinischen Städten die großen Beginenhöfe, die mit ihren vielen Einzelhäuschen oder Stuben Hunderten alleinstehender Frauen Obdach und Arbeit schafften.
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Guien Appeiii!
Es geht die Mär, daß Straußen allerlei Sachen gut verdauen, daß ihr Magen auch das Unbekömmliche verträgt. Es gibt aber auch Menschen, die sich solcher Straußmanicren hingeben. Im Salzkammergut, am Mondsee ist die Geschichte geschehen. Der auf seiner Wanderschaft im Gasthause einkehrende Landarbeiter Franz Hitsch, ein 22jähriger stämmiger Bursche, war guten Muts, aber hungrig. Er erzählte einer andächtig zuhörenden Schar, er könne Nägel essen, wenn man es auf eine Wette ankommen ließe. Niemand wollte freilich aus die Sache eingehen, auch die weitere Wette: 20 Knackwürste, 5 Brote innerhalb von 15 Minuten zu vertilgen, fand keine Sportbegeisterten. Spott und Hänselei von allen Seiten blieben nicht aus; der Wanderbursche zog, zur Ehrenrettung, einen Packen Schusternägel aus der Tasche, auch daumenlange Drahtstifte und sein letztes Zehngroschenstück, und. im Nu war alles verspeist. Staunen, Kopfschüttcln, nach fünf Minuten Stöhnen des jungen Burschen. Die erschrockenen Bauern schafften ihn auf einem Schlitten ins Krankenhaus Mondsee, wo der Arzt das Inventar ausräumen mußte: im Magen befanden sich 83 Schuhnägel und Stifte bis zu fünf Zentimetern Länge und das Groschenstück. Der Patient fühlt sich wohl, ist außer Gefahr und erklärt, er habe solche Versuche schon wiederholt ohne böse Folgen gemacht. Vielleicht war er diesmal zu hungrig, meinte er treuherzig.
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Wett und Wissen I
W. Meyer - Helmund 70 Jahre alt. Der Liederkomponist ■ Erik Meyer-Helmund vollendete am 13. April das 70. Lebens- ■ whr. Viele seiner Lieder sind, da sie sehr melodiös und sang- D bar sind, populär geworden, vor allem das „Rokokoständchen", W • • "s Zauberlied" und „Ballgeflüster". Meyer-Helmund hat ■
b muslkdramaUsche Werke geschrieben, Opern, Singspiele, ■ Tanzspiels usw., und mehrere von ihnen hatten bei der Aus- ■ führung Erfolg. Der beliebte Komponist wurde in Petersburg I erzogen, kam dann nach Riga und lebt jetzt in Berlin; hier I ist er vielfach als Dirigent hervorgetreten.
Heiteres.
Leuchtendes Vorbild. Vater: „Nun, Karlchen, wer ist dem der Beliebteste bei euch in der Klasse?" — Karlchen: „Fritzchen Müller, der hat uns doch neulich alle mit den Windpocken angesteckt!"
Nicht zu verblüffen. „Hier, meine Dame, dieser Jumper ist aus garantiert reiner Wolle!" — „Aber an dem Schild steht ja: Baumwolle!?" — „Ach so — das ist unser Trick, um die Motten irre zu führen!" _
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von Australien und Arabien, und Wegener versuchte, sie durch Deformation der angrenzenden Kontinente zu beseitigen; dies ist merkwürdigerweise gerade der einzigste Fehler seiner Theorie, welcher ihm den begründeten Einspruch von Soergel in Tübingen damals einbrachte.
Umgekehrt ergibt gerade diese Lücke bei dem Ueberdeckungs- versuch der atlantischen Tiefseeküsten nicht nur den schwerwiegendsten Beweispunkt für die Tatsächlichkeit des früheren «r- lantiskontinentes, sondern auch seine geographische Breiten' läge und ungefähre Ausdehnung. Die letztere ist in östlicher Richtung mit der Verbindungslinie mehrerer Inseln, rrainuch der Azoren, Madeira, der Kanaren und Kap-Verdischen Inseln, und im Westen mit der in dieser Gegend sehr breiten und W mittelatlaytischen Vodenschwellr begrenzt. Aus diesen -Bestellungen, welche jeder an Hand eines guten Atlanten oder besser eines physikalischen Globus bestätigt findet, ergibt sich v Allem das Eine, daß die dutzendsach begründete Voptellu 3 von einer ehemaligen Festlandsbrückr zwischen Amerika un Europa-Afrika nicht etwa die, in geologischer Hinsicht, ganz “ wahrscheinliche Breite des atlantischen Ozeans hatte,. sonoe eben nur eine solche von seiner Mittellinie bis nach Maoei^ und daß der weitere Zusamenhang durch eine, vermutlich im Tertiär vorhandene Verbindung der genannten Konlln talmassen gegeben war. Diese Vorstellung findet auch ' Stütze in der Angabe Platos, daß die Atlantis, oder die P seidoninseln, wie er sie nennt, etwa so groß war, wie asten und Libyen (oder Nordafrika). ,,
Damit fällt auch das alte Gondwanaland der Geologen a Festlandbrücke zwischen Afrika und Südamerika mit der 4 tis zusammen und diese letztere wird zum Mittelpunrw .. Forschung; denn nicht nur durch Zeugnisse der Meeren und der Verteilung von Flora und Fauna in denbeiom gen Kontinenten, sondern auch durch die Verwandtschast cher Sprachen und Rassen, sowie durch viele ZeugnG Schriftsteller und Ueberlieferungen in Europa und in rika wird die frühere Existenz der Atlantis begründet, I» die verschiedensten Wissenschaften sich mit ihr beschäftige^ ^ überraschende Uebereinstimmung, bei so langen ^ in den Angaben des Troano-Manuskriptes der Maya a i Halbinsel Yukatan, welches in Dresden aufbewahrt wii^ den Platos in den Dialogen, auf Grund von Ueberliese ägyptischer Priester, lassen es sogar zu, den genauen des Unterganges für die letzten Teile der Atlantis neu, und zwar auf etwa 9500 vor Christi Geburt. 3,ifD1|ttfi
Merkwürdigerweise ist dies auch der gleiche ^ ungefähr, an dem, gemäß den neuesten Untersuchunge 6(t gebürtigen deutschen Prof. Arthur Posnansky in einzigartige Sonnentempel bei Tihuanacu in Peru astronomischer Berechnung erbaut sein muß. Vor dem ^ gange des Atlantischen Kontinentes oder -Archipels » Kultur seiner Bewohner verpflanzt bis nach Mexiko un« bis nach dem Golf von Guinea in Afrika (bekannt § D durch die Arbeiten von Frobenius) und bis zum y L -st Biscaya und den Küsten des Mittelländischen Meere», in Inkas, die Mayas, die Basken und Etrusker anderer! - -m Sprache und Sitte den Untergang des Mutterlandes Viele Jahrtausende überdauert haben, ।
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