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Bodenzustand und Sommerung.

Da nach allgemeiner Ansicht alle Maßnahmen zur Besserung der Roggen- und Haferpreise kaum den erhofften Erfolg haben werden, kann nur dringend angeraten werden, dort, wo nach sorgfältiger Prüfung Boden und Klima geeignet sind und keine betriebswirt­schaftlichen Ueberlegungen entgegenstehen, Sommer­weizen und Sommerger st e anzubauen. Von die­sen beiden Früchten ist der Sommerweizen bei weitem die anspruchsvollere, und bei seinem Anbau ist große Vorsicht geboten. Er versagt bereits, wenn die Som­mergerste noch sehr gut gedeiht. Unter den Vorausset­zungen, die für beide Früchte erfüllt sein müssen, steht die Kalksrage an erster Stelle. Sowohl der Weizen wie die Gerste verlangen einen mindestens neutralen Boden. Nun sind aber im allgemeinen gerade die leich­teren Bodenarten kalkärmer als die besseren, die bis­her schon Weizen und Gerste getragen haben. Wenn ihre größere Kalkarmut nicht in Erscheinung getreten ist, so liegt das daran, daß die bisher vornehmlich auf ihnen angebauten Früchte wie Hafer, Roggen, Kar­toffeln, Lupinen und Serradella einen schwach sauren Boden bevorzugen. Aber auch dort, wo starke Versaue­rung vorliegt, ist dies nicht immer bemerkt worden, weil die Ernten zwar gering blieben, die Pflanzen aber äußerlich vielleicht noch keine KrankheitsMerkmale auf­wiesen. Derart versauerte Böden kommen für den Anbau von Weizen und Gerste vorläu­fig n i ch t i n F r a g e; sie müssen dazu erst durch plan­mäßige Kalkung vorbereitet werden. Wie Hbch die Re­aktionsansprüche der Gerste beispielsweise im Vergleich zu denjenigen des Hafers sind, hat neuerdings Pro­fessor Dens ch, Landsberg, versuchsmäßig festgestellt. Bei einer Reihe von Böden mit verschiedenem Säure­gehalt fielen die Erträge, wenn man die der gekalkten Böden jedesmal = 10Ö setzte, bei Hafer von 103 auf den schwach sauren Böden bis auf 84 auf den stark sauren Böden, bei Gerste dagegen von 97 bis aus 49.

Ob und in welchem Umfange ein Boden versauert ist, läßt sich mit Sicherheit nur durch eine Boden­untersuchung, wie sie von allen landwirtschaft­lichen Versuchsstation vorgenommen wird, feststellen. Ein stark versauerter Boden läßt sich nun aber nicht von heute auf morgen in eine neutrale Reaktion brin­gen. Die hierzu nötige Kalkmenge, die sich nach der Menge der Bodensäure zu richten hat, ist vielmehr vor­teilhaft aus mehrere Jahre zu verteilen, da­mit der Kalk gleichmäßig in alle Bodenschichten ein- dringen kann. Liegt nur schwache Versauerung vor, jo gelingt es schneller, den für Gerste und Weizen gün­stigen Reaitimlszustand herzustellen, und man wird in vielen Fallen t*vn in diesem Frühjahr zum Anbau dieser Früchte übergehen können. Auf den m i t t le r e n Böden, die hier in Frage kommen, kann sowohl der Kalkmergel, als auch der gemahlene Branntkalk mit Vorteil verwendet werden. Letzterer wird wegen seiner Wasserlöslichkeit eine schnellere Wirkung zeigen als der Kalkmergel. Sobald der Boden genügend abgetrock- nel und abgeschleppt ist, wird der Kalk gleichmäßig ausgestreut und sorgfältig mit Egge oder Grubber ein­gearbeitet. Die Wirkung ist um so größer, je feiner der Kalk gemahlen ist.

Milchsieb.

Es ist unvermeidlich, daß beim Melken Fremd­körper in die Milch gelangen. Durch Sauberhaltung der Milchkühe, durch reichliches Einstreuen und durch peinliche Sauberkeit des Melkpersonals kann der Gehalt der frisch gemolkenen Milch an Fremdkörpern auf ein Mindestmaß herabgesetzt werden; aber einzelne -Stroh- und Futterteilchen, Haare und andere Fremdkörper gelangen doch hinein. Damit sie sich in der Milch nicht auflösen oder die Milch mit einem reichen Bakterien­gehalt, der die Haltbarkeit der Milch beeinträchtigt, versetzen können, wird die Milch zunächst unmittelbar nach dem Melken durch feine Siebe geschüttet, welche die fremden Bestandteile zurückhalten. Früher ver­wendete man dazu feine Haardraht siebe. Die Er­fahrung hat jedoch gezeigt, daß diese Siebe viel zu grob sind, um eine genügende Reinigung der Milch zu ge­währleisten. Wesentlich verbessert werden solche Siebe

durch die Anwendung von Seihtüchern. Noch bes­ser und den hohen Anforderungen der Neuzeit an eine gute und einwandfreie Milch werden die Milch filier gerecht. Die Filter werden zwischen zwei Dwahtsieben am Boden des Milchsiebes eingespannt und müssen regelmäßig nach dem Gebrauch entfernt und erneuert werden., Die Wattefilter arbeiten bei sorgfältiger Hand­habung sehr, gut und bringen auch seine und feinste Fremdkörper aus der Milch heraus.

Sobald der vor Winter gepflügte Acker genügend abgetrocknet ist,- so daß^uan ihn betreten kann, wird er ge sch le ist,-damit die gröbsten Schollen zerkleinert und die stärksten Unebenheiten ausgeglichen werden. Durch das- Schleifen setzt man die im März rasch fort- lchreitende Austrocknung des Ackers herab und er­leichtert die weitere Bearbeitung, weil das Austrocknen grober Schollen verhindert wird. Die zweite Acker- arbeit im Frühjahr ist das Grubbern. Die Grub­ber oder Krümmer dienen zur flachen Bodenbearbei»

tung ohne Bodenwendung. Der Boden wird nur di zu 10 oder 15 Zentimeter tief durchwühlt, gelockert und durchlüftet. Grubber mit starren, verhält.üsmäßkg kurzen Zinken, die unten eine wagerechte oder schräg nach unten gerichtete und breit gearbeitete Spitze tra­gen, werden häufig als Schareggen bezeichnet. Man kann sie als eine Uebergangsform von dem Grubber zu den Eggen bezeichnen, muß sie aber grundsätzlich zu den Grubbergcräten zählen. Eine bekannte Scharcgge zeigt die Abbildung. Dieses Modell wird in zwei

Größen au-, geführt, deren kleinere auf die Zugkraft von zwei Kühen und deren größere auf die Zugkraft von zwei Pferden berechnet ist. Ist gegrubbertes Land noch stark schollig, so wird man es zur Zerkleinerung der Schollen walzen. Gewalztes Land darf nicht lange liegen, denn es trocknet rasch und leicht aus. Um den Wasservorrat des Bodens zu schonen, wird daher sogleich nach dem Walzen ge­eggt.

Die Egge ist wohl eines der ältesten Ackergeräte überhaupt. Sie wurde früher mit einem Holzrähmen gebaut, in dem Holzzinken eingelassen waren. Solche Eggen sind nur wenig wirksam, da sie nicht tief genug in den Boden eindringen. Seit mehr als einem halben Jahrhundert gewinnen daher die aus England über­nommenen eisernen Eggen zusehends an Boden. Sie haben rhomboidale, zickzackförmige oder S-förmige Gestalt. Die Anordnung der Zinken wird so gewählt, daß diese gleich weit voneinander abstehende Rillen im Boden ziehen, so daß der Boden gleichmäßig ange­packt und möglichst gleichmäßig zerkleinert wird. Wei­ter wird daraus gesehen, daß durch möglichst weite Versetzung der Zähne am Rahmen Verstopfun­gen während der Arbeit möglichst hintangehalten wer­den. Um diesem Gesichtspunkt, noch mehr Rechnung zu tragen, sind sogenannte Gelenkeggen gebaut

worden. Die Felder oer Gelenkeggen haben in jeder Zinkenquerreihe ein Gelenk, das es ihnen ermöglicht, sich dem unebenen Lande besser anzupassen, als ein star­res Eggenfeld. Auf scholligen oder unreinen Feldern heben sich die Zinken dank der Gelenke über die Hin­dernisse hinweg, die sie nicht zerteilen können und reinigen sich dadurch selbsttätig. In dem Bestreben, möglichst gleichmäßige Eggenarbeit zu erzielen, ist man dazu übergegangen, größere Arbeitsbreiten nicht aus einem Stück herzustellen, sondern in mehrere Felder, die an einem gemeinsamen Zugbalken angebracht sind, zu ^zerlegen. Das gleichmäßige Ein­dringen der Zinken in den Boden wird dadurch er­reicht, daß die Länge der Zugstränge an die Größe der Zugtiere angepaßt wird. Durch die weit­gehendste Anpassung an die Bodenoberfläche sind die Glicdereggen ausgezeichnet, bei denen jedes einzelne Glied für sich beweglich ist. Die Glieder hän­gen meist in Ketten. Die bekannteste Art sind die Wieseneggen.

Eine weitere Anpassung der Eggen an ihren Ver­wendungszweck wird ermöglicht durch die verschieden­artige Ausbildung der Zinken, die bald gleich­mäßig vierkantig, bald mehr mit einer Schneide aus­gerüstet sind, die teils kerzengerade, teils in ihren unteren Enden gebogen hergestellt werden sowie durch die Schwere der Eggen. Die leichten Eggen bezeichnet man auch als Saateggen , die sowohl vor der Drill­maschine als auch bei der ausgelaufenen Saat angc- wendet werden. Sie haben neben der feinen Boden­krümelung und Bodenlockerung die Hauptaufgabe, das sich bildende Unkraut zu zerstören, ohne der Saat zu schaden. Die schweren Ackereggen finden Ver­wendung zum Saatfertigmachen des Ackers, zum Krü­meln der Scholle, zum Einebnen der Furche, zur Durchlüftung des Bodens. Unterschiede der Eggen lie­gen auch im verwendeten Material; während die ge­wöhnlichen Eggen aus Flacheisen bestehen, werden Eggen für stärkere Beanspruchung aus Profilstahl gebaut, die zwar etwas leichter als die eisernen Eggen und trotzdem widerstandsfähiger sind.

Vom „Wintersport"

des Landwirts.

Vom „Winterschlaf auf der Ofenbank" hört man oft erzählen, wenn über Landwirtschaft im Winter ge­sprochen wird. Und es soll sogar Leute geben, die dies nicht nur glauben, sondern auch tun. Immerhin ist dieses Bild doch etwas schief gesehen, was gar nicht einmal schwer zu beweisen ist.

Ganz abgesehen davon, daß selbst im rückständig­sten Betriebe das liebe Vieh wenigstens gefüttert wer­den muß, gibt es viele Dinge, die der Landwirt eigent­lich niemals besser als im Winter erledigt. Haus und H o f wollen doch einmal im Jahr gründlich instand - gesetzt werden, und da gibt es bei sorgfältiger Prü­fung eine ganze Menge Arbeit. Dann Maschinen nnd Geräte. Wo sind eigentlich die Betriebsanlei­tungen, damit Werkzeug und Ersatzteilbestand voll in Ordnung gebracht wird? Ist „standesgemäße" Unter­

kunft vorhanden und wurde die Säuberung nicht vvl lig vergessen? Dann unverzüglich die maschinenkundi- gen Leute (es soll leider noch Betriebe ohne tou,' geben!) ans Werk, damit zum Frühjahr alles ohne Stö­rung klappt. Der Mann vom Elektrizitätswerk hatte ja auch gesagt, daß man einmal im Jahr die elek­trische Anlage durchsetzen lassen soll. <g0 entwickelt sich durch diese scheinbaren Nebensächlich­keiten und den übrigen Wirtschaftsablauf doch eine recht emsige Wintertätigkeit der landwirtschaftlichen Be­triebe.

Wie der Kavallerist zuerst an sein Pferd und dann an sich denkt, so wird der vorausschauende Landwirt dann auch im Winter die nie im Jahre wiederkehrende Gelegenheit finden, etwas für sich zu tun. Da sind nicht nur Zeitungen, Fachschriften und Bücher gründlich zu lesen, sondern es sind ja auch die ver­schiedenen Lehrgänge eingerichtet, an denen man teilnimmt. Ist nicht überhaupt der ständig wachsende starke Andrang zur technischen Ausbildung ein Zeichen gesunden Fortschritts? Es geht ja dabei gar nicht um die Frage, ob „Mensch oder Maschine" und „Schlepper oder Pferd" allein herrschen sollen. Wer billigste Herstellung bei bester Ware — so lautet auch für die Landwirtschaft die Wirtschastsparole - erreichen will, muß alle Hilfsmittel anzuwenden wissen, und dazu gehört eben auch die Technik. Die Maschine im Dorf leistet Gutes, wenn man ihre An­wendung und Behandlung versteht. Dies dem Land­wirt beizubringen, ist allein Zweck der technischen Aus­bildungskurse für den Landwirt. Darum strömen die Landwirte zu den „Deulakraft-Lehrgängen", die von landwirtschaftlichen Schulen, Vereinen und Organisa­tionen sowie von Behörden abgehalten werden.

So sieht also die Winterbeschäftigung unserer Landwirte aus: Vorbereitung in Haus und Hof für das kommende Frühjahr und Er­gänzung der eigenen Berufsausbildung. Und wer etwa erst jetzt feststellen sollte, daß er viel­leicht etwas davon versäumt hat, der hole dies schnell noch nach, denn technische Lehrgänge finden auch noch das ganze Frühjahr über statt, jeder Wirt­schaftsberater und jede Fachorganisation wird ihm dar­über gern Auskunft geben.

Die Bekömmlichkeit der Milch.

Ganz im Gegensatz zu der Mehrzahl der Menschen gibt es eine Menge Personen, die Milch nicht ver­tragen können. Blickt man aber näher zu, so hängt das oft nur mit einer falschen Verwendungsweise der Milch zusammen. Stets dürfte die Milch in kleine» Mengen ausgezeichnet vertragen werden, â große Mengen auf einmal dem Organismus zugesüh'? dürften nicht bekömmlich erscheinen. Jeder Magen ß eben anders.

Es gibt Lagen, in denen es sehr unangenehm wäre, wenn Milch nicht genossen werden könnte. Ma» denke nur an gewisse Magen- und Nierenleiden sowie an Mastkuren. Das wird alles sofort anders, wenn die richtige Form und verträgliche Menge aus­findig gemacht werden.

Aehnlich verhält es sich mitunter mit ungekoch­ter Milch. Jede Störung läßt sich vermeiden, wenn der Betreffende zu roher, ungekochter Milch übergeht. Bei diesem Genuß wird freilich besonders darauf ge­achtet werden müssen, daß sie von einwandfreier Be­schaffenheit ist. Der gleiche Patient verträgt in Wirk­lichkeit die a b g e k o ch t e Milch vielleicht ausgezeich­neter, soweit man. sie ihm nicht ungemischt verab­reicht.

Verhärteter Kunstdünger.

Kunstdünger soll man möglichst frühzeitig einkaufen, damit man in der Lage ist, günstige Witterung auszunützen. Zur Zeit der hauptsächlichsten Kunstdüngeranwendung drängen sich immer die Be­stellungen arg zusammen, so daß Lieferungsschwierig­keiten und daraus Verzögerungen in der Kunstdun­gerversorgung des Ackers entstehen können. Zu spat gegebener Dünger kommt aber nicht mehr voll zur Wirkung. Frühzeitiger Düngerbezug kann allerdings auch einen Nachteil haben; denn der Dünger mini dann beim Landwirt gelagert werden. Leider ge­schieht das nicht immer in zweckentsprechender Weise, so daß manche Düngersorten, welche die EigensaM haben, Wasser anzuziehen, verhärten und ihre gute Streufähigkeit verlieren. Kommt man dann an den Düngersack, um ihn aufs Feld zu fahren, so ntH man seststellen, daß der Inhalt zu einem festen Kluw-

pen verhärtet ist; es gelingt nicht, den Inhalt auszuschütten. Um solche Säcke zu entleeren, hebt n sie hoch und läßt sie einige Male mit der saM Längsseite auf eine harte Unterlage fallen. - zerbricht d^c Inhalt in einzelne Brocken und leicht entleeren. Der brackige Düngerhausen wrro mit einem Holzhammer klein geschlagen und dum Sieb geworfen. Die Rückstände sucht man gleichen Weise weiter zu zerkleinern oder- vrew^ falls das mit hem Hammer nicht gelingt, dura Düngermühle. Das durchgesiebte Düngesalz ist u voll strenfähig.