W Heffen-Aaffa« und Rachburgebieien.
Merkblatt für den 3. März.
«»nnenausgana 6.43 Uhr, Sonnenuntergang 17.43 Uhr. — Äiondaufgnng 16.23 Uhr, Monduntergang 6.43 Uhr.
" |S47- Der Geograph Alexander Supan in Innichen geb. — 1887: Der Verleger und Schriftsteller Kurt Wolff in Bonn geb.
Die Liebe ist sich niemals gleich; sie ist stets original und mobilisiert sich nach dem Charakter und der Persönlichkeit derjenigen, die wir lieben. Goethe.
Wetterbericht.
Der Tiefdruckwirbel, der Samstag über Nordwestdeutschland Ma bat sich unter Verstärkung weiter ostwärts verlagert und lieat jetzt vor der deutschen Ojtseeküste. Unser Gebiet befindet sich jetzt an der Rückseite des Wirbels im Bereich kälterer nord- icher Luftmassen, die unter Abkühlung noch einzelne Schauer, meist in Form von Schnee, verursachen. Bei steigendem Luftdruck ist später mit Beruhigung des Wtters und Nachlassen der Schauer zu rechnen. Stellenweise werden die Temperaturen nachts unter den Gefrierpunkt zurückkehren. — Vorhersage bis Montag abend: Bewölkt bis aufheiternd noch einzelne Schauer, stellenweise Nachtfrost, frische westliche Winde. — Witterungs- auAichten für Dienstag: Bei steigenden Temperaturen wieder neue Eintrübung wahrscheinlich.
* Fulda, den 2. März 1931.
Stiller Gang zu Gräbern.
Der Volkstrauertag ist vorüber, aber des Volkes Trauer am die Toten des großen Krieges höret nimmer aus und währe: ourch alle Tage des Jahres. Wie groß, wie innig diese Trauer ist, wie sehr sie ans Herz greift, das hat sich an diesem Tage der Toten von neuem gezeigt. In großen Scharen wallfahrrc- ten Tausende und aber Tausende zu den Friedhöfen, auf denen die sterblichen Reste ihrer im Kriege gefallenen, vom Kriege dahingerafften Söhne und Gatten und Brüder ruhen. Aber so groß auch der Zug der Waller gewesen sein mag, so Erschütternd still war er, so still wie das Grab selbst. Kein laute- Weinen, kein lautes Klagen! Leise, heiße Zähren nur rannen hinab auf die Grabhügel, aus denen hier und dort eine feine, weiche Schneedecke lag. Und Blumen, meist schlichte Winter- blüten, und Tannengrün wurden niedergelegt an den stillen Stätten, die so Teueres, so Unvergeßliches und Unwiederbringliches bergen. Und wo ein Kriegerdenkmal steht, wurde auch dieses geschmückt. Einfache, bescheidene Sträußchen und zarte größere Blumengewinde lagen auf den Stufen, namenlose Gaben, rührend in ihrer Namenlosigkeit und doch so vielsagend: „Wir denken, wir denken an euch, wir werden euch nie vergessen!" Nicht wenige unserer Volksgenossen aber sind über die Grenzen gefahren zu fernen Totenfeldern, zu den Gräbern jenseits der Reichsgrenzen, zu den Gräbern in Frankreich und Belgien und anderswohin. Gibt es doch allein in Frankreich nicht weniger als 900 000 deutsche Kriegergräber! In tiefem Frieden liegen die meisten von ihnen, obwohl die Landstraßen nicht weit von ihnen vorbeigehen. Und am Trauerlage des deutschen Volkes waren diese Landstraßen begangen von" Deutschen, die gekommen waren, um ihren Lieben noch einmal ein Lebewohl, noch einmal einen Scheidegruß hinabzusenden in das Grab, das „tief und stille" ist.
„Händler und Helden".
Vortragsabend des Evangelischen Bundes.
Der Zweigverein Fulda des Evangelischen Bundes veran- jtaltete am Samstag abend im Evangel. Gemeindehaus einen zahlreich besuchten Vortragsabend, in dessen Rahmen Pfarrer Zeidler (Kassel) über das Thema „Händler Und Helden" sprach. Der Abend wurde mit einer Darbietung des Hofmann- Ichen Männerchors unter der Leitung von Lehrer Hinkel eingeleitet, worauf der Vorsitzende des Evangel. Bundes Fulda rie Besucher herzlich willkommen hieß und ihnen für ihr zahlreiches Erscheinen dankte. Pfarrer Hattendorff erstattete sodann Bericht über die am 14. Januar in Kassel abgehaltene Abgeordnetenversammlung des Evangelischen Bundes für Kurhessen und Waldeck. Er gab in großen Zügen den Inhalt der in Kassel gehaltenen Vortrüge wieder und wies darauf hin, daß der Evangelische Bund nicht die Bildung evangelischer Parteien, befürworte. Der Evangelische Bund solle die Lebensgemeinschaft derer sein, die das evangelische Leben kennen. Insbesondere werde der Bund eine rege apologetische Arbeit entfalten. Vikar Luckemeyer hielt'sodann einen Vortrag über „Rundfunk und Kirche". Die Öffentlichkeitsarbeit der evangelischen Kirche habe sich seither hauptsächlich auf Pressearbeit beschränkt. Reben die Großmacht Presse sei nun auch die Großmacht des Rundfunks getreten. Der Rundfunk stehe heute im Dienste vieler Gebiete des Lebens, deshalb dürfe das Christentum hier nicht zurückstehen. Dank der Arbeit des Evangel. Presseverbandes sei es gelungen, daß bereits sämtliche deutsche Sender — Leipzig ausgeschlossen — in ihr Programm sonntägliche Morgenfeiern ausgenommen haben. Die Pflege der Rundfunkarbeit sei in die Hände, der in allen Landeskirchen gebildeten Rundfunkausschüsse gelegt worden, die zur gemeinsamen Beratung halbjährlich züsammentreten. Zur Förderung und Unterstützung der Arbeit im Rundfunk gibt der Evangel. tz^ieverband die Programmzeitschrift „Der Rundfunkhörer"
Nach zwei weiteren Darbietungen des Hofmann'schen Männerchors ergriff Pfarrer Zeidler das Wort zu seinem Vor-
Auch im Christentum, so führte der Redner aus, sucht Handlergeist das Heldentum zu überlisten und zu bekämpfen, cs sei darum notwendig, daß man den Händlergeist erkennen lerne und^den Menschen zeige, was er schadet. Die heute so oft erörterte ^rage, ob die Kirche ihre Freiheit bewahren solle oder ob sie pch dem Einfluß des Staates unterstellen solle habe erst dann an Bedeutung gewonnen, als man sie uns aüfaebränat
^nt^ bem Namen der Parität sei der evangelischen Kirche der Staatsvertrag unter der Bedingung zugesichert wor- den, daß sie ihre höheren Beamten der Bestätigung durch den Staat unterstelle. Man könne nicht verstehen, daß man diese Bedingung von Serien des Staates fordere, .da es doch selbst- verstandlich seidaß die,evangelische Kirche nur deutsche Männer Mit deutschem Geist zu ihren Führern erwähle. Die Geistesfrei- Heit der Kirche dürfe keinesfalls verlorengehen. Der deutsche . siehe fest in seinem Stauben und brauche die Wahrheit nicht zu icheuen. Man mche daher seine Stärke mit Handlergeist zu untergraben. Der Redner schilderte mit eindrucksvollen Worten die große Gefahr des Atheismus die der evangeliichen Kirche drohe. Unter dem Schutze der Tolerant "ud eines wissenschaftlichen Deckmantels breite sich der Geist der KAosigkeitin erschreckendem Maße aus. Man müsse aus der des Scheins in die Welt des Sems treten und den Sinn ver Ereignisse erkennen lernen. Dem Kampf, den man von der Eegnerseite führe müsse man gerüstet gegenübertreten, ehe das n„Wcn£um unterliege. Wir müßen reif werden für die evan-
Gewissen verantwortlich sind. Freiheit sei nicht Men- 'Nehgfelt, sondern die Seligkeit in Gott. Reif sein für die bebeuter- den Händlergeist abzulegen und im Geiste des ?âms zu stehen Die evangelische Gewissensfreiheit müße K Kn und Front machen gegen den Ansturm ihrer Feinde.
Teil leines Vortrages sprach der Redner über die des Menschen im Glauben. Es sei der Flug des den I'^'Ä""S' daß er die Weltanschauung der Maßen gewor- iei all- -^rhieße zwar schöne irdische Dinge, aber dennoch iüdunA Menschensehnsucht zu Staub geworden und nicht in Er- die In der Familie müsse unser Kampf gegen Fua-n>j -dren unserer Zeit beginnen, und vor allem sei die dem achten Geist zu erziehen. Nur ein Geschlecht mit von können dem Krämergeist entrinnen, der sich und Nn! ^ß nach Golgatha loszukaufen suche aber in Sünde lUyre.
Vergeßt die teuren Toten nicht!
Der Bolkstrauertag in Fulda.
Gedächtnisgottesdienst in der evangel. Kirche.
△ Fulda, 2. März.
Der gestrige Hauptgottesdienst in der evangelischen Kirche stand im Zeichen des Volkstrauertages. Die Kirche war außerordentlich stark besucht und fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die Fahnen des Evangelischen Volksvereins und des Hofmann- schen Männerchors waren in der Kirche vertreten. Kreispfarrer Weber hatte seiner Predigt die Worte der Hl. Schrift 2. Korinther 7, 10 zu Grunde gelegt. Er wies darauf hin, daß das deutsche Volk kein vaterländisches Fest mehr kenne, das uns alle verbindet. Aber die Trauer vereint und der Schmerz verbindet. Wir trauern um das Volk und wir trauern um manchen Freund, Vater, Sohn oder Bruder. Heute am Volkstrauertag tritt uns die Zeit des Krieges und der Nachkriegszeit wieder deutlich in Erinnerung. Aber von alledem, was wir erdulden und ertragen mußten, ist das Bitterste die Zerrissenheit unseres Volkes durch Parteihader. Der Volkstrauertag, läßt uns an die gefallenen Kameraden denken, die mit großer Zuversicht für ihr Vaterland ins Feld zogen und das größte Opfer brachten, das Menschen bringen können. Wir gedenken aber auch der Frauen und der Kinder, denen der Weltkrieg ihren Ernährer und Erzieher nahm. Es gilt aber nicht zu trauern um des Trauerns willen, sondern wir müssen über den: Schmerz hinauswachsen und hindurchfliegen zur göttlichen^ Traurigkeit. Am Volkstrauertage ermahnen uns unsere gefal-I lenen Helden: „Laßt allen Zwist begraben sein und schließt» euch zusammen". Wenn wir diese Mahnung verstehen und be-h folgen, dann sind unsere Helden nicht umsonst für ihr Vaterland gestorben. — Der Gottesdienst erhielt durch die Mitwirkung des Hofmann'schen Männerchors und der Artillerie-Kapelle eine besonders feierliche Note. Namens der Evangelischen Kirchen
März.
Das ist der Frühling — nicht etwa, daß man das bloß so dahinredet, weil man vielleicht an Märzveilchcn und März- glöckchen denkt, sondern ganz offiziell ist es der Frühling. Be ginnt doch so um den 21. oder 22. dieses Monats herum sei Frühling sogar nach dem durch und durch korrekten Kale ul r mit der Tag- u n d Nach 1 gleiche, und auch das r erst oct teste und verkümmertste Herz ahnt und fühlt nunmehr den Lenz und weiß, daß es w i e d e r aufwärts geht, beut Sommer entgegen. Was aber nicht hindert, daß draußen in der Natur noch dicker Schnee liegen kann im März, und daß es noch sehr achtbar frieren sann im März. Aber wenn man sich mit solchen Rückfällen in den Winter selbst im späteren Frühling noch, selbst im wunderschönen Monat Mai noch abfinden muß — warum will man denn da gerade dem März, mit dem Die ganze Lenzpracht doch erst beginnt, schwere Vorwürfe machen? Etwas Kriegerisches, Schneidiges, Herausforderndes liegt in dem Namen des Märzenmonats: dieser Name, der von dem alten Kriegsgotte Mars abzuleiten ist, ist ein Programm, das Programm eines Schlußkampfes mit den Unbilden des Winters. Der März entscheidet den Sieg der Sonne uub man hat nicht umsonst in ihn hinein das Friihlings-, das Osterfest, gelegt. Mindestens kann es ja schon im März vonstatten gehen, was immerhin den Beweis erbringt, daß man sich im Märzen schon ganz lenzlich einrichten darf.
Bauernregeln vom März.
Auch mit den Witterungsverhältnißen im Monat März verbindet der Landmann Hoffnung und Furcht für den Erfolg seiner Arbeit, die in folgenden Regeln ihren Ausdruck finden: Soviel Tau im Märzen, soviel Reif an Pfingsten, soviel Nebel im August. — Sviel Nebel im Märzen steigen, soviel Gewitter im Sommer sich zeigen. — Trockener März, nasser April, kühler Mai, füllt Scheuer, Keller und bringt viel Heu. — Wichtig ist der 10. März (40 Ritter). Wie das Wetter auf 40 Ritter- Märtyrer, so bleibt es vierzig Tage lang. — Märzenschnee tut Frucht und Weinstock weh. — Der Märzenstaub soll erwirken, daß der Boden von Milch und Honig fließt. — Märzenstaub bringt Gras und Laub. — März trocken, April naß, Mai lüftig, von beiden was, bringt Korn in den Sack und Wein in das Fqß. Feuchter, fauler März ist des Bauern Schmerz. — Auch für die Viehzucht ist der März der günstigste Monat und von Bedeutung, denn Märzenferkel, Märzensohlen, alle Bauern haben wollen.
Die „letzte" Zigaret s.
Nein, nein — nur nicht gleich in Angst und Schrecken ge raten: es wird auch weiterhin noch Zigaretten geben und die Zigarettenraucher werden auch in Zukunft nicht zu darben brauchen. Nach wie vor werden sie den Rauch von der Lunge aus durch die Nase in die Lüfte blasen dürfen, und es wird sich nur darum handeln, ob sie das „Rauchzeug" werden bezahlen können. Daritm nämlich geht es — um das Bezahlenkönnen! Während bisher jedermann für einen letzten Sechser seinen „Einzelbedars" an Zigaretten decken, d. h. sich, aus der Not eine Tugend machend, eine einzelne Zigarette kaufen konnte, wird er das Hinfort nicht mehr zu tun vermögen, da mit dem Verkauf von Einzelzigaretten endgültig Schluß gemacht wird. „Päckchen" — das ist die Raucherlosung für die künftigen schweren Zeiten!
Und was das schlimmste ist — auch mit den „Päckchen" fallen wir rein! Zehn Zigaretten bezahlst du, aber kriegen kriegst du bloß neun, weil dein Päckchen eben so raffiniert gepackt ist und weil die fehlende zehnte die Zigarettensteuer darstellt. Und bei den größeren Päckchen werden dir entsprechend mehr Zigaretten abgezogen. So ist das! Wer aber auch in Zukunft durchaus eine einzelne Zigarette wird haben wollen, der wird sie sich einfach schenken lassen müssen. Das ist immer noch der beste und billigste Weg, seinen Bedarf an einzelnen Zigaretten zu decken.
Kraftpost Fulda—Brückenau.
Der vom 27. Februar auf der Strecke Motten— Brückenau eingestellte Kraftpoftverkehr wird von heute aber wieder aufge- nommen.
Landestheater des Bühnenvolksbundes.
Das von Herrn Dr. Hugo Beigel geführte Ensemble: Südwestdeutsche Bühne innerhalb der Landestheater des Bühnenvolksbundes bringt als seine neueste Einstudierung Shaws Mysterium „Candid a“. Neben der „Heiligen Johanna" ist „Candida" als das dichterisch wertvollste Werk des berühmten Iren anzusprechen. Der Titel Mysterium darf nicht zu der Annahme verleiten, daß es sich um die Behandlung irrealer Linge handele. Das Werk ist vielmehr ein dramatisch wirksam gestaltetes lebensvolles Theaterstück mit ausgezeichneten Rollen. Ein Stück von Shaws ist noch immer ein Theatererfolg gewesen und wenn es sich um ein so oft gespieltes erprobtes Werk wie „Candida" handelt, so ist der Erfolg sicher. Die Aufführung erfolgt am 5. März im Stadtsaale.
Mutter mit drei Kindern gasvergiftet aufgefunden.
Hanau, 2. März.
Die 30jährige Ehefrau des Versicherungsagenten Hengsberger wurde heute früh mit ihren drei Kindern im Alter von, 8,1 und 4 Jahren im Bett tot aufgefunden. Der Ehemann gab noch Lebenszeichen von sich und konnte später ins Leben zurück-- gerufen werden. Man hatte die Betten in die Küche gestellt und den Eashahn aufgedreht. Die Ursache der entsetzlichen Familientragödie ist noch nicht geklärt.
gemeinde legte Kreispfarrer Weber am Ehrenmal für die gefallenen Väter und Söhne aus der evangelischen Gemeinde einen prächtigen Kranz nieder. In der Miltagsstunde ertönte vom Turm der evangelischen Kirche zu Ehren der Gefallenen Trauergeläut.
Die Gedenkstunde am Ehrenmal auf dem neuen Friedhof.
Wie alljährlich, so veranstaltete auch gestern wieder der Reichsoerband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener, Kreisverband Fulda-Gersfeld und Ortsgruppe Fulda am Ehrenmal auf dem neuen städtischen Friedhof eine Gedenkstunde für unsere Gefallenen. An der Feier beteiligten sich zahlreiche Vereine unserer Stadt korporativ mit ihren Fahnen. Unter den überaus zahlreich erschienenen Teilnehmern befanden sich unter anderen Behördenvertretern Oberbürgermeister Dr. Danzebrink, Landrat Freiherr von Sagern, Generalmajor Beck u. a. Die Feier wurde durch das vom Musikverein Bioneck stimmungsvoll vorgetragene „Selig sind die Toten" von Sauer eingeleitet. Nach einer Darbietung der Ee- sangsabteilung des Kath. Eejellenvereins hielt sodann Stadtrat t Otto Heidt eine ergreifende Ansprache.
Der Redner legte anschließend namens des Reichsverbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener, Kreisverband Fulda-Gersfeld und Ortsgruppe Fulda einen Kranz nieder. Außerdem wurden Kränze niedergelegt von der Bruderschaft Fulda des Jungdeutschen Ordens, der Arbeitsgemein- .chaft der Fuldaer Militärvereine, vom Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold und vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Die Stadt Fulda hatte bereits vor Beginn der Gedenkstunde einen Kranz niederlegen laßen. Tie würdig verlaufene Feier fand ihren Abschluß mit dem „Opferlied" von Beethoven.
* Hilders, 2. März. (Schneeschmelze in der Rhön.) Mit den staxken Regenfällen der letzten Woche und den immer mehr ansteigenden Tagestemperaturen hat die Schneeschmelze in der Rhön mit Macht eingesetzt. Die niederen und mittleren Lagen sind schon völlig vom Schnee entblößt. Auch den großen Schneemassen auf den höchsten Erhebungen ist zum Teil schon der Garaus gemacht worden. Die Bergbäche führen bereits gewaltige Waßermengen zu Tal, und Fulda und Werra find infolge des großen Zuflußes schon über die Ufer getreten und haben weite Strecken überschwemmt. Mit der Winterpracht scheint es jetzt in den Bergen vorbei zu sein. Die verschiedentlich zahlreichen Besucher, die noch am Sonntag dem Skilauf huldigen wollten, kamen nur recht bedingt auf ihre Kosten. An dem Bild der scheidenden Winterpracht änderte auch ein neuer Schneefall am Sonntag nichts. Das schöne Weiß löste sich bald in Wasser auf.
Merkers lRhän), 27. Febr. (Di e Bluttat in Merkers) Am Mittwoch wurde die Verhandlung gegen die beiden ehemaligen Werkpolizisten mit einer Lokalbesichtigung auf Schachtanlage Kaiserroda II/III in Merkers fortgesetzt. Die Besichtigung erstreckte sich auf alle Einzelheiten und dauerte vier Stunden. Der Angeklagte Schuhmacher verwickelte sich dabei in mehrere Widersprüche, während Slack, wenn auch unter starker Erregung, diesmal sehr bestimmte Aussagen machte. Die Tat selbst soll nicht rekonstruiert worden sein, sondern man beschränkte sich im wesentlichen auf die Prüfung der Aussagen Slacks, der an seinen bisherigen Aussagen festhielt.
Merkers (Rhön), 28. Febr. (Der Prozeß gegen die W e r k p o l i z i st e n.) Die Vernehmungen im Prozeß gegen die beiden Werkpolizisten wurden am Donnerstag mittag mit den Gutachten der Sachverständigen abgeschloßen. Die medizinischen Sachverständigen waren einstimmig der Ansicht, daß eine ausgesprochene Affekthandlung vorliegt, daß man aber von einem Dämmerzustand oder einer Geistesstörung im Sinne des Paragraphen 51 nicht sprechen könne. Sehr ausschlaggebend für den Ausgang des Prozeßes war das Gutachten des Schriftsachverständigen Kriminalrat Schneickert vom Polizeipräsidium Berlin, der von der Verteidigung des Angeklagten Slack geladen worden war. Er stellte fest, daß die Eintragung des De- chiffrierschlüßels im Notizbuch des Stack, die nach Behauptung des Angeklagten von Schuhmacher herrühren soll, doch von Slack gemacht sein muß Damit scheint die Beteiligung des Slack am Diebstahl erwiesen zu sein. Entgegen dem ursprünglichen Eröffnungsbeschluß soll die Anklage nunmehr eventuell statt auf vollendeten und versuchten Mord auf vollendeten und versuchten Totschlag lauten.
* Dermbach, 2. März. (Neue Landpo st verkraftung in der Rhön.) Am 11. d M wird vom Leitpostamt Dermbach die verkraftete Landpostbestellung ausgenommen. 19 Landgemeinden erhalten mit diesem Tage eigene Poststellen, die täglich zweimal Post ausgeben und ebenso zur Beförderung annehmen. Es sind dies die Orte Neidhardtshauien, Zella, Brunnhartshausen, Empfertshausen, Andenhausen, Mückenhof Gerstengrund, Zitters, Kranluken, Schleid, Motzlar, Apfelbach, Ketten, Spahl, Geismar, Wiesenfeld, Geblar, Oberalba und Unteralba.
Marburg, 26. Febr. (Tödlicher Unglücksfall in der Mühle.) In der Gerlachschen Mühle bei Somplar geriet ein junger Mann in die Mühlenwelle, wurde mehrere Male mit herümgeschleudert und so schwer verletzt, daß er in der Marburger Klinik kurz nach der Einlieferung verstarb. Bereits vor .zwei Jahren war ein Sohn des Mühlenbc""ers auf die gleiche Weise getötet worden.
Marburg, 27 Febr. (Kommunalpolitische Tagung des kurhessischen H a n.d w e r k e r b u n d e s.) Der Kurhessische Handwerkerbund hielt hier eine kommunalpolitische Tagung ab, zu der auch die gewerblichen Gemeindeoertreter aus den Kreisen Frankenberg, Kirchhain, Ziegenhain.und Marburg erschienen waren. Syndikus Dr. Hartmann von der Handwerkskammer Kassel sprach über die Finanzpolitik in den Gemeinden im Jahre 1931. Der Vortrag wie auch die anschließende Aussprache zeigten u. a. die Notwendigkeit und politische Bedeutung des Handwerkerbundes für die kommende praktische Arbeit in den Gemeindeparlamenten und gab den Vertretern einen übersichtlichen Einblick in die Finanzgebaren der Städte und Gemeinden.
Grünberg, 27. Febr. (Wieder ein Kind durch hei. ßes Wasser tödlich verbrüht.) In dem Dorfe Unter- Seibertenrod kam das 1^ Jahre alte Töchterchen des Landwirts Heinrich Horst 6. in der Küche einem Topf mit heißem Waßer zu nahe, so daß der Topf umstürzte und die heiße Flüssigkeit sich über das Kind ergoß. Die bedauernswerte Kleine erlitt so schwere Brandwunden, daß sie nach eintägigem qualvollen Schmerzenslager verstarb.
Gießen, 26. Februar. (W i l d sch w e i n v e r t i l g u n g.) Wildschweine drangen aus Hunger bis in die Gärten des Dorfes Aßlar. Die Bauern bewaffneten sich mit Knüppeln, Aexten und Mistgabeln und umstellten die Grundstücke. Inzwischen trafen auch mehrere Jäger und Förster ein. Drei Sauen wurden erlebt.
Bad Nauheim, 27. Febr. (E i n P o st k u r i o s u m.) Gestern traf hier eine an eine hiesige Hotelangestellte gerichtete Feldpostkarte ein. die am 18. Juli 1915 in Ratibor aufgegeben worden war. Ein angehängter Postvermerk aus Lausanne (Schweiz) besagte, daß die Karte dort in Zeitungen gefunden worden sei. ,
Friedberg, 28. Febr. (Für Verdienste um den Segelsport.) Der Reichsverkehrsminister hat in Anerkennung der Pionierarbeit, die die Fliegergruppe des Friedberger Polytechnikums für den Segelsport geleistet hatte, der Gruppe ein Klemm-Daimler-Motorslugzeug zur Verfügung gestellt. Die Anerkennung gilt nicht zuletzt auch für die Versuche und den Bau eines 'neuartigen schwanzlosen Segelflugzeuges. — Das Motorflugzeug ist ein Tiefdecker mit einem Mercedes-Motor von 20 PS. Außerdem wird noch ein BMW-Motor von 40 bis 50 PS. als Ersatz mitgeliefert. — Da sich bei der Umgebung von Friedberg kein entsprechendes Uebungsgelände befindet, wird die Fliegergruppe die Ausbildung von Fliegern zunächst in Gießen vornehmen müßen. Daselbst wird auch das Flugzeug untergebracht.