politische Rundschau
Deutsches Reich
Der Reichskanzler fährt nicht nach Wien.
Reichskanzler Dr. Brüning ist, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, zu seinem Bedauern nicht in der Lage, an dem für den 3., 4. und 5. März geplanten Besuch in Wien teilzunehmen, da die parlamentarischen Verhandlungen in Berlin seine Anwesenheit notwendig machen. Die Reichsregierung wird aus diesem Grunde bei der bevorstehenden Reise durch Neichsaußenminister Dr. Curtius und den Staatssekretär in der Reichskanzlei, Pünder, vertreten sein.
Die Zollermächtigung und der polnische Handelsvertrag.
In parlamentarischen Kreisen geht die Ansicht über den Sinn der allgemeinen Zollermächtigung, die der Ernährungsminister für das Kabinett gefordert hat, weit auseinander. Während aus der einen Seite erklärt wird, daß die Ermächtigung die Ratifizierung der Genfer Zollkonvention und den Abschluß des Handelsvertrages mit Polen einschließe, wird das auf der anderen Seite aus juristischen und tatsächlichen Gründen entschieden br stritten.
Rußland
Drohende russische Holzflut.
In einer amtlichen Mitteilung wird hervorgehoben, daß Rordrußlano die ihm im Fünfjahresplan gestellten Aufgaben hinsichtlich der Holzarbeiter! bereits jetzt durch geführt hat. Das ist der einzige Fall, in dem die Aufgaben des Fünfjahresplanes bereits in zwei Jahren erfüllt werden konnten. In gleichem Maße ist auch die Sägewerkindustrie gewachsen, so daß die Sowjetregierung die russische Holzausfuhr in diesem Jahre noch beträchtlich steigern will.
Aus Zn- und Ausland
London. Die Zahl der Arbeitslosen in England betrug am 16. Februar 2 631212. Das sind 5919 Arbeitslose weniger als in der Vorwoche.
Newyork. Aus der Hauptstadt Boliviens, La Paz, wird mitgeteilt, daß sich der Süden Perus in den Händen der Aufständischen befindet. Es handele sich um eine Militärverschwörung, die darauf hinziele, die jetzige Negierung zu stürzen.
Hitler und Göbbels sprechen nicht in Stockholm.
Stockholm. Die schwedischen Nationalsozialisten hatten für Mitte März große Versammlungen vorgesehen, in denen Adolf Hitler und Dr. Göbbels sprechen sollten. Der Stockholmer Polizeipräsident hat jedoch mitgeteilt, es seien keine Aussichten vorhanden, daß die Erlaubnis zur Mitwirkung der beiden
Sin einer Versammlung erteilt werde. Die Erkläruirg des
!eipräsidenten ist die Antwort auf eine Anfrage der schwedischen Nationalsozialisten, ob die Behörde die Verantwortung sur die Sicherheit von Hitler und Göbbels übernehmen könne. Der Besuch der nationalsozialistischen Führer wird daher voraussichtlich unterbleiben.
Madrid ohne Autodroschken.
Madrid. Die Madrider Autodroschkenunternehmer haben über ihre Betriebe die Aussperrung verhängt, weil sie die Beschlüsse des Schlichmngsausschusses im Lohnstreit der Kraft- Wagenführer nicht annehmen wollten. In der Stadt verkehrt daher keine Autodroschke mehr.
Zumpe macht Karriere
Eine» Pechvogels lustige Geschichte von Fritz Körner.
44) (Nachdruck verboten!)
"Darf ich Sie führen, mein Herr?" bot sich eine kleine niedliche Blondine an.
„Mit Vergnügen, meine Gnädigste!"
Und sie turnten durch den Betrieb.
Plötzlich kamen sie an einer älteren, großen Dame oordei, der man die Energie auf zehn Kilometer gegen den Wind ansah.
Zumpe sah, wie seine Begleiterin ganz devot grüßte, und er zog gleichfalls den Hut.
„Zu wem führen Sie den Herrn?" fragte die Dame.
"Zu Herrn Zumpe, gnädige Frau! Es ist der Bruder vom Herrn Zumpe."
Ant $k erwrgievollen Augen der älteren Dame umfaßten
. »Gnädige Frau . . ." sagte er liebenswürdig. „Habe lch die Ehre ... mit der Gemahlin des Herrn Bemm zu sprechen!"
„Das bin ich, mein Herr!"
„Ich freue mich sehr. Sie kennen zu lernen, gnädige vrau. Ich hatte gestern die Ehre, mit Ihrem Herrn Gemahl Su sprechen."
„Wegen einer . . . Stellung in unserem Hause?"
„Gewiß, gnädige Frau!" sagte Zumpe nett. „Sie haben °as in scharfsinniger Weise gleich erkannt. Tüchtige Leute braucht man überall, ganz besonders auch Verkaufsgenies!"
„So . . . sind Sie denn das?"
„Hahaha . . . und ob, gnädige Frau . . . wenn's sein muB' ich verkaufe 'nen alten Kamm als Tachometer!"
Während rundherum die Mädchen das Lachen mühsam Irbissen, sah ihn Frau Clara von oben bis unten erstaunt an.
„Mein Herr . . . Sie sind sehr . . . sehr von sich eingenommen!"
„ »Man soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen, gnädige Frau. Ich werde Ihren Herrn Gemahl bitten, daß
ewmai den ganzen alten Bowel, der auf dem Lager seste liegt, verkaufen läßt."
„Sie nehmen den Mund sehr voll, Herr Zumpe!" w-ik "^warten, gnädige Frau . . . was leisten . . . be* erst - zeigen, das ist mein Grundsatz . . . wenn ich
^ "^" bin . . . ich kann Ihnen versichern .. . Ihr Kundenkreis verdoppelt sich!"
«Na . . . na!"
Mej^r^^ ^ dem Fräulein, daß sie Herrn Zumpe
Das Attentat auf den Schwedenzug.
Ladewig aus Berlin wollte ihn entgleisen lassen.
In Prenzlau begann die Gerichtsverhandlung gegen den 26jährigen Arbeiter Ernst Ladewig aus Berlin, Der am 26. November 1930 versucht hat, den von Berlin nach Schweden und Norwegen gehenden D-Zug zwischen Berlin und Stralsund zum Entgleisen zu bringen. Nur dadurch, daß die Schienenräumer eine Anzahl schwerer Eiscnstücke, die Ladewig auf die Schienen gelegt hatte, beiseiteschoben, wurde ein Eisenbahnunglück verhütet. Was Ladewig zu der Tat veranlaßt hat, weiß man nicht. Er soll am Tage der Tat erzählt haben, daß er
im Dienste einer linksgerichteten Organisation arbeite, die durch Attentate auf Züge, Bergwerke und Fabriken die staatliche Ordnung untergraben wolle. Jetzt berichtet er, daß er sich vor den Eisenbahnzug werfen wollte, dann aber in geistiger Umnachtung einen Kilometerstein auf die Schienen gelegt und versucht habe, die Laschen zu lösen, um zu sehen, wie es sei, wenn ein Zug über die gelockerten Schienen führe. Vielfach wurde auch angenommen, daß Ladewig den Zug zum Entgleisen bringen wollte, um den Postwagen zu berauben.
Die Strafe:
Das Prenzlauer Schwurgericht verurteilte gestern den Arbeiter Ernst Ladewig aus Berlin wegen vorsätzlicher Trans- Sortgefährdung in Tateinheit mit versuchtem Mord zu sieben ahren Zuchthaus.
Einsturzunglück im Kalk-ruch.
Vier Arbeiter verschüttet.
In einem Kalksteinbruch der Groß-Strrhlitzer und Tarnauer Kalkwerke ereignete sich ein folgenschwerer Unglücksfall. Infolge des Tauwetters und der Schneeschmelze gerieten plötzlich große Gesteinsmassen ins Nutschen. Von den im Bruch beschäftigten Arbeitern wurden
vier Mann verschüttet
und vollständig unter dem Gestein begraben. Trotz anstrengender Bemühungen war es nicht möglich, die Verunglückten zu bergen. Es besteht keine Hoffnung mehr, sie lebend ans Tages- licht zu schaffen. Die Bergungsarbeiten schreiten nur langsam vorwärts, da die betreffende Stelle des Kalksandsteinbruches sehr eng ist und immer nur etwa zehn Arbeiter an der Fortschaffung des Gerölls arbeiten können. Es muß damit gerechnet werden, daß die Leichen erst Donnerstag früh geborgen werden können. Die getöteten Arbeiter sind sämtlich Familienväter.
Börse und Handel.
Frankfurter Börsenbericht vom 25. Februar. Tendenz: still und uneinheitlich, im Verlaufe schwächer. Nachdem bereits im heutigen Vormittagsverkehr die Stimmung trotz der sehr festen Newyorker Börse ruhig war, eröffnete auch die amtliche Börse bei wieder sehr geringem Geschäft in stiller Haltung. Obwohl der Liquidationstag glatt überwunden wurde und der Reichsbankausweis für die dritte Februarwoche eine weitere Entlastung brachte, verhielt sich die Kulisse sehr reserviert, da andererseits die Finanzschwierigkeiten der Stadt Berlin, neue Entlassungen im Ruhrbergbau und das weitere, wenn auch langsame Ansteigen der Arbeitslosenziffern retardierend wirkten. Daneben wurde die innerpolitische Lage wieder mehr beachtet, da jetzt außer der parlamentarischen Verabschiedung des Sigrarprogramms das Schicksal des Wehretats von noch größerer politischer Bedeutung ist. Die Kursentwicklung war nicht ganz einheitlich.
Frankfurter Abendbörse vom 25. Februar. Tendenz: unsicher. Die Abendbörse verkehrte in sehr ruhiger Haltung. Zu den ersten Kursen wurden infolge von Gerüchten über kleine Unruhen in Berlin einige Abgaben vorgenommen, so daß gegen den schwachen Berliner Schluß weitere Abschwächungen bis zu 1 Prozent eintraten. Später konnten sich die Kurse um Bruchteile eines Prozentes erholen, da das herauskommende Material ausgenommen wurde. Die Erundstimmung blieb indessen unsicher, zumal auch die Anfangskurse aus Newyork zur Schwäche neigten. Die Umsatztätigkeit bewegte sich allgemein in sehr engen Grenzen.
Franksurter Getreidemarkt vom 25. Februar. Die Getreidebörse verkehrte im Zusammenhang mit Berlin weiter in fester Haltung. Die Umsätze hielten sich zwar in bescheidenen Grenzen, doch ergaben sich für Brotgetreide erneute Preissteigerun- ■MHBnBnmnHnMHHHBMMBi
Sie gingen in den ersten Stock.
Dort trafen sie Erwin, der eben einer Dame zu einer Seide riet, die er sehr gern los geworden wäre, denn es war eine Farbe, die eigentlich absolut unverkäuflich war.
Aber Erwin pries mit Engelszungen an.
Anton stand eine Weile abseits, dann dachte er: „Mußt dem Erwin doch mal helfen."
Er trat näher und sagte mit der ganzen Liebenswürdigkeit, der er fähig war: „Gnädige Frau haben einen fabelhaften Geschmack!"
Die Dame sah erstaunt und erfreut auf. Sie fühlte sich geschmeichelt.
„Meinen Sie, daß mich die Farbe kleidet? Ist sie nicht etwas zu auffällig?"
„Aber nein, gnä' Frau! Gnä' Frau sind doch noch jung und können diese frische Farbe tragen. Ich würde das Kleid in Glockenform arbeiten lassen und es mit. . . einer anderen passenden Farbe nett ausputzen! Ich glaube, Ihre sämtlichen Freundinnen werden gelb vor Neid, wenn Sie in diesem Rausch von Farben erscheinen."
Da kaufte die Dame.
Erwin und Herr Bemm aber, der das Letzte mit ange- härt hatte, standen sprachlos.
„Ein Verkaufsqenie . . .!" sagte Bemm zu Erwin.
„Unzweifelhaft l"
„Also . . . das ist Ihr Bruder . . . lieber Herr Zumpe! Na, feien Sie mir schön willkommen! Nach der Probe verpflichte ich Sie! Sie haben Talent!"
Zumpe schüttelte dem wohlbeleibten, gemütlichen Herrn die Hand, daß sämtliche Gelenke knackten, was der alte Herr aber nicht übel nahm.
„Also festes Gehalt im Monat vorläufig 230.— Mk., dazu, wenn Sie gut verkaufen, eine kleine Umsatzprämie!"
„Einverstanden, Herr Bemm!"
„Ihr Bruder wird Sie einführen und wird Ihnen zur Seite stehen. Ich hoffe, daß es Ihnen gefüllt und daß Sie eine gute Kraft werden."
Dann zog er sich mit einem freundlichen Lächeln zurück.
„Also, mein Junge, da bist du!"
„Höchst persönlich, Erwin! Laß dich mal ansehn. Junge. Du siehst gut aus! Hm . . . wenn du einmal dein Herz verschenkst, dann überlegs dir sehr!"
„Hab's schon verschenkt!"
„Was!"
„Ja ... ich bin heimlich mit der Tochter des Chefs verlobt. Ein reizendes Mädel... Maximiliane beißt sie e.. und eine gute Partie."
„Einzige Tochter?"
„Ist sie!"
„Da wirst du also einmal Herr dieses Hauses!"
Erwin seufzte.
gen. Bestärkt wurde diese Lewegunz txiofet», als man jeDi bestimmt mit einem unveränderten Weizenzoll rechnet. Welzen lag gegenüber der letzten Börse um rund 5 Mark je Tonne höher. Roggen um 2,50 Mark. Hafer war wenig beeinflußt, aber gut behauptet. Gerste selbst in guten Qualitäten vernachlässigt und rückgängig. Die Preise für Weizenmehl wurden um 0,50 RM. erhöht. Das Geschäft erfuhr eine wesentliche Einengung nach dem noch gestern größere Umsätze getätigt worden sein sollen. Roggenmehl dagegen mehr beachtet und fester. Von Mühlen- absallen konnte sich Roggenkleie weiter befestigen, während Weizenkleie nachgiebig war. Es notierten: Weizen 297.50—298.50, Roggen 185—187.50, Gerste 210. Hafer 160—162.50, Weizenmehl suod. Spezial 0 43—44, do. Niederrhein. Spezial 0 42.75—43.75, Roggenmehl 26.75—27.75, Weizenkleie 9.75, Roggenkleie 9.75 bis 10. Die Preise verstehen sich in Reichsmark (für Getreide le Tonne, für alles übrige je 100 kg).
Mehlpreiscrhöhung. Mannheim, 25. Febr. Die Süddeutsche Mühlenvereinigung hat den Preis für Weizenmehl Spezial 0 um 0,50 RM. auf 43,75 RM. pro Doppelzentner ab Mühlenstation' erhöht.
Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 26. Februar. (Vor- bericht.) Kälber: b) 59—62, c) 55—58, d) 48—54 Schafe: a1) 43—46, b) 35—42. Aufgetrieben waren: Rinder 93, Kälber 795, Schafe 222, Schweine 646. Marktverlauf: Kälber und Schafe mittelmäßig, Schweine schleppend.
Gießen, 25. Febr. (Rinder-Nutzviehmarkt in Der hiesige Rinder-Nutzviehmarkt war mit 964 Stuck Großvieh und 133 Kälbern beschickt, die vollständig abgesetzt wurden. Man bezahlte für Kühe 1. Qual. 500—600 2. Qual. 350—500 M, 3. Qual. 200—350 „K, Schlachtkühe 150 bis 350 M, Rinder ^— ^jährig 100—220 M, %—2fübrig 200 bis 300 M, tragende Rinder 300—500 M, Kälber 45—55 Pfg. je Pfund Lebendgewicht. Bessere Tiere wurden höher bezahlt.
Amtliche Berliner Notierungen vom 25. Februar.
* Börsenbericht. Tendenz: Schwach. Die Anfangskurse waren trotz wenig ermutigender Vorgänge bemerkenswert out gehalten, wobei die Reportzuschläge zu berücksichtigen sind. Am Geldmarkt machte sich der Ultimo bemerkbar. Man hörte fol- gende Sätze: Tagesgeld 4,5—6,5, Monatsgeld 6—7,5 Prozent. Im Verlauf gab das Kursniveau nach. Das Geschäft war jedoch ziemlich klein.
♦ Devisenbörse. Dollar 4,20—4,21; engl. Pfund 20,42 bis 20,46; holl. Gulden 168,58—168,92; Danz. 81,65—81,81; franz. Frank 16,46—16,50; schweiz. 80,94—81,10; Belg. 58,57—58,69: Italien 21,99—22,03; schwed. Krone 112,51—112,73; dän. 112,44 bis 112,66; norweg. 112,42—112,64; tschech. 12,44—12,46; österr. Schilling 59,05—59,17; Argentinien 1,380—1,384; Spanien 44,59 bis 44,67.
Zerreibe und Olsaaren per 1080 Kilogramm, sonst per 100 Kilogramm in Reichsmark
1 25 2
24 2
Welz., märt, pommersch
! 284-286
80 282
—
—
Rogg., märt
162 164
159 161
'Braugerste
206-21'
204 213
yutiergerfte
190 206
190 204
Sommergerste
—
_
Wlmerqerste
—
—
Hafer märt.
145 150
141 147
pommersch
—
MM
westpreuß Weizenmehl
P 100 kg fr.
Brl br in kl.
sack lfeinst.
Mrk ü Noli 33,5 40,033,0 39.5
Noggenmehl i p 100 kg fr Berlin br tnfl. Sack 24,1-26.823.7 26.5
25.2. I 24.2. Wetzkl. f. Bln 11,2 11,5 11,2 11,E Rogkl f Bln. 100 10.5 9.8 10.2 Raps — _
Leinsaat — I _
Vikr.-Erbsen — —
kl Zpeiseerbf Funererbsen Peluschken Ackerbohnen Wicken
22,0-24.0 22,0-24,C 19,0 21.0 19,0-2i.C 21,0 24.0 21.0 24.0 17.0 19.0 17,0-19,0 18,0 21.0 18,0-21,0
Lupln., blaue 13,0-15.5 13.0-15.5
Lupine, gelbe 21,0-24.0 21,0-24.0
Seradella 50,0-55,0 50,0-55,0
Rapskuchen — | —
Leinkuchen 15,0-15.315,0-15,3
Trockenschtzl 6.6-H.9 6.6-6.9
Sooa-Schro, 14.0 14.2 13.9-14.0
Torfml 30/70 — -
Karroffelflck 12.6-13,012.6-13,0
Berliner Essektensrühverkehr vom 26. Februar. Nachdem auch die gestrige Abendbörse weitere Kursabschwächungen gebracht hat, lag der heutige FMbverkehr geschäftslos. Da es an Anregungen fehlt und auch das Publikum sich äußerst reserviert verhält, wird die Tendenz heute von den Dispositionen der Spekulationen abhängen. Newyork schloß schwächer, und so werden hier ebenfalls eher niedrigere Kurse taxiert. Am Devisenmarkt nannte man London-Paris 123.99, -Mailand 92.80, -Spanien 46.55, -Kabel 485.93, -Berlin 20.43%, Kabel-Berlin 4.20.60.
„Asach ... es ist noch eine Schwierigkeit zu überwinden ... die Schwiegermutter!"
„Die Frau Clara Bemm! Hm... die erscheint mir selber auch als Schwierigkeit! Der alte Bemm ist dir gut gesinnt!"
„Das ist er! Um ihn habe ich keine Sorge . . . aber die Schwiegermutter, die will Maximiliane... an einen reichen Makler verheiraten!"
„So! Sage mal ... ist die Familie Bemm . . . jüdisch?"
„Nein, nein . . . das Gegenteil . . . eine alte christ- liche Familie, sie lebt schon seit vierhundert Jahren in Berlin."
„Weißt du was, Erwin, führe mich mal bißchen in die Materie ein. Ich will anfangen zu arbesten!"
„Da komm!"
*
Erwin war nicht in Verlegenheit, wohin er seinen Bruder steckte.
In die Lebensmittelabteilung.
Inmitten von zwanzig Verkäuferinnen, eine immer hübscher wie die andere, erhielt Anton seinen Platz angewiesen.
Zwischen unheimlichen Bergen von Wurst, Schinken, Ölsardinen und was es so alles gab, residierte Anton. . . und das wußte er aber noch nicht . . . unter der Oberkontrolle von Frau Clara Bemm, die aber heute unten im Stoffwarenlager zu tun hatte.
Zumpe tat in den ersten Stunden nicht viel.
Er sah zu, sprang hin und^wieder mit ein paar liebenswürdigen Worten ein, im übrigen lernte er erst einmal die Preise und Sorten kennen.
Er hatte ein paar nette Lehrmeisterinnen, die ihn mit Begeisterung in die Materie einführten.
Zumpe, den Anton . . . alle fanden ihn himmlisch.
Anton nahm sich auch gewissenhaft zusammen, er mimte Würde, was ihm auch gut gelang, aber hin und wieder erschien doch das mutwillige Schelmenlachen auf seinem Gesicht.
Die Kassiererin der Abteilung, Fräulein Scheuersand, aber sagte zu ihrer Freundin Rickchen: „Du ... der kommt mir so bekannt vor! Das Gesicht habe ich schon einmal gesehen! Ich muß mal nachdenken! Wo doch bloß!"
Rickchen antwortete schwärmerisch: „Du ... der ist noch schöner wie Erwin! Im übrigen . . . hast du nicht gehört . . . daß Erwin . . . und Maximiliane ... sich gerne haben?"
(Fortsetzung folgt.)