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Zul-aer Anzeiger | ZulSo / Slaa 2 I

^ 39 Montag, 16. Februar 1131

politische Rundschau

Deutsches Reich

Ncichstagsdiäten für Erwerbslose.

Die Presseleitung der nationalsozialistischen Reichs- taäsfraktion teilt mit:Sämtliche Mitglieder des Reichs- taqcs erhalten auf Grund der Geschäftsordnungsbestim- mungen ihre Aufwandsentschädigungen monatlich im voraus, genau so wie die Beamten in Staat und Ge- vieinden. Für nicht wahrgenommene Sitzungen einzu- vehaltende Beträge werden am 1. des folgenden Monats von den Bezügen gekürzt Demnach steht âm 1 März bei Annahme des Antrages Dr. Frick und Genossen für die Erwerbslosen ein sehr erheblicher Betrag zur Verfügung." Die thüringischen Notverordnungen Gesetz geworden.

Der Thüringische Landtag nahm mit 28 Stimmen bei Regierungsparteien gegen 21 Stimmen der Sozial­demokraten und Kommunisten und bei Enthaltung des Staatsparteilers das Mantelgesetz an, das den Notver­ordnungen zur thüringischen Verwaltungsreform nach- träglich die notwendige gesetzliche Grundlage gibt. Sämt­liche Abänderungsanträge der Oppositionsparteien wur­den abgelehnt.

Frankreich.

Wenig Erwerbslose in Frankreich.

Der Arbeitsminister hat in der Kammer die Erklärung abgegeben, daß die Zahl der amtlich eingetragenen und unterstützten Arbeitslosen in Frankreich augenblicklich 28 5 36 betrage. Die tatsächliche Zahl der bisher nicht unterstützten und amtlich nicht erfaßten Arbeitslosen müsse aus 350 000 veranschlagt werden. Etwa eine Million Arbeiter sei nicht voll beschäftigt. An deutschen Verhält­nissen gemessen, ist die französische Arbeitslosigkeit nach wie vor äußerst gering.

Rußland.

Die russischen Soldaten erhalten höhere Löhnung.

Die Sowjetregierung hat beschlossen, die Gebührnisse in Heer und Marine vom 1. März 1931 ab um 10 Prozent zu erhöhen. Diese Aufbesserung soll auf besonderen Wunsch Stalins und Woroschilows erfolgen, um die gute Stim­mung in der Wehrmacht zu sichern.

Aus Zn- und Ausland

Berlin. In der Angelegenheit des von dem Korvetten- tstpitän a. D. Beelitz an Hitler gerichteten Briefes ist man in Kreisen der Reichsregierung der Ansicht, es sei völlig abwegig, lediglich auf Grund dieses Briefes von dem Vorhandensern von Beziehungen zwischen der NSDAP, und dem Neichswehr- mmsterium zu reden.

Berlin. Der Neichsarbcitsminister hat einen Schieds­spruch im Buchdruckgewerbe für verbindlich erklärt. *

Weimar. Dem Thüringischen Landtag ist ein national- Mlistischer Antrag zugegangen, in dem gcsordert wird, der Mtag wolle beschließen: Die Amtszeit des Vizepräsrdcnten Mr ist abgelaufen.

Bm. In dem Parteibureau der Nationalsozialisten Weit, wie die Polizei mitteilt, vorgefunden und beschlag- Mw: mehrere geladene Karabiner, mehrere geladene Jagd- Mche, Pistolen, 12 große Messer, etwa 400 Schuß Jnsanterie- Mnition mit Munitionskästcn.

London. Bei den Zusammenstößen zwischen Mohamme- dancrn und Hindus in Benares wurden 15 Personen getötet Mb über 100 verletzt. Die Stadt befindet sich in panikartiger Stimmung.

Moskau. Im Zusammenhang mit dem amerikanischen Wuhrvcrbvi für russisches Holz hat die ^owjetregrerung ^geordnet, daß die Einschiffung weiteren rusiischen Holzes noch den Vereinigten Staaten vom 1 April ab eingestellt wird, sämtliche Ladungen, die für Amerika bestimmt waren, zollen Mit in Europa untergebrachi werden.

Unheil aus

Schwere Eisenbahnkaiastrophen.

Schnellzug BrüsselAntwerpen entgleist.

Der Schnellzug Brüssel-Antwerpen ist in der Nähe der Station Schaerbeek entgleist. Sechs Wagen sprangen aus den Schienen und stürzten um. Viele Reisende wur­den verletzt, darunter zehn erheblich.

Autobus vom Eisenbahnzug zertrümmert.

In unmittelbarer Nähe von Blerick in der Provinz Limburg an der deutschen Grenze ereignete fi* ein furcht­bares Unglück. Ein mit einer größeren Anzahl Per­sonen besetzter Autobus wurde von einem Eisenbahnzug überfahren und vollständig zertrümmert. Es sind nach den bisher vorliegenden Meldungen vier Todes­opfer, ferner acht Schwerverletzte und eine Anzahl von Leichtverletzten zu verzeichnen.

Schreckensszenen bei einem Großfeuer.

Wie in einer Falle gefangen.

Durch ein Großfeuer wurde im Stadtteil Marylebone in L o n d^o n ein Wohnhaus zerstört, wobei zwei Men­schen getötet und fünf verletzt wurden. Unter den Verletzten sind drei Feuerwehrleute, die beim Einsturz einer Treppe zu Schaden kamen. Der Brand war im ersten Stockwerk ausgebrochen, so daß sämtliche Ein­wohner des Hauses, die in den oberen Stockwerken schliefen, wie in einer Falle gefangen waren und nicht entweichen konnten. Als erste bemerkte die Köchin im oberen Stockwerk den Rauch und weckte sofort die übrigen vier Dienstboten und dann auch die Herrschaft. Kurz darauf schlugen die Flammen hoch auf und ergriffen die oberen Stockwerke. Die Feuerwehr rettete zunächst den erkrankten Sohn. Sie fanden dann die Frau des Hauses, die der älteren Krankenpflegerin zu Hilfe eilen wollte, bereits verkohlt vor Die Pflegerin selbst lag in den letzten Zügen. Der zweite Sohn des Hauses sprang aus dem Fenster, verfehlte jedoch das Sprungtuch und fiel auf das Pflaster. Er mutzte in schwer­verletztem Zustande in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Dienstmädchen wurden über Leitern gerettet; eines von ihnen war bereits schwer verletzt. Das Haus brannte vollständig aus.

Rah und Fern

O über 100 Boote verbrannt. In einem großen Boots- schuppen an der Freibrücke in Pichelsdorf bei Berlin brach Feuer aus. Als die Feuerwehr an der Brandstelle er­schien, stand der Schuppen, der etwa 80 große und 30 kleine Boote barg, in seiner ganzen Ausdehnung in Flammen. Die Feuerwehr mußte sich auf die Einkreisung und Ablöschung des Feuers beschränken. Der Schaden ist beträchtlich und soll nur zu einem kleinen Teile durch Versicherung gedeckt sein.

O Trauriges Schicksal eines Kriegsinvaliden. In Jauer wurde ein Kriegsinvalide, der seit seiner schweren Ver­wundung nicht mehr zurechnungsfähig ist, in einer Dach­kammer des Hauses seiner Eltern in unglaublich ver­kommenem Zustande gefunden. Die Eltern ließen den Sohn fast verhungern und verbrauchten die Militärrente, die er bezog, für sich.

0 Große Verkehrsstörungen infolge starken Schneefalles in Österreich. In Österreich sind durch Schneefälle große Verkehrsstörungen verursacht worden. In Wien mußte der Straßenbahnverkehr in die Außenbezirke eingestellt werden. Mehrere Straßenbahnzüge entgleisten, und einige Wagen mußten sogar ausgeschaufelt werden. Auf der Südbahn war die Strecke von Steiermark bis weit nach Niederösterreich bis zu drei Meter hoch verschneit. Güterzüge konnten zum Teil nicht weiterkommen.

0 Eine furchtbare Bluttat wird aus dem burgundischen Weinort Chablis gemeldet. Ein Mann, der sich durch unglückliche Spekulationen ruiniert hatte, erschoß seine Frau und seine beiden Töchter und verübte dann Selbst­mord. In seiner Verzweiflung hatte der Mörder zuvor auch seinen Hund erschossen und feinen Kanarienvogel erwürat.

aller Wett.

Neue Erdstötze auf Neuseeland.

Den neuen Erdstößen in Neuseeland sind bisher keine Menschenleben zum Opfer gefallen. In Napier haben die Erdstöße jedoch neuen Sachschaden angerichtet. Viele Häuser und Mauern, die nach dem letzten Erdbeben noch stehengeblieben waren, sind eingestürz: Im Innern des Lan­des wurden zahlreiche Brücken beschädigt. Es entstanden neue Erdrisse, die den Verkehr aus der Straße unmöglich machten. An der Küste stürzten vorspringende Kaps ein und von vielen Stellen werden große Erdrutsche gemeldet. Hierdurch haben sich die Flüsse aufgestaut und sind über die Ufer getreten.

Erdrutschunglück in Las Palmas.

Viele Opfer unter den Trümmern.

In Las Palmas, der Hauptstadt der Kanarischen Inseln, wurden durch einen Erdrutsch drei Häuser und mehrere Hütten verschüttet. Bisher konnten drei Tote und sechs Schwerverletzte geborgen werden. Weitere Opfer dürften noch unter den Trümmern liegen.

Der weiße Tod.

München. Eine aus vier Herren und einer Dame aus München bestehende Touristengruppe wollte im Seekargebiet bei Lenggries von der Mühltalalm eine S k i f a h r 1 unter­nehmen. Dabei verschüttete eine Lawine den 29jährigen Zim­mermann Leo Bauer aus München. Der Verschüttete war be­reits tot, als er ausgegraben wurde.

Garage infolge Schneelast eingestürzt.

München. Wie aus Oberstdorf im Bayerischen Algäu ge­meldet wird, ist am dortigen Bahnhof eine große Autogarage infolge der Schneelast eingestürzt. Der Druck war so groß, daß Die Seilentüren herausgeschlagen wurden. Tas ganze bildet ein einziges Trümmerfeld. Unter den Trümmern sind 15 Autos vollständig vergraben.

Schweres Grubenunglück in einem Kohlenbergwerk.

London. Durch den Einsturz von Grubenversteifungen in einem Kohlenbergwerk in Nuneaton «Warwickshire) wurden drei Bergarbeiter schwer verletzt, acht andere kamen mit leich­ten Verletzungen davon. Die Arbeiter wurden in Molorgruben- wagen nach der Arbeitsstelle befördert, als die Dachversteifun­gen einstürzten.

Ein italienisches Wasserflugzeug abgestürzt.

Rom. Bei Venedig stürzte während eines Übungsfluges cm Marinewasserslugzeug ab, wobei der Flugzeugführer, ein Fliegerleutnant, ertrank und der Beobachter, ein Seeoffizier, mehrere Verletzungen davontrug.

O Lilian Leitzels Zustand bedenklich. Der Zustand der in einem Kopenhagener Variete von einem Trapez ab­gestürzten Luftakrobatin Lilian Leitzel ist bedenklich. Während man anfangs annahm, daß sie sich keine gefähr­lichen Verletzungen zugezogen habe, haben die Ärzte im Krankenhause durch Röntgenuntersuchung Knochenbrüche in Rücken und Schulter festgestellt.

O Eisenbahnunglück bei Zarskoje Sselo. In der Nähe von Zarskoje Sselo (jetzt Detsköje Sselo) bei Leningrad, der einst vielgenannten Sommerresidenz der russischen Zaren, ereignete sich ein Zusammenstoß zwischen einem Personen- und einem Güterzuge. Fünf Wagen und eine Lokomotive wurden zerstört, vier Personen wurden getötet.

Bunte Tageschronik

London. Beim Absturz eines Militärflugzeuges der Militärschule von Cramwell wurde ein Flugzeugschüler getötet. Der Führer des Flugzeuges erlitt schwere Verletzungen.

Konstantinopel. Sowohl in Konstantinopel wie in Angora sind viele Typhuserkrankungen zu verzeichnen, so daß dis Impfung der Bevölkerung angeordnet werden mußte.

Heiteres.

So und so.Ach, wäre das schön, wenn ich das Große Los gewänne, dann könnte ich sofort heiraten!"Und ich sage dir, wenn ich das Große Los gewänne, dann brauchte ich nicht zu heiraten!"

Im Theater.Entschuldigen Sie, habe ich Sie vorhin beim Hinausgehen auf den Fuß getreten?" fragte ein massiver Herr, als er nach der Pause mit seiner Dame wieder ins Parkett kam, einen anderen.Allerdings," antwortete dieser grimmig.Dann ist dies die richtige Reihe, Anna, komm nurl"

Ser Dichter in derMtratzengmst".

Zur 75. Wiederkehr von Heinrich Heines Todestag.

Am 17. Februar 1856 wurde Heinrich Heine in Paris, wo " seit dem April 1831 gelebt hatte, von seinen unsäglichen Leiden durch den Tod erlöst. Zehn Jahre lang hatte er, von e»ièm schweren Rückenmarksleiden befallen und so gelähmt, er zum Beispiel nur sehen konnte, wenn er mit der Hand Augenlider hob, in seinerMatratzengruft", wie er mit ""lerem Spotte sein Krankenlager nannte, als ein Sterbender Belebt.

Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt, schwankt ye nes Charakterbild in der Geschichte wohlverstanden: das des Menschen Heine, dem man mit einem gewissen Rechte mancher Dinge, die er getan, und wegen mancher, die "zu tun unterlassen hat, Vorwürfe machen darf. Besonders Iwr trifft ihn der Vorwurf, daß er sich aus finanziellen munden zu einer gewissen Zeit und für eine gewisse Zeit von mdlichen Unterstützungen der französischen Regierung ab- °"8>g gemacht hat, er, der als Deutscher geboren war. Un= glastet aber bleibt Heines Dichlerruhm, den auch ferne "tlschen Gegner anerkennen.

Als Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts wieder einmal aufs schärfste angegriffen wurde, sagte 2 Geringerer als Bismarck:Vergessen die Herren denn das Heine ein Liederdichter ist, neben dem nur Goethe werden darf, und daß das Lied gerade eine spezifisch Dichtungsform ist?" Heute ist man von einer über- Mung der Heineschen Lyrik abgekommen, aber unterschätzen »an sw auch nicht. Der Dichter, der Lieder gedichtet hat Z â bist wie eine Blume",Leise zieht durch mein Gemüt", Hin ^er erglänzte weit hinaus",Ich hatte einst ein Vaterland" und andere gleichwertige, der Dichter, dem -Nordseebilder" verdanken, derDie beiden Grenadiere" ° ° Miet hat und die unsterblicheLorelei", vielleicht das meist- deutsche Gedicht, verdient über sein Grab hinaus .L,j^«ung.Du bist wie eine Blume" ist mehr als 160mal, ^wht durch mein Gemüt" undEin Fichtenbaum steht Veun ^ mehr als 80mal vertont worden. Die schönsten Sann, ''"8en Heinescher Lieder verdanken wir Schubert und ;6ti^ darf auch nicht vergessen, daß Heine ein großer Prosa teiJ' teUcr war. Wer seineReisebildcr", vor allem dieHarz­ten ,''°uwnRabbi von Bacharach" und seine anderen Schn, 8kM '"'.wlrd verstehen, daß man ihn den ersten deutschen lonisten genannt hat.

Düsseldorf, in der Heine geboren wurde,, wird N ° ? des Heine-Gedenktages eine Gedenkfeier veranstalten Sääuttüuift, äßÄ HMiiâüuisvllstM iMmÄlrihtL».

Bildnisse, Briese, Erstdrucke und eine Totenmaske des Dichters) ausstellen. Im Historischen Museum der Stadt soll die von der Stadtverwaltung erworbene Heinebüste des Bild­hauers Vögele aufgestellt werden. Ferner ist die Ausschmückung von Heines Grab auf dem Montmartre-Friedhof in Paris bot" gesehen.

Gesundes Lachen.

Von Dorothee Goebeler.

Lachen ist gesund sagt ein altes Sprichwort.

Lachen ist etwas unendlich Fröhliches und .kann doch auch etwas unendlich Ernstes sein: die Freude lacht, das Glück bricht in jubelndes Lachen aus. Es lacht aber auch die Torheit, und nicht umsonst sagt ein anderer Spruch: Am vielen Lachen erkennt man den Narren. Man sagt unserer Zeit nach, daß sie gern lacht; sie tut es in der Tat, und es ist zu begreifen, daß sie es tut. Menschen, die den Tag über in harter Arbeit und in Sorgen gehn:, suchen Auslösung in Heiterkeit und Frohsinn. Sie wollen in ihren Feierstunden keine ernsten Probleme wälzen und schwierigen Fragen nachgrübeln, sie wollen sich entspannen; wie kann man das besser als in frohem Lachen?

Auf unseren Bühnen, iu unseren Vortragssälen überall, wo Menschen sich unterhalten wollen, herrsch heute die heitere Muse, leichtgeschürzte Musik, tändelnder Singsang, das Lustspiel, der Schwank, die Posse. Mar hat der Dramen und Tragödien, des Schicksals genug im Alltag, man will nicht auch noch den Feiertag, die Stun den der Erholung damit füllen, vergessen tvill man, lachen und fröhlich sein. Er ist zu verstehen, dieser Hang zum Lachen, und doch fragt man sich mitunter sorgenvoll, ob wir nun damit wirklich auf dem richtigen Wege sind, aus einem Wege, der unserer ganzen ethischen Entwicklung förderlich ist. Es kommt ja nicht nur darauf an, daß man lacht, es ist auch die Frage, worüber man lacht. Ein guter Witz, der die Seele herausreißt aus Betrübnis und Niedergeschlagenheit, ist etwas Köstliches. Wo goldener Humor das Szepter schwingt, müssen die Geister bei Finsternis entweichen. Schweres wird leicht, Dunkelheit wandelt sich in Licht. Aber ist es immer dieser goldene, dieser gesunde H u m o r, der in unsern Vergnügungs stätten regiert? Sage mir, worüber du lachst, und ich will dir sagen, Iver du bist, könnte man ein altes Wort variieren. Es würde mancher und auch manche erschrecken, wenn sie wüßten, als was sie ihr Lachen zeigt und verrät.

Willst du genau erfahret:, was sich ziemt, so frage bei den edlen grauen an" sagt Goethe. Ob er die 4^a Stauen" m des Reibeu derer jucken Lüâ

die sich heute so oft bei recht gewagten Scherzenköstlich amüsieren" und sie mit jubelndem Lachen quittieren? Es liegt auch hier ein Gebiet, auf dem gerade die Frau Kultur fördern, unser Volk zu neuem Aufbau führen kann. Nicht nur auf der Bühne und dem Vor­tragspodium, auch im privaten Leben tritt oft genug ein Humor an sie heran, der schon mehr als derbe genannt werden muß.Ach, sei nur nicht prüde" heißt es Wohl, wenn bann eine entrüstet abwehrt. Und, um nur ja nicht alsrückständig" undveraltet" zu gelten, ist sie beim nächstenmal still. Es steht hier aber doch zuviel auf dem Spiel, als daß man schweigend und immer wieder schweigend an solchen Zeitcrscheinungcn borübergeben kann. Die innerliche Sauberkeit der F a m i l i c , die sittliche Kultur unseres ganzen Volkes bricht hier zusammen. Wenn Ideale, in denen doch schließlich der Menschheit Höchstes liegt, wenn Ehe, Liebe, Treue, Reinheit immer von neuem den: blöden Gelächter preisgegeben werden, hören sie schließlich auf, Ideale zu sein, und auch die Jugend geht mit einem Lachen an ihnen vorüber. Was sich daraus entwickelt, braucht nicht erst gesagt zu werden.

Es ist sehr vielseitig, das Kapitel vom Lachen. Am fröhlichsten und sorglosesten lachen wohl die Kinder. Ein Spielplatz, von dem hell jubelndes Lachen schallt, läßt er nicht auch die ältesten und vergrämtesten Menschen manch mal wieder zu Kindern werden? Wie glücklich lachen die jungen Mädels, immer haben sie etwas zu kichern und sich zuzuflüstern. Wie selig beugt sich die junge Mutter über das Kiud, das ihr die Ärmchen entgegenstreckt, was für ein stillvergnügtes Schmunzeln liegt um des Vaters ernstem Mund, wenn der Junge ein gutes Zeugnis heim brachte. Wie wehmütig lächelt die Alte, die in zitternden Händen die Bilder langverschollener Jugend hält. Es gibt auch ein böses Lachen, es ist das Lachen des Spötters, das hämische Lachen, das alle Schwächen des lieben Sadisten erkennt und mit Hohn begießt. Es hat wohl für einen Augenblick die Lacher mit auf seiner Seite, der innerlich vornehme Mensch wendet sich aber doch bald genug von ihm ab.

Viel schöner das goldene, gesunde Lachen, das aus fröhlichem Herzen kommt, das des Lebens dunkelste Stunden mit Licht erfüllt und alle Kümmernisse und Ver drießlichkeiten mit leichten Händen fortstreichelt. Wohl dem Hause, über dem solch ein Lachen steht, das gütige Lachen der Frau, die in allen Nöten ein Trostwort weiß. Wohl den Kindern, über die eine Mutter mit solchem Lachen wacht. Es ist das Lachen, von dem mit Recht das Sprichwort sagt, daß es gesund macht und gesund erhält.