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Donnerstag, 5. Februar
1931
U. 30
Politische Rundschau
Deutsches Reich.
Die Saarautonmnisten an der Arbeit.
Die Saarautonomisten sind wieder eifrig an der Arbeit, um noch in letzter Stunde mit allen Mitteln die Saarbevölkerung, wenn auch nicht für den Anschluß an Frankreich, so doch für den Gedanken der „Saarauto- noniic" zu gewinnen. Diesem Zweck sollen in erster Linie drei Vereine dienen. Die Vereine nennen sich der „Warndt- Bund", der MerbaÄd der Sanrbergleuie" und der Micümverband Bedsab". Man propagiert den Gedanken, das Saargebiet müsse sich aus wirtschaftlichen Griinden westlich orientieren, weil Deutschlands Markt für die Saarkohle nicht aufnahmefähig sei.
Französisches Geld für die AngesteMenvcxsicheruug.
Die deutsch - französischen Kreditverhandlungen stehen kurz vor dem Abschluß. Da nur noch Formalitäten zu erledigen sind, rechnet man mit einem endgültigen Abschluß Ende dieser, spätestens aber Anfang nächster Woche. Es handelt sich um einen Kredit von 130 Millionen Mark für die Reichsversichernngsanstalt für Angestellte, die dieser Summe benötigt, um die vom Reich erworbenen Reichs- bahnvorzugsaktien zu bezahlen.
Nordamerika
Keine öffentlichen Gelder für Arbeitslose.
Das amerikanische Repräsentantenhaus hatte vor kurzem 100 Millionen Mark für das amerikanische Rote Kreuz zur Unterstützung der Arbeitslosen bewilligt, das Rote Kreuz aber hat sich auf Veranlassung Hoovers geweigert, diese Summe anzunehmen. Präsident Hoover bestèhl in einer Erklärung darauf, daß die Unterstützungs- zelder durch freiwillige Beiträge aufgebracht werden s müssen und nicht aus öffentlichen Geldern genommen werden dürfen. Er erklärt jedoch, daß er bereit sei, den Senat i das Geld bewilligen zu lassen, falls das Rote Kreuz nicht in der Lage sein sollte, genügend Gelder aufzubringen, um [ die Not der Arbeitslosen zu lindern.
Aus In- und Ausland
Berlin. Der Reichspräsident hat dem Gouverneur z. D. [ Exzellenz Schnee zu seinem 60. Geburtstage in einem persön- ■ lichen Schreiben herzliche Glückwünsche übermittelt.
Berlin. Der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. e. h. } Rüder, begab sich zu einer Besichtignngsreise nach Flensburg unb Eckernförde.
Weimar. Der in dem Lohnstreit in der sächsisch-thüringischen Webindustrie gefällte Schiedsspruch ist von den Textil- aibeitergewerkschaften abgelehnt, von den Arbeitgebern angenommen worden. Es wird nun die Verbindlichkeits- nltärung durch den Reichsarbeitsminister beantragt werden.
Hamburg. Der Senat hat Fran Ebert ein Telegramm yesmdy in dem der großen Verdienste ihres verstorbenen Mannes für Volk und Staat gedacht wird.
Kowno. Wie aus Moskau gemeldet wird, ist es trotz der von der persischen und von der russischen Regierung getroffenen MßMpmen gegen die an der russisch-Persischen Grenze ausge- brvchene Pest nicht gelungen, der Epidemie Einhalr zu tun. rer Pest fielen bisher 22 Personen zum Opfer.
Preußens Hilfe für den Osten.
(201. Sitzung.) tt. Berlin, 4. Februar.
. Der Preußische Landtag setzte am Mittwoch die gemein- lame Beratung der Haushalte der Handels- und Gewerbe- Verwaltung und der Porzellanmanufaktur fort.
, Abg. Brunk (Dtn.) hielt es für bemerkenswert, daß auch diejenigen Staatsmänner heute den Young-Plan für n ,urch- juhrbar hielten, die das Volksbegehren leidenschaftlich bekämpft hätten. Handel, Gewerbe und Industrie hätten ein hervorragendes Interesse an der Stärkung des Binnenmarktes und verlangten deshalb die Sanierung der Landwirtschaft durch Annahme des Hugenbergschen Entschuldungsplanes.
Abg. Altegeer (Ztr.) setzte "sich für eine engere Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein. Er forderte Bekämpfung des Zugabeunwefens und Beseitigung des Zu- gabeunwesens für die öffentlichen Betriebe.
Abg. Frau Ludewig (Komm.) behauptete, der deutsche Export sei eine Hungerausfuhr.
aSü Beantwortung einer deutsch-woltsparteilichen Großen Anfrage über
Bahubauten in den östliche» Grenzgebieten
Nwse Min.-Rat Blank aus, daß im Reichsetat unter den Zthllfemitteln zehn Millionen Mark zu Vorarbeiten für Eyenbahnbauten vorgesehen seien. Die Staatsregierung werde M auch weiterhin " für beschleunigte Inangriffnahme der Bnhnbauten mit Nachdruck einsetzen.
Aog. Heidenreich (Dt. Vp.) wünschte intensivere För- L"ung des Kleinbahnwesens und kritisierte die ^"Politik der Banken, die vor allem im Verhältnis zum vattelstand nicht verständlich sèi, weil bcm Mittelstand er- ?wbche Schwierigkeiten bereitet würden, während gerade Krcdte für Großunternehmungen starke Verluste "Ständen.
^ie Beratung wurde dann unterbrochen zur Vornahme
Abstimmungen zu den Haushalren der Landwirtschäfis-, Domänen- und Gestütsvcrwaltung.
_ Angenommen wurde ein Antrag der Deutschen Fraktion, * ?kc Mittel für Schutzwaldungen und Waldgenosscuschaften Mark erhöht. Weiter fand das Ausschußprogramm aahme, das Maßnahmen für die Ostgebiete fordert sowie Senkung der Realsteuern, Ausbau des Schutzes für .Wirtschaftliche Produkte usw. — Beim Domänenhaüshall , ven Anträge angenommen, die in Notfällen eine Stun- 1,0 unb Niederschlagung der Steuern ermög-
kund Niederschlagung der Steuern ermög- Die bei der Siedlungsarbeit verbleibenden Rest Ä möglichst zu BaucrndoinäncN umgtwandèlt werden, ^gebauten und Eiscnbahnaüschlüssc sowie für den Bau Pfunden Landarbeiterwohnungen sollen ausreichende D zur Verfügung gestellt werden.
aW der fortgesetzten allgemeinen Aussprache zur zweiten §Mk des Handelshaushaltes warnte
"Nk. Hridcnrcich (D. Vp.) vor übertriebenen Hoffnungen ZMc allgemeine Herabsetzung der Arbeitszeit von 48 auf milden in der Woche.
taÄ weiterer Beratung des Handelshaushalis sprachen (Dt. Hann.) und Abg. Dr. Zeitlin (Staatsp.), ö« Schinidt-ÄreSlau (WittschaftsPt.) und die Abga. viim.l""uch (Chr.-Svz. Volksd.) und Frau HaNna (Soz.). die Ücu^^ii Preisabbau fordern, um der Wirtschaftskrise zu k Weiterberat.lng Donnerstag.
ArbeiLer und Angestellte
scülirg. (Verkürzung der Arbeitszeit im ^itb ta c 1 M Im Ammoniglwerk Merseburg tLeunawcrc) ließe LMU durchlaufenden Wechselschichtbetrieben die Wöchent- Man "l^tszeit von 4« Stunden auf 42 Stunden veâtzß dadurch Entlassungen vcruretdrn können.
Fft der PersonenWerkehr zeitgemütz?
Der autzervrdemlrch starke und schnelle Aufschwung des Krastwagenverlehrs macht den Bahnbetrieben die Monopolstellung, die sie bisher im Fernverkehrswesen innehatten, mehr und mehr streitig. Die Abwanderung des Publikums zum Kraftwagen macht sich sogar bei der Deutschen Reichsbahngesellschaft recht fühlbar, so daß auch sie damit rechnen und sich umstellen muß.
Welches sind mm wohl die Ursachen dieser starken Vorliebe des Publikums für den Kraftwagen?
Jeder, der einmal einen Personenzug, gleichviel ob auf Voll- oder Nebenbahnen, benutzt hat, kann die Antwort geben und bestätigen, daß die Bahnen bisher dem Fortschritt in keiner Weise Rechnung getragen haben und heute noch Zustände zeigen, wie man sie vor dreißig oder vierzig Jahren gewöhnt war. Noch heute überschreiten die Züge auf den Klein- und Nebenbahnen selten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25—30 Kilometern in der Stunde. Die Wagen sind meist schlecht abgefedert und die Abteile von unbehaglicher Enge.
Die Beleuchtung durch Gas oder Petroleum, in manchen Fällen sogar noch durch Kerzen ist so dürftig, daß es nicht möglich ist, die lange Fahrzeit durch Lektüre zu kürzen. Unter diesen Umständen wird ein stundenlanger Aufenthalt im halbdunklen Eisenbahnabteil als äußerst unangenehm empfunden.
Mit der Beleuchtung hängt auch die Frage der Sicherheit zusammen. So unzulänglich wie die Wagen sind auch die Lokomotiven beleuchtet. Noch vor kurzem wurde ein Autofahrer verurteilt, dessen Wagen an einem Bahnübergang von einem Zuge zertrümmert wurde. Verhandlung und Lokaltermin ergaben, daß die Petroleumlaternen der Lokomotive über zehn Meter hinaus kaum mehr zu erkennen waren. Diese und ähnliche Unfälle ereignen sich fast täglich.
Es ist nun wahrlich an der Zeit, daß die Bahnen sich auf neuzeitlichen Betrieb umstellen und dem Publikum alle zeitgemäße Bequemlichkeit und Sicherheit bieten. Man spreche nicht von schwieriger Wirtschaftslage oder Geldknappheit, die für alle Unternehmen bestehen. Diese
Im Vstterbundsekreiuriai nichts Neuss
Verewigung der englisch- tranzöftfchen
© e t r e t a r ' t a t â b e r r i ch a i t abgele h a r
Im Reformausschuß des Völkerbundes, der von der Voll- Versammlung den Auftrag erhalten baue. Vorschläge für eine grundlegende Umgestaltung der geaenwäll»- gen poliiifchen Rettung des Völkerbundfekierarrals vorzulegen, ist in längeren geheimen Verhandlungen die vom Völkerbundsekrerarrai lebhaft Unterstufe Forderung Frank- reichs Englands und Polens a b g e l e h n i worden nach der der polnifcheDirekior der Sozialobieilung ’Ji a 1 di m a n, sowie der Tueftoi der Rechisabieilung Buero m Unter- generalfefretären ernannt werden sollten Viel bemertt wurde daß hierbei zum ersten Mole ein aemetn- sanier englisch französischer Vorschlag kerne Mehrhen tano und im Ausschuß abgelehni wurde Von neu lieber norwegischer und italienischer Sette ist dieser Vorschlag schar! besä mph worden mit dem Hinweis daß in der aeaenmäruaen allgemeinen wirtschaftlichen Noiloge die mit der Schafsuna zweier neuer Untergeneraliefretäre verbundenen finanziellen Lasten n I d) 1 tragbar seien Eine E>niaung über praftiidie Re- sormvorschlägk rin die polnische Lenunp des Volkerbundfekre- tariais sonnte nichi erzieli werden io daß feitgestelli wurde daß gegen wärllp eine Änderung der Lage nicht möglich sei. Die grundsätzlich seit Jahren von beut- scher Seite erhobene Forderung nach einer Abänderung her acgenwärnp bestehenden unb allein bestimmenden enaliidu französischen Führung des Völkerbundsekretaiiais und Ein- schalrung einer maßgebenden OJbtbciummuna Deuijchlands als ständige Ralsmachi bleibt eine bei Haumauigaben oer weiteren deutschen Völkerbundspoliiil.
Sieuerdenku^aen umerWÜnschi.
Erklärt der Reichsfinanzminister.
Der Steusrausschuß des Reichstages beschäftigte sich mit den Anträgen zum Mineralwassersteuergefstz, zur Aufhebung der erhöhten Umsatzsteuer der Konsumvereine und Warenhäuser, zur Aufhebung der Lohnsteuer und schließlich auch noch mit Anträgen, die die Offenlegung der Stcuerlisten wünschen. Reichsfinänzminister Dietrich betonte, daß die beantragten Ermäßigungen einen
Ausfall von insgesamt 95 Millionen Mark bedeuten würden, wovon 24,5 Millionen auf das Reich und der Rest auf die Länder und Gemeinden entfällt. Die Aushebung der M i n e r a l w a s s c r st e u e r würde 30 Millionen, die Beschränkung der G è m e i n d e g e i r ä n k e st euer auf alkoholische Getränte weitere 3U Millionen, die Aufhebung der erhöhten U m satzsteuer 27 Milliomn und die Befreiung der pasteurisierten Milch von der Umsatzsteuer acht Millionen Mark kosten. Er sehe dabei noch ganz von dem komtnunistischen L o h n st e u e r a n t r a g ab, der einen
Ausfall von vielen Hunderten von MkKmten mit sich bringen würde. Bei der ernsten Finanzlage müsse er dringend davor warnen, noch in diesem Haushaltsjahr Steuersenkungen vorzunehmen.
Entsprechend einem Antrag der hinter der Regierung stehenden Parteien wurde beschlossen, die Beratung des Antrages über die Offenlegung der S t e u e r l i st e n bis zur Vorlegung einer Denkschrift anszujetzen und die Ab- Itimmimg über die übrigen Anträge mit Rücksicht auf die Erklärungen des Ministers zu vertagen.
„Hoffen auf beffere Zeiten."
Der Reichspräsibeni an den Reichslandbund.
Der Retchspräsidenl hat das an ihn gerichtete Telegramm des Reichslandbundes wie folgt beantwortet:
„Haben Sie vielen Dank für bie freuudlicben Gruße von der ReichslUllbbundtagung, ote td! herzlichst erwidere Die Reichsregierung rote ich selbst sind nach wie vor nach besten Kräften bemüh» fede Möglichket» auszunutzen, um die '.Notlage der Landwirtschaft zu be • heben Wir rechnet! hierbei auf taifräfttge Mitarbeit und zielbewußte Selbsthilfe der x'aribnmtfdwh und hoffen puver- sichtlich, durch eine solche Aufâmmeuorveti wieder bessere Zeiren für b t e d e uische L â ndw 1 r < fcd â si zu erreichen gez von Hindenburg, Reichspräsident "
Der Strasantraa im Goldmackerprozeß.
Der Staatsanwalt will Tausend für sechs Jahre einsperren.
Im Münchener Goldntacherprozeß hielt Staatsanwalt Dr. Schäfer sein Plädoyer. Nach 2MfihtbigHt Ausführungen beantragte der Staatsanwalt gegen Tausend eine Gesamtstrafe vo», sechs Jahren Gefängnis, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Datier von fünf Jllhrcn sowie Einziehung des vom Gerichte beschlagnahmten Materials. Ferner beantragte der Staatsanwalt gegen D r. Buaeley wegen Ungebühr eine Geldstrafe von 1000 Mark oder zehn Tage Haft.
Der Slaatsanivalt betonte, daß keine der angeblichen Er- sindungen des Tausend der »vtssenschastlichen Nachprüfung staub* gehalten habe. Nach dem Gutachten der Sachverständigen sei das Gold, das gezeigt worden sei, zweifellos der Schmelzmasse hlnzugesetzl worden.
müssen mit dec heutigen Entwicklung Schritt haften, wenn sie lebensfähig bleiben wollen.
Auch die Bahnen müssen sich nun endlich dazu entschließen, die elektrische Beleuchtung einzuführen und die Lokomotiven mit einem Scheinwerfer zu versehen, wie es von jedem Kraftwagen und von jedem Motorrad gefordert wird. Denn nur so kann der Lokomotivführer die Strecke überblicken und Signale oder etwaige Hindernisse rechtzeitig erkennen, während die Lokomotive in aenügen- oer Entfernung von den Wegebenutzern bemerkt werden kann.
Der wirtschaftliche Vorteil dieser auf der Lokomotive angebrachten Stromquelle besteht in der Möglichkeit, ben ganzen Zug elektrisch zu beleuchten. Es ist also kein weiterer Brennstoff mitzuführen. Kein gefährliches Gas mehr! Keine Erplosions- und Brandgefahren! Helles Licht in den Abteilen, so daß jeder Reisende bequem lesen kann und eine stundenlange Fahrt besser überwindet.
Aber noch andere Klagen werden verstummen. Von derselben Stromquelle können Ventilatoren gespeist werden, wodurch der Aufenthalt in überfüllten Ätzteilen erträglicher wird. Die Wagen können elektrisch geheizt und die elektrische Heizung kann reguliert und je nach Bedarf ein- und ausgeschaüet werden.
Wärmeplatten wärmen Getränke und sorgen für das Wohlbefinden mitreisender Kinder, während elektrische Anzünder in den Rauchabteilen die Bequemlichkeit der Reisenden noch erhöhen.
Alles das sind keine übertriebenen oder unerfüllbaren Zumutungen, sondern allgemeine Errungenschaften der Technik, die heute niemand missen möchte und die sich mit verhältnismäßig geringen Mitteln auch auf den Bahnen einsühren lassen. Die Bahnen müssen aber endlich etwas tun, wenn sie dem Wettbewerb des Kraftwagen- verkehrs erfolgreich entgegentreten wollen. Auch da, wo eine Benutzung des Kraftwagens nicht möglich ist, hat das Publikum einen Anspruch auf menschenwürdige und zeitgemäße Beförderung.
Nah und Fern
O Das Museum der „Lindenwirtin" eröffnet. Am 1. Februar ist in Godesberg ein Museum für die zahl- reichen Erinnerungsstücke, Autogramme, Bilder und Widmungen von „Ännchen", der Godesberger Lindenwirtin, eröffnet worden. Das unmittelbar am Fuße der Godes- burg neben dem Wohnhause der Lindenwirtin errichtete ,Mnnchenheim" wird nach dem Tode der Besitzerin von der Stadt Godesberg verwaltet werden.
O Eine Mutter und ihre Kinder überfahren. In Breslau ereignete sich ein furchtbarer Perkehrsunfall. Eine etwa 40jährige Frau war mit ihren beiden sechs und acht Jahre alten Kindern im Scheitniger Park spazierengegangen und wollte dort über die Straßenbahngleise gehen. Dabei wurde sie von einem Straßenbahnzug erfaßt und mit den Kindern fast 40 Meter weit mftgeschleift. Im Krankenhause sind die beiden Kinder gleich nach der Einlieferung gestorben, die Mutter liegt hoffnungslos danieder.
0 Der ungarische Raubmörder Ambros hingerichtet. In Fünfkirchen wurde der gewesene Gendarmeriewacht- meifier Stephan Ambros, der in Szalanta einen Doppel- raubmord verübt hatte und zum Tode durch den Strang verurteilt worden war, hingerichtet. Der Mörder blieb bis zur letzten Sekunde ruhig. Als der Strick bereits um seinen Hals gelegt war, sagte Ambros mit klarer Stimme: „Lebt wohl!" Der Hinrichtung wohnten etwa 100 Menschen bei.
0 „Do X" voraussichtlich einen Monat flugunfähig. Nach Meldungen ans Las Palmas ist die Beschädigung des Flugschiffes „Do X" schwerer, als man zuerst angenommen hatte. Es wird eine gründliche Überholung des ganzen Schiffes notwendig sein. Die Flngleitnng ist der Ansicht, daß ein ganzer Monat für die Wiederinstandsetzungen notwendig sein dürfte.
0 James Rahl will Schmeling aus Amerika ausweisen lassen. Der deutsche Weltmeister Mar Schmeling wurde im Hotel Commodore in Ncwvork von einem Mann belästigt, den er darauf etwas unsanft aus dem Hotel wies. Es handelt sich um den lsijährigen Bureaugehilsen James Rahl, der im Auftrage eines Rechtsanwaltes Schmeling eine Zahlungsaufforderung überbringen sollte. Rahl will Schmeling wegen dieses Vorfalles" auf Schadenersatz in Höhe von 30 000 Dollar verklagen und in Washingwn die Ausweisung des Weltmeisters aus ^Amerika beantragen. „Die „Anti-Schmelina-Prefle" hat den harmlosen Zwischenfall in der wildesten Weise aufgebanscht.
0 28 Mann am Galgen. Die Stadt Menemen in der Türkei war der Schauplatz einer furchtbaren Justiz. 28 Angeklagte, die in dem Prozeß wegen der Derwischrevolte zum Tode durch den Strang verurteilt worden waren, wurden gehängt. Das Kriegsgericht hatte 32 Galgen an verschiedenen Stellen der Stadt errichten lassen. Die “ Nationalversammlung in Angora bestätigte aber „nur" 28 Todesurteile. Pier Verurteilte wurden zu langen Kerkerstrafen begnadigt.
Zehn Verletzte bei einem Eisenbahnunfall in Belgiers.
Brüssel Bei M onS ereignete sich ein Elfenbahnunfall, bei dem zehn Reisende verletz! wurden Als ein Bcrfonenjug aus dem Bahnboi ausiahcen roofite, wurve et von einer Lokomotive von hinten an gefahren.
Wahlen in Spanten am I März.
Madrid. Durch töntglidie Verordnung sind die Wahlen zur Cortes aus den 1 Mär, festgesetzt worden Sie Sozialdemokraten beschlossen, bet den kommenden Wahlen »ch der Stimmabgabe zu enthalten. Der Beschluß wnrvc mit 50 gegen 4 Stimmen angenommen — Tei vor einiger Zeit über den Militärbezirk Saragossa verhäng« Kriegszustand wurde aufgehoben.
Wett und Wissen
w. Arvekten und nicht verzweifeln! Dor fünfzig Jahren, am 5. Februar 1881. starb in London der große Sozialethiker unb Geschichtsschreiber Thomas Carlple, bessert Hauptwerke: „Geschichte der Französischen Revoltttion", „Reden und Briefe Cromwells" und „Das Leben Friedrichs des Grotzeit" noch heute nichts an literarischer und geschichtswiffènschaftlicher Be- dcutung verloren haben. Unvergänglich sind Carlvles Verdienste um bie Verbreitung deutscher Literatur i n E il g l a n d : er hat ein „Leben Schillers" veröffentlicht, eine Übersetzung von, Goethes „Wilhclin SNeiftcr" hcraus- aegcben und die,er Übersetzung eine „Sammlung von deutschen ErZöhlungen" folgen lassen. Von Carlyle stammt das immer wieder und gerade in unseren schweren Zeiten viel zitierte Wort „Arbeiten und nicht verzweifeln". Nur wenige aber dürften wissen, daß auch dieses Wort auf Earltzlcs große Bewunderung für Goethe zuruckzuführen ist.