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Nr. 28 1931

Fulda, Dienstag, 3. Februar

8 Jahrgang

Heerschau derGrünen Front".

Der Kampfruf.

Der Neichslandbund zu Politik und Wirtschaft.

Unter einem Andrang, der an die alten Zeiten der Zolltarifkämpfe des Bundes der Landwirte erinnert, wurde im Zirkus Busch die 10. R e i ch s l a n d b u n d * tagung eröffnet. Daß die wohlberechnete Demon­stration des Einmarsches der Junglandbundbanner mit schwarzen Trauerfloren der allgemeinen Stim­mung der Versammlung entsprach, erwies sich gleich bei der Eröffnung durch den Präsidenten Lind. Ter hessische Kleinbauer und Dorfbürgermeister findet aus vollstem Eigenerleben heraus den richtigen Ton, der in diesem Kreise seiner Berufsgenossen Widerhall findet, wenn er der Reichspolitik vorwirft, sie seizu einer von der Rück­sicht auf die Straße diktierten Preispolitik" geworden, und wenn er zu einer Wiederherstellung der Wehrhaftigkeit aufruft, damit das Vaterland wieder frei werde und der Landwirt kein Zinsenknecht bliebe. Der zweite Präsident, Graf von Kalckreutb. ging ausführlich die gesamte

Wirtschaftspolitik des Kabinettes durch und erntete den lautesten Beifall, als er zur Begründung des Margarine- deklarationszwanges mit breitem Humor über die Vornehmheit spottet, welche sich über die altväterliche Margarinestulle erhaben dünkt, aber Walfischtran mit Sojabohnenöl als neuen Gipfelpunkt der Ernährungs- mltur genießt. Als brandenburgischer Sandbauer be- schwor der dritte Präsident Bethge das Andenken ^osickes und forderte Kampf gegen diese Neichsregierung, âkkehr zur Bismarck-Politik und Schaffung eines neuen atelches. Nach dem Schluß der offiziellen Reden mußte auf allgemeines Verlangen der deutschnationale Reichs­lagsabgeordnete von Oldenburg-Januschau an oer Stätte sprechen, wo er früher so große Triumphe er­rungen hat. Er bekannte sich unter stürmischem Beifall als unwandelbarer R 0 y a l i st, sagte der Futterkrippen- wlrtschaft Kampf bis zum letzten Atemzuge an und er­warte, daß nur eine starke Rechte die Landwirtschaft vor Verzweiflung retten könne.

Eine Entschließung, die nicht zur Verlesung und Abstimmung gestellt wurde, sondern stillschweigend ^angenommen galt, verlangt sofortige wirksame Hilfe insbesondere für die Veredelungswirtschast, für Roggen und Kartoffeln usw., spricht der Neichsregierung tiefstes Wißtrauen aus und fordert von den Landbundmitglie- oern sestgeschlossene Einmütigkeit.

Kampfstimmung im Landbund.

In seinem Hauptreferat führte Graf v. Kalckreutb folaeu- des aus: Zehn Monate seien seit dem Tage der Osterbotschast des Reichspräsidenten verflossen. Das Kabinett B r ü n i n g habe manches für die Erhaltung der deutschen Landwrrtschaft ?"an; aber der Erfolg sei ihm versagt geblieben. Mit Be­dauern wies Graf von Kalckreuth darauf hin, daß

der Reichsverband der deutschen Industrie

ln den letzten Wochen kein Mittel unversucht gelassen habe der Landwirtschaft bei der Schaffung der praktischen Vorbedm- Hungen auf die Wiedererlangung der landwirtschaftlichen Reu- ^bilität Steine auf den Weg zur Rettung zu legen, ^n der -.lachinflationszcit seien im reinen Jndustrleexportinteresse

Reihe von Handelsverträgen abgeschlossen'wor- °cn, die gerade die intensivste Form deutscher Landwrrtfchast, Gemüse-, Garten- und Obstbau sowie die Geflügelwirt- Maft, der Schleudereinfuhr des Auslandes preisgäben. Nur o^stch Lösung dieser Bindungen sei es möglich, Wirksamen Schutz zu schaffen. Daher müsse auch der soge- «annte Genfer Zollfrieden, der versuche, diese unhaltbaren puiiänbe zu stabilisieren, ebenso wie der polnische Handels­vertrag von Deutschland abgelehnt werden.

... Neben der Notwendigkeit der Rückdrängung der aus Indischen Lebensmitteleinfuhr stehe die Rotwendigkett, einen âusgleich zu schaffen zwischen Angebot und Nachfrage

deutscher Waren auf deutschem Markt.

Zlch hier seien die Maßnahmen der Negierung völlig unzu- Wenbe Wege gegangen oder hätten die vorhandenen Mog- WeUen überhaupt ungenutzt gelassen. Man werfe der Land- Ortschaft vor, daß sie ohne Rücksicht auf die Notlage des Zolles Preise fordere, die in einem völligen

Mißverhältnis zu den Agrarpreisen im Auslande Handen. Die Landwirtschaft erhalte aber für die von ihr aus Z^ Markt gebrachten Waren nur etwa 10 bis 11 Milliarden j während der Verbraucher für dieselben Waren 25 Mi 13 itarben Mark zahle. In dieser una.cßeuren Sävanne

lägen noch starke Verbilligungsmöglichreuen, die tm Interesse der armen Schichten ausgewertet werden könnten. Selbst­verständlich sei die Wiederherstellung der landwirtschaftlichen Rentabilität nicht lediglich durch Erhöhung der Ein­nahmen, sondern auch durch Senkung der unerträglich hoch gewordenen zwangsläufigen Ausgaben zu erstreben.

Die Steuern und Lasten, welche heute die Landwirtschaft in ungleich höherem Verhält­nis, besonders in Form von Grundsteuern, Schul- und Wege­baulasten zu zahlen habe, müßten auf ein erträgliches Maß gesenkt werden. Auch auf diesem Gebiet sei bisher nichts Durchgreifendes geschehen. Nicht einmal für den notlei­denden Osten sei eine generelle Lastensenkung und das vom Neichslandbund geforderte Steuernotjahr durchgeführt morden. Die in dem Ostüilfeaesetz vorgesehenen Einzelbetriebs- beihilfen seien ein Herd der Korruption. Der Reichslandbund sei der Auffassung, daß die Kontrolle und Durchführung der Umschuldung lediglich in die Hand des Berufs st andes gelegt werden müsse. Jedes Osthilfegesetz aber bedeute einen Schlag ins Wasser und Vergeudung von Mitteln der Allge­meinheit, wenn es nicht von grundlegenden Maßnahmen zur Wiederherstellung der landwirtschaftlichen Rentabilität be­gleitet werde.

Vier große Aufgaben

müßten sofort der Lösung entgegengeführt werden, wenn nicht Deutschland rettungslos der völligen Katastrophe eutgegen- treiben solle: 1. Rettung der Landwirtschaft vor dem völligen Erliegen. 2. Befreiung der deutschen Wirtschaft von den Fesseln des Uouug-Plancs. 3. Abbau der die Hälfte des Arbeitsverdienstes des deutschen Volkes auszehrenden Aus­gaben der öffentlichen Hand. 4. Umstellung der gesamten sozialen Fürsorge aus ihrer heutigen Form.

Die Regierung Brünstig habe es bisher nicht verstanden, sich aus parteipolitischen Fesseln zu lösen, obwohl die Form ihrer Berufung durch den Reichspräsidenten ihr die Handhabe dazu geboten habe. Sie habe es auch nicht ver­stand, nach den Wahlen vom 14. September die

stark auflodernde nationale Bewegung

31t erfassen und in ihr eine Stütze für notwendige, aber zwangsläufig unpopuläre Gesundungsmaßnahmen zu suchen. Der Neichslandbund werde seinen Kampf um die Rettung der Landwirtschaft und damit die Rettung des deutschen Volkes ohne B.indung an Parteien durchführen. Angesichts der starken Kräfte, die sich entgegenstellten, werde dieser Kampf ungeheuer schwer sein und nicht von heute auf morgen zum vollen Erfolg führen. Heute dürfe die neue Aufgabe der produktiven Umstellung und der systematischen Absatzregelung nur dann mit voller Kraft von der Landwirtschaft ausgenom­men werden, wenn ihr die geforderten Sicherheiten geboten seien. Zur Erhaltung seines Betriebes aber werde auch jeder Landwirt, der seine Kreditmöglichkeiten erschöpft sehe, sich, ehe er sich

der letzten Barmittel durch Steuerzahlung beraube, die Frage vorlegen müssen, ob er dann auch noch die zur Fort­führung seiner Wirtschaft notwendigen Barmittel bis zur neuen Ernte sicherstellen könne.

Wenn nicht, dann sei cs Pflicht jedes Landwirtes, im Rahmen der gesetzlich zulässigen Mittel alle Hebel anzusetzen, um nicht durch Steuerzahlung sich der Möglichkeiten der Er­haltung seines Betriebes zu begeben. Die Erhaltung der Produktionsfähigkeit der Scholle sei heute die wichtigste Pflicht des Landwirts dem Vaterland gegenüber.

In seiner Schlußansprache stellte der Präsident deS Reichs­landbundes, Bauernhofbesitzer Bethge, fest, daß der Kampf­block des Reichslandbundes nötiger denn je sei, Parteihader dürfe ihn nie zürn Erliegen bringen. Der Neichslandbund bleibe außerhalb der Parteien.

Präsident Bethge schloß mit dem Kampfaufruf an die deutsche Landwirtschaft:Fort mit diesem System! Kamps dieser Neichsregierung! Zurück zur Bismarck-Politik, zu einer Politik der Bodenständigkeit! Der alte preußische Grundsatz Jedem das Seine" muß wieder zu Ehren kommen!"

Die Märzbotschaft gab neuen Mut.

Die Präsidenten des Reichslandb undes haben an den Reichspräsidenten vonHindenburg folgendes

Telegramm gerichtet:

Tausende von Landwirten aus allen Teilen des Reiches entbieten ihrem Ehrenmitglied ehrfurchtsvolle Grüße. Sie halten fest an der Märzbotschaft, die neuen Mut gab, und erhoffen in jetziger größter Not sofortige Einlösung des Auftrages des Reichspräsidenten."

Schweres

Erdbeben auf Neuseeland.

Grohe Verluste an Menschenleben?

Wellington (Neuseeland), 3. Februar.

Heute vormittag ereignete sich ein heftiges Erdbeben. Zm Hawkes-Vaq-Vezirk wurden eine Anzahl Brücken und Viadukte schwer beschädigt. Der Meeresboden bei Napier senkte sich, die Northumberland" und andere Dampfer find deshalb auf das offene Meer hinauegefahren. Eine Anzahl Oeltanks in Napier stehen in Flammen. Die Telegraphenlinien find zerstört. Die vorliegenden Nachrichten find sehr spärlich und treffen nur auf drahtlosem Wege ein.

Eine drahtlose Meldung der KriegsschaluppeVeronica", die vor Napier liegt, besagt: Es ist zu befürchten, daß es in Napier schwere Verluste an Menschenleben ge­geben hat. Nahezu jedes Steingebäude in Napier ist zerstört: große Feuersbrünste sind ausgebrochen. Zweifellos find viele Menschenleben zu beklagen. Mehrere Kriegsschiffe mit Aerzten, Krankenpflegerinnen und Verbandmaterial sind von Auckland nach Napier an See gegangen. Es wird befürchtet, daß Tausende von Einwohnern obdachlos sind.

Aus Sidney (Australien) wird gemeldet: Im hiesigen River- View-Qbservatorium wurden heute früh Erdstöße von f u r dj t * b»r»r Stisr? ^ MvzsiKuAtz, irrte- Re M- W IX IM 1806

Das Versprechen des Reichspräsidenten beim Besuch derGrünen Woche".

Bei seinem Besuch wurde Reichspräsident von Hinden­burg vom Neichsernährungsminister, Dr. e. h. Schiele, empfangen und mit folgenden Worten begrüßt:Die ge­samte deutsche Landwirtschaft begrüßt Sie an der Schwelle der 6. Grünen Woche und dankt dem Herrn Reichspräsi­denten aufrichtig für feinen persönlichen Besuch. Tie deutsche Landwirtschaft erblickt darin erneut den Beweis des wärmsten und regsten Interesses des Herrn Reichs­präsidenten an dem Geschick des so schwer geprüften Be- russtta '3.

Die deutsche Landwirtschaft hat das Be brauen zu dem Reichspräsidenten, daß er mit allen ihm zu Gebote stehen­de« und durchführbaren Mitteln dieses Geschick zum Besten zu wenden bemüht ist." Reichspräsident von Hindenbura antwortete darauf:Das verspreche ich Ihnen."

Neichslandbund gegen Negierung.

Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat eine Be­ratung abgehalten, in der eine Entschließung angenommen wurde, die eine

Kampfansage gegen die gesamte Reichsregierung einschließlich des Reichsernährungsministers Schiele,

der bis vor kurzem der erklärte Führer des Reichslandbundes war, enthält. In der Entschließung wird zunächst daraus hin­gewiesen, daß sich die Lage der Landwirtschaft von Monat zu Monat verschlechtert habe. Es heißt u. a.:Ins­besondere vermissen wir jedes Verständnis und die erforderliche rasche Hilfeleistung für den wirtschaftlich zusammenbrechenden und damit nationalpolitisch gefährdeten deutschen Osten." Die Reichsregierung hat durch ihr Versagen das

deutsche Landvolk aufs schwerste enttäuscht

und tiefstes Mißtrauen erweckt. Die Landwirtschaft hat ein umfaffendes Sanierungsprogramm vorgelegt. Der Reichs­landbund kämpft um eine Rerchsleitung. die sich frei macht von den bisherigen schädigenden Einflüssen und Abhängigkeiten, und

fordert den Rücktritt einer Regierung, die nicht sofort und ungeschmälert diese Forderung zur Tat macht

nicht wahrgenommen wurden. Die Stöße begannen um 8.51 Uhr morgens und dauerten zwei Stunden lang. Es kann sich offen­bar nur um das Erdbeben in Neuseeland handeln. Drahtlose Berichte von Schiffen bestätigen, daß auf der Nordinsel von Neuseeland schwerer Schaden angerichtet wurde, besonders in der Umgegend von Napier.

Die ersten Berlustzifsern.

Die ersten Angaben über die Verluste an Menschenleben, die das schwere Erdbeben gefordert hat, sind nunmehr eingegangen. Im ganzen sind bisher 24 Todesfälle gemeldet. Es handelt sich dabei natürlich nur um T e i l m e l d u n g e n. Die Stadt Hastings steht in Flammen. Sie ist zur Hälfte zerstört. Aus anderen Städten liegen ähnlich beunruhigende Nach­richten vor.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Der Auswärtige Ausschuß beschäftigte sich mit der Tagung des Völkerbundrates, über die Slutzeuminister Dr. Curtius Be­richt erstattete.

Nach Ivjähriger unschuldig verbüßter Zuchthausstrafe ist jetzt im Kreise Köthe» ein zu läusjä^kechrm Hrchthmrs Mr- urtMtsr fteigelaffen word»«.