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Alr. 27 — 1931
Fulda, Montag, 2. Februar
8. Jahrgang
„Do X" über dein Atlantik.
Keüerslug von „Do X" nach Südamerika.
Zunächst von Lissabon nach Las Palmas.
Das deutsche Flugschiff „Do X" ist zum Etappenslug nach Südamerika gestartet. Das Flußschiff wird Las Palmas auf den Kanarischen Inseln anstcuern, um von dort zu den Kapverdischen Inseln weiterzufliegen, nw bei Porto Praya gewassert werden soll. Eon den Kapverdischen Inseln soll „Do X" möglichst direkt noch Port Natal (Brasilien) fliegen, von wo aus der Flug nach Mittel- und Nordamerika fortgesetzt werden soll.
An Bord des Flugschisfes befinden sich der deutsche Geschäftsträger in Lissabon zusammen mit Admiral Coutinho, die Kapitän Christiansen im Namen der Besatzung begrüßt hatte. „Do X" erhob sich beim Start glatt in die Luft, um schnell den Blicken der zahlreichen Zuschauer zu entschwinden.
Der Etappenflug begann am 5. November von Friedrichshafen aus und mußte Ende November wegen Brandes der linken Tragfläche im Hafen von Lissabon unterbrochen werden.
Die geplante Flugroute von „Do X".
Landung in Las Palmas.
2 3 0 Kilometer in der St u n de.
Das Flugschiff „Do X" hat die Kanarischen Inseln erreicht und ist in Las Palmas glatt gewassert. Der „Do X" hat die etwa 1500 Kilometer lange Strecke in 6^ Stunden zurückgelegt und somit die außerordentlich gute Durchschnittsgeschwindigkeit von 230 Kilometern in der Stunde erreicht.
Aburteilung der polnischen „Verflieger".
Der schlechte Kompaß und die verletzte Luftgrenze.
^ In Oppeln begann der Prozeß gegen die polnischen Sieger Wolf und I m i e l a, die am 9. Januar, dem Tage des Neichskanzlerbesuches, in Oppeln gelandet sind.
Die Anklage stützt sich auf Verletzung der Patz und Luft- lahrtbestimmungen. Die polnischen Flieger sind
in Uniform erschienen
Als erster wird der Angeklagte Feldwebelpilot Wolf aus Krakau vernommen. Er schildert zunächst seinen Werdegang, bon 1914—1918 diente er in der de utsche 11 A r mee und war von 1915 bis Kriegsende in Galizien und an der West Want als Jagdflieger. Dann nahm er bei der Armee des Grafen von der Goltz an den Kämpfen gegen die Bolschewisten tei*. Nach der Abtretung Ostoberschlesieus blieb er in Polen Wd trat 1927 als Flieger in die polnische Mmee ein. Der Angeklagte erklärte dann weiter, daß er sich am 9. Januar "erslogen habe. Die Frage, ob er gewußt habe, daß
an jenem Tage der Reichskanzler in Oppeln gewesen sei, verneint der Angeklagte. Es folgte die Ver Warnung des zweiten Angeklagten, deS Sergeanten Imiela. ^«nelas Kompaß soll nicht in Ordnung gewesen sein, er sei
blindlings seinem Vorgesetzten Wulf gefolgt
>>nb im übrigen bestreitet er ebenso wie Wolf jegliche Schuld.
Im weiteren Verlaus des Prozesses beantragte der. Staats °"walt gegen den Angeklagten Imiela F r e i s p r u ch, gegen «en Hauptangeklagten Wolf jedoch, der bedeutend sahrläjpger gehandelt habe, 14 Tage Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft verbüßt sein sollen.
Nach dreiviertelstündiger Beratung verfüubete bet Vor- Uccnbe folgendes Urteil: „
, . Der Angeklagte Imiela wird aus Kosten der »taalökassc ^gesprochen. Der Angeklagte Wolf wird wegen Paswer gehens zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Die »träfe werd durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt er soweit Verurteilung erfolgte, fallen die Kosten des ^Uahrrns dem Angeklagten Wolf zur Last.
7000 Kitomeier in 70 Flugstunden.
E l l i Bei nh 0 rn am Zie l ihres Afrika fl ug es.
Die deutsche Afrikaflicgcrin Elli Beinhorn traf in Bolamn (Portugiesisch-Guinca) ein und hat damit ihr vor- geuolninenes Ziel erreicht. Auf dem Flugplatz hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden und der deutsche Konsul empfing die Fliegerin mit herzlichen Worten. Bon Berlin, wo sie am 4. Januar früh morgens startete, hat sie die über 7000 Kilometer lange Strecke in knavp 70 Flugstunden durchflogen. Der Flug ist sportlich ausiec- ordenttich hoch zu werten, da die Strecke über unwegsamste Wüste und über Gebiete ging, in denen Notlandungen zum Verlust des Flugzeuges oder sogar des Lebens der Fliegerin geführt hätten.
Elli Beinhorn wird erst am 10. Februar von den beiden Forschern Bernatzik und Professor Struck erwartet, ivorauf die Forschertätigkeil unter Einsatz des Flugzeuges beginnt. Das Flugzeug wird nunmehr durch Unterbau eines Schwimmergestells in ein W a s s e r f l u g z e u g limgewandelt, damit die Vissagosinseln, die der Küste vorgelagert sind, erforscht werden können. Der Aufenthalt der Fliegerin bei der Erpedition wird ungefähr zwei Monate betragen.
Der Rieger vorr Tsmqia^
Gunter Plüschow im Feuerland abgestürzt und getötet.
Gunter Plüschow, der „Flieger von Tsingtau* ist bei einem oluge über dem Feuerland mit dem Flugzeug a b g e ft ü r 3 1 undget 0 tet worden. Mu ihm soll auch sein BeglMcr, dessen Name noch nicht bekannt ist, ums Leben getont men sein.
Gunter Plüschow ist in der ganzen Welt als der „Flieger von Tsingtaus bekannt. Beim Ausbruch des Krieges war er der einzige Flieger in der von den Japanern belagerteir Zeitung Tsingtau. Er leistete dem heldenmütigen Widerstand der kleinen deutschen Schar wertvollste Ausklärungsdicnste. Kurz vor dem Fall der Festung verließ er aus Befehl des Gouverneurc- auf dem Luftwege Tsingtau und landere plan» mäßig in Hai-Dschou in der Provinz Kiangsu über Amerika und England und nach einer abenteuerlichen Flucht aus einem englischen Gefangenenlager gelangte ei schließlich nach Deutschland, wo er Kommandeur einer Marineslwgerstarion im Osten wurde. Nach dem Kriege unternahm Plüschow mehrere For- schungsfahrlen nach Südamerika. Im Feuerland drehte er den bekannten Film „Silberkondor über Feuerland". Im Vorjahre trat er eine neue Expedition nach Patagonien, dem „Land seiner Sehnsucht", an.
Wie Plüschow Verunglückte.
Nach einer Meldung der „La Prensa" aus Rio Gallegos ereignete sich der Unglücksfall, bei dem Plüschow und Dreblow ums Leben kamen, über fast u n b e w 0 h n t e n Gegenden am Ufer des Argentinosees. Von V i e h h i r t e n wurde beobachtet, wie das Flugzeug über dem See in der Luft zu schaukeln begann und sich im Steilflug aus die Oberfläche hcrniedersenkte. Kltrz bevor das Flugzeug die Wasserfläche berührte, sprangen die beiden Flieger ab und schlugen auf die Oberfläche aus. Die Fallschirme, die sie umgetan hatten, haben sich nicht geöffnet. Das Flugzeug liegt in der unmittelbaren Nähe des Ufers und schaut mit einem Teil seiner Flügel aus dem Wasser heraus.
Urteilsbegründung.
In der Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende, daß das Gericht nur zu prüfen hatte, ob eine st r a j b a r e H a n d l u n g vorliege ober nicht. ohne Rücksicht aus irgendwelche politischen Momente. Es sei zweifelsfrei festgestellt, daß Wolf als Führerpilot fahrlässig die deutsche Grenze überflogen habe. Er hätte bereits notlanden müssen, als er bei Scala, 30 Kilometer nördlich von Krakau, bemerkte, daß er sich verflogen hatte. Als strafverschärfend sei berücksichtigt worden, daß die zahlreichen Grenzverletzungen durch polnische Flieger in der letzten Zeit
eine Verschlechterung der deutsch polnischen Beziehungen zur Folge gehabt hätten. In dem Oppelner Theater- prozeß fei seinerzeit auch den d e» , j ch e n Angeklagten der Umstand, daß die damaligen Vorfälle zur Verschlechterung der deutsch-polnischen Beziehungen beigetragen hätten, straf erschwerend angerechnet worden. Das Gericht habe daher auch in diesem Falle gegenüber den polnischen Angeklagten von ähnlichen Erwägungen ausgehen müssen. Die Angeklagten mürben sofort auf freien Fuß gesetzt.
Ei« deutscher Rieger in Pole« «olgeloudet.
Unerhörte polnische Drohung.
Wie die halbamtliche Warschauer Agentur Preß aus Posen meldet, ist der deutsche Flieger Hans K i u f e bet W 0 llstein südwestlich von Posen unweit der deutsche» Grenze auf polnisches Gebiet gela n d e l Der Flieger wurde von den polnischen Grenzbehörden festgenommen, und von beni zuständigen Ortskommando verhört. Er gab an, von Schneidemühl nach Breslau gestartete zu sein. Die Agentui bemerkt hierzu: Es ist anzunehmen, daß die Behörden i h r V e r h a l i e u d e nr deutschen Flieger gegenüber von dem Urteil, das gegen die polnischen Flieger in Oppeln gefällt werden wird, ab hü ngig machen werden. Die Nachricht hat in Berlin große Erregung hervorgerufen
„Das Recht der Vergeltung."
Anläßlich der Notlandung eines deutschen Fliegers in Polen ist die polnische Presse beinahe außer sich vor Freude darüber, daß gerade am Vortage des Prozesses gegen die polnischen Militärflieger in Oppeln ein deutscher Flieger auf polnischem Gebiet notlandete. Das maßgebendste Regierungsblatt will schon wissen, daß der deutsche Flieger Kruse Mitglied des „Stahlhelms" sei. Seine Freude über die Notlandung bekundet das polnische Blatt schon in der Überschrift »Das Recht der Vergeltung". Eine andere Zeitung erklärt, der bei dem Flieger gefundene photographische A p p a r a t berechtigt zu der Annahme, daß das Überfliegen polnischen Gebietes nicht unabsichtlich gewesen sei. Kruse sei Reserveoffizier und Mitglied eines Flugfportvereins. Sein zweisitziges Flugzeug könne sehr leicht für Militärzwecke umgebant werden.
Entgegen diesen Behauptungen kann festgestellt werden: Gruse (er schreibt sich Gruse, nicht Kruse) ist n i ch t Reserveoffizier, denn er ist erst 23 Jahre alt, ferner ist er nicht Mitglied des Stahlhelms. Sein photographischer Apparat ist ein einfacher Apparat, mit dem in der Luft gar keine Aufnahmen gemacht werden können. Gruse hat nicht die Absicht gehabt, den Korridor zu überfliegen. Die Behauptung, daß sich sein Flugzeug leicht zu einem Militärflugzeug „umbauen" lasse, ist natürlich eine ebenso böswillige Erfindung. Mit dem gleichen Rechte ließe sich jedes beliebige andere Verkehrsmittel für militärische Zwecke „umbauen".
Im übrigen besteht ein deutsch-polnisches Lustabkommen, das für unabsichtliche oder notgedrungene Grenzverletzung Straflosigkeit zusichert. Dies bezieht sich natürlich nur auf Zivil fließet. Die Festhal hing des deutschen Fliegers und die Beschlagnahme der Maschine stellt sich demnach also als polnischer Gewaltakt heraus.
HaushaTtsausschuß des Reichstages.
Antrag zur Entschuldung der Landwirtschaft.
Der Haushallsausschuß ves Reichstages nahm die Abstim- nmngen zum Etat des Reichsernährungsministeriums vor. Zum Schluß stellt Abg. Dr Ouaatz (Dtn.i einen Antrag
fünfzig Millionen Mark als erste Rate für die Entschuldung der Landwirtschaft
bereitzusteüen, indem er auf die Hugcnbergfche Gesetzentwürfe hinwies. Es bestehe die Gefahr, daß bu Beratung und Verabschiedung dieser Notgesetze durch erneute Vertagung deS Reichstages verhindert werde Deshalb sei der Antrag dringlich. Die Mittel aus der Industriebelastung seien durch den Etat festgelegt. Deshalb müßte endlich ein fürs erste ausreichender Betrag in den Etat eingestellt werden. Ter Antrag des Abg. Dr. Quaatz (Dtn.i wird in der Minwochsitzung behandelt werden.
Der Haushaltsausschuß des Reichstages beriet den Haushalt für Versorgung und Ruhegehälter. Von dem ^Berichterstatter, dem deutschnationalen Abgeordneten Laverrenz, wurde erklärt, die Zahl der Empfänger von Kriegs- beschädigtenrenten. die in diesem Jahre noch 840 000 betrage, werde
in beu nächsten Jahren sinken, namentlich auf Grund der Bestimmungen der Notverordnung. 1940 werde sich diese Zahl auf 770 000 verringert haben. Eine Umrechnung unter Berücksichtigung des Kursstandes zeige, daß das verarmte Deutschland trotz seiner Tributlasten im Durchschnitt
für den einzelnen Geschädigten meßt aufwende als Frankreich.
Annahme fand eine sozialdemokratische Entschließung, die die Reichsregierung ersucht, zu prüfen, inwieweit bedürftigen Kriegereltern auch nach Ablauf der im Retchsversor- gungsgcsetz genannten Fristen an Stelle der Elternrente
laufende Beihilfen oder Unterstützungen
gewährt werden können. Eine weitere angenommene Entschließung ersucht die Reichsregierung, die Vorschriften für die Befreiung von der Kranken- und Verordnungsscheingebühr auf alle Schwerkriegsbeschädigten auszudehnen.
Der Ausschuß vertagte sich dann auf Mittwoch zur Erledigung der Reste des Landwirtschaftshaushalts.
„Die Svllverânitäl der Eachlennlnis."
Eine Rede des nationalsozialistischen Abgeordneten Feder.
In Oldenburg sprach der nationalsozialistische Abgeordnete Feder. Bei Neuwahlen würden die Nationalsozialisten m t h • d e st ens 200 M a n b a t e erhalten. Den neuen Reichspräsidenten bestimmten einzig und allein die Nationalsozialisten. Die nächste Rcgicrungsbildung in Deutschland werde nur durch ein Zusammengehen von Zentrum und Nationalsozialisten möglich sein. Feder beschäftigte sich dann mit dem „Drittel, N c ich". Die Nationalsozialisten setzten als Staatsgrundgesetz an die Stelle der aablemnäßigen Mehrheit die Souveränität der Sachkenntnis Die Nationalsozialisten bestünden unbedingt aus Anerkennung und Schutz 'des Privateigentums.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Das Reichskabinett begann die abschließenden Besprechungen über das Osthilscgesetz.
* Das Flugboot Do X hat auf seinem Fluge nach Südamerika die Kanarischen Inseln erreicht.
* In Oppeln fand der Prozeß gegen die beiden polnischen Flieger statt, die bei dem Besuch des Reichskanzlers in Ober» fliesten die Grenze überflogen.
* Der als der „Flieger von Tsingtau" bekannte deutsche Stierer Günter Plüschon ist über dem Feuerland tödlich ab»