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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 26 1931

Fulda, Samstag, 31. Januar

8. Jahrgang

Die große Landwirtschafts-Schau in Berlin.

Beginn derGrünen Woche".

Berlin, 31. Januar.

(Eigene Funkmeldung.)

Zn Gegenwart von nahezu 1500 Ehrengästen wurde heute in der Ausstellungsstadt Kaiserdamm die grosse landwirt­schaftliche Schau der6. Grünen Woche Berlin" eröffnet. Hans Jürgen von Hake vom Ausstellungs-, Metz- und Fremden- verkehrsamt der Stadt Berlin begriitzte als Leiter derGrünen Woche Berlin" die Gäste und dankte den Reichs- und Staats­behörden und allen an dem Gelingen des Werkes beteiligten Berufsvertretungen der deutschen Landwirtschaft für ihre tat­kräftige Mitarbeit. Er betonte, datz dieseGrüne Woche Ber­lin" mehr noch als ihre Vorgängerinnen eine Lehrschau sei für Stadt und Land und damit das sichtbarste Binde­glied zwischen diesen. Hierauf begann Reichsminister für Er­nährung und Landwirtschaft Dr. Schiele die Eröffnungsrede.

Die Eröffnungsansprachen.

Nach den Begrüßungsworten des Leiters derGrünen Woche Berlin" übermittelte R e i ch s m i n i st e r Dr. Schiele die Grüße der Reichsregierung. Er wies auf die SanderschauPro­duktionsumstellung und Absatzförderung" hin, da gerade die in diesem Teile der Ausstellung zur Erörterung gelangenden Fra­gen in den letzten Tagen wieder Gegenstand der Beratungen und gemeinsamer Arbeit von Reichsregierung und landwirt­schaftlichen Führern gewesen seien. Es handle sich darum, einen Gesamtplan zur Schaffung neuer und dauerhafter Grundlagen für eine solide Agrarwirtschaft aufzustellen. Diese Ausstellung, erklärte der Minister, sei eine Angriffsfanfare, ein ernster Warnruf, ein Gefahrsignal. Angesichts der brennenden Not des Nährstandes rufe dieGrüne Woche Berlin" in alle deut­schen Lande und Städte hinaus:

Deutsches Volk, besinne dich auf deine Landwirtschaft!"

Der preußische Landwirtschastsminister Dr. Steiger wies darauf hin, daß das Interesse auch der Stadt- bevölkerung an derGrünen Woche" von Jahr zu Jahr wachse. Die große Sonderschau: Produktionsumftellung und Absatzför­derung wolle letzten Endes der Forderungder deutsche Dkarkt den heimischen Erzeugnissen!" Geltung verschaffen. Mit wichtigen sozialen Angaben befasse sich die große Naturschutz-Ausstellung Die diesjährige Jagdausstel­lung derGrünen Woche Berlin" sei die beste aller in der Nachkriegszeit veranstalteten deutschen Jagdausstellungen.

Bürgermeister Scholtz dankte allen Mitarbeitern, insbesondere den Vertretern von Reich und Stadt. In der Be­schickung der Ausstellung erblicke man ine Anerkennung des volkswirtschaftlichen und kulturellen Wertes dieser großen Schau für weiteste Kreise unseres Volkes. Die Entwicklung Berlins sei unlösbar mit der Entwicklung der Landwirtschaft verbunden, und auf dieser Jnteressenverbundenheit sei die Tra­dition derGrünen Woche" in Gegenwart und Zukunft fest be­gründet. Das Deutschlandlied bildete den Abschluß der Feier, an die sich ein Rundgang durch die acht Hallen der Ausstellung anschloß.

Was ein dreistündiger Nundgang zeigt.

Die sechste Grüne Woche in Berlin, die mit Unterstützung des Reichseimährungsministeriums und des preußischen Land wirtschirftsmunstcrs diesmal ganz besonders die Produktions Umstellung der Landwirtschaft und ihre Absatzförderung pflegen will, ist die größte Hallenveranstaltung, welche jemals der deutschen Landwirtschaft gezeigt worden ist. Sic wendet sich aber nicht nur an die Landwirte, sonder» im gleichen Maße auch an den Verbraucher und an den Händler.

Schon im Ehrenhof zeigt

ICH,

das sogenannte Zwanzigntilliardenuiodell, das mit Hilfe der amtlichen Marktforschungsergebnfssc her ME worden ist, welches Hauptziel die diesjährige Aus uellung verfolgt. An durchleuchteten graphischen Darstellungen wird nämlich zur Anschauung gebracht, wie es möglich ist, daß von ben 2 0 Milliarden M ark, welche der deutsche Ver- vrauchcr jährlich für seine Lebensmittel ausgibt, der ein aelmlschen Landwirtschaft weniger als die Hälfte, nämlich nur und 9 Milliarden, zufließt, während der Rest sich aus ^"Handel, die verarbeitenden Industrien und in ment Maße, welches zurückgedämmt werden muß, aus das Ausland verteilt.

. . "Uch in allen SonderaussteUuugcn, die sich auschlicsp S sowohl Dem Erzeuger wie dem Verbraucher in eindring Hier Weise zur Anschauung gebracht, wie groß die Prcis- Mnne ist, die zwischen ihnen beiden klaff,.

l-^^äfibstverständlich sind im besonderen diejenigen Gebiete ohnr a^01, in denen wir eine Überproduktion haben, wo die deutsche Erzeugung durch die ausländische f insuhr besonders bedrängt wirb, also Roggen, ,n, Milch, Butter und Käse, Vieh und Fleisch, ferner bcr Zucker, der Gartenbau und die Imkerei.

einer weiteren Halle kommen dann.

lc Beziehungen zwischen der Industrie und der Laud- zur ßiou wirtschaft

traft herm0, .Da die Industrie seit langen Jahren die Werbe Beschick.,,,^""wr Grünen Woche schätzen gelernt hat so ist die ^andwi^â diesem Jahre trotz der bedrängten Lage her AusV^^ganz üböerraschenh stark.

«reißclänbc werden eine Anzahl der neuen tech Arbeit »«.MHonschaflen der Landwirtschaft. m praktischer Diese Abteilung wird durch eine Lehrschau

Technik in der Landwirtschaft" ergänzt, wo ein Stab geschulter Fachleute jedem, der sich be­lehren will, bereitwillig Auskunft über alle Sondergebiete gibt

Die dritte Halle ist als eine

Lehrschau für das Gebiet der Geflügelzucht eingerichtet und zeigt namentlich auch den st ä d t i f di e n Züch­tern wie notwendig es ist, daß sie ihre Bruteier und chre Küken nur nack besten Blutlinien und unter fachmännischer Beratung

Abwiegen der Geweihe die auf der Grünen Woche ausgesi^ll, wurven.

Der LaRÄwirtschaftliche Gesamtplan.

Einigung zwischen Regierung

undArmer Koni".

Die Verhandlungen mit dem Kanzler beendet.

Die mehrtägigen Beratungen des Reichskanzlers Dr. Brüning mit den Vertretern derGrünen Front" wurden in einer eingehenden Schlußsitzung in der Reichs­kanzlei zu Ende geführt.

Abschließend konnte, wie amtlich milgeteilt wird, der Reichskanzler seststellen, daß im Rahmen eines agrarpoli- tifchen Gesamtplanes eine grundsätzliche Einr g mi g über die erforderlichen Hilfsmaßnahmen erzielt werben sei, für die er sich zusammen mit dem Reichs- minister für Ernährung und Landwirt­schaft im Reichskabinett einsetzen werde.

Die Vorlage über einen solchen agrarpolitischen Ge­samtplan wird nunmehr ungesäumt im Reichsministe rinnt für Ernährung und Landwirtschaft ausgearbeitet, mit der sich bereits im Laufe der kommenden Woche das Reichskabinett befassen soll.

Rach dieser Einigung hat es den Anschein, als vb den Gerüchten von einem Rücktritt Schieles von seinem Posten als Ernährungsminister die Grundlagen entzogen worden sind.

Staffelung der Gehaltssätze.

Di e ^ 0 zjaldeni 0 krateu beim Reichskanzler.

^^tanjkr empfing die Führer der sozialdemokra- uia)en Reichslaasfraktion zu einer Aussprache über den sozial- demokratlschen Antrag auf Staffelung der Gehaltsabzüge für die Beamten. Der Standpunkt der Reaterung gegen­über diesen Anträgen ist nach wie vor ablehnend.

jParteikampf im Kino.

Die Filmoberprüfstelle hat den Trickfilm mit dem TitelIns dritte Reich", der von der Werbeabteilnng der Sozialdemokratischen Partei hergestellt worden ist, verboten. Zu dem Verbot wird von zustän­diger Stelle mitgeteilt, der Vertreter des Reichsinnen Ministeriums habe erklärt, gegen eine Vorführung im geschlossenen Kreise habe er keinen Einspruch eiuzulegen. Dagegen habe er Bedenken, daß die öffent­liche Ordnung gefährdet werden könne, falls der Filin unbeschränkt in den Lichtspieltheatern laufen sollte. Der Vertreter des Auswärtigen Amtes habe erklärt, wenn die Sozialdemokraten gegen eine andere Partei gerichtete Filme drehten, werde das zweifellos zur Folge ^haben, daß auch a n d e r e P a r t e i e n ähnliches täten. Die da durch hervortretende innere Zerklüftung des deutschen Volkes würde dem Ansehen DeutschlandK tot Auslande schaden.

erwerben. An diese Lehrschau schließt sich die diesjährige ®e< slüaelausftellung des Klubs Cyprta an, die mehr als 5000 ganz auserwählte Prachtexemplare, besonders von Hühnern und Enten, aber auch von Gänsen und Brieftauben vorführt. Später wirb an dieser Stelle

vie Rassehundcschau

statlfinden. Für das Publikum besonders anziehend ist die in diesem Jahre in solcher Ausdehnung zum ersten Male veran­staltete Tierschutzausstellung.

Im Mittelpunkt dieser Ausstellung ist ein reizendes Idyll eingerichtet, ein kleiner märkischer, mit Schilf und Kiefern umstandener Waldtrich, auf dem sich das einheimische Waldgeslüge! in lebenden Exemplaren tummelt.

Die Angelfportausstellung, die hier angrenzt, ist von der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Anglerbünde veranstaltet und findet ihre Ergänzung durch die Artikel für den Ruder -und Wassersporl wo Motor- unb Faltboote die Käufer locken. Eine geschlossene Abteilung für sich bildet dann

die deutsche Iagdausstellung, die H. (L beweisen soll, wie der Wildbestand aus der schweren Schädigung durch den strengen Winter 1928/29 wieder zur Er­holung gebracht worden ist.

In der Hühnerabteilung ist eine KoststubeHuhn und E t* eingerichtet, und der R e i ch s m, l ch Wirtschafts­ausschuß versucht ebenfalls, durch

eine Demonstration an den Gaumen

des Verbrauchers die guten Edelerzeugnisse der deutschen Atol- kereiwirtschaft m breiteren Kreisen beliebt zu machen. Auch die deutschen Imker werben für ihre Erzeugnisse, deutschen Honig, deutschen Met und deutsches Homggeböck, durch Kost­proben.

Der Magerviehhof Berlin-Friedrichsfel-e hat eine vom Publikum starr umlagerte

Souderschau lebender Schlachttiere eingerichtet, die dem Landwirt vorführt, wie sauber richtig auf» arftallles Vieh selbst im S a l 0 » r a u « der Ausstellung wirken kann, und die zeigt, welche Mastleiftunaen bei den deutschen Edelzuchten jetzt schon mit fünftem Material erreicht werden können.

Für Fachleute wird diese Ausstellung besonders betont durch eine Abteilung des ausgeschlachteten tn Gläsern in Kühl- raumen ausgestellten Viehes.

Das gesamte Ausstellung-gelände umfaßt diesmal 55 000 Quadratmeter. Nur ein Rundgang durch die acht Hallen deS Freigeländes dauert schon drei Stunden, ohne daß selbst der fachverständige und ansstcllnngSgewohntc Besucher sich auch nur irgendwelchen Einzelheiten widmen kann.

Lanöschafishypoiheken bei der Zwangsversteigerung.

Der Streit zwischen OststeÜe und Keneraklandschast.

Entgegen einer ersten von zuständiger Stelle gegebenen Darstellung ist eine Einigung zwilchen dem GenerallandschaftS- birettor von Hippel und deru Leiter der Lststelle Königs­berg, Siaatskommisiar Musse hl, nicht zustande gckom- nu-n. Die Meinungsverschiedenheiten bestanden bereits seit Monaten bezüglich der Behandlung von

Landschaftshypotheken bei der Zwangsversteigerung von solchen Betrieben, die eine UmschuldunashvpothLk aus öffentlichen Mitteln erhalten hatten. Die staatliche Stelle hatte gefordert, daß die Generallandschaftsbirektion in folgen Fällen ihre Hbpotheken stehen lassen soll, damit eine übermäßige Jitanspruchnahme öffentlicher Mittel aus der Garantie für die Umschuldungshirpothek vermieden werde. Die Generalland­schaftsdirektion hatte dagegen beschlossen, die in der Zwangs­versteigerung umgefdmlbeter Betriebe fälligen Hypötheken mit 100 Prozent zurückzufordern.

Die O st ft eile hat daraufhin den Beschluß gefaßt, an vv» der Laitdschaft bcliehene Betriebe UmschuldungSdarlehen nur zu gewähren, wenn eine Bescheinigung der Genergllaud- schaftsdircktion vorgelegt werbe, in bet sich diese bereit erklärt, ihre Hypothek aus solchen Grundstücken stehen zu lassen, die auch von der Osthilfe beliehen worden finh.

Die DVp. besteht aus ihrer Sparförderung Opposition der Volkspartei gegen Di',e,trich

Die Reichstagsfraklion der Deutschen Volksvartèl be­schäftigte sich mit der Finanzlage des Reiches. Da der Reichs- finanzmiNister bis jetzt keine Anstalten getroffen hat, den Reichshaushalt durch die in dem Anträge der Deutschen Volks- Partei geforderten

Ersparnisse von mindestens 300 Millionen Märt vor der von ihm selbst zugestandenen Gefahr zu schützen, hat die Reichstagsfraktion ihren Vorsitzenden beauftragt, dem Reichskanzler keine Zweifel darüber zu lassen, daß die Fraktion mit aller Entschiedenheit auf ihrer Forderung beharren müsse.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Zwischen der Reichsregieruna und derGrünen Front- ist es zu einer Einigung im Rahmen eines agrarpoluischen Gesamtplanes gekommen.

* Die große landwirtschaftliche Ausstellung derGrünen Woche" in Berlin hat ihre Pforten aeöffnet und gibt eine Ueber- silisi über den Stand der Landwirtschaft und ihrer Technik.

* Durch einen tollwütigen Bauern wurde i« Spanien ein ganzes Dorf terrorisiert.

Das FlugWff Do. X ist Wk so». TisssLsa ®m Ms Fluge «och Las Palmas gestartet.