Gandhis Fahri in -i« Freiheit.
Mit Büchern, Spinnrädern und einem Sack voll Briefen.
Der indische Volksheld und Führer der indischen nationalistischen Bewegung Gandhi ist aus seinem Gefängnis freigelassen worden. Gandhi war Mitte vorigen Jahres von den Engländern eingesperrt worden, weil er in seinem bekannten Kampf gegen das S a l z m o n o p o l seine Anhänger zum Steuerstreik aufgereizt hatte. Jetzt hat der Ausgang der e n g l i s ch - i n d i s ch e n Konferenz eine Amnestie gebracht, von der auch Gandhi und seine Anhänger erfaßt worden sind. Die F r e i l a s s u n g Gandhis und der übrigen Gefangenen aus dem Gefängnis von Puna erfolgte unter Vermeidung jeglichen Aufsehens. Die große Menge, die im Laufe des ganzen Tages die Eingänge und durch die Tore die Vorbereitungen verfolgte, bekam Gandhi nicht zu sehen. Nachdem sein Gepäck, das eine kleine Bibliothek, seine Spinnräder, zahlreiche Übersetzungen und Schriften und Tausende von Briesen, die während seiner Haft im Gefängnis eingegangen waren, enthielt, befördert war, betrat Gandhi das bereitstehende Auto. Auf ein Zeichen hin öffneten sich die Tore, und der Wagen Gandhis verließ in rascher Fahrt das Gefängnis. Ihm folgte in einem zweiten Wagen Fran Naidu. Gandhi fuhr nach einem kleinen Ort, wo der Schnellzug nach Bombay anhielt, um ihn und Frau Naidu aufzunehmen.
Während der kurzen Wartezeit auf dem Bahnhof übergab Gandhi den Journalisten eine Botfchaft an das indische Volk. Er erklärt hierin, daß er noch keine Pläne für feine zukünftige Politik gefaßt habe und zunächst die Rede Macdonalds und die Ergebnisse der englisch-indischen Konferenz mit den indischen Vertretern erörtern wolle. Auf eine Frage über seine Ansicht hinsichtlich der Amnestie erklärte Gandhi, daß keiner der Führer zufrieden fein werde, ehe nicht alle Personen, die im Zusammenhang mit dem Unabhängigkeitsfeldzug verhaftet wurden, auf freien Fuß gesetzt sind.
Indiens neue Wege.
Die Aussprache im Unterhaus über Indien ivurbc von Macdonald eingeleitet. Er erklärte, auf der englisch-indischen Konferenz wollte man sich über die Grundsätze einigen, auf denen eine Verfassung aufgebaut werden könnte. DieseAuf» gabeseierfüllt worden. Die Vertreter Indiens gingen jetzt in ihre Heimat, nachdem sie sich verpflichtet hätten, zu arbeiten, um die Probleme einer Lösung näherzubamgen. Wenn das Unterhaus Indien an das englische Weltreich durch Bande des Vertrauens knüpfen und es glücklich machen wolle, so möge es das Werk der Konferenz gutheißen und die Regierung ermächtigen, die begonnene Arbeit sortzusetzen.
Abgeordneter Sir Samuel Hoare , der an der Konferenz teilgenommen hatte, erklärte, auch die Konservativen wünschten, ein glückliches Indien zu sehen, in dem Inder und Engländer Seite an Seite gleichberechtigt leben könnten. Im Interesse der Menschlichkeit müßten die Versprechungen, die Eng- land den Minderheiten gegeben hätte, stets geltende Verpflichtungen bleiben. Im Namen der Liberalen gratulierte Sir John Simon Macdonald ru seinem Erfolge. Hierauf begann Churchill seinen Angriff aus die Regierung. Die Beschlüsse der Konferenz müßten die Entwicklung in Indien in gefährlicher Weise beschleunigen und neue Schwierigkeiten in Indien heraufbeschwören.
Kosmische Einflüsse beim Goldmachen.
Auch die Italiener sollten mit machen.
Im Münchener Goldmacherprozeß beantragte der Staatsanwalt die Ladung des Professors Sestini aus Bergamo. Der Professor werde bekunden, daß Tausend schon vor vier Jahren sein Verfahren
der italienischen Regierung angebotcn
habe. Man habe ihn jedoch zurückgewiesen, da er bei den Vorführungen sich betrügerische Manipulationen habe zuschulden kommen lassen. Tausend bestreitet diese Behauptung, kann aber nicht verhindern, daß Professor Sestini geladen wird. Der Zeuge Wilhelm Kruse, der „fast hundertprozentig" von den Tausendkünsten überzeugt ist, sagt so nebenbei, daß Tausend seinem Material manchmal
kleine Mengen von Gold zugesetzt habe, sozusagen als Basis, an die sich dann das aus der Fabrikation hervorgegangene Gold angesetzt habe. Größeres Interesse erweckt der Privatchemiker Kummer aus Freiberg: ihn hatte
General Ludendorff
im Jahre 1925 zur Untersuchung des Tausendgoldes nach München gerufen. Nachdem er einige Zeit mit Tausend gearbeitet hätte, meldete er dem General: „Die Sache stimmt!" Später ist Kummer aber in Unfrieden von. Tausend geschieden. Er hatte zuletzt als Mitarbeiter Tausends ein Monatsgehalt von 800 Mark bezogen, will aber jetzt noch als ihm vertraglich zugesicherten, aber ausgebliebenen Gewinn eine Entschädigung in Höhe von 50 000 Mark haben. Der Zeuge, der, wie sich zuletzt herausstellt, zwar an verschiedenen technischen Hochschulen Chemie studiert, aber nie das nach vier Semestern verlangte Vorexamen gemacht hat, erklärt auf eine Zwischensragc des Vorsitzenden, daß bei der Goldmachers auch c>cr abnehmende Mond und andere kosmische Einflüsse eine Rolle gespielt haben.
Nobiles Retter tödlich verunglückt.
Der besonnte schwedische Fliegeroffizier Hauptmann Lund- borg, der Retter von Nobile, ist in der Nähe von Lindtöping mit seiner Maschine abgestürzt. Lundborg wurde schwer verletzt, das Flugzeug vollkommen zertrümmert. — Wie heute aus Stockholm gemeldet wird, ist Hauptmann Lundborg an seinen schweren Verletzungen gestorben.
Bei der Rettung Nobiles glückte es Lundborg, den General mit seinem Flugzeug von der Eisscholle zu befreien. Als Lundborg jedoch das zweitemal zur Etsscholle zurückkehrte, überschlug sich seine Maschine und wurde derart schwer beschädigt, daß an einen Rückflug Nlcht zu denken war. Lundborg, der sich auf ein längeres verweilen auf der Eisscholle nicht vorbereitet hatte, war gezwungen, über vierzehn Tage aus der Eisscholle r u z u h x i n g e n.
Eine Krebsoperatrok und ihre Folgen.
Der in der Wunde zurückgebliebene Verbandsstoff-Tupfer.
-r. Kassel, 27. Januar.
Die an Brustkrebs erkrankte Ehefrau eines Eemeindeschäfers in einem Dorfe der Rhön war im September 1926 in einem Landeskrankenhause operiert worden. Es handelte sich dabei um Fortnahme einer krebsigen Brust und Ausräumung einer Achselhöhle von krebsigen Lymphdrüsen. Einige Wochen nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhause verspürte die Frau heftige Schmerzen im linken Arm, die fast verheilte Wunde wurde feucht, doch wurde bei einer Nachuntersuchung im Krankenhause nichts gefunden. Im Januar 1927 hat danw ein Arzt ihres Nachbarortes, bei dem sie sich in Behandlung begab, nach Erweiterung der Wunde einen
in der Operationswunde zurückgebliebenen Verbandstoff- Tampon
zutage gefördert. Im August 1928 ist die Frau gestorben. Der Ehemann war der Ansicht, daß seine Frau nicht sorgfältig genug operiert worden sei und machte das Krankenhaus bzw. die hinter demselben stellende juristische Person für die Arztkosten und sonstigen Aufwendungen verantwortlich, die durch die nach der Operation stattgehabte Behandlung der Wunde notwendig geworden sind. Es wurde Klage beim zuständigen Landgericht erhoben, das ein Sachverständigen-Eutachten einzog und ein Urteil erließ, in dem 1. die Klage auf Feststellung, daß die Forderung des Beklagten an den Kläger für Krankenhausbe- Handlung nicht besteht, abgewiesen, 2. der Anjpruchches Klägers auf Schadenersatz unter Aufhebung eines Bersaumn-isurteils des zuständigen Amtsgerichts, nach welchem die Beklagte verurteilt worden war, dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt wurde. Gegen dieses Urteil hat der Eigentümer des Krankenhauses Berufung eingelegt. Das
Oberlandesgericht Kassel als Berufungsinstanz
hat das Urteil des Landgerichts abgeändert, soweit es den Anspruch des Klägers auf Schadenersatz dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Die Aufhebung des Versäumnisurteils des Amtsgerichts bleibt bestehen. Mit seinen weiteren Schaden-
Aus Seffea-Aaffau und Aachbargebieten.
Merkblatt für den 29. Januar.
Sonnenaufgang 7.44 Uhr, Eonnenuntergan 16.43 Uhr. — Mondaufgang 11.25 Uhr, Monduntergang 3.51 Uhr.
1499: Katharina v. Bora, die Gattin Luthers geb. — 1814: Der Philosoph J. E. Fichte in Berlin gest. — 1860: Der Dichter Ernst Moritz Arndt in Bonn gest.
Es ist ein bös Gewerbe, das feinen Meister au den Galgen bringt. Sprichwort.
Wetterbericht.
Der zuletzt bei Skandinavien festliegende Wirbel hat sich jetzt ostwärts in Bewegung gesetzt. Auch ist bei England ein neuer kräftiger Wirbel erschienen. In dem dazwischen liegenden Hochdruckkeil ist auch bei uns am Dienstag Dewölkungsabnahme eingetreten, doch wird sich sehr rasch mit Luftdruckfall von England her ein Niederschlagsgebiet bis zu uns vorschieben und mit Bewölkungszunahme bereits am Mittwoch neue Regenfälle bringen. Auch weiterhin dürfte die Witterung wieder unbeständig, zeitweise auch zu starker Niederschlagstätigkeit geneigt bleiben. — Vorhersage bis Mittwoch abend: Nach heiterer und kälterer Natch rasche Bewölkungszunahme, dann Einsetzen neuer Niederschläge die bei milderen nach Südwest drehenden und zeitweise auffrischenden Winden in den Niederungen aus Regen bestehen werden. — Witterungsaussichten für Donnerstag: Fortdauer ziemlich milder und unbeständiger Witterung mit wiederholten Reganfällen.
* Fulda, den 28. Januar 1931.
„Der Biberpelz".
Siidwestdeutfche Bühne.
Die erfolgreichste Komödie Gerhart Hauptmanns ist auch eine der besten politischen Satiren, die sich in den Repertoires der deutschen Theater behaupten können. Es ist uns hier ein köstliches Verwaltungsidyll aus dem Preußen der Vorkriegszeit erhalten geblieben, das treffend den Geist des damaligen Ver- waltungsfyftems widerspiegelt und das in unverkennbarer Weise die Beziehungen zwischen Staat und Volk von damals deutlich darlegt. Den Staat erkennen wir in dem militärisch- junkerli^n Amtsvorsteher Wehrhahn, der es als seine größte Aufgabe ansieht, darüber zu wachen, daß auch nicht ein einziger der Bürger nur auf den Gedanken kommt, den „Ehrfurcht gebietenden Personen^ diese Ehrfurcht zu versagen. Wie weit diese Verblendung durch Paragraphen und Verbote führt, sehen wir an Mutter Wolffen, die man wohl als die Verkörperung des Volkes betrachten darf. Sie ist zwar eine notorische Diebin, aber trotzdem taun man ihr nicht böse sein. Man- freut sich sogar über sie und schiebt die Schuld an ihren Diebstählen dem im Amtsvorsteher verkörperten Staate zu, der sich ja um derartige Dinge gar nicht kümmern kann. Mutter Wolffen hat es schon, längst eingesehen, daß man durch Arbeit allein nicht so recht vorwärts kommen kann, obgleich sie dieser nicht aus dem Wege geht. Sie hat daher für ihren Mann, den trotteligen Iulian, noch so manchen Nebenverdienst im Auge, und es wird nicht gesagt, daß der alte Schiffer Wulkow nur das einemal ein „gefundenes“ Reh bei der Familie Wolff ersteht. Frau Wolffens geschicktes Feilschen deutet auf das Gegenteil hin. Als der alte Wulkow zu verstehen gibt, daß er zum Schutze seiner Gesundheit 60 Taler für ein warmes Pelzzeug auszugeben gewillt ist, fühlt sich Mutter Wolffen zur Beschaffung eines solchen Pelzzeuges beauftragt. Rentier Krüger hat dann auch bald Gelegenheit, in der Amtsstube außer dem Verlust von zwei Metern Knüppelholz auch noch den Diebstahl seines Biberpelzes zu melden. In der Amtsstube spielt sich nun das Wesentliche ab, dessentwegen Gerhard Hauptmann seinen „Biberpelz" schrieb. Starr von Bürokratismus und der besagten Angst um den Staat, gelingt es hier nicht, in das Geheimnis der Diebstähle zu leuchten, obgleich man doch nur die von Paragraphen und Aktenstaub getrübte Brille abzusetzen brauchre, um Diebe und Hehler zu erkennen. Die Wolffen hat gar nid)t Unrecht, wenn sie meint, daß sie mit ihrem Hühnerauge nwhr sieht, als der Amtsvorsteher mit feinem Glasauge. Wenn die Satire im „Biberpelz" heute auch als überholt gelten mag, so sind es die uns hier entgegcntretenden Gestalten, die dem Stück einen bleibenden Wert sichern. Keine Person ist nur skizziert, alle sind sie in großer, greifbarer Lebensnähe.
Die Siidwestdeutfche Bühne hatte sich alle Miihe gegeben, uns den „Biberpelz" zum schönsten Theatergenuß dieser Saison zu machen. Das ganze Ensemble war in prächtiger Stimmung, so daß jede Rolle, von der einfachsten bis zur schwersten, mit voller Hingabe gespielt wurde. Ungerecht wäre es jedoch, wenn man Eva Goltz für ihre Mutter Wolffen nicht ein besonderes Lob spenden wollte. Sic hing mit erstaunlicher Leidenschaft an ihrer Rolle und erzielte dadurch ein lebenswahres Spiel. Trotzdem sie mit der Wiedergabe ihrer Rolle eine respektable Leistung zu vollbringen hatte, war ihre Mimik in, der letzten Szene noch ebenso überzeugend wie in der ersten. Hugo Beigel, der auch für die Inszenierung verantwortlich zeichnete, stand als Amtsvorsteher ebenfalls auf dem richtigen Posten. Schneidig und forsch verkörperte er den militärisch-junkerlichen Amtsgewaltigen hervorragend. Bruno Palitzsch schuf den aufgeregten und nörgelnden Rentier Krüger io, wie man ihn im täglichen Leben in Dutzenden von Exemplaren antreffen kann. Hans G o g u e l als Ämtsschreiber und Anton E u t h k e als Amtsdiener waren köstliche Typen. Durch die Hervorhebung dieser Darsteller soll nun nicht gesagt sein, daß die übri
ersatzansprü«bk>n wurde der Kläger abgewiesen. Rech^ inter- effant sind die
Entscheidungsgründe,
in denen u. a. ausgeführt wird: Der Angeklagte (also der Besitzer des Krankenhauses) haftet allerdings wie das Landgericht zutreffend ausgeführt hat, für ein Verschuldet der bei der Operation beschäftigten Personen nach Paragraph 278 des BGB. Den Nachweis des Verschuldens hat der Kläger zu erbringen. Es ist ihm aber nicht gelungen, nachzuweisen, daß das Zurückbleiben des Tampons auf ein Verschulden des Angestellten des Beklagten zurückzuführen ist. Nach dem ersten Gutachten des Sachverständigen liegt ein Kunstfehler, ein Verstoß gegen allgemein anerkannte Regeln der medizinischen Wissenschaft nicht vor. Da es sich hier um eine größere komplizierte Operation llandelte, kann in dem Zurücklassen eines Tupfers nicht eine Außerachtlassung der berufsüblichen Sorgfalt erblickt werden.
Die mit Blut durchtränkten Tupfer find häufig nicht als solche erkennbar,
da sie vom Gewebe schwer unterscheidbar sind. Trotz Verfeinerung der Technik passiert dieses Vorkommnis auch sorgfältig operierenden Chirurgen und es gibt, wie auch das Reichsgericht entschieden hat, kein sicheres Mittel, das Zurückbleiben unter allen Umständen zu verhüten. Auch kann nach dem Gutachten des Sachverständigen darin, daß der Arzt bei dem späteren Besuch der Frau die Ursache des Richtheilens der Wunde nicht erkannte, kein Verschulden erblickt werden, da der Arzt nicht ohne weiteres erkennen konnte, daß ein Fremdkörper in der Wunde war, weil das ein seltenes Ereignis ist. Wenn dem Beklagten der Beweis obliegt, daß bei der Operation mit aller Sorgfalt gehandelt worden ist, so hat er bieier Pflicht genügt, wenn er dartut, daß der eingetretene ungünstige Erfolg auch ohne Verschulden eingetreten sein kann und daß nach dem, soweit als möglich, klargelegten Sachverhalt ein positiver Anhalt für ein. Verschulden der mit der Operation beschäftigten Personen nicht gegeben ist. Nach dem Gutachten des Sachverständigen ist das aber dargetan und die Behauptung des Beklagten, daß auch bei sorgfältiger Vornahme der Operation verschiedene Möglichkeiten bestehen, die ein Zurückbleiben des Tampons als entschuldbar erscheinen lassen, nicht widerlegt.
gen Mitwirkenden nicht ebenfalls Anspruch auf Anerkennung haben. Es würde zu weit führen, wenn man die Leistung eines jeden einer Würdigung unterziehen wollte, deshalb sei es er- laubtz nur festzustellen, daß noch W. M. Holetzko als Iulius Wolff, Ch. E. Bode und Ey Schram eck als Ehepaar Motes, Hans Nippold t als Doktor Fleischer und Erich Müller als Schiffer Wulkow tätig waren. Mimi Kinne- Just und Mignon Fritsch waren zwei echte Berliner Göhren, an denen man seine Freude hatte. Mit dem Bühnenbild von Ernst Hummel konnte man nur einverstanden fern. Er hatte Kne Aufgabe glänzend gelöst. Wohlverdienter Beifall dankte n Darstellern für ihre vorzügliche Gesamtleistung. Lediglich am Schluß hätte man den Schauspielern noch einen stärkeren Beifall gewünscht. Da die Nachwelt „dem Mimen keine Kränze flicht", so darf eben die Mitwelt mit herzlicher Anerkennung, mit dankbarer Begeisterung für gute Leistungen, wie sie gestern abend geboten wurden, nicht kargen. — Der Ausgang des Stückes ist freilich in seiner theatralischen Wirkung etwas schwach, was auf das Publikum nicht ohne Wirkung blieb.
Zusammenschluß der Landeskirchen.
Die Amtliche Presiestelle des Landeskirchenamtes schreibt: Der in dem „Kasseler Tageblatt" unter dem 22. d. Mts. erschienene Bericht: „Der Zusammenschluß der Landeskirchen" ist geeignet, zu Mißverständnisien Anlaß zu geben. Wie bereits mehrfach von uns in der Presse betont ist, handelt es sich bislang nur um unverbindliche Vorarbeiten in der schwierigen Frage. Wenn, wie in dem Bericht gesagt ist, darüber in der Landeskirchen-Versammlung in Frankfurt gesprochen worden ist, so handelt es sich also nur um die Bekanntgabe der Vorarbeiten des Verfassunasausschusses, dessen Vorschläge, um irgendwie in die Tat umaesetzt zu werden, der Genehmigung der Landeskirchentage, die über alle Einzelheiten eingehend zu beraten haben, bedürfen. Mit Recht ist am Schluffe des Berichtes hervorgehoben, daß die Schwierigkeiten auf finanziellem Gebiete allerdings noch recht erheblich sind. Die Lösung dieser Schwierigkeiten darf aber mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Notlage, in der wir uns befinden, niemals etwa zur Erhöhung der Kirchensteuern führen. Sollte letzteres der einzige Ausweg zur Verwirklichung der Pläne fein, so würden sie z. Zt. daran scheitern müssen.
Generalversammlung des Jagdvereins „St. Hubertus".
Am 23. Januar fand die Generalversammlung des Jagdvereins „St. Hubertus" für Fulda und Umgegend statt. Der 1. Vorsitzende Romeis eröffnete die Versammlung und hieß die Erschienenen herzlich willkommen. Er verlas sodann ein Schreiben des Kurhessisch-Waldeckschen Jagdverbandes in Kaffel, welcher den Anschluß des Vereins wünscht. Der 1. Vorsitzende wurde beauftragt, sich mit dem Kurheffisch-Waldeckschen Jagdverband in Kassel in Verbindung zu setzen und einen Vertreter nach Fulda zu verpflichten, der über Ziele und Zweck des Verbandes, sowie über die vom Verein abgeschloffene Kollektivverficherung Auskunft gibt. Lt. Jahresbericht fanden 4 Vorstandssitzungen und 7 Monatsversammlungen statt, außerdem wurden ein Kugelschießen nebst gemütlichem Zusammensein mit Damen und ein Familienabend abgehalten. Die Kaffenprüfer Roßbach und Haun haben die Katze geprüft und in bester Ordnung befunden. Der 1. Kassierer Wald erstattete den Kassenbericht. Durch Erheben sämtlicher Anwesenden von den Plätzen wurde dom Kaffierer Entlastung erteilt. Es wurde beschlossen, die säumigen Zahler schriftlich an ihre Pflicht zu erinnern. Hierauf folgte die Vorstandswahl. Der 1. Vorsitzende Rom eis und der 1. Schriftführer Wohlgemuth baten, von ihrer Neuwahl Abstand zu nehmen, da sie geschäftlich überlastet wären. Die Wahl zeitigte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender, Paul Busch, 2. Vorsitzender: Julius Becker, 1. Schriftführer: Karl Müller, 2. Schriftführer: Otto Haun, Kassierer: Leo Wald, 1. Beisitzer: Georg Kollmann, 2. Beisitzer: Hermann Bickert. Die Gewählten nahmen die Wahl an. Der 1. Vorsitzende dankte für das in ihm gesetzte Vertrauen und versprach, alles für das Wohl des Vereins einzusetzen. Ferner dankte er dem alten Vorstand für seine Mühewaltung in den verflossenen Jahren und gelobte, in demselben Sinne weiter zu arbeiten. Es wurde beschlossen, im Februar einen Familienabend abzuhalten. Im April soll ein Kugelschießen und später ein Tontaubenschießen stattfinden. Wegen des in der Fuldaer Zeitung erfdjienenen Artikels „Wem gehört das Wtld?" fand eine Aussprache statt, da die Ausführungen mit den von einzelnen Jägern geschilderten Vorkommnissen in Widerspruch stehen. Vom Verband Kassel wird Auskunft eingeholt, die dann evtl. in den Zeitungen veröffentlicht wird. Um 11.45 Uhr schloß der 1. Vorsitzende mit einem dreifachen „Horrtdvh" auf das edle Waidwerk die Versammlung.
Die Not der deutschen Holzwirtschast.
Aus dem Gebot der Zeit, die deutsche Holzwirtschaft zu heben, hat der Reichsforstwirtschaftsrat beschlossen, unter Zusammenfassung aller beteiligten Kreise eine großzügige Werbung für das deutsche Holz im Rahmen der Leipziger Baumesse (1. bis 11. März) durchzuführen. In einem besonderen Aktionsausschuß des Reichsforstwirtsckzaftsrates haben sich der staatliche und private Waldbesitz, die Sägewerke, die holzverarbeitende Industrie und der Holzhandel zusammcUaeschlossen. Das Kernstück der eine große Fläche bedeckenden Ausstellung wird ein hölzerner Funkturm bilden. Des weiteren werden Modelle bedeutender Holzbauten aufgestellt werden. Weitere Beschlüsse des Aktionsausschusses surd in allernächster Zett zu ermatten.