Einzelbild herunterladen
 

Zuköaer Anzeiger

^D / Slav r

Nr 20 Samstag, 24 Januar 1931

Totes Gebein

Röm. 8, 9: Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein

Durch die Zeitungen geht eine Nachricht, die viel Auf­sehen erregt. Ein Forscher hat in Jerusalem unter vielen anderen Steinkästen mit Knochenresten auch einen ge­sunden, der die Aufschrift trägt:Jesus, Josephs Sohn." Er stammt bestimmt aus der Zeit unseres Herrn Jesus. Der Forscher, ein deutscher Gelehrter, ist sehr zurück­haltend. Aber andere, denen er von seinem Funde erzählt hat, sind es nicht. Sensationell aufgemacht, wie man heute sagt, kommt die Nachricht nun in vielen Zeitungen her­aus und nun beginnt das zaghafte Andeuten, dann kommt das kühnere Vermuten, dann das kecke Behaupten un> schließlich ist's für viele gewiß: Das sind die Gebeine von Jesus Christus. Wir wollen bei alledem sehr ruhig bleiben. Denn erstens sagt die Inschrift gar nichts Be­stimmtes. Die Namen Jesus und Joseph waren damals so häufig wie bei uns gebräuchliche Vornamen. Aber selbst, wenn es bewiesen werden könnte, daß es sich tat­sächlich um die Gebeine Jesu Christi handelte, hätte das für uns gewiß ein Interesse. Wir würden mit stiller Ehrfurcht sie im Bilde oder, wem's vergönnt wäre, leib­haftig seben. Aber damit wäre die Bedeutung auch er­schöpft. Geben könnten uns die Knochen gar nichts. Mit unserm Glauben und unserer Frömmigkeit hätte das nicht das geringste zu tun. Denn da haben nicht tote Gebeine Bedeutung, sondern der lebendige Geist. Wer mit dem lebendigen Geist Christi in innerem Zusammen­hang steht und ihn als Besitz in sich hat, der braucht keine toten Gebeine.' Und wer den Besitz des lebendigen Geistes nicht hat, dem helfen die Gebeine auch nicht. Glauben, Religion ist innerstes Leben aus Gott und in Gott, mit Christus, dem mit dem Vater Vereinten, in tiefster Ge­meinschaft des Geistes verbunden. Danach wollen wir trachten; die Knochen wollen wir ruhen lassen: totes Gebein!

Poetische Rundschau

Deutsches Reich

Vier Millionen Mark aus der Hindenburg-Spende.

Unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten trat das Kuratorium der Hindenburg-Spende zu seiner Jahres- sitzung zusammen. Der Geschäftsführende Ministerialrat Dr. Karstedt berichtete, daß 1930 in 4626 Fällen 993 000 Mark verausgabt wurden. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung rund vier Millionen Mark an 22 000 Veteranen, Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene ausgezahlt.

Parteiuniformen im Saargebiet verboten.

Die saarländische Regierungskommission hat das Tragen der Parteiuniform der Nationalsozialistischen Teutschen Arbeiterpartei, des Werwolfs, des Bundes der Frontsoldat» (Stahlhelm), des Roten Frontkämpfer­bundes und des Reichsbanners mit sofortiger Wirkung verboten.

Die Behördenangestellten nehmen den Schiedsspruch an.

Der im Reichsarbeitsministerium gefällte Schieds- pruch, der eine Gehaltskürzung von fünf Prozent für die Angestellten der Reichs- und der preußischen Staatsver­waltungen vorsah, ist von den Angestelltenorganisationen angenommen worden. Die Organisationen haben den Ne:chsarbeitsminister ersucht, den Schiedsspruch für ver­bindlich zu erklären.

Aus 3n= und Ausland

Beuthen. Wegen ihrer Berichterstattung uver die Genfer Ratsverhandlungen wurde die Ausgabe der hiesigen Ost­deutschen Morgenpost von den polnstchen Behörden in Ost­oberschlesien beschlagnahmt.

Warschau. In Bialystok wurde dieser Tage der frühere Regierungskommissar zur Bekämpfung der polnischen In­flation, Wiskowski, wegen verschiedener Betrügereien sowie Veruntreuung einer Summe von 80 000 Zloty verhaftet und ins Gefängnis gesetzt.

Newnork. Der Washingtoner Senat hat den deutsch- amerikanischen Auslieferungsvertrag ratifiziert.

Die drohende politisiermig der Kirche.

Gegen die politische Klausel des Kirchenvertrages.

Der Lutherring veranstaltete in Berlin eine öffent­liche Protestkundgebung gegen die politische Klausel in dexn Vertragsentwurf zwischen der evangelischen Kirche und dem Preußischen Staat. Von Arnim-Kröchlendorff erläuterte den § 7 des im Entwurf vorliegenden Vertragswertes, der ver­lange, daß bei Besetzung einer hohen kirchlichen Stellung, z. B. der des Superintendenten, die preußische Regierung befragt werden mutz,

ob politische Bedenken

»egen die ausgewählte Person bestehen. Mit diesem Para­graphen werde die Überparteilichkeit der evangelischen Kirche bedroht. Komme die politische Klausel, die auch gegen die Reichs v er fasssung verstoße, in Fortfall, so könne man grundsätzlich dem Vertrag zustiminen. Nachdem sich dann Pfarrer Wilm gegen die religiöse Neutralität des Staates gewandt hatte, bezeichnete Domprediger Dr. Döhring (M. d. R.) die politische Klausel als ein

Kampfmittel der Sozialdemokratie

gegen die Verkündung der letzten und höchsten Wahrheit. Die Kirche müsse aber die Freiheit des Wortes haben. Es ivttrbc dann eine Entschließung angenommen, in der die Versamm­lung an den Kirchensenat die dringende Bitte richtet, der drohenden Politisierung der Kirche durch Ab­lehnung der politischen Klausel vorzubeugen, auch auf die Gefahr hin, daß der Kirchenvertrag unter der gegenwärtigen marxistisch gesinnten Regierung nicht zustande komme.

Die für den Abschluß des Vertrages verantwortlichen Stellen wurden im Falle der Annahme der politischen Klausel, sei es mit oder ohne Schiedsgericht, eine Vertrauens­krise innerhalb der evangelischen Kirche herausbeschwören, die ihr zu allerschwerstem Schaden gereichen müsse.

Erdbeben aus Java. -18 Tote.

A mstcrda m. Auf Mitteljava, in der Nähe der Residenz Teghal und des Vulkans Slamet wurde ein schweres Erd­beben verspürt. 18 Personen sind ums Leben gekommen. Etwa 40 Personen haben Verletzungen davongetragen, 15 von ihnen sind schwer verletzt. Hunderte von Wohnungen der Eingeborenen sind sehr schwer beschädigt oder vollständig zer­trümmert. Der Schaden wird aus 100 000 Gulden geschätzt. Die Luft war von starken Schwefeldämpsen erfüllt.

Der Weg aus der Not.

Politische Freiheit und Wirtfchnstsirdnund.

Der Reichskanzler nahm an einer Notkund­gebung des Verbandes Sächsischer Industrieller in Chemnitz teil. Als er in Begleitung seines Staats­sekretärs und des Verwesers des Reichswirtschafts­ministeriums, Staatssekretär Trendelenburg, in Chemnitz eintraf, wurde er auf dem Bahnhofsplatz mit Nieder- Rufen empfangen. Auch vor dem HotelChemnitzer Hof", wo der Reichskanzler zunächst abstieg, sammelten sich große Menschenmengen, die von der Polizei auseinander­getrieben wurden.

In der Hauptversammlung des Jndustriellenverban- des, dessen Tagung unter dem Leitwort: Sachsen braucht Arbeit! stand, hielt der Reichskanzler eine Rede, in der er u. a. folgendes ausführte:

Gerade, wenn man acht Tage durch die Notgebiete Deutschlands gefahren ist und die Not aller Schichten der Be­völkerung in Augenschein genommen hat, war es Pflicht für die Reichsregierung, als nächstes Notstandsgebiet den Frei­staat Sachsen zu besuchen. Ich habe auf meiner Ostreise keine Versprechungen gemacht und die Bevölkerung und ihre Vertreter nicht einen Augenblick

über den Ernst der Lage

im unklaren gelassen. Daß es eine Weltkrise von so großem Umfang gibt, wissen nicht nur wir, sondern alle Länder. Ich will feststellen, daß alle Regierungen, ganz gleich, in welchen Ländern, mit einer einzigen Ausnahme von den außerordent­lichen Schwierigkeiten in der Wirtschaft betroffen worden sind. Das ist natürlich keine Entschuldigung für

die Fehler, die in der Vergangenheit gemacht worden sind.

Die Beseitigung der Schwierigkeiten ist aber für Deutsch­land ganz besonders schwer. Deutschland hat viele Fehler gemacht, die wir wieder gutmachen müssen.

Es ist zu verlangen, daß die drückenden Tributlasten einer Revision unterzogen werden müffen. In dieser Frage ist sich das ganze deutsche Volk glücklicherweise einmal einig. Es wäre aber falsch, etwa die Hände in den Schoß zu legen und alles teil von der notwendigen Minderung der außenpolitischen asten zu erwarten.

Ich erinnere daran, daß es ein großer Fehler war, im Jahre 1928 finanziell unaerüstet an die Revision

Verkehrssragen zu Lande und zu Wasser.

Haushaltsausschuß des Reichstages.

Der Haushaltsausschuß des Reichstags begann mit der Beratung des Haushalts des Reichsverkehrsministeriums. Dr. Qua atz (Dtn.) betont, daß sich die Geschäftslage der Reichsbahn von Monat zu Monat verschlechtere. Es wäre auch an der Zeit, daß die Reichsregierung Klarheit über ihre Baupläne auf dem Gebiet der Wasserstraßen schaffe. Dem Vernehmen nach plane sie die Gründung einer Gesellschaft mit ausländischem Kapital für den Ausbau des Mittel­landkanals. Dadurch werde zwar der Ausbau dieses Kanals beschleunigt, aber der Ausbau des Wasserstraßennetzes im Osten gerate ins Hintertreffen. Dringend notwendig sei ein ausreichender Hochwasserschutz der Oder. Der Redner fragte dann, wie es mit der sogenannten großen Grenz­bahn stehe. Was die Pläne betreffe, einen Kanalzwischen der Oder und Donau zu bauen, so habe die Tschecho­slowakei betreits die Absicht ausgesprochen, sich daran zu be­teiligen. Ein solcher Kanal bringe aber schwere Gefahren für die oberschlesische und die Waldenburger Industrie.

Die Abgg. H ü n l i ch (Soz.), Köhler (Ztr.), Dr. Hugo lDt. Vp.), Dr. Gereke (Landvolk) behandeln eingehend die Fragen der Reichsbahn.

Reichsverkehrsminister G u é r a r b sprach über den Stand der Reichsbahn und der Wasserstraßen und führte u. a. aus: Die Reichsbahn sei genötigt gewesen, zum Bilanzausgleich bereits den größten Teil ihres Anteiles an der Noung-Anleihe für die Reaktivierung des zu Investitionen ver­brauchten Rechnungsbetrages zu verwenden. Auch müsse sie die Dividendenrücklage schon für die Zahlung der Dividende in Anspruch nehmen. Wenn der Verkehr nicht eine starke Belebung erfahre, bestehe die Gefahr, daß die Ausgleichsrücklage angegriffen werden müsse und damit die Garantiepflicht des Reiches praktisch werde. Bei dieser Lage stehe er der Möglichkeit einer weiteren Tarifsenkung skeptisch gegenüber.

Der Abbau der Reichsbahndirektion Magdeburg sei von der Reichsbahn erst beschlossen worden, nachdem Preußen nicht widersprochen habe. Das Gesetz über die Regelung des Kraft- wagenwettbewerbs solle den Streit Kraftwagen Eisenbahn möglichst mildern.

Auf dem Gebiet der Wasser st raßen sei bte erwünschte Planmäßigkeit noch nicht erreicht. Er hoffe jedoch, die Gelder für die rentablen Kanalbauten aus Anleihen aufzubrin- gen. Bei dem einheitlichen Plan stehe der Mittelland­kanal an erster Stelle. Der Dortmun dE m s - Kanal genüge nicht mehr den Anforderungen; es bestehe die Gefahr einer Abwanderung großer Industrien nach dem Rheine hin. Der Ausbau des Kanals für 1000-Tonnen-Schiffe sei unbedingt notwendig. Der Neckar solle zunächst nur bis Heilbronn kanalisiert und 1938 fertig werden.

Im gleichen Zeitraum werde die RheinMain Donau- Verbindung im Main aufwärts bis Würzburg und die Niedrig-Waffer-Regulierung der Donau von Regensburg bis Paffau geführt werden.

Für den Osten seien im neuen Osthilfegesetz neun von den vorgesehenen elf Eisenbahnen in Aussicht genommen. Darüber hinaus sei die Schaffung der großen Nordost-Südwest-Verbin- dung notwendig. Ein Teil der Nordost-Südwest-Linie werde zunächst mit der Strecke SchwertnKreuH in Angriff genommen.

Zum Schluß ging der Minister auf die Gehälter der leiten­den Beamten der Reichsbahn ein. Auf eine Anfrage teilt er noch mit, daß die sieben leitenden Beamten der Reichsbahn nach dem Beispiel der Reichsminister auf 20 Prozent ihres Gehalts verzichtet hätten. Im übrigen würden die Beamten- Silter bei der Reichsbahn um 6 Prozent herabgesetzt. Die ten des Verwaltungsrates seien auf jährlich 10000 Mark herabgesetzt worden.

Umgestaltung der Arbeitslosenversicherung.

Ein Gebot der Stunde.

In Nr. 2 derZeitschrift für Selbstverwaltung" vom 15. Januar 1931 fordert Syndikus Dr. von Hausen unter dem StichwortUmgestaltung der Arbeitslosenversicherung Ein Gebot der Stunde" eine radikale Umstellung des heutigen Systems der Versorgung der Arbeitslosen, das durch die Ent­wickelung der wirtschaftlichen Verhältniße seinen Sinn ver­loren habe und zum sicheren Zusammenbruch der öffentlichen Finanzen führen müsse. Er führt aus: Die jetzige Art der Ver­sorgung der kurzfristig und der langfristig Arbeitslosen sei vom Fürsorgestandpunkt nicht länger zu verantworten. Angesichts des viel größeren und ernsteren Notstandes der langfristigen Arbeitslosigkeit habe die Versicherung gegen das kleinere Uebel der kurzfristigen Arbeitslosigkeit keine Berechtigung mehr. Die Arbeitslosenversicherung müsse daher unter Beteiligung des Reiches zu einer zeitlich nicht beschränkten Hilfe für die l a n g - fristige Arbeitslosigkeit umgestaltet werden. Von Hausen schlägt demgemäß vor, in den ersten 3 Monaten der Arbeits­losigkeit die allgemeine kommunale Fürsorge eintreten zu lassen und die langfristig Arbeitslosen auf die Reichsanstalt und das Reich zu übernehmen. Da die allgemeine kommunale Fürsorge nur eintritt, wenn Hilfsbedürftigkeit im fürsorgerechtlichen Sinne vorliegt und ihre Leistungen zurückfordern kann, würden große Summen, bis jetzt ohne Rücksicht auf Bedürftigkeit für

heranzugehen. Zn dem Tempo, wie die wirtschaftlichen und finanziellen Maßnahmen vurchgefuyn weroen, in dem gleichen Tempo werden wir auch außenpolitisch freier und aktiver auftreten können. Wir haben es mit kühlen Rechnern auf der anderen Seite zu tun. Wir müssen auch dar­aus hinaus, daß die Selbstkosten der Industrie weiter gesenkt werden und daß wir

den Anschluß an den Weltmarkt

rechtzeitig erreichen. Die Tatsache, daß die Bevölkerung den Eindruck bekommt, daß ihre finanziellen Bedürfnisse nicht ge­nügend elastisch berücksichtigt werden, ist eine

Hemmung für die Produktion.

Es besteht keine Frage, daß nicht nur wir, sondern auch andere große Länder in dem Ausmaß der Rationalisierung in Landwirtschaft und Industrie

den Bedürsniffen vorausgeeilt

sind. Der Erfolg der Sparmaßnahmen wird nicht be­reits in einem oder zwei Jahren eintreten, sondern vielleicht erst in zehn Jahren. Es gilt, einen Grundsatz durchzusühren, nämlich,

mit wenig Geld möglichst viel zu erreichen.

Es sind zu viele Gesetze gemacht worden, deren finan­zielle Auswirkungen nicht zu übersehen waren. Wenn e. ge­lingt, einen Vorstoß verschiedener Produktionsgruppen auf eine einzige Linie, auf einen einigen Vormarsch zum wirk­lichen Wiederaufbau zu bringen, dann wird auch der Weg freier im Sinne einer Außenpolitik, wie ich sie wiederholt ge- kennnzeichnet habe.

Es gibt nur einen Weg, und zwar den Weg einer gewissen Härte, um zur Freiheit und aus unserer Not herauszu­kommen. Der Weg der Wahrheit wird uns moralische Kraft zum eigenen Ausbau geben und dann wird es der Re­gierung möglich sein, uns aus der schweren wirtschaftlichen Not zu befreien und unserem Volk zu einer besseren Zukunft zu verhelfen."

Die Rede des Reichskanzlers wurde wiederholt durch Zwischenrufe und Beifall unterbrochen. Der Reichskanzler hat dann Chemnitz wieder verlassen und sich nach Berlin zurückbegeben.

Da es bei der Ankunft des Reichskanzlers zu feind­lichen Kundgebungen gekommen war, war bei der Abfahrt ein großes Polizeiaufgebot anwesend. Auf dem Wege zum Bahnhof hatten sich wieder Demonstranten angesammelt, dieNieder" undHunger" riefen.

die ersten Monate der Arbeitslosigkeit verausgabt werden, frei für die Versorgung der langfristig Arbeitslosen, für die jetzt keine Deckung vorhanden ist. Für die Arbeitslosenversicherung selbst schlägt Dr. von Hausen anstelle der vielfach geförderten Einführung der Bedürftigkeitsprüfung eine Trennung der Leistungen vor: in R e g e I leistungen, die jeder erhält, und Zu­satzleistungen, die in Form eines Zuschlages zu den Beträgen zur Arbeitslosenversicherung von denjenigen zurückgezahlt wer­den müssen, die sie in Anspruch nehmen.

Die Wahrheit über Südslawien.

Erklärung des yZinifterpräftbenten Zivko- witsch: Keine Änderung der politischen Linie.

über Südslawien waren in den letzten Tagen Gerüchte verbreitet, die von einer Änderung der bisherigen außenpolitischen Linie sprachen. Im Zusammen­hänge damit sprach man auch von einer Änderung der Leitung der Berliner südslawischen Gesandtschaft

Wir können aus bester Quelle versichern, daß an allen diesen Gerüchten nichts Wahres ist Ministerpräsident General Z i v k o w i t s ch erklärte in diesem Zusammenhangs:

Es gibt keine Unzufriedenheit, feine Verschwörungen und keine Änderung des Verwaltungssystems Gegner der Regierung verbreiten darüber im nicht informierten Auslande Schauermärchen, um die öffentliche Meinung irrezuführen.

Das Volk von Südslawien arbeitet mit Anerkennung und Hingabe an dem Werke der Konsolidierung."

Die Worte des Ministerpräsidenten, die er mit kraftvoller Betonung der Einmütigkeit im ganzen Lande gerade an die interessierte Öffentlichkeit gerichtet hat, werden in Deutschland um so mehr interessieren, als auch hier vielfach von einem Abgehen von der bisherigen deutschfreundlichen Politik, wie sie Gesandter Ziwojin Balugdzitsch nunmehr seit einer langen Reihe von Jahren in Berlin vertritt, Gerüchte auf- getaucht waren Es verlohnt also, aus der zuständigen Er­klärung des Ministerpräsidenten Zivko" "-h authentisch und zuverlässig den Bescheid zu hören:

Es bleibt bei der guten und bewährten Linie und bei dem festen Willen zur wirtschaftlichen und politischen Gesundungsarbeit in Südslawien.

Blusige Zusammenstöße in Berlin.

Über 100 Verletzte.

Der blutige.Zusammenstoß, der sich in Berlin anläßlich einer nationalsozialistischen Versammlung zwischen National­sozialisten und Kommunisten ereignete, gehört zu den schwersten Ausschreitungen, die sich in diesem erregten Winter aus politischen Gründen zugetragen haben. Man kann das am ehesten daraus ersehen, daß es bei diesem Zusammenstoß über 100 Verletzte gab, von denen fünf so schwere Verwun­dungen erlitten haben, daß sie in ein Krankenhaus gebracht werden mußten. Unter den Verletzten befanden sich auch zahl­reiche Frauen, die bei der Panik zu Boden gerissen wurden wnb nicht mehr rechtzeitig ins Freie gelangen konnten.

Die polizeilichen Ermittlungen haben ergeben, daß die Kommunisten den blutigen Zusammenstoß verursacht haben. Der erste Teil der Versammlung war verhältnismäßig richig verlaufen. Als der nationalsozialistische Parteiführer Göbbels das Wort zu einer Schlutzansprache nehmen wollte, nachdem vor ihm zwei andere nationalsozialistische Abgeordnete und ein kommunistischer Abgeordneter zu Worte gekommen waren, stimmten die Kommunisten, die in der Versammlung sehr zahl­reich vertreten waren, die Internationale an, um Göbbels am Reden zu verhindern. Stuhlbeine und Biergläser flogen durch den Saal, so daß bald eine Schlacht zwischen den Kommunisten und dem nationalsozialistischen Saalschutz im Gange war. Die Polizei, die mit einem sehr starken Aufgebot zur Stelle war, hatte große Mühe, die Kämpfenden zu trennen. 22 Sistierungen wurden vöraenommcn, 8 Personen blieben wegen unbefugten Waffcnbcsiües in Hast.

Dr. Göbbels hat übrigens dem Polizeioffizier mitgeteilt, daß er schon vor Beginn der Versammlung Drohbriefe erhalten habe, in denen ihm geraten wurde, lieber nicht zur Ver- sammlung zu kommen oder sonst einen großen Verband­kasten mitzubringen.

60 italienische Flugboote sollen nach Amerika fliegen.

Mit einem geradezu phantastischen Plane beschäftigt sich, wie man hört, die italienische Luftfahrt. Der geglückte Brasilienflug elf italienischer Flugboote hat neuen Taten­drang geweckt, und so soll denn über kurz oder lang

ein Riesengeschwader von 60 Flugbooten

zu einem Fluge nach Amerika starten diesmal nach Nordamerika mit dem Ziele Newyork. Es steht noch nicht fest, welcher Weg für die Überquerung des Atlantiks gewählt werden soll. Es heißt aber, daß die elf Flug­boote, die sich zurzeit in Südamerika befinden, mit zu diesem Unternehmen herangezogen werden sollen. Sie sollen sich mit dem größeren Teile des Riesengeschwaders an einem Punkte Süd- oder Mittelamerikas vereinigen und dann gemeinsam den Flug nach Norden antreten.