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Kassel, 20. Ian. (Eigenartiger Verkehrsunfall in Kassel.) Gestern gegen mittag ereignete sich in der Schil- lerstratze ein eigenartiger Vcrkehrsunfall, der zum Glück ohne ernstere Folgen für die Beteiligten ablief. Die beiden Pferde eines Gespannes der achten Kompagnie des hiesigen Bataillons gingen dem Fahrer durch: in rasendem Tempo eilte der Wagen die abschüssige Straße hinab und prallte mit einem an der rech­ten Straßenseite haltenden Kraftwagen so heftig zusammen, daß das linke Pferd des Reichswehrwagens auf dasDach des Autos geriet, während das rechte Pferde auf dem Kühler des Autos hängen blieb. Die Wagendeichsel zertrümmerte die Windschutzscheibe und durchbohrte die Wagendecke von innen heraus. Der Chauffeur konnte sich im allerletzten Augenblick aus dem Führerstand retten, entging also mit knapper 9tot dem Tode. Nach Zeugenaussagen trifft den Oberschützen der Reichswehr keine Schuld. Die beiden Pferde trugen Verletzun­gen davon, auch das Auto wurde stark beschädigt.

Kirchham, 15. Jan. (Von der Kornhausgenossen- s ch a f t.) Aus dem erstatteten Geschäftsbericht geht hervor daß die Lagerhäuser in Schweinsberg, Neuhaus (Kreis Alsfeld), Neustadt, Halsdors und Kirchhain trotz der schweren Wirt­schaftskrise im vergangenen Jahre einen guten Abschluß zu ver­zeichnen und bedutende Umsätze getätigt haben, sowie eine stän­dige Aufwärtsbewegung zeigen.

Marburg, 19. Ian. (Die Reichs gründungsfeiern in Marburg.) Nachdem in den Morgenstunden das Aus- bildungsbataillön Inf.-Rgt. 15 auf dem KSmpfrasen eine Ge­denkfeier veranstaltet hatte, bei der der Kommandeur die An­sprache hielt, folgte um 11 Uhr die akademische Reichsgründungs- feier in der Universitätsaula. Nach feierlichem Einzug des Lehrkörpers und der studentischen Chargierten hielt Professor Dr. Merhart. v. Bernegg die Festrede über das Thema .^Kultur- krise der Urgeschichte". Das gemeinsam gesungene Deutschland­lied leitete über zur Verkündigung der in jedem Jahr von den einzelnen Fakultäten gestellten Preisaufgaben. Die im Vorjahr gestellten Aufgaben hatten im Gegensatz zu denen der vorher­gehenden Jahre zahlreiche Bearbeitungen gefunden. Chor und Orchester des Marburger Konzertvereins unter Leitung von Professor Stephani umrahmten die Feier mit Chor- und Orche- stervorträgen. Die Feier der Allgemeinen Marburger Studen­tenschaft fand nachmittags unter Teilnahme einer nach Tausen­den zahlenden Zuhörermenge auf dem Marktplatz statt. Die Hauptansprache hielt Eeneralsuperintendent a. D. Prof. D. Klin­gemann. Daneben sprachen noch der Rektor der Universität Pro­zessor Dersè, sowie der Vorsitzende der Matzburger Studenten­schaft, der zum Schluß eine Entschließung gegen das herausfor­dernde Benehmen des Polentums gegenüber Deutschland ver­las. Schließlich veranstalteten abends noch die vereinigten Mar­burger Kriegervereine im überfüllten Stadtfaal eine Reichs- gründungsfeier, bei welcher Oberst <l D. Immanuel die Haupt­ansprache hielt.

Gießen, 19. Zan. (Vergeblicher Einspruch beim St a a t s k 0 m m i ss a r.) Die Stadtratsfraktion der Arbeits­gemeinschaft der Mitte (Deutsche Volkspartei, Demokraten und Zentrum) hatte sich mit einem Schreiben an den Staatskommis- jar für Gießen, Oberregierungsrat Haberkorn in Darmstadt, gewandt, in dem beanstandet wird, daß der Staatskommisiar bei seiner Steuerfestsetzung über die von der Gießener Stadt­verwaltung vorgeschlagenen Sätze hinausgegangen sei, daß man die Rückwirkung der Steuern vom 1. April 1930 ab als untrag­bar empfinde, und daß der Staatskommisiar die von der Stadt­verwaltung beim Stadtrat beantragte Erhöhung der Mieten um 2 Prozent nicht angeordnet habe. Weiter wird beanstandet, daß der Staatskommisiar sich vor seiner Entscheidung nicht auch mit dem Stadtrat oder seinen Vertretern in Verbindung setzte. Zum Schluß wird der Staatskommisiar gebeten, nochmals mit der Stadtverwaltung und dem Ctadtrat gemeinsam eine Prü­fung der Verhältniße und der Maßnahmen zur Deckung des Fehlbetrags im Gießener Haushalt vorzunehmen und mit dazu beizutragen, daß die gegenwärtigen Härten der Steuerfest­setzung vermieden werden. Der Staatskommisiar hat daraufhin an den Vorsitzenden der Fraktion der Arbeitsgemeinschaft der Mitte geantwortet, daß die von ihm ihm anaeoidneten steuer­lichen Maßnahmen auf gesetzlichem Wege mit den erforderlichen ministeriellen Genehmigungen zustande gekommen seien und da­her für ihn kein Anlaß und auch keine Möglichkeit zu Abände­rungen bestünde. Da der Staatskommisiar nach gesetzlicher Vor- schrrft an die Stelle des Stadtrats trete und dessen Beschlüße »ersetze, könnten auch Verhandlungen mit dem Stadtrat nicht in Frage kommen. Der Staatskommisiar erklärt sich aber bereit, ^geeignete Vorschläge zu Ersparnissen und Mehreinnahmen für Ibas Rechnungsjahr 1930 auch von dem Stadtrat schriftlich ent- j gegenzunehmen.

, Klein-Linden, 19. Ian. (Eigenartiges Geschenk.) (Der weitgereiste Boldmonteur vomGraf Zeppelin", Philipp lLenz zu Friedrichshafen, brachte von seiner letzten Amerikafahrt 'einen jungen Alligator mit, den er der hiesigen Volksschule, di« er acht Jahre besuchte, zum Geschenk übersandte.

Gelnhausen, 20. Jan. (Gründung einer Meliora- ftions-Genossenschaft.) Zum Zwecke der Melioration eines größeren Wiesengeländes hat sich im Kreisorte Wolferborn in den letzten Tagen eineEnt- und Bewäsierungsgenosienschaft Wolferborn" gebildet, die die erforderlichen Arbeiten nach Art der Genossenschaft für die Kinzig- und Brachregulierung bei Wächtersbach gemeinschaftlich betreiben wird.

Offenbach, 20. Jan. (Der gezeichnete Wegelage- r e r.) Ein junger Mann, der sich auf dem Rade auf dem Wege nach Frankfurt befand, wurde unterwegs von zwei Leuten ange­

halten und um Feuer gebeten. Plötzlich wurde er gepackt und der eine bemerkte:Dem nehmen wir sein Zeug ab!" Der Rad­ler versetzte dem einen Wegelagerer mit einer Kette einen Schlag ins Gesicht, der den Täter wohl kenntlich machen wird. Die Uebeltäter nahmen über das Feld Reißaus.

Frankfurt, 18. Jan. (Dasjch wache" Geschlecht.) Eine kühne Tat vollbrachte Freitag nachmittag in der Holbern- stratze im Stadtteil Sachsenhausen eine ,unge Radfahrerin. Das Pferd eines dort haltenden Fuhrwerkes scheute plötzlich und ging in rasendem Galopp durch. Das junge Mädck>en, eine lei- den,chaftliä>e Reiterin. sauste mit ihrem Fahrrad hinter dem Wagen her. warf dann, als cs das Pferd eingeholt hatte, das Rad fort und fiel dem in vollem Lauf befindlichen Tiere in die Zügel. Es gelang dem jungen tapferen Mädchen auch schließlich, das scheue Pferd zum Halten zu bringen und zu beruhigen, bis dann der Fuhrmann kam und sein Pferd wieder in Obhut nahm. Das junge Mädchen aber schwang sich wieder auf das Rad und verschwand in einer Seitenstraße.

Frankfurt a. M., 20 Jan. (Eduard Martell 70 Jahre alt.) Am 21. Januar vollendet der Konrektor und frühere deuischnationale Landtagsabgeordnete Eduard Martell in Riederursel sein 70. Lebensjahr. Martell ist ein besonderer Kenner der kommunalen Verhältnisse Frankfurts aus früheren Jahrzehnten. Auch als ausgezeichneter Kenner der Bismarck- öiteratur hat er sich einen Namen gemacht. Politisch ist Martell aus der alten Nationalliberalen Partei hervorgegangen.

Frankfurt a. M., 20. Jan. (Der Mord am Hunde­zwinger.) Es steht nunmehr einwandfrei fest, daß der er­mordete Metzgermeister Kappes am Samstag gegen 6 45 Uhr nachm. das Tor zum Wagenplatz aufgeschlosien hat und nach feinem Hundezwinger gegangen ist. Bevor er den Wagenplatz betrat, sind dort Stimmen gehört worden; auch haben die Hunde gebellt. Einige Minuten nach dem Betreten des Wagenplatzes durch Kappes schlugen die Hunde sehr laut an. Es ist hieraus zu schließen, daß sich bereits eine oder mehrere Personen auf dem Wagenplatz und wahrscheinlich in der Nähe des Zwingers be­fanden, bevor Kappes den Wagenplatz betrat. Nach Mitteilun­gen aus dem Publikum ist zur Tatzeit ein Mann mit einem Rucksack gesehen worden, der in der Nähe des Tatortes über ein freies Feld lief. Außerdem will eine Frau auf dem Wagenplatz zwei Gestalten beobachtet haben, als die Hunde laut. bellten. Da es sehr dunkel war, konnte sie nähere Angaben über die Personen nicht machen. Ferner ist zur Tatzeit auf dem Strah- lenbergerweg ein etwa 1,80 m großer Mann gesehen worden. Die Frankfurter Kriminalpolizei fahndet jetzt nach diesen Männern.

Neu-Isenburg, 20. Ian. (Milchkrieg in Neu-Isen­burg.) Ein hiesiger M'lchhändler hatte die Milch pro Liter 28 Pfennig frei Haus und 27 Pfennig bei Abholung angeboten. Darauf richtete die Milchhändlervereinigung an die Molkerer Osthafen-Frankfurt a. M., die den Händler und auch sie zum größten Teil beliefert, das Ultimatum, die Milchlieferung an ersteren sofort einzustellen, da er die beschloßenen Preise nicht einhalte, anderenfalls müßten sie-selbst mit der Molkerei als Lie­ferantin brechen. Die Molkerei hat den Händler in Kenntnis ge­setzt, sich aber auf Einspruch einer örtlichen Preisüberwachungs­komm ifsron bereit erklärt, ihn wenigstens noch solange zu belie-, *ern, bis er eine andere Bezugsquelle gefunden hätte. Man ist nun gespannt, wie sich dieser PreisabbauversukK weiter entwickelt.

Darmstadt. (Krawall auf dem Wohlfahrtsamt.) Gestern vormittag kam es auf dem Darmstädter Wohlfahrtsamt zu Tumulten, die das Eingreifen der Polizei erforderlich mach­ten. Der Wohlfahrtserwerbslose Karl Landzettel war dort mit seiner Frau erschienen, um eine Erweiterung seiner Rente zu verlangen. Als dieses abgelebnt wurde, benahm sich Landzettel sehr laut und auffasiend, so daß der diensttuende Beamte sich aus einem anderen Zimmer einen Spazierstock holte. Darauf stürzte sich Landzettel auf den Beamten, entriß ihm den Stock und schlug ihm so heftig auf den Kopf, daß er eine klaffende Wunde davontrug. Andere Erwerbslose mischten sich darauf in den Streit ein, drückten die Tür eines Zimmers ein und be­drohten den dort anwesenden Beamten mit einem Stuhl. Das Ueberfallkommando mußte schließlich eingreisen und die Radau­brüder verhaften.

Darmstadt, 20. Jan. (L andesvor st andssitzung der Deutschen Staatspartei in Hessen.) In einer aus allen Teilen des Landes besuchten Landesvorstandssitzung der Deutschen Staatspartei in Hessen wurden am vergangenen Samstag in Darmstadt in Anwesenheit von zwei Mitgliedern des Reichsparteivorstandes, Frau Dr. Lüders und Landtagsab­geordneten Ruschke, politische und organisatorische Fragen be­handelt. Die anregend verlaufenen mehrstündigen Verhand­lungen waren von dem einmütigen Willen zu tatkräftiger Zu­sammenarbeit getragen. Im Zusammenhang mit der klärenden Besprechung über das Verhältnis der Staatspartei zur Demo­kratischen Vereinigung teilte der hessische Parteiführer, Land­tagsabgeordneter Schreiber, mit, daß er nur unter ganz bestimm­ten Voraussetzungen sich zur Mitarbeit in der demokratisch- staatsparteilichen Arbeitsgemeinschaft bereit erklärt habe. Der Reichsparteileitung wurden genau formulierte Anregungen und Wünsche unterbreitet, die sich auf die Aufgaben und die Arbeit der nächsten Zukunft beziehen.

Darmstadt. (Ein ungetreuer Rechner.) Der Rechner der Spar- und Darlehnskasse (Raiffeisen) Rieder-Beer- bach wurde festgenommen, nachdem in den Büchern größere Ver­untreuungen festgestellt worden sind. Die Höhe der Unterschla­gungen ist noch nicht ermittelt.

Darmstadt, 20. Jan. (Das Stahlhelmverbot an den hessischen Schulen bleibt bestehen.) Der Ab­geordnete Dr. Wolf-Mainz (Volksrechtpartei) hatte kürzlich be­antragt, das Verbot des Stahlhelms in den hessischen Schulen anfzuheben. Auf diesen Antrag gibt Kultusminister Dr. Ade­lung jetzt folgende Antwort: Der Stahlhelm ist im Jahre 1926 für Schuler verboten worden, weil der von diesem Verband auf die Jugend ausgeübte Einfluß in Widerspruch steht zu der Er- zichungsrichtung, die die Reichsverfassung, das hessische Volks- schulgesetz und die hessische Verordnung vom 26. 8. 1922 vorschrei­ben. ' 1928 hat eine Nachprüfung stattgefunden. Aus dem vom Stahlhelm selbst eingesandten Material ergab sich, daß der Widerspruch derselbe geblieben ist. Auch die Haltung des Stahl­helms nachher zeigt keine Annäherung an die repubikanifche Er­ziehungstendenz.

Darmstadt, 20. Ian. (Lehrer Weber zu Gefängnis verurteilt.) Vor dem Schöffengericht Darmstadt wurde gestern der 39jährige nationalsozialistische Lehrer Weber aus Lampertheim, dessen Verhalten idjon mehrfach zu Zusammen­stößen in der Gemeinde führte, weil er in einer Wirtschaft die deutsche Republik alsKorruptions-, Schieber- und Judenstaat" bezeichnet hatte, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Weber ist bereits vom Dienst suspendiert. Das Disziplinarverfahren gegen ihn steht noch aus.

Niisielsheim. 20. Jan. (Aus den O p e l w e r k e n.) Die Arbeiterbelegschaft der Opelwerke ist zur Zeit wieder auf 5500 Personen angewachsen, dazu kommen rund 1200 Angestellte und Beamte. Die Opelwerke haben der Stadtverwaltung zur un­entgeltlichen Verteilung an die ausgesteuerten Erwerbslosen eine erhebliche Menge von Abfallholz zur Verfügung gestellt.

Marienberg, 19. Jan. (lOprozentiger Eehaltsver- zicht der Bürgermeister.) Die Bürgermeister der im Landgemeindeverband organisierten Landgemeinden des Ober­westerwaldkreises beschlossen auf einer in Erbach abgehaltenen Versammlung, ab 1. April auf 10 Prozent ihres Gehalts bzw. der Dienstaufwandsentschädigung zu verzichten. Die Bürger­meister hoffen, daß auch andere bei den Kommunen im Arberts- verhältnis stehende Personen diesem Beispiel folgen werden.

Turnen, Sport und Spiel

Am Sonntag wurde die deutsche Vierbob-Meisterschaft entschieden. Erneut waren große Schneemengen nieder­gegangen, so daß die Bahn nur unter Mühe fahrfertig ge­macht werden konnte. Trotzdem wurden bis 60 Std.-Km. erzielt. Den Sieg errang der einzige süddeutsche Vertreter im Felde. Der Verteidiger des Meistertitels,Fram III"; kam nur auf den vierten Platz.

Die Ergebnisse: 1. BobOlhmpia III" (Führer Kilian- Bremser Hober) Garmisch 3:09,4 Min.: 2. BobBerolina" ^Grau-Bräumel) Berliner Schlittschuhklub 3:14,1 Min.: 3. BobFlott III" (Fischer-Mehlhorn) Berliner Schlittschuh­klub 3:15,8 Min.: 4. BobFram III" Berliner Schlittschuh­klub 3:16,8 Min.

Deutsche Hochschul-Ski-Mcisterschafteu. In Garmisch- Partenkirchen gelangte am Sonnabend der erste Teil der Hochschulmeisterschüften mit dem Langlauf zum Austrag. Bei außerodentlich schlechten Schneeverhältnissen traten 84 Läufer zum Start an. Sieger wurde der Breslauer Leupold in 1:27:02 Stunden vor Schöllmaier-München 1:38:48 Stunden, Sedelmaier-München, Rainel-Jnnsbruck und Stöckel München. Im Mannschaftswettbewerb siegte die UrtinmL tät Innsbruck.

Bojce/&

Reusel schlägt Nffelmann t o. Im Leipziger Zoo tour» den am Sonnabend abend Berufsboxkämpfe ausgetragen. Als Hauptkampf stand die Begegnung Walter Neusel 'Bochum) gegen Hein Uffelmann (Barmen) auf dem Pro­gramm. Der Bochumer kam zu einem k. o.-Sieg in der weiten Runde. Im Mittelgewicht kämpfte Gebstedt^LeiP- zig) gegen Präwitt über 8 Runden nur Unentschieden. Der zweite Mittelgewichtskampf sah Pönisch gegen den Kölner Ruchbaum nach 8 Runden als Punktsieger. Im Halbschwer­gewicht errang der Leipziger Pietsch einen Punktsieg gegen den Berliner Kern.

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