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Internationale Fluaplankonferenz

26 Gesellschaften ant 16 Ländern r a gen.

In den Räumen des Auswärtigen Amtes wurde die all jährlich in Berlin stattfindende Internationale Flug Plankonferenz eröffnet. Direktor Wronsky von der Seu: schen Lufthansa konnte die Vertreter von 2 6 L u f t v e r k e h r s- gesellschaften aus 16 europäischen Ländern sowie den Generalsekretär der Internationalen Lufitransporl- VereinigungIata" begrüßen. Die Tagung umfaßt in erster Linie Vereinbarungen über internationale Flugplanfragen. Außerdem werden Tariffragen für Fracht und Passage usw. besprochen. Das Flugstreckennetz des nächsten Sommers dürfte in seinen Grundzügen dem des vergangenen Jahres ent­sprechen, jedoch sind einige wichtige Neuerungen be­merkenswert. U. a. werden von Berlin nach Rom künftig zwei Expreßverbindungen führen, einmal über Wien, das andere Mal über MünchenMailand. Ferner entsteht neu eine Flugverbindung VenedigMünchcn in Betriebsgemeinschaft zwischen einer italienischen Luftver­kehrsgesellschaft und der Deutschen Lufthansa. Fraglich ist noch eine neue Verbindung Zürich Mailand. Ander im letzten Sommer von der Lufthansa allein betriebenen Racht- Postlinie BerlinLondon wird sich voraussichtlich von Köln ab die englische Luftverkehrsgesellschaft beteiligen. Dieses würde dann eine deutsch-französische Nachtpost- l i n i e K ö l nP a r i s ermöglichen. Die Nachtpostverbindung StockholmHannoverLondon wird während des ganzen Sommers gemeinsam von der schwedischen Gesellschaft und der Lufthansa beflogen werden.

Eine ganze Partei fehlt

im Reichsiagsausfchuß.

Die Nationalsozialisten zur Strafrechtsreform.

Der S t r a f r e ch 1 s a u s s ch u ß des Reichstages begann seine Beratungen. Da die nationalsozialistischen Ausschußmitglieder nicht erschienen waren, ihr Ausbleiben auch nicht begründet und nicht mitgeteilt hatten, ob sie die ihnen zugeteilten Referate übernehmen würden, erklärte der Vor­sitzende, Abgeordneter Dr. Kahl, er wolle die Frage der Nichtbeteiligung einer ganzen Partei

dem Ältestenrat unterbreiten.

Die nationalsozialistischen Mitglieder des Strafrechtsaus- schusses des Reichstages veröffentlichen eine Erklärung, wonach dieses Fernbleiben nicht etwa eine grundsätzliche Ab­lehnung jeglicher Zusammenarbeit im Ausschuß bedeuten solle. Zur Begründung heißt es in der Erklärung, die Vollziehung der Strafjustiz im gegenwärtigen Staar einschließlich des Gnadenverfahrens stehe

unter dem Einfluß marxistischer Parteiwillkür.

Sie lasse eine ausgesprochene Tendenz zur wohlwollenden Be- günstigung großkapitalistischer Schieber erkennen. Die national- sozialistischen Mitglieder vermöchten daher nicht gestaltend an einer Unternehmung mitzuwirken, bei der gerade die Träger dieses Verfalles für sich das Recht in Anspruch nähmen, neue Strafgesetze zu machen.

Wie der nationalsozialistische Abgeordnete Stöhr, der später noch im Ausschuß erschien, mitteilte, handelt es sich bei dem Fernbleiben seiner Partei um eine Demonstration gegen den Vorsitzenden Abg. Kahl. Sie würden aber an den weiteren Beratungen teilnehmen.

Das Berliner pfandbriefami.

Zu den Anschuldigungen gegen die beiden Direktoren.

Zu den Anschuldigungen gegen die Direktoren Wege und Le Viseur teilt das Berliner Psandbricfamt u. a. mit: Der Angriff gegen die Goldmark-Eröffnungsbilanz der Berliner Stadtschaftsbank greift in verschiedenen Richtungen fehl. Vor allem sind die damals mangels Ersetzbarkeit des durch dje Inflation zerflossenen Kapitals, durch Geld aktivierten vertraglichen Ansprüche der Bank gegenüber dem Berliner Pfandbriesantt effektive Werte; insbesondere hätte der Wert, welcher der Bank aus der monopolistischen Verwertung der Pfandbriefe des Amtes erwuchs, weil höher, als geschehen, aktiviert werden können. Im übrigen sei lediglich hervorge­hoben, daß zu deneinigen alten Möbeln" u. a ein drei­stöckiger moderner Tresor gehörte und die der Bank zur Bc- Nutzung überlassenen rund 450 Quadratmeter Geschäftsräume wegen der unmittelbaren Berührung der Bank mit dem Kun­denkreis des Amtes für die Bank von ganz besonderem Werte sein mußten. An dieser Bilanzierung trifft die beiden Direk­toren keine besondere Verantwortung. Sie hätte selbst im Falle eines Konkurses zur Zeit der Goldmark-Eröffnungsbilanz weder zu einer Schädigung des Amtes, noch der Aktionäre, noch der Gläubiger der Bank geführt. Wegen dieser Eröff­nungsbilanz oder wegendunkler Geschäfte" bei der Bank ist gegen die Herren Wege und Le Viseur bisher überhaupt kein Antrag auf Einleitung eines Disziplinarverfahrens gestellt worden. Gegenüber den Gerüchten von einer Gefährdung oder Erschütterung des Status und des Fundus des Berliner Pfandbriefamtcs sei nachdrücklichst betont, daß das Pfande briefamt völlig fest, gesund und gesichert dasteht.

Vermischte J<ad>H$tei^

Gerichtsverhandlung gegen die polnischen Flieger am

31. Januar.

Oppeln. Nachdem dem polnischen Generalkonsulat in Beuchen auf Anfrage mitgeteilt worden war, daß gegen die in Oppeln festgenommenen polnischen Militärflieger Wolf und Jmiela ein Gerichtsverfahren wegen Verletzung der Paßvor­schriften und des deutschen Luftfahrtgesetzes eingeleitci worden ist, hat das Generalkonsulat die Verteidigung der Flieger dem Rechtsanwalt Simon aus Breslau übertragen. Die Hauptver­handlung findet am 31. Januar in Oppeln statt. Den Vorsitz wird Landgerichtsdirektor Christian führen. .

Wieder 800 Bergleute entlassen.

Dillenburg Die größte Grube im Siegenerlande,Ver­einigung" der Vereinigten Stahlwerke, hat wegen Absatz­schwierigkeiten dèn Betrieb eingestellt. Etwa 800 Bergleute wurden entlassen. Stillegungsanträge sind weiter gestellt für die Erzgrube»Andreas",Friedrich" undSilberwiese" im Kreise Siegen. Diese Betriebe werden am 1. Februar still- llelegi werden.

Der deutsch-österreichische Handelsvertrag in Wien ratifiziert.

Wien. In Anwesenheit des deutschen Gesandten Graf Lerchenfeld wurde der deutsch-österreichische Han­delsvertrag im Bundeskanzleramt ratifiziert.

Spione" in der Tschechoslowakei.

Troppau. Eine Abordnung der Staatspolizei aus Brünn verhaftete in Olmütz den ehemaligen Fliegerhauptmann Kulenburg, der Deutscher ist. Sodann wurde in der Woh­nung des Hauptmanns, in der Kanzlei der Firma Jurnika, deren Eigentümer Kulenberg ist, ferner in der Wohnung des Buchdruckers Coram, in der Schriftleitung desMährischen Tageblattes", gleichzeitig Haussuchungen vorgenom- wen, die zur Beschlagnahme von Material führten. Haupt- wann Kulenburg, der an den letzten Frühjahrsmanövern in Ostrau als Berichterstatter desMährischen Tageblattes" und derOstrauschen Morgenzeitung" teilgenommen hatte, soll da- wals Gerüchte über geheimzuhaltende Einzelheiten der tschechischen Heeresverwaltung veröffentlicht haben.

Rund 250 000 englische Weber ausgesperr«.

London. Die Aussperrung in der W e b i n d u st r i e v o n Lancashire ist vollkommen. Die Gesamtzahl der aus- gesperrten Arbeiter wird vorläufig auf rund 250 000 Mann geschätzt.

Cook wurde amputiert.

Loudon. Dem Führer der Beraarbeitergcwerkschaft, Cook, wurde ein Bcm abgenommen. Er hat die Operation gut überstanden.

Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieien-

Merkblatt für den 22. Januar.

Sonnenaufgang 7.53, Sonnenuntergang 16.31 Uhr. Mond­aufgang 9.44, Monduntergang 20.30 Uhr.

1561: Der Philosoph Francis Bacon v. Derualm in London geb. 1729: Der Dichter Eotth. Ephraim Lessing zu Kamenz i. d. Lausitz geb. 1775: Der Physiker Andrè Marie Ampère in Lyon geb. 1788: Der Dichter Lord Byron in London geb. 1849: Der Dichter August Strindberg in Stockholm geb.

Das Leben ist eine freie Kunst. Wer sie nach Regeln will betreiben, Wird meist ein trauriger Stümper bleiben Und nie gewinnen Meistergunst.

Wetterbericht.

-Ueber Skandinavien hat sich durch starke Ausstrahlung ein kräftiges Kaltlufthoch entwickelt, in dem Fröste von mehr als 20, teilweise sogar mehr als 30 Grad auftreten. An seiner Ost- seite führt eine schwache Ostströmung kältere Luftmassen auf den Kontinent, die sich besonders in den nordöstlichen Teilen Deutsch­lands bemerkbar machen. Im Westen verursacht jedoch eine milde Westströmung immer noch starke Bewölkung und vieler­orts Regenfälle. Bei steigendem Luftdruck dürfte jedoch auch bei uns jetzt die Niederschlagsneigung nachlassen und die Tempe­ratur langsam zurückgehen. Vorhersage bis Mittwoch abend: Vielfach neblig und meist bedeckt, zeitweise noch leichte Regen­fälle, mild, schwache südliche und westliche Winde. Witterungs­aussichten für Donnerstag: Zeitweise aufheiternd, Niederschlags­neigung weiter nachlassend, im ganzen etwas kälter, schwache Luftbewegung.

* Fulda, den 21. Januar 1931.

Was hilft gegen Grippe?

Deutschland ist gegenwärtig von einer Grippewelle erfaßt WvrdeU' UNd die Frage: ,,Was hilft gegen Grippe?" beschäftigt alle Welt. Fast jeder fühlt sich da als berufener Helfer und glaubt, einen guten Rat erteilen zu können. Vielerlei Mittel werden als sicher wirksam empfohlen, aber schon aus dieser Vrelhert geht hervor, daß es ein wirklich zuverlässiges Mittel a« die Grippe nicht gibt. Zudem ist es gefährlich, durch

e Selbstbehandlung die Krankheit zu verschleppen oder gar zu verschlimmern. Wer an Grippe erkrankt ist oder erkrankt zu sein glaubt, der kann daher nichts Besseres tun, als sich ins Bett zu legen und den Arzt zu rufen, dem die in jedem ein­zelnen Falle besonders gearteten Mittel und Wege zur Ver­fügung stehen, um der Krankheit Herr zu werden

. Biele aber, die die Frage aufwersen:Was hilft gegen Grippe?" wollen ganz etwas anderes wissen, nämlich:Wie schützt man sich vor der Grippe?" Auch hier helfen im allge­meinen weder Mittel noch Mittelchen, noch der vielfach ge­priesene Alkoholgenuß, der bei Herzkranken und in manchen Änderen Fällen oft sogar bedenklich ist. Vor Der Grippe wird nur der sich wirksam schützen können, der sich entsprechend hygienisch zu benehmen weiß.

Die Grippe ist eine durch die Luft, insbesondere durch die beim Husten und Riesen verstreuten Tröpfchen übertragbare Erkrankung, der eine Erkältung den Weg bereitet. Vorsorge gegenüber jedweder Art von Erkältung durch genügend marine Kleidung, durch Heizung und ausreichende Lüftung der Wohn- und Arbeitsräume, durch körperliche Bewegung und plan­mäßige Abhärtung stehen uns zunächst einmal als wirksame Waffe gegen den Angriff der Grippe zur Verfügung. Wer er­kältet ist, der halte beim Husten und beim Niesèn ein Taschen­tuch vor den Mund. Auch das Taschentuch muß pfleglich be­handelt werden. Man entfaltet es nicht bei jeder Gelegenheit und ersetzt es möglichst oft durch ein neues. Sehr wertvoll in Grippezeiten ist auch die Verwendung von Papiertaschen­tüchern, die nach einmaliger Benutzung .vernichtet werden. Man suche ferner, von Hustenden und Niesenden oder Grippe­kranken Abstand zu halten, mindestens auf Armeslänge. Ver­nünftige Ernährung, Sauberkeit an sich selbst und gegenüber anderen werden das übrige tun, um den Körper nach Möglich­kett vor der Grippe zu bewahren.

Die Familie bleibt Mittelpunkt".

Zur Reichserziehungswoche 1931.

In den Zeien der Krise wird nicht nur das gerade Be­stehende, sondern auch das Selbstverständliche in Frage gestellt. Man darf wohl mit Recht behaupten, daß in der Struktur unse­rer deutschen Kultur die Familie trotz aller freiheitlichen Fabe­leien in vergangenen Jahrzehnten etwas Selbstverständliches geblieben war. Heute steht es anders. Wir vernehmen täglich in irgendeiner Form mit Auge oder Ohr eine Verkündigung, welche die Familie als gesellschaftliche Form aufheben will. Durch den Bolschewismus ist tatsächlich die Familie in Frage gestellt und schon ordnen sich alle Angriffe dagegen nach den verschiedenen Gradunterschieden in kontinuierlicher Reihe vom Problem zur Ablehnung ein.

Die christliche abendländische Kultur steht und fällt mit der Familie. Wer sie bejaht, muß darum unbedingt für sie ein­treten. Die vom Reichselternbund veranstaltete Re ichs er- ziehungswoche vom 25. bis 3 1. Januar, welche im vorigen Jahr unter dem LeitgedankenJugendhilfe und Ju­gendschutz" stand, hat dieses Jahr die Aufgabe übernommen, dem Gedanken an die Familie zu dienen, und wählt als ihre Leit­ideeDie Familie bleibt Mittelpunkt". Je mehr in unserer Zeit die Idee der Erziehung über das Lernen hin­ausgeht, je stärker auch die Jugend umbraust ist von den öffent­lichen Fragen und Anschauungen, und je geringer dadurch der stark ins Neutrale gedrängte erzieherliche Einfluß der Schule wurde, umso bedeutsamer wird notwendig der Einfluß der Familie. Wir sehen, daß eine neue soziologische Struktur der Familie selbst im Kampf steht mit der patriarchalischen Fami­lienauffassung der vergangenen Zeit. Dieser Kampf wird nicht nur heroorgerufen durch Die Andersartigkeit der Jugend, son­dern erwächst auch aus der sich steigendernden Unsicherheit des Familiengedankens und des Verhältnißes der Familienglieder zueinander. Das Verhältnis der Geschlechter, die Mutterschaft, der Kinderreichtum, das alles sind Fragen und Werte, die mit stärkerem Nachdruck nach einer eindeutigen Entscheidung und Lösung schreien. Es sind aber auch Werte, von deren Be­jahung oder Verneinung, von deren psychologischen und soziolo­gischer Auswirkung der Erziehung des kommenden Geschlechts unendlich viel mehr abhängt als von jeglicher Kathederlehre oder Schulweisheit.

Die Reichserziehungswoche wird versuchen, hier evangelisch zu reden. Die ungeheure, stille und innere Mitarbeit der Kirche an den Fragen der Erziehung und der Familie wird sich in allen deutschen Landen in dieser Zeit vernehmen lassen. Es ist also & nicht eine Sache kirchlicher Sonderinteressen oder einzelner Ver- » eine sondern das Thema berührt das Schicksal des deutschen tu Volkes in seinen tiefsten Gründen. Um eine Antwort wird der M einzelne auf die Dauer nicht herumkönnen, bloßes Abwarten be-^ deutet Fäulnis im Kern des deutschen Volkstums. Darum ist die Reichserziehungswoche verflochten mit dem Strom der Zeit und berufen, auch diesem Strom zu ihrem Teil das Bett zu graben.

Schwere Folgen des Glatteises.

Ein Lastzug zertrümmert die Front des Neuhofer Gemeindehauses.

Eine Frau und ein Kind unter den Mauertrümmern begraben.

In der gestrigen Nacht kam am Kreuzberg ein Autofern­transport infolge Glatteises ins Rutschen und stürzte in voller Fahrt gegen einen Telegraphenmast, legte diesen um und ritz aus dem dahinterliegenden Haus eine Wand heraus. Die in dem Hause wohnende Familie wurde von dem Unglück im Schlafe überrascht. Die Frau und ein Kind, die direkt an der eingè^ riffelten Wand schliefen, wurden verschüttet. Nur dem Umstand, daß schnelle Hilfe durch Nachbarn geleistet wurde, ist die Rettung der beiden zu danken. Das stark beschädigte Auto kam an einem

anderen Haus zum Stehen, Die Führer kamen, von einigen Abschürfungen abgesehen, mit dem Schrecken davon. Da das Auto feuergefährliche Waren geladen hatte, hätte das Unglück leicht größeren Umfang annehmen können, zumal sich an der Un- glüâsftelle eine Tankstelle befand. An demselben Berg ereignete sich vor 4 Wochen ein ähnliches Unglück, so daß es angezeigt er- icheint, im Interesse der Anwohner baldigst für Sicherheit zu sorgen.

Ueber die Berufsaussichten des Kontoristen.

Auch der junge Kontorist mutz heute Spezialleistungen aus- weisen. Es genügt nicht, datz er allgemeine kaufmännische Kennt­nisse und diese zum Teil nur theoretisch besitzt. Besser ist es, wenn er sich schon zum Expedienten, zum Lageristen, zum Steno­typisten oder zum Einkäufer spezialisiert hat. Der Expedient muß das Verfrachtungs-, Zoll- und Verkehrswesen beherrschen. Er soll über Rechtsfragen im Güter- und Schiffsverkehr unter­richtet fein und ausländische Tarif- und Zollverhältnisse kennen. Der Lagerist muß besondere Warenkenntnisse besitzen sowie Lagerbuchführung, Schriftwechsel und weitere zusammenhän­gende Arbeiten erledigen können. Der Kalkulator muß schnell und sicher rechnen können sowie über genaue Kenntnisse der Ge­schäfts- und Fabrikationsvorgänge verfügen. Er mutz ferner Konjunkturschwankungen, Währungsverhaltnisse und den Kapi­talmarkt richtig übersehen können. Der Einkäufer muß die Ware und ihre Kalkulation genau kennen, mutz Fachkenntnisse in Rohstoffen und Halbfertigkeitfabrikaten besitzen, muß über Ver­handlungsgeschick verfügen und auch kartellrechtlich beschlagen sein.Der Stenotypist soll schon in jungen Jahren versuchen, seine Schreibleistung bis auf 200 Silben und mehr in der Minute zu steigern, wenn er gute Berufsaussichten haben will. Die deutsche Sprache mutz er so beherrschen, datz er später auch selb­ständig korrespondieren kann. Es liegt auch in seinem Interesse, wenn er sich brauchbare Sprachkenntnisse aneignet und die Fremdsprachen gewandt stenographiert. Kaufmännische _ Fach­beratung des EDA., Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Hochstr. 48, Telefon: 25 444. Tägliche Beratungsstunden durch Spezial- beamten der Stellenvermittlung.

Die Unterbringung von Obdachlosen.

In Beantwortung einer Kleinen Anfrage, in der über die Unterbringung von Obdachlosen Beschwerden vorgebracht wur­den, erteilt der Preußische Minister für Valkswohlsahrt im Ein­vernehmen mit dem Minister des Innern eine längere Antwort, der der Amtliche Preußische Pressedienst die Ausführungen, die ein grundsätzliches Interesse beanspruchen dürfen, entnimmt: Nach Paragraph 4 des Wohnungsmangelgesetzes kann die Ge­meindebehörde von dem über eine unbenutzte Wohnung Ver­fügungsberechtigten den Abschluß eines Mietvertrages mit einem ihm bezeichneten Wohnungsuchenden verlangen. Daß Obdachlose, sofern es sich nicht lediglich um Einzelpersonen, sondern um Haushaltungen handelt, gemäß dem Runderlaß vom 26. Februar vorigen Jahres in der Regel als Wohnungssuchende anzufehen sind, unterliegt keinem Zweifel. Die Gemeindebehörde kann die sofortige Einweisung des Wohnungsuchenden anordnen und dieselbe nötigenfalls mit polizeilichem Zwange gemäß Para­graph 11 des Wohnungsmangelgesetzes durchführen. Hierdurch wird der den Verfügungsberechtigten gegen die Zuwestung reichsrechtlich gewährte Rechtsmittelschutz nicht beeinträchtigt, insbesondere das Mieteinigungsamt, das zur Enscheidung über den vom Verfügungsberechigten gegen die Zuweisung erhobenen Einspruch berufen ist, nicht âusgeschaltet. Kommt die Festsetzung eines Zwangsmietvertrages durch das Mieteinigungsamr nicht zustande, so ist die Gemeindebehörde verpflichtet, auf ihre Kosten eine schon vorher durchgeführte Einweisung rückgängig zu machen.

Fuldaer Filmschau.

Unter den Dächern von Paris".

Neues Theater.

Trotzdem unsere deutsche Filmindustrie mit geradezu uner­müdlichem Eifer seit der eigentlichen Eeburtsstunde des brauch­baren Tonfilms eine mehr als hinreichende Anzahl von soge­nannten lOprozentigen Ton- und Sprechfilmen geschaffen hat, ist es erst mit diesem französischen Filmwerk wie fast mit keinem deutschen gelungen, eine Bresche in die Front der Tonfilmgegner zu schlagen. Diese Tatsache ist umso bemerkenswerter, als, der Film in seiner ursprünglichen Fassung, also mit nur -französischer Sprache, zur Vorführung kommt. Die Ursache seines Erfolges kann mithin nicht in dem von unseren deutschen Regisseuren so sehr in den Vordergrund geschobenen Ton liegen Hier nimmt sogar der Ton, d. h. die Sprache. durch eine geniale Regie eine untergeordnete Bedeutung an. Versteht man auch kein Wort des Dialogs, fo kann man dennoch diese leichten, nichtstuenden, im gleichen Maße luftigen und ernsten Leutchen aus dem Mont­martre-Milieu bis ins Innerste ihrer Seele durchschauen. Trotz ihrer Unzulänglichkeiten als Menschen tragen sie doch alle ein warmes Herz und Züge echter Menschlichkeit. In der Handlung erlebt man weiter nichts als ein ganz kleines Stückchen wahren Lebens, das auch wiederum wahr dargestellt wird. Wie es eben in die Umgebung patzt, stiehlt man, betrügt man, rauft sich, ohne dabei seine Angst vor dem Gegner zu verbergen, und wech­selt seine Liebe ebenso leicht wie seine Bleibe. Es kommt in diesem Film auch gar nicht so sehr auf den inneren Wert der Handlung an sich an. es ist vielmehr die einzigartige Regie, die nur mit dem einfachen Mittel der logischen Bewegung ar­beitet, die die Beziehung der einzelnen Bilder zueinander her- stellt. So weiß man selbst bei stummen Mundbewegungen, was zum Ausdruck gebracht werden soll. Hierzu bedarf es natürlich einer vollendeten Darstellungskunst, denn ohne diese wäre Der vom Regisseur eingeschlagene Weg nicht gangbar. Alle Rit- wirkenden genügen denn auch dieser Voraussetzung in jeder Hinsicht. Unvergleichlich ist aber die junge, hübsche, mit echtem Franzosenblut durchpulste Pola. Ebenfalls ist die Wiedergabe des Straßensängers Albert ein Meisterstück der Mensckenge- staltung. Das Ganze ist ein Tonfilm, wie er fein soll.

Kirchhasel (Kr. Hünfeld), 21. Jan. (Der letzte Beteran.) Sm Alter von nahezu 85 Jahren wurde in Stendorf der letzte eteran von 1870-71, der Auszüger Rhaban Frank, zur letzten Ruhe gebettet. Er hatte den Krieg im 42. Füsilierregiment von Anfang bis Ende mitgemacht.

* Bischofsheim (Rhön), 21. Jan. (Vom Auto über­fahren.) Ein schwerer Unfall trug sich bei Oberweitzenbrunn zu. Frau Altbürgermeister Enders aus Oberweitzenbrunn ge­riet in der Nähe der Schneidemühle unter den Kraftwagen eines Würzburger Weinhändlers. Der 61jährigen Frau wurvc der Arm zersplittert. Außerdem trug sie eine Gehirnerschütte­rung davon. Nach Anlegung eines Notverbandes durch einen herbeigerufenen Arzt wurde sie ins Krankenhaus gebracht. Dort ist sie, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, gestorben.

Eschwege, 20. Jan. (Schrecklicher Tod einer Arbei­te r f ra u.) Mit gräßlichen Verletzungen wurde die 36 Jahre alte Ehefrau des Arbeiters Heinrich Münscher aus Sontra in das hiesige Landeskrankenhaus eingeliefert. Sie war in ihrer zu ebener Erde gelegenen Wohnung in der Küche mit dem Fuß­boden eingebrochen und in den Keller hinabgestürzt. Dort fiel sie so unglücklich auf ein hochstehendes Brett, daß ihr der ganze Leid bis zur Brust crufgeriffcn wurde. Kurz nach ihrer Ein­lieferung in das Krankenhaus starb die bedauernswerte Frau, die sechs unmündige Kinder hinterläßt.

Kassel, 20. Jan. (Eine halbe Stadt lebt von Un­terstützungen.) Das Reinhartswaldstädtchen Immenhausen mit seinen 2 300 Einwohnern hat besonders schwer unter der herrschenden Arbeitslosigkeit zu lèiden. Etwa 12Q0 Personen sind zurzeit auf öffentliche Fürsorge, Arbeitslosenversicherung usw. angewiesen. Trotz der geringen Unterstützungssätze haben die Ausgaben eine Höhe erreicht, die den finanziellen Zusammen­bruch der Gemeinde herbeiführen muß. Diese schwierige Lage wirkt sich auch auf die Geschäftsleute und Handwerker aus, die zum Teil ihre Geschäfte ganz geschloffen haben.