Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten.
Merkblatt für den 9. Januar.
Sonnenaufgang 8.30, Sonnenuntergang 16.11 Uhr. Mond- aufgang 22.56, Monduntergang 10.52 Uhr.
1873 Napoleon III. in Chislehurst gest - 1908: Der Maler und Dichter Wilhelm Busch in Mechtshausen (Harz) gest.
Willst du, eignen Schmerz zu tragen, — Dar den Busen kräftigen, — Lerne mit der Menschheit Magen— Edel dich beschäftigen: — Wie die Seele sich erweitert, — Wird dein Leben auch erheitert.
Wetterbericht.
Ein kräftiges Hochdruckgebiet erstreckt sich vom Ozean über England und Skandinavien nordostwärts. Unser Gebiet befindet sich an der Südseite desselben im Bereich kälterer nördlicher Luftmassen. Da sich in Mittel- und Ostdeutschland eine Schneedecke gebildet hat, wird es durch die nächtliche Ausstrahlung bei heiterem Himmel zu Frostverschärfung kommen. — Vorhersage bis Donnerstag abend: Meist heiter und trocken, leichter bis müßiger Frost, nordöstliche Winde. — Witterungsaussichten für Freitag: Fortdauer des meist heiteren und trockenen Frost- wetters.
* Fulda, den 8. Januar 1931.
Wetter 1931.
Noch wissen wir nicht, wie unser derzeitiger Winter sich weiterentwickeln wird, dafür aber wissen wir schon, wie der diesjährige Sommer sein wird. Das heißt: der steirische Wetter- prophci Schäffler, aus dessen Vorhersagen sich die Österreicher fest verlassen, weiß es und gibt in einem vielbeachteten Wetterkalender von seinem Wissen der ganzen mitteleuropäischen Well bereitwillig Kunde Zur Beruhigung ängstlicher Gemüter stellt Schäffler fest, daß wir eine strenge Kälteperiode nicht mehr zu erwarten haben und daß ein bißchen Frühling wahrscheinlich schon im Februar zu haben sein wird. Im übrigen scheinen wir uns im Laufe dieses Jahres sehr oft von Kopf bis Fuß auf Regen und Wind einstellen zu sollen. Auch etwas Hagel wird hin und wieder dabei fein, und wenn schon gar nichts anderes los sein wird, wird es mindestens donnern. Aus die Frühlings- und Sommersonntage scheint es Schäffler ganz besonders abgesehen zu haben: kaum wird man ausfliegen wollen, so wird es zu regnen anfangen. Wir haben absichtlich diese schlimmen Wellernachrichten vorangestellt, um zum Schlüsse mit ausgezeichneten Überraschungen aufwarten zu können. Es wird nämlich erstens schöne Ostern und Pfingsten geben und zweitens einen Sommer, den wir im Schweiße unseres Angesichts und der andern Körperteile zu bestehen haben werden. Der Temperaturanstieg fängt schon Mitte Juni an, setzt sich dann im Juli fort und gedeiht im August zu einer ganz gediegenen Hitzewelle, die auch noch in den September hineinragt. Einen respektablen Winter sollen wir auch am Schlüsse dieses Jahres nicht zu empfinden kriegen. Weih- nachten — wir sind jetzt eben wieder bei Weihnachten — be- kommen wir statt Schnee wieder Regen und Wind, dafür wird es aber Silvester wieder trocken sein Ende gut, alles gut! Eines hätten wir aber beinahe vergessen: nicht einmal die be< rüchtigten Eisheiligen werden halten, was ihr Name verspricht Sie werden sich der großen Regentendenz des Jahres an- schließen und anstatt Maifrost Nässe, nichts als Nässe bringen. Das sind in großen Ziigen die Prophezeiungen des Herrn Schäffler, die vielleicht nur für Österreich gemacht sind, die wir aber schon des Anschlusses wegen übernehmen müssen.
Orippe.
Ein ungebetener, nicht gern gesehener, aber immer wieder- kehrender Wintergast, die Grippe, ist wieder da. Nicht allerorts in deutschen Landen zeigt sie sich, aber doch an vielen Orten, unb es ist nur gut, daß sie diesmal nicht in slMrfer oder gar in schärfster Form auszutreten scheint. Allzu große Besorgnis braucht man also nicht zu äußern, aber damit ist natürlich nicht gesagt, daß man überhaupt keine Befürchtungen hegen, daß man sozusagen die Grippe ruhig an sich herantreten lassen soll. Die Mediziner betonen immer wieder und betonen mit gutem Recht, daß bei Krankheiten, die epidemisch auftreten, die Prophylaxe die Vorbeugung, das wichtigste ist. Nun wird ja bestimmt niemand, und möge er sich noch so ängstlich von der Außenwelt abschließen, möge er sich auch zu Hause noch so sehr in acht nehmen, einen Krankheitsausbruch unter allen Umstünden verhüten können, aber bestehen bleibt trotzdem für einen jeden von uns "bie Pflicht, alles zu vermeiden, was den Besuch der Grippe geradezu provozieren könnte. Es ist eine Pflicht der Selbsterhaltung und es ist auch eine Pflicht, die man gegen die andern hat, denn die Grippe ist eben eine Sache, die man sehr leicht auch aus diese anderen übertragen kann Wie man sich in Fällen einer Grippeseuche vernünftigerweise und vorbeugend zu verhalten hat darüber werden am besten die Ärzte Auskunft geben können Und im übrigen sind wir ja von früheren Epidemien her gut geschult, so daß wir mindestens wissen könnten, was wir nicht zu tun haben. Sträflicher Leichtsinn ist es, sich forsch in jede Gefahr zu begeben, nach dem Grundsatz: „Mir kann nix geschehen!" Es kann nämlich jedem etwas geschehen, und keiner ist so abgehärtet, daß er gegen jede Ansteckungsgefahr gefeit wäre Es ist vor allem zu bedenken, saß gerade solche Winterwitterung, wie wir sie gegenwärtig haben — nicht Fleisch und nicht Fisch, nicht warm und nicht kalt — der Ausbreitung der Grippe besonders förderlich zu sein pflegt. Fassen wir es also noch einmal zusammen: Wir brauchen nicht bänglich zu zagen und in jedem Schnupfen, in jedem Hustenreiz gleich eine hereinbrechende Grippe zu ver- aruten, aber wir dürfen anderseits die Grippebulletins nicht zanz unbeachtet lassen — heute kommt es an diesen, morgen an jenen!
Eisenbahn-Personalien.
Ernannt wurde zum Reichsbahn-Sekretär der Bahnhofsmeister Jäger in Eiterfeld. Versetzt wurde der Oberbahnmeister Henk von Eiterfeld nach Offenburg (Baden). In den Ruhestand versetzt wurde der Lokomotivführer D e i g m ö l - ler in Fulda.
Schulbeginn.
Die letzten Ferien des Schuljahres 1930 sind beendet. Die hiesigen Schulen haben heute vormittag ihre Pforten wieder geöffnet. Für die Schüler und insbesondere für diejenigen, deren Versetzung bisher noch zweifelhaft erschien, beginnt jetzt der arbeitreichste Teil des Schuljahres. Möge es noch jedem Schüler gelingen, seine Versetzung zu sichern.
Orthopädische Sprechtage in Fulda.
Im nächsten Vierteljahr finden orthopädische Sprechtage im Herz-Jesu-Heim in Fulda an folgenden Tagen statt: Freitag, den 16. Januar, Freitag, den 20. Februar, Freitag, den 20. März. Die Sprechtage beginnen um 9 Uhr vormittags. Beschädigte, die an den Sprechtagen teilnehmen wollen, müssen sich vorher bei der orthopädischen Versorgungsstelle in Kassel, Albrechtstratze, anmelden.
Zwangversteigerung Heller, Fulda.
Das auf den Namen des Bäckermeisters Friedrich Heller in Fulda eingetragene Grundstück Simpliciusbrunnen Haus Nr. 2 nebst bebautem Hofraum wurde am Mittwoch im Wege der Zwangsvollstreckung im Amtsgericht versteigert. Von den verschiedenen in Abteilung 3 eingetragenen Hypotheken wird nur eine Aufwertungsbypothek in Höhe von 2 000 Mark mit übernommen. Das niedrigste Gebot lautete auf 1022,63 Mark. Das Höchstgebot wurde von Frau Augusta Heller, Fulda mit 19 000 Mark abgegeben. Der Zuschlagstermin wurde auf den 14. Januar festgesetzt,
Jahresbericht der Hessen-Nassauischen Industrie- und Hanoelskammern.
Der Verband der Hessen-Nassauischen Industrie- und Handelskammern, Vorort Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main-Hanau hat soeben den 2. Teil seines Jahresberichts zur Ausgabe gebracht. Dieser Teil des Berichts befaßt sich mit der Wirtschaftslage wichtiger Gewerbszweige. Im Gegensatz zum Vorjahre ist nicht seitens der Kammern selbst eine Zusammenstellung der bei ihnen eingegangenen Berichte erfolgt, sondern es sind führende Vertreter der verschiedenen Wirtfchafts- gruppen selbst zu Worte gekommen. Aus den Einzelberichten sei besonders hervorgehoben: Professor Dr. ing. e. h. B. Salomon (Elektrizitäts-A.-E. vorm. W. Lahmeyer u. Co.) macht Angaben über den Elektrizitätsverbrauch im Rahmen des Rhein-Mainifchen Wirtschaftsgebiets., Gleichzeitig wird darauf hingewiefen, daß bei gemischtwirtschaftlichen u. privaten Unternehmungen eine Senkung der Tarife erfolgt sei, während verschiedene kommunale Werke, u. a. in Frankfurt a. M., eine Erhöhung einzelner Tarife vorgenommen hätten. — Herr Remmler (Bünte u. Remmler) gibt eine zusammenfassende Darstellung der besonderen Verhältnisse, unter denen die Metall- t n b u 'ft r i e zu arbeiten hat; Herr Kommerzienrat Neitzert (E m a i l l i r w e r k A.-G., Fulda) schildert die Anstrengungen, die von der Emaille-Indu st rie zur Aufrechterhaltung des Exportes gemacht wurden; seine Ausführungen sind insofern von besonderem Interesse, als die Auswirkungen des englischen Schutzzolles auf die englische Industrie näher ausgeführt werden. Generaldirektor K e f s e l h e i m (PH. Holzmann A.-E.) gibt einen Ueberblick über die Gestaltung des Bau- Marktes 1930 und die Aussichten für 1931, die durch die Notverordnung beeinträchtigt werden. Im Zusammenhang hiermit stehen die Ausführungen von Herrn Justizrat Dr. F. Schmidt-Knatz über Grund stücksmarkt und Hypothekenverkehr. In den Abschnitten, die den Haiü>el betreffen, ist der Frage der Preissenkung besonders Beachtung geschenkt worden. Herr Hofmann-Bang (Friedrich Wissenbach), Vorsitzender des Vereins des Einzelhandels von Frankfurt a. M. e. V., und Herr Konsul Lehmann (I. Latscha A-E.) geben Unterlagen über die bereits vorgenommene Senkung der Einzelhandelspreise. Eine Untersuchung des Fremdenverkehrs in Frankfurt a. M. und den Bädern des Rhein-Mainifchen Wirtschaftsgebietes wird von Herrn Generaldirektor E. Gottlob (Frankfurter Hof A.-G.) und Herrn Hotelbesitzer Otto Schick, Wiesbaden, durchgeführt. Unter besonderer Berücksichtigung des Wiesbadener Bezirks wird die Lage der Getränkeindustrie und des W e i n h a n - d e l s von Herrn Präsident Asbach, Wiesbaden, ausführlich dargestellt.
Schleppender Handel auf dem Fuldaer Viehmarkt.
Auf dem heute abgehaltenen Viehmarkte waren 486 Stück Vieh aufgetrieben. Der Gattung nach waren es: 6 Dullen, 16 Ochsen, 92 Stiere, 144 Kühe. 105 Rinder. 123 Kälber. Es kostete das Stück: Bullen 250—350 R-N, Ochsen 500—600 R-ll, Fahrstiere 400—500 R-R. Jungrinder 160—220, frischmelkende Kühe 450—550 R^l, ältere trächtige Kühe 300—400 R-R, hochträchtige Rinder 350—450 R-R, Jungrinder 160—240 R-N, ältere Schlachtkühe 120—160 R-R, Kälber 60—80 R^t. Der Handel war schleppend. Es fehlten fremde Aufkäufer. Gutes Vieh wutbe über Notiz bezahlt. Der nächste Viehmarkt findet am 22. Januar 1931 statt.
Neuland des Christentums.
Missionssonntag in Gersfeld.
e.l. Gersfeld, 7. Januar.
Am 4. Januar feierte die Gemeinde Gersfeld ihren Missions- sonntag. Herr Missionar Schmoll erzählte im Gottesdienst und in Vereinsstunden vom Arbeitsfelde der Baseler Mission. Zunächst China: Dort haben wir trotz aller Not, die die Kommunisten über die Missionsarbsit gebracht haben, Grund zu herzlichem Dank. Seit 16 Monaten hielten kommunistische Räuber zwei deutsche Missionare gefangen, um dadurch ein hohes Lösegeld (sie forderten zuletzt 12 500 -ll) von der Missionsleitung zu erzwingen. Am 15. Dezembeer traf überraschender- nieise ein Telegramm in Basel ein, daß die Gefangenen nun wie ein Wunder befreit worden sind; gänzlich erschöpft und krank zwar von unmenschlichen Strapazen, aber doch den Ihrigen zurückgegeben.
Unter der chinesischen Bevölkerung ist eine große Sehnsucht nach dem Evangelium erwacht.
In der Gemeinde Kutschuk sind in 1% Jahren 120 Bibeln verkauft worden. Der Präsident des Landes selbst T s ch a n g k a i S ch e k , ließ sich vor wenigen Monaten taufen. Wie weit sein Einfluß die Lage der Mission bessern wird, bleibt noch zu erwarten; aber all diese Freude gibt wieder neuen Mut die Schwierigkeiten zu überwinden, deren es so unendlich viele gibt. Neuerdings hat die Regierung allen Religionsunterricht in den Schulen glatt verboten. Nur' unter anderem Namen kann man den Kindern im Unterricht noch Religion bringen. Schulen, die dieses Verbot mißachten, sollen geschlossen werden. Der chinesische Unterrichtsminister erhielt seine Ausbildung in — Frankreich! In Indien ist die Lage fast noch schwieriger. Der Volksführer Gandhi der mehrere Jahre lang in England geweilt und unter sogenannten „Christen" traurigen Mißbrauch des Christentums erlebt hat, verhöhnt nun infolge dieser Erfahrungen alles, was christlich heißt. Die Missionsge- meinden aber halten treu zusammen. In Borneo sind augenblicklich mehrere Missionsfrauen und Missionare von schwerer Krankheit befallen, daher ist die Arbeit dort leider stark gehemmt und kann nur mit äußerster Aufopferung fortgeführt werden, zumal auch das Reisen im Tropenklima recht beschwerlich ist. Oft dienen ausgetrocknetee Flußbetten als Straßen. An der Goldküste in Westafrika verlangt man jetzt wieder nach deutschen Missionaren, nachdem 1917 die schottische Mission die deutsche verdrängt hatte und nur in der Provinz Asante seit 1925 wieder deutsche Mission geduldet wurde. Da aber die schottischen Missionare nicht die Landessprache erlernen wollen, so verlang die Bevölkerung auch im Küstengebiet jetzt wieder nach den Deutschen, die ihnen das Evangelium in ihrer Muttersprache verkünden. Drei deutsche Missionare sind nach dorthin unterwegs. Eine Missionsarztstation in Agogo bringt den Eingeborenen auch für ihre körperliche Not Hilfe. In Kamerun geht die Verbreitung des Christentums mit Riesenschritten vorwärts. Vor wenigen Jahren gab es dort noch Menschenfresser. Heute saßt eine große Kirche kaum die Schar der Gläubigen. Neben unserer evangelisch-deutschen gewinnt hauptsächlich die katholische Mission dort immer mehr an Boden.
Mädchenmord bei Ortenberg.
Vom Bräutigam ins Wasser gestoßen.
Ortenberg, 8. Januar.
Wie wir zu unserem gestrigen Bericht über die Auffindung einer Mädchenleiche in der Nidder zwischen Ortenberg und Selters erfahren, hat die Untersuchung ergeben, daß das Mädchen von seinem Bräutigam in das Wasser gestoßen worden ist. Der junge Mann wurde verhaftet. Bei der Ermordeten handelt es sich um die 19jährige Hausangestellte Martha Pcppcl aus Ober-Seemen. Sie war bis zum 31. Dezember in Altenstadt bedienstet und befand sich vom 1. Januar ab bei einer Herrschaft in Ortenberg in Stellung. Das Mädchen hatte in Altenstadt zuletzt ein Verhältnis mit einem Bauernsohn. Am Sonntag gegen Abend wollte es ihit einem anderen Mädchen in Orten- oerg einen Spaziergang machen, traf aber vor dem Hause der Dienstherrschaft einen jungen Mann aus Altenstadt, vermutlich ihren früheren Liebhaber. Das Mädchen verließ seine Begleiterin und ging mit dem jungen Mann, worauf es nicht mehr
Artückkshrte, Am Montag fand man auf einer Straße an der Nidder zweischen Ortenberg und Selters einen DamsNfchitM, der der Getöteten gehörte, und beim Abfuchen des Wassers wurde bann auch die Leiche geländet. Aus den Feststellungen über die Spuren ergibt sich, daß zwischen der Zoten und ihrem Mörder
ein schwerer Kamps
stattgefunden hat, da man am Ufer der Nidder einen stark zertretenen Kampfplatz und auch Schleifspuren vorfand. Jedenfalls konnte einwandfrei sestgestellt werden, daß das Mädchen mit Gewalt in das Wasser gestoßen worden ist. Unter dem Verdacht der Täterschaft wurde ein junger Mann aus Altenstadt verhaftet und dem Ortenberger Amtsgerichtsgefängnis zugeführt. Die Staatsanwaltschaft und die Landeskriminalpolizei von Gießen weilten gestern den ganzen Tag über wieder an Ort und Stelle zu weiteren Nachforschungen, über deren Ergebnis bis zur Stunde noch nichts bekannt ist.
Marburg/Lahn, 7. Jan. (Schwerer Kurzschluß durch Fahrlässigkeit.) Bei dem mit unzulänglichen Mitteln unternommenen und unberechtigten Versuch, eine Netzanschluß- leitung von einem Zigarrenkiosk zu entfernen, verursachten Angestellte eines Gastwirts an der Weidenhuser Brücke einen schweren Kurzschluß im Netz des Elektrizitätswerkes. . Der Kurzschluß brachte einen Draht der Netzleitungen zum Abschmelzen. Dieser Draht verursachte dadurch, daß er auf andere Netzleitungen fiel, einen noch schwereren Kurzschluß, der die Maschinenanlagen des Elektrizitätswerkes und auch die Anlagen der Abnehmer im ganzen Netz zu gefährden drohte. Bis zur Beseitigung des Kurzschlusses mußte das Stadtnetz vollkommen ausgeschaltet werden.
_ Herborn, 7. Jan. (Wiedereröffnung des Ora n ien- Schlofses.) Nachdem die Renovierung des alten Oranien- Schlosses, das das theologische Landesseminar beherbergt, vollendet ist, ist es gestern mit einer schlichten Feier seiner Bestimmung wieder übergeben worden Bei der Feier sprachen Landesbischof Dr. Kortheuer, der Präsident des Landeskirchenamts Dr. Theinert-Wiesbaden und Seminardirektor Professor Dr. Schlosser, der seiner Feftede das Thema „Die Aufgabe des Seminars im Verhältnis zu Theologie und Kirche" zugrunde gelegt hatte. Die benachbarten Landeskirchen hatten Glückwünsche gesandt.
Dillenburg, 7. Jan. (Geld liegt noch auf der Straße.) Wer glauben möchte, daß das Geld heute nicht mehr auf der Straße liegt, der muß sich durch die interessante Geschichte, die aus dem Dillkreis berichtet wird, eines andern belehren lassen. In der kleinen Gemeinde Eisemroth hatte sich vor kurzem ein Unternehmen aufgetan, das sich stolz „Westdeutsches Exporthaus" nannte. In einer Notiz, die durch die Presse ging, wurde behauptet, daß die beiden Unternehmer an ungezählte Zeitungen des In- und Auslandes Anzeigen sandten, die ein Preisrätsel enthielten. Das Rätsel bestand aus vier Wörtern, qus denen je ein Buchstabe genommen werden mußte, die zusammengesetzt das Wort „Metz" ergaben. 25 000 Lösungen gingen ein. Besonders stark war auch das Ausland an den Lösungen beteilgt. Jeder Löser des Rätsels wurde aufgefordert, 7 Ji einzusenden. Dafür sollte er entweder einen „prachtvollen" photographischen Apparat oder eine „elegante" Standuhr aus Pascha-Mahagoni erhalten, zugleich aber auch die Anwartschaft auf die in spätestens drei Monaten stattfindende Verlosung des mit der Rätseltösung verbundenen Preisausschreibens. Wer 7 Ji einsandte, konnte aber immer noch nicht an der Riesenauslösung teilnehmen. Er mußte wiederum eine Broschüre „Der drohende zweite Weltkrieg" für 2 M kaufen. Schon die erste Aufforderung auf Einsendung von 7 Ji brachte den beiden Unternehmern runde 21 000 Ji. Jetzt aber griff die Limburger Staatsanwaltschaft ein, die durch Beamte der Frankfurter Landeskriminalpolizei das Exporthaus aushob. Es kamen dabei allerhand Dinge ans Tageslicht. Die Unternehmer kauften die angepriesene Standuhr für 1,65 Ji und den Fotoapparat für den gleichen Preis und setzten sie für 7 -K dann ab. Wie nun die Inhaber des Westdeutschen Exporthauses in einer Zuschrift an die „Dill-Zeitung" erklären, seien tatsächlich 25 000 Lösungen und 21 000 Ji eingegangen. Es sei auch wahr, daß sie für die Gegenstände durchschnittlich 6,50 Ji verlangten, obwohl sie nur 1,65 Ji koste1en(!). Der billige Einkaufspreis erkläre sich in größeren Abschlüssen. Das Angebot der Artikel sei neben dem Rätsel herlausend erfolgt, und es sei jedem Löser freigestellt gewesen, davon Gebrauch zu machen. Jedem aber, der die richtige Lösung eingesandt habe, sei ein Trostpreis im Werte von 0,50 Ji zugesandt worden. Keiner der Kunden sei betrogen worden.
Gießen, 7. Jan. (Vier Monate Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung.) Ende August stieß auf der Landstraße Gießen— Lollar ein mit Vater und Sohn besetztes Motorrad des Pflastermeisters Gräf aus Großen-Buseck mit einem Auto aus Lollar zusammen, welches von dem Kraftwagenführer Karl Herrmann gesteuert wurde Der Pflastermeister Gräf und sein Sohn wurden dabei auf der Stelle getötet. Der Chauffeur kam mit leichteren Schnittwunden davon. Während das Gießener Schöffengericht Herrmann mangels hinreichenden Beweises für ichuldhaftes Verhalten freisprach, wurde er jetzt auf die Berufung der Staatsanwaltschaft von der Strafkammer wegen fahrlässiger Tötung der beiden Männer schuldig gesprochen, da er nicht vorschriftsmäßig gefahren sei. Während der Staatsanwalt sechs Monate Gefängnis beantragte, sprach das Gericht vier Monate Gefängnis als Strafe aus.
Gießen, 7. Jan. (Hochherzige Stiftung für die E i e ß e n e r U n i v e r i i t ä t s b i b l i o t hek.) Der kürzlich verstorbene Gießener Schlachthofdirektor Dr. Modde hat der Gießener Universitätsbibliothek feine umfangreiche Fachbibliothek über die Veterinärmedizin, in welcher sich eine große An,zahl kostbarer und bedeutsamer Bücher befindet, letzwillig als Geschenk vermacht.
Alsfeld. (7 0jähriges Bestehen der Realschule.) Heute vor 70 Jahren, nämlich am 7. Januar 1861, wurde die hiesige Realschule (jetzt Oberrealschule) eröffnet. Bei der kirchlichen Eröffnungsfeier hielt der erste Direktor, Herr Greim, bie Weiherede, verbunden mit einer Ansprache an die ersten Schüler, welche den Altar umstanden.
Mittel-Seemen, 5. Jan. <Besonderes Jagdglück.) In dem Jagdrevier von Max Kern (Frankfurt a. M.) hatte der Jagdaufseher Hermann Sillmann das Jagdglück, einen prächtigen Edelmarder von 1 Meter Länge zu erlegen.
* Aus dem Vogelsberg. (Bevorstehende Beendigung der Holzhauerarbeiten.) Das überaus günstige, milde Winterwetter hat die Holzhauerarbeiten in den Waldungen unseres Gebirges rasch fortschreiten lassen. Bald werden genannte Arbeiten beendet sein. Wenn auch in diesem Winter nicht bie, Preise des vergangenen Winters erzielt werden konnten, — standen doch die betreffenden Arbeiten unter dem Gesetz des Preisabbaues, — so find doch die Waldarbeiter mit den verdienten Löhnen zufrieden, da sie fast [tänbia arbeiten und durch diese fast ununterbrochene Tätigkeit ein gutes Stück Geld sich erwerben konnten.
Langenselbold, 7. Jan. (Kampfgegen bie Steuern.) In den Tagen vor Weihnachten riefen auf einstimmigen Beschluß der Gemeindevorstand und die Gemeindervertretung, die sich aus 7 bürgerlichen, 2 SPD.- und 9 KPD.-Vertretern zusammensetzt, eine öffentliche Einwohnerversammlung mit freier Aussprache zusammen, zu der auch die Kreisbehörde eingeladen und der Landrat erschienen war. In dieser Massenversammlung wurde von dem Dizebürgermeister (KPD.) der Einwohnerschaft des ca. 6 000 Einwohner zählenden Ortes klargemacht, daß die Gemeindekasse im Jahre 1930 ein Defizit von rund 80 000 aufweist, und wenn noch weitere Steuern diktiert würden, die Gemeinde Langenselbold vollständig vor den Ruin kommt. Die gesamte Gemeindevertretung, steht auf dem Standpunkt daß die Steuerzahler nicht mehr in der Lage seien, auch nur noch einen Pfennig weitere Steuern auf sich zu nehmen und verlangt aus der Mitte der Einwohnerschaft Vorschläge, was weiterhin geschehen soll. Vonseiten der Vertreter der Landwirte, Gewerbetreibenden und Handwerker wurde in schärfster Weise gegen die hohen Eemeindeausgaben Stellung genommen und Abbau derselben in Vorschlag gebracht. Weitere Redner sprachen für notwendige Sparmaßnahmen in Kreis und Regierung aus. Einstimmig wurde von der Versammlung ohne Parteiunterschied einer Resolution zugestimmt, in der gegen die erdrückende Steuerwirtschaft bei der Regierung Einspruch erhoben