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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zul-aer Kreisblatt

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Nr. 6 1931

Fulda, Donnerstag, 8. Januar

8. Jahrgang

Essener Schlichtung vergeblich.

Verhandlung im Kohlenstreit unterbrochen.

Weiterer Rückgang des Ausstandes.

Der Schlichter für Westfalen, Professor Brahn, bildete die Schlichtungskammer, nachdem die Parteien im Streit um die Bergarbeiterlöhne, Arbeitgeber und Arbeit­nehmer, auf weitere Verhandlungen verzichtet hatten. Die Schlichtungsbemühungen nahmen nur kurze Zeit in Anspruch, trotzdem die Kammer verschiedene Vorschläge machte, die aber keinen Anklang fanden. Während die Vorschläge der Arbcitgebervertreter eine Mindestforde­rung eines Lohnabbaues von acht Prozent aufftèllten, er­klärten die Vertreter der Bergarbeiterverbände eine Lohnsenkung über vier Prozent hinaus für nicht tragbar. Der Schlichter stellte daraufhin fest, daß eine Einigung nicht möglich sei, und brach die Verhandlungen ab. Der Vorsitzende des Schlichtungsausschusses beraumte ein neues Schlichtungsverfahren für Freitag oder Soun abend an.

Kommt auch dann eine Einigung auf der etwa vom Schlichter empfohlenen mittleren Basis von sechs Prozent Lohnabbau nicht zustande, so wird als letzte Instanz wahrscheinlich der Reichsarbeitsminister Dr Siegerwaid übrigbleiben, der kraft seines Amtes das letzte Wort hat. Er würde vermutlich zuvor dem Kabinett Bericht erstatten und dann nochmals mit den Parteien verhandeln.

Der Streik selbst scheint einstweilen im Erlöschen zu sein, denn nach einer Mitteilung des Bergbauvereins be­trug die Anzahl der nicht eingefahrenen Bergleute nur noch 3,6 Prozent der Gesamtbelegschaft. Insgesamt werden nur noch von elf Zechen Streikziffern gemeldet, und zwar aus den stark kommunistischen Bezirken Duis­burg-Hamborn, Krefeld und Dinslaken, ferner aus Hamm.

Teilftreiks im oberschlesischen Bergbau.

Mittwoch sind auf einzelnen Gruben des oberschle- sischen Industriegebiets auf Betreiben der kommunistischen Urganifatioiten Teilstreiks ausgebrochen. Die Gewerk­

Ein großer Sohn des deutschen Volkes.

Der Generalpofimeifier.

Gedenkfeier für Generalpostmeister von Stephan.

Aus Antaß der 100. Wiederkehr des Geburtstages des Generalpo st in et sters von Stephan veranstaltete das R e i ch s p 0 st m i n i st e r i u m in der Berliner Sing­akademie eine Gedenkfeier, die von musikalischen Vorträgen umrahmt war.

Die Begrüßungsansprache hielt Retchspostmtnister Doktor Schätzel. Er führte u a. aus: Wir haben uns hier vereint, um in schlichter Form des geschichtlichen Tages zu gedenken, an dem vor hundert Jahren Heinrich von Stephan, der Gründer und Organisator der Deutscher. R e i ch s p 0 st, der Schöpfer des Weltpostvereins, geboren wurde. Wir huldigen den Manen eines Geistes, dessen Bedeutung weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus internationale Aus­maße besitzt, eines Geistes, der seiner Zeit in klarer Erkenntnis und entschlossener Auswertung der gegebenen Wirklichkeiten voll gerecht wurde und mit sicherem Blick

der Entwicklung der Zukunft dir Bahnen wies,

die bis heute richtunggebend geblieben sind Der Weltpost­verein, heute eine Selbstverständlichkeit, seinerzeit eine Tat von überwältigender Kühnheit, die aus dem Verkehrsgebiete nicht etwa nur die Idee von P a n e u r 0 p a verwirklichte, sondern alle KultUrnationen der Erde, unter Niederlegung aller gegenseitigen Grenzschranken,

zu einer Vcrkehrseinheü Zusammenschluß,

ist, abgesehen von dem Ausbau in Einzelheiten, in seinen Grundzügen heute noch, wie ihn Stephan ins Leben gerufen hat. Wenn die Deut s ch e R e i ch s P 0 st im Laufe der Jahre eine gesunde und krästige Aufwärtsentwicklung genommen, wenn ihre Organisation manchen Stürmen getrotzt hat und fest gefügt für die weitere Zukunft dasteht, so verdankt sie dies in erster Linie dem Verdienste Heinrich von Stephans, der einen Grund gelegt und einen Umriß aufgebaut hat, aus dem

das gewaltige Gebäude der Deutschen Neichspost

in ihrem heutigen Ausmaß, ihren inneren Einrichtungen empor­wachsen konnte. Welche Entwicklung die Gründung Stephans seit seinem Tode genommen hat. mögen nachfolgende Zahlen veranschaulichen. Die Ginn a h in e n der Deutschen Reichspost betrugen 1897, im Todesjahr Stephans. 368 Millionen Mark. 19'29 2 Milliarden 282 Millionen Mark, sind also

um das Sechsfache angewachfen.

dabei ist die Zahl der Verkehrsanstalten fast gleich geblieben. Der Person a l bestand ist von rund 19001)0 Personen aus rund 380 000 Personen, also um das Doppelte gestiegen. Die Deutsche Reichspost war hiernach seitdem durch Auswertung der ihr gegebenen Organisation in der Lage, den sechsfach ge­stiegenen Verkehr mit einem nur um das Doppelte vermehrten Personalbestand und mit einer fast gleichbleibenden Zahl von Verkehrsanstalten zu bewältigen Wohl sind im Fluß der Zeit- bedürfnisse die einzelnen Verkehrszweige der Reichspost mächtig angewachsen, neue Zweige, wie Postscheckverkehr, Kraftpost­verkehr, Luftpostverkehr, Funkverkehr, sind neu hinzugetreten und haben sich kraftvoll entwickelt: wohl sind die glücklichen wirtschaftlichen Zeitverhältnisse, unter denen Stephan sein Werk schuf und einrichtete, uns nicht mehr beschieden, aber trotz Krieg, Revolution. Inflation und Weltwirtschaftskrise sind die Grundformen des organisatorischen Ausbaues und die Grund sätze der Betriebsführung, der Verwaltung und Finanzgeba- rung, die Stephan Oer Deutschen Neichspost gegeben hât, ge­blieben und haben sich allen Veränderungen des Wirtschafts­

schaften einschließlich der sozialdemokratischen lehnen den Streik ab. Während auf der Gleiwitzer Grube die Vor- inittagsschicht noch vollzählig eingefahren ist, sind auf der Grube Gleiwitz-Sosnitza 66 Prozent der Schicht nicht zur Arbeit erschienen. Die Gesamtbelegschaft dieser Grube beträgt etwa 1000 Mann. Soweit bisher bekannt, sind ferner auf der Abwehrgrube 90 Prozent, auf der Hedwig- Wunsch-Grube 66 Prozent und auf einer Grube der Delbrückschächtc bet Hindenburg 33 Prozent der Bor- mittagsschicht nicht eingefahren.

tim die Seileauna des Ruhrslreiles.

Drohende Aussperrung?

Der Bergbauindustriearbeitervcrband hat zum Sonn­abend seinen Hauptvorstand und zum Sonntag eine R e vierkonfcrenz einberufen, die, wie erklärt wird, entscheidende Beschlüsse" zu fassen haben werde. Man werde sich trotz der bevorstehenden neuen Schlichtungsverhandlungen nicht abhalten lassen, die er­forderlichen Maßnahmen zu treffen. Auch von christ­licher Gewerkschaftsseite wird erklärt, daß man in Berg­arbeiterkreisen vielfach mit einer Aussper- rnng rechne.

Der Gewerkverein Christlicher Berg­arbeiter sieht sich angesichts des ergebnislosen Ver­laufes der erneuten Schlichtungsverhandlungen im Ruhr- bergbau veranlaßt, eine außerordentliche Ge­neralversammlung für Sonntag, den 11. Januar einzuberufen, um eine Entscheidung zu der neuen Lage im Ruhrbergbau zu treffen.

Weiteres Abflauen des Streiks im Duisburg-Hamborner Bezirk.

Im Duisburg-Hamborner Bezirk ist die Streikbeteiligung weiterhin zurückgegangen. Es fuhren in der heutigen Früh­schicht von einer Eesamtbelegschastvm! .2 2$0 Mann nur 605 Bergleute nicht ein.

lebens gegenüber und allen Schwierigkeiten zum Trotz be­währt als

ein verlässig funktionierendes Instrument des öffentlichen Verkehrs.

In unerschütterlicher Dankbarkeit beugt sich daher am heutiger Tage die Deutsche Neichspost vor dem Genius Heinrich von Stephans, ihres Gründers und Organisators.

Der Herr Reichspräsident, der leider an der Teilnahme ver hindert ist, bringt in einem besonderen Schreiben an mich die dankbare Anerkennung zum Ausdruck, mit der er der bohrn Bedeutung Heinrich von Stephans, als des größten Orga nisators der ReichSvost. des Wegbereiters des modernen Nach

Aeichsposiulmister Dr. Schätzel bei seiner Gedenlansprachc.

richtcndicnstcs und des Gründers des Weltpostvereins gedenkt. Der Herr Reichskanzler und die RcichSregicrnng nehmen leb­haften Anteil an der Feier des heutigen geschichtlichen Gedenk- tages für den großen Sohn des deutschen Volkes Jm Banne dieser Wekhestundr drängt es mich, namens der Deutschen Reichspost feierlich zu versichern, daß die Deutsche Neichspost den Geist Heinrich von Stephans stets Hochhalten und zur Richtschnur ihrer Entscheidungen und ihrer gesamten Tätigkeit nehmen werde zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes.

Staatsminister a D v 0 n S v d 0 w schilderte ausführlich den Werdegang, die außergewöhnlich schnelle und glanzvolle Laufbahn Heinrich von Stephans, sein Wesen und seine Per­sönlichkeitStephans Werk," so schloß der Redner,hat ihn überlebt. Was dauernd bestehen treiben wird, ist das Vorbild, das Stephan durch den Geist gegeben Hai. der ihn zu seinen Schöpfungen geführt, zu seinen Taten befähigt hat. Die Deutsche Reichöpost möge

stets von fachkundigen Männern geleitet sein.

die ihres Amtes im Sinne Stephans walten, indem sie mit freiem, durch kein Vorurteil beengtem Blick das Steuer führen und bei allem ihren Tun die Förderung des gemeinen Wohles zum alleinigen Leitstern nehmen

*

Kranzniederlegung am Grabe von Stephans.

Reichspostmintster Dr Schätzel legte in Begleitung der Staatssekretäre des Retchspostministcriums am Grabe des Ge- ueralpostmeisters von Stephan in Berlin einen Kranz nieder.

Der goldene Schlüssel

und die silbernen Kugeln.

Die Front gegen Deutschland auf der kommenden Genfer Konferenz scheint aufgerichtet und ausgerüstet zu sein, es hilft wenig, die Augen dagegen verschließen zu wollen! Bezeichnend war es ja schon, daß in der Ab­rüstungskommission der Vertreter Englands sich rest- und bedingungslos hinter seinen französischen Kollegen gestellt hatte; merkbar verschärfte sich die Tonart in der eng­lischen und der französischen Presse gegenüber jedem deutschen Revisionsbegehren und dabei blieb nicht einmal die amerikanische Unterstützung aus. Und schließlich sind auch noch die letzten finanziellen Differenzen zwischen Frankreich und England durch eine soeben abgeschlossene Konferenz in Paris ausgeräumt worden. Man hat sich dort geeinigt, und daran, daß diese Einigung politisch aus Kosten Deutschlands gehen soll, kann ein Zweifel kaum bestehen. Weiter: Schon vor ein paar Tagen war ein auffallend scharfer Artikel in einem halbamtlichen amerikanischen Organ er­schienen, der sich gleichfalls gegen die Anstrengungen der Reichsregierung, eine Revision des Young-Planes vor­zubereiten, gewandt hatte und behauptete, diese Politik Deutschlands sei gar nicht durch wirtschaftliche, sondern durch rein innenpolitische Gründe bestimmt. Und um das Bild zu runden: Jetzt schreiben die LondonerTimes" mit ähnlichen Worten, Die wirtschaftliche Lage Deutschlands sei noch lange nicht so gefährdet, um ein Moratorium für Deutschland herbeizuführen. Mit deutlichem Hinweis auf die englisch - französischen Finanzverhandlunqen wird dann gedroht, Deutschland führe durch seine augenblick­liche Politik nur eine Verstärkung der Solidarität seiner Gläubiger herbei.

Mit Vernunftgründen gegen diese Einstellung anzugehen, erscheint also ziemlich zwecklos. Nicht ein­mal die auch von der Gegenseite zugegebene Tatsache findet dort irgendwelche Beachtung, daß die deutschen Zahlungsverpflichtungen auf Grund des Young-Planes dem Werte nach ganz außerordentlich gestiegen sind ent­sprechend dem Sinken der Warenpreise überall in der Welt. Der. Störenfried Hierbei war aber nicht zuletzt Frankreich selbst, und die jetzt abgeschlossene Einigung in Paris sollte endlich Schluß machen mit den französischen Maßnahmen, von überall in der Welt her Gold in die Keller der Banque de France zu ziehen. Andererseits hatte sich Frankreich geweigert, in England während des Krieges untergebrachte Anleihen zu ihrem Goldwert zu bezahlen, den sie damals gehabt hatten. Auf den des­wegen eingeleiteten Pariser Verhandlungen hat man dies jetzt aber zugestanden und sich obendrein sogar nicht ungern bereit erklärt, die Goldsaugpumpe abzustellen, die die Bank von England bereits in arge Bedrängnis gebracht hatte. Daher erfolgte eine Diskontermäßigung in Frankreich. Und noch mehr dürfte vereinbart sein: Aus seinem riesigen Goldschatz wird Frankreich der englischen Industrie eine große Anleihe zur Verfügung stellen, während in Amerika zurzeit ein umfangreicherer Kredit nicht zu erhalten ist.

Auf diese Weise wird nun das angebahnte politische Bündnis zwischen Paris und London auch noch kredit­politisch fest untermauert. Denn es ist selbstverständ­lich, daß man in Frankreich nur denjenigen Ländern Geld leiht, die sich in der Abwehr des deutschen Revisionsvor­stoßes unbedingt der französischen Gegenfront eingliedern. Das ist der goldene Schlüssel, mit dem man das Tor vor den Revisionswünschen Deutschlands fest ver­schließt. Man hätte in Paris sogar nicht einmal etwas dagegen, auch der deutschen Wirtschaft mit einer Anleihe zu Hilfe zu kommen, aber natürlich nur dann, wenn man in Berlin nicht mehr von der Revision sprechen und außer­dem auch in der deutsch-polnischen Streitfragekurz zu treten" sich entschließen würde. Bekanntermaßen hat Frankreich schon in der Zeit vor dem Weltkriege große Erfahrungen in der Fragepolitischer" Anleihen sammeln können und hat dieses System auch nach dem Kriege weiter ausgebaut Man hat in Paris nicht bloß die richtigen Stahlgranaten, um die französische Hege­monie in Europa zu sichern, sondern man verfügt dort auch über einen ergiebigen Vorratsilberner Kugeln" für diesen Zweck.

Mrinr Zeitung für eilige Leser.

* Nachdem die Schlichtungsverhandlungen im Lohnkonflikt des Ruhrbergbaues ergebnislos verlaufen sind, hat der Schlich­ter einen neuen Einigungstermin für Freitag oder Sonnabend anberaumt.

* Zwei Flugzeuge des italienischen Geschwaders sind beim Abflug von Bolama nach Brasilien verunglückt, wobei 5 Per­sonen den Tod fanden.

* Bei einer Gedenkfeier anläßlich der 100. Wiederkehr des Geburtstages des Generalpostmcisters von Stephan würdigte Reichspostminister Dr. Schätzel die hohen Verdienste des Grün­ders der Reichspost und des Weltpostvereins.

* Staatssekretär a. D. Kempkes, langjähriger Leiter der Organisation der Deutschen Volkspartei, ist im Alter von 60 Jahren gestorben.

3» Wemding in Schwaben sind beim Eislauf vier Kinder eingebrochen und ertrunken.

In Paris fand unter großen Feierlichkeiten und unter Teilnahme des Diplomat, sche« Korps die 'leberführung der Lerche Marschall Zoffres in den Znvalidendom statt ...ÄÄ^^ «"-b-- f-»