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Heinrich von Stephan, der am 7. Januar 1831 geboren wurde, war ein Mann von seltenem Format. Er gründete den Weltpostverein, dem heute alle" Kulturstaaten angchören, und schuf die Deutsche R e i ch s p o st, die seinen mustergültigen Einrichtungen noch heute den Rus verdankt, die „findigste Behörde der Welt" zu sein. Ter Außenstehende vermag sich kaum einen Begriff davon zu machen, welches Maß von Sorgfalt und Scharfsinn sie oft aufwende« muß, um Sendungen mit besonders mangelhafter Aufschrift dem Empfänger richtig zuzuleiten. Dennoch häufen sich immer mehr die Fälle, in denen die Nachlässigkeit des Publikums die Post vor unlösbare Ausgaben stellt.
Am 7. Januar sind hundert Jahre vergangen, seit Heinrich Stephan (6er spätere Staatssekretär des Reichspostamts Heinrich von Stephan, Bild oben rechts) zu Stolp als Sohn eines Schneidermeisters und Ratsherrn geboren wurde. Seine glanzvolle Lausbahn entspricht den Verdiensten, die er sich um die Allgemeinheit erwarb. Mit nahezu prophetischem Weitblick begabt, gründete er den Weltpostverein, ein Werk von größter Tragweite für alle Kukturnationen. Er schuf völlig neue Grundlagen für den zwischenstaatlichen Verkehr und ersetzte eine Reihe umständlicher, alter Betriebsformen durch völlig neue.
Dieser Mann mit der eisernen Energie und seltenem Fleiß begnügte sich aber nicht allein mit der Verrichtung seiner Amtsgeschäfte, er fand nebenher noch die Zeit, sich für Literatur, Musik und Theater zu interessieren. Während seines Aufenthalts in Köln trat er mit eigenen Arbeiten über Theater und Musik vor die Öffentlichkeit^ von seiner Reise nach Ägypten brachte er so viel Eindrücke mit, daß er ein sehr kluges, heute noch aufschlußreiches Buch „Das heutige Ägypten" verfassen konnte.
Unter seiner Leitung nahm der deutsche Postverkehr einen beispiellosen Aufschwung; er bewährte sich als vortrefflicher Organisator der deutschen „Feldpost" im Siebziger Kriege und ihm haben wir zu danken, daß er die zahlreichen und eigenartigen Landesposten zur „Deutschen Reichspost" vereinigte.
„Ein schlechter Kerl, der nicht stets denkt, Gencralpost- meister zu werden!" rief er einmal einem Beamten zu, und wenn er zu schwierigen Verhandlungen mit fremden Mächten fuhr, wußte er stets die Widerstände auf formvollendete Weise aus der Welt zu schaffen. Es galt zum Beispiel, Preußens Postbeziehungen zu Spanien neu zu regeln. Der Vertrag war alt und ein Bries von Königsberg nach Madrid kostete damals mehr als ein Brief von Königsberg nach Newyork. Stephan beherrschte die spanische Sprache und machte sich „in einem alten Pelz und mit einem Fußfack" auf den Weg. In
Sie werden ihr Eied nicht mehr lange blasen!
jSüddeutfcbe Postillione betrachten die erste Eisenbahn.
Madrid bedeutete man ihm, daß die Königin Isabella ihrer Niederkunft entgegensehe und daß die Verhandlungen sich deshalb verzögern wurden. „Ich bin nicht wie die Königin der Nacht, die alle fünf Jahre eine Blüte erzeugt," meinte er trocken und batte den neuen Postvertrag binnen fünf Wochen in der Tasche. Mit Schweden verhandelte er wegen einer Postdampferlinie und von dieser Reise schrieb er, „das Reisen in den propperen Ländern schmeckt anders als in Spanien, man glaubt, in Pommern zu sein."
Man darf glauben, daß es kein kleines Unterfangen war, die Turn- und Taxissche Post, die auf ihr dreihundertfünfzig- jähriges Bestehen blickte, ohne Waffengewalt zu beseitigen. Stephan erreichte 1866 in Frankfurt a. M. auch dies.
Heute gehört zu den durch die Reichsverfassung gewährleisteten Grundrechten das „P o st g e h e i m n is". Früher, als Mönche und Kaufleute, Pilger und Reisende die Briefe beförderten, gab es keinen Schutz gegen Verletzung des Briefgeheimnisses. Dagegen gab es seit Bestehen der Nachrichtenübermittlung eine Art von Sendungen, die besondere Arbeit machte: die unbestellbaren Postsachen.
In den Postordnungen von 1712 und 1782 findet man schon die Bestimmung, daß bei. Briefen, die weder abgeholt noch zugestellt werden konnten, die Post „allen Fleiß anzuwenden hätte, solche Briefe an den gehörigen Mann zu bringen", andernfalls ein Aushang gemacht werden mußte. Von alters her also versuchte die Post stets, falsch adressierte Briefe dem Absender wieder zurückzugeben. 1804 wurde angeordnet, daß unzustellbare Briese an das Aufgabepostamt zurückzusenden seien, das „vermöge der ihm beiwohnenden Kenntnis der Korrespondenten seines Ortes die mehrste Zeit im Stande sei, den Absender auszumitteln".
Dieses Bestreben, übergebene Briefe wieder loszuwerden, führte dazu, daß es der Post gestattet wurde, Briefschaften, deren Absender weder vermerkt noch aus Siegel oder Wappen zu erkennen waren, zu öffnen, doch sollte nur von der Unterschrift Kenntnis genommen werden. Es ergaben sich aber wohl Unzuträglichkeiten, denn 1821 wurde dies wieder untersagt und eine „Retourbrief-Offnungs-Kommission" errichtet, sie sich mit den unzustellbaren Sendungen zu befassen hatte.
Und diese „Retourbries-Lfsnungs Kommission" besteht heute noch unter der Bezeichnung „Rückb rief stelle" (die
Bezeichnung wurde 1925 geschaffen) bei jeder Oberpostdirektion. Zusammengesetzt aus mindestens zwei Beamten, die unter Hinweis auf den Diensteid durch Handschlag verhandlungsschriftlich verpflichtet sind, die Absender unter Wahrung des Briefgeheimnisses verschwiegen und treu zu ermitteln.
Es ist ungemein interessant, einen Blick in dieses Gebiet des modernen Postverkchrs zu werfen, das abseits der sichtbaren Amtshandlungen bewunderungswürdige Arbeit be- wältigt. Betreten wir die Rückbriefstelle einer der größten Oberpostdirektion des Reiches: Ein geräumiges, Helles § immer, an den Wänden Schrank nfben Schrank. Zehn eamte arbeiten hier von morgens 8 Uhr bis nachmittags 4 Uhr fast ohne Unterbrechung, denn die Zahl der alle Tage eingehenden unzustellbaren Briefe, deren Absender möglichst ermittelt werden soll, beläuft sich auf 1200 und mehr!
Täglich befindet sich unter diesen Briefen ein ganzer Stoß von unbeschriebenen Umschlägen, die wohl eine Nachricht enthalten, jedoch keinerlei Aufschrift tragen. Die Vergeßlichkeit feiert hier Triumphe und niemand kann erwarten, daß solche Briefe, die keine sind, jemals an den Empfänger gelangen — wenn sich nicht wenigstens auf dem Briefbogen selbst eine Anschrift befindet. Leider ist die Sache in den weitaus meisten Fällen nicht so einfach und die Hauptaufgabe der Rückbriefstellc ist, wenigstens den Schreiber des Briefes zu ermitteln, damit ihm der halbfertige Brief ohne große Verzögerung wieder zurückgegeben werden kann.
Wie wird das gemacht?
Sus der gemütlichen vieclermeierzeit:
Hatte der Postbote morgens den Empfänger nicht mehr zu Hause angetroffen, so suchte er ihn wohl zur Zeit des Frühschoppens in seinem Stämmiohar auf.
Die Rückbriefsielle sucht natürlich vor allen Dingen, den Namen des Absenders und seine Wohnung zu erfahren. Wenn eine volle Unterschrift mit Vor- und Zunamen unter dem Brief steht, beginnt die Suche nach der Wohnung in Adreß- oder Telephonbüchern, im Branchenverzeichnis, Vereinsregister und anderen Nachschlagewerken. Unterschreibt jemand mit „Kurt- chen" und geht aus dem Inhalt des Briefes keinerlei Anhaltspunkt hervor, muß das Schreiben natürlich liegenbleiben, denn „Kurtchen" gibt es viele.
Das Museum der Vergeßlichkeit:
Der Nückbriefstelle machen die Postsachen ohne Anschrift die größte arbeit. In solchen Fällen versucht man aus dem Inhalt zu ersehen, wer der Absender sein könnte.
Eine Statistik verzeichnet für das letzte Jahr im Bezirk einer Oberpostdirektion 90 000 Priefsendungen, die trotz allen Bemühens liegenbleiben mußten und endlich vernichtet wurden. Immerhin ist diese respektable Anzahl nur etwa ein Viertel der bei einer Rückbriefstelle eingegangenen unbestellbaren Postsendungen.
Um die Weihnachtszeit herum häufen sich „Briefe an den Weihnachtsmann, teilweise rührend geschriebene Wunschzettel von armen Kindern, fast stets ohne Zuname des Absenders, so daß auch der Beamte, der diesen ^Verkehr mit dem Weihnachtsmann" zu regeln hat, nichts für das sehnsüchtige Kinderherz tun kann.
Viel Kopfzerbrechen machen oft Sendungen aus fremden Ländern, deren Aufschrift völlig verwischt und unleserlich geworden ist. Das kommt besonders häufig bei Briefen an Besatzung von Schiffen vor, die so oft nachgeschickt werden, bis das letzte weiße Fleckchen zugestempelt ist.
Auch mit offensichtlich geistesgestörten Personen hat die Rückbriefstelle nicht selten zu tun: eine Zeitlang ging Tag für Tag ein Brief (der unbestellbar war, da der Empfänger überhaupt nicht existierte) bei der Rückbriefstelle ein, der zehn und mehr eng beschriebene Bogen enthielt. Der Sinn des Geschriebenen war gleich null, scheinbar hatte der oder die
Schreiberin unter „Schretbwut" zu leiden und planlos einen Roman oder einen Katalog kopiert. Eng und mit zierlichen Schriftzügen waren die Bogen gefüllt, eine unglaubliche Arbeitsleistung, jeden Tag diese Menge Papier vollzuschreiben.
Um Strauchdieben an die Beine M fahren, trugen die Nürnberger Postboten in der Mitte des 17. Jahrhunderts zu ihrem Schutz solche Gabeln bet sich.
Neben Briefen aller Art gelangen auch unanbrinaliche Päckchen, denen die Absenderangabe fehlt, an die Rückbrief- stelle. Der Inhalt ist mehr oder minder wertvoll und es setzt in Erstaunen, zu hören, daß auch in diesen Fällen nur sehr selten vom Absender ein Fragebogen nach dem Verbleib der Sendung ausgeschicki wird. Das Publikum hat entweder keine Hoffnung, solche „verloren"geglaubte Sendungen wiederzuerhalten, oder es ist überraschend gleichgültig gegen Verluste. Selbst nach Briefen, die Geldscheine, mitunter sogar höhere Beträge, enthalten, fragt niemand und wenn ein Fragebogen eingeht, ist die Frage, ob Geldscheine in der Sendung waren, sehr häufig wider besseres Wissen verneint.
Verhältnismäßig leicht herauszufinden sind Adressen von ^berühmten Leuten", denen Straße und Ort nicht beigefügt ist. Ein Brief an Herrn Hugo Eckener in Deutschland oder den „besten Fußballspieler Berlins" gelangt selbstverständlich an seinen Adressaten, denn die „Aufklärungsbeamten" arbeiten nicht mechanisch, sondern nehmen ihr reiches persönliches Wissen von Namen, Geographie, Straßen und ein gutes Gedächtnis zu Hilfe.
Da notgedrungen doch in manchen Fällen der Inhalt des Briefes gelesen werden muß, läßt es sich ab und zu nicht vermeiden, daß die Beamten Kenntnis von delikaten Dingen erhalten. Infolgedessen müssen telephonische Anfragen nach dem Verbleib von nicht angekommenen Briefen verweigert werden, wie überhaupt das Publikum die Amtsräume der Rückbriefstelle im allgemeinen nicht betreten darf.
Und was geschieht mit den „als endgültig unanbrinaltch erkannten Postsendungen"? Die gesetzliche Haftung der Post erlischt, wenn alle möglichen Ermittlungen durchaeführt sind. Sie hat dann ein dingliches Recht an den Sendungen und kann sie vernichten, ihren Inhalt verkaufen oder sonst verwerten. Der Erlös fließt in die Post-Unterstützungskasse. Der Absender verliert aber dadurch noch nicht seine Ansprüche, vielmehr kann er sich noch immer melden und erhält dann die der Unterstützungskasse zugeflossene Summe — allerdings ohne Zinsen — zurück. Gewöhnliche Briefe, um die es sich meistens handelt, und die zum Verkauf nicht geeigneten wertlosen Gegenstände werden nach Verlauf von drei Monaten vernichtet.
Ein anderes Gebiet, auf dem die Reichspost „kriminalistisch" tätig ist, ist das Untersuchungswesen zur Sicherung gegen Beraubung der Postsendungen. Der Wachdienst arbeitet Tag und Nacht, mit der Kriminalpolizei besteht engste Verbindung, die modernsten Mittel und Untersuchungsmethoden werden angewandt wie Handschriftenvergleichung, Durchleuchtung, mikroskopische Untersuchung nach Spuren von Fingerabdrücken oder Stempeldurchdruck. Meistens stellt es sich heraus, daß die Postsendungen von ungetreuen Auflieferern schon vor der Einlieferung beraubt wurden, und die Reichspost stellt mit berechtigter Genugtuung fest, daß die Postkriminalität ständig zurückgeht, obwohl der Betrieb eine fast unübersehbare Ausdehnung erlangt hat.
Hermann Hacker.
wie gerne würde die post auch sie bestellen!
In der Weihnachtszeit häufen sich in den Briefkästen Wunschzettel an, namentlich von armen Rindern herrührend, als rührendster Ausdruck ihres Hoffens.
Vom alten Dreschflegel.
Das Wort „dreschen" verrät uns, daß die Körner durch Tiere aus den Aehren getreten bzw. getrampelt wurden, können wir doch schon im alten Testament lesen: „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, das Maul nicht verbinden". Später benutzten Aegypter und Römer geringelte Walzen hierzu. Bis in die neuere Zeit bediente man sich namentlich in kleineren Wirtschaften des Dreschflegels. An neuerer Zeit hat die Dreschmaschine die Dreschflegel abgelöst und man hört den letzteren nur pach, wenn der Pauer Getreide und Stroh vor Ankunft der
Dreschmaschine dringend notwendig hat und wenn man Strohseile braucht. Wenn sich, tpie gewöhnlich, mehrere Personen am Dreschen beteiligtem so muß für das Aufeinanderfolgen der Schläge mit dem Dreschflegel ein gewisser Wohlklang eingehalten werden, dem je nach der Zahl der Drescher Sprüche zu Grunde lagen. Wenn einer allein den Dreschflegel schwang, so sagte man: Gib acht, daß du nicht aus dem Takt kommst. Wenn zwei dreschen, so sagte man: Tipp, Tapp. Bei dreien: a) Hau du zu, b) es langt noch nicht. Bei vieren: Juckt dich dein Buckel? Bei fünfen: a) Hat dich dein Buckel gejuckt? b) Die Katz hat kein Zipfel, die Katz hat en Schwanz. Bei sechs Dre
schern: Drei Rappen, drei Schimmel. Diese Sprüche kann man bei alten Bauern hören. Es werden noch mehr vorhanden fein. Sie sollten gesammelt werden, bevor sie verloren gehen.
Verstimmung. „Du bist ja heute so verstimmt?" — denke dir nur, ich habe heute Nacht geträumt, ich hätte emen meiner Bekannten um 1000 Mark angepumpt und er hätte mir das Geld auch gegeben!" — „Das ist doch ' verstimmt zu sein!" — „Doch, ich kann mich nämlich nicht mehr erinnern, wer es war, der mir das Geld gegeben hatt"