Zul-aer /lnzeiger
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Nr. 301 — 1930
Fulda, Samstag, 27. Dezember
7. Jahrgang
Vie Kommende Genfer Ratstagung.
Wird Curtius in Genf profitieren?
Oder verzichtet der Reichsaußenmintster auf den Vorsitz der Ratstagung.
Wie in politischen Kreisen Berlins verlautet, wird alle« Ernstes erwogen, ob für Die bevorstehende Ratstagung des Völkerbundes im Januar, deren Vorsitz diesmal in der Reihenfolge Deutschland zustünde, der Reichsaußenminister nicht auf den Vorsitz zugunsten des folgenden englischen Vertreters verzichten solle.
Die Befürworter des Planes machen geltend, daß diesmal eine Reihe von für Deutschland sehr wichtige Punkte auf der Tagesordnung stehen.
Es handelt sich in der Hauptsache um die Minderheiten- beschwcrde,
zu deren wirksamer Vertretung, mit notfalls auch demonstrativen Mitteln, der Vertreter der deutschen Regierung die nötige Bewegungsfreiheit haben müsse. Die Ausgaben des Ratspräsidenten, die immerhin eine starke Arbeitsbelastung bedeuten und den jeweiligen Inhaber allzusehr neutralisieren, ließen sich mit einer kraftvollen Vertretung bestimmter nationaler Forderungen nicht vereinen.
Eine Entscheidung hierüber ist im übrigen noch nicht gefallen.
Polen unierrichiei Frankreich.
Unterredung Briands mit dem polnischen Botschafter.
Außenminister Briand empfing den polnischen Botschafter in Paris, Chlapowski, mit dem er eine eingehende Aussprache hatte. In gut unterrichteten Kreisen glaubt man, daß der Botschafter den französischen Außenminister über die polnische Auffassung der deutsch-polnischen
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Friedenswünsche des Papstes.
Weihnachtsansprache an die hohe Geistlichkeit.
• Ä u, .wtfbhww saale versammelt hatten, um den Papst durch den Kardinal- dekan ihre Weihnachtsglückwünsche zum Ausdruck zu bringen, eine bedeutsame Ansprache, die etwa 40 Minuten dauerte. Nach dem Dank für die Glückwünsche nahm der Papst auf die erfreulichen Ereignisse des Jahres Bezug, so vor allem aus die Zunahme der Missionsbewegung und bedauerte dann einige betrübliche Tatsachen, wie sie die Geschichte bisher nie zu verzeichnen hatte, vielleicht weil im Laufe der gesamten Weltgeschichte die Welt sich nicht in so wechselseitig verknüpften Beziehungen befunden habe wie jetzt.
Der Papst wies aus die W c l t w i r t s ch a f t s k r i s e und vor allem auf die große Arbeitslosigkeit hin, die die Notwendigkeit einer christlichen, sozialen Ordnung erheische, die eine brüderliche Zusammenarbeit statt des Kampfes ermögliche. Der Papst fügte hinzu, die Befürchtungen, mit der einige die dichten Wolken am Horizont sähen, seien übertrieben, da die Wolken nicht immer Vorboten eines Sturnles seien und die Christen aus die Vorsehung vertrauen müßten. Eine große Gefahr liege in der Zunahme der Unsitten und in der Duldung von Grundsätzen, die jedes Gesetz untergraben. Dann faßte der Papst seine an die ganze Welt gerichteten Wünsche für den Frieden zusammen, der nur der Friede Christi sein könne. Der Friede Christi könne aber nicht erreicht werden, so lange die Welt nur an materielle Güter denke. Friede sei kein konfuser Pazifismus. Ein weiterer Irrtum sei der Glaube, daß es einen äußeren Frieden gebe ohne einen inneren Herzensfrieden. Einen Pötterfrieden könne cs nicht geben, so lange von innen und außen Gefahren droh ten, gegen die keine ausreichende Abwehr bestünde. An einen neuen Krieg könne und wolle der Papst nicht glauben.
Pius XI. kündigte ferner eine Enzyklika an, bte von der christlichen Ehe handeln werde.
Der Kampf gegen die Religion.
Das Weihnachtsfest in Moskau.
Das Weihnachtsfest ist in Moskau sowie in der ganzen Sowjetunion im Zeichen des Kampfes gegen die Religion verlaufen. Alle Betriebe haben am 25. und 26. Dezember, wie üblich, gearbeitet. Trotz der Hetze gegen das Weiy- nachtsfest waren am Abend sämtliche Kirchen in Moskau überfüllt. Die Behörden hatten jedoch den Sängern der Staatsoper verboten, in den Kirchen zu singen, ^n "0s- kau haben am Heiligen Abend etwa hundert antireligiöse Versammlungen stattqefunden, in denen die Vertreter der Kommunistischen Partei zum Kampf gegen die Religion aufforderten und die weitere Schließung von Kirchen verlangten. Im Auftrage des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei sprach Jaroslawski, der die europäischen Kirchen beschuldigte, einen neuen Krieg gegen Moskau zu organisieren. m „ ,,
In Moskau und Leningrad wurden zu Weihnachten zwei religionsseindt'che Ausstelllingen eröffnet.
Berenguer ernstlich erkrankt.
Verschlimmerung im Befinden des spanischen
M i n i st e r p r ä f i d e n t e n
Nach Meldungen aus Madrid hat sich das Bcsindcn des Generals Berengucr in den letzten Tagen verschlimmert. i_cr spanische Ministerpräsident, der bereits Die Gejcha,le der Re- gierung wieder übernommen hatte, muß aus Anraten der Ärzte das Bett hüten. General Berenguer leider an einer yaw- krankheit.
Zwischenfälle unterrichtete und sich insbesondere mit ihm über die drei Roten unterhielt, die Deutschland in diesem Zusammenhänge an den Völkerbund geleitet hat.
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Amerikanische Ukrainer
protestieren gegen Polen.
Internationale Untersuchung verlangt.
Einzelheiten eines Protestes, der von 20 000 amerikanischen Ukrainern wegen der polnischen Greuel in Ostgalizien bei einer Massenversammlung in Philadelphia beschlossen wurde, werden veröffentlicht. Die Kundgebung, die an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, die Regierungen von Frankreich, England, Italien und Japan und an den Generalsekretärdes Völkerbundes gerichtet ist, verlangt: 1 alle Einflüsse geltend zu machen, um Polen zur Einhaltung der internationalen Verträge und des internationalen Rechts zu zwingen, 2. Entsendung einer internationalen Untersuchungskömmission nach Galizien, 3. Gewährung des Selbstbestimmungsrechtes an die Ukrainer, die Europa vor dem Bolschewismus bewahrten.
Die Kundgebung stellt fest, daß Ostgalizien und vier weitere Provinzen mit sieben Millionen Ukrainern gegen den Willen der Bevölkerung an Polen abgetreten wurden, und daß die polnische Regierung in den legten zwölf Jahren, und besonders in den letzten drei Monate», fortgesetzt das internationale Recht und die Verpflichtungen ihrer Verträge mit den Unterzeichnern des Versailler Vertrages verletzt habe.
Arbeitersiedlung in Oberschiesten.
Verminderung der Erwerbslose« angestrebt.
Der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Dr. Steiger, hatte in das Oberpräsidium in Oppeln zu einer Erörterung der Frage geladen, ob und in welchem Umfang die ernste Lage der oberschlesischen Erwerbslosen durch die ländliche Siedlung erleichtert werden könne. An der Besprechung nahm außer dem Minister auch der Generaldirektor Bollert vom preußischen Landwirtschaftsministerium teil. Ferner waren vertreten der Präsident des Landeskulturamtes Breslau, desLandeS- arbeitsamtes Schlesien, Zweigstelle Oberschlesien, sowie die Oberschlesische Landwirtschaftskammer, die Oberschlesische Landschaft, die Oberschlesische Wohnungsfürsorge- gesellschaft, die Landesstelle Oppeln und der Berg- und Hüttenmännische Verein. Die in Frage kommenden Siedlungsprobleme wurden eingehend erörtert.
Eine Geburts- und Mutiermedaille,
die als Familicngedenkstück zur Erinnerung an Die Stunde Der Geburt von der Preußischen Staatsmünze in Bronze, Silber und Gold geprägt wird und durch die Berliner Zentralstelle deutscher Gedenkmünzen zur Ausgabe gelangt. Die Vorderseite zeigt eine symbolische Darstellung des Mutterglücks, während die Rückseite das Lebensbuch, durchrankt von jungen Lebensbäumchen, darstellt Die Seiten de« aufgeschlagenen Buches sollen zur Eingravierung des Geburtsdatums bzw. zur Aufnahme späterer wichtiger Lebensdaten dienen.
3ntianerüberfoll mf Fords Gummiplaniagen.
Einundzwanzig Personen getötet.
Die im Innern des nordbrasilianischen Staates Para gelegenen großen Gummiplantagen Fords sind von Indianern überfallen worden. Dabei sollen einundzwanzig Ansiedler getötet und mehrere verschleppt worden sein. Die Regierung des Staates Para hat ein amerikanisches Verkehrsflugzeug beschlagnahmt, um die auf der Plantage ansässigen Amerikaner in Sicherheit zu bringen. Nach den Plantagen sind Truppen entsandt worden, deren Eintreffen jedoch nicht vor Ende der Woche erwartet wird.
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Ein Dorf in Burma von Räubern überfallen.
Wie aus Rangun gemeldet wird, haben 500 Räuber in Oberburma ein Dorf überfallen, wobei es sieben Tote und zahlreiche Verletzte gab. Die Polizei mußte sich vor den Räubern zurückziehen, da ihre Munition völlig erschöpft war Von Rangun sind Verstärkungen unterwegs, um die Ordnung wiederherzustellen.
Krästefammlung.
Erholung vew der Politik. — Angenehme Enttäuschungen. Wendepunkt der Wirtschaftskrise?
Ein wenig langsamer schlägt zwischen Weihnachten und Reujahr der Puls unseres wirtschaftlichen und politischen Leben«; etwas vom Fest tragen wir doch hinein in de« grauen Alltag der Wirklichkeit. Die kurze Spanne des Atemholens, des Sichbesinnens, der „Ferien vom Dasein" soll neue Kräfte erstehen lassen. Gerade im politische« Leben der letzten Monate wurde an ihnen etwas wie Raubbau getrieben, und wenn ein Teil der Minister Erholung sucht fern vom Ort ihrer sonstigen Tätigkeit, so kann man es ihnen nach der wilden Arbeit der letztvergangenen Zeit wohl gönnen. Man möchte das scherzhaft dahin erweitern, daß wir selbst, die Regierten, uns ein wenig Ruhe gönnen vor den Regierenden. Denn nun soll es sich doch erst zeigen, ob und wie sich das alles auswirkt, was die Regierung an Gesetzen, Verordnungen usw. über das deutsche Volk auSgeschüttet hat. Und das war wirklich nicht wenig. Das alles muß erst einmal gründlich verarbeitet werden, nicht zuletzt von den Behörden selbst; die Maschine muß sich einspielen. Dabei steht noch manches Zusätzliche in gar nicht so ferner Aussicht; Dr. Brüning hat das, was er in den vergangenen Wochen durchsetzte, ja erst als einen Beginn bezeichnet. In rasend-aufreibendem Tempo geht es vorwärts. Ob auch — aufwärts? Wir wissen es nicht, erhoffe« es aber. Ob aufwärts auch auf dem so mühsame» Wege unserer Außenpolitik? Auch darauf ist nur zu antworten: Wir wissen es nicht, wir erhoffen es aber. Erhoffen es stärker als sonst; denn der Außenminister wird für die I a n » a r t a g u u z d e s P ö l k e r- bunbrate« gesammelte Kräfte brauchen. Für die Auseinanderfetz«ng mit Polen. Denn diesmal wird es sich nicht nur nm Schulfrage« i« Oberschiesten, um Rechts- verweigerunge« in Posen und „Pommereklen' der deutsche» Minderheit gegenüber handeln Heute schreit Blut, deutsches Blut zum Himmel, Mißhandlung, Raul» der primitivsten Menschen- und Bürgerrechte. Gewiß wollen wir eS nicht überschätzen, daß man in der Welt etwa« aufmerksam geworden ist daraus, wie Polen mit seinen Minderheiten verfährt, daß ausländische Augenzeuge» selbst Scheußlichstes zu berichten genötigt waren. In der Atmosphäre von Genf, im Völkerbundrat, sind andere Einflüsse mächtig als die des Rechts, der Gerechtigkeit, der Moral. Ob sie übermächtig sind, wird sich in kommenden Tagen entscheiden. Aber in gesammelter Kraft, in der Rüstung dieses Rechts wird Deutschlands Vertretung vor dem Völkerbund erscheinen, der nicht zuletzt die Wahrung des Rechts der Minderheiten als Quelle seines Entstehens hat.
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Nach dem Fest erfolgt nun auch das w i r 1 f ch a f t - l i ch e Sichbesinnen. Und da stellt es sich heraus, daß — inan ist vorsichtig, und zurückhaltend geworden — das Weihnachtsgeschäft, also wohl die wichtigste, ja entscheidende Verkaufspenode des Jahres, besser geworden ist, als im allgemeinen geglaubt und vor allem befürchtet wurde. Selbstverständlich läßt sich der Umsatz dem Gesamtwerte nach nicht mit dem des Vorjahres vergleichen, das übrigens auch schon unter dem Zeichen der Krise stand. Seitdem ist ja das Einkommen des deutschen Volkes erheblich gesunken, aber — wenn man sich aus den bisherigen „Siluationsmeldungen" ein ungefähres Bild machen darf — mengenmäßig ist auf vielen Gebieten des Einzelhandels der Absatz längst nicht in Dem befürchteten großen Ausmaß geringer geworden, bar sich vielmehr sogar hier und da auf der vorjährigen Höhe gehalten. Der Preisabbau wiederum hat auch nach der Richtung hin gewirkt, daß z. B. in der Textilwirtschaft Die Abwanderung der Käufer in die billigeren Qualitäten hinein doch nicht so umfangreich wurde, wie man nach den Erfahrungen der letzten Zeit geglaubt hatte. erwarten zu müssen. Daß die ausgesprochene Luxusindustrie weniger auf ihre Koste« gekommen ist, dürfte aus der Hand liegen. Soll man auS der im allgemeine« „angenehmen Enttäuschung" nun schon weitergehende Schlüsse ziehen? Daß auch jetzt, wie schon einmal vor fünf Jahren, das Weihnachtsfest Den Wendepunkt der Wirtschaftskrise bringt? Wohl möchte man auch dies erhoffen, aber man ist vorläufig noch allzu pessimistisch. Die Viermillionenzahl der Arbeitslosen war das niederdrückendste „Geschenk", das uns auf den Weihnachtstisch gelegt wurde. Wenn aber aus dem weihnachtS • geschäftsmäßigen Ansteigen des Absatzes auch nur eine stärkere Belebung übrigbleibt, die nun bald in den Wochen der „Saisonausverkäufe" neue Antriebe erhalten wird, dann darf man wohl damit rechnen, daß dementsprechend auch neues Leben aus den Ruinen der Erzeugung blühen wird, weil von dort her der Einzelhandel die Läger wieder auffüllen muß. Auch die Wirtschaftskonjunktur setzt sich selbst nach oben in weitere Bewegung, wenn sie nur einmal den ersten gründlichen Anstoß erhalten hat. Wenn trotzdem heute noch nicht gar so selten schwarzsehend? Pessimisten murmeln, daß es im Januar „noch viel schlechter" werden wird, so darf man demgegenüber doch wohl nach der Bilanz des Weihnachtsgeschäftes wieder auf eine „angenehme Enttäuschung" hoffen, ohne Damit nur in einen unbegründeten oder übertriebenen Optimismus zu verfallen. Dr. Pr.
Kleine Zeitung für «ilige Leser.
* Der Papst hielt an die hohe Geistlichkeit eine Weihnachtsansprache. in der er sich besonders für de« Frieden einsetzte.
. * Zur Verminderung der Arbeitslosigkeit in Oberschlesten soll»» hort Arbertsrsiedmnge« -itigelegt merbfetr
. »iaem «rdkeÜAl in Argenttnien wurden 35 Personell getötet, 70 verletzt. * '